Ja, vielleicht sind wir in anderen Gefilden, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir in den richtigen sind. Ich denke, die Begriffe sind noch nicht geklärt. Allerdings geht es an dieser Stelle im Wesentlichen um die Art und Weise wie die fragliche Philosophin Anscombe diese Begriffe verwendet und nicht (allein) um die Frage, wie man sie ganz im allgemeinen versteht/verstehen sollte.RosiG2 hat geschrieben : ↑ mittlerweile seid ihr aber bereits schon in anderen Gefilden
Handlungsgründe als Erklärungen
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Ich denke, nachdem ich heute morgen ein wenig recherchiert habe: ich kaufe das nicht. Ich vermute, dass mit einer Handlungserklärung hier einfach das gemeint ist, was die Handlung erklärt. Die Handlungserklärung erfasst die immanente Ordnung der Handlung, ihre logische Form in der Ordnung der Gründe. Handlungserklärungen in diesem Sinn können nicht falsch sein. Mit solchen Erklärungen, sind keine Tätigkeiten das Erklärens gemeint. Nur diese können auch falsch sein.
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Ich kann dir an dieser Stelle dankbar sein, weil du hier bereits eine Differenzierung eingeführt und mir somit Denkarbeit abgenommen hast. Wir müssen hier in der Tat differenzieren zwischen der epistemischen Erklärung und ihrer Korrektheit. Wenn die Korrektheit einer epistemischen Erklärung von der ontologischen Erklärung abhängt, folgt daraus noch nicht, dass die epistemische Erklärung selbst von der ontologischen Erklärung abhängt. Also ja, da liegt ein non sequitur vor, allerdings eher in deiner Argumentation. Du analysierst, wovon die Korrektheit der ontologischen Erklärung abhängt, und dann ziehst du daraus folgende Schlussfolgerung: "Jede Handlungserklärung im epistemisch-pragmatischen Sinne hängt von Handlungserklärungen im ontologischen Sinne ab." Nun, das ist ein non sequitur.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 24. Mai 2026, 07:11Erstens: „unsere Beschreibungen und Erklärungen hängen parasitär nicht von Erklärungen im ontologischen Sinn ab, sondern von Begriffen." Selbst wenn das stimmt – selbst wenn beide Erklärungstypen Begriffe voraussetzen würden – folgt daraus nichts gegen die Abhängigkeitsrelation, die ich geltend gemacht habe. Die Begriffsfrage und die Parasitismus-These sind logisch unabhängig voneinander. Das ist ein non sequitur. Eine epistemische Erklärung mag von Begriffen abhängig sein, das ändert nichts daran, dass ihre Korrektheit von der ontologischen Erklärung abhängt.
Es gibt Fälle, in denen die Korrektheit einer epistemischen Erklärung sehr schwer oder gar nicht überprüfbar ist. Vorhin hat Timberlake einen Auszug aus einem Text mit der Überschrift "Triebe und Instinkte. Das personale Leben in Selbst- und Gattungserhaltung" zitiert. Offensichtlich will der Text nahelegen, dass man Handlungen dadurch erklären kann, dass man sie auf Triebe und Instinkte im Dienste der Selbst- und Gattungserhaltung reduziert. Entscheidungen und Überlegungen werden laut der Überschrift eines Unterabschnitts als "Willenspassivität als intentionale Modifikation von Willensaktivität" interpretiert. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man eine solche Erklärung verifizieren oder falsifizieren kann. Es ist alles eine Frage der Interpretation. Wenn man genug Konstruktionsarbeit leistet, kann man auch Kultur, Recht, Wissenschaft usw. interpretieren, indem man sie als "intentionale Modifikation" deutet. Anhand der Überschriften von Timberlakes Text können wir feststellen, dass solche Erklärungen davon abhängen, dass man Begriffe wie "Trieb", "Intention" und "Willen" verwendet.
Deine Aussage war: "Wenn wir uns etwas als Handlung X erklären, dann im Erfolgsfall u.a. deshalb, weil es erstens tatsächlich eine Handlung ist und zweitens tatsächlich eine Handlung des Typs X ist." Dieser Satz verwendet, wie an der Konjunktion "weil" ersichtlich, einen Nebensatz als Kausalsatz und gibt somit den Grund dafür an, dass wir Handlungen erklären. Also wird in dieser Aussage sehr wohl etwas erklärt, nämlich Erklärungen. Aus dem Zusammenhang wird ersichtlich, dass du "Erfolgsfall" und "Wahrheit" gleichsetzt, aber auch diesen Punkt habe ich bereits in meiner Argumentation berücksichtigt. Wahrheit wird also verstanden als Übereinstimmung einer epistemischen Handlungserklärung mit einer "wirklichen Erklärung". Wenn jemand versucht Handlungen auf diese Weise zu erklären, dabei Wahrheit anstrebt und deswegen epistemische Erklärungen produziert, verwendet er also eine Korrespondenztheorie der Wahrheit in einer bestimmten Ausprägung, also einen bestimmten Wahrheitsbegriff. Also hängt auch in diesem Falle die epistemische Handlungserklärung von Begriffen ab.Jörn hat geschrieben : Zweitens: „Dabei schränkst du die Erklärung von vorneherein auf den Erfolgsfall ein." Ich schränke an der fraglichen Stelle eigentlich nichts ein und erkläre auch keine Handlungen. Ich sage lediglich, was eine wahre (=erfolgreiche) epistemische Handlungserklärung wahr macht: dass sie nämlich die wirkliche Erklärung trifft. Und genau darin steckt die Abhängigkeit: Die epistemische Erklärung gelingt Kraft der ontologischen Verhältnisse.
Meine Interpretation ist korrekt. Da lassen sich mindestens zwei Gründe anführen:Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 24. Mai 2026, 17:32Ich denke, nachdem ich heute morgen ein wenig recherchiert habe: ich kaufe das nicht. Ich vermute, dass mit einer Handlungserklärung hier einfach das gemeint ist, was die Handlung erklärt. Die Handlungserklärung erfasst die immanente Ordnung der Handlung, ihre logische Form in der Ordnung der Gründe. Handlungserklärungen in diesem Sinn können nicht falsch sein. Mit solchen Erklärungen, sind keine Tätigkeiten das Erklärens gemeint. Nur diese können auch falsch sein.
- Anscombe thematisiert Handlungen ausdrücklich im Zusammenhang mit Warum-Fragen. Warum-Frage sind Akte, keine ontologischen Dinge, die unabhängig von unseren Handlungen sind.
