Von Menschen und Schiffen

Mit Beginn der 1920er Jahre bilden sich in der deutschen Philosophie die Disziplinen der Philosophischen Anthropologie und der Lebensphilosophie aus, deren Grundfragen in den 1990er Jahren eine Renaissance erleben.
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TsukiHana
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Do 6. Jun 2019, 09:56

Entschleunigung

In 2 Tagen stechen wir in See...
Ein traditionelles Segelschiff ist kaum schneller als ein Fahrrad. Außerdem sind Route und Ziel oft nur mäßig gut planbar, Wetteränderungen machen schnell einmal gefasste Pläne zunichte. Daraus ergeben sich neue Ziele und Möglichkeiten. Die Art dieses Reisens sorgt für Alltagsferne und Entschleunigung...
Alleine könnte niemand das 108 Jahre alte Schiff fahren, nur durch das Zusammenspiel aller Mitsegler bewegt sich das Schiff in die richtige Richtung.
Nur so kommen wir zum nächsten Ziel. Es ist immer eine schöne und bereichernde Erfahrung.
Ich bin schon ganz aufgeregt ;)



Ausfahrt

Vom Lande steigt Rauch auf.
Die kleine Fischerhütte behalt ich im Aug,
denn die Sonne wird sinken,
ehe du zehn Meilen zurückgelegt hast.

Das dunkle Wasser, tausendäugig,
schlägt die Wimper von weißer Gischt auf,
um dich anzusehen, groß und lang,
dreißig Tage lang.

Auch wenn das Schiff hart stampft
und einen unsicheren Schritt tut,
steh ruhig auf Deck.

An den Tischen essen sie jetzt
den geräucherten Fisch;
dann werden die Männer hinknien
und die Netze flicken,
aber nachts wird geschlafen,
eine Stunde oder zwei Stunden,
und ihre Hände werden weich sein,
frei von Salz und Öl,
weich wie das Brot des Traumes,
von dem sie brechen.

Die erste Welle der Nacht schlägt ans Ufer
die zweite erreicht schon dich.
Aber wenn du scharf hinüberschaust,
kannst du den Baum noch sehen,
der trotzig den Arm hebt
-- einen hat ihm der Wind schon abgeschlagen
-- und du denkst: wie lange noch,
wie lange noch
wird das krumme Holz den Wettern standhalten?
Vom Land ist nichts mehr zu sehen.
Du hättest dich mit einer Hand in die Sandbank krallen
oder mit einer Locke an den Klippen heften sollen.

In die Muscheln blasend, gleiten die Ungeheuer des Meers
auf die Rücken der Wellen, sie reiten und schlagen
mit blanken Säbeln die Tage in Stücke, eine rote Spur
bleibt im Wasser, dort legt dich der Schlaf hin,
auf den Rest deiner Stunden,
und dir schwinden die Sinne.

Da ist etwas mit den Tauen geschehen,
man ruft dich, und du bist froh,
daß man dich braucht. Das Beste
ist die Arbeit auf den Schiffen,
die weithin fahren,
das Tauknüpfen, das Wasserschöpfen,
das Wändedichten und das Hüten der Fracht.
Das Beste ist, müde zu sein und am Abend
hinzufallen. Das Beste ist, am Morgen,
mit dem ersten Licht, hell zu werden,
gegen den unverrückbaren Himmel zu stehen,
der ungangbaren Wasser nicht zu achten
und das Schiff über die Wellen zu heben,
auf das immerwiederkehrende Sonnenufer zu.


Ingeborg Bachmann (1926-1973)
Aus: Die gestundete Zeit


·
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TsukiHana
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Do 6. Jun 2019, 14:58

Schon seit Tagen studiere ich die Vetterprognosen und Wetterkarten…
Ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn sich die derzeitigen Gewitter weiter an Land austoben würden! :lol:


Nach neuen Meeren

Dorthin - will ich; und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, in′s Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit -:

Nur dein Auge - ungeheuer

Blickt mich′s an, Unendlichkeit!

Der du mit dem Flammenspeere
Meiner Seele Eis zerteilt,
Daß sie brausend nun zum Meere
Ihrer höchsten Hoffnung eilt.
Heller stets und stets gesunder,
Frei im liebevollsten Muss -
Also preist sie deine Wunder,
Schönster Januarius!


