Was ist ein Gedanke?

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt sich in der Philosophie der Zweig der analytischen Philosophie, deren Grundlagen u.a. auch die Philosophie des Geistes (mind) betreffen
Burkart
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So 22. Jan 2023, 17:55

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 13:54
Ich führe mein Selbstgespräch jetzt noch etwas weiter: Nehmen wir an, Klara denkt, dass Max ein Junggeselle ist, während sie gleichzeitig denkt, dass derselbe Max mit Lisa verheiratet ist. In dem Fall würde ich sagen, dass Klara sich irrt, denn ein Junggeselle ist eben gerade nicht verheiratet. Mit anderen Worten, Gedanken wie diese gehören in einen Bereich des Normativen. Es ist falsch, gleichzeitig zu glauben, dass Max Junggeselle ist, wie zu glauben, dass Max verheiratet ist.

Rätselfrage: Wie kann man allein mit Mitteln der empirischen Hirnforschung herausfinden, dass Klara irrt?
Notfalls, in dem neuere Daten mehr Wert zugeordnet wird. Oder ggf., bei denen es mehr (plausible) Daten gibt.
Aber klar, ein wenig Logik, z.B. die des Nachfragems im Zweifelsfalle, kann nicht schaden ;)



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Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Timberlake
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Mo 23. Jan 2023, 00:20

Burkart hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 11:41
Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 11:21
Gedankenaustausch ist oft nicht einfach. Aber das zu sagen heißt, zu akzeptieren, dass es Gedankenaustausch gibt, auch, wenn er oft schwierig sein mag. Da wir aber Gedanken austauschen und keine Aktionspotentiale, haben wir ein Problem mit der Idee, dass die Gedanken mit den Aktionspotentialen identisch sind. Jede Erklärung, was Gedanken sind, muss diesen Umstand, das wir Gedanken austauschen können, selbst wenn es oft schwer ist, berücksichtigen und nicht unmöglich machen.
Vielleicht kann man es so sehen:
Gedanken sind etwas Abstraktes oder zumindest Abstrahiertes auf Basis von Aktionspotentialen. Damit können gleiche/ähnliche Gedanken auf individuell sehr unterschiedlichen Aktionspotentialen basieren.
Wenn wir z.B. gedanklich (hm, sprachlich!?) austauschen, dass das Postauto gelb ist, interessieren uns die genauen Aktionspotentialen wirklich nicht (und diese können halt sehr unterschiedlich sein).
.. und wie ist es um die Aktionspotentialen bestellt , wenn auf Grund des Post-Streik das "gelbe" Postauto nicht kommt ? Dazu und zwar zu den untrerschiedlichen Aktionspotentialen von Arbeitgebern und Arbetnehmern , bezüglich der Lohnfindung, nur noch mal zur Erinnerung ..
Timberlake hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 01:27

.. unterschiedliche Aktionspotentiale , die sich beispielsweise tatsächlich durch unterschiedliche Interessen bemerkbar machen. Bewegen sich doch dann die Gedanken dem entsprechend mehr oder weniger , um diese Interessen. So werden sich beispielsweise sich die Gedanken eines Arbeitgebers, insbesondere bei der Lohnfindung , ganz sicher nicht in die gleiche Richtung bewegen , wie die eines Arbeitnehmers. ..
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 21. Jan 2023, 13:19
Was besagt das im Hinblick auf den Umstand, um den es dabei geht? Wir können Gedanken teilen, ob vage, grob, detailreich oder wie auch immer. Wir teilen allerdings nicht die "Aktionspotentiale". Daraus folgt, dass die Gedanken nicht mit den "Aktionspotenzialen" identisch sein können, wie weiter oben vorgeschlagen.
Im Hinblick darauf will ich wohl meinen , dass wir nicht die gleichen "Aktionspotentiale" teilen. Gleichwohl das Entstehen von solchen Aktionspotenzialen gemäß dem Gesetz von der Einheit und dem "Kampf" der Gegensätze unvermeidlich ist. ..
  • Dialektischer Materialismus .. Grundlagen

    Das Gesetz von der Einheit und dem "Kampf" der Gegensätze: Triebkraft jeglicher Entwicklung ist der Widerspruch zwischen dualen Polen, der natürlichen und sozialen Prozessen grundsätzlich inhärent ist.





