Ist Tyrannenmord moralisch vertretbar?

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
Timberlake
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Mi 20. Aug 2025, 14:36

Ottington hat geschrieben :
Mi 20. Aug 2025, 07:17
Verständnisfrage: Ist Moral immer als ein gesellschaftlich etabliertes Normensystem zu verstehen? Also ein "von außen gewachsenes" Regelsystem, dem man sich anschließt?
Gute Frage(n)!
  • "Als ‚Moral‘ bezeichnet man heutzutage ein Normensystem, welches das Verhalten von Menschen reguliert und dabei mit dem Anspruch auf unbedingte Gültigkeit auftritt."
    Dietmar Hübner ... Ethik und Moral
Indem Moral mit dem Anspruch auf unbedingte Gültigkeit auftritt, so wäre Moral immer als ein gesellschaftlich etabliertes Normensystem zu verstehen. Ein Normensystem, das beispielsweise einen Tyrannenmord moralisch immer vertretbar macht.

  • "Unter ‚Ethik‘ versteht man im deutschen Sprachgebrauch die Wissenschaft von der Moral, d.h. diejenige Fachdisziplin, die sich damit beschäftigt, welche verschiedenen Moralen es gibt, wie sie sich begründen lassen und welcher Logik ihre Begriffe, Aussagen und Argumentationen folgen"
    Dietmar Hübner ... Ethik und Moral
Zunächst einmal ein Normensystem, das einem Regelsystem entwachsen ist und sich von daher durch die Ethik hat begründen lassen. Für einen moralisch vertretbaren Tyrannenmord hieße das, dass Aussagen und Argumentationen dafür sprechen.


  • Es gibt Moralen, die nicht nur Pflichten gegen andere, sondern auch Pflichten gegen sich selbst kennen. Ihnen zufolge ist es bei- spielsweise eine Pflicht, seine eigenen Talente und Anlagen nicht verkümmern zu lassen, undzwar unabhängig davon, ob sie anderen zugute kommen könnten oder nicht.
    Dietmar Hübner ... Ethik und Moral
Ob ein solches Regelsystem von außen oder von innen gewachsen ist, würde ich allerdings davon abhängig machen, inwiefern man dazu seine eigenen Talente und Anlagen verwendet hat. Für den Tyrannenmord hieße das, inwiefern man selbst zu jenen Aussagen und Argumentationen gekommen ist, die ihn zu einem Anspruch auf unbedingte Gültigkeit haben werden lassen. Bestes Beispiel das Stauffenberg-Attentat und nicht zu vergessen Georg Elser und sein Attentat auf Hitler vom 8. November 1939 ..


  • "1939Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs Einsatz als Oberleutnant in einer Panzerdivision beim Überfall auf Polen. Peter Graf Yorck von Wartenburg und Ulrich Graf Schwerin von Schwanenfeld (1902-1944) bitten Stauffenberg, sich zum Adjutanten Walther von Brauchitschs, des Oberbefehlshabers des Heeres, ernennen zu lassen, um an einem Umsturzversuch teilzunehmen. Stauffenberg lehnt ab!
    Claus Schenk Graf von Stauffenberg 1907-1944


Auch Peter Graf Yorck von Wartenburg und Ulrich Graf Schwerin von Schwanenfeld hatten offenbar 1939 ähnliches vor. Was allerdings zu dieser Zeit von Staufenberg offenbar noch abgelehnt wurde.

Wie dem auch sei, all diese Vorhaben, gründeten sich insofern auf ein von außen gewachsenes Regelsystem, wie das es, wie im Fall von Staufenberg, von außen auf einem zukam.

Insofern man meiner Meinung nach Georg Elser, Peter Graf Yorck von Wartenburg und Ulrich Graf Schwerin von Schwanenfeld sehr viel mehr Beachtung schenken sollte, als Claus Schenk Graf von Stauffenberg. So wie von Hitler bis 1939 die Juden tyrannisiert wurden, so wäre ganz sicher schon damals ein Tyrannenmord moralisch vertretbar gewesen. Ganz abgesehen davon, dass nach dem Tyrannenmord von Georg Elser es erst gar zum Zweiten Weltkrieg gekommen wäre. Ein Zweiter Weltkrieg, der nach den gewonnenen Blitzkriegen von Stauffenberg möglicherweise noch ganz anders bewertet wurde.




