Was ist/sind eure philosophischen Grundfrage(n) und gibt es etwas "davor" außerhalb der Philosophie?

Dieses Unterforum beschäftigt sich mit dem Umfang und den Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit sowie um die speziellen Gesichtspunkte des Systems der modernen Wissenschaften.
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Burkart
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So 10. Apr 2022, 10:23

Wir (zumindest ich) suchen gerne mal nach möglichst absoluten Grundlagen oder auch Grundfragen dazu.
Grundsätzlich ist die Philosophie ja die Wissenschaft zur Betrachtung und Analyse (auch) dieser als "Liebe zur Weisheit".

Ich frage mich nun:
1. Habt ihr oder seht ihr (für euch) solche klaren Grundfragen?

In Wikipedia gibt es solchen Grundfrage(n); inwieweit diese hier im Detail passen, sei dahingestellt. Immerhin bemerkenswert finde ich:
"Als Grundfrage der Philosophie bezeichnet man eine Frage, deren Beantwortung für den Fortgang allen weiteren Philosophierens grundlegende Bedeutung hat. Diese große Bedeutung liegt darin begründet, dass mit der Beantwortung der Grundfrage Vorentscheidungen getroffen werden, die die Behandlung aller folgenden Probleme im Voraus bestimmt."

2. Ist damit alles dazu Philosophie bzw. ihre Grundfrage(n) o.ä., oder gibt es etwas davor, was man nicht (unbedingt) der Philosophie zuordnet?

Um anschaulich zur werden:
Für mich ist "Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie." mein (philosophischer?) Ausgangspunkt.
Ist dieser nun eine solche Grundfrage oder steht er außerhalb/davor?


PS: Oh, ich sehe gerade, es gibt auch den Forenbereich "Metaphilosophie". Bitte verschiebt meinen Beitrag ggf. gerne dorthin.



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So 10. Apr 2022, 12:55

Spontan fällt mir dazu die alte Frage ein: "Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?".

https://meiner.de/warum-ist-uberhaupt-e ... ichts.html




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Burkart
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So 10. Apr 2022, 13:26

1+1=3 hat geschrieben :
So 10. Apr 2022, 12:55
Spontan fällt mir dazu die alte Frage ein: "Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?".

https://meiner.de/warum-ist-uberhaupt-e ... ichts.html
Ich könnte das gut aus meiner Perspektive beantworten:
Nur weil es überhaupt etwas gibt, können wir darüber philosophieren. Somit gibt es per definitionem einfach was.
(Und, ist das schon Philosophie oder noch davor?)

Dass wir nicht wissen, woher das Weltall (bzw. "überhaupt etwas") kommt, ob es eine höhere Macht (Gott?) gibt u.ä., sind für mich in letzter Konsequenz einfach nicht für Menschen klärbare Fragen (außer Gott zeigt sich mal klar mal ;) o.ä.).



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Jörn Budesheim
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Mo 11. Apr 2022, 07:20

Die Antwort auf alle Fragen lautet:

42
Kommt drauf an, alles Definitionssache
Wechselwirkungen
Atome und Leere
Information
Gehirn
Wasser
Sprache
Physik
...

(Kreuzen Sie die richtige Antwort an)




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Jörn Budesheim
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Mo 11. Apr 2022, 18:14

