Kunst und Wertblindheit

Im Zuge der philosophischen und Debatten der letzten 30 Jahre sind Theorien des Schönen und philosophisch inspirierte Theorien medialer Erfahrungen zunehmend in den Vordergrund gerückt.
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Jörn P Budesheim
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Fr 1. Mai 2026, 18:15

Das Kernproblem unserer Zeit ist Wertblindheit. Kunst muss unsere Augen öffnen – nicht indem sie Werte predigt, sondern indem man beim Betrachten eines Werkes unmittelbar seinen Wert erfährt.



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RosiG2
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Fr 1. Mai 2026, 21:27

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 1. Mai 2026, 18:15
Das Kernproblem unserer Zeit ist Wertblindheit. Kunst muss unsere Augen öffnen – nicht indem sie Werte predigt, sondern indem man beim Betrachten eines Werkes unmittelbar seinen Wert erfährt.
Ob es das Kernproblem ist ... hmmmm ....

Aber das Thema "Anschlussfähigkeit" ist da vielleicht die Verbindung. Ich schätze dabei, im Ergebnis wird beim Fehlen von Anschlussfähigkeit, auch "Wertblindheit" als Symptom stehen.

Ob die Dinge in "den hohlen Baum" oder in "elitären Sprachkreisen" gesprochen werden oder "praxistauglich" transportiert und erfasst werden können, macht mitunter einen großen Unterschied und reduziert Vermittlungsaufwand und -hürden.

Beim Thema bildlicher Kunst, Kunstwerk, lässt sich - glaube ich - gar nicht (vorher-)sehen, was Menschen darin alles sehen können ;-)



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Jörn P Budesheim
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Sa 2. Mai 2026, 06:26

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 1. Mai 2026, 21:27
Beim Thema bildlicher Kunst, Kunstwerk, lässt sich - glaube ich - gar nicht (vorher-)sehen, was Menschen darin alles sehen können ;-)
Warum sollte genau das – also die Offenheit des Kunstwerkes – nicht ein wichtiger Teil der Werterfahrung sein, die man mit ihm machen kann?



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RosiG2
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So 3. Mai 2026, 01:28

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Mai 2026, 06:26
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 1. Mai 2026, 21:27
Beim Thema bildlicher Kunst, Kunstwerk, lässt sich - glaube ich - gar nicht (vorher-)sehen, was Menschen darin alles sehen können ;-)
Warum sollte genau das – also die Offenheit des Kunstwerkes – nicht ein wichtiger Teil der Werterfahrung sein, die man mit ihm machen kann?
Wenn es diese Offenheit als Werterfahrung in geeigneter Weise transportieren kann - also so, dass sie auch als Werterfahrung für "Offenheit" erfahrbar ist, funktioniert das bestimmt.

Mir fehlt aber gerade die Vorstellungskraft für ein solches Kunstwerk "Offenheit" - so braucht es Künstler :-)



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Jörn P Budesheim
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So 3. Mai 2026, 19:38

Dass man Kunstwerke immer wieder neu und immer wieder anders sehen kann (und und auch sollte) ist eigentlich eher der Normalfall, denke ich.



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So 3. Mai 2026, 20:09

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 19:38
Dass man Kunstwerke immer wieder neu und immer wieder anders sehen kann (und und auch sollte) ist eigentlich eher der Normalfall, denke ich.
Ja, dann hab ich eine Vorstellung:
Eine Kugel und darauf gleichmäßig die Zahlen 0 bis 9 verteilt :)

... das transportiert "Offenheit" ... aber vermutlich stärker noch andere Dinge ....

Weshalb ich nun wieder bei der Frage ankomme, wie man "Offenheit als Werterfahrung" in ein Kunstwerk packen kann.

Ich gehe ja davon aus, dass der Künstler etwas mitteilen möchte - und da ist "Offenheit" am Ende nicht einmal eine weiße Leinwand. Anders wäre es vielleicht, wenn damit die Herangehensweise an Kunst gemeint ist. Also eine Offenheit, auf Kunst zuzugehen und auf sich wirken lassen.