Timberlake
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Mi 20. Aug 2025, 15:09

.. und so sei mir mal an dieser Stelle ein Gedenken an Georg Elser erlaubt ...
lpb-bw.de hat geschrieben : Georg Elser, der Widerstandskämpfer

Lange Zeit ist es auch nach 1945 schwierig gewesen, an Georg Elser und sein Attentat vom 8. November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller zu erinnern. Im Nachkriegsdeutschland wurde der Handwerker zunächst nicht als Widerstandskämpfer wahrgenommen. Lügen und Legenden verstellten den Blick auf jenen Mann, der früher als andere erkannt hatte, dass Hitlers Politik auf ein Ziel, auf Krieg hinauslief. Um dies zu verhindern, entschloss sich Elser zur Tat.

Georg Elser hat früh in seinem Leben ein ausgeprägtes Freiheitsgefühl und Unabhängigkeitsstreben entwickelt - Überzeugungen, die von den Nationalsozialisten extrem eingeschränkt wurden. Deshalb lehnt Elser das rechte Gedankengut von Anfang an ab. Er verweigert sogar konsequent den „Hitlergruß“, was seine Ablehnung auch in der Öffentlichkeit deutlich zum Ausdruck bringt.

Der gelernte Schreiner ist sich im September 1938 sicher, dass ein Weltkrieg – angezettelt durch die Nationalsozialisten – unvermeidbar ist. Deshalb beschließt Elser, die führenden Personen Hitler, Goebbels und Göring umzubringen, um das deutsche Volk und die ganze Welt zu retten. Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg, und Georg Elser sieht sich in seinem Vorhaben bestärkt.
Wo wir schon mal dabei sind ...

Wer Hitler wählt, wählt den Krieg
"( Schon ) im März 1933 brachte der Maler Jakob Textor am sogenannten Geometer-Haus in Mössingen die Aufschrift an: „Wer Hitler wählt, wählt Krieg!“ Dafür kam er in Untersuchungshaft."


Generalstreik gegen Hitler
Mössingen am 31. Januar 1933

Folgen des Streiks

"Drastischer verfuhr die Justiz gegen die Anführer des Streiks, die wegen der angeblichen "Vorbereitung zum Hochverrat" vor Gericht standen. Martin Maier wurde zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt, Hermann Ayen und Christoph Gauger zu zwei Jahren und Jakob Stotz zu zweieinhalb Jahren. Besonders hart wurde Fritz Wandel belangt. Er wurde zunächst zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, anschließend musste er bis 1943 ins Konzentrationslager Dachau und danach ins "Strafbataillon 999" an die Ostfront. In diesem speziellen Bataillon wurden Gegner des NS-Regimes gezielt an äußerst gefährlichen Abschnitten des Zweiten Weltkrieges eingesetzt.

In Briefen und Karten bekundeten Menschen aus Mössingen ihre private Freundschaft und politische Solidarität mit den Inhaftierten!"




Dazu nurmal zum Vergleich ..

Skandalprozess zum Hitlerputsch
Wer erwartet haben sollte, die Hochverräter würden gemäß Artikel 13 des Reichsgesetzes zum Schutz der Republik bestraft, sah sich eines Besseren belehrt, als am 1. April 1924 das Urteil verkündet wurde: Ludendorff wurde freigesprochen, Hitler und die anderen Angeklagten mit lächerlich geringen Haftstrafen bedacht, die sie »ehrenhaft« unter günstigen Bedingungen auf einer Festung absitzen sollten.


Nur um an dieser Stelle auf das aufmerksam zu machen, was einen Tyrannen überhaupt erst möglich macht.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 18. Aug 2025, 14:05
John Locke schreibt: „Wo das Gesetz endet, beginnt die Tyrannei.“
und nicht zu vergessen John Locke zu korrigieren . „Wo das Gesetz beginnt , beginnt u.U. die Tyrannei.“ Hätte man doch schon damals 1924, per Gesetz, den Tyrannen Hitler verhindern können.