- Anscombe thematisiert explizit die Rolle von Handlungserklärungen in ihrem epistemisch-pragmatischen Zusammenhang:
Da reflektiert sie also ausdrücklich Handlungserklärungen im epistemisch-pragmatischen Sinn, indem sie nach unserem Erkenntnisinteresse fragt.Anscombe hat geschrieben : Warum sagen wir, dass die Auf- und Abbewegung des Pumphandgriffs Teil eines Prozesses ist, durch den diese Menschen aufhören, sich weiter zu bewegen? Sie ist Teil einer Kausalkette, die damit endet, dass diese Familie vergiftet wird. Aber das gilt auch für eine Drehung des Rades eines Zuges, mit dem einer der Bewohner zu diesem Haus gereist ist. Warum nimmt die Bewegung des Pumpenhebels eine wichtigere Stellung ein als eine Umdrehung dieses Rades? Weil sie eine Rolle dabei spielt, wie eine bestimmte giftige Substanz in den menschlichen Organismus gelangt, und dass eine giftige Substanz in den menschlichen Organismus gelangt, ist die Form der Beschreibung dessen, was geschieht, die uns hier interessiert; und nur weil es uns interessiert, würden wir überhaupt in Betracht ziehen, über die Rolle der Radumdrehung nachzudenken, die den Mann zu seinem Schicksal befördert hat. (Quelle: §46, "Intention", übersetzt mit DeepL)
Dynamis hat geschrieben : ↑Mi 29. Apr 2026, 14:01Es ist zunächst einmal eine logische Relation. Wenn wir in einer Rede argumentieren, geben wir einen Grund für unsere Behauptung an und begründen sie somit. Wenn wir handeln, sind die Argumente implizit, aber sie können explizit gemacht werden, indem wir nach dem Grund dieser Handlung fragen: Warum tust du das? Wofür tust du das? Anscombe hat das in Anlehnung an Aristoteles als praktischen Syllogismus bezeichnet, um den logischen Charakter von Handlungsgründen hervorzuheben. Anders als bei einem theoretischen Syllogismus ist die "Konklusion", die sich aus den Prämissen ergibt, keine Aussage mit Wahrheitsanspruch, sondern eine Handlung.
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Das kann ich nicht erkennen, ich lese es genau umgekehrt.
Das Gleiche gilt nach meinem bisherigen Verständnis für Warum-Fragen. Die Antworten auf die Warum-Fragen liefern jeweils die objektive Struktur der Handlung. Es geht nicht darum, dass da jemand sitzt und grübelt, warum diese Person so oder so gehandelt hat. Es handelt sich um eine formale Analyse, die den Platz der Handlung im objektiven Raum der Gründe bestimmt.
Man könnte die Sache mit der Warum-Frage vielleicht so erläutern: Die Warum-Frage ergibt das „Worum-willen" der Handlung, welches für die Handlung konstitutiv ist. Etwas, bei dem man diese Warum-Frage (nach Gründen) nicht stellen könnte, ist gar keine Handlung.
Es geht also bei dieser Form nicht primär darum, herauszufinden, was da jeweils los war, sondern um die logische Struktur nicht (nur) dieser bestimmten Handlung, sondern von Handlungen schlechthin.
Ähnlich verhält es sich mit der Formulierung „unter eine Beschreibung fallen". Das heißt ja sicher nicht, dass es eine tatsächliche Beschreibung gibt, dass sich also jemand hinsetzt und eine Beschreibung verfasst. Sondern es heißt doch wohl, dass das, was unter eine Beschreibung fällt, eine bestimmte logisch sinnvolle Struktur hat, die man gegebenenfalls auch in Worte fassen könnte.
Das Gleiche gilt nach meinem bisherigen Verständnis für Warum-Fragen. Die Antworten auf die Warum-Fragen liefern jeweils die objektive Struktur der Handlung. Es geht nicht darum, dass da jemand sitzt und grübelt, warum diese Person so oder so gehandelt hat. Es handelt sich um eine formale Analyse, die den Platz der Handlung im objektiven Raum der Gründe bestimmt.
Man könnte die Sache mit der Warum-Frage vielleicht so erläutern: Die Warum-Frage ergibt das „Worum-willen" der Handlung, welches für die Handlung konstitutiv ist. Etwas, bei dem man diese Warum-Frage (nach Gründen) nicht stellen könnte, ist gar keine Handlung.
Es geht also bei dieser Form nicht primär darum, herauszufinden, was da jeweils los war, sondern um die logische Struktur nicht (nur) dieser bestimmten Handlung, sondern von Handlungen schlechthin.
Ähnlich verhält es sich mit der Formulierung „unter eine Beschreibung fallen". Das heißt ja sicher nicht, dass es eine tatsächliche Beschreibung gibt, dass sich also jemand hinsetzt und eine Beschreibung verfasst. Sondern es heißt doch wohl, dass das, was unter eine Beschreibung fällt, eine bestimmte logisch sinnvolle Struktur hat, die man gegebenenfalls auch in Worte fassen könnte.
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In der zitierten Stelle spricht sie explizit von der "Form der Beschreibung dessen, was geschieht, die uns hier interessiert". Nach meinem Verständnis sind Beschreibungen keine ontologischen Entitäten, die vom Himmel fallen. Sie werden von Menschen produziert und interessieren uns Menschen.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 24. Mai 2026, 18:32Das kann ich nicht erkennen, ich lese es genau umgekehrt.
Wir können uns aber auch noch eine andere Textstelle ansehen, vielleicht wird da noch deutlicher, dass es Anscombe tatsächlich um Handlungserklärungen im epistemisch-pragmatischen Sinn geht. Und wenn dich das dann immer noch nicht überzeugt, bin ich mit meinem Latein am Ende.
Wenn erwähnen ("mention") und eine Interpretation liefern ("give an interpretation") keine Denk- und Sprechakte sind, sondern ontologische Entitäten, die vom Himmel fallen, dann habe ich Anscombe an dieser Stelle völlig falsch verstanden.Anscombe hat geschrieben : Bewusste Handlungen sind also jene, auf die die Frage „Warum?“ in einem besonderen Sinne angewendet wird, der sich wie folgt erklären lässt: Die Frage hat diesen Sinn nicht, wenn die Antwort Evidenz anführt oder eine Ursache angibt, einschließlich einer mentalen Ursache; konkret kann die Antwort (a) lediglich auf vergangene Ereignisse erwähnen, (b) eine Interpretation der Handlung liefern oder (c) etwas Zukünftiges erwähnen. (§16)
englisch: Intentional actions, then, are the ones to which the question 'Why?' is given application, in a special sense which is so far explained as follows: the question has not that sense if the answer is evidence or states a cause, including a mental cause; positively, the answer may (a) simply mention past history, (b) give an interpretation of the action, or (c) mention something future.
