Frieden in Europa

Ethische Fragen und ihre rationale Begründbarkeit bewegen das philosophische Denken in einer Zeit, in der die Politik wieder über "Werte" debattiert und vertraute Grundlagen des politischen Handelns zur Disposition stehen.
Burkart
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So 16. Mär 2025, 12:04

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 11:51
Die USA sind ein Zusammenschluß mehrheitlich (erz-)konservativer Staaten. Der noch nicht vollzogene Zusammenschluß der VS von Europa wird immer mehr ein Zusammenschluß von (erz-)konservativen Staaten sein. Das ist eine explosive Mischung, die sich in "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" münden dürfte, denn konservativ ist ein gemeinsamer Wert, und er enthält den Grundwert des Eigennutzes statt den der Solidarität.
Was immer du unter "(erz-)konservativ" hier verstehst. Wenn es um AfD u.ä. geht, mache ich mir auch Sorgen. Wenn es z.B. darum geht, gegen die Erderwärmung zu sein, gegen expansiven Krieg u.ä., dann ist es gleichzeitig modern.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Pragmatix
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So 16. Mär 2025, 12:08

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 11:51
Die USA sind ein Zusammenschluß mehrheitlich (erz-)konservativer Staaten. Der noch nicht vollzogene Zusammenschluß der VS von Europa wird immer mehr ein Zusammenschluß von (erz-)konservativen Staaten sein. Das ist eine explosive Mischung, die sich in "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" münden dürfte, denn konservativ ist ein gemeinsamer Wert, und er enthält den Grundwert des Eigennutzes statt den der Solidarität.
Das ist sehr plakativ. Worin bestünde denn "Solidarität"? Wäre ein gemeinsames militärisches Einstehen mit- und füreinander keine Solidarität? Oder besteht Solidarität immer nur darin, immer mehr Ansprüche von immer mehr Individuen finanziell abzusichern? Oder anders gefragt: Was soll Europa denn deiner Meinung nach sein? Im Augenblick ist es in jeder Hinsicht demokratietheoretisch äußerst schwach legitimiert, egal, ob man nun den militärischen oder den zivilen Komplex betrachtet. Immer mehr supranationale Institutionen ohne direkte Rechenschaftspflicht, ein ungenügend ermächtigtes Parlament, praktisch ein Klassenwahlrecht und viele weitere defizitäre Institutionen. Wo soll Europa also hin? Das ist mir völlig unklar.




Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 13:26

Eine Studie der Organisation NewsGuard zeigt, dass ein russisches Desinformationsnetzwerk namens "Prawda" westliche KI-Chatbots wie ChatGPT und Perplexity AI manipuliert. Durch die massenhafte Verbreitung prorussischer Fake News beeinflusst Prawda die Sprachmodelle dieser Chatbots, sodass über ein Drittel ihrer Antworten Kreml-Propaganda enthalten. Das Netzwerk agiert global in 49 Ländern und nutzt gezielt Suchmaschinenoptimierung, um die KI-Systeme mit falschen Inhalten zu fluten.

spiegel.de




Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 13:35

Vermutlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Wahrheit, Frieden und Demokratie.




Wolfgang Endemann
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So 16. Mär 2025, 13:45

Pragmatix hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 11:48


Wo führt es denn hin?
Ich halte es zwar für Quatsch, daß wir in einer Auseinandersetzung von Gut gegen Böse sind, aber wenn, dann wäre es Zeit für eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede und eine entsprechend demokratisch legitimierte Blut-Schweiß-Tränen-Politik. Man erkläre der Bevölkerung, was auf sie zukommt, und verarsche sie nicht, indem man es als einen Spaziergang in eine bessere Welt schildert (da waren die blühenden Landschaften ja noch realistisch dagegen). Wenn man mit Russland militärisch ohne die USA gleichziehen will, dauert das, von Fachleuten geschätzt, 10 Jahre. Kann man unsere Bevölkerung auf 10 Jahr Blut, Schweiß und Tränen verpflichten. Und das, ohne die Rüstungskonzerne zu verstaatlichen oder die Profitte der Reichen einzukassieren? Das möchte ich sehen.




