Moralisierung

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
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Jörn Budesheim
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Sa 20. Mai 2023, 12:01

Und noch mal: es geht bei dem, was ich weiter oben schreibe, nicht um heuristische oder epistemische Fragen, sondern um einen fundamental logischen Sachverhalt, um den Satz vom zu vermeidenden Widerspruch, denn weiter oben wurde schließlich wiederholt implizit behauptet, dass das was richtig ist, zugleich in derselben Hinsicht auch falsch sein kann. Und das ist ausgeschlossen.

Das Problem ergibt sich dadurch, dass die verschiedenen Moralbegriffe nicht unterschieden werden, sondern alle in einen Topf geworfen werden.




Burkart
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Sa 20. Mai 2023, 12:02

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 11:56
Logik wird nicht eingesetzt, so wenig wie Moral eingesetzt wird.
Wird Logik eher "benutzt" für dich? Oder nicht mal das?
Wenn man z.B. Trump-Aussagen als Lüge entlarven will, sollte man da nicht sinnvollerweise logisch herangehen (statt emotional)? Das sehe ich als "Logik einsetzen".



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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Sa 20. Mai 2023, 12:04

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 12:01
Und noch mal: es geht bei dem, was ich weiter oben schreibe, nicht um heuristische oder epistemische Fragen, sondern um einen fundamental logischen Sachverhalt, um den Satz vom zu vermeidenden Widerspruch, denn weiter oben wurde schließlich wiederholt implizit behauptet, dass das was richtig ist, zugleich in derselben Hinsicht auch falsch sein kann. Und das ist ausgeschlossen.
Rein logisch hast du selbstverständlich recht. Die Frage ist nur, oben das (Aussagen/Fragen) weiter oben auch so gemeint war und nicht z.B. inhaltlich anzweifelbar/differenzierbar oder so.



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Jörn Budesheim
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Sa 20. Mai 2023, 12:05

Logik wird nicht benutzt oder eingesetzt, man kann logische Sachverhalte erkennen und ihnen folgen oder sie verfehlen.




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Jörn Budesheim
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Sa 20. Mai 2023, 12:13

Burkart hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 12:04
differenzierbar
Genau darum geht es doch, die Differenzierungen fehlen eben. In dem einen Satz wird der Begriff "Moral" so verwendet, im nächsten anders und im dritten wiederum anders etc. p.p.

Gewisse Moralvorstellungen oder Konventionen kann man beispielsweise instrumentalisieren, aber nicht die Moral. Es kann auch kein zu viel an Moral geben, es kann höchstens ein zuviel an Moral-Diskurs geben. Wenn aber nie kenntlich gemacht wird, was gerade unter dem Begriff Moral verstanden wird und es in jedem Satz etwas anderes ist, dann hat man ein kleines Problem ...




Timberlake
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Do 25. Mai 2023, 01:10

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 15. Mai 2023, 07:49
Das ist natürlich mehr oder weniger unverständlich. Wie auch immer: Kannst Du Quellen nennen, die diese Begriffsverwendung belegen? Dein Schabernack erinnert mich übrigens ein wenig an "Ein Tisch ist ein Tisch" von Peter Bichsel, wo ein einsamer älterer Herr alle Dinge um ihn herum umbenennt. Wer nicht verstanden werden will, sollte auf solche eigenwillige Begriffsverwendung setzen. Du und Timberlake - ihr seid ein ideales Paar.
Auf dieses Gedicht von Peter Bichsel hatte ich mich übrigens zu einer anderen Zeit, in anderem Forum bezogen, um einen User Namens Philzer auf seine Begriffsverirrungen hinzuweisen. Möglicherweise wird sich Groot daran noch erinnern. Das mal nur so nebenbei.

