Stefanie hat geschrieben : ↑ Di 19. Sep 2017, 21:56
Mir sind die unterschiedlichen Begrifflichkeiten nicht ganz klar, und ob sie alle das identische meinen.
Mir auch nicht. Vielleicht ist es wichtig, dass wir diese Begriffsklärung am Anfang vornehmen. Jörn hat da ja auch schön vorgelegt.
Eine Bewegung, obwohl sie sich immer auf ein Zukünftiges hinbewegt, muss nicht immer teleologisch sein. Eine Absicht zu haben ist nicht zwingend, um eine Bewegung auszuführen.
Ich verstehe aber unter Handlung nicht einfach eine wie auch immer geartete Bewegung des Körpers. Die Absicht
x zu tun, weil , d.h. das teleologische Moment
der Zweckerfüllung macht aus einer Bewegung eine Handlung. Diese muss nicht zwingend reflektiert werden, sie geschieht ja im Alltag auch sehr oft ohne bedacht zu werden. Aber dennoch verbinden wir in diesen alltäglichen Momenten ein Nacheinander unserer Handlungen zu einem funktionellen Ganzen, das zu einem Ziel hinführt. Die Zwischenhandlungen, z.B. beim Abwaschen zuerst diesen und dann den nächsten Teller zu waschen oder beim Autofahren zuerst zu blinken und dann rechts abzubiegen, das sind alles wahrscheinlich nicht einzeln reflektierte Einzelhandlungen, die aber einem übergeordneten Ziel 'gehorchen'. Gehorchen deshalb, weil obwohl ein Grund doch sehr wohl frei gesetzt werden kann, sich daraus gewisse Optionen zwingend ergeben und andere ausschliessen. Ich kann nicht wollen, ein Athlet zu werden, ohne die bestimmten Handlungen zu vollziehen, die mich dahin bringen und andere zu unterlassen, die es nicht tun.
Ich spreche, ob zurecht oder nicht, im Zusammenhang mit Handlungen also immer nur von Gründen, nicht von Ursachen. Denn mögen auch Ursachen am mechanischen Ablauf der Körper am Vollzug von Handlungen beteiligt sein, so sind sie es nicht bei der Qualifizierung einer Bewegung als Handlung.
Nun lassen sich aber ganz verschiedene Gründe denken, die eine Handlung veranlassen können: innere Einstellungen, (Grund-)Bedürfnisse, äussere Umstände. Besonders bei letzteren fragt sich, ob wir uns als Spielball der Umstände begreifen wollen oder als mit der Umwelt interagierdende Vernunftswesen. Nun, bei letzterem implizieren wir, dass zu handeln eine Sache der Vernunft sei, wobei dies wiederum nicht heisst, dass jede Handlung vernünftig ist. Man kann sich ja auch in seinen Begründungen irren.
Motivationen wiederum sind innere Umstände, an denen ich mit meinen Bedürfnissen und Gefühlen massgeblich beteiligt bin

Es gibt wohl kein Richtig oder Falsch unserer Handlungen im Sinne einer Folgerichtigkeit oder -unrichtigkeit unserer Motivationen, aber dennoch sagen wir, dass eine Handlung richtig oder falsch war.
Wir beurteilen unsere Handlungen nach fachmännischen Gesichtspunkten, nach juristischen, nach ethischen etc. Dieses Bewertetwerden von Handlungen zeigt aber grundsätzlich nur den Kontext von Handlungen an, d.h. verweisen auf den Zusammenhang, in welchen Handlungen vorkommen. Implizit ethisch und richtig, falsch oder unwürdig ist eine Handlung nicht.
Nun würde ich, dies alles gesagt, folgende Kategorisierung vornehmen:
Ursachen = eine (Tat)Sache bewegende Kraft
Motiv = ein innerer Antrieb, der mich etwas zu tun bewegt
Motivation = ein innerer Umstand, dem ich nachgeben kann
Grund = Tatsachen, die für etwas sprechen und deretwegen ich die eine Handlungsoption wähle.
Aufsteigend von Ursachen zu Gründen scheint eine Wahl zu haben immer möglicher.
Dann war ja noch von Gründen 1. und 2. Ordnung die Rede.