Wolfgang Endemann
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So 16. Mär 2025, 13:49

Burkart hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 12:04

Was immer du unter "(erz-)konservativ" hier verstehst. Wenn es um AfD u.ä. geht, mache ich mir auch Sorgen. Wenn es z.B. darum geht, gegen die Erderwärmung zu sein, gegen expansiven Krieg u.ä., dann ist es gleichzeitig modern.
Richtig, konservativ ist kein kontextunabhängiger guter oder schlechter Wert. Und er ist subjektiv, wie alle Werte. Es kommt also darauf an, wie er gefaßt wird, und in einer Demokratie darf das Volk sich frei entscheiden, welchen Werten es den Vorzug gibt, also zB auch für eine konservative Ordnung. Aus Vernunftgründen bin ich gegen eine zu konservative Ordnung, aber in der Demokratie kann ich das nicht dekretieren, sondern muß dafür werben. Muß mich um Bedingungen bemühen, die es den Menschen leichter machen, sich gegen konservative Tendenzen zu entscheiden.
Die AfD ist ein offensichtliches Symptom, daß Menschen von der Moderne, obwohl sie so viele Vorteile bringt, überfordert sind. Wenn ich darauf nicht Rücksicht nehme, polarisiere ich die Gesellschaft.
Eine Gesellschaft, die die Verwahrlosung großer Bevölkerungsteile zuläßt, vergiftet sich selbst. Die Verschuldung bei Schonung der Reichen wird diese Folge zeitigen.
Alle, die Ukraine, Russland, Europa und die Welt brauchen alles andere als diesen Krieg, alle, die bei Verstand sind, müssen versuchen, (den) Krieg zu verhindern/beenden.




Wolfgang Endemann
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So 16. Mär 2025, 13:51

Pragmatix hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 12:08


Das ist sehr plakativ. Worin bestünde denn "Solidarität"?
Darauf habe ich schon geantwortet. "Solidarität" ist wie "Konservatismus" ein Wert, der nicht kontextunabhängig beurteilt werden kann. Es gibt die Solidarität der Faschisten. Ich sagte: "konservativ ist ein gemeinsamer Wert, und er enthält den Grundwert des Eigennutzes statt den der Solidarität". Auch "Eigennutz" ist nicht per se schlecht, wie Solidarität nicht per se gut. Allerdings ist eine Solidarität, die andere ausschließt, ein Selbstwiderspruch. Daher wird von vielen die Solidarität des Westens als Kumpanei der Mächtigen verstanden. Ich sehe nicht, wo bei uns Vorteile und Lasten solidarisch geteilt werden.
Ein erster Schritt wäre, die Begriffe statt plakativ zu verwenden wieder mehr mit Inhalt zu füllen.




Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 14:24

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 13:45
Wenn man mit Russland militärisch ohne die USA gleichziehen will, dauert das, von Fachleuten geschätzt, 10 Jahre.
Bitte bei solchen Behauptungen unbedingt eine Quelle angeben.




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Consul
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So 16. Mär 2025, 16:03

