Handlungsgründe als Erklärungen
- Jörn P Budesheim
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Gründe setzen keine Wünsche voraus. Wenn jemand in Not ist, gibt mir das einen Grund, zu helfen, sofern es in meiner Macht steht; was auch immer meine Wünsche sein mögen. Wünsche können jedoch ihrerseits Gründe sein. Wer sich wünscht, die Welt kennenzulernen, hat einen Grund, es zu tun. In der Regel haben wir es jedoch mit einer Vielzahl von Gründen zu tun und nicht jeder Grund ist bereits ein ausschlaggebender Grund.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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Ich weiß nicht, was du damit meinst. Aber wie auch immer: Ich selbst habe diese Formulierung eingeführt als Abkürzung für das, was ich unter Gründen verstehe. Wenn du sie einfach anders auslegst, verpasst du, was ich sagen will. Hier noch mal eine knappe Skizze:
X spricht für Y
X [Hans ist allergisch gegen Milch] spricht für Y [Vermeidung von Milchprodukten]
X [Es zieht] spricht für Y [Türe schließen]
X [Jeder Mensch hat einen intrinsischen Wert] spricht für Y [Abschaffung der Sklaverei]
X steht jeweils für eine Tatsache. Y steht für das, wofür X eben spricht. In diesem Schema können Sprecher:innen und ihre Argumente vorkommen, müssen aber nicht. Wenn es aber um Argumente und Argumentation geht, dann sind – so wie ich die Begriffe auffasse – grundsätzlich Personen involviert, die die Argumente (in der Regel, aber nicht immer, in Satzform) vorbringen. Hans' Arzt könnte argumentieren, dass Hans auf Milch im Müsli verzichten sollte, weil er eben gegen Milch allergisch ist. Der Arzt greift hier den realen Grund auf, der auch ohne diesen Sprechakt existiert, und macht ihn explizit. Wer ein Argument vorträgt, kann sich irren. Ein Grund liegt aber einfach vor oder nicht.
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Hier haben wir einen gemeinsamen Nenner. Ja, da hat man tatsächlich einen Grund zu helfen. Und der ist von meinen persönlichen Wünschen unabhängig. Ich habe die Formulierung "in meiner Macht" deswegen rot markiert, weil das eine wichtige Einschränkung ist. Wenn ich keine Ahnung habe, dass da jemand in Not ist, liegt es nun einmal nicht in meiner Macht zu helfen. Und dann habe ich keinen Grund zu helfen. Es gibt in der Serie "The Man in the High Castle", die von Parallelwelten handelt, die absurde Situation, dass eine Frau einem gewissen John Smith zweimal begegnet: In der einen Welt ist der John Smith ein böser und mächter Nazi, in der anderen Welt ein harmloser und bescheidener Handelsreisender in den USA. Der Smith Nr. 2 versucht der Frau zu helfen, aber er kann ihr nicht helfen, weil die Frau sich nicht traut ihm von den Nazis aus der Parallelwelt zu erzählen. Und das liegt daran, dass Smith Nr. 1, der böse Doppelgänger, versucht hat die Frau umzubringen. Erst als tatsächlich einer der Nazi-Agenten aus der Welt von Smith Nr. 1 in der Welt von Smith Nr. 2 auftaucht und versucht die Frau umzubringen, kriegt Smith Nr. 2 das mit und rettet der Frau dann auch das Leben.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Do 30. Apr 2026, 07:45Wenn jemand in Not ist, gibt mir das einen Grund, zu helfen, sofern es in meiner Macht steht; was auch immer meine Wünsche sein mögen.
Das verweist auf einen Grundsatz, den ich schon vorher erläutert habe: Sollen setzt ein Können voraus. Wenn ich keine Ahnung habe, was da los ist, kann ich der Person auch nicht helfen. Darin liegt unser Dissens begründet: Tatsachen alleine begründen noch keine Verpflichtung zum Helfen. Aber wenn ich weiß, dass sich da jemand in Not befindet, dann habe ich einen Grund zu helfen. Deswegen fasse ich Handlungsgründe eben nicht als Tatsachen auf, sondern als Argumente.
Wenn diese Formel einfach nur eine terminologische Festlegung ist, mit der du etwas ausdrücken will, dann haben wir keinen Dissens. Wenn du etwas Bestimmtes sagen willst und dazu bestimmte Formulierungen verwendest, wer wäre ich dir das zu verwehren? Ich kann dann nur zwei Punkte dazu sagen:Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Do 30. Apr 2026, 08:05Ich selbst habe diese Formulierung eingeführt als Abkürzung für das, was ich unter Gründen verstehe. Wenn du sie einfach anders auslegst, verpasst du, was ich sagen will.
a) ich verwende die Formel "X spricht für Y" auch, meine damit aber etwas anderes. Wenn ich diese Formel verwende, dann setze ich für X Argumente ein. Und wenn du diese Formel verwendest, dann setzt du für X Tatsachen ein.
b) Aus meiner Sicht liegen nur dann Handlungsgründe vor, wenn in die Formel für X Argumente eingesetzt werden. Warum das so ist, habe ich nochmals anhand deines Beispiels begründet: Sollen setzt ein Können voraus. Wenn ich von einer Tatsache keine Ahnung habe, kann sie auch kein Argument für mich sein und dann kann ich auch nicht danach handeln.
