Was ist/sind eure philosophischen Grundfrage(n) und gibt es etwas "davor" außerhalb der Philosophie?

Dieses Unterforum beschäftigt sich mit dem Umfang und den Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit sowie um die speziellen Gesichtspunkte des Systems der modernen Wissenschaften.
Groot
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Fr 15. Apr 2022, 18:46

Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 17:22
Groot hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 16:39
Wie stellt sich das Dritte neben Geist und Materie dar? Ist der menschliche Geist auf Gesellschaft bezogen, geht die individuelle Geistigkeit darin auf und stößt erst diese überindividuelle Geistigkeit an natur - oder gibt es subjektiven Geist, der einer gespaltenen - in Materie und Zivilisation - Außenwelt gegenübertritt und in diese eingewoben ist?
Worauf beziehst du dich?
auf die Ausgangsfrage: Was ist die philosophische Grundfrage?




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Burkart
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Fr 15. Apr 2022, 20:02

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 17:32
Wie das Beispiel mit der mythologischen Erklärung zeigt, ist deine Sicht falsch: Obwohl Daten aufgenommen und interpretiert wurden, wie du es gefordert hast, kam es nicht zu einem korrekten Erklärung der Jahreszeiten. Denn die Erklärung mit den Göttern ist offensichtlich nicht die richtige.
Ah ok, ich verstehe. Wenn ich an Daten zu Jahreszeiten dachte, dachte ich i.a. welche aus der Umwelt. Oder eben, dass einem Kind von Eltern Jahreszeiten vernünftig erklärt werden.
Die Erklärung mit den griechischen Göttern kam mir ja nicht zufällig wie ein Märchen vor.

Schon richtig: Daten kann man nicht einfach so aufnehmen und müssen interpretiert werden. Das ist natürlich nicht immer einfach möglich.
Gerade kleine Kinder können dies noch nicht gut und nehmen Dinge noch z.T. als wahr an, wie z.B. den Weihnachtsmann.
Es bedarf z.T. erst eines umfangreicheren Weltbildes, das aus vielen Erfahrungen bzw. Daten entsteht, die ineinandergreifen und sich ggf. korrigieren (so wird z.B. der Onkel mal als Weihnachtsmann erkannt und so der Echtheitsmythos des Weihnachtsmanns entlarvt).
Manchmal hält sich ein Mythos aber auch ein Leben lang, wenn dieser nicht widerlegt werden kann und z.B. die meisten Mitmenschen ihn aufrecht erhalten: Ich denke da heutzutage vor allem an Gott (in religiösen Kreisen). Einige Menschen halten auch noch an Geschichten aus der Bibel fest wie die relativ kurze Existenz von wenigen Tausend Jahren seit der Schöpfung.
Und so kann man sich ein wenig fragen, inwieweit die Griechen an ihre Mythen wirklich glaubten!? (Und so für sie die Göttererklärung nicht offensichtlich falsch war?)



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Fr 15. Apr 2022, 20:32

Groot hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 18:46
Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 17:22
Groot hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 16:39
Wie stellt sich das Dritte neben Geist und Materie dar? Ist der menschliche Geist auf Gesellschaft bezogen, geht die individuelle Geistigkeit darin auf und stößt erst diese überindividuelle Geistigkeit an natur - oder gibt es subjektiven Geist, der einer gespaltenen - in Materie und Zivilisation - Außenwelt gegenübertritt und in diese eingewoben ist?
Worauf beziehst du dich?
auf die Ausgangsfrage: Was ist die philosophische Grundfrage?
Ok... Ich verstehe dann nicht, woher das "Dritte neben Geist und Materie" kommt bzw. was das ist.



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Groot
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Sa 16. Apr 2022, 00:19

Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 20:32
Groot hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 18:46
Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 17:22

Worauf beziehst du dich?
auf die Ausgangsfrage: Was ist die philosophische Grundfrage?
Ok... Ich verstehe dann nicht, woher das "Dritte neben Geist und Materie" kommt bzw. was das ist.
Das Dritte ist die Zivilisation, in der sich der Geist eines jeden aufhebt - oder aber, die neben der Materie, die Außenwelt ontologisch formt. (bspw. mittels Symbolen, die nichts anderes sind als reine Zeichen, die der Gesellschaftsebene zuzuschreiben sind.)