Was den "Rest" betrifft , so habe mit unter schon den Eindruck , dass man unter Vorgabe " es kann nicht sein, was nicht sein darf" , mich vielmehr nicht verstehen will.
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 6. Mai 2023, 10:54
Hier vielleicht die einleitenden Seiten des Buches von Christian Neuhäuser / Christian Seidel haben in "Was ist Moralismus? Über Zeigefinger und den Ort der Moral", um das Thema zu illustrieren:
Nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt scheint zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein. Ganz gleich, ob bio-regional-vegane Ernährung, flugschamloses Reiseverhalten, fair gehandelte Produkte, inklusive Sprache, Straßennamen und Denkmäler, schlüpfriger Humor, Gedichte und die Berechtigung, diese zu übersetzen, Treuepflichten gegenüber lokalen Unternehmen oder Solidaritätsappelle im Zusammenhang mit Impfungen und sozialen Kontakten: Angeblich gehe es überall um moralisch richtig oder moralisch falsch. Schon der kleinste Fehltritt könne mahnende Zeigefinger, anprangernde Vorwürfe oder eben einen (digitalen) Sturm der Entrüstung auslösen. Entsprechend ist es zur publizistischen Mode geworden, »einen Jargon aufgekratzter Moralität«, »Helikoptermoral«, »Gutmenschentum«, sogenannten »Tugendterror«, »Moralisierungsüberschuss« oder auch eine »Übermoralisierung gesellschaftlicher Debatten« zu beklagen. Schnell sind dann auch Gründe zur Hand, warum dieser zunehmende Moralismus ein Übel sei: Er stigmatisiere bestimmte Gruppen, vergifte öffentliche (einschließlich universitäre) Debatten oder bedrohe gar die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit.
Warum scheint denn nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein , so das schon der kleinste Fehltritt mahnende Zeigefinger, anprangernde Vorwürfe oder eben einen (digitalen) Sturm der Entrüstung auslösen kann? Welche Lebenswelt , wohlgemerkt jenseits aller Moralität , könnte denn dafür verantwortlich sein? Dazu ein Tipp ... "Sprache, Straßennamen und Denkmäler, schlüpfriger Humor, Gedichte und die Berechtigung, diese zu übersetzen, Treuepflichten gegenüber lokalen Unternehmen oder Solidaritätsappelle im Zusammenhang mit Impfungen und sozialen Kontakten" .. gehören dieser Lebenswelt ganz sicher nicht an.
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 12:05
Logik wird nicht benutzt oder eingesetzt, man kann logische Sachverhalte erkennen und ihnen folgen oder sie verfehlen.
.. wenn schon denn schon logische Sachverhalte , die man erkennen bzw. verstehen könnte , wenn man denn "will".




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NaWennDuMeinst
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Do 25. Mai 2023, 19:57

Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Mai 2023, 01:10
Warum scheint denn nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein , so das schon der kleinste Fehltritt mahnende Zeigefinger, anprangernde Vorwürfe oder eben einen (digitalen) Sturm der Entrüstung auslösen kann? Welche Lebenswelt , wohlgemerkt jenseits aller Moralität , könnte denn dafür verantwortlich sein? Dazu ein Tipp ... "Sprache, Straßennamen und Denkmäler, schlüpfriger Humor, Gedichte und die Berechtigung, diese zu übersetzen, Treuepflichten gegenüber lokalen Unternehmen oder Solidaritätsappelle im Zusammenhang mit Impfungen und sozialen Kontakten" .. gehören dieser Lebenswelt ganz sicher nicht an.
Meine Theorie dazu: Das ist selektive Wahrnehmung. Moral die sich an Andere richtet nimmt man weniger (als störend) wahr als Moral die etwas von einem selbst einfordert. Besonders dann wenn man nicht bereit ist auf die Forderungen einzugehen.
Die Stoßrichtung der Moral hat sich geändert. Plötzlich richtet sich Moral nicht mehr nur an Frauen oder an Ausländer, sondern auch an Leute die bisher eher gewohnt waren nicht zu den "Adressaten" zu gehören.
Und darüber sind sie nun empört und wittern überall "Moralattacken".
Dabei hat sich der moralische Wind nur gedreht. Jettzt sind einfach mal Andere gefordert ihr Vehalten zu ändern.
Und das stinkt ihnen. Ändern sollen sich nämlich nur die Anderen (und zwar so wie man sie gerne hätte).

