Wer oder was ist "Ich"?

Mit Beginn der 1920er Jahre bilden sich in der deutschen Philosophie die Disziplinen der Philosophischen Anthropologie und der Lebensphilosophie aus, deren Grundfragen in den 1990er Jahren eine Renaissance erleben.
Dynamis
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Do 14. Mai 2026, 20:27

Timberlake hat geschrieben :
So 10. Mai 2026, 21:39
Consul hat geschrieben :
Sa 9. Mai 2026, 20:52
Dynamis hat geschrieben :
Sa 9. Mai 2026, 10:21
Das Ich ist ein Prozess der Selbstbestimmung, der Selbsthervorbringung.
Das ist unmöglich, weil sich nichts und niemand selbst hervorbringen und gänzlich selbst bestimmen kann. Das würde widersprüchlicherweise ein bereits bestehendes Wesen mit der gegebenen Fähigkeit zur Selbsterschaffung und -bestimmung voraussetzen.

Das mag ja so sein. Nur gibt es da auch noch den Prozess der Selbsterhaltung
Nicht notwendigerweise. Auch hier zeigt sich wieder die Unbestimmtheit des Ichs: Man muss sich nicht zur Selbsterhaltung bestimmen:
Hegel hat geschrieben : Ich habe diese Glieder, das Leben nur, insofern ich will; das Tier kann sich nicht selbst verstümmeln oder umbringen, aber der Mensch. (§47, GPR)




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Consul
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Sa 16. Mai 2026, 00:24

Dynamis hat geschrieben :
Do 14. Mai 2026, 11:17
  1. Eigenschaft vs. Tätigkeit:
    Consul hat geschrieben :
    Do 14. Mai 2026, 01:13
    Die Verbphrase "sich selbst bestimmen" steht für eine dynamische Eigenschaft.

    Nein, sie steht für eine Tätigkeit, durch die man seine Eigenschaften selbst bestimmt.
Zu jeder Tätigkeit gibt es etwas Tätiges/jemand Tätigen, dessen dynamische Eigenschaft sie ist.
Dynamis hat geschrieben :
Do 14. Mai 2026, 11:17
Die Verwandlung von einem Nicht-Ich zu einem Ich passiert nicht "kraft innerer Anlagen und Vorgänge", sondern durch eine Reflexion über die "Triebe, Begierden, Neigungen, durch die sich der Wille von Natur bestimmt findet." (§11, GPR) Irgendwann reflektiert man darüber, dass man nicht jeder Neigung unmittelbar nachgeben sollte und dass man manchmal auch etwas tun muss, was den Neigungen entgegensteht. Diese Reflexion ist eine Selbstbestimmung des Willens, der Wille ist nicht mehr durch unmittelbar durch Impulse bestimmt wie es bei einem Baby noch der Fall ist. Man sagt nicht mehr "Ich will Schokolade", sondern "Ich will auf Schokolade verzichten und dafür Gesundheit." Auf diese Weise kommt das Ich in die Welt. Ich gebe gleich noch ein Beispiel dafür.
Wir müssen wohl klar zwischen Selbstbestimmung und Selbsterschaffung unterscheiden. Letzteres ist grundsätzlich unmöglich, und Ersteres setzt die Fähigkeit zu reflexivem Selbstbewusstsein (egozentrischem Denken) voraus.

Es ist allerdings so, dass der Wille, das Wollen sowie die Begierde, das Begehren etwas Gegebenes sind, das man nicht in einem freien Akt der Selbstbestimmung gewählt hat; und das gilt sowohl für Wollungen oder Begehrungen erster Ordnung als auch solche zweiter Ordnung.
Wenn jemand die erststufige Begierde verspürt, Alkohol trinken, dann kann er zugleich die zweitstufige Begierde verspüren, diese erststufige Begierde loszuwerden; aber keine der beiden Begierden ist das Ergebnis eines freien willentlichen Selbstbestimmungsaktes. Wie gesagt, Begehrungen und Wollungen sind keine "Gewähltheiten", sondern Gegebenheiten, die das Ego oder die Person passiv in sich vorfindet.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Consul
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Sa 16. Mai 2026, 00:43

Apropos Hegel:
"Das Denken als die Tätigkeit ist somit das tätige Allgemeine, und zwar das sich betätigende, indem die Tat, das Hervorgebrachte, eben das Allgemeine ist. Das Denken als Subjekt vorgestellt ist Denkendes, und der einfache Ausdruck des existierenden Subjekts als Denkenden ist Ich."

(Hegel, G. W. F. Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. 1830. Hrsg. v. Friedhelm Nicolin u. Otto Pöggeler. Berlin: Akademie-Verlag, 1969. S. 54 [§20])
das Ich = das denkende Subjekt – Damit kann ich etwas anfangen, wobei für mich als Animalisten die Fähigkeit zu ich-/selbstbewusstem Denken keine notwendige Bedingung meines Daseins ist. Ich war einst ein Fötus, der diese Fähigkeit noch nicht besaß; und wenn ich tot bin, werde ich sie nicht mehr besitzen.