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Jörn Budesheim
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Sa 16. Apr 2022, 06:24

Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 20:02
der Onkel mal als Weihnachtsmann erkannt
Das kann den "Mythos nicht entlarven", wenn man es mit deiner Methode macht: dann wird das Datum (der Onkel wird erkannt) einfach wie folgt interpretiert und: der Weihnachtsmann hat ausnahmsweise keine Zeit und da ist eben der Onkel für ihn eingesprungen. Das geht exakt nach der von dir vorgeschlagene Methode vor.




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Sa 16. Apr 2022, 07:27

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 06:24
Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 20:02
der Onkel mal als Weihnachtsmann erkannt
Das kann den "Mythos nicht entlarven", wenn man es mit deiner Methode macht: dann wird das Datum (der Onkel wird erkannt) einfach wie folgt interpretiert und: der Weihnachtsmann hat ausnahmsweise keine Zeit und da ist eben der Onkel für ihn eingesprungen. Das geht exakt nach der von dir vorgeschlagene Methode vor.
Ich denke, dass ein Kind den Weihnachtsmann-Mythos verliert, wenn es
- immer den Onkel u.ä. als Weihnachtsmann sieht,
- dass es vielleicht auch darauf aufmerksam gemacht wird, dass letztes Jahr, als es an den Weihnachtsmann noch glaubte, auch schon der Onkel war,
- dass es bei Verdacht, dass es kein echter Weihnachtsmann ist, sich den nächsten genau anschaut,
- dass die Eltern es durch "Abschaffung" des Weihnachtsmanns (und direkter Übergabe der Geschenke) davon überzeugt, dass es ihn nicht 'mehr' gibt und damit nie gegeben hat
- u.a. auch, weil die älteren, "wissenden" Kinder sagen, dass es den Weihnachtsmann wirklich nicht gibt (und das kleine Kind ggf. damit noch aufgezogen wird).
Vielleicht überzeugt es irgendwann auch, dass ein einzelner Weihnachtsmann nicht (mehr oder weniger) zeitgleich bei zig Millionen von Kindern sein kann.

Ok, das Einspringen des Onkels mag *vielleicht* einmal klappen, aber schon, dass er die Rolle des Weihnachtsmanns übernimmt und nicht der wahre Weihnachtsmann auftaucht, kann schon skeptisch machen; spätestens ein nochmaliges Einspringen dürfte kaum akzeptiert werden ;)

Tja, so müssen wir unsere Daten halt notfalls immer wieder neu interpretieren, bis sie für uns zusammenpassen.
Bei "Gott" ist es sicher Erziehungssache, ob man an ihn als Kind glaubt oder nicht (z.B. durch Rituale des Betens oder Kirchgangs), und der Glaube kann bei Menschen in jedem Alter umschlagen, einfach weil man glauben möchte und vielleicht durch Erlebnisse beeinflusst wird, aber einen finalen Beweis seiner Existenz werden wir ja nie erhalten.



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Sa 16. Apr 2022, 07:43

Groot hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 00:19
Burkart hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 20:32
Groot hat geschrieben :
Fr 15. Apr 2022, 18:46


auf die Ausgangsfrage: Was ist die philosophische Grundfrage?
Ok... Ich verstehe dann nicht, woher das "Dritte neben Geist und Materie" kommt bzw. was das ist.
Das Dritte ist die Zivilisation, in der sich der Geist eines jeden aufhebt - oder aber, die neben der Materie, die Außenwelt ontologisch formt. (bspw. mittels Symbolen, die nichts anderes sind als reine Zeichen, die der Gesellschaftsebene zuzuschreiben sind.)
Ah, die Zivilisation, ok. Oder auch die gesamte Gesellschaft, die Gesamtheit aller Menschen oder sogar die aller Lebewesen bis hin zu Gaia (=Erde als Lebewesen, siehe Gaia-Hypothese)!? Oder passt dies für dich ggf. nicht auch?