Es gibt nicht plötzlich mehr Moral, sondern eine andere die man nicht will.
Darum dreht sich letztlich die Aufregung. Das Problem: Da man die Moral selbst nicht kritisieren kann (ohne als Arschloch zu gelten) versucht man es eben auf anderem Wege die berechtigten Forderugen zu bekämpfen und zu unterdrücken.
Zum Beispiel mit Morailisierungsgeschrei.

Wenn Dir die gemachten Forderungen an Dich nicht gefallen, dann finde Argumente warum sie unangebracht sind.
Einfach nur "Zu viele Forderungen!" zu schreien ist kein gutes Argument.



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Timberlake
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Sa 27. Mai 2023, 01:49

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Do 25. Mai 2023, 19:57
Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Mai 2023, 01:10
Warum scheint denn nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein , so das schon der kleinste Fehltritt mahnende Zeigefinger, anprangernde Vorwürfe oder eben einen (digitalen) Sturm der Entrüstung auslösen kann? Welche Lebenswelt , wohlgemerkt jenseits aller Moralität , könnte denn dafür verantwortlich sein? Dazu ein Tipp ... "Sprache, Straßennamen und Denkmäler, schlüpfriger Humor, Gedichte und die Berechtigung, diese zu übersetzen, Treuepflichten gegenüber lokalen Unternehmen oder Solidaritätsappelle im Zusammenhang mit Impfungen und sozialen Kontakten" .. gehören dieser Lebenswelt ganz sicher nicht an.
Meine Theorie dazu: Das ist selektive Wahrnehmung. Moral die sich an Andere richtet nimmt man weniger (als störend) wahr als Moral die etwas von einem selbst einfordert. Besonders dann wenn man nicht bereit ist auf die Forderungen einzugehen.

Die Stoßrichtung der Moral hat sich geändert. Plötzlich richtet sich Moral nicht mehr nur an Frauen oder an Ausländer, sondern auch an Leute die bisher eher gewohnt waren nicht zu den "Adressaten" zu gehören.
Und darüber sind sie nun empört und wittern überall "Moralattacken".
Um diese "selektive Wahrnehmung" noch einmal an dem Zitat von Jörn bzw. aus dem Buch von Christian Neuhäuser / Christian Seidel festzumachen ....
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 6. Mai 2023, 10:54
Hier vielleicht die einleitenden Seiten des Buches von Christian Neuhäuser / Christian Seidel haben in "Was ist Moralismus? Über Zeigefinger und den Ort der Moral", um das Thema zu illustrieren:
Nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt scheint zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein. Ganz gleich, ob bio-regional-vegane Ernährung, flugschamloses Reiseverhalten, fair gehandelte Produkte, inklusive Sprache, Straßennamen und Denkmäler, schlüpfriger Humor, Gedichte und die Berechtigung, diese zu übersetzen, Treuepflichten gegenüber lokalen Unternehmen oder Solidaritätsappelle im Zusammenhang mit Impfungen und sozialen Kontakten: Angeblich gehe es überall um moralisch richtig oder moralisch falsch. Schon der kleinste Fehltritt könne mahnende Zeigefinger, anprangernde Vorwürfe oder eben einen (digitalen) Sturm der Entrüstung auslösen. Entsprechend ist es zur publizistischen Mode geworden, »einen Jargon aufgekratzter Moralität«, »Helikoptermoral«, »Gutmenschentum«, sogenannten »Tugendterror«, »Moralisierungsüberschuss« oder auch eine »Übermoralisierung gesellschaftlicher Debatten« zu beklagen. Schnell sind dann auch Gründe zur Hand, warum dieser zunehmende Moralismus ein Übel sei: Er stigmatisiere bestimmte Gruppen, vergifte öffentliche (einschließlich universitäre) Debatten oder bedrohe gar die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit.
was würde für die Moral, die etwas von einem selbst einfordert , mehr stehen , als die Forderung nach einer bio-regional-vegane Ernährung, nach den Kauf von fair gehandelten Produkten und das Aufmerkdsammachen auf ein flugschamloses Reiseverhalten?
Timberlake hat geschrieben :
Do 25. Mai 2023, 01:10

