Was ist ein Gedanke?

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt sich in der Philosophie der Zweig der analytischen Philosophie, deren Grundlagen u.a. auch die Philosophie des Geistes (mind) betreffen
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Burkart
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So 22. Jan 2023, 17:55

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 13:54
Ich führe mein Selbstgespräch jetzt noch etwas weiter: Nehmen wir an, Klara denkt, dass Max ein Junggeselle ist, während sie gleichzeitig denkt, dass derselbe Max mit Lisa verheiratet ist. In dem Fall würde ich sagen, dass Klara sich irrt, denn ein Junggeselle ist eben gerade nicht verheiratet. Mit anderen Worten, Gedanken wie diese gehören in einen Bereich des Normativen. Es ist falsch, gleichzeitig zu glauben, dass Max Junggeselle ist, wie zu glauben, dass Max verheiratet ist.

Rätselfrage: Wie kann man allein mit Mitteln der empirischen Hirnforschung herausfinden, dass Klara irrt?
Notfalls, in dem neuere Daten mehr Wert zugeordnet wird. Oder ggf., bei denen es mehr (plausible) Daten gibt.
Aber klar, ein wenig Logik, z.B. die des Nachfragems im Zweifelsfalle, kann nicht schaden ;)



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

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Timberlake
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Mo 23. Jan 2023, 00:20

Burkart hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 11:41
Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 11:21
Gedankenaustausch ist oft nicht einfach. Aber das zu sagen heißt, zu akzeptieren, dass es Gedankenaustausch gibt, auch, wenn er oft schwierig sein mag. Da wir aber Gedanken austauschen und keine Aktionspotentiale, haben wir ein Problem mit der Idee, dass die Gedanken mit den Aktionspotentialen identisch sind. Jede Erklärung, was Gedanken sind, muss diesen Umstand, das wir Gedanken austauschen können, selbst wenn es oft schwer ist, berücksichtigen und nicht unmöglich machen.
Vielleicht kann man es so sehen:
Gedanken sind etwas Abstraktes oder zumindest Abstrahiertes auf Basis von Aktionspotentialen. Damit können gleiche/ähnliche Gedanken auf individuell sehr unterschiedlichen Aktionspotentialen basieren.
Wenn wir z.B. gedanklich (hm, sprachlich!?) austauschen, dass das Postauto gelb ist, interessieren uns die genauen Aktionspotentialen wirklich nicht (und diese können halt sehr unterschiedlich sein).
.. und wie ist es um die Aktionspotentialen bestellt , wenn auf Grund des Post-Streik das "gelbe" Postauto nicht kommt ? Dazu und zwar zu den untrerschiedlichen Aktionspotentialen von Arbeitgebern und Arbetnehmern , bezüglich der Lohnfindung, nur noch mal zur Erinnerung ..
Timberlake hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 01:27

.. unterschiedliche Aktionspotentiale , die sich beispielsweise tatsächlich durch unterschiedliche Interessen bemerkbar machen. Bewegen sich doch dann die Gedanken dem entsprechend mehr oder weniger , um diese Interessen. So werden sich beispielsweise sich die Gedanken eines Arbeitgebers, insbesondere bei der Lohnfindung , ganz sicher nicht in die gleiche Richtung bewegen , wie die eines Arbeitnehmers. ..
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 21. Jan 2023, 13:19
Was besagt das im Hinblick auf den Umstand, um den es dabei geht? Wir können Gedanken teilen, ob vage, grob, detailreich oder wie auch immer. Wir teilen allerdings nicht die "Aktionspotentiale". Daraus folgt, dass die Gedanken nicht mit den "Aktionspotenzialen" identisch sein können, wie weiter oben vorgeschlagen.
Im Hinblick darauf will ich wohl meinen , dass wir nicht die gleichen "Aktionspotentiale" teilen. Gleichwohl das Entstehen von solchen Aktionspotenzialen gemäß dem Gesetz von der Einheit und dem "Kampf" der Gegensätze unvermeidlich ist. ..
  • Dialektischer Materialismus .. Grundlagen

    Das Gesetz von der Einheit und dem "Kampf" der Gegensätze: Triebkraft jeglicher Entwicklung ist der Widerspruch zwischen dualen Polen, der natürlichen und sozialen Prozessen grundsätzlich inhärent ist.