Materie (=kein Mensch) - Geist (ein Mensch) - Zivilisation (alle Menschen) bilden ja ein sinnvolles Tripel.
So kann man sich einerseits fragen, woher der Mensch kommt bzw. wie (sein) Leben überhaupt entstanden ist, also ob durch (Bio-)Chemie und Evolution (wissenschaftlicher Ansatz) oder durch die Erschaffung von Gott (z.B. christlicher Ansatz).
Andererseits scheint sich für dich dann die Frage zu stellen, woher die Zivilisation kommt. Der evolutionäre Ansatz wäre aus meiner Sicht, dass sich der Mensch über viiiiele Jahre immer weiter entwickelt hat und so zivilisatorische Stukturen gebildet hat, ob nun durch implizite Notwendigkeit(en) oder durch explizite Einsicht(en).
Die Frage ist, wie ein gegenteiliger Ansatz genauer aussehen kann, also was das für Symbole sein können, die die Zivilisation formt und woher die kommen, also z.B. von einem Gott o.ä., der uns durch die Symbole formen will.
Meinst du es so ungefähr oder wie sonst?



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Jörn Budesheim
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Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 07:27
Tja, so müssen wir unsere Daten halt notfalls immer wieder neu interpretieren, bis sie für uns zusammenpassen.
Genau, die neue Interpretation der Daten lautet dann, dass der Weihnachtsmann existiert, aber im vorliegenden Fall aufgrund einer Vereinbarung durch den Onkel ersetzt wurde.




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transfinitum
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Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 14. Apr 2022, 19:21
das Video habe ich mir sehr gespannt wegen dem Mathematikbezug angeschaut. Leider konnte ich diesem nicht viel abgewinnen, da Herr Tegmark nur auf die notwendige Existenz der Mathematik verwies. Dies erinnert mich an die Anfänge des Mathestudiums, in welchem das Axiomensystem ohne Hinterfragen als Beginn eines konstruktivistischen Theoriegebildes vorausgesetzt wird. Dadurch erhält man doch nur eine weitere subjektive Meinung eines Platonikers.



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Sa 16. Apr 2022, 11:13

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 10:31
Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 07:27
Tja, so müssen wir unsere Daten halt notfalls immer wieder neu interpretieren, bis sie für uns zusammenpassen.
Genau, die neue Interpretation der Daten lautet dann, dass der Weihnachtsmann existiert, aber im vorliegenden Fall aufgrund einer Vereinbarung durch den Onkel ersetzt wurde.
Aber nur solange nicht die Informations-Daten von z.B. älteren Kindern das Kind überzeugen, dass die Weihnachtsmann-Existenz falsch ist. Siehe auch meine weiteren Punkte in der vorigen Antwort.



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transfinitum hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 10:35
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 14. Apr 2022, 19:21
das Video habe ich mir sehr gespannt wegen dem Mathematikbezug angeschaut. Leider konnte ich diesem nicht viel abgewinnen, da Herr Tegmark nur auf die notwendige Existenz der Mathematik verwies. Dies erinnert mich an die Anfänge des Mathestudiums, in welchem das Axiomensystem ohne Hinterfragen als Beginn eines konstruktivistischen Theoriegebildes vorausgesetzt wird. Dadurch erhält man doch nur eine weitere subjektive Meinung eines Platonikers.
Genau, Herr Tegmarks Idee ist einfach nur die Existenz der Mathematik anzunehmen. Für das Mathestudium u.ä. ist es sicherlich ok, diese Grundlage als Axiome vorauszusetzen (das ging mir damals genauso wie dir zu (Nebenfach-)Studienbeginn).
Für uns (beide) interessanter wäre sicher, woher denn die Mathematik kommt bzw. wie sie der Mensch konstruiert hat, vor allem aus An-Zahl (z.B. über die Strichliste von erlegten Mammuts) und Menge(n).



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Jörn Budesheim
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Sa 16. Apr 2022, 12:01

Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 11:13
Antwort
Mit deiner Antwort berücksichtigst du deine eigene Theorie nicht. Du sprichst von Daten und Interpretationen. Ältere Kinder kommen in deiner Theorie nicht vor. Wenn wir diesen Punkt einfügen wollen, z.b. als Tradition, dann sind wir wieder bei dem Beispiel mit der griechischen Mythologie.

Deine Theorie ist eben hinten und vorne falsch.