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Timberlake
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.. und der Mensch hat, weil er sich Ziele setzen kann ..
»Die Welt ist meine Vorstellung:« – dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektirte abstrakte Bewußtseyn bringen kann: und thut er dies wirklich; so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.Es wird ihm dann deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt, welche ihn umgiebt, nur als Vorstellung daist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist.
Schopenhauer .. Die Welt als Wille und Vorstellung
.. oder auch, wenn bei ihm, wie hier von Schopenhauer beschrieben, philosophische Besonnenheit eingetreten ist, etwa keine Instinkte?
Sicherlich ist für den Fall, dass wenn jemand, während einer Konfrontation mit einem Raubtier, auf eine solche Handlungsbeschreibung verweist und daraus "Handlungsgründe als Erklärung" ableitet, bei selbigen philosophische Besonnenheit eingetreten, nur dann ist er aber auch Tod. So wie sich das Raubtier , von Hause aus, damit ganz sicher nicht aufhält.Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 25. Apr 2026, 15:15Ich will hiermit folgende Position begründen und verteidigen: Unsere Gründe für das Handeln erklären zugleich unser Handeln.
Ein Beispiel von Jörn:Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Fr 24. Apr 2026, 09:14Dazu wieder ein Beispiel aus der Literatur. Ich bin konfrontiert mit einem Raubtier, was für mich ein tödlichen Ausgang haben könnte. Was ich nicht weiß: das Tier reagiert nur auf Bewegungen, ich habe also die besten Gründe, stehen zu bleiben. Stattdessen fliehe ich, was mein Ende besiegelt. Der Glaube, ich sollte fliehen ist in deiner Terminologie einen subjektiver Grund. Korrekt?
Alleine die einfache Beschreibung einer Bewegung als "Flucht" erklärt diese Bewegung, indem sie einen Grund angibt. Oder genauer gesagt, drei Gründe, die nacheinander aufgezählt werden können. Jeder Grund erklärt den vorhergehenden Grund:
Warum bewegt sich diese Person? Weil sie rennt. Warum rennt sie? Weil sie das Ziel hat einem verfolgenden Objekt zu entkommen. Warum möchte sie diesem verfolgendem Objekt entkommen? Weil sie dieses Objekt als Bedrohung wahrnimmt.
Fazit: Handlungsbeschreibungen verweisen immer implizit auf Gründe, die unser Handeln erklären.
Ich wundere mich (auch) immer, wenn man den Menschen so über die Tiere erhebt und nur ihm Zielsetzung zugesteht, Raubtieren aber nicht. Wenn man z.B. sieht, wie geplant Tiergruppen auf Jagd gehen, ist das schon sehr zielgerichtet.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 05:42.. und der Mensch hat, weil er sich Ziele setzen kann ..
»Die Welt ist meine Vorstellung:« – dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektirte abstrakte Bewußtseyn bringen kann: und thut er dies wirklich; so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.Es wird ihm dann deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt, welche ihn umgiebt, nur als Vorstellung daist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist.
Schopenhauer .. Die Welt als Wille und Vorstellung
.. oder auch, wenn bei ihm, wie hier von Schopenhauer beschrieben, philosophische Besonnenheit eingetreten ist, etwa keine Instinkte?
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Der Unterschied zwischen menschlichen Tieren und nicht-menschlichen Tieren ist der, dass menschliche Tiere i.R. über eine Sprache verfügen. Mit philosophischer Besonnenheit im Sinne Schopenhauers hat das wenig zu tun. Eher damit, dass uns Handlungsbeschreibungen zur Verfügung stehen. Handlungsbeschreibungen helfen dabei das eigene Handeln zu reflektieren und über Auswirkungen sowie Alternativen nachzudenken.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 05:42.. und der Mensch hat, weil er sich Ziele setzen kann ..
»Die Welt ist meine Vorstellung:« – dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektirte abstrakte Bewußtseyn bringen kann: und thut er dies wirklich; so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.Es wird ihm dann deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt, welche ihn umgiebt, nur als Vorstellung daist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist.
Schopenhauer .. Die Welt als Wille und Vorstellung
Menschen haben keine Instinkte, weil sie einen Willen haben. Sie können Sprache benutzen, um über Entscheidungen zu reflektieren, die folglich nicht mehr vom Willen bestimmt sind. Es ist aber durchaus möglich, dass der Wille in manchen Fällen instinktähnliche Formen annimmt, etwa wenn jemand in einer Panikreaktion vor dem Raubtier flieht. Deswegen gibt es zwischen menschlichen Willensäußerungen und instinktgesteuertem Verhalten ein Kontinuum. Es gibt also unzählige Zwischenstufen zwischen menschlichem Willen und triebhaft gesteuertem Verhalten. Auch Tiere sind zu zielgerichtetem Verhalten in der Lage, nur dass sie sich ihre Ziele nicht selber setzen. Du hast ja schon selbst gemerkt, dass nicht-menschliche Tiere von Natur aus nicht dazu neigen ihr Verhalten im Lichte von Handlungsbeschreibungen zu reflektieren:Timberlake hat geschrieben : .. oder auch, wenn bei ihm, wie hier von Schopenhauer beschrieben, philosophische Besonnenheit eingetreten ist, etwa keine Instinkte?