Fußnote:
Es gibt sowohl Animalisten wie mich, die davon ausgehen, dass unser Tod nicht das Ende unseres Daseins ist, als auch Animalisten, die dies verneinen. Letzteren zufolge werde ich mein Dasein nach meinem Ableben nicht als Leiche fortsetzen (bis zur völligen Verwesung oder Einäscherung). Ich bin anderer Meinung:
"Die gute Nachricht ist, dass die meisten von uns den Tod überleben werden. Die meisten von uns werden nach dem Tod weiterbestehen. Die schlechte Nachricht ist, dass wir zwar den Tod überleben und nach dem Tod weiterbestehen werden, aber jeder von uns dann tot sein wird. Wir werden keine psychischen Erfahrungen mehr machen. Wir werden lediglich Leichen sein. Ein solches Weiterleben dürfte von sehr geringem Wert sein." [übersetzt von DeepL]

(Feldman, Fred. Confrontations with the Reaper: A Philosophical Study of the Nature and Value of Death. New York: Oxford University Press, 1992. p. 105)

"Manchmal schlendere ich über Friedhöfe. Ich sehe viele Grabsteine. Auf diesen Steinen lese ich oft die Worte ‚Hier ruht‘, gefolgt vom Namen des Verstorbenen. Ich glaube, dass die auf dem Grabstein eingravierte Aussage in vielen Fällen der Wahrheit entspricht. Der Verstorbene ruht tatsächlich (tot) im Grab. Wenn es sich um ein sehr altes Grab handelt, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich groß, dass der Verstorbene nicht mehr dort ruht. Vielleicht ist er verwest und zu dem Staub zurückgekehrt, aus dem er kam. Die Tatsache, dass so viele dieser Inschriften plausibel erscheinen, zeigt, wie weit verbreitet die Vorstellung ist, dass Menschen nicht aufhören zu existieren, wenn sie sterben. Denn wenn Menschen mit dem Tod aufhören würden zu existieren, gäbe es niemals einen Fall, in dem eine ehemals lebende Person tot in ihrem Grab liegt. Jedes ‚Hier ruht‘ wäre eine Lüge." [übersetzt von DeepL]

(Feldman, Fred. "The Termination Thesis." Midwest Studies in Philosophy 24 (2000): 98-115. pp. 101-2)



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Jörn P Budesheim
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Di 19. Mai 2026, 10:56

Wie viele der anderen Tiere – sagen wir Katzen, Hunde, Krokodile, Fliegen oder Krähen – sind wohl ähnlich besorgt wie manche hier, dass jemand denkt, sie könnten anderes (oder gar mehr!) als bloß ein Tier sein? Vermutlich gibt es darüber hinaus (außer uns) nicht sehr viele Tiere, die glauben, Tiere zu sein.



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Jörn P Budesheim
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Di 19. Mai 2026, 11:14

Consul: "Wir müssen wohl klar zwischen Selbstbestimmung und Selbsterschaffung unterscheiden."

Wir müssen es zusammen denken! Wir erschaffen uns, indem wir uns selbstbestimmen.



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Stefanie
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Di 19. Mai 2026, 14:21

test



Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.

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Jörn P Budesheim
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Fr 22. Mai 2026, 11:18

Ja, stimmt. Das Ich ist ein Test, ein Selbstversuch.



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Dynamis
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Fr 22. Mai 2026, 13:56

  1. Selbstbestimmung als Aktivität:

    Selbstbestimmung als Aktivität ist keine Eigenschaft. Dieser Punkt lässt sich an dem verdeutlichen, was du so behauptest. Du behauptest:
    Consul hat geschrieben : Es ist allerdings so, dass der Wille, das Wollen sowie die Begierde, das Begehren etwas Gegebenes sind, das man nicht in einem freien Akt der Selbstbestimmung gewählt hat; und das gilt sowohl für Wollungen oder Begehrungen erster Ordnung als auch solche zweiter Ordnung.
    Tatsächlich ist das nur in einem Anfangsstadium so, in dem der Wille noch nicht weit genug entwickelt ist. Es gibt die "Triebe, Begierden, Neigungen, durch die sich der Wille von Natur bestimmt findet." (§11, GPR). Die Selbstbestimmung ist also eine Aktivität, in der man dieses Anfangsstadium überwindet und den Willen so modifiziert, dass er eben nicht mehr von der Natur fremdbestimmt ist. Dadurch bestimmt die Selbstbestimmung sich selbst zur Selbstbestimmung. Selbstbestimmung ist keine Eigenschaft, sondern - nicht nur, aber auch - ein Produkt der Selbstbestimmung. Selbstbestimmung hat ihre Genese natürlich auch in unserer Sozialisation und unserer Bildung, aber eben auch in dieser reflexiven Struktur, mit derer sie sich selbst zur Selbstbestimmung bestimmt.
    Consul hat geschrieben : Wenn jemand die erststufige Begierde verspürt, Alkohol trinken, dann kann er zugleich die zweitstufige Begierde verspüren, diese erststufige Begierde loszuwerden; aber keine der beiden Begierden ist das Ergebnis eines freien willentlichen Selbstbestimmungsaktes.
    Du beschreibst eine Situation, die so schon eintreten kann. Aber das ist dann lediglich der Wille in seinem Anfangsstadium. Es ist schon ein Anflug von Selbstbestimmung erkennbar, da der Alkoholiker in der zweitstufigen Begierde sich dazu bestimmt die erststufige Begierde loszuwerden. Ihre Genese hat diese anfängliche Selbstbestimmung vermutlich in Gefühlen wie Scham, weil der Alkoholiker sich dessen schämt, dass der Alkoholkonsum sein Leben kaputt macht, und er dem faktisch Gegebenen ein unrealistisches Ideal gegenüberstellt. In einer Therapie müsste diese Selbstbestimmung weiterentwickelt werden. Also weg von dieser unrealistischen Erwartung, dass man keine Begierden mehr verspürt, und hin zu einem realistisch anvisierbaren Fortschritt, der darin besteht, dass man nicht mehr von seiner Begierde getrieben ist, also auch dann nicht zur Flasche greift, wenn man die Begierde verspürt. Selbstbestimmung zur Selbstbestimmung bedeutet dann, dass man seine Selbstbestimmung nicht mehr an unrealistische Erwartungen knüpft, sondern so versteht, dass man realistische Erwartungen an sich selbst stellt und auf diesem Wege einen Fortschritt macht.