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Sa 16. Apr 2022, 12:38

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 12:01
Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 11:13
Antwort
Ein wirklich ungewöhnlich sinnvolles Zitat ;)
Mit deiner Antwort berücksichtigst du deine eigene Theorie nicht. Du sprichst von Daten und Interpretationen. Ältere Kinder kommen in deiner Theorie nicht vor. Wenn wir diesen Punkt einfügen wollen, z.b. als Tradition, dann sind wir wieder bei dem Beispiel mit der griechischen Mythologie.
Um es klar(er) zu stellen:
Informationen/Daten sind nicht nur welche direkt aus der nackten, menschenlosen Welt, sondern auch solche aus Kommunikationen, also z.B. was man von anderen Menschen erfährt, hier von älteren Kindern (oder auch Eltern).
Insofern können wir die griechischen Mythologie gerne wieder mit betrachten. Entscheidend bei dieser ist ihre Glaubwürdigkeit - für uns und die alten Griechen selbst damals.
Was schließen wir oder die alten Griechen aus ihr? Z.B. hat sie irgendwo einen sinnvollen Kern, ähnlich wie Märchen, aus denen Kinder z.B. was über Gut und Böse lernen. Und bei den mythologischen Jahreszeiten geht es halt über etwas Periodisches wie das Eintreten von kälteren und wärmeren Perioden.
Deine Theorie ist eben hinten und vorne falsch.
Vielleicht kann ich sie nicht gut darstellen, das will ich gerne zugestehen. Aber dafür reden bzw. schreiben wir ja, damit es klarer wird.



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Sa 16. Apr 2022, 12:57

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 12:01
An Burkart:
Deine Theorie ist eben hinten und vorne falsch.
Nein, sie ist nicht falsch, sondern nur etwas abstrakt dargestellt.

Die Formulierung (Zitat-Burkart) "Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren" ist auf die Fähigkeiten unseres Nervensystems abstrahiert.
Tatsächlich wächst dieses Nervensystem über einen minuziös detaillierten Prozess mit dem Körper heran und lernt den Körper über Interaktion und danach die Umwelt über den Körper als "bekanntes Umfeld" kennen.
Ein Mensch hat also nicht nur Daten zur Verfügung, sondern kann auch interagieren und sozusagen: sowohl Detaildaten, als auch Prüfdaten "generieren".
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 12:01
An Burkart:
Ältere Kinder kommen in deiner Theorie nicht vor. Wenn wir diesen Punkt einfügen wollen, z.b. als Tradition, dann sind wir wieder bei dem Beispiel mit der griechischen Mythologie.
"Ältere Kinder", "Bücher" oder allgemein "Informationsstrategien" sind lediglich Abkürzungen im Sammeln von Daten.
In der Theorie könnte auch ein einziger Mensch all das noch einmal durchlaufen, was ihm tausende Menschen als "Wissen" über "Informationsstrategien" übermittelt haben, ganz einfach, weil es Menschen waren, die das "Wissen" aufgestellt haben.

Der Weg "weg von Mythologie" ist ein sehr mühsamer Erforschungs- und Prüfpfad.
Mythologie, Religion und auch Philosophie waren/sind in vielen Bereichen nicht hilfreich, sondern mussten/müssen überwunden werden.




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Sa 16. Apr 2022, 12:59

Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 12:38
Aber dafür reden bzw. schreiben wir ja, damit es klarer wird.
Du wolltest en passant die zwölf Grundfragen von Holm Tetens abfertigen. Sinngemäß: Wo ist hier eigentlich das Problem? Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren. Wo die Probleme lauern, sieht man, wenn man nur ein zwei Fragen an deine Position stellt, die diese nicht mal näherungsweise befriedigend beantworten kann.




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Sa 16. Apr 2022, 13:06

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 12:59
Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 12:38
Aber dafür reden bzw. schreiben wir ja, damit es klarer wird.
Du wolltest en passant die zwölf Grundfragen von Holm Tetens abfertigen. Sinngemäß: Wo ist hier eigentlich das Problem? Wir können halt nur Daten aus der Welt aufnehmen und diese interpretieren.
Letzteres trifft es nur eingeschränkt. Z.B. spielt insbesondere bei den hinteren Grundfragen der Mensch und seine Subjektivität u.ä. eine wichtige Rolle.
Wo die Probleme lauern, sieht man, wenn man nur ein zwei Fragen an deine Position stellt, die diese nicht mal näherungsweise befriedigend beantworten kann.
Welche ein, zwei Fragen möchtest du exemplarisch nehmen?