Ja, eben.Timberlake hat geschrieben : So wie sich das Raubtier , von Hause aus, damit ganz sicher nicht aufhält.
Dass Tiergruppen zielgerichtet auf Jagd gehen, heißt nur, dass sie Ziele haben. Daraus folgt noch nicht, dass sich die Tiere ihre Ziele selber gesetzt haben. Diesen Unterschied muss man sich klarmachen, sonst ist es halt ein Fehlschluss.
Es ist richtig, dass zwischen menschlichem Verhalten und nicht-menschlichem Verhalten eine Gemeinsamkeit besteht, da beides planvoll sein kann. Von der Philosophin Anscombe wird das auch nicht bestritten, sie erwähnt sogar ein Beispiel, wo ein Raubtier auf Jagd geht und dabei planvoll vorgeht:
Anscombe hat geschrieben : Da ich das intentionale Handeln anhand der Sprache – der speziellen Frage „Warum?“ – definiert habe, mag es überraschend erscheinen, dass ich intentionsabhängige Konzepte unter besonderer Bezugnahme auf ihre Anwendung auf Tiere einführe, die keine Sprache besitzen. Dennoch schreiben wir Tieren durchaus Absichten zu. Der Grund dafür ist genau, dass wir ihr Handeln auf eine Weise beschreiben, die für die Verwendung von Absichtsbegriffen ganz charakteristisch ist: Wir beschreiben, was sie darüber hinaus tun, während sie etwas tun (wobei die letztere Beschreibung unmittelbarer ist, näher am rein Physischen): Die Katze pirscht sich an einen Vogel heran, indem sie sich duckt und anschleicht, den Blick auf den Vogel gerichtet und die Schnurrhaare zuckend. Die erweiterte Beschreibung dessen, was die Katze tut, ist nicht alles, was sie als Absicht charakterisiert (denn erweiterte Beschreibungen sind für jedes Ereignis möglich, das beschreibbare Auswirkungen hat), aber dazu kommt die Wahrnehmung des Vogels durch die Katze und das, was sie tut, wenn sie ihn fängt. Die beiden Merkmale, Wissen und erweiterte Beschreibung, sind ganz charakteristisch für die Beschreibung von Absicht im Handeln. So wie wir ganz natürlich sagen: „Die Katze glaubt, dass eine Maus kommt“, so fragen wir auch ganz natürlich: „Warum duckt sich die Katze und schleicht so?“, und geben die Antwort: „Sie pirscht sich an den Vogel heran; sieh doch, ihr Blick ist auf ihn gerichtet.“ Wir tun dies, obwohl die Katze keine Gedanken äußern kann und weder ihr Wissen über ihr eigenes Handeln noch irgendwelche Absichten zum Ausdruck bringen kann. (Quelle: §47, "Intention", übersetzt mit DeepL)
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Weil ich Zusammenhang damit, also dem triebhaft gesteuertem Verhalten, darin von einer Weltkonstitution als Entelechie, wie ich meine, auf ein Urvermögen geschlossen wurde, zitiere ich mal aus dem, was ich dazu, zumindest für mich, bemerkenswertes recherchiert habe ..
Ich lasse das mal unkommentiert so stehen, um nicht schon von daher vorbelastet, in eine Diskussion darüber einzusteigen. Vielleicht dazu nur soviel, dass was sich daraus für mich ergibt, hat etwas mit dem zu tun, mit dem ich mein "Musical" habe ausklingen lassen.philosophie.uni-wuppertal.de hat geschrieben :
⟨Triebe und Instinkte. Das personale Leben in Selbst- und Gattungserhaltung⟩
Genesis führt zurück auf mich als Trieb-Ich. Durch alle zum Phänomen der vorgegebenen Welt als Korrelat gehörige, sie transzendental konstituierende Subjektstruktur hindurch geht das Instinktleben, ein Mannigfaltiges der Triebhaftigkeit. Die Instinkte erfahren Modifikationen, aber sie sind immer da. Unterdrückter Trieb ist selbst ein Modus desselben Triebes etc. Die Genesis innerhalb der Konstitution der vorgegebenen Welt setzt immer schon Trieb, Instinkt voraus.
Wir werden also für den erstkindlichen Anfang genötigt, schon ein Triebsystem vorauszusetzen, dem zuzurechnen ist all die intentionale Ur-Passivität, die von jedweder Entwicklung vorausgesetzt ist und in ihr immerfort am Werk ist. Das Ur-Ich mit seinem Triebsystem in Urgestalt und Urgehalt wirkt sich in Passivität und dann Aktivität aus: Im Triebsystem liegt schon die Anlage für die gesamte Weltkonstitution als Entelechie.
