Philosophische Reflexionen der Gefühle

Mit Beginn der 1920er Jahre bilden sich in der deutschen Philosophie die Disziplinen der Philosophischen Anthropologie und der Lebensphilosophie aus, deren Grundfragen in den 1990er Jahren eine Renaissance erleben.
Tosa Inu
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Friederike hat geschrieben :
Mo 17. Sep 2018, 10:26
Na fein. Woher weiß man das mit den genetisch bedingten Unterschieden eigentlich?
Durch Experimente.
Einfacher und lebensnäher aber auch durch Mehrfachmütter, die allesamt bestätigen können, dass die Kinder, die in einem dann doch mindestens ähnlichen Umfeld aufwachsen, von Anfang an sehr unterschiedlich auf ihre Umwelt reagieren können.



„Die Tiere machen einen ja nachdenklich. Wir gehen doch noch außerdem zum Friseur u. begaunern die Kundschaft, sonst alles ebenso. Sich lausen u. wichsen, – Kinder, Kinder! Das nennt sich Schöpfung!“ (Gottfried Benn, im Brief, nach Zoobesuch der Affen)

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Jörn Budesheim
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Mo 17. Sep 2018, 10:50

Tosa Inu hat geschrieben :
Mo 17. Sep 2018, 10:41
Durch Experimente.
Worin unterscheidet sich, eine philosophische Betrachtung der Gefühle von einer psychologischen? Wo überschneiden sie sich, wo sind sie getrennt?



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

Tosa Inu
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Mo 17. Sep 2018, 11:51

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 17. Sep 2018, 10:50
Worin unterscheidet sich, eine philosophische Betrachtung der Gefühle von einer psychologischen? Wo überschneiden sie sich, wo sind sie getrennt?
Hängt davon ab, wie eng oder breit man Psychologie und Philosophie versteht. Ich sehe da kaum Unterschiede. Nicht umsonst hat Quine, der da sicher Extremist ist, ja gesagt, man könne die Erkenntnistheorie zugunsten der Kognitionspsychologie ersatzlos streichen.

Philosophie könnte theoretisch mehr das Wesenhafte herausarbeiten, könnte klären was die Liebe, die Güte oder das Böse ist, während Psychologie vielleicht etwas instrumenteller herangeht, die Begriffe als real voraussetzt und zu klären versucht, was Menschen liebend, gut oder böse sein oder werden lässt. Oft macht die Philosophie das aber nicht mehr. Psychotherapie ist näher am Individuum, die Klärung der Begriffe, gibt es hier aber auch, man möchte wissen, was für einen Menschen ein bestimmtes Verhalten oder eine Äußerung oder Geste bedeutet, hier wird ähnlich rekonstruiert, wie in der Philosophie, bei der man sich ja auch erst mal auf die Gedanken eines Philosophen einlassen muss, aber versucht einen Begriff im allgemeinsten Sinne zu klären.



„Die Tiere machen einen ja nachdenklich. Wir gehen doch noch außerdem zum Friseur u. begaunern die Kundschaft, sonst alles ebenso. Sich lausen u. wichsen, – Kinder, Kinder! Das nennt sich Schöpfung!“ (Gottfried Benn, im Brief, nach Zoobesuch der Affen)

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Friederike
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Mo 17. Sep 2018, 13:46

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 17. Sep 2018, 10:50
Tosa Inu hat geschrieben :
Mo 17. Sep 2018, 10:41
Durch Experimente.
Worin unterscheidet sich, eine philosophische Betrachtung der Gefühle von einer psychologischen? Wo überschneiden sie sich, wo sind sie getrennt?
Deine Frage hast Du an einen ganz sicher entscheidenden Unterschied ja bereits angeschlossen. Die Feldforschung am lebenden Objekt resp. "Subjekt". Wie sich "Gefühle", Geist (Gedanken) und Körper zueinander verhalten, ist ein großes Thema in der Philosophie ... während ich dies tippe, fällt mir schon ein, daß ein großes Thema der Philosophie zwar "Geist und Körper" ist, die Gefühle jedoch eher nur randläufig dabei eine Rolle spielen. Diese Einschränkung unberücksichtigt lassend, ist die Beziehung zwischen Gedanken, Gefühlen und Körper auch eines der zentralen Themen in der Psychologie. "Psychologie" diskutiert diese Fragen aber wohl eher unter dem Aspekt der therapeutischen Verwertungsmöglichkeit, d.h. unter dem Aspekt von Gesundheit und Krankheit. Aus diesem Grunde steht in der Psychologie, so vermute ich, das Individuum sicher mehr im Vordergrund der Untersuchungen, während die Philosophie individuumsübergreifende Fragen diskutiert (kulturunabhängíge Emotionen, historische Veränderungen, gesellschaftliche Bedingungen o.ä.). Generell dürfte die Philosophie daher (Empirie, Einzelfall) wohl mehr Anleihen bei den psychologischen Forschungsergebnissen machen als umgekehrt.




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novon
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Mo 17. Sep 2018, 21:56

@OnT "positiv konnotierte Überraschung"
...wie wär's mit "Glück"...?




