Timberlake hat geschrieben : ↑ Fr 5. Jun 2026, 14:52
Die Entscheidung für eine Kapitulation scheint mir jedenfalls keine Option zu sein, wenn man von einem Raubtier angegriffen wird. Zumal, im Vergleich zum Krieg, in der Regel der Angegriffene über eine Armee verfügt, um eben nicht kapitulieren zu müssen.
In der Tat, wenn man von einem Raubtier angegriffen wird und dann flieht, ist das wohl eine Reflexhandlung. Und meinetwegen gestehe ich den Politikern der verteidigenden Partei zu, dass sie im ersten Moment so geschockt von dem Angriff sind, dass sie reflexartig Verteidigungshandlungen veranlassen, da will ich mich gar nicht mit dir darüber streiten. Andererseits sind Politiker nicht bloß von Reflexen und Instinkten gesteuert, sondern sie verfolgen eine politische Agenda. Und gerade bei Kriegen, die sich in die Länge ziehen, wie z.B. der ukrainischen Verteidigung gegen den russischen Angriff, spielen Reflexe und Impulse keine Rolle mehr, da kommt es dann wirklich nur noch auf die Frage an, welche Agenda die verantwortlichen Politiker mit ihrem Handeln verfolgen.
Timberlake hat geschrieben :
Weil mE. gegen solche Standardeinstellungen verstoßend und demzufolge dazu passend, noch eine Anmerkung von Stefanie bzw. Wallace
Stefanie hat geschrieben : ↑ Sa 9. Dez 2017, 14:11
Wir leben nach Wallace in Standardeinstellungen, das ist die Art, wie wir die Welt heute quasi automatisch sehen und erleben, ohne weiter nach zu denken.
Natürlich, eine politische Agenda ist häufig eine "Standardeinstellung". Ich schließe nicht aus, dass solche Standardeinstellungen angeführt werden können, wenn man "Handlungsgründe als Erklärungen" anführt. Häufig ist diese "Standardeinstellung" mit einer Feindbildkonstruktion verbunden, die vorausgesetzt und nicht weiter hinterfragt wird. Dieser Umstand ist von Anscombe problematisiert worden:
Anscombe hat geschrieben :
Man kann Menschen zum Kampf bewegen, indem man sie dazu bringt, die Taten ihrer Feinde zu hassen, aber ein Krieg wird nicht dadurch gerecht, dass die Taten der Feinde hassenswert sind. Deshalb ist es unsere Pflicht, der Leidenschaft zu widerstehen und sorgfältig zu prüfen, ob in diesem Krieg alle Bedingungen eines gerechten Krieges erfüllt sind, damit wir uns nicht gegen das Naturrecht versündigen, indem wir an ihm teilnehmen. ("The Justice of the Present War Examined", Ethics, Religion and Politics, The Collected Philosophical Papers of G.E.M. Anscombe, Vol. 3, S. 73.)
Anscombe verweist zugleich darauf, dass es trotzdem möglich ist kritisch über seine Standardeinstellungen zu reflektieren. Wenn ich von einer "Entscheidung" spreche, dann meine ich dies: Man muss bei der ganzen Kriegstreiberei nicht mitmachen. Nichts hält uns davon ab diese "Standardeinstellungen" auf eine Nicht-Standard-Einstellung umzustellen.