Urtriebe, Urinstinkte sind keine mechanischen Kräfte. Sie sind die Quellen alles Könnens, aller Könnenssysteme. Welt hat im entwickelten Ich sein Korrelat in einem Vermögenssystem, das systematische Einheit von Vermögen ist: Jede mögliche Erfahrung ist eine Linie der Gekonntheit. Jedes empirische Denken meiner ist empirisches Denken meiner Vermögen und meine Vermögen sind in steter Entwicklung und haben ihre Quelle in Urvermögen.
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Das Zitat von Anscombe ist um das Wort "Beschreibung" herum formuliert. Mich interessiert, was passiert, wenn man es konsequent gegen Erklärung austauscht.
Beschreibungen haben etwas latent Subjektivistisches – es sind schließlich unsere Beschreibungen, und man kann fragen, ob sie die Welt treffen oder nur unsere Perspektive spiegeln. "Erklärung" hingegen kann man auch objektivistisch verstehen: Die Krümmung der Raumzeit erklärt die Bahn der Planeten – und das war auch schon der Fall, bevor es irgendein Wesen gab, das diese Erklärung formuliert hat.
Was würde sich im Argument ändern, wenn man den Text in dieser Richtung umliest?
Oops: Dabei fällt mir beim Posten auf, dass der Titel dieses Fadens – Handlungsgründe als Erklärungen – genau diese Frage stellt, aber offen lässt, in welchem Sinne „Erklärung" gemeint ist. Zwei Lesarten scheinen möglich: In einer epistemisch-pragmatischen Lesart erklären wir uns das Verhalten der Katze, indem wir ihr eine Absicht unterstellen – Erklärung wäre dann ein Akt von uns, und der Subjektivismus (der Beschreibung) wäre nur auf eine andere Ebene verschoben. In einer ontologischen Lesart hingegen ist die Absicht selbst das, was das Verhalten schlechterdings erklärt – unabhängig davon, ob jemand diese Erklärung formuliert.
Welche der beiden Lesarten ist hier eigentlich gemeint?
Beschreibungen haben etwas latent Subjektivistisches – es sind schließlich unsere Beschreibungen, und man kann fragen, ob sie die Welt treffen oder nur unsere Perspektive spiegeln. "Erklärung" hingegen kann man auch objektivistisch verstehen: Die Krümmung der Raumzeit erklärt die Bahn der Planeten – und das war auch schon der Fall, bevor es irgendein Wesen gab, das diese Erklärung formuliert hat.
Was würde sich im Argument ändern, wenn man den Text in dieser Richtung umliest?
Oops: Dabei fällt mir beim Posten auf, dass der Titel dieses Fadens – Handlungsgründe als Erklärungen – genau diese Frage stellt, aber offen lässt, in welchem Sinne „Erklärung" gemeint ist. Zwei Lesarten scheinen möglich: In einer epistemisch-pragmatischen Lesart erklären wir uns das Verhalten der Katze, indem wir ihr eine Absicht unterstellen – Erklärung wäre dann ein Akt von uns, und der Subjektivismus (der Beschreibung) wäre nur auf eine andere Ebene verschoben. In einer ontologischen Lesart hingegen ist die Absicht selbst das, was das Verhalten schlechterdings erklärt – unabhängig davon, ob jemand diese Erklärung formuliert.
Welche der beiden Lesarten ist hier eigentlich gemeint?
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Ich denke mal, dass die Übergänge zwischen Tier- und Menschengruppen diesbezüglich fließend sind. Oder auch nicht. Wann hätte denn jemals die Gefahr für eine Tierart, bestanden, dass sie durch eine Jagd von Tiergruppen untereinander selbst ausgerottet.
Zumal man dazu zweifelsohne tatsächlich über eine Sprache verfügen muss. Zumindest bei dem, wie Menschengruppen untereinander auf Jagd gehen.Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 09:52
Der Unterschied zwischen menschlichen Tieren und nicht-menschlichen Tieren ist der, dass menschliche Tiere i.R. über eine Sprache verfügen. Mit philosophischer Besonnenheit im Sinne Schopenhauers hat das wenig zu tun. Eher damit, dass uns Handlungsbeschreibungen zur Verfügung stehen. Handlungsbeschreibungen helfen dabei das eigene Handeln zu reflektieren und über Auswirkungen sowie Alternativen nachzudenken.
Eine solche Flucht kann übrigens, bei der Waffe, die eine solche Selbstausrottung bewerkstelligen könnte, definitiv ausgeschlossen werden. Wie sollte es auch sonst dazu kommen, wenn man vor dessen Bedrohung fliehen kann? Dazu nur mal zur Erinnerung ..Dynamis hat geschrieben : ↑Sa 25. Apr 2026, 15:15Ich will hiermit folgende Position begründen und verteidigen: Unsere Gründe für das Handeln erklären zugleich unser Handeln.
Alleine die einfache Beschreibung einer Bewegung als "Flucht" erklärt diese Bewegung, indem sie einen Grund angibt. Oder genauer gesagt, drei Gründe, die nacheinander aufgezählt werden können. Jeder Grund erklärt den vorhergehenden Grund:
Warum bewegt sich diese Person? Weil sie rennt. Warum rennt sie? Weil sie das Ziel hat einem verfolgenden Objekt zu entkommen. Warum möchte sie diesem verfolgendem Objekt entkommen? Weil sie dieses Objekt als Bedrohung wahrnimmt.