Der Philosoph Holm Tetens hat in seinem Buch "Philosophisches Argumentieren" die ewigen großen Fragen der Philosophie zusammen zu tragen: "Fast nichts in der Welt scheint vor den Philosophen sicher. Philosophen gerieren sich als Experten für alles. Trotzdem lassen sich einige fundamentale Fragen auflisten, die in der Geschichte der Philosophie ständig wieder keh­ren. Sie bilden das Herz der Philosophie:
  1. die Frage, ob die materielle Erfahrungswelt die eigentliche und ganze Wirklichkeit ist oder ob es über die Grenzen der erfahrba­ren materiellen Welt hinaus eine nicht-materielle Wirklichkeit gibt;
  2. die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit;
  3. die Idee der Wissenschaft und die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis;
  4. die raum-zeitliche Struktur der materiellen Welt und das Wesen der Materie;
  5. Kausalität, Determinismus und Willensfreiheit;
  6. das Leib-Seele-Problem;
  7. das Wesen und die Identität einer Person;
  8. die Existenz Gottes;
  9. die Grundlagen der Moral, die Ideen des Guten, der Gerechtig­keit und der Freiheit;
  10. die moralischen Grundlagen von Staat und Gesellschaft;
  11. das ästhetisch Schöne und die Grundlagen unserer ästhetischen Wertschätzung;
  12. der Sinn des Lebens, das Glück und die Idee des guten Lebens.
Das sind die ewigen großen Themen der Philosophie."
(Holm Tetens, Philosophisches Argumentieren, Seite 16)




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Mo 11. Apr 2022, 22:39

Die Dutzend Punkte sind sicherlich wichtige Fragen, aber mir irgendwie zu viele als möglichst nur eine zentrale Grundfrage zu sein, wonach ich im Idealfall suche.
Insofern frage ich direkt:
Gibt es für euch *eine* zentrale Grundfrage bzw. Ausgangspunkt o.ä.?

Ob dieser nun in oder auch "vor" der Philosophie stehen kann, darum ging es mir bei "2.", meiner zweiten Frage.
Oder hierzu anders gefragt: Kann es überhaupt etwas außerhalb der Philosophie geben?



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Jörn Budesheim
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Di 12. Apr 2022, 07:17

Mein "Ausgangspunkt" ist, dass es keinen Ausgangspunkt gibt, sondern nur eine unleugbare und unüberschaubare Vielfalt. Und wir selbst befinden uns inmitten dieser vielfältigen und bunten und überschaubaren Wirklichkeit.

Die Idee des Bunten und Vielfältigen zieht sich durch mein philosophisches Denken. Auch als ich noch konstruktivistisch, bzw radikalkonstruktivistisch veranlagt war, war das ebenso ein zentraler Punkt für mich wie heute.





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Do 14. Apr 2022, 22:41

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 14. Apr 2022, 19:21
Für ihn ist also die Mathematik Ausgangspunkt, wobei seine "Mathematik" wohl etwas allgemeiner aufzufassen ist in Hinsicht zu weiteren abstrakten Dingen als nur rein mathematischen Objekten (wobei die Grenze nicht klar zu ziehen ist).

Aus meiner "Mensch als Ausgangspunkt-"Sicht kann man es sich so gut etwas bequem machen und umfangreiche "mathematische" Dinge einfach als gegeben ansehen statt sie zu hinterfragen.
Z.B. hat der Interviewte darauf hingewiesen, dass es genau 5 platonsiche Objekte gibt (wenn ich ihn richtig verstanden habe) und ob es in einem anderen Universum nicht 6 geben könnte.
Diese Anzahl 5 kann man auf Basis unseres Raumes aber genauer erklären, wenn man denn möchte, sodass 6 gar nicht einfach in Frage kommen können.