Warum scheint denn nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein , so das schon der kleinste Fehltritt mahnende Zeigefinger, anprangernde Vorwürfe oder eben einen (digitalen) Sturm der Entrüstung auslösen kann? Welche Lebenswelt , wohlgemerkt jenseits aller Moralität , könnte denn dafür verantwortlich sein? Dazu ein Tipp ... "Sprache, Straßennamen und Denkmäler, schlüpfriger Humor, Gedichte und die Berechtigung, diese zu übersetzen, Treuepflichten gegenüber lokalen Unternehmen oder Solidaritätsappelle im Zusammenhang mit Impfungen und sozialen Kontakten" .. gehören dieser Lebenswelt ganz sicher nicht an.
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 12:05
Logik wird nicht benutzt oder eingesetzt, man kann logische Sachverhalte erkennen und ihnen folgen oder sie verfehlen.
.. wenn schon denn schon logische Sachverhalte , die man erkennen bzw. verstehen könnte , wenn man denn "will".
Das meinte ich übrigens mit den logischen Sachverhalten , die man erkennen bzw. verstehen könnte , wenn man denn "will". Weil diese logischen Sachverhalten in der Regel verfehlt werden , so ist man von daher tatsächlich schnell mit Gründen bei der Hand , warum dieser zunehmende Moralismus dieser Gruppen , die ihnen Folgen ein Übel sei: Er stigmatisiere bestimmte Gruppen, vergifte öffentliche (einschließlich universitäre) Debatten oder bedrohe gar die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit.
Zuletzt geändert von Timberlake am Sa 27. Mai 2023, 02:20, insgesamt 1-mal geändert.




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NaWennDuMeinst
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Sa 27. Mai 2023, 02:19

Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 01:49
Das meinte ich übrigens ...
Leider verstehe ich nach dem Lesen Deiner Beiträge nicht was Du eigentlich meinst.
Wofür steht das was Du schreibst?

Ich frage mal: Bist Du auch der Ansicht, dass wir in einer Zeit der Moralisierung leben?
Ist diese "Diagnose" Deiner Meinung nach zutreffend?
Ich glaube das nämlich nicht. Ich halte diesen Vorwurf für ein reines Abwehrverhalten, um sich nicht mit den moralischen Forderungen unserer Zeit auseinandersetzen zu müssen. Anstatt auf die Forderungen in irgend einer Form einzugehen, werden sie einfach als illegitime Moralisierung abgetan.



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Timberlake
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Sa 27. Mai 2023, 02:37

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 02:19
Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 01:49
Das meinte ich übrigens ...
Leider verstehe ich nach dem Lesen Deiner Beiträge nicht was Du eigentlich meinst.
.
ok .. denke dir doch einfach mal die Zitate , auf die ich mich in meinen Beitrag bezogen habe , wie im folgenden weg ..
  • " was würde für die Moral, die etwas von einem selbst einfordert , mehr stehen , als die Forderung nach einer bio-regional-vegane Ernährung, nach den Kauf von fair gehandelten Produkten und das Aufmerksammachen auf ein flugschamloses Reiseverhalten? "
Wenn hier .. ich zitiere .. von bio-regional-vegane Ernährung, von fair gehandelten Produkten und ein flugschamloses Reiseverhalten die Rede ist ...
  • " Das meinte ich übrigens mit den logischen Sachverhalten , die man erkennen bzw. verstehen könnte , wenn man denn "will". Weil diese logischen Sachverhalten in der Regel verfehlt werden , so ist man von daher tatsächlich schnell mit Gründen bei der Hand , warum diese zunehmende Moralismus dieser Gruppen , die ihnen Folgen ein Übel sei: Er stigmatisiere bestimmte Gruppen, vergifte öffentliche (einschließlich universitäre) Debatten oder bedrohe gar die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit."
.. dann meinte ich .. das ! ... mit den logischen Sachverhalten. Das hinter bio-regional-vegane Ernährung, fair gehandelte Produkten und flugschamloses Reiseverhalten logische Sachverhalte stehen , sollte doch außer Frage stehen! .. Oder? Ich kann dir aber auch gerne die logischen Sachverhalte erklären.