Fazit: Handlungsbeschreibungen verweisen immer implizit auf Gründe, die unser Handeln erklären.
Zuletzt geändert von Timberlake am Sa 23. Mai 2026, 14:07, insgesamt 1-mal geändert.
Es ist definitiv die epistemisch-pragmatische Lesart gemeint. Das erste Zitat enthält eine Pointe, die nur dann ersichtlich wird, wenn man den Text in seinem Gesamtzusammenhang versteht. Die ganze Zeit geht es in der Monographie darum, dass Handlungen Ereignisse sind, die Gegenstand einer Warum-Frage werden können. Handlungen sind gerade deswegen Handlungen, weil sie in einer geeigneten Warum-Frage thematisiert werden können (es gibt noch andere Warum--Fragen, die keine Handlungen thematisieren, in §16 charakterisiert Anscombe diejenigen Warum-Fragen, die Handlungen thematisieren). Wenn ich hier einen Text schreibe, kannst du mich fragen, warum ich das tue: Will ich hier von den anderen Diskussionsteilnehmern etwas lernen? Oder will ich nur missionieren? Und dieselbe Frage kann man sich auch stellen, wenn Anscombe einen Text schreibt, in dem sie Handlungsbeschreibungen thematisiert. Warum macht sie das? Allgemeiner: Wenn wir Handlungsbeschreibungen verwenden, um ein Ereignis zu beschreiben, ist dieses Anfertigen einer Beschreibung auch eine Handlung. Du hast das vollkommen korrekt ausgedrückt: "Erklärung wäre dann ein Akt von uns" Und dann kann man nach dem Warum dieses Akts fragen. Warum verwenden wir überhaupt Handlungsbeschreibungen? Warum benutzen wir die Unterstellung einer Absicht, um das Verhalten der Katze zu erklären? Die Pointe ist hier, dass sie diese Frage stellt: "Aber wer sagt, dass es sich bei dem, was gerade geschieht, um das Bauen eines Hauses handelt oder darum, „Ich bin ein Narr“ an die Tafel zu schreiben? Wir alle tun das natürlich, aber warum tun wir das?" Sie stellt diese Frage an dieser Stelle nur, aber sie beantwortet sie nicht. Aber indem sie diese Frage stellt, erzeugt sie Konsistenz in ihrer Darstellung, weil das Thema - Thematisierung von Handeln durch Warum-Fragen - und die Thematisierung - Thematisierung der Thematisierung durch Warum-Fragen - übereinstimmen.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 13:14Oops: Dabei fällt mir beim Posten auf, dass der Titel dieses Fadens – Handlungsgründe als Erklärungen – genau diese Frage stellt, aber offen lässt, in welchem Sinne „Erklärung" gemeint ist. Zwei Lesarten scheinen möglich: In einer epistemisch-pragmatischen Lesart erklären wir uns das Verhalten der Katze, indem wir ihr eine Absicht unterstellen – Erklärung wäre dann ein Akt von uns, und der Subjektivismus (der Beschreibung) wäre nur auf eine andere Ebene verschoben. In einer ontologischen Lesart hingegen ist die Absicht selbst das, was das Verhalten schlechterdings erklärt – unabhängig davon, ob jemand diese Erklärung formuliert.
Welche der beiden Lesarten ist hier eigentlich gemeint?
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In begrenzten oder gestörten Systemen jenseits eines stabilen natürlichen Gleichgewichts wäre das durchaus möglich, insbesondere wenn ein Jäger sich auf eine spezielle Beute fixiert hat. Dass dies vergleichsweise selten vorkommt und eher die Ausnahme darstellt, bedeutet jedoch nicht, dass Tiere aus irgendeiner Form von höherer Einsicht heraus davon absehen, andere Arten auszurotten.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 13:44Ich denke mal, dass die Übergänge zwischen Tier- und Menschengruppen diesbezüglich fließend sind. Oder auch nicht. Wann hätte denn jemals die Gefahr für eine Tierart, bestanden, dass sie durch eine Jagd von Tiergruppen untereinander selbst ausgerottet.
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Ich denke mal, dass wenn man mit seinen "Handlungsgründe als Erklärungen" auch etwas bewirken will, darauf bedacht sein sollte, beides zu kombinieren.
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„Wir alle tun das natürlich, aber warum tun wir das?"
Ich könnte mir z.B. die Zeilen, die ich hier von dir lese, dadurch erklären, dass ich mir sage: Dynamis will sich hier an der Diskussion beteiligen, um etwas zu lernen. Aber dann stellt sich heraus, so wollen wir uns vorstellen, dass auf der anderen Seite ein besonders ausgereiftes LLM-Modell der Zukunft schreibt. Dann wäre meine Handlungserklärung grundsätzlich falsch. Es lege nämlich gar keine Handlung vor. Das heißt: Es gibt einen Unterschied zwischen richtigen und falschen Handlungserklärungen. Und das zeigt mir, dass der epistemisch-pragmatische Typ von Handlungserklärung gegenüber dem ontologischen parasitär ist. Wäre es dann philosophisch nicht viel sinnvoller, sich direkt auf den ontologischen Erklärungstyp zu fokussieren?