Das Worum-willen wird in Anscombes Liste in Punkt (b) und Punkt (c) berücksichtigt. Es kann entweder auf ein Ziel verweisen, welches in der Zukunft liegt, dann fällt es unter (c). Es kann aber auch ein moralisches Motiv verweisen. Als Katholikin denkt sie vermutlich auch an Fälle, in denen Menschen um Gottes Willen Entbehrungen in Kauf nehmen. Solche Fälle, wo es nicht um die Zukunft, sondern um die Moral oder um Gottesfurcht geht, subsumiert sie unter Punkt (b).Jörn hat geschrieben : Man könnte die Sache mit der Warum-Frage vielleicht so erläutern: Die Warum-Frage ergibt das „Worum-willen" der Handlung, welches für die Handlung konstitutiv ist. Etwas, bei dem man diese Warum-Frage (nach Gründen) nicht stellen könnte, ist gar keine Handlung.
Wenn Anscombe direkt im Anschluss das von mir bereits erwähnte Wittgenstein-Zitat erwähnt, geht es wohl tatsächlich darum, dass uns Beschreibungen interessieren: "Begriffe leiten uns zu Untersuchungen." In meiner Lesart sind Untersuchungen ebenfalls keine ontologischen Entitäten, die vom Himmel fallen, sondern werden von Menschen durchgeführt, die sich für bestimmte Dinge interessieren. Auch der bereits erwähnte Verweis auf Belsazar passt gut dazu. Die Buchstaben fallen da direkt mehr oder weniger vom Himmel. Aber es ist dann Belsazar, ein Mensch, der eine Untersuchung einleitet und herausfinden möchte, was es mit der ominösen Schrift auf sich hat und deswegen alle Wahrsager und Weisen des Reiches heranschleppen lässt. Schon alleine dieser Bibelbezug spricht dafür, dass Anscombe hier Handlungserklärungen im epistemisch-pragmatischen Sinn meint.Jörn hat geschrieben : Ähnlich verhält es sich mit der Formulierung „unter eine Beschreibung fallen". Das heißt ja sicher nicht, dass es eine tatsächliche Beschreibung gibt, dass sich also jemand hinsetzt und eine Beschreibung verfasst. Sondern es heißt doch wohl, dass das, was unter eine Beschreibung fällt, eine bestimmte logisch sinnvolle Struktur hat, die man gegebenenfalls auch in Worte fassen könnte.
Diese Herangehensweise ist sicherlich nicht verkehrt. Die Innenperspektive spielt für Anscombe auch eine wichtige Rolle. Sie spricht ausdrücklich davon, dass die handelnde Person weiß, was sie tut, und dass dieses Wissen Handlungsbeschreibungen liefert.RosiG2 hat geschrieben : ↑So 24. Mai 2026, 01:18Ich sehe eine Beschreibung eher von "Außen" und eine Erklärung eher von "Innen" perspektivisch gesehen.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Sa 23. Mai 2026, 13:14Das Zitat von Anscombe ist um das Wort "Beschreibung" herum formuliert. Mich interessiert, was passiert, wenn man es konsequent gegen Erklärung austauscht.
Beschreibungen haben etwas latent Subjektivistisches – es sind schließlich unsere Beschreibungen, und man kann fragen, ob sie die Welt treffen oder nur unsere Perspektive spiegeln. "Erklärung" hingegen kann man auch objektivistisch verstehen: Die Krümmung der Raumzeit erklärt die Bahn der Planeten – und das war auch schon der Fall, bevor es irgendein Wesen gab, das diese Erklärung formuliert hat.
...
Beispielsweise kann ich einen Menschen beschreiben, er kann sich aber nur selbst erklären. Eine Beschreibung erklärt, dass etwas da ist, eine Erklärung beschreibt, warum etwas da ist.
Anscombe hat geschrieben : Außerdem ist es das Wissen des Handelnden um sein Tun, das denjenigen Beschreibungen zugrunde liegt, wonach das, was geschieht, die Ausführung einer Absicht ist. (Übersetzt mit Hilfe von DeepL)
Englisch:
Further, it is the agent's knowledge of what he is doing that gives the descriptions under which what is going an is the execution of an intention. (§48, Intention)
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Budesheim: Zwei Lesarten [von "Erklärung"] scheinen möglich: [...] Erklärung [als] ein Akt von uns. [...] In einer ontologischen Lesart hingegen ist die Absicht selbst das, was das Verhalten schlechterdings erklärt – unabhängig davon, ob jemand diese Erklärung formuliert.
In keiner dieser beiden Möglichkeiten fällt irgendetwas vom Himmel. Das kommt bei mir nicht vor, das ist deine freie Erfindung.
Fragen wir uns mal Folgendes: Wie oft fertigt eine reale Person eine reale Beschreibung (in welcher Form auch immer) einer unserer Handlungen gemäß Lesart (1) an? Wie oft also erklärt jemand eine Handlung tatsächlich schriftlich, wörtlich oder was weiß ich wie? Und wie oft fragt jemand nach dem Warum der Handlung? Gemessen an der Zahl unserer Handlungen vermutlich eher selten.
Aber die entsprechende Warum-Frage ist immer möglich. Nicht etwa, weil immer jemand neugierig ist oder nicht versteht, was wir tun, und wir es erklären müssen, indem wir unsere Absichten angeben, sondern weil die logische Struktur der Handlung, ihre Grammatik, eben derart ist. Vielleicht könnte man bildhaft sagen, die Handlung ist "in sich" eine Antwort auf die Warum-Frage. Die Warum-Frage in der Analyse ist keine epistemische (Warum nur hat er das getan?), sondern ein Aufdecken der (onto-)logischen Struktur von Handlungen, ihrer intentionalen Ordnung gemäß Lesart (2). Die Warum-Frage ist - nach meinem Verständnis - bei Anscombe nicht primär ein psychologisches oder kommunikatives Ereignis (Lesart 1), sondern ein Kriterium dafür, ob etwas überhaupt als Handlung gelten kann (Lesart 2).
