Ergibt sich denn aus diesem kurzen Zitat-Schnipsel, dass Peter Scholze einen mathematischen Platonismus vertritt? (Spoiler: Soweit ich weiß, tut er es.) Die Frage ist aber dennoch berechtigt. Man könnte glauben, dass die Zahlen unabhängig von uns sind, ohne damit einen Platonismus vertreten zu müssen. Wäre für dich auch jemand, der glaubt, dass die Naturgesetze unabhängig von uns sind, automatisch ein Platonist? Wenn man hingegen der Ansicht ist, dass Zahlen ein Aspekt der tatsächlichen Konstitution der Wirklichkeit (zu der wir selbst offenbar gehören) sind, dann ist es kein Wunder, dass wir Sinne haben, sie zu erkennen, nämlich (vielleicht unter anderem) unsere Rationalität. Dass den Strukturen der Wirklichkeit diverse Erkenntnisvermögen entsprechen, halte ich für ziemlich naheliegend.Consul hat geschrieben : ↑Do 26. Feb 2026, 18:15Ich bin zwar nur ein geistiger Zwerg im Vergleich mit Scholze; aber ich denke, er hat unrecht in Bezug auf die angebliche Wahrheit des mathematischen Platonismus.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Do 26. Feb 2026, 08:30(Hier ein Beispiel für einen Wissenschaftler, der diese Auffassung offenbar teilt: Field-Medaillen-Gewinner Peter Scholze: „Ich denke tatsächlich, dass die Zahlen unabhängig von uns sind.“ Es sind also nicht unsere „Erfindungen“.)
Man kann also Scholzes Position (Zahlen sind keine Erfindungen) teilen, ohne im strengen Sinn Platonist zu sein: Zahlen sind reale, geistunabhängige Strukturen, die als konstitutiver Rahmen der Welt fungieren. Sie sind die „Spielregeln“ der Wirklichkeit, die wir nicht erfinden, sondern durch unsere Rationalität als Teil der Architektur der Wirklichkeit selbst entdecken. Platonismus ist dabei nur eine mögliche metaphysische Deutung dieses Befundes.