Ich könnte mir z.B. die Zeilen, die ich hier von dir lese, dadurch erklären, dass ich mir sage: Dynamis will sich hier an der Diskussion beteiligen, um etwas zu lernen. Aber dann stellt sich heraus, so wollen wir uns vorstellen, dass auf der anderen Seite ein besonders ausgereiftes LLM-Modell der Zukunft schreibt. Dann wäre meine Handlungserklärung grundsätzlich falsch. Es lege nämlich gar keine Handlung vor. Das heißt: Es gibt einen Unterschied zwischen richtigen und falschen Handlungserklärungen. Und das zeigt mir, dass der epistemisch-pragmatische Typ von Handlungserklärung gegenüber dem ontologischen parasitär ist. Wäre es dann philosophisch nicht viel sinnvoller, sich direkt auf den ontologischen Erklärungstyp zu fokussieren?
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
Soweit ich sehe, würde Anscombe eine Erklärung durch ein "Ur-Ich mit seinem Triebsystem in Urgestalt und Urgehalt" weder ablehnen noch ihr zustimmen. Sie würde stattdessen darauf hinweisen, dass Handlungen eben dadurch charakterisiert sind, dass sie sinnvoll in Warum-Fragen thematisiert werden können und dass diese Warum-Fragen unter anderem auch dadurch beantwortet werden können, dass man auf Motive verweist. Und ja, auch "Urtriebe, Urinstinkte" können als Bestandteil eines Motivs aufgefasst werden und somit als Bestandteil einer Erklärung dienen. Dabei müsste dann allerdings noch hergeleitet werden, wie man von diesem Ur-Ich zu der konkreten Handlung gelangt, wie diese Ableitung überhaupt funktionieren soll. Dass man dieses Motiv mit Bezug auf "Urtriebe, Urinstinkte" erklärt, ist dabei nur eine mögliche Antwort von vielen. Man könnte stattdessen auch anführen, dass manche Menschen von ihrem Gewissen oder von der Liebe zur Wahrheit motiviert sind. Das sind ebenfalls mögliche Interpretationen. Wenn man eine bewusste Handlung hingegen nicht mit Bezug auf Moral oder normative Gründe, sondern mit Bezug auf "das Instinktleben, ein Mannigfaltiges der Triebhaftigkeit" interpretiert, ist auch das erst einmal nur eine Interpretation. Und die Frage, ob diese Interpretation etwas taugt, hält Anscombe für schwer zu beantworten.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 13:04⟨Triebe und Instinkte. Das personale Leben in Selbst- und Gattungserhaltung⟩
Genesis führt zurück auf mich als Trieb-Ich. Durch alle zum Phänomen der vorgegebenen Welt als Korrelat gehörige, sie transzendental konstituierende Subjektstruktur hindurch geht das Instinktleben, ein Mannigfaltiges der Triebhaftigkeit. Die Instinkte erfahren Modifikationen, aber sie sind immer da. Unterdrückter Trieb ist selbst ein Modus desselben Triebes etc. Die Genesis innerhalb der Konstitution der vorgegebenen Welt setzt immer schon Trieb, Instinkt voraus.
Wir werden also für den erstkindlichen Anfang genötigt, schon ein Triebsystem vorauszusetzen, dem zuzurechnen ist all die intentionale Ur-Passivität, die von jedweder Entwicklung vorausgesetzt ist und in ihr immerfort am Werk ist. Das Ur-Ich mit seinem Triebsystem in Urgestalt und Urgehalt wirkt sich in Passivität und dann Aktivität aus: Im Triebsystem liegt schon die Anlage für die gesamte Weltkonstitution als Entelechie.
Urtriebe, Urinstinkte sind keine mechanischen Kräfte. Sie sind die Quellen alles Könnens, aller Könnenssysteme. Welt hat im entwickelten Ich sein Korrelat in einem Vermögenssystem, das systematische Einheit von Vermögen ist: Jede mögliche Erfahrung ist eine Linie der Gekonntheit. Jedes empirische Denken meiner ist empirisches Denken meiner Vermögen und meine Vermögen sind in steter Entwicklung und haben ihre Quelle in Urvermögen.
Widersprechen würde sie aber der Aussage "Sie sind die Quellen alles Könnens, aller Könnenssysteme." Selbst dann, wenn es so etwas wie ein Ur-Ich gibt und selbst dann, wenn plausibel erklärt werden kann, wie sich unser Verhalten in Bezug auf dieses Ur-Ich interpretieren lässt, können wir uns immer noch zu diesem Ur-Ich verhalten. Wir können also Entscheidungen treffen, die nicht durch dieses Ur-Ich determiniert sind. Es muss also noch andere Quellen unseres Könnens geben, vielleicht Sozialisation, Reflexion.