Timberlake
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Mo 23. Jan 2023, 00:37

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 13:54
Ich führe mein Selbstgespräch jetzt noch etwas weiter: Nehmen wir an, Klara denkt, dass Max ein Junggeselle ist, während sie gleichzeitig denkt, dass derselbe Max mit Lisa verheiratet ist. In dem Fall würde ich sagen, dass Klara sich irrt, denn ein Junggeselle ist eben gerade nicht verheiratet. Mit anderen Worten, Gedanken wie diese gehören in einen Bereich des Normativen. Es ist falsch, gleichzeitig zu glauben, dass Max Junggeselle ist, wie zu glauben, dass Max verheiratet ist.

Rätselfrage: Wie kann man allein mit Mitteln der empirischen Hirnforschung herausfinden, dass Klara irrt?

.. und so erlaube ich mir mal auch .. "mein Selbstgespräch" .. jetzt noch etwas weiter zu führen : Nehmen wir an Klara denkt, dass Max ein Arbeitgeber bei der Post ist, während sie gleichzeitig denkt, dass derselbe Max sich für eine Lohnerhöhung bei Lisa einsetzt, die ein gelbes Postauto fährt . In dem Fall würde ich sagen, dass Klara sich irrt, denn ein Arbeitgeber setzt sich gerade nicht für Lohnerhöhung bei seinen Arbeitnehmern ein . Mit anderen Worten, auch Gedanken , wie diese gehören in einen Bereich des Normativen. Es ist falsch, gleichzeitig zu glauben, dass Max ein Arbeitgeber ist , wie zu glauben, dass sich Max für Lohnerhöhungen einsetzt.

Themenstarter .. Was ist ein Gedanke?
Tishk hat geschrieben :
Do 12. Jan 2023, 18:25
Ein Gedanke ist eine mentale Repräsentation einer Idee oder eines Konzepts. Es kann eine Vorstellung, eine Überlegung oder ein Gefühl sein, das im Gehirn entsteht und durch die Verarbeitung von Informationen und Erfahrungen beeinflusst wird. Gedanken können bewusst oder unbewusst sein und können verbal oder nonverbal sein.

Können sich Gedanken fortpflanzen und weiterentwickeln? Sie bestehen ja nicht aus Materie...oder?
.. im Hinblick darauf , also dem " Bereich des Normativen " ( Jörn Budesheim) , können sich Gedanken möglicherweise eben nicht weiter fortpflanzen und weiterentwickeln. Da sind sie gleichsam "normativ" zementiert.




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Jörn Budesheim
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Selbstgespräch 02
Christian Wolf hat geschrieben : Wie in den meisten antiken Kulturen – wie Ägypten oder China – betrachtete man auch im alten Griechenland das Herz als wichtigstes Organ des Denkens.
Das Gehirn hingegen stellte man sich vor als Kühlsystem. Vermutlich wird man entsprechend andere Metaphern fürs Denken verwendet haben. Was bedeutet das für unsere Frage? Die Vorstellungen davon, wie Denken "funktioniert" sind historisch variabel. Das gilt nicht nur für die Vorstellung davon, was Denken ist. Vieles, was wir denken, entstammt solchen historischen Prozessen.

Wie kommen wir zu unseren Gedanken? Kommen die Gedanken wirklich aus dem Gehirn? Das halte ich für fragwürdig. Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. Die Gedanken kommen dementsprechend nicht aus dem Gehirn, denn es ist vielmehr umgekehrt: Das Gehirn stammt aus den Gedanken. Mit anderen Worten: Jedes Gehirn wird (auch) durch die Vorurteile seiner Zeit geformt. Jedes menschliche Wesen ist von Anfang an in dauerndem Kontakt mit Seinesgleichen. Und (auch, aber natürlich nicht nur) aus diesem Austausch formt sich das Gehirn. Man könnte diesen Gedanken wahrscheinlich noch ausweiten, wenn man nicht nur unsere Geistesgeschichte in den Blick nimmt, sondern die Evolution des Menschen, das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt.