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Do 14. Apr 2022, 23:00

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 11. Apr 2022, 18:14
Der Philosoph Holm Tetens hat in seinem Buch "Philosophisches Argumentieren" die ewigen großen Fragen der Philosophie zusammen zu tragen: "Fast nichts in der Welt scheint vor den Philosophen sicher. Philosophen gerieren sich als Experten für alles. Trotzdem lassen sich einige fundamentale Fragen auflisten, die in der Geschichte der Philosophie ständig wieder keh­ren. Sie bilden das Herz der Philosophie:
  1. die Frage, ob die materielle Erfahrungswelt die eigentliche und ganze Wirklichkeit ist oder ob es über die Grenzen der erfahrba­ren materiellen Welt hinaus eine nicht-materielle Wirklichkeit gibt;
  2. die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit;
  3. die Idee der Wissenschaft und die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis;
  4. die raum-zeitliche Struktur der materiellen Welt und das Wesen der Materie;
  5. Kausalität, Determinismus und Willensfreiheit;
  6. das Leib-Seele-Problem;
  7. das Wesen und die Identität einer Person;
  8. die Existenz Gottes;
  9. die Grundlagen der Moral, die Ideen des Guten, der Gerechtig­keit und der Freiheit;
  10. die moralischen Grundlagen von Staat und Gesellschaft;
  11. das ästhetisch Schöne und die Grundlagen unserer ästhetischen Wertschätzung;
  12. der Sinn des Lebens, das Glück und die Idee des guten Lebens.
Das sind die ewigen großen Themen der Philosophie."
(Holm Tetens, Philosophisches Argumentieren, Seite 16)
Dann zerpflückte ich diese Punkte aus meiner Sicht doch mal ;)
"das Leib-Seele-Problem" gibt es für mich nicht wirklich.
"das Wesen und die Identität einer Person": Was ist hier die Frage? Ich sehe keine echte Frage oder höchstens ein Definitionsproblem.
"die Existenz Gottes": Das ist für uns einfach nicht entscheidbar; wir wissen halt nicht alles.
Die letzten vier Punkte ab der Moral sind "einfach" menschliche Probleme, auf die es keine allgemeinen, eindeutige Antworten geben kann.
"Kausalität, Determinismus und Willensfreiheit" gibt es und wiederum auch nicht, abhängig von der Betrachtungsebene (und u.U. der elementaren Physik).
"die raum-zeitliche Struktur der materiellen Welt und das Wesen der Materie": Raum-Zeit ist das, wie wir unsere Welt quasi ganz grob wahrnehmen... aber warum soll das "Wesen der Materie" ein zentrales Problem sein (außer einem physikalischen o.ä.)?
"die Idee der Wissenschaft und die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis": Was ist hier die Frage? Wissenschaft gibt es durch unseren Wissensdurst, die Grenzen dehnen wir immer weiter aus, soweit wir Daten aus der Welt erhalten und sie interpretieren können.
"die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit": Was ist die Frage bzw. das Problem zu den Möglichkeiten u.ä.? Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren.



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Jörn Budesheim
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Fr 15. Apr 2022, 08:39

Burkart hat geschrieben :
Do 14. Apr 2022, 23:00
"die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit": Was ist die Frage bzw. das Problem zu den Möglichkeiten u.ä.? Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren.
Ein kleines Problem besteht z.b. darin, dass wir nicht viel über die Wirklichkeit wüssten, wenn wir nach deiner Methode (Daten aufnehmen und interpretieren) vorgehen würden.