    Interessant in diesem Zusammenhang: Es gibt Pflegeheime für alkoholkranke Senioren, die sich nicht in erster Linie darauf konzentrieren die Alkoholsucht zu überwinden, sondern darauf, den Senioren Selbstbestimmung und Lebensqualität zu ermöglichen.
    NDR hat geschrieben : Natürlich gibt es auch im Haus Öjendorf Regeln. Wer gewalttätig wird oder illegale Drogen konsumiert, kann seinen Platz verlieren. Davon abgesehen leben die Bewohner aber sehr frei. Denn das Haus Öjendorf ist ein Pflegeheim und keine Erziehungsanstalt, betont Meyer. Das gefällt auch Werner Osthöfer: "Man hat hier seine Ruhe, wird nicht kommandiert oder schikaniert. Das Personal ist gut, da kommt man gut zurecht. Ich habe das glaube ich ganz gut getroffen hier." (Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/ ... ht242.html)
    Selbstbestimmung besteht dann unter anderem auch darin, dass man es den Senioren selber überlässt, wie sie ihre Selbstbestimmung definieren: Sie können eine Therapie machen, aber sie müssen es nicht. Stattdessen kann man ihnen dabei helfen, dass sie sich das ihnen zugeteilte Geld besser einteilen:
    NDR hat geschrieben : "Wenn das nicht hinkommt, dann bieten wir ihm Unterstützung an, etwa indem wir das Geld einteilen. Es wird dadurch nicht mehr, aber man kommt wenigstens über den Monat", sagt Meyer. Ob das ganze Geld auf einmal ausgezahlt wird oder jeden Tag nur ein paar Euro, das sprechen die Kranken jeweils zum Monatsanfang mit den Pflegern ab. Daran wird dann für vier Wochen nicht mehr gerüttelt.
  2. Hegel-Zitat: Das ist tatsächlich ein nettes Zitat, das kannte ich noch gar nicht. Daraus ergibt sich jedoch nicht die von dir gemachte Unterscheidung zwischen einem Subjekt, welches tätig ist, und einer dynamischen Eigenschaft.
    Consul hat geschrieben :
    Sa 16. Mai 2026, 00:43
    das Ich = das denkende Subjekt
    Genauer gesagt gilt: Ich = Denken = Tätigkeit. Hegel operiert hier nicht mit einer ontologischen Unterscheidung. (Schon seit geraumer Zeit weise ich in dieser Diskussion darauf hin, dass das Ich aus ontologischer Perspektive ein unbefriedigendes Thema ist und das möchte ich auch hier noch einmal betonen.) Auf der einen Seite betrachtet er "das Denken als die Tätigkeit" und auf der anderen Seite betrachtet er das "Denken als Subjekt vorgestellt". Die Subjekthaftigkeit des Denkens ist also ihrerseits das Produkt einer Vorstellung, sie ist bloß gedacht. Aus logischen Gründen ist das eine unvermeidbare Vorstellung (also irren sich Buddhisten, die meinen, dass man das Subjekt durch ausreichend Meditation in eine Art Leere oder Nirwana auflösen kann), aber warum das so ist, das ist wiederum ein Thema für eine andere Diskussion. Also zeigt sich auch hier wieder die reflexive Struktur der Selbstbestimmung. Das Denken bestimmt sich selbst als Subjekt, eben, indem es denkt.
  3. Animalistische Kontroverse:
    Consul hat geschrieben : Es gibt sowohl Animalisten wie mich, die davon ausgehen, dass unser Tod nicht das Ende unseres Daseins ist, als auch Animalisten, die dies verneinen. Letzteren zufolge werde ich mein Dasein nach meinem Ableben nicht als Leiche fortsetzen (bis zur völligen Verwesung oder Einäscherung).
    Da zeigt sich noch klarer als bei der Kontroverse um die Siamesischen Zwillinge, dass Unbestimmtheit und Selbstbestimmung kein Resultat obskurer metaphysischer Prämissen sind. Selbst dann, wenn man das Ich mit dem Körper identifiziert, bleibt noch ein Rest von Unbestimmtheit. Gerade Kontroversen wie diese hier dienen als Aufweis der Unbestimmtheit des Ichs: Wenn Ich = Körper, bin ich dann die Leiche, die übrig bleibt, wenn ich tot bin? Diese durch unsere Unbestimmtheit erzeugte Unsicherheit triggert nicht nur eine philosophische Fachdebatte, sondern auch unsere Bestattungskultur. Auf der einen Seite wissen wir rational, dass der Verstorbene tot ist, auf der anderen Seite legen wir großen Wert darauf seine Leiche mit Würde zu behandeln und nicht einfach auf den nächsten Müllhaufen zu kippen. Damit verhalten wir uns so, als ob da immer noch Reste der Persönlichkeit oder zumindest seiner Würde anhaften. Wenn jemand in seinem letzten Willen Anweisungen gibt, wie mit seinem Körper nach seinem Tod verfahren werden soll, identifiziert er sich damit ein Stück weit mit seinem Körper über den Tod hinaus. Somit sind die Bestattungsrituale in unserer Kultur und auch der Letzte Wille (und auch die philosophischen Fachaufsätze, die von Animalisten über den ontologischen Status von Leichen publiziert werden) allesamt Ausdruck unserer Selbstbestimmung, mit der wir auf die Unbestimmtheit unseres Ichs reagieren.




Dynamis
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Fr 22. Mai 2026, 14:15

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 19. Mai 2026, 11:14
Consul: "Wir müssen wohl klar zwischen Selbstbestimmung und Selbsterschaffung unterscheiden."

Wir müssen es zusammen denken! Wir erschaffen uns, indem wir uns selbstbestimmen.
Und umgekehrt ist die Selbstbestimmung auch (nicht nur, aber auch) ein Produkt unserer Selbsterschaffung. Sie ist ein Produkt der Selbstbestimmung zur Selbstbestimmung.




