Was ist (menschliches) Handeln und warum handeln Menschen?
Verfasst: Di 19. Sep 2017, 12:49
Aus dem "Kaffeestübchen" habe ich die Beiträge herauskopiert, in denen Fragestellungen zur "Handlungstheorie" angesprochen worden sind. Weil sich elegantere technische Möglichkeiten meiner Kenntnis entziehen, habe ich das "händisch" (Jörns Ausdruck) getan und die entsprechenden Beiträge untereinander gestellt. Falls Ihr, @Alethos + @Segler, Euch an irgendeiner Stelle nicht korrekt wiedergegeben findet, bitte sagt es.
Alethos hat geschrieben :Spannend. Kannst du einen Text verlinken? Ein neuer Thread würde sich sicher lohnen.Segler hat geschrieben : Mit diesem Thema bin ich ziemlich durch. Derzeit interessiert mich eher die Frage, was das handlungsleitende Element ist. Warum handeln wir? Was treibt uns dazu an?
Friederike hat geschrieben : Ha Alethos, das ist eine wundervolle Gelegenheit, Dir einen meinen Leib- und Magentexte zu verlinken. CharlesTaylor, "Was ist menschliches Handeln?" Es geht darin um "Wünsche erster und zweiter Ordnung" (im Anschluß an H. Frankfurt), um Werte und Wünsche, die der Auswahl von Handlungsoptionen zugrundeliegen und, aus meiner Sicht ein entscheidener Aspekt, die Identität von Menschen. Der Aufsatz ist nicht allzu lang, didaktisch freundlich aufbereitet,... das schreibe ich, weil Du zu Beginn von Deinem nicht unstressigen und durchgeplanten Alltagsleben erzählt hattest.
Segler hat geschrieben : Der Aufsatz von Taylor ist schön. Er gefällt mir besser als das was Frankfurt, der alte Determinist, dazu geschrieben hat. Mein Interesse geht allerdings in eine andere Richtung. Die Frage lautet nicht "Was ist Handeln?", sondern vielmehr "Warum Handeln wir?". Das bleibt in den Werken der Protagonisten der Handlungstheorie weitgehend offen. Die Literatur konzentriert sich auf die Frage, was Handeln ist. Die Fragestellung taucht angewandt in der Ethik auf. Die ethischen Theorien versuchen zwar die Frage, was ethisches Handeln ist, zu beantworten, schweigen aber zu der Frage, warum man überhaupt ethisch handeln soll. Es ist empirisch verifizierbar, dass es Personen gibt, die trotz ausgesprochen bösartigem Verhalten gut leben.
Segler hat geschrieben :Wenn es diesen Text gäbe, wäre meine Forschungsfrage vielleicht schon beantwortet. So muss ich weitersuchen.Alethos hat geschrieben : CharlesTaylor, "Was ist menschliches Handeln?" Habe den Text durch und obwohl mir vieles klar ist (er ist tatsächlich in einer verständlichen Sprache gehalten), gäbe er viel her für eine darauf aufbauende Diskussion. Halte ich für ein wirklich lohnendes Thema. Ich kenne den zugrunde gelegten Text nicht, aber vielleicht gibt es eine öffentliche Ausgabe, die du zur Verfügung stellen kannst? Ethisches Handeln halte ich für ein Thema, das uns alle im Leben berührt und beschäftigt. Wenn wir im Alltag auch selten wirklich tiefergehende Reflexionen anstellen, um unsere täglichen Handlungen nach ethischen Gesichtspunkten zu beurteilen, so würde sich gerade deshalb ein philosophischer Austausch darüber lohnen.
Alethos hat geschrieben : Oder wir fangen einfach an und versuchen, eine Handlungstheorie zu beschreiben und mitzuschreiben ...
Friederike hat geschrieben :Ich glaube fast, daß mir nicht klar ist, was Du meinst. So wie ich Deine Frage verstehe, würde ich lapidar antworten, daß wir doch gar nicht anders können als handeln. Daß unser Leben aus einer ununterbrochenen Abfolge von Handlungsvollzügen besteht. Vom morgendlichen Aufstehen an. Die meisten der alltäglichen Handlungsentscheidungen werden sicher unreflektiert getroffen, was aber nichts daran ändert, daß wir uns entscheiden. Mehr oder weniger überlegt bzw. mehr oder weniger automatisch. Das kann es irgendwie nicht sein, wovon Du meinst, es sei eine Forschungslücke?Segler hat geschrieben : Mein Interesse geht allerdings in eine andere Richtung. Die Frage lautet nicht "Was ist Handeln?", sondern vielmehr "Warum Handeln wir?". Das bleibt in den Werken der Protagonisten der Handlungstheorie weitgehend offen. Die Literatur konzentriert sich auf die Frage, was Handeln ist.
Segler hat geschrieben : Meine Frage lautet vereinfacht: "Warum führe ich Handlung H aus? Dafür muss es einen Grund geben. Unreflektierte Tätigkeit ist kein Handeln in diesem Sinne. Die Aufgabe ist es nun, aus einer Vielzahl möglicher Gründe für unterschiedlichste Handlungen zu abstrahieren, um so das zentrale handlungsleitende Element zu finden, das allen Handlungen zugrunde liegt. Welcher Schalter muss auf ON stehen, damit eine Handlung nicht unterlassen wird?