Grob habe ich versucht alle zu beantworten aus meiner Sicht, aber vielleicht zu missverständlich oder "abstrakt", wie Körper meinte.



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Sa 16. Apr 2022, 13:50

Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 07:43
Ah, die Zivilisation, ok. Oder auch die gesamte Gesellschaft, die Gesamtheit aller Menschen oder sogar die aller Lebewesen bis hin zu Gaia (=Erde als Lebewesen, siehe Gaia-Hypothese)!? Oder passt dies für dich ggf. nicht auch?

Materie (=kein Mensch) - Geist (ein Mensch) - Zivilisation (alle Menschen) bilden ja ein sinnvolles Tripel.
So kann man sich einerseits fragen, woher der Mensch kommt bzw. wie (sein) Leben überhaupt entstanden ist, also ob durch (Bio-)Chemie und Evolution (wissenschaftlicher Ansatz) oder durch die Erschaffung von Gott (z.B. christlicher Ansatz).
Andererseits scheint sich für dich dann die Frage zu stellen, woher die Zivilisation kommt. Der evolutionäre Ansatz wäre aus meiner Sicht, dass sich der Mensch über viiiiele Jahre immer weiter entwickelt hat und so zivilisatorische Stukturen gebildet hat, ob nun durch implizite Notwendigkeit(en) oder durch explizite Einsicht(en).
Die Frage ist, wie ein gegenteiliger Ansatz genauer aussehen kann, also was das für Symbole sein können, die die Zivilisation formt und woher die kommen, also z.B. von einem Gott o.ä., der uns durch die Symbole formen will.
Meinst du es so ungefähr oder wie sonst?
Nein, Gaia ist nicht passend. Denn Gaia ist im Grunde Animismus...die Natur ist beseelt und alle Naturobjekte hätten Seele.

Woher der Mensch kommt, wenn er Chemisch und mittels Evolution erklärt wird, trifft m.e. nicht die Frage danach, wie der Mensch Bewusstsein erlangt hat. Denn damit sind wir im Prinzip Biologisch bzw. maximal Anthropologisch, also im Grunde mit dem Tier identisch. Ich würde Gott auch nicht ins Felde führen; diese Entität trifft eher die Angelegenheit, in der gefragt wird, wo denn bitte der Ursprung alles physischen und anorganischen Materials ist.

Die Frage, die sich stellt ist die, ob das Denken eines Einzelwesens sich als Einzelwesen in der Natur erkennt oder ob sich das Einzelwesen als Teil einer Zivilisation erkennt und dann als solche sich erst in der Natur verortet. Der Unterschied liegt darin, dass die Kognition im ersten Fall dem Einzelwesen zugehörig ist und fragt "Wie bin ich bzw. ein Mensch entstanden?" (Wie ist also die biologische Gattung entstanden?) im zweiten Fall aber wird gefragt "Wie sind wir, also unsere Zivilisation entstanden?" (Wie ist also Kognition und Bewusstsein entstanden?)

Wenn wir die Zivilisation ins Spiel bringen, dann stellt sich die Frage nach Subjektivität und Individualität in der Sprache, in kognitiven Formaten; während die Frage danach, wie das Individuum entstanden ist, wenn wir die Zivilisation ignorieren, biologisch fragt, also fragt wie ist meine biologische Stofflichkeit erklärt. Ebenso ist ein Unterschied, dass wir biologisch und ohne die Frage nach Zivilisation, primär Wissenstheorien entwickeln, die das Einzelsubjekt ins Zentrum rücken...als wäre die Frage, wie Wissen durch einen Einzelnen konstituiert wird; und nicht, wie wir als Zivilisation Wissen produzieren (bspw. durch vorherige Generationen) und wie der Einzelne durch dieses Wissen geformt wird und welche Dispositionen dadurch kulturell die Menschen unterscheiden.

Gott spielt erstmal keine Rolle, sondern vielmehr die Frage, ob der einzelne Mensch unmittelbar in Natur gestellt ist (und dann die Biologie und Materie zur Grundlage wählt) oder aber, ob die Zivilisation das ist, was in Natur gestellt ist (und dann dem Einzelnen die Sprache und Kultur zur Grundlage für Individualität dient). Daraus ergibt sich dann die Frage, wie die Sprache zum einen zum Individuum sich verhält bzw. das Individuum zur Sprache und zum anderen, wie die Sprache in Relation zur Zivilisation bzw. einer einzelnen Gesellschaft existiert und daraus wiederum eine andere Perspektive auf Sprache und Individualität).
Denn Fakt ist, dass alle Menschen der Gegenwart ja Kultur vor sich haben, also eine - meinetwegen Gaia-artige - Struktur, welche sich selbst erkennen lernen kann...paradoxerweise in des Einzelnen Geistes.