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Fr 15. Apr 2022, 08:42

Burkart hat geschrieben :
Do 14. Apr 2022, 23:00
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 11. Apr 2022, 18:14
Der Philosoph Holm Tetens hat in seinem Buch "Philosophisches Argumentieren" die ewigen großen Fragen der Philosophie zusammen zu tragen: "Fast nichts in der Welt scheint vor den Philosophen sicher. Philosophen gerieren sich als Experten für alles. Trotzdem lassen sich einige fundamentale Fragen auflisten, die in der Geschichte der Philosophie ständig wieder keh­ren. Sie bilden das Herz der Philosophie:
  1. die Frage, ob die materielle Erfahrungswelt die eigentliche und ganze Wirklichkeit ist oder ob es über die Grenzen der erfahrba­ren materiellen Welt hinaus eine nicht-materielle Wirklichkeit gibt;
  2. die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit;
  3. die Idee der Wissenschaft und die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis;
  4. die raum-zeitliche Struktur der materiellen Welt und das Wesen der Materie;
  5. Kausalität, Determinismus und Willensfreiheit;
  6. das Leib-Seele-Problem;
  7. das Wesen und die Identität einer Person;
  8. die Existenz Gottes;
  9. die Grundlagen der Moral, die Ideen des Guten, der Gerechtig­keit und der Freiheit;
  10. die moralischen Grundlagen von Staat und Gesellschaft;
  11. das ästhetisch Schöne und die Grundlagen unserer ästhetischen Wertschätzung;
  12. der Sinn des Lebens, das Glück und die Idee des guten Lebens.
Das sind die ewigen großen Themen der Philosophie."
(Holm Tetens, Philosophisches Argumentieren, Seite 16)
Dann zerpflückte ich diese Punkte aus meiner Sicht doch mal ;)
Vermutlich macht meine "Zerpflückung" eher Sinn, wenn ich sie aus meiner Perspektive "Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie" u.ä. erläutere, also dann...
"das Leib-Seele-Problem" gibt es für mich nicht wirklich.
Das Problem scheint hier ein von Menschen gemachter Dualismus zu sein, insofern er den Menschen (das Lebewesen) aus zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und meint, diese seien unvereinbar.
Das eine ist der "Leib", unser Körper, dem wir vor allem materielle Eigenschaften zuordnen. Dabei vergessen wir aber, dass der Körper nicht einfach nur tote Materie ist, sondern z.B. aus vielen Zellen besteht, die wiederum auch keine starren Objekte sind, sondern in denen chemische Prozesse ablaufen oder auf höherer Ebene Informationen fließen.
Umgekehrt ist die "Seele" bzw. vielleicht besser "Geist" nur unsere höchste Abstraktion von unseren menschlichen Ideen, Gedanken u.ä. Diese können aber nur in uns existieren, benötigen also einen Körper usw. (Eine andere Ansicht entspringt unserer Phantasie/Idee/Hoffnung, die z.B. hofft, auch ohne Körper nach dem Tod irgendwie weiterleben zu können u.ä.)
"das Wesen und die Identität einer Person": Was ist hier die Frage? Ich sehe keine echte Frage oder höchstens ein Definitionsproblem.
So unklar, wie mir dies eine Frage oder Problem sein soll, kann ich mir sie/es wirklich nur als ein Definitionsproblem vorstellen, welches wir damit haben. Dabei ist vermutlich noch die Frage, in welchem Zusammenhang es betrachtet wird, also z.B. im biologischen oder im juristischen oder im sozialen Sinne o.ä.
"die Existenz Gottes": Das ist für uns einfach nicht entscheidbar; wir wissen halt nicht alles.
Den Gott haben wir Menschen aus meiner Sicht uns erdacht als *den* Schöpfer der Welt, als das größte "Wesen", mit dem wir alles erklären können, der uns ggf. Trost bietet u.ä.
Die letzten vier Punkte ab der Moral sind "einfach" menschliche Probleme, auf die es keine allgemeinen, eindeutige Antworten geben kann.
Ok, das spricht schon für sich selbst, also dass es halt menschliche Probleme sind.
"Kausalität, Determinismus und Willensfreiheit" gibt es und wiederum auch nicht, abhängig von der Betrachtungsebene (und u.U. der elementaren Physik).
Hier ist die Frage, was genau gemeint ist.
Kausalität und Determinismus auf unserer menschlichen (Alltags-)Ebene, z.B. dass ein Glas herunterfällt, wenn man es einfach so loslässt, wird sicher niemand ernsthaft verneinen.
Dass man aber einen Menschen, den man Jahre lang nicht gesehen hat, zufällig wiedertrifft, lässt sich so i.a. nicht erklären, weil die Zusammenhänge dazu viel zu komplex sind, als dass sie gut erklärbar wären. Insofern sehen wir dies als Zufall an.
Willensfreiheit ist ebenso relativ (was meinen wir genau?): Einerseits haben wir einen freien Willen insofern wir uns oft für oder gegen etwas entscheiden und dies ggf. durchsetzen können. Andererseits ist unser Denken durch unsere Umwelt erheblich beeinflusst bis bestimmt, was die Freiheit über einer (halbwegs) kausalen Ebene scheinbar "schweben" lässt.
"die raum-zeitliche Struktur der materiellen Welt und das Wesen der Materie": Raum-Zeit ist das, wie wir unsere Welt quasi ganz grob wahrnehmen... aber warum soll das "Wesen der Materie" ein zentrales Problem sein (außer einem physikalischen o.ä.)?
Raum-Zeit und Materie sind Dinge, für die wir Menschen uns aus dem Begreifen bzw. der Analyse unserer Sinnesdaten und deren Interpretation Begriffe gebildet haben mit z.T. großer Abstraktion.
"die Idee der Wissenschaft und die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis": Was ist hier die Frage? Wissenschaft gibt es durch unseren Wissensdurst, die Grenzen dehnen wir immer weiter aus, soweit wir Daten aus der Welt erhalten und sie interpretieren können.
"die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit": Was ist die Frage bzw. das Problem zu den Möglichkeiten u.ä.? Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren.
Auch hier sehe ich vor allem das menschliche Fragen im Vordergrund, alles andere daraus abgeleitet.