Timberlake
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Mo 23. Jan 2023, 00:37

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 22. Jan 2023, 13:54
Ich führe mein Selbstgespräch jetzt noch etwas weiter: Nehmen wir an, Klara denkt, dass Max ein Junggeselle ist, während sie gleichzeitig denkt, dass derselbe Max mit Lisa verheiratet ist. In dem Fall würde ich sagen, dass Klara sich irrt, denn ein Junggeselle ist eben gerade nicht verheiratet. Mit anderen Worten, Gedanken wie diese gehören in einen Bereich des Normativen. Es ist falsch, gleichzeitig zu glauben, dass Max Junggeselle ist, wie zu glauben, dass Max verheiratet ist.

Rätselfrage: Wie kann man allein mit Mitteln der empirischen Hirnforschung herausfinden, dass Klara irrt?

.. und so erlaube ich mir mal auch .. "mein Selbstgespräch" .. jetzt noch etwas weiter zu führen : Nehmen wir an Klara denkt, dass Max ein Arbeitgeber bei der Post ist, während sie gleichzeitig denkt, dass derselbe Max sich für eine Lohnerhöhung bei Lisa einsetzt, die ein gelbes Postauto fährt . In dem Fall würde ich sagen, dass Klara sich irrt, denn ein Arbeitgeber setzt sich gerade nicht für Lohnerhöhung bei seinen Arbeitnehmern ein . Mit anderen Worten, auch Gedanken , wie diese gehören in einen Bereich des Normativen. Es ist falsch, gleichzeitig zu glauben, dass Max ein Arbeitgeber ist , wie zu glauben, dass sich Max für Lohnerhöhungen einsetzt.

Themenstarter .. Was ist ein Gedanke?
Tishk hat geschrieben :
Do 12. Jan 2023, 18:25
Ein Gedanke ist eine mentale Repräsentation einer Idee oder eines Konzepts. Es kann eine Vorstellung, eine Überlegung oder ein Gefühl sein, das im Gehirn entsteht und durch die Verarbeitung von Informationen und Erfahrungen beeinflusst wird. Gedanken können bewusst oder unbewusst sein und können verbal oder nonverbal sein.

Können sich Gedanken fortpflanzen und weiterentwickeln? Sie bestehen ja nicht aus Materie...oder?
.. im Hinblick darauf , also dem " Bereich des Normativen " ( Jörn Budesheim) , können sich Gedanken möglicherweise eben nicht weiter fortpflanzen und weiterentwickeln. Da sind sie gleichsam "normativ" zementiert.




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Jörn Budesheim
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Mo 23. Jan 2023, 08:53

Selbstgespräch 02
Christian Wolf hat geschrieben : Wie in den meisten antiken Kulturen – wie Ägypten oder China – betrachtete man auch im alten Griechenland das Herz als wichtigstes Organ des Denkens.
Das Gehirn hingegen stellte man sich vor als Kühlsystem. Vermutlich wird man entsprechend andere Metaphern fürs Denken verwendet haben. Was bedeutet das für unsere Frage? Die Vorstellungen davon, wie Denken "funktioniert" sind historisch variabel. Das gilt nicht nur für die Vorstellung davon, was Denken ist. Vieles, was wir denken, entstammt solchen historischen Prozessen.

Wie kommen wir zu unseren Gedanken? Kommen die Gedanken wirklich aus dem Gehirn? Das halte ich für fragwürdig. Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. Die Gedanken kommen dementsprechend nicht aus dem Gehirn, denn es ist vielmehr umgekehrt: Das Gehirn stammt aus den Gedanken. Mit anderen Worten: Jedes Gehirn wird (auch) durch die Vorurteile seiner Zeit geformt. Jedes menschliche Wesen ist von Anfang an in dauerndem Kontakt mit Seinesgleichen. Und (auch, aber natürlich nicht nur) aus diesem Austausch formt sich das Gehirn. Man könnte diesen Gedanken wahrscheinlich noch ausweiten, wenn man nicht nur unsere Geistesgeschichte in den Blick nimmt, sondern die Evolution des Menschen, das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt.