Friedrich Nietzsche
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Jörn Budesheim
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Do 6. Jun 2019, 15:20

Das wird ja eine poetische/philosophische Fahrt :-)



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

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TsukiHana
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Do 6. Jun 2019, 18:35

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 6. Jun 2019, 15:20
Das wird ja eine poetische/philosophische Fahrt :-)
Ja, in der Tat, traditionelle Seefahrt ist - neben harter Arbeit und viel Spaß - immer auch pure Poesie und Philosophie.
Am Beispiel von Michel Serres sehen wir doch, dass in einem gelernten Seemann auch ein ernsthafter Philosoph stecken kann...
Und bei seinem Satz „Ich denke mit den Füßen“ musste ich unweigerlich an schwankende Planken auf hoher See denken.
Auch selbst heute noch soll es Philosophen geben, die gerne in See stechen, wie zum Beispiel Dr. Peter Vollbrecht, der auf seinem Törns (im Mittelmeer) den Mitseglern Philosophisches, Historisches und Poetisches aus 2 Jahrtausenden zum Alltag an Bord "serviert". Allerdings mit seeehr viel mehr Luxus, als es unser spartanisches Schiff bietet.
Traditionelle Seefahrt regt immer zum Nachdenken an. Diese Fragen bewegen die Menschheit doch von alters her: Wie hat alles angefangen? Sind wir Lieblinge oder doch nur Ausgeburten der Natur? Welchen Platz nehmen wir im Universum ein?
Natürlich lässt sich an Bord auch das Thema Teamwork / kollektive Intentionalität vorzüglich beackern und ich werde es sicherlich noch aufgreifen. ;)

Um hier auch einen bekannten Poeten zu nennen:
Meister Ringelnatz verließ nach der Obersekunda die Schule und fuhr zunächst als Schiffsjunge, später (mit Unterbrechungen bis 1905) als Matrose und als Freiwilliger bei der Marine zur See. Unvergesslich seine gar köstlichen Kuttel-Daddeldu-Döntjes :mrgreen:

Vom Seemann Kuttel Daddeldu


Eine Bark lief ein in le Haver,
Von Sidney kommend, nachts elf Uhr drei.
Es roch nach Himbeeressig am Kai,
Und nach Hundekadaver.

Kuttel Daddeldu ging an Land.
Die Rue Albani war ihm bekannt.
Er kannte nahezu alle Hafenplätze.

Weil vor dem ersten Hause ein Mädchen stand,
Holte er sich im ersten Haus von dem Mädchen die Krätze.

Weil er das aber natürlich nicht gleich empfand,
Ging er weiter - kreuzte topp lastig auf wilder Fahrt.
Achtzehn Monate Heuer hatte er sich zusammengespart.

In Nr. 6 traktierte er Ei wie und Kätchen,
In 8 besoff ihn ein neues, straff lederbusiges Weib.
Nebenan bei Pierre sind allein sieben gediegene Mädchen
Ohne die mit dem Zelluloid-Unterleib.

Daddeldu, the old Seelerbeu Kuttel,
Verschenkte den Albatrosknochen,
Das Haifischrückgrat, die Schals,
Den Elefanten und die Saragossabuttel.
Das hatte er eigentlich alles der Mary versprochen,
Der anderen Mary; das war seine feste Braut.

Daddeldu - Hallo! Daddeldu,
Daddeldu wurde fröhlich und laut.

Er wollte mit höchster Verzerrung seines Gesichts
Partu einen Niggersong singen
Und „Blu beus blu".
Aber es entrang sich ihm nichts.

Daddeldu war nicht auf die Wache zu bringen.
Daddeldu Duddel Kuttelmuttel, Katteldu
Erwachte erstaunt und singend morgens um vier
Zwischen Nasenbluten und Pomm de Schwall auf der Pier.

Daddeldu bedrohte zwecks Vorschuss den Steuermann.
Schwitzte den Spiritus aus. Und wusch sich dann.

Daddeldu ging nachmittags wieder an Land,
Wo er ein Rentiergeweih, eine Schlangenhaut,
Zwei Fächerpalmen und Eskimoschuhe erstand.
Das brachte er aus Australien seiner Braut.