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Jörn P Budesheim
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Fr 22. Mai 2026, 14:16

Consul hat geschrieben :
Sa 16. Mai 2026, 00:24
Wenn jemand die erststufige Begierde verspürt, Alkohol trinken, dann kann er zugleich die zweitstufige Begierde verspüren, diese erststufige Begierde loszuwerden; aber keine der beiden Begierden ist das Ergebnis eines freien willentlichen Selbstbestimmungsaktes.
Welche Begründung hast du dafür?



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Consul
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Fr 22. Mai 2026, 20:52

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 14:16
Consul hat geschrieben :
Sa 16. Mai 2026, 00:24
Wenn jemand die erststufige Begierde verspürt, Alkohol trinken, dann kann er zugleich die zweitstufige Begierde verspüren, diese erststufige Begierde loszuwerden; aber keine der beiden Begierden ist das Ergebnis eines freien willentlichen Selbstbestimmungsaktes.
Welche Begründung hast du dafür?
Die Tatsache, dass du dir dein Begehren und Wollen nicht frei aussuchen, sondern nur als Gegebenes erkennen kannst.
"Dem empirischen Begriff der Freiheit zufolge heißt es: »Frei bin ich, wenn ich tun kann, was ich will«: und durch das »was ich will« ist da schon die Freiheit entschieden. Jetzt aber, da wir nach der Freiheit des Wollens selbst fragen, würde demgemäß diese Frage sich so stellen: »Kannst du auch wollen, was du willst?« – welches herauskommt, als ob das Wollen noch von einem andern, hinter ihm liegenden Wollen abhinge. Und gesetzt, diese Frage würde bejaht; so entstände alsbald die zweite: »Kannst du auch wollen, was du wollen willst?« und so würde es ins Unendliche höher hinaufgeschoben werden, indem wir immer ein Wollen von einem früheren, oder tiefer liegenden, abhängig dächten, und vergeblich strebten, auf diesem Wege zuletzt eines zu erreichen, welches wir als von gar nichts abhängig denken und annehmen müßten. Wollten wir aber ein solches annehmen; so könnten wir eben so gut das erste, als das beliebig letzte dazu nehmen, wodurch denn aber die Frage auf die ganz einfache »kannst du wollen?« zurückgeführt würde. Ob aber die bloße Bejahung dieser Frage die Freiheit des Wollens entscheidet, ist was man wissen wollte, und bleibt unerledigt."

(Schopenhauer, Arthur. Preisschrift über die Freiheit des Willens. 1839. Hrsg. v. Hans Ebeling. Hamburg: Meiner, 1978. S. 42)

"Das Selbstbewusstsein sagt die Freiheit des Tuns aus, – unter Voraussetzung des Wollens: aber die Freiheit des Wollens ist es, danach gefragt worden. Wir forschen nämlich nach dem Verhältnis des Wollens selbst zum Motiv: hierüber aber enthält jene Aussage, »ich kann tun was ich will«, nichts."

(Schopenhauer, Arthur. Preisschrift über die Freiheit des Willens. 1839. Hrsg. v. Hans Ebeling. Hamburg: Meiner, 1978. S. 51)

"[D]es Menschen Wille [ist] sein eigentliches Selbst, der wahre Kern seines Wesens: daher macht derselbe den Grund seines Bewusstseins aus, als ein schlechthin Gegebenes und Vorhandenes, darüber er nicht hinaus kann. Denn er selbst ist wie er will, und will wie er ist. Daher ihn fragen, ob er auch anders wollen könnte, als er will, heißt ihn fragen, ob er auch wohl ein Anderer sein könnte, als er selbst: und das weiß er nicht."

(Schopenhauer, Arthur. Preisschrift über die Freiheit des Willens[/i]. 1839. Hrsg. v. Hans Ebeling. Hamburg: Meiner, 1978. S. 56)

"Wenn man einen Menschen von gesundem Verstande, aber ohne philosophische Bildung, fragt, worin denn die auf Aussage seines Selbstbewusstseins so zuverlässig von ihm behauptete Willensfreiheit bestehe; so wird er antworten: »Darin, daß ich tun kann was ich will, sobald ich nicht physisch gehemmt bin.« Also ist es immer das Verhältnis seines Tuns zu seinem Wollen, wovon er redet. Dies aber ist, wie im ersten Abschnitt gezeigt, noch bloß die physische Freiheit. Fragt man ihn weiter, ob er alsdann, im gegebenen Fall, sowohl eine Sache als ihr Gegenteil wollen könne; so wird er zwar im ersten Eifer es bejahen: sobald er aber den Sinn der Frage zu begreifen anfängt, wird er auch anfangen bedenklich zu werden, endlich in Unsicherheit und Verwirrung geraten und aus dieser sich am liebsten wieder hinter sein Thema »ich kann tun was ich will« retten und daselbst gegen alle Gründe und alles Räsonnement verschanzen. Die berichtigte Antwort auf sein Thema aber würde, wie ich im folgenden Abschnitt außer Zweifel zu setzen hoffe, lauten: »Du kannst tun was du willst: aber du kannst, in jedem gegebenen Augenblick deines Lebens, nur ein Bestimmtes wollen und schlechterdings nichts Anderes, als dieses Eine.«"

(Schopenhauer, Arthur. Preisschrift über die Freiheit des Willens. 1839. Hrsg. v. Hans Ebeling. Hamburg: Meiner, 1978. S. 58-9)
"Der Mensch kann tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will."