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Fr 14. Mär 2025, 23:46
Aber woher weißt Du, daß Putin ein unerbittlicher Aggressor ist?
Weil seine expansionistisch-imperialistische Machtpolitik offensichtlich darauf ausgerichtet ist, den Krieg bis zur totalen Niederlage der Ukrainer weiterzuführen.
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Fr 14. Mär 2025, 23:46
Wenn der unterschriftsreife Vertrag von Minsk mit Leben gefüllt worden wäre, statt ihn mit voller Absicht zu torpedieren, hätte die Ukraine nur die rein verwaltungstechnisch dem Land innerhalb der SU zugeordnete, von Tartaren und Russen bewohnte Krim verloren und hätte einem kleinen Bevölkerungsteil eine Teilautonomie zugestehen - und kein Soldat oder Zivilist hätte sterben müssen. Dann wären all die Horrorszenarien, die man hier ausmalt, als Ammenmärchen entlarvt, Makulatur wie die Gräuelpropaganda über den Babymörder Saddam von Kuweit.
Die Annahme, Putin hätte sich mit der Krim und den östlichen Landesteilen Donezk und Lugansk zufriedengegeben, ist völlig naiv und seit Februar 2022 endgültig widerlegt. Putins Traumziel ist die geopolitische Erweiterung Russlands hin zu den Grenzen der alten Sowjetunion, innerhalb deren sich die Ukraine befand.

Was das Minsker Abkommen von 2014 betrifft, so waren es die Russen, die es "torpedierten":
"Minsk II, auch Minsker Abkommen oder Minsker Friedensabkommen genannt, ist ein Maßnahmenkomplex zur Umsetzung der Vereinbarungen von Minsk I. Seine wichtigsten Ziele, nämlich ein Ende des seit 2014 in der Ost-Ukraine herrschenden Kriegs und eine politische Beilegung des Konflikts, wurden nicht erreicht.

Das Abkommen wurde vom damaligen französischen Präsidenten François Hollande, der damaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem damaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sowie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgehandelt und von den Teilnehmern der trilateralen Kontaktgruppe am 12. Februar 2015 unterzeichnet. Vertragspartner als Unterzeichnende waren 2015: der frühere Präsident der Ukraine Leonid Kutschma, der Botschafter der Russischen Föderation in der Ukraine Michail Surabow, die Milizenführer der selbstproklamierten „Volksrepubliken“ Lugansk und Donezk Igor Plotnizki und Alexander Sachartschenko sowie die OSZE-Beauftragte Heidi Tagliavini.

Bereits kurz nach der Unterzeichnung der Vereinbarung traten russlandtreue Kämpfer sowie russische Truppen zum Sturm auf Debalzewe an und eroberten den Ort drei Tage nach der offiziell verkündeten Waffenruhe, womit das Abkommen bereits gebrochen war. [Betonung hinzugefügt] Im weiteren Verlauf schwelte der Konflikt mit wechselnder Intensität weiter. Im Juni griffen die regierungsfeindlichen Truppen den Ort Marjinka westlich von Donezk an, im August 2015 kam es im Frontabschnitt von Mariupol zu einem schweren Angriff. Bis 21. Februar 2022 wurden keine neuen Gespräche eröffnet, um diesen Konflikt international beizulegen.

Am 21. Februar 2022 erklärte Präsident Putin, dass es für das Minsker Abkommen keine Aussichten mehr gebe. Am selben Tag verkündete und unterzeichnete Präsident Putin die Anerkennung der selbstproklamierten und international nicht anerkannten Volksrepublik Lugansk und der Volksrepublik Donezk als eigenständige Staaten und ordnete eine Entsendung von Truppen in die von Separatisten kontrollierten Gebiete an. Damit war das einzige von allen Seiten unterzeichnete Dokument zur Beilegung des Konfliktes hinfällig [Betonung hinzugefügt]."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Minsk_II
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Fr 14. Mär 2025, 23:46
Freilich, wenn man Putin als unerbittlichen Aggressor setzt, der keinerlei Interesse an Frieden hat, braucht man nicht mehr nachdenken, wie man zu einer Einigung kommt.
Das ist keine apriorische "Setzung", sondern eine empirische Erkenntnis! Die Erfahrung der letzten Dekade hat uns gelehrt, dass Putin weder nachgiebig noch vertrauenswürdig ist.
Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Fr 14. Mär 2025, 23:46
Übrigens: Wenn wir unsere Werte nur mit Krieg durchsetzen können, sind sie absolut nichts wert.
Wenn wir unsere Werte notfalls nicht mit Gegengewalt verteidigen, dann werden wir im Kriegsfall zwangsläufig untergehen. Wenn uns unsere Werte wirklich etwas wert sind, dann müssen wir bereit sein, einen Preis dafür zu zahlen – "Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß" ("blood, toil, tears and sweat"), um Churchill zu zitieren.
Wer sich gegen einen Angreifer wehrt, der kann trotzdem verlieren; wer sich nicht wehrt, der muss von vornherein verlieren.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 16:24