Timberlake
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Sa 27. Mai 2023, 03:05

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 02:19

Ich frage mal: Bist Du auch der Ansicht, dass wir in einer Zeit der Moralisierung leben?
Ist diese "Diagnose" Deiner Meinung nach zutreffend?
Ich glaube das nämlich nicht. Ich halte diesen Vorwurf für ein reines Abwehrverhalten, um sich nicht mit den moralischen Forderungen unserer Zeit auseinandersetzen zu müssen. Anstatt auf die Forderungen in irgend einer Form einzugehen, werden sie einfach als illegitime Moralisierung abgetan.
wohlgemerkt "moralischen Forderungen unserer Zeit" , die auf logische logische Sachverhalte beruhen ..
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 12:05
Logik wird nicht benutzt oder eingesetzt, man kann logische Sachverhalte erkennen und ihnen folgen oder sie verfehlen.


logische Sachverhalte , wie dem , dass man , wenn man beispielsweise mit dem Flieger nach Mallorca fliegt , schon mehr als ein Drittel seines Jahresbudgets an den CO2-Emissionen verbraucht hat .. .
  • Malle lieber kein-mal im Jahr?
    Um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, steht nach Hochrechnungen der Klimaschutzorganisation Atmosfair jedem Menschen rechnerisch noch ein CO2-Gesamtbudget von 47,7 t zur Verfügung. Aktuell liegen die durchschnittlichen CO2-Emissionen in Deutschland bei 11,2 t pro Person. Unser Budget wäre also schon in gut 4 Jahren aufgebraucht, wenn wir nichts ändern. Betrachtet man nun Urlaubsreisen, haben diese einen deutlichen Einfluss auf unsere Klimabilanz. Die Flugstrecke nach Mallorca und zurück beträgt rund 2900 Kilometer. Mit den o.g. Werten entspricht dies 0,6 t CO2-Äquivalenten pro Person.

    Nimmt man unser verbleibendes Restbudget an CO2 und teilt es auf die Jahre bis 2050 auf, dürften wir im Mittel jedes Jahr nur noch 1,5 t CO2 freisetzen. Mit einer einzigen Reise nach Mallorca hätten wir schon mehr als ein Drittel unseres Jahresbudgets verbraucht.
Anstatt deshalb auf die moralische Forderungen, den Flug nach Mallorca zu unterlassen , einzugehen, wird sie einfach als illegitime Moralisierung abgetan. Als solches Moralisierung tatsächlich ein reines Abwehrverhalten ist , um sich nicht mit den moralischen Forderungen unserer Zeit auseinandersetzen zu müssen.




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Sa 27. Mai 2023, 09:05

Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 02:37
Ich kann dir aber auch gerne die logischen Sachverhalte erklären.
Das wäre schön. Sprich doch einfach mal selber, anstatt die ganze Zeit nur in Zitaten.
Dein Gesprächspartner kann sonst immer nur raten wie Du die von dir zitierten Stellen auffasst.



