Nach meinem Eindruck stoße ich in den bisherigen Diskussionen auf Widerstand, wenn ich von dieser Position ausgehe. Deswegen halte ich es für angebracht, dass ich diese Position expliziere und begründe.
Ich begründe und erkläre meine Postion folgendermaßen: Man möge sich ansehen, wie Handlungsbeschreibungen funktionieren. Nicht jede Beschreibung eines Ereignisses oder einer Bewegung ist zugleich eine Handlungsbeschreibung. Darauf hat Anscombe hingewiesen:
Handlungsbeschreibungen unterscheiden sich von anderen Beschreibungen dadurch, dass sie eine Erklärung dessen mitliefern, was vor sich geht. Natürlich ist nicht jede Erklärung eine Handlungsbeschreibung. Aber jede Beschreibung, die einen Vorgang eindeutig als Handlung charakterisiert, ist zugleich eine Erklärung. (Manche Beschreibungen lassen offen, ob es sich bei dem Vorgang um eine Handlung handelt oder nicht. Um solche Beschreibungen soll es hier nicht gehen.) Diese Erklärung verweist auf Gründe, die im Handelnden selbst liegen.Anscombe hat geschrieben : Aber wer sagt, dass es sich bei dem, was gerade geschieht, um das Bauen eines Hauses handelt oder darum, „Ich bin ein Narr“ an die Tafel zu schreiben? Wir alle tun das natürlich, aber warum tun wir das? Wir nehmen viele Veränderungen und Bewegungen in der Welt wahr, ohne sie in vergleichbarer Weise zu beschreiben. Der Baum wiegt sich im Wind; die Bewegungen seiner Blätter sind ebenso winzig wie die Bewegung meiner Hand, wenn ich an die Tafel schreibe, aber wir haben keine Beschreibung einer ausgewählten Reihe von Bewegungen oder eines ausgewählten Erscheinungsbildes des Baumes, die auch nur im Entferntesten dem Satz „Sie schrieb ‚Ich bin ein Narr‘ an die Tafel“ ähnelt. (Quelle: §46, "Intention", übersetzt mit DeepL)
Ein Beispiel von Jörn:
Hier wird eine Handlung als Fliehen beschrieben. Alleine diese einfache Beschreibung enthält mehrere Ebenen:Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Fr 24. Apr 2026, 09:14Dazu wieder ein Beispiel aus der Literatur. Ich bin konfrontiert mit einem Raubtier, was für mich ein tödlichen Ausgang haben könnte. Was ich nicht weiß: das Tier reagiert nur auf Bewegungen, ich habe also die besten Gründe, stehen zu bleiben. Stattdessen fliehe ich, was mein Ende besiegelt. Der Glaube, ich sollte fliehen ist in deiner Terminologie einen subjektiver Grund. Korrekt?
- Es gibt eine Bewegung: Der Angegriffene bewegt sich von Ort A nach Ort B.
- Bei dieser Bewegung rennt der Angegriffene. Wenn wir seine Bewegung als "rennen" bezeichnen, geben wir bereits an, dass die Ursache dieser Bewegung in der Person selbst liegt. Die Person wird also nicht von einer anderen Ursache bewegt: Sie wird nicht getragen, sie schlafwandelt auch nicht, sie bewegt sich vielmehr aus eigener Kraft.
- Die Person rennt nicht einfach nur, sie rennt davon. Nicht immer, wenn man rennt, rennt man vor jemanden oder vor etwas davon. Wenn ich beispielsweise einen Marathonlauf absolviere, renne ich einfach nur, aber ich renne nicht davon. Wenn ich diese Bewegung also als "davonrennen" bezeichne, dann füge ich der Beschreibung ein Ziel hinzu: Der Rennende möchte einen möglichst großen Abstand zwischen sich und dem Objekt, von welchem er davonrennt, bringen.
- Die Person rennt nicht nur davon, sie flieht. Es gibt auch ein spielerisches Davonrennen, wo man zwar von einer Person wegläuft, aber das nur so aus Spaß, etwa wenn man Fangen spielt. Wenn man hingegen etwas als "Fliehen" bezeichnet, fügt man noch ein Motiv dazu: Die Person hat Angst vor dem Objekt, welches sie verfolgt. Sie fühlt sich von dem Objekt bedroht.
Warum bewegt sich diese Person? Weil sie rennt. Warum rennt sie? Weil sie das Ziel hat einem verfolgenden Objekt zu entkommen. Warum möchte sie diesem verfolgendem Objekt entkommen? Weil sie dieses Objekt als Bedrohung wahrnimmt.
Fazit: Handlungsbeschreibungen verweisen immer implizit auf Gründe, die unser Handeln erklären.