In keiner dieser beiden Möglichkeiten fällt irgendetwas vom Himmel. Das kommt bei mir nicht vor, das ist deine freie Erfindung.
Fragen wir uns mal Folgendes: Wie oft fertigt eine reale Person eine reale Beschreibung (in welcher Form auch immer) einer unserer Handlungen gemäß Lesart (1) an? Wie oft also erklärt jemand eine Handlung tatsächlich schriftlich, wörtlich oder was weiß ich wie? Und wie oft fragt jemand nach dem Warum der Handlung? Gemessen an der Zahl unserer Handlungen vermutlich eher selten.
Aber die entsprechende Warum-Frage ist immer möglich. Nicht etwa, weil immer jemand neugierig ist oder nicht versteht, was wir tun, und wir es erklären müssen, indem wir unsere Absichten angeben, sondern weil die logische Struktur der Handlung, ihre Grammatik, eben derart ist. Vielleicht könnte man bildhaft sagen, die Handlung ist "in sich" eine Antwort auf die Warum-Frage. Die Warum-Frage in der Analyse ist keine epistemische (Warum nur hat er das getan?), sondern ein Aufdecken der (onto-)logischen Struktur von Handlungen, ihrer intentionalen Ordnung gemäß Lesart (2). Die Warum-Frage ist - nach meinem Verständnis - bei Anscombe nicht primär ein psychologisches oder kommunikatives Ereignis (Lesart 1), sondern ein Kriterium dafür, ob etwas überhaupt als Handlung gelten kann (Lesart 2).
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Anscombe ist eine sehr differenziert argumentierende Philosophin. Deine Interpretation hat durchaus eine sachliche Grundlage im Text, aber dass sie Handlungserklärungen im epistemisch-pragmatischen Sinn thematisiert, stimmt eben auch. Wenn wir sie korrekt interpretieren wollen, müssen wir beide Punkte miteinander vereinbaren. Davon abgesehen kann dich natürlich niemand davon abhalten deine eigene von Anscombe inspirierte Handlungstheorie zu entwickeln, aber dann erlaube ich mir darzulegen, in welchen Punkten sie mit Anscombes Theorie übereinstimmt und in welchen eben nicht.
Ich fasse deine Position folgendermaßen zusammen: Du betonst, dass es um das "Aufdecken der (onto-)logischen Struktur von Handlungen" geht. Warum-Fragen sind möglich, "weil die logische Struktur der Handlung, ihre Grammatik, eben derart ist".
Außerdem wirfst du mir eine "freie Erfindung" vor, wenn ich von "ontologischen Entitäten, die vom Himmel fallen" spreche.
Meine Replik zu diesem Vorwurf:
Auch dann, wenn du mir an dieser Stelle eine "freie Erfindung" vorwirfst, hat diese Formulierung einen sachlichen Grund: Wo kommen Warum-Fragen und ihre Antworten denn her, wenn sie nicht vom Himmel fallen? Bei Fragen ist es üblicherweise so, dass da jemand etwas fragt. Und bei Antworten ist es üblicherweise so, dass da jemand antwortet. Fragen und Antworten sind Sprechakte.
Meine Anmerkung zu deiner Interpretation:
Punkt 1: Zu einem großen Teil lässt sich diese Interpretation sehr gut durch Anscombes Text begründen, insbesondere §42 in "Intention" bietet dafür eine hervorragende Textgrundlage. Da spricht Anscombe tatsächlich davon, dass es eine logische Struktur gibt, die Handlungen immanent ist. Sie verweist darauf, dass Aristoteles mit seinem Begriff des "praktischen Syllogismus" versucht diese Struktur zu erfassen, genauso wie sie es mit ihren Warum-Fragen tut.
Punkt 2: Die Aussage "die Handlung ist "in sich" eine Antwort auf die Warum-Frage" lässt sich aber kaum mit dem vereinbaren, was Anscombe in §16 geschrieben hat. Beispielsweise werden Motive explizit von ihr als Antworten auf Warum-Frage anerkannt. Und Motive werden von ihr in §13 so charakterisiert, dass sie nicht in der Handlung selbst schon drin stecken, sondern stattdessen die Handlung in ein bestimmtes Licht rücken.
Ich fasse deine Position folgendermaßen zusammen: Du betonst, dass es um das "Aufdecken der (onto-)logischen Struktur von Handlungen" geht. Warum-Fragen sind möglich, "weil die logische Struktur der Handlung, ihre Grammatik, eben derart ist".
Außerdem wirfst du mir eine "freie Erfindung" vor, wenn ich von "ontologischen Entitäten, die vom Himmel fallen" spreche.
Meine Replik zu diesem Vorwurf:
Auch dann, wenn du mir an dieser Stelle eine "freie Erfindung" vorwirfst, hat diese Formulierung einen sachlichen Grund: Wo kommen Warum-Fragen und ihre Antworten denn her, wenn sie nicht vom Himmel fallen? Bei Fragen ist es üblicherweise so, dass da jemand etwas fragt. Und bei Antworten ist es üblicherweise so, dass da jemand antwortet. Fragen und Antworten sind Sprechakte.
Meine Anmerkung zu deiner Interpretation:
Punkt 1: Zu einem großen Teil lässt sich diese Interpretation sehr gut durch Anscombes Text begründen, insbesondere §42 in "Intention" bietet dafür eine hervorragende Textgrundlage. Da spricht Anscombe tatsächlich davon, dass es eine logische Struktur gibt, die Handlungen immanent ist. Sie verweist darauf, dass Aristoteles mit seinem Begriff des "praktischen Syllogismus" versucht diese Struktur zu erfassen, genauso wie sie es mit ihren Warum-Fragen tut.
Punkt 2: Die Aussage "die Handlung ist "in sich" eine Antwort auf die Warum-Frage" lässt sich aber kaum mit dem vereinbaren, was Anscombe in §16 geschrieben hat. Beispielsweise werden Motive explizit von ihr als Antworten auf Warum-Frage anerkannt. Und Motive werden von ihr in §13 so charakterisiert, dass sie nicht in der Handlung selbst schon drin stecken, sondern stattdessen die Handlung in ein bestimmtes Licht rücken.
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- "Anscombe ist eine sehr differenziert argumentierende Philosophin. Deine Interpretation hat durchaus eine sachliche Grundlage im Text, aber dass sie Handlungserklärungen im epistemisch-pragmatischen Sinn thematisiert, stimmt eben auch. Wenn wir sie korrekt interpretieren wollen, müssen wir beide Punkte miteinander vereinbaren."