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Fr 15. Apr 2022, 08:46

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 08:39
Burkart hat geschrieben :
Do 14. Apr 2022, 23:00
"die Möglichkeiten menschlichen Wissens und die Erkennbarkeit der Wirklichkeit": Was ist die Frage bzw. das Problem zu den Möglichkeiten u.ä.? Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren.
Ein kleines Problem besteht z.b. darin, dass wir nicht viel über die Wirklichkeit wüssten, wenn wir nach deiner Methode (Daten aufnehmen und interpretieren) vorgehen würden.
Was genau fehlt dir daran?
Natürlich gibt es weitere Aspekte wie
- dass wir auf unseren Genen/DNS (u.ä.) beruhen als unsere Voraussetzung
- dass wir viel Wissen von anderen Menschen beigebracht bekommen, es Wissenschaft, Kultur u.ä. gibt
- dass die Menschheit wie die Welt insgesamt sehr komplex sind
usw.



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Fr 15. Apr 2022, 13:03

Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 08:46
Was genau fehlt dir daran?
Alles.

Nehmen wir ein Beispiel aus der Literatur:

"Vor langer Zeit hat Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone, die Göttin des Frühlings, entführt und vergewaltigt. Dann hat Persephones Mutter Demeter, die Göttin der Erde und der Landwirtschaft, einen Vertrag über die Freilassung ihrer Tochter verhandelt, welcher vorsah, dass Persephone Hades heiraten und einen magischen Granatapfelkern essen und dass dieser Kern sie dazu zwingen würde, Hades danach einmal im Jahr zu besuchen. Wann immer Persephone dieser Verpflichtung nachkam, wurde Demeter traurig und befahl der Welt, kalt und trostlos zu werden, damit nichts wachsen konnte." (David Deutsch)

Der Zyklus der Jahreszeiten wird als Datum aufgenommen und interpretiert, genauso wie du es vorgeschlagen hast.




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Fr 15. Apr 2022, 13:15

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 13:03
Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 08:46
Was genau fehlt dir daran?
Alles.
Was immer du damit meinst.
Nehmen wir ein Beispiel aus der Literatur:

"Vor langer Zeit hat Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone, die Göttin des Frühlings, entführt und vergewaltigt. Dann hat Persephones Mutter Demeter, die Göttin der Erde und der Landwirtschaft, einen Vertrag über die Freilassung ihrer Tochter verhandelt, welcher vorsah, dass Persephone Hades heiraten und einen magischen Granatapfelkern essen und dass dieser Kern sie dazu zwingen würde, Hades danach einmal im Jahr zu besuchen. Wann immer Persephone dieser Verpflichtung nachkam, wurde Demeter traurig und befahl der Welt, kalt und trostlos zu werden, damit nichts wachsen konnte." (David Deutsch)
Das Beispiel erinnert mich an die Märchen, die mir als Kind vorgelesen wurden. Klar, es ist hier historische Literatur mit den alten griechischen Göttern.
Aber was willst du damit sagen? Dass man lernen/wissen muss, was diese Götter sind? Und was ihre Geschichten?
Die eigentlichen Jahreszeiten werden damit für uns moderne Menschen ja nicht wirklich beschrieben oder begründet.
Der Zyklus der Jahreszeiten wird als Datum aufgenommen und interpretiert, genauso wie du es vorgeschlagen hast.
Und sonst? Was ist an diesem Literatur-Beispiel für den Zyklus der Jahreszeiten wichtig?
Natürlich lernen wir als Kind, was Jahreszeiten sind, z.T. durch unsere Eltern o.ä. (den Begriff, verknüpft mit (Jahres-)Zeit, grobes Wetter u.ä.), z.T. durch Erfahrung (längerfristige (Wetter-)Daten).