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Sa 16. Apr 2022, 14:29

Groot hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 13:50
Burkart hat geschrieben :
Sa 16. Apr 2022, 07:43
Ah, die Zivilisation, ok. Oder auch die gesamte Gesellschaft, die Gesamtheit aller Menschen oder sogar die aller Lebewesen bis hin zu Gaia (=Erde als Lebewesen, siehe Gaia-Hypothese)!? Oder passt dies für dich ggf. nicht auch?

Materie (=kein Mensch) - Geist (ein Mensch) - Zivilisation (alle Menschen) bilden ja ein sinnvolles Tripel.
So kann man sich einerseits fragen, woher der Mensch kommt bzw. wie (sein) Leben überhaupt entstanden ist, also ob durch (Bio-)Chemie und Evolution (wissenschaftlicher Ansatz) oder durch die Erschaffung von Gott (z.B. christlicher Ansatz).
Andererseits scheint sich für dich dann die Frage zu stellen, woher die Zivilisation kommt. Der evolutionäre Ansatz wäre aus meiner Sicht, dass sich der Mensch über viiiiele Jahre immer weiter entwickelt hat und so zivilisatorische Stukturen gebildet hat, ob nun durch implizite Notwendigkeit(en) oder durch explizite Einsicht(en).
Die Frage ist, wie ein gegenteiliger Ansatz genauer aussehen kann, also was das für Symbole sein können, die die Zivilisation formt und woher die kommen, also z.B. von einem Gott o.ä., der uns durch die Symbole formen will.
Meinst du es so ungefähr oder wie sonst?
Nein, Gaia ist nicht passend. Denn Gaia ist im Grunde Animismus...die Natur ist beseelt und alle Naturobjekte hätten Seele.
Ok, also ohne Gaia. Wobei die Idee dazu nicht heißt, dass einfach alles (auch tote Materie) eine Seele hat, sondern dass man die Erde insgesamt als einen Super-Organimus auffasst, dessen Teile sehr unterschiedlich beseelt sind, z.B. der Mensch gerne als am meisten. (Das habe ich übrigens schön in dem Gaia-Asimov-SF-Roman lesen können.)
Woher der Mensch kommt, wenn er Chemisch und mittels Evolution erklärt wird, trifft m.e. nicht die Frage danach, wie der Mensch Bewusstsein erlangt hat.
Ah ok, für dich ist das (Erlangen des) Bewusstsein(s) also eine wichtige Frage. Meinst du, dass nur der Mensch Bewusstsein hat, (andere) Tiere nicht? Also dass es keine Unterschiede von Bewusstsein je nach "Höhe" der Lebensform gibt?
Denn damit sind wir im Prinzip Biologisch bzw. maximal Anthropologisch, also im Grunde mit dem Tier identisch.
Hm, sind die das aus deiner Sicht hinreichend oder sind wir kein Tier mehr?
Ich würde Gott auch nicht ins Felde führen; diese Entität trifft eher die Angelegenheit, in der gefragt wird, wo denn bitte der Ursprung alles physischen und anorganischen Materials ist.
Gut, lassen wir ihn hier weg.
Die Frage, die sich stellt ist die, ob das Denken eines Einzelwesens sich als Einzelwesen in der Natur erkennt oder ob sich das Einzelwesen als Teil einer Zivilisation erkennt und dann als solche sich erst in der Natur verortet. Der Unterschied liegt darin, dass die Kognition im ersten Fall dem Einzelwesen zugehörig ist und fragt "Wie bin ich bzw. ein Mensch entstanden?" (Wie ist also die biologische Gattung entstanden?) im zweiten Fall aber wird gefragt "Wie sind wir, also unsere Zivilisation entstanden?" (Wie ist also Kognition und Bewusstsein entstanden?)
Inwiefern passen die beiden Fragen für dich nicht zusammen? Haben nicht beide (zusammen!?) Relevanz? (Also der sich entwickelnde Mensch als Individuum in einer sich ebenfalls entwickelnden Gesellschaft/Zivilisation.)
Wenn wir die Zivilisation ins Spiel bringen, dann stellt sich die Frage nach Subjektivität und Individualität in der Sprache, in kognitiven Formaten; während die Frage danach, wie das Individuum entstanden ist, wenn wir die Zivilisation ignorieren, biologisch fragt, also fragt wie ist meine biologische Stofflichkeit erklärt. Ebenso ist ein Unterschied, dass wir biologisch und ohne die Frage nach Zivilisation, primär Wissenstheorien entwickeln, die das Einzelsubjekt ins Zentrum rücken...als wäre die Frage, wie Wissen durch einen Einzelnen konstituiert wird; und nicht, wie wir als Zivilisation Wissen produzieren (bspw. durch vorherige Generationen) und wie der Einzelne durch dieses Wissen geformt wird und welche Dispositionen dadurch kulturell die Menschen unterscheiden.
Kann es sein, dass du "nur" mehr die Entwicklung der Zvilisation in das Zentrum des Interesses (z.B. der Wissenschaft) sehen möchtest? Ist nicht letztlich beides wichtig?
Gott spielt erstmal keine Rolle, sondern vielmehr die Frage, ob der einzelne Mensch unmittelbar in Natur gestellt ist (und dann die Biologie und Materie zur Grundlage wählt) oder aber, ob die Zivilisation das ist, was in Natur gestellt ist (und dann dem Einzelnen die Sprache und Kultur zur Grundlage für Individualität dient). Daraus ergibt sich dann die Frage, wie die Sprache zum einen zum Individuum sich verhält bzw. das Individuum zur Sprache und zum anderen, wie die Sprache in Relation zur Zivilisation bzw. einer einzelnen Gesellschaft existiert und daraus wiederum eine andere Perspektive auf Sprache und Individualität).
Denn Fakt ist, dass alle Menschen der Gegenwart ja Kultur vor sich haben, also eine - meinetwegen Gaia-artige - Struktur, welche sich selbst erkennen lernen kann...paradoxerweise in des Einzelnen Geistes.
Ja, Zivilisation und der einzelne Mensch haben viele Zusammenhänge, bedingen sich gegenseitig (halt z.B. in der Sprache).
Worin besteht das für die Paradoxe, wenn man beim Schauen auf die Zivilisation auch auf die einzelnen Menschen (Geist) schaut?
Meine größte Frage ist, wie eine Zivilisation "das ist, was in Natur gestellt ist", also wo sie herkommen soll, wenn nicht vom Menschen bzw. seiner Gesellschaft selbst (Gott hatten wir ja ausgeschlossen).