Anscombe definiert nach meinen Quellen absichtliche Handlungen als jene Unterklasse von Ereignissen, auf die ein ganz bestimmter Sinn der Frage „Warum?“ Anwendung finden kann. Dabei ist es unerheblich, ob die Frage tatsächlich gestellt wird oder ob der Akteur eine substantielle Antwort gibt. Es geht um diese allgemeine Struktur, die in jeder Handlung realisiert wird und die keineswegs vom Himmel fällt, sondern höchst real ist.
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Rudolf Pirnbacher
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Vielleicht ist es in diesem Diskurs ja auch interessant denn Zusammenhang von Gründen und Handlungen aus der Sicht von Julian Nida-Rümmelin einzubringen, da er sich auch mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat:
„Gründe werden wirksam, wenn sie von einem Akteur akzeptiert werden. Einen Grund akzeptieren heißt, ihn mit motivierender Kraft auszustatten. Akzeptierte Gründe entsprechen daher motivierenden Absichten. Gründe steuern sodann unsere Absichten und sie kontrollieren Entscheidungsprozesse und damit Handlungen, insofern wir sie uns zueigen machen.“
Und: „Bestimmen die von mir erkannten besseren Gründe nicht mein Handeln, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ich werde am Handeln gehindert, oder es fehlt mir an Willensstärke.“
Es würde die Sichtweite unterstützen, dass Gründe auch Handlungen erklären. Aber es würde zusätzlich auch deren „zueigen machen“ und deren Umsetzung erfordern.
Eine konkrete Handlung beinhaltet allerdings bereits ein sich zueigen machen der Gründe und die wirksame Umsetzung.
„Gründe werden wirksam, wenn sie von einem Akteur akzeptiert werden. Einen Grund akzeptieren heißt, ihn mit motivierender Kraft auszustatten. Akzeptierte Gründe entsprechen daher motivierenden Absichten. Gründe steuern sodann unsere Absichten und sie kontrollieren Entscheidungsprozesse und damit Handlungen, insofern wir sie uns zueigen machen.“
Und: „Bestimmen die von mir erkannten besseren Gründe nicht mein Handeln, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ich werde am Handeln gehindert, oder es fehlt mir an Willensstärke.“
Es würde die Sichtweite unterstützen, dass Gründe auch Handlungen erklären. Aber es würde zusätzlich auch deren „zueigen machen“ und deren Umsetzung erfordern.
Eine konkrete Handlung beinhaltet allerdings bereits ein sich zueigen machen der Gründe und die wirksame Umsetzung.
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- „Gründe werden wirksam, wenn sie von einem Akteur akzeptiert werden. Einen Grund akzeptieren heißt, ihn mit motivierender Kraft auszustatten. Akzeptierte Gründe entsprechen daher motivierenden Absichten. Gründe steuern sodann unsere Absichten und sie kontrollieren Entscheidungsprozesse und damit Handlungen, insofern wir sie uns zueigen machen.“ (Nida Rümelin)
Führt das nicht zu einem Regress? Man könnte doch fragen, ob wir nicht einen weiteren Grund brauchen, um den Grund „mit motivierender Kraft auszustatten". Das eigentliche Problem steckt im Wort „ausstatten": Es legt nahe, dass Gründe motivational inert sind und erst durch einen Akt der Akzeptanz aufgeladen werden. Sollten Gründe nicht intrinsisch motivierend sein – die motivierende Kraft also in ihnen selbst liegen?
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Aus meiner Sicht resultieren Handlungen nicht aus linearen Prozessen, sondern aus einer ständigen Entwicklung von einem Neugeborenen hin zu einem hoffentlich mündigen Menschen. Vielleicht ist es besser als mit einem Regress (einem Zirkel) mit einer Spirale der Entwicklung zu vergleichen. Die Evolution hat uns eine Menge wertvoller Mechanismen mitgegeben, die mitwirken, um etwas mit motivierender Kraft zu versehen. Dazu gehören in einem bestimmten Ausmaß Intuition, Unterbewußtes, Gewohnheiten, Instinkte, Triebe, Reflexe und Prägungen. Aber auch Traumata und Affekte werden einen Beitrag leisten. Gründe sind somit in einer Spirale der Entwicklung eingebunden.
Bezüglich: „Sollten Gründe nicht intrinsisch motivierend sein – die motivierende Kraft also in ihnen selbst liegen?“ Dies würde ich schon zum Teil auch so sehen, insbesondere wenn sie auf wahre Erkenntnisse (wie etwas wirklich ist) und auf Prinzipien der Vernunft (wie etwas sein soll, also Werte) aufbauen.
Bezüglich: „Sollten Gründe nicht intrinsisch motivierend sein – die motivierende Kraft also in ihnen selbst liegen?“ Dies würde ich schon zum Teil auch so sehen, insbesondere wenn sie auf wahre Erkenntnisse (wie etwas wirklich ist) und auf Prinzipien der Vernunft (wie etwas sein soll, also Werte) aufbauen.
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Das mit dem Regress meine ich etwas anders. Wenn wir einen Grund erst mit motivierender Kraft "ausstatten" müssen, um ihn zu akzeptieren, dann brauchen wir dafür wiederum einen Grund – sonst wäre die Motivationsausstattung selbst unbegründet*. Aber dann stellt sich dasselbe Problem sofort wieder: Auch dieser Grund müsste erst ausgestattet werden, und so weiter. Der Regress entsteht, weil Nida-Rümelin die motivierende Kraft nicht im Grund selbst verankert, sondern in einem Akt des Akteurs. Jeder solche Akt verlangt aber seinerseits nach Begründung – und damit ist man im Regress.
* Wenn der Grund selbst das Motiv liefert, brauchen wir ihn nicht damit ausstatten.
* Wenn der Grund selbst das Motiv liefert, brauchen wir ihn nicht damit ausstatten.
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Vorab, um Missverständnisse vorzubeugen, Gründe sind in meinem Verständnis immer in einem Zweck Zusammenhang zu sehen, während Kausalität sich nicht auf einen Zweck beziehen. In diesem Sinne würde ich dir zustimmen, dass Gründe die zu einer Handlung führen, selbst motivierend sind. Es kann aber auch vorkommen, dass Gründe nicht zu einer Handlung führen, und dies deshalb weil z.B. ein Instinkt den Bedarf erfüllt. So kann z.B. als Ursache eines Wimpernschlages der kausal auslösende neuronale Impuls, oder aber sein Grund, nämlich das Befeuchten des Auges, gesehen werden. Dieser Grund benötigt keine motivierende Kraft, der Wimpernschlag erfolgt instinktiv.