Dieser Gedanke stammt [nicht wörtlich] aus Arthur Schopenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“, die im Jahr 1839 von der Königlich Norwegischen Societät der Wissenschaften gekrönt und 1841 als Teil der „Beiden Grundprobleme der Ethik“ veröffentlicht wurde.
## Der genaue Wortlaut im Werk
Die weltweit bekannte und griffige Formulierung „Der Mensch kann tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will“ ist genau genommen eine spätere und populäre Zusammenfassung des philosophischen Kernarguments. Berühmt gemacht wurde diese Zuspitzung unter anderem durch Albert Einstein, der sie in seinem Glaubensbekenntnis (1932) zitierte.
Im Originaltext von Schopenhauer entfaltet sich die Argumentation über zwei Kernstellen:

1. Die physische Freiheit (Das Tun):
Schopenhauer definiert zunächst den alltäglichen, empirischen Begriff von Freiheit:

„Frei bin ich, wenn ich thun kann, was ich will: und durch das ‚was ich will‘ ist schon die Freiheit entschieden.“

2. Die philosophische Einschränkung (Das Wollen):
Direkt im Anschluss stellt er die tiefere Frage: „Kannst du auch wollen, was du willst?“ Auf den darauffolgenden Seiten (Kapitel II, bezugnehmend auf das Selbstbewusstsein) löst er dies im Originalwortlaut so auf:

„Du kannst thun was du willst: aber du kannst, in jedem gegebenen Augenblick deines Lebens, nur ein Bestimmtes wollen und schlechterdings nicht Anderes, als dieses Eine.“

## Was bedeutet das?
Schopenhauer unterscheidet strikt zwischen Handlungsfreiheit und Willensfreiheit.

* Handlungsfreiheit (Tun, was man will): Wenn keine äußeren Hindernisse vorliegen, kannst du physisch tun, wonach dir gerade der Sinn steht (z. B. den Raum verlassen oder sitzen bleiben).
* Willensfreiheit (Wollen, was man will): Diese existiert für Schopenhauer nicht. Was du im innersten Kern begehrst, beabsichtigst oder fühlst, entspringt deinem festen Charakter und äußeren Motiven. Du kannst dir deine inneren Wünsche und Antriebe in einem bestimmten Moment also nicht einfach selbst aussuchen.

Quelle: Google KI



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Consul
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Sa 23. Mai 2026, 00:12

Dynamis hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 13:56
Consul hat geschrieben :
Sa 16. Mai 2026, 00:24
Es ist allerdings so, dass der Wille, das Wollen sowie die Begierde, das Begehren etwas Gegebenes sind, das man nicht in einem freien Akt der Selbstbestimmung gewählt hat; und das gilt sowohl für Wollungen oder Begehrungen erster Ordnung als auch solche zweiter Ordnung.
Tatsächlich ist das nur in einem Anfangsstadium so, in dem der Wille noch nicht weit genug entwickelt ist. Es gibt die "Triebe, Begierden, Neigungen, durch die sich der Wille von Natur bestimmt findet." (§11, GPR). Die Selbstbestimmung ist also eine Aktivität, in der man dieses Anfangsstadium überwindet und den Willen so modifiziert, dass er eben nicht mehr von der Natur fremdbestimmt ist. Dadurch bestimmt die Selbstbestimmung sich selbst zur Selbstbestimmung. Selbstbestimmung ist keine Eigenschaft, sondern - nicht nur, aber auch - ein Produkt der Selbstbestimmung. Selbstbestimmung hat ihre Genese natürlich auch in unserer Sozialisation und unserer Bildung, aber eben auch in dieser reflexiven Struktur, mit derer sie sich selbst zur Selbstbestimmung bestimmt.
Es gibt keine Willensfreiheit, sofern darunter etwas anderes als Handlungsfreiheit verstanden wird; denn das Subjekt findet in sich all sein Wollen, Begehren und Beabsichtigen passiv als etwas Vorbestimmt-Gegebenes vor, ohne es zuvor frei aus einer Menge von Möglichkeiten ausgewählt zu haben. Das betrifft nicht nur das "Anfangsstadium", weil es keine geistige Entwicklungsebene gibt, auf der der Wille "in die Freiheit entlassen wird".
Dynamis hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 13:56
Consul hat geschrieben :
Sa 16. Mai 2026, 00:24
Wenn jemand die erststufige Begierde verspürt, Alkohol trinken, dann kann er zugleich die zweitstufige Begierde verspüren, diese erststufige Begierde loszuwerden; aber keine der beiden Begierden ist das Ergebnis eines freien willentlichen Selbstbestimmungsaktes.
Du beschreibst eine Situation, die so schon eintreten kann. Aber das ist dann lediglich der Wille in seinem Anfangsstadium. Es ist schon ein Anflug von Selbstbestimmung erkennbar, da der Alkoholiker in der zweitstufigen Begierde sich dazu bestimmt die erststufige Begierde loszuwerden.…
Wie ist denn die zweitstufige Begierde entstanden? Der Betroffene hat sie nicht in einem Akt freier Selbstbestimmung in sich erzeugt, sondern lediglich als "Ready-made" in sich vorgefunden. Es gibt kein Entkommen aus der Unfreiheit des Willens!
Dynamis hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 13:56
Selbstbestimmung besteht dann unter anderem auch darin, dass man es den Senioren selber überlässt, wie sie ihre Selbstbestimmung definieren: Sie können eine Therapie machen, aber sie müssen es nicht. Stattdessen kann man ihnen dabei helfen, dass sie sich das ihnen zugeteilte Geld besser einteilen:…
Wenn Selbstbestimmung darin besteht, dass man ohne äußeren Zwang tun und lassen kann, was man will, dann bestreite ich diese Art von Selbstbestimmung als Handlungsfreiheit keineswegs. Was ich bestreite, ist, dass es Selbstbestimmung als Willensfreiheit gibt – in dem Sinn, dass ich mir frei aussuchen kann, was ich will und was nicht.
Dynamis hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 13:56
Consul hat geschrieben :
Sa 16. Mai 2026, 00:24
das Ich = das denkende Subjekt
Genauer gesagt gilt: Ich = Denken = Tätigkeit. Hegel operiert hier nicht mit einer ontologischen Unterscheidung. (Schon seit geraumer Zeit weise ich in dieser Diskussion darauf hin, dass das Ich aus ontologischer Perspektive ein unbefriedigendes Thema ist und das möchte ich auch hier noch einmal betonen.) Auf der einen Seite betrachtet er "das Denken als die Tätigkeit" und auf der anderen Seite betrachtet er das "Denken als Subjekt vorgestellt". Die Subjekthaftigkeit des Denkens ist also ihrerseits das Produkt einer Vorstellung, sie ist bloß gedacht. Aus logischen Gründen ist das eine unvermeidbare Vorstellung (also irren sich Buddhisten, die meinen, dass man das Subjekt durch ausreichend Meditation in eine Art Leere oder Nirwana auflösen kann), aber warum das so ist, das ist wiederum ein Thema für eine andere Diskussion. Also zeigt sich auch hier wieder die reflexive Struktur der Selbstbestimmung. Das Denken bestimmt sich selbst als Subjekt, eben, indem es denkt.
das Ich = das denkende Subjekt = das subjektive Denken – Wenn Hegel diese Gleichsetzung bejaht, dann widerspreche ich ihm, weil die Subjektivität des Denkens ein Subjekt voraussetzt, welches selbst kein Denken ist. Kein Denken kann sein eigenes Subjekt sein, weil kein Denken sich selbst denken kann.
Dynamis hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 13:56
Da zeigt sich noch klarer als bei der Kontroverse um die Siamesischen Zwillinge, dass Unbestimmtheit und Selbstbestimmung kein Resultat obskurer metaphysischer Prämissen sind. Selbst dann, wenn man das Ich mit dem Körper identifiziert, bleibt noch ein Rest von Unbestimmtheit. Gerade Kontroversen wie diese hier dienen als Aufweis der Unbestimmtheit des Ichs: Wenn Ich = Körper, bin ich dann die Leiche, die übrig bleibt, wenn ich tot bin? Diese durch unsere Unbestimmtheit erzeugte Unsicherheit triggert nicht nur eine philosophische Fachdebatte, sondern auch unsere Bestattungskultur. …
Wir bewegen uns hier in den Bereichen der Metaphysik und der Ethik, wobei metaphysische Theorien bzw. der Glaube an deren Wahrheit unsere ethische Praxis beeinflussen. Die Un(ter)bestimmtheit oder Unsicherheit ergibt sich aus der spekulativen Natur metaphysischer Theorien, wobei empirische Erkenntnisse durchaus für oder gegen die (rationale) Glaubwürdigkeit einer derartigen Theorie sprechen können.
Allerdings: So (rational) unglaubwürdig z.B. der Substanzdualismus im Lichte unseres wissenschaftlichen Weltwissens auch erscheinen mag, die meisten Menschen glauben de facto unbeirrt daran.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Timberlake
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Sa 23. Mai 2026, 01:32