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Sa 16. Apr 2022, 17:00

Nach meinem Gefühl vertrittst du eine Art Verschwörungstheorie der Philosophie, Burkart.

In dieser Sichtweise ist die philosophische Community eine verschworene Gemeinschaft, die ein Dutzend Probleme wiederkäut, obwohl sie letztlich trivial zu lösen sind. Um eine Verschwörung muss es sich handeln, weil die Einwände und Lösungen (die du uns präsentierst) so simpel sind, dass es im Grunde nicht vorstellbar ist, dass die Community selbst nicht genau weiß, dass sie nur Bullshit diskutiert.

Wie anders kann es sein, dass Menschen, von denen man gemeinhin (aber offensichtlich zu Unrecht) glaubt, dass sie zu den klügsten Köpfen gehören, seit tausenden Jahren Probleme diskutieren, die Menschen wie du im vorbeigehen lösen können. Da genügen 3 oder 4 Wörter und die Sache ist erledigt.

Und wie kommt es, dass jemand wie Holm Tetens, der immerhin einen gewissen Ruf hat und sein ganzes Leben als Philosoph gearbeitet hat uns ein Dutzend Probleme präsentiert, von denen auch nicht eines es irgendwie in sich hat?




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Sa 16. Apr 2022, 17:14

Eben kurz (muss gleich weg):
Die Frage ist, was genau an meiner "Verschwörungstheorie" falsch sein könnte. Ist sie z.B. zu einfach bzw. oberflächlich gedacht? Wenn ja, wo?



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