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Das ist allerdings nicht das, was ich unter einem Grund verstehe. Weil du zuvor von Nida-Rümelin gesprochen hast, poste ich hier mal ein Beispiel von ihm, bei dem es auch um eine Handlung geht:
Anders Dein Beispiel: Das Benetzen des Auges hingegen mag einen Zweck haben, aber es ist kein Grund. Insbesondere, weil Gründe keine Handlungen "erzwingen" wie ein Reflex.
- ... Ein Beispiel: Hans hat den überragenden Wunsch, zu Geld zu kommen, aber weder die Begabung noch die Willenskraft, um diesem Ziel auf legalem Wege näherzukommen. Dagegen ist er, was die Lebensdauer einer alten und kränkelnden Erbtante betrifft, weitgehend indifferent. Ob die nun noch ein paar Jahre länger lebt oder nicht, ändert an seiner Lebenssituation wenig, und da er nur selten mit ihr in Kontakt war, hat er keine emotionale Bindung zu ihr aufgebaut. Begründet all dies eine geschickt gewählte Handlungsweise, die zum vorzeitigen Ableben der Erbtante führt, ohne dass dies dem Neffen als Straftat zugeschrieben werden kann? Offenkundig nicht: Man könnte bestenfalls sagen, dass es für den Neffen nur eine Möglichkeit gibt, seinen überragenden Wunsch, an viel Geld zu kommen, zu erfüllen, nämlich das Ableben der Erbtante unauffällig zu beschleunigen – aber der Übergang von dieser deskriptiv wahren Feststellung zu derjenigen, dass eine solche Handlungsweise rational wohl begründet oder gerechtfertigt sei, ist offenkundig unzulässig.
Wenn das Prädikat „rational“ in praktischen Kontexten nichts anderes bedeutete als „ist für die je vorgegebenen Zwecke ein geeignetes Mittel“ (oder stärker: „es gibt kein geeigneteres“), dann würde Rationalität ihre normative Bedeutung verlieren. Mit der Auszeichnung einer Handlung als „rational“ wäre dann kein Empfehlungscharakter mehr verbunden, sondern das Prädikat „ist rational“ würde in praktischen Kontexten lediglich einen deskriptiven (probabilistischen oder kausalen) Zusammenhang behaupten. Aber als normatives Prädikat ist es bestimmten Formen des Begründens unterworfen. Die Begründung, dass eine Handlung rational sei, kann zwar auf subjektive Merkmale wie Wünsche oder Interessen der handelnden Person Bezug nehmen, sie ist aber selbst nur objektiv – wie jede Begründung – zu verstehen: Sie zeichnet diese Handlung als die richtige Handlung aus. Dabei kann es durchaus wesentlich sein, wer diese Handlung vollzieht. Denn mit dieser Handlung ist der konkrete Handlungstoken gemeint, also die konkrete, von einer Person zu einem gegebenen Zeitpunkt vollzogene Handlung. Dass die entsprechenden Kriterien immer nur auf Types Bezug nehmen können, um formulierbar zu sein, tut dem keinen Abbruch. …
(aus: Nida-Rümelin, Nida: Gründe und Lebenswelt, www.information-philosophie.de)
Anders Dein Beispiel: Das Benetzen des Auges hingegen mag einen Zweck haben, aber es ist kein Grund. Insbesondere, weil Gründe keine Handlungen "erzwingen" wie ein Reflex.
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Man sieht die Wichtigkeit von Begriffsdefinitionen, um nicht aneinander vorbei zu reden. Dies betrifft besonders auch die Begriffe: Gründe, Ursache, Zweck, Kausalität. Aus meiner Sicht ist es auch besonders wichtig keine Kategorienfehler zu begehen die oft zwischen physikalischer Welt und Mentaler Welt gemacht werden.
PHYSIKALISCHE WELT: Es existieren Ursachen-Wirkungsgefüge (Kausalität), die in Raum und Zeit bestimmbar sind. Die Bestimmungsgrößen sind Masse, Geschwindigkeit, Richtung, Energie. Es handelt sich um Konkreta. Multikausalität: es wird zwischen auslösende und strukturierende Ursachen unterschieden (Kausalgeflecht). Auf der ultimativen Nullebene (Quanten-Physik) sind die Zusammenhänge statistisch, darüber deterministisch bzw. quasi-deterministisch. Auch statistische bzw. quasideterministische Zusammenhänge werden als kausal beschrieben, es gibt keine kausale Lücke, die Welt der Physik ist kausal geschlossen. Dritte Person Sichtweise; Gesetze beschreiben die Zusammenhänge.
MENTALE WELT: Ermöglicht handeln oder reagieren; ist nicht in Raum und Zeit bestimmbar; findet im Hier und Jetzt statt; ist auf die Zukunft bezogen; Inhalte sind Information, Plan, Zahl, Ganzheit, Gefühl, Zweck; sind Abstrakta; erste Person Sichtweise; zusätzlich zum Beschreiben kann es ein subjektives Gefühl geben, wie sich etwas anfühlt. Abstrakta sind Symbole, und können nicht interagieren.
Wir können uns gerne darauf einigen, dass Gründe objektiv sind, und Gründe normativ sind. Nida-Rümelin merkt an, dass Gründe rational eingebettet sein müssen, aber auch einen Empfehlungscharakter haben müssen, und somit normativ sind. Gerne können uns wir uns auch auf obige Unterscheidung zwischen Gründe und Zweck einigen.
PHYSIKALISCHE WELT: Es existieren Ursachen-Wirkungsgefüge (Kausalität), die in Raum und Zeit bestimmbar sind. Die Bestimmungsgrößen sind Masse, Geschwindigkeit, Richtung, Energie. Es handelt sich um Konkreta. Multikausalität: es wird zwischen auslösende und strukturierende Ursachen unterschieden (Kausalgeflecht). Auf der ultimativen Nullebene (Quanten-Physik) sind die Zusammenhänge statistisch, darüber deterministisch bzw. quasi-deterministisch. Auch statistische bzw. quasideterministische Zusammenhänge werden als kausal beschrieben, es gibt keine kausale Lücke, die Welt der Physik ist kausal geschlossen. Dritte Person Sichtweise; Gesetze beschreiben die Zusammenhänge.