Joachim Ringelnatz

.
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Jörn Budesheim
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Fr 7. Jun 2019, 06:51

Ich werde im folgenden mal ein paar philosophische Erinnerungen und Assoziationen zusammentragen, völlig ohne Ordnung... ich schätze mit dem Thema Menschen, Schiffe, Seen und Meere kann man leicht mehrere Bibliotheken füllen :)

-----------

Das folgende Zitat kann es natürlich mit kuddel-daddel-du nicht aufnehmen, aber es ist eines der bekanntesten zum Thema Schiffe(r) und Philosophie, meine ich :)
Otto Neurath hat geschrieben : Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

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Fr 7. Jun 2019, 07:09

Man könnte fast meinen, wenn vom Menschen die Rede ist, ist immer Meer gemeint ...

"Der Mensch führt sein Leben und errichtet seine Institutionen auf dem festen Lande. Die Bewegung seines Daseins im Ganzen jedoch sucht er bevorzugt unter der Metaphorik der Seefahrt zu begreifen. Das Repertoire dieser nautischen Daseinsmetaphorik ist reichhaltig. Es gibt Küsten und Inseln, Hafen und hohes Meer, Riffe und Stürme, Untiefen und Windstillen, Segel und Steuerruder, Steuermänner und Ankergründe, Kompass und astronomische Navigation, Leuchttürme und Lotsen. Oft dient die Vorstellung der Gefährdungen auf der hohen See nur dazu, die Behaglichkeit und Ruhe, die Sicherheit und Heiterkeit des Hafens vorzustellen, in dem die Seefahrt ihr Ende finden soll." (Blumenberg,1997)



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Fr 7. Jun 2019, 07:24

Für das Folgende habe ich leider keine Quelle gefunden. Martin Heidegger spricht (in einem erkenntnistheoretischen Zusammenhang) von einer Schildbürgervorstellung, dass man vom Land eine Brücke ins Meer bauen müsste.

Ich verstehe das so: Der Raum der Erkenntnis (das Land) steht in diesem Bild in unmittelbarer Berührung mit dem Unendlichen des zu Erkennenden (die mehr); eine Brücke ist nicht nötig ... sondern schon als Vorstellung absurd. Im "Hafen" der Erkenntnis haben wir einigermaßen festen Grund unter den Füßen und können Orientierungspunkte zeichnen und Linien einziehen, die zumindest eine gewisse Zeit überdauern können.

Man müsste mal das Bild von Neurath mit diesem Meer/Strand/Bild vergleichen.



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Fr 7. Jun 2019, 07:25

Das Fräulein stand am Meere (Heinrich Heine)

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.



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Fr 7. Jun 2019, 07:30

Bild

cdf: Mönch am Meer

Ger Groot in einem kurzen Text zu Schiller schreibt passend "dazu" folgendes: "wie viele Denker seiner Generation versucht also auch Schiller, Kant weiterzudenken. Für den Romantiker, die er ist, ist es bedeutsam, dass er dabei Kants Idee des Erhabenen mehr Beachtung schenkt als dem Schönen, dem klassischen Gegenstand der Ästhetik. Schillers kleine Schrift "über das Erhabene" von 1793 schließt daran an, was schon der Kunsthistoriker Rosenblum hervorgehoben hat. Das Überwältigende in der Natur wird das "Milieu", in dem der Mensch die Unendlichkeit, die er sich hinein gestellt sieht, erfährt. Diese Unendlichkeit übersteigt seine Vernunft und erschüttert ihn zutiefst in seinem Wesen. Sie schleudert den Menschen aus dem begrenzten Horizont seines alltäglichen Lebens heraus und öffnet ihm die Augen für die wahre Größe des Universums, dessen Teil er ist."