Übersicht mit KI
"Der Prozess gegen Hitler und weitere Putschbeteiligte begann am 26. Februar 1924. Obwohl Hochverrat mit der Todesstrafe geahndet werden konnte, wurde Hitler zu einer vergleichsweise milden Strafe verurteilt"




Timberlake
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Mi 20. Aug 2025, 22:05

Timberlake hat geschrieben :
Mi 20. Aug 2025, 15:09
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 18. Aug 2025, 14:05
John Locke schreibt: „Wo das Gesetz endet, beginnt die Tyrannei.“
und nicht zu vergessen John Locke zu korrigieren . „Wo das Gesetz beginnt , beginnt u.U. die Tyrannei.“ Hätte man doch schon damals 1924, per Gesetz, den Tyrannen Hitler verhindern können.
Vielleicht habe ich mich da doch etwas missverständlich ausgedrückt somit ich einmal ergänze.

„Wo das Gesetz beginnt zu versagen, beginnt u.U. die Tyrannei.“

Würde ich doch meinen, dass John Locke das Ende von Gesetzen, mit dem Beginn der Tyrannei in Zusammenhang bringt und eben nicht in Folge des Versagens der Gesetze.

Dazu vielleicht passend ..
deutschlandfunk.de hat geschrieben :
Donald Trump: Die Justiz bekommt ihn nur schwer zu fassen

Anklage in Washington: Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten von Amerika
Dies ist wohl die schwerwiegendste Anklage gegen Donald Trump: Der ehemalige US-Präsident muss sich vor einem Bundesgericht wegen Versuchen der Einflussnahme auf das Ergebnis der Wahl 2020 und seine Rolle rund um den Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol verantworten. In der Anklageschrift wird Trump unter anderem Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten vorgeworfen.

Anhänger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestürmt. Davor hatte Trump auf verschiedenen Ebenen versucht, das Ergebnis der Präsidentenwahl von 2020 zu kippen und seine Niederlage gegen Joe Biden umzukehren.

Die Pflichten des Präsidenten
Trumps Anwälte wollten erreichen, dass die Anklage in Washington fallen gelassen wird. Sie argumentierten, dass Trump nicht rechtlich für Taten belangt werden kann, die zu seinen Pflichten als Präsident gehörten. Damit scheiterten sie allerdings vor einem Berufungsgericht.

Zuvor hatte auch die zuständige Richterin in dem Fall das Argument zurückgewiesen. Trumps Anwälte reichten Berufung ein, der Fall landete vor dem Supreme Court. Dieser fällte dann ein historisches Urteil: Ehemalige Präsidenten sind demnach für offizielle Handlungen im Amt vor Strafverfolgung geschützt.
In dem nach einer Entscheidung des Supreme Court, wohlgemerkt des obersten Gerichtshofs der USA, ehemalige Präsidenten, für offizielle Handlungen im Amt, vor Strafverfolgung geschützt sind, bestehen naturgemäß die allerbesten Voraussetzungen für den Beginn einer Tyrannei. Muss doch infolgedessen ein Tyrann nicht mehr befürchten als solches später zur Verantwortung gezogen zu werden.

«Er befiehlt dem Seal Team der Navy, einen politischen Rivalen umzubringen? Immun. Er organisiert einen Militärcoup, um an der Macht zu bleiben? Immun. Er nimmt Bestechungsgeld an im Tausch gegen eine Begnadigung? Immun. Immun, immun, immun.»
Sonia Sotomayor .. Richterin am Obersten Gerichtshof der USA



Begnadigung hunderter Straftäter der Kapitol-Attacke
"Kurz nach der Begnadigung hunderter Straftäter der Kapitol-Attacke durch den neuen US-Präsidenten Donald Trump sind viele Verurteilte auf freiem Fuß - und triumphieren.
Darunter sind Leute, die damals brutal auf Polizisten und andere Sicherheitskräfte einprügelten. Auch die bekanntesten Beschuldigten mit den höchsten Haftstrafen - die früheren Frontmänner der beiden rechtsradikalen Gruppen "Oath Keepers" und "Proud Boys", Stewart Rhodes und Henry "Enrique" Tarrio - kamen nur Stunden nach Trumps Amtsantritt frei"




Timberlake
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Mi 20. Aug 2025, 23:09

Was will ich mit all dem sagen: Für Tyrannen hat nicht ein Mörder , sondern die Justiz zuständig zu sein. Somit sich für mich vielmehr die Frage stellt, ist das Versagen der Justiz, im Umgang mit Tyrannen, moralisch vertretbar.