MENTALE WELT: Ermöglicht handeln oder reagieren; ist nicht in Raum und Zeit bestimmbar; findet im Hier und Jetzt statt; ist auf die Zukunft bezogen; Inhalte sind Information, Plan, Zahl, Ganzheit, Gefühl, Zweck; sind Abstrakta; erste Person Sichtweise; zusätzlich zum Beschreiben kann es ein subjektives Gefühl geben, wie sich etwas anfühlt. Abstrakta sind Symbole, und können nicht interagieren.
Wir können uns gerne darauf einigen, dass Gründe objektiv sind, und Gründe normativ sind. Nida-Rümelin merkt an, dass Gründe rational eingebettet sein müssen, aber auch einen Empfehlungscharakter haben müssen, und somit normativ sind. Gerne können uns wir uns auch auf obige Unterscheidung zwischen Gründe und Zweck einigen.
Vielen Dank für diese spannenden Beiträge, Rudolf Pirnbacher!
Seitdem ich das letzte Mal hineingeguckt haben, wurden eine Reihe von interessanten Punkten angesprochen. Ich gehe sie mal (in leicht veränderter Reihenfolge) durch:
Seitdem ich das letzte Mal hineingeguckt haben, wurden eine Reihe von interessanten Punkten angesprochen. Ich gehe sie mal (in leicht veränderter Reihenfolge) durch:
- Zitat Nr. 1 von Nida Rümelin: "Gründe werden wirksam, wenn sie von einem Akteur akzeptiert werden. Einen Grund akzeptieren heißt, ihn mit motivierender Kraft auszustatten. Akzeptierte Gründe entsprechen daher motivierenden Absichten. Gründe steuern sodann unsere Absichten und sie kontrollieren Entscheidungsprozesse und damit Handlungen, insofern wir sie uns zueigen machen."
Aus meiner Sicht betrifft dieses Zitat den Spezialfall eines besonders reflektierten Akteurs. Die Akzeptierung eines Grundes findet in einem Reflexionsprozess statt. Damit lässt sich folgende Verbindung zu den Warum-Fragen von Anscombe herstellen: Wenn man einen reflektierten Akteur fragt "Warum tust du das?", dann greift er in seiner Antwort direkt auf die Ergebnisse seiner Reflexion zurück und präsentiert sie dir. Der von Jörn angesprochene Regress ergibt sich dann dadurch, dass man weiter fragen kann. Die Akzeptierung eines Grundes ist, wenn sie in einer bewussten Reflexion erfolgte, auch wieder eine Handlung. Nehmen wir mal ein aktuelles Beispiel: Wir fragen einen Trump-Wähler, warum er Trump unterstützt. In einer ersten Reflexionsstufe wird er vielleicht antworten: "Weil die Linksradikalen und die Migranten die USA zerstören wollen." Unausgesprochen schwingt dabei die Prämisse mit, dass Trump die USA vor den Feinden schützen wird. Nun können wir auf einer zweiten Reflexionsstufe weiter fragen: Warum behauptest du, lieber Trump-Wähler, dass die Linksradikalen und die Migranten eine Bedrohung für die USA seien? Jenachdem, wie ideologisch gefestigt der Trump-Wähler ist, kann er nur auf der ersten Reflexionsstufe einen Grund für seine Handlung angeben (oder in Jörns Begrifflichkeiten formuliert: er kann angeben, was er fälschlicherweise für einen Grund hält), in der zweiten Reflexionsstufe fängt er vielleicht an zu stottern oder sich im Kreise zu drehen oder beendet das Gespräch oder - im besten Falle - fängt an seine Position zu hinterfragen. - Das Beispiel macht vielleicht auch deutlich, dass Handlungen unreflektiert sein können. Warum-Fragen sind also nicht nur auf Fälle anwendbar, wo die Handlung rational begründet ist. Sie sind auch auf Fälle anwendbar, wo die Person einfach unreflektiert ist.
- Schlussfolgerung: Warum-Fragen haben eine praktische Relevanz. Jörn hat vorhin behauptet, dass "uns aber nicht die Antworten auf Abermilliarden konkreter Warum-Fragen, Beschreibungen, Erklärungen interessieren". Warum-Fragen sind spannend, weil sie eine Reflexion einleiten können, in der man über seine Gründe reflektiert. Gerade dann, wenn man wie Jörn davon ausgeht, dass Gründe objektive Entitäten sind, wird durch den von ihm vertretenen Gründerealismus begründet, dass man über seine Handlungen reflektiert und sich fragt, ob sie auf objektiven Gründen basieren.
- Eine Reflexion kann auch als philosophische Reflexion erfolgen. Wenn wir als Philosophen über den Begriff der Handlung nachdenken, ist es natürlich richtig, dass uns "nicht die Antworten auf Abermilliarden konkreter Warum-Fragen, Beschreibungen, Erklärungen interessieren", sondern eben die allgemeine Struktur des Handelns beschäftigt. Da liegt einfach ein anderes Erkenntnisinteresse vor als bei konkret auf Handlungen angewendeten Warum-Fragen. Manche Warum-Fragen werden in Bezug auf konkrete Handlungen gestellt (andere nicht und es gibt da auch Zwischenstufen, darauf gehe ich später noch ein) und leiten die Reflexion darüber ein, ob die Handlungen auf objektiven Gründen basieren. Da ist dann ein praktisches Erkenntnisinteresse vorausgesetzt, bei dem man daran interessiert ist, dass man einen vernünftigen Grund akzeptiert hat und sein Handeln danach ausrichtet. Daneben gibt es aber auch ein philosophisches Erkenntnisinteresse, bei der man Warum-Fragen benutzt, um ein allgemeines Schema zu entwickeln (wie Anscombe es in §16 von "Intention" tut) und damit die allgemeine Struktur von Handlungen zu ermitteln. Da interessiert dann in der Tat nicht die konkrete Handlung. Es hängt also vom Erkenntnisinteresse ab, wie man Warum-Fragen verwendet. Dieses Erkenntnisinteresse wiederum hängt von unseren Begriffen ab. Deswegen zitiert Anscombe zustimmend Wittgenstein: "Begriffe leiten uns zu Untersuchungen. Sind der Ausdruck unseres Interesses, und lenken unser Interesse. (Philosophische Untersuchungen, §570"
- Zitat Nr. 2 von Nida Rümelin: "Man könnte bestenfalls sagen, dass es für den Neffen nur eine Möglichkeit gibt, seinen überragenden Wunsch, an viel Geld zu kommen, zu erfüllen, nämlich das Ableben der Erbtante unauffällig zu beschleunigen – aber der Übergang von dieser deskriptiv wahren Feststellung zu derjenigen, dass eine solche Handlungsweise rational wohl begründet oder gerechtfertigt sei, ist offenkundig unzulässig."