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Sa 27. Mai 2023, 09:10

Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 03:05
Anstatt deshalb auf die moralische Forderungen, den Flug nach Mallorca zu unterlassen , einzugehen, wird sie einfach als illegitime Moralisierung abgetan. Als solches Moralisierung tatsächlich ein reines Abwehrverhalten ist , um sich nicht mit den moralischen Forderungen unserer Zeit auseinandersetzen zu müssen.
Das meinte ich.
Jemand der der Meinung wäre, dass der Vorwurf unangebracht ist, könnte zum Beispiel Folgendes erwidern:

"Stimmt, ich fliege einmal im Jahr in den Urlaub. Aber dafür habe ich kein Auto und fahre mit dem Fahrrad" usw.

In der Gesamtbilanz emmitiert er deshalb vielleicht weniger Co2 als Jemand der sich die Flugreise spart, dafür aber jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fährt.
Stattdessen aber kommt als Antwort nur: "Bleib mir weg mit deiner Moral".
Es wird also auf den Vorwurf (und die Fakten dahinter) gar nicht eingegangen. Er wird einfach nur abgetan als "unzulässige Moralisierung".
Der Andere will über das was vorgetragen wird gar nicht nachdenken.



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Sa 27. Mai 2023, 10:11

Man könnte also genauso gut konstatieren, dass wir in einer Zeit der Moralverweigerung leben, in der jede berechtigte Aufforderung zum Nachdenken über das eigene Verhalten mit dem "Moralisierung"-Vorwurf zurückgewiesen wird.



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Mo 29. Mai 2023, 01:03

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Sa 27. Mai 2023, 10:11
Man könnte also genauso gut konstatieren, dass wir in einer Zeit der Moralverweigerung leben, in der jede berechtigte Aufforderung zum Nachdenken über das eigene Verhalten mit dem "Moralisierung"-Vorwurf zurückgewiesen wird.
Ich ergänze ..
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 6. Mai 2023, 10:54
Hier vielleicht die einleitenden Seiten des Buches von Christian Neuhäuser / Christian Seidel haben in "Was ist Moralismus? Über Zeigefinger und den Ort der Moral", um das Thema zu illustrieren:
Nahezu jeder Bereich unserer Lebenswelt scheint zu einem moralisch verminten Gelände geworden zu sein. ..
"Moralisierung"-Vorwurf ist eines der Mittel der Wahl , um ein von Moralisten vermintes Gelände von selbigen zu räumen , um ...
transfinitum hat geschrieben :
So 12. Dez 2021, 15:03

Der Sinn der Moralisierung liegt wohl kaum an der Wahrung der menschlichen Unversehrtheit oder der Pflege der Nächstenliebe. Das ist absurd in einer seit jeher bestehenden Gesellschaft der Egokratie. Eher gleicht die Moralisierung einer Instrumentalisierung zur Machterhaltung derjenigen, die Böses ausüben und auch weiterhin tun wollen.
... um gemäß einer, seit jeher bestehenden Gesellschaft der Egokratie weiterhin Böses tun zu wollen. Wenn gleich so von transfinitum ganz sicher nicht gemeint.

transfinitum hat geschrieben :
So 12. Dez 2021, 15:03

Warum wird die Menschheit durch eine in den täglichen Verhaltenskodex subtil eingeflochtene Moral konditioniert?
Besonders stark erkennt man Moral-Propaganda in Märchen oder Erzählungen (damit man auch direkt im Kindesalter mit der Konditionierung beginnen kann). Der, der fleißig und brav und systemhörig ist, wird belohnt. Der, der Autoritäten verneint, Vorgaben anzweifelt und faul ist, wird bestraft.
Dem Menschen wird damit antrainiert, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man etwas tut, was nicht den gängigen Moralvorstellungen entspricht.
So sollte man schon darauf achten , an wen man sich mit seinem "Moralisierung"-Vorwurf wendet . Autoritäten damit zu verneinen , weil man deren Vorgaben anzweifelt kann schon mal Lebensgefährlich sein. Bei s.g. Gutmenschen, jenseits aller Autoritäten und jenseits aller Ambitionen dazu , ist dergleichen jedenfalls nicht zu befürchten.