Tosa Inu
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Mo 17. Sep 2018, 22:37

Passt.



„Die Tiere machen einen ja nachdenklich. Wir gehen doch noch außerdem zum Friseur u. begaunern die Kundschaft, sonst alles ebenso. Sich lausen u. wichsen, – Kinder, Kinder! Das nennt sich Schöpfung!“ (Gottfried Benn, im Brief, nach Zoobesuch der Affen)

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Stefanie
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Di 18. Sep 2018, 21:36

Ich bin nicht ganz sicher ob es passt...
Anhand der Szene aus dem Sommernachtstraum von Shakespeare, in der Zettel von Puck einen eselskopf verpasst wird und Titania sich aufgrund des Zaubertrank in Zettel trotz Eselskopf verliebt, weil der erste ist, den sie erblickt, schreibt Carolin Emcke:
"In der Geschichte der Liebe zwischen Titania und Zettel erzählt Shakespeare von jenen emotionalen Zuständen, bei denen Ursache und Objekt der Emotion nicht zusammenfallen.
Eine Emotion kann durchaus durch etwas anderes ausgelöst werden als das Ding oder Wesen oder das Ereignis, auf das sie sich richtet. Zettel ist zwar das Objekt von Titania Liebe, aber nicht deren Ursache."
Hecke, Gegen den Hass, Seite 29


Irgendwie erinnert mich das an die liebespille.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)


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novon
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Di 18. Sep 2018, 23:29

Hmm... Ich empfinde den unwiderstehlichen Impuls zu präzisieren: "Glück gehabt". ;)




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Friederike
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Mi 19. Sep 2018, 12:10

Stefanie hat geschrieben :
Di 18. Sep 2018, 21:36
Ich bin nicht ganz sicher ob es passt...
Anhand der Szene aus dem Sommernachtstraum von Shakespeare, in der Zettel von Puck einen eselskopf verpasst wird und Titania sich aufgrund des Zaubertrank in Zettel trotz Eselskopf verliebt, weil der erste ist, den sie erblickt, schreibt Carolin Emcke: "In der Geschichte der Liebe zwischen Titania und Zettel erzählt Shakespeare von jenen emotionalen Zuständen, bei denen Ursache und Objekt der Emotion nicht zusammenfallen. Eine Emotion kann durchaus durch etwas anderes ausgelöst werden als das Ding oder Wesen oder das Ereignis, auf das sie sich richtet. Zettel ist zwar das Objekt von Titania Liebe, aber nicht deren Ursache." Hecke, Gegen den Hass, Seite 29. Irgendwie erinnert mich das an die liebespille.
Für das Haben einer Emotion spielt die Ursache aber keine Rolle, oder? Ob die Verliebtheit nun zur Ursache ein Hormon oder ein Hexengebräu hat, ist denen, die verliebt sind, glaube ich, egal.

Die Pharmaindustrie ist interessiert ... allerdings, soweit ich weiß, ist es bisher nicht möglich, bestimmte Emotionen medikamentös hervorzurufen oder zu beseitigen, lediglich "Stimmungen" können mit Wirkstoffen vage beeinflußt werden. Vermutlich funktioniert es mit den Gefühlen deswegen nicht, weil weil sie an einen "Gegenstand" gekoppelt sind.




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Friederike
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Mi 19. Sep 2018, 14:01

@Tommy, ich weiß nicht, ob Du mich mißverstanden hattest oder ob ich Dich mißverstehe. Ich dachte an Medikamente, die "stimmungsaufhellend" genannt werden, d.h. Medikamente, die diese Wirkung nicht neben-wirkend haben (sollen). :lol:




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Friederike
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Mi 19. Sep 2018, 14:12

Tommy hat geschrieben :
Mi 19. Sep 2018, 13:55
Doch. Wenn Du dir ein Mittel gegen Übelkeit besorgst und davon fallen Dir die Haare aus, dann ruft das Wut hervor. Glaub mir. :-D
Was ist denn hier der Gegenstand der Wut? Die ausgehenden Haare, die Pharmaindustrie, das Medikament oder man selbst ...?

NS: Ich hatte den vorangehenden Beitrag geschrieben, als Du Deinen Beitrag noch nicht ediert hattest.
Ich nehme also "alles" zurück.




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Jörn Budesheim
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Mi 19. Sep 2018, 19:26

Stefanie hat geschrieben :
Di 18. Sep 2018, 21:36
Irgendwie erinnert mich das an die liebespille.
Ja, das würde ich auch sagen. Und die Pille zu nehmen, wäre halt eine ziemliche Eselei.



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

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Friederike
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Do 20. Sep 2018, 12:01

Tommy hat geschrieben :
Mi 19. Sep 2018, 17:48
Ich habe nicht die geringste Ahnung. War auch mehr als Scherz gemeint, aber ich vermute in dem Falle ist man wohl wütend auf das Medikament, oder Diejenigen die es zusammengemischt und in Umlauf gebracht haben.
Dein Beispiel zeigt gut, finde ich, daß wir den Gegenstand der Wut wählen (können). Er ist keineswegs zwingend vorgegeben.