Zunächst einmal sei festgestellt, dass es in dieser Stelle, soweit ich dem Text entnehmen kann, nicht um Gründe, sondern um die Frage geht, wann eine Handlung "rational wohl begründet oder gerechtfertigt" sei. In meiner Terminologie wäre es durchaus sinnvoll zu sagen, dass der "Wunsch, an viel Geld zu kommen" ein Grund ist. Die Tötungshandlung ist verwerflich, weil der Grund moralisch gesehen nicht die Tötung eines Menschen rechtfertigt, aber er erklärt, warum der Neffe sich überlegt die Erbtante umzubringen. In Jörns Terminologie hingegen klingt die Aussage "Der Wunsch, an viel Geld zu kommen, ist ein Grund dafür die Erbtante umzubringen" wie eine Billigung von Mord. .
Wenn der Neffe die Erbtante umbringt und man ihn nachher ganz im Vertrauen fragt, warum er die Erbtante umbrachte, dann wird der Neffe (wenn er ehrlich antwortet) auf seine Gewinnabsichten verweisen. Wenn man ihn weiter danach fragt, warum er denn unbedingt so viel Geld erwerben möchte, kommt er vielleicht mit ein bisschen Hilfe darauf, dass in seinem Leben so viel emotionale und spirituelle Leere besteht, dass er wenige Freunde hat usw. und dass er deswegen auf den falschen Gedanken kommt diese Leere durch Geld kompensieren zu müssen.
Es kann aber auch sein, dass der Neffe durchaus andere Gründe dafür hat, warum er unbedingt an Geld herankommen möchte: Der Neffe ist unverschuldet in eine Notlage gekommen. Vielleicht ist seine Tochter schwer krank und der Neffe braucht dringend das Geld, um die Operation bezahlen zu können. Wenn wir weder von einem Gründerealismus noch von einem philosophischen Interesse ausgehen, sondern soziologisch daran interessiert sind, wie Verbrechen überhaupt zustande kommen, ist es natürlich interessant auch solche Gründe zu berücksichtigen. In solchen Fällen würde man sich die Warum-Fragen in allgemeiner Form stellen, aber eben immer noch in spezifischerer Form als in einer philosophischen Reflexion. Der Kriminalsoziologe fragt nicht: Was ist die allgemeine Struktur des Handelns? Er fragt: Warum begehen Menschen überhaupt Verbrechen?
- Jörn P Budesheim
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- Nida-Rümelin: "Gründe werden wirksam, wenn sie von einem Akteur akzeptiert werden. Einen Grund akzeptieren heißt, ihn mit motivierender Kraft auszustatten. Akzeptierte Gründe entsprechen daher motivierenden Absichten. Gründe steuern sodann unsere Absichten und sie kontrollieren Entscheidungsprozesse und damit Handlungen, insofern wir sie uns zueigen machen."
- Dynamis: Aus meiner Sicht betrifft dieses Zitat den Spezialfall eines besonders reflektierten Akteurs.
Nehmen wir ein Beispiel. Der Unterricht im Klassenzimmer wird durch den Lärm draußen gestört. Also entschließt sich der Lehrer, das Fenster wieder zu schließen, das er fünf Minuten zuvor geöffnet hatte, um das Klassenzimmer zu lüften.
Die Formulierung von Rümelin ist meines Erachtens zwar etwas überkandidelt, aber passt meines Erachtens auch auf diese Situation. Der Unterricht wird durch den Lärm gestört, das spricht dafür, etwas dagegen zu unternehmen. Das ist der Grund, der vom Lehrer akzeptiert wird und ihn motiviert, etwas gegen die Störung zu tun. Das bedeutet ja nicht, dass dieses Akzeptieren ein komplexer Vorgang ist. Aber – und das ist wichtig – der Umstand, dass es draußen laut ist, verursacht auch nicht einfach das Tun des Lehrers.
Dieser Grund, den sich der Lehrer zueigen gemacht hat, kontrolliert den weiteren Entscheidungsprozess: Das Fenster wieder zu schließen, um den Lärm zu reduzieren, ist wichtiger, als das Zimmer weiter zu lüften. Also geht der Lehrer zum Fenster, um es wieder zu schließen.
Ich glaube nicht, dass man dies als einen besonders reflektierten Prozess verstehen muss, zumal man in solchen Fällen auch auf erprobte Handlungsmuster (Types) zurückgreifen kann, so dass man beim konkreten Fall (Token) keinen expliziten und bewussten Entscheidungsprozess mehr durchlaufen muss. Der Lehrer entscheidet sich für den Typus „Fenster schließen bei Störung“. Die konkrete Ausführung (das Gehen zum Fenster, der Griff) wird dann von einer übergeordneten Absicht kontrolliert, ohne dass für jeden Zentimeter der Bewegung eine neue Entscheidung nötig wäre.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
- Jörn P Budesheim
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- Dynamis: Der von Jörn angesprochene Regress ergibt sich dann dadurch, dass man weiter fragen kann.
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- Jörn P Budesheim
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- Dynamis: Zunächst einmal sei festgestellt, dass es in dieser Stelle, soweit ich dem Text entnehmen kann, nicht um Gründe, sondern um die Frage geht, wann eine Handlung "rational wohl begründet oder gerechtfertigt" sei.
An der Stelle geht es also um normative Gründe – und das ist bei mir übrigens implizit immer gemeint, wenn ich von Gründen spreche. Es gibt zwar auch die Rede von sog. erklärenden Gründen (motivating reasons), die die Handlung aus der Perspektive des Handelnden verständlich machen. Aber man sollte klar zwischen beiden Ebenen unterscheiden:
- Normative Gründe: rechtfertigen Handlungen objektiv
- Erklärende Gründe/Motivating reasons: Machen Handlungen aus Sicht des Handelnden verständlich.*
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*Ich bin der Ansicht, dass man auf diese Ebene eigentlich verzichten kann, ja sogar sollte. Präziser ist es, auf der Objektivität der Gründe zu beharren und deutlich zu machen, dass wir uns hier irren können, weil Gründe eben objektiv sind. Handlungen lassen sich erklären, indem man angibt, an welchen vermeintlichen oder tatsächlichen Gründen sich die Person orientiert hat.
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