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Jörn Budesheim
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Fr 7. Jun 2019, 07:49

Auch für das folgende kann ich im Moment keine Quelle (Oops?) anbieten, vielleicht kann ich sie aber nachreichen, falls ich das Buch wieder finde :) Ich meine es stammt aus: "Immer nur der Mensch? Entwürfe zu einer anderen Anthropologie" dort erläutert er, dass ein längerer Arbeitsaufenthalt am Meer ihn zu einer Wende in seiner eigenen Philosophie geführt hat. Die schiere Größe, die Unendlichkeit des Meeres hat ihn davon überzeugt, dass die Philosophie in ihrem Erkenntnis-Bemühungen nicht den Menschen ins Zentrum stellen, "alles" auf ihn zurückführen sollte - bzw nicht alles im Sinne des Konstruktivismus vom Mensch aus betrachten sollte.

Das ist sicherlich eine ziemlich dürftige Zusammenfassung, aber es geht hier ja im Wesentlichen darum, dass Wolfgang Welsch diese Erkenntnis am Saume des Meeres fand und empfand.



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TsukiHana
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Fr 7. Jun 2019, 10:37

Ach... herrlich!
Es wird ein toller Thread, ganz nach meinem Geschmack! :D
Auch ich habe lauter Versatzstücke in meinem Fundus, bei denen ich (noch) keine Ordnung erkennen kann, doch geht es IMMER um das Meer.
Dabei ist natürlich auch mein Lieblingszitat von Otto Neurath, eine gelungene Metapher, die mich sehr anspricht.

Wie vor jedem Törn, bin ich sehr aufgeregt, voller Vorfreude auf die beglückende Zeit auf dem Wasser. Wenn kein Land mehr in Sicht ist, an Deck schreibend/lesend/denkend zu sitzen, den glucksenden Wellen, dem Wind in den Segeln und gelegentlich der knatternden Melodie der Mastwinde zu lauschen...
Dazu dieser unverwechselbare Geruch... köstlich!
Jetzt muss ich nur noch 1X schlafen...

Gestern suchte ich nach Dichtern, die auch zur See gefahren sind.
Dabei musste ich feststellen, dass es ein Irrtum von mir war, es ausgerechnet Detlev von Liliencron zu unterstellen. Schon als Schulkind liebte ich seine Ballade Trutz, blanke Hans, die er auf Pellworm geschrieben hat, wo er damals lebte.
Es waren wohl die ersten Zeilen der Ballade, die in meiner Vorstellung aus dem Dichter auch einen erfahrenen Seemann machten:

Heut bin ich über Rungholt gefahren,
Die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren
.

Aus Liliencrons Tagebucheinträgen geht hervor, dass er bei der Überfahrt mit einer Fähre von Husum nach Pellworm von der Rungholt-Sage hörte. Selbst ist Liliencron dabei jedoch nicht „über Rungholt gefahren“, sondern lediglich über eine entfernt davon liegende Sandbank namens Rungholtsand. :mrgreen:
Die Ballade liebe ich immer noch, besonders in der Vertonung von Joachim Reichel aus seinem Album Regenballade.
Und immer noch bekomme ich an der gleichen Stelle eine Gänsehaut:

Und überall Friede, im Meer, in den Landen.
Plötzlich wie Ruf eines Raubtiers in Banden:
Das Scheusal wälzte sich, atmete tief,
Und schloß die Augen wieder und schlief.
Und rauschende, schwarze, langmähnige Wogen
Kommen wie rasende Rosse geflogen


.



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TsukiHana
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Fr 7. Jun 2019, 23:33

Gerade habe ich diese überaus poetischen Worte bei Nauplios gefunden und bin berührt.
Genau darum geht es:

dem Klang der Welt lauschen...
Nauplios hat geschrieben :
Fr 7. Jun 2019, 20:16
"Wenn kein Land mehr in Sicht ist, an Deck schreibend/lesend/denkend zu sitzen, den glucksenden Wellen, dem Wind in den Segeln und gelegentlich der knatternden Melodie der Mastwinde zu lauschen ... " (TsukiHana, https://www.dialogos-philosophie.de/vie ... f=21&t=670)

"Ich sehe mich heute ein wenig wie den von Hegel beschriebenen Griechen der Antike: er lauschte, sagt er, leidenschaftlich und ohne Unterlaß auf das Rauschen der Blätter, der Quellen, der Winde, kurz auf das Säuseln der Natur, um darin die Umrisse einer Intelligenz auszumachen. Und ich lausche dem Säuseln des Sinns, wenn ich das Rauschen der Sprache vernehme - jener Sprache, die für mich, als modernen Menschen, meine Natur ist." (Roland Barthes; Das Rauschen der Sprache; S. 91) -

Das Lauschen auf die Geräusche des nautischen Geschehens, astra-akustisch gesteigert zum Lauschen auf die Geräusche des Weltraums, ist vielleicht die früheste Form der philosophischen Hör-Akustik, von Heidegger zum "eigentlich hörenden Anrufverstehen" raffiniert.