Burkart
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Do 21. Aug 2025, 01:02

Timberlake hat geschrieben :
Mi 20. Aug 2025, 23:09
Was will ich mit all dem sagen: Für Tyrannen hat nicht ein Mörder , sondern die Justiz zuständig zu sein. Somit sich für mich vielmehr die Frage stellt, ist das Versagen der Justiz, im Umgang mit Tyrannen, moralisch vertretbar.
Und wenn die Justiz nun keinen Zugriff auf den Tyrannen hat? So wie wir z.B. auf Putin?



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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Jörn P Budesheim
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Genau deswegen arbeiten Tyrannen ja stets daran, die Justiz entscheidend zu schwächen.




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Jörn P Budesheim
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Apropos Mord. Sollte es Fälle geben, in denen Tyrannenmord erlaubt oder gar geboten wäre, dann wäre Tyrannenmord natürlich auch kein Mord, so wie Tötung in Notwehr sicher auch kein Mord ist.




Timberlake
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Do 21. Aug 2025, 16:19

Burkart hat geschrieben :
Do 21. Aug 2025, 01:02
Timberlake hat geschrieben :
Mi 20. Aug 2025, 23:09
Was will ich mit all dem sagen: Für Tyrannen hat nicht ein Mörder , sondern die Justiz zuständig zu sein. Somit sich für mich vielmehr die Frage stellt, ist das Versagen der Justiz, im Umgang mit Tyrannen, moralisch vertretbar.
Und wenn die Justiz nun keinen Zugriff auf den Tyrannen hat? So wie wir z.B. auf Putin?
Ich denke, es kommt ganz darauf an, ob es vor Putin eine unabhängige Justiz gegeben hat. Die von daher in der Lage war die Tyrannei Putins strafrechtlich zu verfolgen. Beispielsweise nach dem Modell eines Amtsenthebungsverfahrens wie in den USA.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 21. Aug 2025, 11:33
Genau deswegen arbeiten Tyrannen ja stets daran, die Justiz entscheidend zu schwächen.

Ein Amtsenthebungsverfahrens, dass übrigens dann für die Staatsanwalschaft eines Landes gegeben ist, wenn ein Tyrannen daran arbeitet, die Justiz entscheidend zu schwächen.

Dazu mal ein Beispiel aus der EU ..

Justiz und Verfassung in Polen
"Der Judikative kommt neben Exekutive und Legislative in der Demokratie eine besondere Bedeutung zu. Daher sind Eingriffe in die Judikative auch besonders problematisch. In autoritären Staaten ist die Judikative nicht unabhängig vom Staat und der politischen Macht. ..
Massiv verschlechtert hat sich das Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative allerdings erst mit dem Wiederantritt der PiS-Regierung, die mit einer absoluten Mehrheit im Parlament ausgestattet ist. Der PiS-Vorsitzende Kaczynski hat erklärt, dass für ihn Entscheidungen des Verfassungsgerichtes nicht bindend seien."




Timberlake
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Do 21. Aug 2025, 21:12

Was ich mich allerdings vor diesem Hintergrund , einer wohlgemerkt einer demokratischen Wahl wie in Polen, schon Frage, wie man denn unter diesen Umständen überhaupt von einer Tyrannei sprechen kann.



"Heute verstehen wir unter einem Tyrannen einen autoritären Alleinherrscher, dem man Recht, Demokratie und den Kampf um Gerechtigkeit entgegensetzen muss. Griechische Geschichtsschreiber dagegen priesen gerechte Tyrannen, zum Beispiel den Tyrannen Kleobulos von Lindos/Rhodos (6. Jhd. v. Chr.), der zu den Sieben Weisen der griechischen Antike zählt"


Andrea Günter




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Do 21. Aug 2025, 21:22

Was ich mich allerdings vor diesem Hintergrund , einer wohlgemerkt einer demokratischen Wahl wie in Polen, schon Frage, wie man denn unter diesen Umständen überhaupt von einer Tyrannei sprechen kann.


philosophie.ch hat geschrieben :
Der gerechte Tyrann, Wertekulturen und Verfassungen
By Andrea Günter

Heute verstehen wir unter einem Tyrannen einen autoritären Alleinherrscher, dem man Recht, Demokratie und den Kampf um Gerechtigkeit entgegensetzen muss. Griechische Geschichtsschreiber dagegen priesen gerechte Tyrannen, zum Beispiel den Tyrannen Kleobulos von Lindos/Rhodos (6. Jhd. v. Chr.), der zu den Sieben Weisen der griechischen Antike zählt.