Burkart
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Mo 23. Jan 2023, 23:49

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Selbstgespräch 02
Keine Sorge, ich kommentiere mal wieder ;)
Wie kommen wir zu unseren Gedanken? Kommen die Gedanken wirklich aus dem Gehirn? Das halte ich für fragwürdig.
Nicht "aus", sie sind für mich grob das, was unserer (bewusstes) Gehirn abstrakt als grobe (Denk-)Objekte ausmacht. Aber für dich sind Gedanken ja etwas, was eher noch abstrakter, weil unabhängig vom Gehirn ist.
Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. Die Gedanken kommen dementsprechend nicht aus dem Gehirn, denn es ist vielmehr umgekehrt: Das Gehirn stammt aus den Gedanken.
Also, etwas Materielles kann schlecht aus nur etwas Abstraktem entstehen.
Mit anderen Worten: Jedes Gehirn wird (auch) durch die Vorurteile seiner Zeit geformt.
Warum "Vorurteile"?`Warum nicht einfach "durch seine Welt geformt"? Natürlich ist unser Gehirn im Sinne von unserem Denken sehr mit unserer Welt verknüpft und formt sich so quasi, z.B. lernend und folgernd aus Weltdaten.
Jedes menschliche Wesen ist von Anfang an in dauerndem Kontakt mit Seinesgleichen.
Also nur mit seiner Mutter am Anfang.
Und (auch, aber natürlich nicht nur) aus diesem Austausch formt sich das Gehirn. Man könnte diesen Gedanken wahrscheinlich noch ausweiten, wenn man nicht nur unsere Geistesgeschichte in den Blick nimmt, sondern die Evolution des Menschen, das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt.
Dem stimme ich ungefähr zu.



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Fr 27. Jan 2023, 01:04

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Selbstgespräch 02

Jedes Gehirn wird (auch) durch die Vorurteile seiner Zeit geformt. Jedes menschliche Wesen ist von Anfang an in dauerndem Kontakt mit Seinesgleichen. Und (auch, aber natürlich nicht nur) aus diesem Austausch formt sich das Gehirn. Man könnte diesen Gedanken wahrscheinlich noch ausweiten, wenn man nicht nur unsere Geistesgeschichte in den Blick nimmt, sondern die Evolution des Menschen, das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt.
Genau ... "das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt". Dem zufolge werde unsere Gedanken auch von "steinzeitlichen" Vorurteilen geformt. Stichwort . Steinzeitgehírn



  • Wie damals, in der Höhle?

    ... Das tierische Erbe dominiert bis heute. Unser Gehirn hat sich in den letzten 40 000 Jahren kaum verändert. Im Prinzip tragen wir alle ein Steinzeithirn mit uns herum. Würden wir ein Baby aus der Steinzeit adoptieren und in der Gegenwart grossziehen, käme es in unserer Welt mit grösster Wahrscheinlichkeit bestens zurecht.

    Der Hirnforscher Martin Meyer leitet die Fachrichtung «Neuroplastizitäts- und Lernforschung des gesunden Alterns» am Psychologischen Institut der Universität Zürich. Er wundert sich nicht, dass der Mensch dem Klimawandel mit Ignoranz und Passivität begegnet. Unser Gehirn sei nicht dazu geschaffen, die Tragweite von langfristigen Entwicklungen zu erkennen.




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So 5. Feb 2023, 21:22

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Die Gedanken kommen dementsprechend nicht aus dem Gehirn, denn es ist vielmehr umgekehrt: Das Gehirn stammt aus den Gedanken
Beides ist falsch.




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Jörn Budesheim
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Gut zu wissen.




Körper
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So 5. Feb 2023, 22:45

Pseudonym hat geschrieben :
So 5. Feb 2023, 21:22
Beides ist falsch
Richtig.
Würdest du sagen, dass es Farben sind, die der Anlass für die Überzeugung vom Sehen von Farben sind?
Würdest du sagen, dass es ein Gedanke ist, der der Anlass für die Überzeugung vom Haben eines Gedanken ist?