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Friederike
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Do 20. Sep 2018, 14:04

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mi 19. Sep 2018, 19:26
Stefanie hat geschrieben :
Di 18. Sep 2018, 21:36
Irgendwie erinnert mich das an die liebespille.
Ja, das würde ich auch sagen. Und die Pille zu nehmen, wäre halt eine ziemliche Eselei.
Da bin ich anderer Meinung. Sofern man "Liebe" und "Verliebtheit" unterscheidet bzw. Liebe im Sinne der erotischen Liebe versteht, scheint mir eine Pille, die in einen derartigen Zustand versetzt, gelegentlich durchaus wünschenswert. Das wäre ja so, als könne man, sobald einem danach ist, die Welt in rosarot getaucht sehen.




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Jörn Budesheim
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Fr 21. Sep 2018, 05:41

Diese Begriffe tauchen als Paar oder als Gegensätze dauernd in den verschiedensten Diskussionen auf. Was genau heißen sie? In diesem Tread wollen wir versuchen diese Frage zu klären!



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

Alethos
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Sa 22. Sep 2018, 23:14

Objektiv gilt doch als Adjektiv zum Objekt. Das das Objekt Betreffende heisst objektiv.

Ein Objekt ist in phänomenologischer Deutung der Inhalt der Bezugnahme des Bewusstseins. Es ist der Gegenstand bewusster Reflexion resp. Bezugnahme des tätigen Bewusstseins.

Träger des Bewusstseins ist aber ein Subjekt, also dasjenige, was sich auf das Objekt intensional beziehen kann. Das Subjekt ist ein willentlich tätiges Ich, das sich vor die Dinge stellen kann und diese als Gegenstände seines vernunfttätigen Tuns objektiviert. Dieses Tun ist insofern frei, als es nach selbstgegebenen Regeln tut, was es tut, nämlich sich selbst sein. Das Bewusstsein entsteht aus sich selbst durch die Lebenskraft des Individuellen und dessen Bezugnahme auf sich selbst nach den Regeln seines Soseins als Bewusstsein. Als dieses kann es sich von allem anderen, was es nicht ist, unterscheiden, indem es eine Distinktion herstellt zwischen sich selbst als dieses Bewusstsein und dem Anderen, das er zu seinem Gegenstand macht. Auch das Bewusstsein kann objektiv sein, sofern es sich nämlich selbst zum Gegenstand macht, aber es ist subjektiv, indem es frei ist nach Massgabe seiner ihn konstituierenden Regeln.

Also ist doch subjektiv das, was dieses Subjekt im Rahmen seiner gegebenen Freiheit denken will, und objektiv das, was dieses Bewusstsein gegeben die Ordnung der Dinge, die es sich zum Gegenstand macht, denken muss, sofern er diese Ordnung zum Massstab seines Denkens machen will, mithin also zum Massstab der Wahrheit überhaupt?



Eine Aussage ist nie absolut wahr oder falsch.

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Friederike
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So 23. Sep 2018, 15:21

Tommy hat geschrieben :
So 23. Sep 2018, 11:23
Wie ist denn das eigentlich, wenn der Gegenstand, auf den sich zum Beispiel eine Angst bezieht nur imaginiert ist? Gibt es das? Oder hat Angst immer einen realen Hintergrund? Also hat es Sinn jemanden der Angst hat zu sagen: "Hey, Du bildest Dir das nur ein", oder ist Angst eben Angst und hat immer einen Grund?
An der Angst finde ich bemerkenswert, daß sie sich immer auf etwas Zukünftiges bezieht. Der Gegenstand der Angst ist jetzt, in diesem Moment gar nicht existent, gleich aber könnte er existent sein. Jetzt ist der Schmerz nicht vorhanden, die Angst bezieht sich darauf, daß er demnächst wiederkommen könnte. Insofern ist eigentlich der Gegenstand der Angst immer imaginiert. Aber vielleicht fällt Dir ein Gegenbeispiel ein?




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Friederike
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So 23. Sep 2018, 15:48

"Da kommt die Nachbarin, sie wird mich zur Minna machen" (Angst).
"Quatsch, du siehst schon Gespenster. Das ist nicht die Nachbarin".

Dann wäre der Gegenstand der Angst, die Nachbarin, zwar in dieser Situation nur ein Spuk, aber sie bleibt Gegenstand der Angst.




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Friederike
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So 23. Sep 2018, 15:58

"O Schreck, der Hummer wird mich fressen" (Angst).
"Unsinn, Hummer sind viel zu klein, um Menschen fressen zu können".

Das wäre einer der seltenen Fälle, in denen die Angst durch gegenteilige Information grundsätzlich grund-los gemacht werden könnte. Aber das ist wohl eher selten, glaube ich.




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Stefanie
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So 23. Sep 2018, 16:56

Erst wollte ich dagegen protestieren, dass Angst in die Zukunft geht...aber dann habe ich festgestellt, nee stimmt doch. Wenn ich im Aufzug Angst habe, ist dies tatsächlich die Angst, dass er stehen bleibt und/oder nach unten stürzt.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)


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