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Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 13:15
Was ist an diesem Literatur-Beispiel für den Zyklus der Jahreszeiten wichtig?
Es zeigt, dass dein Ausgangspunkt (Daten aufnehmen und interpretieren) falsch ist. Denn zwar werden Daten aufgenommen und interpretiert, aber die Wirklichkeit wurde nicht adäquat erkannt. Deine Methode (Daten aufnehmen und interpretieren) führt dabei zu (fast) nichts.




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Fr 15. Apr 2022, 16:39

Wie stellt sich das Dritte neben Geist und Materie dar? Ist der menschliche Geist auf Gesellschaft bezogen, geht die individuelle Geistigkeit darin auf und stößt erst diese überindividuelle Geistigkeit an natur - oder gibt es subjektiven Geist, der einer gespaltenen - in Materie und Zivilisation - Außenwelt gegenübertritt und in diese eingewoben ist?




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Fr 15. Apr 2022, 17:21

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 16:22
Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 13:15
Was ist an diesem Literatur-Beispiel für den Zyklus der Jahreszeiten wichtig?
Es zeigt, dass dein Ausgangspunkt (Daten aufnehmen und interpretieren) falsch ist. Denn zwar werden Daten aufgenommen und interpretiert, aber die Wirklichkeit wurde nicht adäquat erkannt. Deine Methode (Daten aufnehmen und interpretieren) führt dabei zu (fast) nichts.
Erst einmal ist mir nicht klar, was die griechischen Götter mit der Wirklichkeit zu tun haben. Du wirst doch kaum an sie glauben, oder etwa doch?

Auch ist mir nicht klar, was an den Daten falsch sein soll. Dass man nicht einfach die Jahreszeiten erkennt, ist ja klar; ich schrieb ja:
"Natürlich lernen wir als Kind, was Jahreszeiten sind, z.T. durch unsere Eltern o.ä. (den Begriff, verknüpft mit (Jahres-)Zeit, grobes Wetter u.ä.), z.T. durch Erfahrung (längerfristige (Wetter-)Daten)."
Dass wir von unseren Eltern lernen, ist ja auch eine Datenaufnahme und -interpretation.
Dass wir auch oft erst durch Ansammeln von Daten und deren längerfristige Auswertung lernen, diese dann z.B. zu einem Modell "Jahreszeiten" formen, ist ja auch klar.

Also was ist an den Daten falsch? Kann es sein, dass dir "nur" gewisse Dinge fehlen? Welche ggf.?

Wie ist es sonst aus deiner Sicht richtig?



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Fr 15. Apr 2022, 17:22

Groot hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 16:39
Wie stellt sich das Dritte neben Geist und Materie dar? Ist der menschliche Geist auf Gesellschaft bezogen, geht die individuelle Geistigkeit darin auf und stößt erst diese überindividuelle Geistigkeit an natur - oder gibt es subjektiven Geist, der einer gespaltenen - in Materie und Zivilisation - Außenwelt gegenübertritt und in diese eingewoben ist?
Worauf beziehst du dich?



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Fr 15. Apr 2022, 17:32

Wie das Beispiel mit der mythologischen Erklärung zeigt, ist deine Sicht falsch: Obwohl Daten aufgenommen und interpretiert wurden, wie du es gefordert hast, kam es nicht zu einem korrekten Erklärung der Jahreszeiten. Denn die Erklärung mit den Göttern ist offensichtlich nicht die richtige.




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