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Mo 6. Feb 2023, 07:59

Körper hat geschrieben :
So 5. Feb 2023, 22:45
Würdest du sagen, dass es Farben sind, die der Anlass für die Überzeugung vom Sehen von Farben sind?
Würdest du sagen, dass es ein Gedanke ist, der der Anlass für die Überzeugung vom Haben eines Gedanken ist?
Ich würde beides bejahen. Wobei der interessante Teil damit noch nicht beantwortet ist, die Frage nämlich, was dieses 'Anlass-Sein' nun genau heißt. Offen ist auch, ob es in beiden Fällen dasselbe bedeutet.




Körper
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Mo 6. Feb 2023, 09:34

Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 07:59
Ich würde beides bejahen.
OK, das ist erstaunlich, denn oben lagen wir noch gleich auf mit "Gedanken kommen nicht aus dem Gehirn und Gedanken machen nicht das Gehirn".
(wobei es als poetische Formulierung natürlich immer durchgewunken werden kann)
Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 07:59
Wobei der interessante Teil damit noch nicht beantwortet ist, die Frage nämlich, was dieses 'Anlass-Sein' nun genau heißt.
Nun, wir verwalten es im Grunde so.

Im Fall des Sehens kann ich nicht einfach entscheiden, was ich sehen will, sondern ich bin darauf festgelegt, dass ich sozusagen "etwas vor mir habe" (also in Blickrichtung).

Bei der Überzeugung "Ich habe einen Gedanken" ist es ähnlich, denn ich muss zuerst denkend aktiv sein, bevor ich diese Aktivität als "mein Haben eines Gedankens" einordne.

In beiden Fällen bauen wir die Überzeugung eines Beobachters auf (auch wenn ein Mensch im zweiten Fall "zuerst" der Durchführende ist).

Für beide Fälle sage ich: nicht "Farbe" und nicht "Gedanke" ist der Anlass.

Wenn ich deine Haltung richtig einschätze, dann musst du im Grunde für einen Wahrnehmungsvorgang eine 100% (also 1:1) Genauigkeit ins Spiel bringen oder du hast eine andere Vorstellung von "Wahrnehmungsvorgang" (vielleicht auch einen andere Vorstellung von dem, was vorhanden ist).

Ich für meinen Teil gehe von Vorgängen im Nervensystem aus und vom Prinzip her ist das dann immer eine Reaktion, die möglichst detailliert entlang der Einwirkungen abläuft.
Da es aber immer eine Detailauflösung in dieser Reaktion geben muss, wird die 100% (1:1) Genauigkeit eher nicht erreicht.
Unsere Reaktionen/Überzeugungen sind sozusagen immer nur "plausibel" zu dem, was auf uns einwirkt.

Im günstigen Fall passt die Überzeugung ganz gut zum Anlass und funktioniert auch, innerhalb des Zuganges.
Wird der Zugang aber verändert (z.B. durch eine Untersuchung über Messgeräte), dann werden neue Anteile der Anlässe aufgedeckt, wodurch wir dann erstaunt sind, dass wir nicht genau das vorfinden, was wir uns vorstellen.
Beim Sehen von farbigen Oberflächen geht es eigentlich um die Unterschiede innerhalb von Strahlung, die auf die Oberflächen trifft und danach auf uns einwirkt.

Analog sehe ich es für den Fall des Gedankens. Auch hier suche ich nach den Unterschieden und stelle lokale Veränderungen im biochemischen Haushalt der zuvor aktiven Nervenzellen fest.
Ich will jetzt nicht behaupten, dass dies schon die abschliessende Erklärung ist, aber dir dürfte die Richtung klar sein, in der ich meine Vermutungen anstelle.
Irgendwie müssen unsere Ansätze an diesen Stellen aber komplett auseinander liegen.




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Mo 6. Feb 2023, 13:25

Körper hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 09:34
Beim Sehen von farbigen Oberflächen geht es eigentlich um die Unterschiede innerhalb von Strahlung, die auf die Oberflächen trifft und danach auf uns einwirkt.
Analog sehe ich es für den Fall des Gedankens. Auch hier suche ich nach den Unterschieden und stelle lokale Veränderungen im biochemischen Haushalt der zuvor aktiven Nervenzellen fest.
Das hat mit sehen und denken noch nicht viel zu tun. Was du beschreibst, sind biologische Mechanismen. Interessant wird es erst, wenn man die Frage stellt, wie die Biochemie zum Sehen und Denken wird, bzw. umgekehrt, wie wir in unserem Denken die Biochemie konstruieren, und wie dann beides, das Wahrnehmen und Konstruieren, zusammenspielt.