Dynamis hat geschrieben :
Do 14. Mai 2026, 18:52


Ich persönlich bin eher von dem Lied "Ich bin Ich" von Rosenstolz angerührt: Da werden keine Suggestivfragen gestellt, deren Antworten schon von vorneherein feststehen, sondern da taucht man direkt in den Selbstbestimmungsprozess des lyrischen Ichs hinein:

In meinem Kopf ist so viel Wut
Gestern Nacht konnt ich nicht schlafen
Dass du da warst, tat mir gut
Bitte stell jetzt keine Fragen
Denn ich würde nur bereuen
Hätt ich mich an dir verbogen
War bestimmt nicht immer treu
Doch ich hab dich nie betrogen



Wo wir schon mal bei Rosenstolz ´sind, wie wäre es denn mit einem Kompromiss zwischen ...
Timberlake hat geschrieben :
Do 14. Mai 2026, 13:15


Obgleich, im Gegensatz zu den Ärzten, eher im Schlager angesiedelt, dazu nur mal zum Vergleich, wie man, anstatt das Kind in irgendeine Bahn zu schubsen, es nicht nur so nimmt wie es ist, sondern versucht sein sollte, die Hand reichend, das Schöne darin zu entdecken ...


"wie schön du bist?" und "Ich bin Ich" ...



Wie kannst du dir so sicher sein?
Du bist doch viel zu wütend
Um irgendwas zu sehen
Du schreibst dich selbst mal groß, mal klein
Am Ende ist's verwirrend
Und sehr schwer zu verstehen

Ich weiß nur, es wird regnen
Und hört so schnell nicht auf
Glaub mir, es wird kälter
Wann hört das wieder auf?
Ist da draußen kein Licht?
Wolken nehmen dir die Sicht
Auch im Regen
Auch im Regen
Siehst du mich

Wenn dein Boot untergeht
Und du gar nichts mehr verstehst
Auch im Regen
Selbst im Regen
Find' ich dich


Was mich diesbezüglich betrifft. Mich hat niemand gefunden, als mein Boot unterging und ich gar nichts mehr verstand. Vielleicht war ich zu diesem Zeitpunkt ja auch nur bloß zu wütend, um irgendwas zu sehen. Wie dem auch sei ..

"Am Ende ist's verwirrend
Und sehr schwer zu verstehen"


.. kommt mir hier im Forum, bezüglich meiner Beiträge, allzu bekannt vor.

Auch im Regen
Selbst im Regen
Fand man mich nicht.