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Jörn P Budesheim
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So 3. Mai 2026, 20:11

RosiG2 hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 20:09
Ich gehe ja davon aus, dass der Künstler etwas mitteilen möchte ...
Wie kommst du da drauf?

(Sowas mag es geben, aber einfach "davon auszugehen", ist doch sehr gewagt.)



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RosiG2
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So 3. Mai 2026, 22:23

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 20:11
RosiG2 hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 20:09
Ich gehe ja davon aus, dass der Künstler etwas mitteilen möchte ...
Wie kommst du da drauf?

(Sowas mag es geben, aber einfach "davon auszugehen", ist doch sehr gewagt.)
Interessant.

Wenn Künstler nichts von uns wollten, würden wir ihre Kunst nicht so präsentiert zu Gesicht bekommen ist meine Vermutung.

Würde man es mit dem Sprechen vergleichen wollen, wäre dann Kunst schon immer mehr als ein "Autsch" - schon alleine weil´s hoffentlich länger dauert. ....... aber auch deshalb, weil Kunst "Ausdruck" ist (wofür es "Eindruck" davor braucht).

Kannst Du Dir vorstellen, das ein Mensch einfach so eine Holzfigur über Tage schnitzt und sie dann verbrennt? Oder ein Gemälde auf die Wand staffelt und dann eine Tapete drüber klebt?

(dabei gehe ich von "gelungender" Kunst aus ;-) )



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Jörn P Budesheim
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Mo 4. Mai 2026, 08:00

RosiG2 hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 20:09
"Offenheit"
Dass Kunstwerke offen sind, heißt in der Regel einfach, dass sie für verschiedene Interpretationen offen sind. Das ist ein notwendiges ontologisches Merkmal jedes Werkes – es kann seine Interpretation* nicht vollständig festlegen. Das impliziert natürlich keine Beliebigkeit: Der Werkkörper limitiert, was als sinnvolle Interpretation gelten kann und was nicht.
RosiG2 hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 22:23
Wenn Künstler nichts von uns wollten, würden wir ihre Kunst nicht so präsentiert zu Gesicht bekommen ist meine Vermutung.
Vielleicht zur Kenntnis: Ich bin selbst ein bildender Künstler und kenne daher einige Künstler und vermutlich ebenso viele Künstlerinnen. Ob Künstler:innen generell etwas von uns wollen? Das würde ich nicht unterschreiben – zumal die Formulierung so weit gefasst ist, dass nicht ganz klar wird, was damit eigentlich gemeint ist.

Und selbst wenn einige Künstler:innen etwas wollen: Was heißt das am Ende für das Kunstwerk? Hier muss man sich vor dem intentionalen Fehlschluss hüten. Man kann nicht einfach von dem, was Künstler:innen möglicherweise wollen, darauf schließen, was das Kunstwerk letztlich ist.

Nebenbei: Künstler:innen, die ihre Kunst verbrannt oder auf andere Weise zerstört haben – sei es als Teil ihrer künstlerischen Praxis oder aus anderen Gründen – gibt es sicherlich etliche.
RosiG2 hat geschrieben :
So 3. Mai 2026, 22:23
Kunst [ist] "Ausdruck"
Kunst ist Ausdruck? Auch das ist zu schnell und zu generell. Ich kenne zwar Künstler:innen, die diesen Gedanken akzeptieren, aber ebenso solche, die sich über diese Idee sogar lustig machen: Farbe sei etwas, das man aus der Tube ausdrückt – aber Kunst solle nichts ausdrücken, ist dafür eine gängige Formulierung. Ob sie damit Recht haben, lässt sich natürlich diskutieren. Aber mit solchen Vorannahmen sollte man nicht zu voreilig sein.