Zitate aus Putins Essay und Reden
  • Russen und Ukrainer sind ein Volk – Putin argumentiert, dass die Ukraine kein eigenständiges nationales Subjekt sei, sondern zur „russischen Welt“ gehöre.
  • Die moderne Ukraine wurde vollständig von bolschewistischen, kommunistischen Russland geschaffen – Er bestreitet die Legitimität der heutigen Ukraine als unabhängigen Staat.
  • Anti-Russland-Projekt – Putin bezeichnet die Ukraine als ein künstliches Konstrukt externer Mächte, das gegen Russland gerichtet sei.
  • Versammlung der russischen Welt – Ein Artikel, der kurz nach der Invasion erschien, feierte Putins historische Verantwortung für die „Lösung der ukrainischen Frage“.
Kurzfassung der Zusammenhänge

Putins Essay Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern und seine öffentlichen Reden zeigen, dass er die Ukraine als Teil eines „historischen Russlands“ betrachtet. Er lehnt ihre Staatlichkeit ab und sieht sie als westliches Anti-Russland-Projekt. Die Idee einer „historischen Mission“, die Ukraine zurück in Russlands Einflussbereich zu bringen, diente als ideologische Grundlage für die Invasion 2022.

Quelle: Wikipedia-Artikel

Auch diese Zitate aus der FAZ zeigen, was ohnehin bekannt ist, dass Putin sich auf einer historischen Mission wähnt: Er sieht sich inmitten einer „Epoche revolutionärer Veränderungen“ und erklärt: „Die bisherige Ordnung der Welt ist vergangen, und um die Formierung einer neuen entfaltet sich ein ernster, unversöhnlicher Kampf.“ Diese neue Weltordnung sei „nichts ähnlich, was wir aus der Vergangenheit kennen.“




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Consul
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So 16. Mär 2025, 16:28

Timberlake hat geschrieben :
Sa 15. Mär 2025, 04:14
augsburger-allgemeine.de hat geschrieben :

Nato: Armee-Stärke im Vergleich zu Russland im Jahr 2023

Die Nato stellt derzeit den Gegenpol zu Russland dar. Sie unterstützt die Ukraine massiv und zeigt verstärkte Präsenz in Ländern, welche an Russland grenzen. Doch wie stellt sich überhaupt die Gemengelage der Nato auf der einen und Russland auf der anderen Seite dar? Die Zahlen von Statista zeigen, dass in allen wichtigen militärischen Kategorien die Nato die Nase vorn hat und das mit Abstand.


Militärisches Personal insgesamt : 5.817.100 Nato / 1.330.900 Russland

Aktive Soldaten : 3.358.000 Nato / 830.900 Russland

Luftwaffe insgesamt: 20.633 Nato / 4182 Russland
de.statista.com hat geschrieben :
Vergleich der Militärstärke von NATO und Russland im Jahr 2025

Militärisches Personal insgesamt: 8.658.882 Nato /3.570.000 Russland

aktive Soldaten: 3.439.197 Nato / 1.320.000 Russland

Luftwaffe insgesamt: 22.377 Nato/ 4.957 Russland

Kampfpanzer: 11.495 Nato / 5.750 Russland

gepanzerte Fahrzeuge: 971.280 Nato / 131.527 Russland

Militärschiffe insgesamt: 1.143 Nato / 339 Russland

Flugzeugträger: 16 Nato / 1 Russland

Helikopterträger: 14 Nato / 0 Russland

Zerstörer: 101 Nato / 10 Russland

Fregatten: 128 Nato / 12 Russland

U-Boote: 148 Nato/ 63 Russland

nukleare Sprengköpfe¹ 5.559 Nato / 5.580 Russland
Nur das da keine Zweifel an der Überlegenheit der Nato aufkommt, habe ich mir mal erlaubt aus mehreren unabhängigen Quellen zu zitieren.