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Jörn P Budesheim
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So 24. Mai 2026, 09:56

Consul hat geschrieben :
Sa 23. Mai 2026, 00:12
Es gibt keine Willensfreiheit, sofern darunter etwas anderes als Handlungsfreiheit verstanden wird; denn das Subjekt findet in sich all sein Wollen, Begehren und Beabsichtigen passiv als etwas Vorbestimmt-Gegebenes vor, ohne es zuvor frei aus einer Menge von Möglichkeiten ausgewählt zu haben.
Mit anderen Worten, es gibt keine Schuld. Deswegen könnte niemand für einen Mord, den er begangen hat, verantwortlich gemacht werden, denn er konnte ja nicht anders.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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RosiG2
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So 24. Mai 2026, 14:41

Timberlake hat geschrieben :
Sa 23. Mai 2026, 01:32
.....

Was mich diesbezüglich betrifft. Mich hat niemand gefunden, als mein Boot unterging und ich gar nichts mehr verstand. Vielleicht war ich zu diesem Zeitpunkt ja auch nur bloß zu wütend, um irgendwas zu sehen. Wie dem auch sei ..

"Am Ende ist's verwirrend
Und sehr schwer zu verstehen"


.. kommt mir hier im Forum, bezüglich meiner Beiträge, allzu bekannt vor.

Auch im Regen
Selbst im Regen
Fand man mich nicht.
Ja lieber Timberlake, ich steh´auch oft im Regen bei Deinen Beiträgen - und werd´ nicht abgeholt :lol:

Ich hab da immer den Eindruck, Du möchtest niemanden "zu nahe treten". Aber ich meine, dass das dann (für mich) schon zu weit weg ist. Ich spüre, dass das um Deine Ideen und Gedanken schade ist - aber ich weis es nicht genau ;-)

Kaum möchte ich aber glauben, dass uns ein Austausch nicht möglich sein sollte, denn ich habe auch gelesen, dass Du doch in einer größeren menschlichen Nähe ebenfalls zu Äußerungen fähig bist. Vermutlich war das Thema "lapidar"?

... aber vielleicht ... eines Tages .....



Ich bin zwar weich, aber darin bin ich knallhart!

Timberlake
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So 24. Mai 2026, 15:40

Weil dazu m.E. passend und wie ich einmal davon ausgehe , dass das "Ich" von mir so ist, wie es ist, wohlgemerkt im Gegensatz zum " Ich" von dir und all den anderen, die mich nicht verstehen, antworte ich dir darauf mal mit einem Zitat von Nietzsche ..


"In Voraussicht, dass ich über Kurzem mit der schwersten Forderung an die Menschheit herantreten muss, die je an sie gestellt wurde, scheint es mir unerlässlich, zu sagen, wer ich bin. Im Grunde dürfte man's wissen: denn ich habe mich nicht »unbezeugt gelassen«. Das Missverhältniss aber zwischen der Grösse meiner Aufgabe und der Kleinheit meiner Zeitgenossen ist darin zum Ausdruck gekommen, dass man mich weder gehört, noch auch nur gesehn hat. Ich lebe auf meinen eignen Credit hin, es ist vielleicht bloss ein Vorurtheil, daß ich lebe? ... Ich brauche nur irgend einen »Gebildeten« zu sprechen, der im Sommer ins Oberengadin kommt, um mich zu überzeugen, dass ich nicht lebe ... Unter diesen Umständen giebt es eine Pflicht, gegen die im Grunde meine Gewohnheit, noch mehr der Stolz meiner Instinkte revoltirt, nämlich zu sagen: Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht!"
Nietzsche .. Ecce homo

gedankenwelt.de hat geschrieben :
Warum Nietzsche ein Pferd umarmte und weinte

Bild

Friedrich Nietzsche war ein deutscher Philosoph, der einige der einflussreichsten Werke verfasste. Im Jahr 1889 lebte der Philosoph in einem Haus in der Carlo-Alberto-Straße in Turin, Italien. Es war Morgen und Nietzsche ging in Richtung des Zentrums der Stadt, als etwas geschah, das sein Leben für immer verändern sollte.
Er sah einen Kutscher, der sein Pferd schlug, weil es sich nicht vorwärtsbewegen wollte. Das arme Tier war völlig erschöpft. Es hatte einfach keine Kraft mehr. Doch der Besitzer des Pferdes peitschte es immer wieder und versuchte es trotz völliger Erschöpfung zum Fortgang zu bewegen.

“Diejenigen, die gegen Monster kämpfen, müssen darauf achten, selbst keine Monster zu werden. Wenn du lange in einen Abgrund schaust, schaut der Abgrund auch in dich.”
Nietzsche ... Jenseits von Gut und Böse

Nietzsche war entsetzt über das, was er sah, und näherte sich rasch der Szenerie. Nachdem er das Verhalten des Kutschers angeprangert hatte, ging er schnellen Schrittes zu dem erschöpften Pferd, umarmte es und begann zu weinen. Zeugen sagen, er habe dem Pferd ein paar Worte ins Ohr geflüstert, so, dass niemand es hören konnte. Der Legende nach seien die letzten Worte des Philosophen “Mutter, ich bin ein Idiot” gewesen. Er verlor daraufhin sein Bewusstsein und sein Geist veränderte sich für immer.

Ein Morgen, der alles veränderte

Seit diesem Tag hatte Nietzsches offensichtliche Demenz Ärzte und Intellektuelle auf der ganzen Welt beschäftigt. Zum Thema waren zudem allerlei Spekulationen angestellt worden und es gibt mindestens drei “offizielle” Versionen von dem, was an diesem Morgen in Turin passiert ist. Fest steht praktisch nur, dass der Philosoph nie wieder derselbe war.
Obgleich selbst dahin tendierend, glücklicherweise wird mir allerdings, aus naheliegenden Gründen, ein solcher Morgen, der alles bei mir verändert erspart bleiben. Gleichwohl, so wie ich diesbezüglich aufgestellt bin, ich zu "verstehen" glaube, warum sich für Nietzsche an diesem Morgen alles veränderte - und warum glaube ich das? Weil du , liebe RosiG2 und all die anderen micht nicht versteht!
RosiG2 hat geschrieben :
So 24. Mai 2026, 14:41

Ja lieber Timberlake, ich steh´auch oft im Regen bei Deinen Beiträgen - und werd´ nicht abgeholt :lol:

.
.. ich euch nicht abhohle . So wie sich Nietzssche ansscheind offesichtlich auch nicht abgehohlt gefühlt hat, wenn er feststellt ..