---
* Unter Interpretation verstehe ich hier nicht unbedingt so etwas wie eine Deutung. Eher so etwas wie eine Aufführung, jedes Werk muss von den BetrachterInnen aufgeführt oder performt werden. Das ist Teil der Ontologie des Kunstwerkes.



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Jörn P Budesheim
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Mo 4. Mai 2026, 08:16

"Das [oder vielleicht besser: ein] Kernproblem unserer Zeit ist Wertblindheit. Kunst muss unsere Augen öffnen – nicht indem sie Werte predigt, sondern indem man beim Betrachten eines Werkes unmittelbar seinen Wert erfährt."

Das war der Startbeitrag. Der Faden hat sich mit höchster Geschwindigkeit davon entfernt – vielleicht kann man jetzt dahin zurückkehren.

Denn nach meinem Eindruck sind manche Künstler:innen selbst Opfer des intentionalen Fehlschlusses: Sie glauben, dass das, was sie wollen, beabsichtigen, intendieren – oder wie immer man es nennen mag – letztlich das Entscheidende sei. Gewisse bereiche der Kunst haben seit Längerem einen „ethischen Turn" vollzogen. Zynisch gesagt gilt dann: Was einem guten Willen entspringt, was ethisch wertvoll ist, ist auch gute Kunst.

Genau das ist der Punkt, auf den ich im Start-Text aufmerksam machen möchte. Man kann Wertblindheit in der Welt kritisieren – das ist sicherlich angemessen. Aber wer Kunst macht, tut dies meines Erachtens am besten, indem er oder sie ästhetische Werte einfach in die Welt setzt, anstatt bloß über sie zu reden.

(Wie komme ich eigentlich darauf? Es geht zwar um eine allgemeine Tendenz, aber der Gedanke hatte einen ganz konkreten Anlass, der mich immer wieder beschäftigt. In meiner Heimatstadt hat eine wichtige Institution diese ethische Wende seit einigen Jahren vollzogen. Jedes Werk braucht dort einen ethischen Mehrwert – dagegen hätte ich prinzipiell nichts einzuwenden, solange die ästhetische Qualität nicht darunter leidet. Genau das ist aber in der Regel der Fall. Zum Glück ist das kein ganz generelles Problem: Unsere Kunsthalle etwa geht eher in die entgegengesetzte Richtung – ästhetischer Wert ist dort für das, was gezeigt wird, stets von größter Bedeutung.)



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RosiG2
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Mo 4. Mai 2026, 15:13

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 4. Mai 2026, 08:16
"Das [oder vielleicht besser: ein] Kernproblem unserer Zeit ist Wertblindheit. Kunst muss unsere Augen öffnen – nicht indem sie Werte predigt, sondern indem man beim Betrachten eines Werkes unmittelbar seinen Wert erfährt."

Das war der Startbeitrag. Der Faden hat sich mit höchster Geschwindigkeit davon entfernt – vielleicht kann man jetzt dahin zurückkehren.

Denn nach meinem Eindruck sind manche Künstler:innen selbst Opfer des intentionalen Fehlschlusses: Sie glauben, dass das, was sie wollen, beabsichtigen, intendieren – oder wie immer man es nennen mag – letztlich das Entscheidende sei. Gewisse bereiche der Kunst haben seit Längerem einen „ethischen Turn" vollzogen. Zynisch gesagt gilt dann: Was einem guten Willen entspringt, was ethisch wertvoll ist, ist auch gute Kunst.

Genau das ist der Punkt, auf den ich im Start-Text aufmerksam machen möchte. Man kann Wertblindheit in der Welt kritisieren – das ist sicherlich angemessen. Aber wer Kunst macht, tut dies meines Erachtens am besten, indem er oder sie ästhetische Werte einfach in die Welt setzt, anstatt bloß über sie zu reden.

...
Deinen letzten Punkt habe ich noch nicht begriffen.