So wäre beispielsweise seiner Zeit, im real exitierenden Sozialismus, eine solche Verneinung der Autoritäten , mittels "Moralisierung"-Vorwurf mitunter durchaus angebracht gewesen.

Mit einer s.g. Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit wurde dem Menschen dort über immerhin 40 Jahren tatsächlich antrainiert, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man etwas tut, was nicht den gängigen "sozialistischen" Moralvorstellungen entspricht. Gefruchtet hat es indes herzlich wenig , wenn man sich denn vergegenwärtigt , wie seiner Zeit mit dem skandieren von "Wir sind das Volk" , dieses System 1989 ein jähes Ende fand.




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Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 20. Mai 2023, 08:30
Man darf jedoch die Gesetze der Logik nicht außer Acht lassen, wenn man von Moral spricht. Das Richtige kann nicht zugleich und in derselben Hinsicht das Falsche sein. Das ist logisch ausgeschlossen. Deshalb ist es logisch unmöglich, die Moral zu instrumentalisieren.
ja, das stimmt. Moral an sich ist nicht falsch. Vermutlich ging das aus meinen Beiträgen missdeutlich hervor. Aus meinen persönlichen Beobachtungen aus der Arbeitswelt geht jedoch hervor, dass Moral Diener der Macht ist. Auch lies ich vergleichendes im Eichmann-Prozess, von welchem Hannah Arendt von der Banalität des Bösen berichtet. Die Massentransporte im Krieg wurden von Eichmann im besten moralischen Gewissen in Erfüllung des Arbeitsauftrages ausgeführt. Er tat "nur" seinen Job, was davor und danach mit den Personen passierte, die er transportierte, steht ausserhalb seines Interesses, da dies nicht Inhalt des Arbeitsauftrages war.



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Timberlake hat geschrieben :
Mo 29. Mai 2023, 01:03


So sollte man schon darauf achten , an wen man sich mit seinem "Moralisierung"-Vorwurf wendet . Autoritäten damit zu verneinen , weil man deren Vorgaben anzweifelt kann schon mal Lebensgefährlich sein. Bei s.g. Gutmenschen, jenseits aller Autoritäten und jenseits aller Ambitionen dazu , ist dergleichen jedenfalls nicht zu befürchten.

So wäre beispielsweise seiner Zeit, im real exitierenden Sozialismus, eine solche Verneinung der Autoritäten , mittels "Moralisierung"-Vorwurf mitunter durchaus angebracht gewesen.

Mit einer s.g. Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit wurde dem Menschen dort über immerhin 40 Jahren tatsächlich antrainiert, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man etwas tut, was nicht den gängigen "sozialistischen" Moralvorstellungen entspricht. Gefruchtet hat es indes herzlich wenig , wenn man sich denn vergegenwärtigt , wie seiner Zeit mit dem skandieren von "Wir sind das Volk" , dieses System 1989 ein jähes Ende fand.
ja, in Diktaturen rollen durch Autoritätsmißachtung direkt Köpfe. Das ist ja nicht neu und das Prinzip sieht man ja auch in anderen Kontexten.
bzgl. Erziehung...da fällt mir ein Beispiel ein, welches mir mein Vater erzählt hatte. Hat nichts direkt mit Moralisierung zu tun, aber mit Einhaltung von Standards/Normen... er war Linkshändler und in der Schule wurde er gezwungen, den Standard Rechtshändler zu sein, zu erlernen. Immer wenn er seine linke Hand zum Schreiben nutzte, wurde er mit einem Stock auf die linke Hand geschlagen. Irgendwann wurde er zum Rechtshändler.