In Platons Schrift Politeia nun findet sich ein Zusammenhang von Individuum, Begehren und politischer Gemeinschaft entwickelt, der erklären hilft, welches Potential in der Figur eines gerechten Tyrannen steckt. Hier wird verständlich, warum eine jede autoritäre Tyrannei unabdingbar an der Gerechtigkeit scheitern muss, was geradewegs die Vergeblichkeit despotischer Agitationen vor Augen führt, auch wenn diese kurz- oder mittelfristig erfolgreich sein können. Ferner wird erkennbar, dass das „Tyrannische“ tatsächlich eine neutrale Größe selbst in demokratischen Verhältnissen darstellen kann, eine, die diese sogar regelrecht brauchen. Für eine Zeit wie die unsere, die wieder zunehmend mit Despoten zu tun hat, außerdem mit solchen, die demokratisch gewählt werden, und zwar von Menschen, die nicht alle unbedingt die Demokratie abschaffen wollen, liefert Platons Ansatz also wichtige Einsichten. Zugleich eröffnet er Perspektiven dafür, was es heißen kann, Gerechtigkeit als Leitprinzip von gerade auch solchen Entwicklungen im Blick zu behalten.
Ich meine, das kann es ja wohl nicht sein, jemanden, der demokratisch gewählt wurde, mit dem Argument, dass er ein Despot und Tyrann sei, zu ermorden. Wo hier schon mal im Zusammenhang damit davon die Rede war, also der Notwehr, dann würde das ja wohl heißen, dass man sich im Zustand der Notwehr, gegenüber der Mehrheit einer Bevölkerung befände.

Dazu nur mal zur Erinnerung folgende "gute Nachricht für die Ukraine" ..
deutschlandfunk.de hat geschrieben : „Als einen demokratischen Politiker könnte man ihn nur schwer bezeichnen“

Friedbert Meurer: Die Ukraine hat am Sonntag gewählt und nächster Regierungschef wird der Mann, der 2004 noch Gegenspieler der orangenen Revolution war. Viktor Janukowitsch kommt laut amtlichem Endergebnis auf fast 49 Prozent der Stimmen, seine Gegnerin Julia Timoschenko erzielte nur etwa 45 bis 46 Prozent. Die Frau mit dem berühmten Haarkranz protestiert, bei den Wahlen sei gefälscht worden, aber die OSZE sagt, ganz im Gegenteil, der Urnengang sei „vorbildlich demokratisch gewesen“.

Durkot: .. Auf jeden Fall ist der Unterschied zu dem Jahr 2004, dass die Menschen im anderen Teil der Ukraine den Wahlsieg von Janukowitsch akzeptiert haben, aber das war auch zu erwarten, nachdem die Wahlen nach allgemeiner Einschätzung frei und demokratisch waren, und das ist auch die gute Nachricht für die Ukraine.




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Jörn P Budesheim
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Fr 24. Okt 2025, 14:51

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 11. Aug 2025, 20:19
Ist Tyrannenmord moralisch vertretbar?
Wenn man mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen könnte und den jungen Adolf Hitler umbringen könnte, mit der Gewissheit, dass damit das dritte Reich verhindert würde, dürfte man das tun?




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Flame
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Fr 24. Okt 2025, 22:09

Nicht nur moralisch vertretbar, sondern moralisch richtig und konsequent.
Aber was macht jemanden zu einem Tyrannen?
Was ist die korrekte Definition dafür?