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Mo 6. Feb 2023, 14:40

Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 13:25
Interessant wird es erst, wenn man die Frage stellt, wie die Biochemie zum Sehen und Denken wird ...
Warum wird es erst hier interessant? Ist das "Denken der Zeit", sind die Vorurteile der Kultur, der man angehört, weniger interessant?




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Mo 6. Feb 2023, 17:21

Warum wird es erst hier interessant? Ist das "Denken der Zeit", sind die Vorurteile der Kultur, der man angehört, weniger interessant?
Nein. Das habe ich auch nicht gesagt. Meine Aussage war: die Biochemie allein ist nicht besonders interessant, wenn es um die Frage des Wahrnehmens und Denkens geht.




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Mo 6. Feb 2023, 17:41

Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 17:21
Das habe ich auch nicht gesagt.
Ich hatte den Eindruck. Deswegen:
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. [In diesem Sinne kann man sagen] Das Gehirn stammt aus den Gedanken
Pseudonym hat geschrieben :
So 5. Feb 2023, 21:22
[Das] ist falsch.
Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 13:25
Interessant wird es erst, wenn man die Frage stellt, wie die Biochemie zum Sehen und Denken wird ...
Ich lese das so: die Idee, dass wir Kinder der Geschichte sind, ist falsch und (wortwörtlich) nicht der Rede wert, interessant wird es erst, wenn man die Frage stellt wie die Biochemie zum Sehen und Denken wird.




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Mo 6. Feb 2023, 18:19

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 17:41
Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 17:21
Das habe ich auch nicht gesagt.
Ich hatte den Eindruck. Deswegen:
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. [In diesem Sinne kann man sagen] Das Gehirn stammt aus den Gedanken
Pseudonym hat geschrieben :
So 5. Feb 2023, 21:22
[Das] ist falsch.
Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 13:25
Interessant wird es erst, wenn man die Frage stellt, wie die Biochemie zum Sehen und Denken wird ...
Ich lese das so: die Idee, dass wir Kinder der Geschichte sind, ist falsch und (wortwörtlich) nicht der Rede wert, interessant wird es erst, wenn man die Frage stellt wie die Biochemie zum Sehen und Denken wird.
Gemeint war es jedoch so: Dass wir auch Kinder der Geschichte sind, ist ohne Zweifel bedeutsam, aber in der zugespitzten Formulierung: "Das Gehirn stammt aus den Gedanken", falsch. Ebenso falsch und aus demselben Grund ist in meinen Augen die gegenteilige Ansicht: "Die Gedanken entspringen dem Gehirn".




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Jörn Budesheim
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Di 7. Feb 2023, 18:13

Pseudonym hat geschrieben :
Mo 6. Feb 2023, 18:19
"Das Gehirn stammt aus den Gedanken"
Nun ist es aber so, dass dieser Satz in einem Kontext steht - soweit ich sehe, hast Du bisher nicht begründet, warum der Satz in diesem Kontext falsch ist. Vielleicht kannst du dazu noch etwas sagen.




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Di 21. Mär 2023, 18:01

Burkart hat geschrieben :
Do 12. Jan 2023, 22:53
Tishk hat geschrieben :
Do 12. Jan 2023, 18:25
Ein Gedanke ist eine mentale Repräsentation einer Idee oder eines Konzepts. Es kann eine Vorstellung, eine Überlegung oder ein Gefühl sein, das im Gehirn entsteht und durch die Verarbeitung von Informationen und Erfahrungen beeinflusst wird. Gedanken können bewusst oder unbewusst sein und können verbal oder nonverbal sein.

Können sich Gedanken fortpflanzen und weiterentwickeln?
Sie bestehen ja nicht aus Materie...oder?
Nur methaporisch; Gedanken sind ja nichts Eigenständiges. Sie exististieren nur durch uns Denkende, z.B. uns Menschen; wir können Gedanken durch unser Denken natürlich weiterentwickeln.
Vielleicht kann man die Frage: "Was ist ein Gedanke" erst beantworten
nachdem man eine Vorstellung vom Denkprozess entwickelt hat.