Soweit kann ich mitgehen.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 14:35„Wir alle tun das natürlich, aber warum tun wir das?"
Ich könnte mir z.B. die Zeilen, die ich hier von dir lese, dadurch erklären, dass ich mir sage: Dynamis will sich hier an der Diskussion beteiligen, um etwas zu lernen. Aber dann stellt sich heraus, so wollen wir uns vorstellen, dass auf der anderen Seite ein besonders ausgereiftes LLM-Modell der Zukunft schreibt. Dann wäre meine Handlungserklärung grundsätzlich falsch. Es lege nämlich gar keine Handlung vor. Das heißt: Es gibt einen Unterschied zwischen richtigen und falschen Handlungserklärungen.
Hier stimme ich nicht zu. Es gibt einen Unterschied zwischen richtigen und falschen Handlungserklärungen, einverstanden. Daraus folgt erst einmal nur, dass Handlungserklärungen vom epistemisch-pragmatischen Typ falsifiziert werden können. Die Schlussfolgerung, dass da irgendein Parasitismus besteht, kann ich nicht nachvollziehen. Dein Beispiel verdeutlicht aber, dass Handlungsbeschreibungen ohne Handlungserklärungen vom epistemisch-pragmatischen Typ nicht existieren würden. Du machst die Klassifizierung meines Textes nämlich von einer Erklärung abhängig, die du hier gibst. Wir sollen uns nämlich "vorstellen, dass auf der anderen Seite ein besonders ausgereiftes LLM-Modell der Zukunft schreibt". Indem wir uns das also vorstellen, wird die Produktion des vorliegenden Textes damit erklärt, dass da ein Algorithmus Texte produziert. Wenn etwas durch einen Algorithmus erklärt wird, dann nicht durch Motiv oder Absicht. Damit ist es keine Handlung. Die Klassifizierung eines Ereignisses als Handlung ist also direkt daran geknüpft, wie dieses Ereignis erklärt wird.Jörn hat geschrieben : Und das zeigt mir, dass der epistemisch-pragmatische Typ von Handlungserklärung gegenüber dem ontologischen parasitär ist. Wäre es dann philosophisch nicht viel sinnvoller, sich direkt auf den ontologischen Erklärungstyp zu fokussieren?
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Der Witz des Arguments ist ein ganz anderer. Es geht darum, dass wir uns irren können – sowohl darin, ob überhaupt eine Handlung vorliegt, als auch darin, worin sie besteht. Wenn wir uns etwas als Handlung X erklären, dann im Erfolgsfall u.a. deshalb, weil es erstens tatsächlich eine Handlung ist und zweitens tatsächlich eine Handlung des Typs X ist. Das heißt: Jede Handlungserklärung im epistemisch-pragmatischen Sinne hängt von Handlungserklärungen im ontologischen Sinne ab. Der Erfolgsfall setzt den ontologischen Typ voraus – das ist die Abhängigkeitsrelation, die den Parasitismus begründet.
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Naja, was ich gesagt habe, das folgt schon aus dem Argument. Eventuell war es nicht von dir beabsichtigt, aber das ändert ja nichts daran, dass meine Schlussfolgerung keine Willkür ist.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 17:29Der Witz des Arguments ist ein ganz anderer.
Anscombe hat übrigens ein ähnliches Argument gebracht. Ihre Monographie ist 1957 erschienen, damals befand sich die Entwicklung der Computertechnologie noch in ihrem Anfangsstadium. Aber das Szenario, dass auf einmal Buchstaben wie von Zauberhand irgendwo erscheinen, kannte sie als fromme Katholikin aus der Bibel. Der König Belsazar gibt ein Fest und betrinkt sich. Plötzlich tauchen von Geisterhand Buchstaben an der Wand auf. Wenn wir dieses Ereignis beschreiben wollen, also die Beschreibung "es tauchen Buchstaben an der Wand auf" verwenden, dann setzen wir dabei voraus, dass wir Buchstaben und Schrift bereits aus der Welt der Menschen kennen. Genau dasselbe passiert auch, wenn wir ein Ereignis beschreiben, wo die KI irgendwelche Buchstaben produziert. Dann identifizieren wir diese KI als LLM, indem wir das, was die KI da macht, mit dem vergleichen, was wir als "Sprache" kennen. Wir verwenden also Begriffe wie "Sprache", "Schrift", "KI" um zu beschreiben, was da passiert. Genauso verwenden wir auch bei Handlungserklärungen Begriffe. Man kann also schon an dieser Stelle schlussfolgern, dass unsere Beschreibungen und Erklärungen parasitär nicht von Erklärungen im ontologischen Sinn abhängen, sondern von Begriffen.