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Mo 29. Mai 2023, 11:04

transfinitum hat geschrieben :
Mo 29. Mai 2023, 07:14
Timberlake hat geschrieben :
Mo 29. Mai 2023, 01:03


So sollte man schon darauf achten , an wen man sich mit seinem "Moralisierung"-Vorwurf wendet . Autoritäten damit zu verneinen , weil man deren Vorgaben anzweifelt kann schon mal Lebensgefährlich sein. Bei s.g. Gutmenschen, jenseits aller Autoritäten und jenseits aller Ambitionen dazu , ist dergleichen jedenfalls nicht zu befürchten.

So wäre beispielsweise seiner Zeit, im real exitierenden Sozialismus, eine solche Verneinung der Autoritäten , mittels "Moralisierung"-Vorwurf mitunter durchaus angebracht gewesen.

Mit einer s.g. Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit wurde dem Menschen dort über immerhin 40 Jahren tatsächlich antrainiert, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man etwas tut, was nicht den gängigen "sozialistischen" Moralvorstellungen entspricht. Gefruchtet hat es indes herzlich wenig , wenn man sich denn vergegenwärtigt , wie seiner Zeit mit dem skandieren von "Wir sind das Volk" , dieses System 1989 ein jähes Ende fand.
ja, in Diktaturen rollen durch Autoritätsmißachtung direkt Köpfe. Das ist ja nicht neu und das Prinzip sieht man ja auch in anderen Kontexten.
bzgl. Erziehung...da fällt mir ein Beispiel ein, welches mir mein Vater erzählt hatte. Hat nichts direkt mit Moralisierung zu tun, aber mit Einhaltung von Standards/Normen... er war Linkshändler und in der Schule wurde er gezwungen, den Standard Rechtshändler zu sein, zu erlernen. Immer wenn er seine linke Hand zum Schreiben nutzte, wurde er mit einem Stock auf die linke Hand geschlagen. Irgendwann wurde er zum Rechtshändler.
Kleine Anmerkung hier, weil das Viele falsch machen. Es heißt "Rechtshänder" oder "Linkshänder". Da ist kein "L" drin.
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4ndigkeit



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Timberlake hat geschrieben :
Mo 29. Mai 2023, 01:03
So wäre beispielsweise seiner Zeit, im real exitierenden Sozialismus, eine solche Verneinung der Autoritäten , mittels "Moralisierung"-Vorwurf mitunter durchaus angebracht gewesen.
Das finde ich nicht. Angebracht wäre gewesen die Moral der Herrschenden anzuzweifeln, nicht dass sie vom Volk Moral überhaupt einfordern.
Es ist doch nicht falsch oder ein Fehler vom Volk Moral einzufordern. Nur kann das was gefordert wird (also eine spezifische Moralvorstellung) falsch sein.
Daraus dass eine Moralvorstellung verfehlt sein kann, folgt aber nicht, dass Moal grundsätzlich abzulehnen ist.



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Di 30. Mai 2023, 10:40

Schalte mich mal einfach ein.
Ich finde, Moral ist ein enorm schwieriges Thema. Und das deshalb, weil viele Leute so komplett verdrehte Moralvorstellungen haben.
Da bin ich dann manchmal froh, dass ich mir meine eigene Moral machen kann und nicht auf die anderen hören muss.
Etwas vom Unangenehmsten im Leben ist, wenn man Moralvorstellungen von einer anderen Person übernehmen muss, die dann obendrein auch noch falsch sind.

Beispiel: Man soll nicht pures Fleisch essen, sondern immer etwas dazu, etwa Kartoffeln. Weil pures Fleisch zu essen dekadent oder unanständig ist, da Fleisch eine wertvolle Nahrung ist.
Solche und ähnliche Ideen gibt es viele. Es sind so Details, aber die machen es eben aus. Oder die Forderung, man solle immer anständig sein. Ist doch alles Blödsinn!

Oft sind solche Ideen nur ein Vorwand, weil man etwas nicht tun will. Weil man zu faul ist. Machen und dann schauen, ob es gut war!



Ohne Gehirn kein Geist!

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