Ein Versuch:
Mindestens drei Aspekte zählen zu dem, was als "Gedanke" bezeichnet werden könnte:
Es gibt einen Prozess; einen passiven Inhalt und das Gedächtnis.

Der Prozess ist die Verstandestätigkeit. Der passive Inhalt ist ein kurzfristig
stabiler Zustand des Arbeitsgedächtnisses. Dieser Zustand ist die Proposition,
an der sich der Denkprozess "abarbeitet".

Gesteuert wird dieser Denkprozess vom Gedächtnis, indem es eine Abfolge
von Denkakten initiiert, die seine Instrumente sind. Denn es kennt das Ziel
und die Instrumente, um den Prozess in eine gewünschte Richtung abzuwickeln.

Mit jedem dieser Denkakte wird eine Kopie dieses Zustands angefertigt,
wobei etwas weggelassen oder hinzugefügt wird. Das ist dann ein zielorientiert
modifiziertes Nachfolgemodell von der Ursprünglichen Proposition,
und wiederum "statischer" Zustand.
Dieser Prozess wiederholt sich so lange, bis das Ergebnis mit dem Ziel
übereinzustimmen scheint.

Das Ergebnis, wiederum eine stabile Proposition, hat sich dann inhaltlich
von der Ursprünglichen entfernt.

Die Annahme einer Abfolge von diskreten, kurzfristig stabilen und modifizierten
"Kopien" der Zustände ist notwendig, da sich ein Denkprozess immer auch
durch den Rückgriff auf das, was er gerade gedacht hat, auf Kurs hält.

Denkprozesse sind rekursive Vorgänge, und eine Veränderung an der Ausgangsproposition
führt zum Abbruch oder zu Fehlern in der Gedankenführung und auch im Verhalten.

Wer kennt das nicht, wenn man auf dem Weg vom Zimmer zur Küche vergessen hat,
was man da wollte. Vielleicht weil es eine kurze Ablenkung gab. In diesem Fall ist die
ursprüngliche Absicht, die auch nur eine Proposition ist, durch Störungen überlagert worden.
Oder schlimmer, wenn man bevor, oder noch während man spricht, vergisst was man sagen wollte.
Dann ging dieser Rückgriff ins Leere oder etwas unsinniges.

Das ist natürlich eine sehr vereinfachte Darstellung des Denkprozesses
da noch viel mehr Einflüsse das Ergebnis eines Denkprozesses
mitbestimmen. Aber es beschreibt schon mal einen wichtigen Aspekt,
da es hier nicht darum geht welche Einflüße den Inhalt eines Denkprozesses
mitbestimmen.

Was könnte man nun aus diesem Modell extrahieren, das als "Gedanke"
bezeichnet werden könnte?


Dafür bieten sich die kurzfristig stabilen Zustände des
Arbeitsgedächtnisses an. Denn diese sind es, die wir als
sinnhafte oder bildhafte mentale Objekte wahrnehmen.
Aber die auch als langfristige Zustände im Gedächtnis
bleiben können.

P.S: Das ist zwar nur meine Ansicht, aber ich war dabei gewesen als ich sie
formuliert habe. Ausgangsproposition war die Frage: "Was ist ein Gedanke?"
;-)




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Di 21. Mär 2023, 18:19

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Selbstgespräch 02

Wie kommen wir zu unseren Gedanken? Kommen die Gedanken wirklich aus dem Gehirn? Das halte ich für fragwürdig. Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. Die Gedanken kommen dementsprechend nicht aus dem Gehirn, denn es ist vielmehr umgekehrt: Das Gehirn stammt aus den Gedanken.
Das erinnert an die Frage: Was war zuerst da, das Gehirn, oder der Gedanke?

Deine Äusserung macht Sinn, wenn Du mit "Gehirn", die Idee ansich meinst.
Tatsächlich ist unser Gehirn ein Organ, dass sich selbst beschreibt und
einen Begriff von der eigenen Existenz gebildet hat.




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Jörn Budesheim
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Di 21. Mär 2023, 18:55

Mein Gehirn, dein Gehirn, jedes Gehirn wurde und wird von Gedanken geformt, die lange vor unserer Geburt gedacht wurden.




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