Hier erklärst du Handlungserklärungen. Dabei schränkst du die Erklärung von vorneherein auf den Erfolgsfall ein. Aber wie lassen sich Handlungserklärungen erklären, wenn der Erfolgsfall nicht eintritt? Wenn tatsächlich eine LLM den hier vorliegenden Text produziert hat, wie erklärst du dann, dass du den Text zuerst damit erklärt hast, dass da ein Mensch mit Diskussionsabsichten einen Text geschrieben hat? Diese Frage bleibt in deiner Erklärung von Handlungserklärungen, die nur den Erfolgsfall abdeckt, unbeantwortet. Die Frage, die Anscombe gestellt hat, bleibt weiterhin offen: "Aber wer sagt, dass es sich bei dem, was gerade geschieht, um das Bauen eines Hauses handelt oder darum, „Ich bin ein Narr“ an die Tafel zu schreiben? Wir alle tun das natürlich, aber warum tun wir das?"Jörn hat geschrieben : Wenn wir uns etwas als Handlung X erklären, dann im Erfolgsfall u.a. deshalb, weil es erstens tatsächlich eine Handlung ist und zweitens tatsächlich eine Handlung des Typs X ist.
Wie also erklären wir den Fall, dass eine falsche Handlungserklärung vorliegt? Eine Möglichkeit wäre es zu sagen, dass man einen ontologischen Handlungsbegriff verwendet. Wenn eine falsche Handlungserklärung vorliegt, dann lässt sich das damit erklären, dass der Erklärer irrtümlicherweise glaubte, dass ein Erfolgsfall vorlag. Ein Parasitismus könnte also auch hinsichtlich des ontologischen Handlungsbegriffs bestehen. Anscombe bringt einen ähnlichen Gedanken zum Ausdruck, indem sie zustimmend Wittgenstein zitiert:
Wittgenstein hat geschrieben : Begriffe leiten uns zu Untersuchungen. Sind der Ausdruck unseres Interesses, und lenken unser Interesse. (Philosophische Untersuchungen, §570, https://www.wittgensteinproject.org/w/i ... hungen#570)
Ich sehe eine Beschreibung eher von "Außen" und eine Erklärung eher von "Innen" perspektivisch gesehen.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 13:14Das Zitat von Anscombe ist um das Wort "Beschreibung" herum formuliert. Mich interessiert, was passiert, wenn man es konsequent gegen Erklärung austauscht.
Beschreibungen haben etwas latent Subjektivistisches – es sind schließlich unsere Beschreibungen, und man kann fragen, ob sie die Welt treffen oder nur unsere Perspektive spiegeln. "Erklärung" hingegen kann man auch objektivistisch verstehen: Die Krümmung der Raumzeit erklärt die Bahn der Planeten – und das war auch schon der Fall, bevor es irgendein Wesen gab, das diese Erklärung formuliert hat.
...
Beispielsweise kann ich einen Menschen beschreiben, er kann sich aber nur selbst erklären. Eine Beschreibung erklärt, dass etwas da ist, eine Erklärung beschreibt, warum etwas da ist.
... mittlerweile seid ihr aber bereits schon in anderen Gefilden
Ich bin zwar weich, aber darin bin ich knallhart!
- Jörn P Budesheim
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Zwei Stellen möchte ich herausgreifen.
Erstens: „unsere Beschreibungen und Erklärungen hängen parasitär nicht von Erklärungen im ontologischen Sinn ab, sondern von Begriffen." Selbst wenn das stimmt – selbst wenn beide Erklärungstypen Begriffe voraussetzen würden – folgt daraus nichts gegen die Abhängigkeitsrelation, die ich geltend gemacht habe. Die Begriffsfrage und die Parasitismus-These sind logisch unabhängig voneinander. Das ist ein non sequitur. Eine epistemische Erklärung mag von Begriffen abhängig sein, das ändert nichts daran, dass ihre Korrektheit von der ontologischen Erklärung abhängt.
Zweitens: „Dabei schränkst du die Erklärung von vorneherein auf den Erfolgsfall ein." Ich schränke an der fraglichen Stelle eigentlich nichts ein und erkläre auch keine Handlungen. Ich sage lediglich, was eine wahre (=erfolgreiche) epistemische Handlungserklärung wahr macht: dass sie nämlich die wirkliche Erklärung trifft. Und genau darin steckt die Abhängigkeit: Die epistemische Erklärung gelingt Kraft der ontologischen Verhältnisse.
Erstens: „unsere Beschreibungen und Erklärungen hängen parasitär nicht von Erklärungen im ontologischen Sinn ab, sondern von Begriffen." Selbst wenn das stimmt – selbst wenn beide Erklärungstypen Begriffe voraussetzen würden – folgt daraus nichts gegen die Abhängigkeitsrelation, die ich geltend gemacht habe. Die Begriffsfrage und die Parasitismus-These sind logisch unabhängig voneinander. Das ist ein non sequitur. Eine epistemische Erklärung mag von Begriffen abhängig sein, das ändert nichts daran, dass ihre Korrektheit von der ontologischen Erklärung abhängt.
Zweitens: „Dabei schränkst du die Erklärung von vorneherein auf den Erfolgsfall ein." Ich schränke an der fraglichen Stelle eigentlich nichts ein und erkläre auch keine Handlungen. Ich sage lediglich, was eine wahre (=erfolgreiche) epistemische Handlungserklärung wahr macht: dass sie nämlich die wirkliche Erklärung trifft. Und genau darin steckt die Abhängigkeit: Die epistemische Erklärung gelingt Kraft der ontologischen Verhältnisse.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“