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Drei wichtige philosophische Schulen der Philosophie des 20. Jahrhunderts, welche die Philosophie europäischer und amerikanischer Provenienz mitgeprägt haben
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Jörn P Budesheim
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Mo 23. Feb 2026, 08:49

Manchmal hört oder liest man, dass wir nur den je gegenwärtigen Moment haben/leben.

„Du lebst nur den gegenwärtigen Moment! Die übrige Zeit ist in der Truhe der Vergangenheit begraben oder sie liegt in der ungewissen Zukunft.“ – (Marcus Aurelius zugeschrieben)
„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.“ – (Buddha zugeschrieben)
„Erkenne zutiefst, dass der gegenwärtige Moment alles ist, was du jemals hast. Mach das Jetzt zum Hauptfokus deines Lebens.“ – (Eckhart Tolle zugeschrieben)

Was meint ihr? Ist da was dran?



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Timberlake
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Mo 23. Feb 2026, 16:14

mikrooekonomie.de hat geschrieben :
Übungsaufgaben zur Mikroökonomie

2.3.2.1 Exkurs - Intertemporale Konsumentscheidungen

Wer sich in seinem Bekannten- und Verwandtenkreis umsieht, wird vielleicht feststellen, dass junge Familien sich diese Wünsche gern schon heute erfüllen würden, obwohl ihnen das notwendige Budget fehlt. Den Umstand, dass man sich einen Wunsch lieber heute als morgen erfüllt, bezeichnet man als Zeitpräferenz. Wer würde nicht, wenn er denn wählen könnte, lieber am nächsten Samstag einen Sechser im Lotto haben als erst in fünf Jahren? Wer würde seine Erkältung nicht lieber heute loswerden als erst in einer Woche? Warum schenken Onkels und Tanten, die auf Besuch kommen, ihren Neffen und Nichten die Mitbringsel, wenn sie ankommen und nicht erst kurz bevor sie sich wieder verabschieden? Genau. Weil sie wissen, dass es einen Wert hat, wenn man ein Gut eher besitzt. Andere Argumente gibt's natürlich auch

Die Zeitpräferenz lässt sich messen. Sie ist der Betrag, den man gerade so aufzugeben bereit ist, um ein Gut in der gegenwärtigen Periode anstatt erst in der nächsten Periode zu erhalten. Wenn man diesen Betrag zum Wert des Gutes in Beziehung setzt, erhält man die Zeitpräferenzrate. Als Periode ist meist ein Jahr definiert.

Das lässt sich mit einem einfachen Zahlenbeispiel illustrieren: S. hat bei G. eine Schuld in Höhe von 100 Euro, die in einem Jahr fällig wird. G. bietet S. an, er möge heute 95 Euro zahlen. Seine Schuld sei damit getilgt. G. ist somit bereit, 5 Euro aufzugeben, um das "Gut" heute anstatt erst in einem Jahr zu erhalten. Die Zeitpräferenzrate ist damit ungefähr 5%. Ungefähr, da es sinnvoll ist, als Bezugsgröße den Wert in der Gegenwart heranzuziehen. So müssen 95 Euro mit 5,26 % verzinst werden, damit in einem Jahr 100 Euro daraus werden.
Vor dem Hintergrund dessen würde ich nicht nur bloß meinen, dass da was dran ist, also das Jetzt zum Hauptfokus seines Lebens zu machen - (Eckhart Tolle zugeschrieben), sondern dass sich dieser Hauptfokus, auf das Jetzt u.U. sogar zudem messen und berechnen lässt und somit messen und Berechnen




Eine Messung und Berechnung, die zugleich, wie an diesem Experiment deutlich wird, auf unsere Selbstkontrolle schließen lässt. Was diesbezüglich mich selbst betrifft, ist mir in meiner Erinnerung aus der Kindheit allerdings nur das endlose sitzenbleiben, vor einem Teller haften geblieben, der unbedingt leergegessen sollte und das, obgleich ich schon längst satt war bzw. das, was auf den Teller lag, mir mitunter buchstäblich den Magen umdrehte. Ich glaube mich sogar daran zu erinnern, dass ich mich, anschließend , an einer solchen "erfolgreichen " Sitzung, einmal übergeben zu haben. Wie dem auch sei Süßigkeiten gab es von meinen Eltern nur zu Ostern und Weihnachten. In dem von mir als solches geradezu als Schatz behandelt, ich mitunter noch wochenlang davon gezehrt habe. Unterbrochen von der Rolle sauren Drops für zwanzig Pfennig, die ich mir von dem Geld gönnte, das eigentlich für die Schulspeisung vorgesehen war. Ein warmes Mittagsessen, das für mich dann für eine Woche ausfiel. Das und nicht zu vergessen, das gelegentliche Überknielegen durch den Vater, für den "Moment" mal so nebenbei oder auch nicht, angesichts meiner Biografie bzw. wie ich hier im Forum wahrgenommen werde.