Ansonsten hat Kunst schon ein Stück weit die selbe "Narrenfreiheit" wie "Religion". Da kann man nichts Schlechtes drüber sagen, ohne gleich selbst in schlechtem Licht zu erscheinen ;-)



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Stefanie
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Mo 4. Mai 2026, 15:40

Ehrlichgesagt habe ich den Ausgangssatz nicht wirklich verstanden.
Ich habe "Wertblindheit" gegoogelt, was nicht wirklich weiter half.
Es steht was von ästhetischen Wert und auch das ist mir nicht ganz klar, was damit gemeint, und schon gar nicht bei der Kunst.

Man soll beim "Betrachten eines Werkes unmittelbar seinen Wert erfährt. (erfahren)".
Geht es nur um ästhetische Werte, was immer die auch sind (schön, hässlich?).



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Jörn P Budesheim
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Mo 4. Mai 2026, 16:05

Wertblind ist, wer blind für Werte ist. Beispiele für ästhetische Werte sind atemberaubende Schönheit, stilles Staunen, Faszination. Es reicht nicht, über Werte zu reden oder sie zu beschwören – sie sollen erfahrbar werden.



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Jörn P Budesheim
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Mo 4. Mai 2026, 16:59

Zur Erinnerung, der Gedanke hat einen konkreten Hintergrund:

In meiner Heimatstadt hat eine wichtige Institution seit einigen Jahren eine ethische Wende vollzogen. Jedes Werk muss dort ethisch legitimiert sein, Werte werden zwar beschworen, aber sie werden nicht mehr wirklich erlebbar – vielleicht weil man das Gefühl hat, der Inhalt sei viel wichtiger als die Form. Bei Goethe liest man: „Das Was bedenke, noch mehr bedenke Wie." Bei dieser Institution tritt das Wie (die ästhetische Form) in den Hintergrund gegenüber dem Was (dem ethischen Gehalt).

Aber das greift zu kurz. Das Problem ist nicht nur, dass sie Form über Inhalt vernachlässigt – es ist tiefer: Sie hat nicht verstanden, dass Form der Weg zum Inhalt ist. Werte werden nicht durch Behauptung erfahren. Überspitzt formuliert: Die Stücke sind belehrend, aber nicht faszinierend. Und das ist der falsche Ansatz, weil die Werterfahrung fehlt.

Wenn die Kunst ein Teil der neuen Aufklärung sein will – was ich befürworte –, dann aber als Kunst. Sie sollte staunen machen, begeistern, anrühren, faszinieren. Sie sollte zeigen, dass es wirklich etwas gibt, das es wert ist, erhalten zu werden – dass wirklich etwas auf dem Spiel steht.



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RosiG2
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Di 5. Mai 2026, 02:28

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 4. Mai 2026, 16:59
Zur Erinnerung, der Gedanke hat einen konkreten Hintergrund:

In meiner Heimatstadt hat eine wichtige Institution seit einigen Jahren eine ethische Wende vollzogen. Jedes Werk muss dort ethisch legitimiert sein, Werte werden zwar beschworen, aber sie werden nicht mehr wirklich erlebbar – vielleicht weil man das Gefühl hat, der Inhalt sei viel wichtiger als die Form. Bei Goethe liest man: „Das Was bedenke, noch mehr bedenke Wie." Bei dieser Institution tritt das Wie (die ästhetische Form) in den Hintergrund gegenüber dem Was (dem ethischen Gehalt).

Aber das greift zu kurz. Das Problem ist nicht nur, dass sie Form über Inhalt vernachlässigt – es ist tiefer: Sie hat nicht verstanden, dass Form der Weg zum Inhalt ist. Werte werden nicht durch Behauptung erfahren. Überspitzt formuliert: Die Stücke sind belehrend, aber nicht faszinierend. Und das ist der falsche Ansatz, weil die Werterfahrung fehlt.