"Ich brauche nur irgend einen »Gebildeten« zu sprechen, der im Sommer ins Oberengadin kommt, um mich zu überzeugen, dass ich nicht lebe "
Nietzsche


.. und um diesen Kreis zu schließen, so brauche ich nur irgend einen »Gebildeten« sprechen, der hier ins Forum kommt, um mich zu überzeugen, dass auch ich nicht lebe. So zumindest mein Eindruck.


"Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht :!: "
Timberlake




Timberlake
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So 24. Mai 2026, 20:20

Nur das da keine Missverständnisse entstehen!
Dynamis hat geschrieben :
Mo 6. Apr 2026, 08:15
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 6. Apr 2026, 07:21
"Ich bin ein körperliches Wesen, ein tierisches Lebewesen..."

Meiner Ansicht nach ist dieser Satz selbstwidersprüchlich. Denn er ist Ausdruck einer geistigen Verfassung. Eine solche Selbstbestimmung ist meines Erachtens nichts körperliches. Wir haben natürlich Körper, keine Frage, aber wir sind sie nicht.
Ich finde den Satz weniger selbstwidersprüchlich, sondern eher uneindeutig. Man kann ihn auf zwei Weisen interpretieren: In der ersten Interpretation ergibt er die Aussage "Wir haben Körper" (richtig) und in der zweiten Interpretation "wir sind identisch mit unserem Körper" (falsch).

Dass wir nicht identisch mit unserem Körper sind, kann man sich m.E. anhand von siamesischen Zwillingen klarmachen:

A1: Die siamesischen Zwillinge Trix und Flix sind zwei Personen.
A2: Trix und Flix teilen sich denselben Körper.
A3: Wer einen Körper hat, ist identisch mit seinem Körper.
→Trix und Flix sind identisch. Widerspruch zu A1.
Nietzsche und ich haben womöglich, im übertragenem Sinn, tatsächlich einen gemeinsamen "Körper", identisch sind wir hingegen genauso wenig bzw. viel, wie das es die siamesischen Zwillinge Trix und Flix sind.

Um übrigens bei der Frage, Wer oder was ist "Ich"? vom Körper weg und zu der philosophischen Schule, wo man sich heimisch fühlt, hinzukommen. :!:




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RosiG2
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So 24. Mai 2026, 23:16

Timberlake hat geschrieben :
So 24. Mai 2026, 15:40
....

"Hört mich! denn ich bin der und der. Verwechselt mich vor Allem nicht :!: "
Timberlake
Huhu Timberlake,

Du bemerkst schon dass ich Dich ... versuche ... zu hören.

Und wenn wir noch zu weit weg sind, müssen wir aufeinander zugehen, beide, irgendwie.

Ideen?



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Mo 25. Mai 2026, 02:10

Indem es in dem Beitrag von mir zuvor hieß .. ich zitiere ..

Timberlake hat geschrieben :
So 24. Mai 2026, 20:20
Um übrigens bei der Frage, Wer oder was ist "Ich"? vom Körper weg und zu der philosophischen Schule, wo man sich heimisch fühlt, hinzukommen. :!:
So müssten wir, um wohl jeweils unsere




Timberlake
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Mo 25. Mai 2026, 03:59

Abgelenkt von einem Dialog mit einer KI, die mir doch tatsächlich dazu völlig unaufgefordert Fragen an mich gerichtet hat, war die Zeit für Änderungen am o.g Beitrag überschritten, es folgt der Beitrag zur Gänze ..


Indem es in dem Beitrag von mir zuvor hieß .. ich zitiere ..

Timberlake hat geschrieben :
So 24. Mai 2026, 20:20
Um übrigens bei der Frage, Wer oder was ist "Ich"? vom Körper weg und zu der philosophischen Schule, wo man sich heimisch fühlt, hinzukommen. :!:
So müssten wir, um aufeinander zugehen zu können, wohl zunächst einmal irgendwie unser beider philosophische Schulen verlassen. Was allerdings um so problematischer ist, wie das man sich dort heimisch fühlt. Was mich betrifft, so fühle ich mich doch schon sehr, möglicherweise sogar dazu zu sehr bei Nietzsche heimisch. Gleichwohl im Vergleich zu anderen hier, dennoch ein Dialog zwischen uns beiden immerhin zustande kommt. So wie ich trotz oder gerade eben deshalb, weil ich mich bei Nietzsche heimisch fühle, zumindest darum bemüht bin mein Gegenüber zu verstehen. Auch und insbesondere, wenn ich seine Ansichten nicht teile. Andere machen da regelrecht zu. Das ist für mich keine Option. Schon allein deshalb, so wie das man ein Messer an einem Wetzstab oder Schleifstein schärft, ich bestrebt bin, meine philosophische Schule anhand anderer philosophischen Schulen zu schärfen. Wer allerdings meint sein Wetzstab oder Schleifstein dem vorzuenthalten, sollte sich allerdings schon fragen, ob seine philosophische Schule dazu taugt. Ob sie von daher nur butterweich daher kommt. Möglicherweise sogar wohl wissend. Wovon ich übrigens ausgehe. Denn dumm sind die, die zu machen ganz sicher nicht. Ganz im Gegenteil.




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