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Burkart
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Mo 23. Jan 2023, 23:49

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Selbstgespräch 02
Keine Sorge, ich kommentiere mal wieder ;)
Wie kommen wir zu unseren Gedanken? Kommen die Gedanken wirklich aus dem Gehirn? Das halte ich für fragwürdig.
Nicht "aus", sie sind für mich grob das, was unserer (bewusstes) Gehirn abstrakt als grobe (Denk-)Objekte ausmacht. Aber für dich sind Gedanken ja etwas, was eher noch abstrakter, weil unabhängig vom Gehirn ist.
Der Umstand, dass viele, viele andere vor uns bereits über dieses oder jenes nachgedacht haben, ist dabei in der Regel von größter Bedeutung. Die Gedanken kommen dementsprechend nicht aus dem Gehirn, denn es ist vielmehr umgekehrt: Das Gehirn stammt aus den Gedanken.
Also, etwas Materielles kann schlecht aus nur etwas Abstraktem entstehen.
Mit anderen Worten: Jedes Gehirn wird (auch) durch die Vorurteile seiner Zeit geformt.
Warum "Vorurteile"?`Warum nicht einfach "durch seine Welt geformt"? Natürlich ist unser Gehirn im Sinne von unserem Denken sehr mit unserer Welt verknüpft und formt sich so quasi, z.B. lernend und folgernd aus Weltdaten.
Jedes menschliche Wesen ist von Anfang an in dauerndem Kontakt mit Seinesgleichen.
Also nur mit seiner Mutter am Anfang.
Und (auch, aber natürlich nicht nur) aus diesem Austausch formt sich das Gehirn. Man könnte diesen Gedanken wahrscheinlich noch ausweiten, wenn man nicht nur unsere Geistesgeschichte in den Blick nimmt, sondern die Evolution des Menschen, das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt.
Dem stimme ich ungefähr zu.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

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Fr 27. Jan 2023, 01:04

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Jan 2023, 08:53
Selbstgespräch 02

Jedes Gehirn wird (auch) durch die Vorurteile seiner Zeit geformt. Jedes menschliche Wesen ist von Anfang an in dauerndem Kontakt mit Seinesgleichen. Und (auch, aber natürlich nicht nur) aus diesem Austausch formt sich das Gehirn. Man könnte diesen Gedanken wahrscheinlich noch ausweiten, wenn man nicht nur unsere Geistesgeschichte in den Blick nimmt, sondern die Evolution des Menschen, das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt.
Genau ... "das Gehirn ist schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich in einer realen Welt, die es lange gab, bevor es uns gab, entwickelt". Dem zufolge werde unsere Gedanken auch von "steinzeitlichen" Vorurteilen geformt. Stichwort . Steinzeitgehírn



  • Wie damals, in der Höhle?

    ... Das tierische Erbe dominiert bis heute. Unser Gehirn hat sich in den letzten 40 000 Jahren kaum verändert. Im Prinzip tragen wir alle ein Steinzeithirn mit uns herum. Würden wir ein Baby aus der Steinzeit adoptieren und in der Gegenwart grossziehen, käme es in unserer Welt mit grösster Wahrscheinlichkeit bestens zurecht.

    Der Hirnforscher Martin Meyer leitet die Fachrichtung «Neuroplastizitäts- und Lernforschung des gesunden Alterns» am Psychologischen Institut der Universität Zürich. Er wundert sich nicht, dass der Mensch dem Klimawandel mit Ignoranz und Passivität begegnet. Unser Gehirn sei nicht dazu geschaffen, die Tragweite von langfristigen Entwicklungen zu erkennen.




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