Das musikalische Wesen des Rauschens. -

Medium/Form (Fritz Heider)
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TsukiHana
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Sa 8. Jun 2019, 07:29

Michel Serres hat geschrieben : Wenn ein Seemann auf Fahrt ging, war er für Wochen und Monate abwesend und stumm. Seine Frau wartete auf ihn, ohne zu wissen, wann er wiederkommen würde.
Nun, ganz so dramatisch ist es heute nicht mehr und die Inseln im Wattenmeer sind auch nicht der "Rand der Welt", doch schon bald werden wir auf günstige Winde hoffen, mit den Füßen denken und sonst gilt ja:

eine Hand ist für das Schiff und die andere für mich.

ALOHA & AHOI! ;)

"Auf Matrosen - den Anker gelichtet, die Segel gehisst - auf die See hinaus!" (B. Nesser (1822 - 1896)

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Friederike
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Sa 8. Jun 2019, 08:34

Sagt man ... Mast- und Schotbruch? Eine wundervolle Reise wünsche ich Euch. Und heute stürmt es sogar ein wenig. Windstärke 6? Liebe TsukiHana, kommt heil zurück!




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Friederike
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So 9. Jun 2019, 09:31

Und passend zum heutigen Tage, der Geist Gottes, der über den Wassern schwebte (Gen.).




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TsukiHana
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Sa 15. Jun 2019, 17:24

Friederike hat geschrieben :
Sa 8. Jun 2019, 08:34
Sagt man ... Mast- und Schotbruch? Eine wundervolle Reise wünsche ich Euch. Und heute stürmt es sogar ein wenig. Windstärke 6? Liebe TsukiHana, kommt heil zurück!
Moin!
Bin wieder an Land... ist schon etwas komisch, wenn der Boden plötzlich nicht mehr schwankt :D

@ Friederike, ja das sagt man, danke!
Und vom Wetter hatten wir so ziemlich ALLES, was man auf See erleben kann. Incl. Windstärke 6 und Gewitterfront von Ost mit Starkregen heute Vormittag. Da krachte es nur so in den Masten und man bekommt gehörigen Respekt vor den Gewalten der Natur. :o



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TsukiHana
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So 16. Jun 2019, 17:02

Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.


Conrad Meyer (1825 – 1898)

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So 16. Jun 2019, 17:17

Jochen Gaarn hat geschrieben : Die Stärke einer Mannschaft liegt nicht in der Einzelleistung, sondern im gemeinsamen, koordinierten Handeln aller.
Quelle: Handbuch für Decksleute auf Traditionsseglern, DSV-Verlag

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Stefanie
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So 16. Jun 2019, 17:51

Darf ich fragen, wo das war? Ich sehe viele Windräder.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)


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TsukiHana
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Mo 17. Jun 2019, 10:53

Stefanie hat geschrieben :
So 16. Jun 2019, 17:51
Darf ich fragen, wo das war? Ich sehe viele Windräder.
Natürlich "darfst" Du. Ich freue mich sogar sehr über Fragen. :D

Hier fuhren wir noch auf der Unterelbe, kurz vor der Mündung, gegenüber Cuxhafen, etwa auf der Höhe von Neufelderkoog.
Die ganze Küstenlinie ist gesäumt von Windrädern, die Teil des sog. "Onshore"-Projekts sind, mit dem man die Kapazitäten des stillgelegten AKWs Brunsbüttel langsam ersetzen will. Kurz davor fuhren wir an dem "Pannen-Meiler" vorbei (Foto folgt hiernach) und auch an dem noch in Betrieb befindlichen Brokdorf-Meiler, der erst 2021 abgeschaltet werden soll.

https://www.ndr.de/nachrichten/dossiers ... rund2.html

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