Wenn die Kunst ein Teil der neuen Aufklärung sein will – was ich befürworte –, dann aber als Kunst. Sie sollte staunen machen, begeistern, anrühren, faszinieren. Sie sollte zeigen, dass es wirklich etwas gibt, das es wert ist, erhalten zu werden – dass wirklich etwas auf dem Spiel steht.
hmmm ..... geht es Dir mehr darum, dass die Kunst erst schon eine Bewertung bestehen muss (in Deiner Heimatstadt) um überhaupt gestellt zu werden, was bei einer eingeschränkteren "Wertsehfähigkeit", bereits Werte ausfiltert die nicht als solches erkannt werden?



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Jörn P Budesheim
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Di 5. Mai 2026, 06:51

Im Hinblick auf die documenta 16 und mit Rückblick auf die d15 schreibt Roger M. Buergel, der zusammen mit Ruth Noack die d12 in Kassel geleitet hat:

"Ich glaube, dass man zu Formfragen zurückfinden muss. [...] Wenn es keine Ambivalenz in der ästhetischen Erfahrung gibt, kann man auch nicht mehr diskutieren, dann gibt es nur noch dafür oder dagegen. Dieser Raum, den es braucht, um sich Kunst auf unterschiedliche Weise anzuschauen, der ist abhandengekommen."



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Stefanie
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Di 5. Mai 2026, 21:01

Ich hoffe, ich habe es richtig verstanden.

Die Zeichnungen aus Deiner Gruppe wären demnach von ästhetischen Wert, würden aber nicht den Vorstellungen der erwähnten Institution eines Kunstwerkes mit ethischen Wert entsprechen?
Oder hier https://majaoschmann.de/ . Sehr ästhetisch, als Lain gesprochen.

Was sind im Sinne dieser Institution Kunstwerke mit ethischen Gehalt bzw. Wert? Gibt es ein Bespiel?



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Di 5. Mai 2026, 21:18

Das eine schließt das andere doch nicht aus!



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Stefanie
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Di 5. Mai 2026, 21:47

Ja genau, und das ist mein Problem, weshalb ich jetzt das Problem mit der Werteblindheit nicht wirklich verstehe.

Jedes Werk muss dort ethisch legitimiert sein, Werte werden zwar beschworen, aber sie werden nicht mehr wirklich erlebbar – vielleicht weil man das Gefühl hat, der Inhalt sei viel wichtiger als die Form.

Was bedeutet denn ethisch legitimiert sein?



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Jörn P Budesheim
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Mi 6. Mai 2026, 07:28

Das bedeutet, dass der ethische oder politische Inhalt im Zentrum steht und der ästhetische Wert – wenn er überhaupt vorhanden ist – demgegenüber untergeordnet bleibt. Ein Kunsthistoriker hat das die „Entkunstung der Kunst" genannt: Kunst wird hier zur bloßen Illustration oder zum „dienstbaren Medium" für politische Botschaften. Die Themen sind Kritik an Neoliberalismus, Kolonialismus, Rassismus, Klassismus, Identität, Unterdrückung, Umwelt. An erster Stelle, im Vordergrund, steht dabei aber stets die richtige ethische, politische Position – allein aus ihr heraus legitimiert sich das Werk bereits.

Das ist meines Erachtens ein kompletter Irrweg. Deswegen schreibt Bürgel: "Ich glaube, dass man zu Formfragen zurückfinden muss. [...] Wenn es keine Ambivalenz in der ästhetischen Erfahrung gibt, kann man auch nicht mehr diskutieren, dann gibt es nur noch dafür oder dagegen. Dieser Raum, den es braucht, um sich Kunst auf unterschiedliche Weise anzuschauen, der ist abhandengekommen."

Ich denke: Kunst muss unsere Augen öffnen – nicht indem sie Werte bloß predigt, sondern indem man beim Betrachten eines Werkes unmittelbar Werte erfährt. Wenn Kunst ihre ihr eigentümlichen Form- und Erfahrungspotenziale aufgibt, um als „dienstbares Medium" zu agieren, verliert sie doppelt: Sie bleibt ästhetisch wie auch ethisch und politisch steril.



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