Burkart
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Mo 23. Feb 2026, 20:46

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 23. Feb 2026, 08:49
Manchmal hört oder liest man, dass wir nur den je gegenwärtigen Moment haben/leben.

„Du lebst nur den gegenwärtigen Moment! Die übrige Zeit ist in der Truhe der Vergangenheit begraben oder sie liegt in der ungewissen Zukunft.“ – (Marcus Aurelius zugeschrieben)
„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.“ – (Buddha zugeschrieben)
„Erkenne zutiefst, dass der gegenwärtige Moment alles ist, was du jemals hast. Mach das Jetzt zum Hauptfokus deines Lebens.“ – (Eckhart Tolle zugeschrieben)

Was meint ihr? Ist da was dran?
Ich denke, der Mensch sollte immer (s)ein Gleichgewicht zwischen dem Gestern (Vergangenheit), Heute (Moment) und Morgen (Zukunft) finden.
Die Sprüche könnten sich so an Menschen wenden, die zu viel über die Zukunft nachgrübeln bzw. sich über sie Sorgen machen oder gar zu sehr für die Zukunft zu leben.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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Jörn P Budesheim
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Di 24. Feb 2026, 08:01

Burkart hat geschrieben :
Mo 23. Feb 2026, 20:46
Ich denke, der Mensch sollte immer (s)ein Gleichgewicht zwischen dem Gestern (Vergangenheit), Heute (Moment) und Morgen (Zukunft) finden.
Die Sprüche könnten sich so an Menschen wenden, die zu viel über die Zukunft nachgrübeln bzw. sich über sie Sorgen machen oder gar zu sehr für die Zukunft zu leben.
„Du lebst nur den gegenwärtigen Moment! Die übrige Zeit ist in der Truhe der Vergangenheit begraben oder sie liegt in der ungewissen Zukunft.“ – (Marcus Aurelius zugeschrieben)
„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.“ – (Buddha zugeschrieben)
„Erkenne zutiefst, dass der gegenwärtige Moment alles ist, was du jemals hast. Mach das Jetzt zum Hauptfokus deines Lebens.“ – (Eckhart Tolle zugeschrieben)

Die drei Zitate sind (sehr) verschieden. Marcus Aurelius scheint im Prinzip zu sagen: „Du lebst nur den gegenwärtigen Moment!“ – Punkt. Ähnlich klingt Eckhart Tolle: „Erkenne zutiefst, dass der gegenwärtige Moment alles ist, was du jemals hast.“ Hier wird von (vermeintlichen) Tatsachen gesprochen. Das Zitat von Buddha liest sich anders: „Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft, konzentriere den Geist auf den gegenwärtigen Moment.“ Es ist eine Empfehlung, keine Tatsachenbehauptung.

Die wörtliche Aussage „Du lebst nur den gegenwärtigen Moment!“ ist problematisch. Wäre es so, könnte kein Erlebnis einen Sinn haben. Eine Analogie: Wir hören uns ein Musikstück an. Hätten wir immer nur den gegenwärtigen Moment, gäbe es kein Musikstück, denn dieses entsteht erst im größeren Zusammenhang von Anfang, Verlauf und Ende. In jedem Moment ist die Vergangenheit aufgehoben – im dreifachen Sinne von „aufheben“ – und die Zukunft kündigt sich bereits an. Wäre es anders, könnten wir nie von etwas überrascht werden. Ich denke, das ist eine allgemeine Struktur, die wir auch auf größere Zeiträume übertragen können. Was wir erleben, ist immer eingebettet in zeitliche Zusammenhänge, Erfahrungen, Erwartungen, Pläne, Gewöhnliches, Unvorhergesehenes usw. Und so wird eine „Melodie“ daraus.

Damit wird klar: Wer „Du lebst nur den gegenwärtigen Moment!“ als Tatsachenbehauptung versteht, übersieht die zeitliche Struktur des (Er-)lebens. Empfehlungen wie die von Buddha setzen diese Struktur vermutlich voraus – wobei ich mich mit seinen Lehren überhaupt nicht auskenne.



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Jörn P Budesheim
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Di 24. Feb 2026, 09:12

Das Experiment in dem Quark-Video zeigt eigentlich recht schön, dass zur Selbstregulation (als Teil unserer Freiheit) auch gehört, über den Moment hinaus zu leben, etwa indem man sich selbst an einen Vorsatz (Ich ess das jetzt nicht) bindet. Gut, wenn man beides kann. Die fünf Minuten zu überbrücken, wäre mit einer Achtsamkeitsübung vielleicht sogar leichter - zum Beispiel eine Konzentration auf den vorgestellten Geschmack oder eine „phänomenologische“ Betrachtung der Gummibärchen.



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