Gegenteil eines Tyrannen

Ein echter Führender ist nicht der, der dominiert, sondern der dient – mit Verantwortung, Demut und dem Wunsch, zu schützen. Das spiegelt sich auch in meinem Prinzip der dienenden Stärke:

„Ich stehe nur über jemandem, wenn ich bereit bin, mich danach wieder neben ihn zu stellen.“



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Flame
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Fr 24. Okt 2025, 22:37

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 24. Okt 2025, 14:51
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 11. Aug 2025, 20:19
Ist Tyrannenmord moralisch vertretbar?
Wenn man mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen könnte und den jungen Adolf Hitler umbringen könnte, mit der Gewissheit, dass damit das dritte Reich verhindert würde, dürfte man das tun?
Mal davon abgesehen, dass das total abwegig ist. Wie würde sich dadurch die Zukunft verändern? Mit welchen unvorhersehbaren Konsequenzen wäre zu rechnen?
Schmetterlingseffekt, Chaostheorie, Eine Abzweigung zu einer anderen Realität ?



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Sa 25. Okt 2025, 00:13

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 11. Aug 2025, 20:19
Ist Tyrannenmord moralisch vertretbar?
Flame hat geschrieben :
Fr 24. Okt 2025, 22:09
Nicht nur moralisch vertretbar, sondern moralisch richtig und konsequent.
Aber was macht jemanden zu einem Tyrannen?
Was ist die korrekte Definition dafür?
Ein wahrer König (王) ist ein Hüter des Volkes, ein Vorbild. Er ist nie durch Gewalt oder Erbrecht allein legitimiert, sondern zuerst durch seine Tugend (德).

Ein Tyrann (暴君) hingegen, der sein Volk quält, verliert sein himmlisches Mandat (天命) und bricht seinen Vertrag mit dem Volk (民). Es ist ein Akt kosmischer Anmaßung: Er zwingt sein Volk, in Unnatur zu leben, um so die himmlische Ordnung (天道) durch seinen eigenen Willen zu ersetzen.

Dadurch verliert er seinen Status als "König" und wird zu einem Verbrecher, einem "einsamen Mann" (一夫), der rechtmäßig hingerichtet werden darf. (Mengzi (孟子), ca. 372–289 v. Chr.)




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Sa 25. Okt 2025, 00:29

Flame hat geschrieben :
Fr 24. Okt 2025, 22:09
Nicht nur moralisch vertretbar, sondern moralisch richtig und konsequent.
Aber was macht jemanden zu einem Tyrannen?
Was ist die korrekte Definition dafür?

Gegenteil eines Tyrannen

Ein echter Führender ist nicht der, der dominiert, sondern der dient – mit Verantwortung, Demut und dem Wunsch, zu schützen. Das spiegelt sich auch in meinem Prinzip der dienenden Stärke:

„Ich stehe nur über jemandem, wenn ich bereit bin, mich danach wieder neben ihn zu stellen.“
Also Putin weg? Auch Trump?



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Sa 25. Okt 2025, 00:41

Burkart hat geschrieben :
Sa 25. Okt 2025, 00:29
Flame hat geschrieben :
Fr 24. Okt 2025, 22:09
Nicht nur moralisch vertretbar, sondern moralisch richtig und konsequent.
Aber was macht jemanden zu einem Tyrannen?
Was ist die korrekte Definition dafür?

Gegenteil eines Tyrannen

Ein echter Führender ist nicht der, der dominiert, sondern der dient – mit Verantwortung, Demut und dem Wunsch, zu schützen. Das spiegelt sich auch in meinem Prinzip der dienenden Stärke:

„Ich stehe nur über jemandem, wenn ich bereit bin, mich danach wieder neben ihn zu stellen.“
Also Putin weg? Auch Trump?
Das Volk entscheidet, Tyrann ja oder Tyrann nein.
Daumen hoch , oder Daumen runter.
Berühmte Beispiele: Die französische Revolution, Ceaușescu, Mussolini

Aber hey, ich habe mit diesem Thema nicht angefangen. :D



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Flame hat geschrieben :
Sa 25. Okt 2025, 01:59
Was weiß das Volk schon? Es gibt keine Schwarmintelligenz, nur Schwarmdummheit!
"Democracy basically means of the people, for the people, by the people. But the people are Retarded" -Rajneesh Osho
Das Volk (民) ist das Wertvollste im Staat, die Geister der Erde und des Getreides (社稷) folgen an zweiter Stelle; am leichtesten wiegt der Fürst (君). (Mengzi (孟子), ca. 372–289 v. Chr.)




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