Das man in Anbetracht dessen in der EU beabsichtigt, noch weitere 800 Milliarden Euro in die Aufrüstung zu stecken, lässt sich eigentlich mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr erklären. Deshalb würde nicht von Gräuelpropaganda, sondern vielmehr von einer Massenhysterie sprechen.
Diese Gegenüberstellung reiner Zahlen ist allein nicht aussagekräftig. Es kommt maßgeblich nicht nur auf die Masse an Waffen an, sondern auch auf deren Klasse. Außerdem gibt es im Gegensatz zu der einen, einheitlichen russischen Armee so etwas wie die NATO-Armee nicht, sondern nur 32 unterschiedliche NATO-Armeen. Und es ist inzwischen hinlänglich bekannt, in welchem jämmerlichen Zustand sich unsere Bundeswehr und andere NATO-Armeen derzeit befinden. Ohne Milliarden-Investitionen lässt sich daran nichts ändern, und die Bundeswehr würde anderenfalls weiterhin kriegsuntüchtig bleiben. Wenn die USA uns nicht mehr schützen, dann müssen wir Deutschen & Europäer selbst dafür sorgen, was uns unvermeidlicherweise eine gigantische Summe Geld kosten wird.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 16:34

Consul hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 16:28
Und es ist inzwischen hinlänglich bekannt, in welchem jämmerlichen Zustand sich unsere Bundeswehr [...] derzeit befinden.
Der Artikel, den Timberlake verlinkt hat, weist im übrigen selbst daraufhin!




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So 16. Mär 2025, 16:37

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 11:11
Der Westen, und ich gehe (s.o.) nicht von einem völligen Bruch aus, besitzt in fast allen Gattungen die modernsten Technologien. Und was soll die Erhöhung der overkill-Kapazitäten?
Ein Gegenbeispiel: Soweit ich weiß, besitzt die Bundeswehr keine einzige bewaffnete Drohne.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 17:05

06.04.2022 | Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner Sitzung am 6. April die Mittel für die Bewaffnung der Aufklärungsdrohne Heron TP freigegeben.

https://www.bmvg.de/de/aktuelles/bewaff ... on-5389376




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So 16. Mär 2025, 17:12

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 13:49
Alle, die Ukraine, Russland, Europa und die Welt brauchen alles andere als diesen Krieg, alle, die bei Verstand sind, müssen versuchen, (den) Krieg zu verhindern/beenden.
Das große Problem auf russischer Seite ist, dass Putin und seine Leute ideologisch nicht "bei Verstand sind". Ich empfehle dazu folgendes Buch:

* Michel Eltchaninoff: In Putins Kopf: Logik und Willkür eines Autokraten
"Die philosophischen Quellen des Putinismus, so verschiedenartig sie auch sein mögen, beruhen alle auf zwei Grundtendenzen: der Idee des Imperiums und der Apologie des Krieges. Das ist der gemeinsame Kern der sowjetischen Ideologie, des »weißen« Imperialismus von Iljin, des Konservatismus von Leontjew (in manchen seiner Werke), des Panslawismus von Danilewski, des Eurasismus, gleich, ob es der seiner Gründer oder der heutige von Dugin ist. Es genügt,extremen Rechten zu hören. Alexander Prochanow, geboren 1938, gründete zwei Zeitschriften der extremen Rechten, erst Den (»Der Tag«), dann, nach ihrem Verbot, Sawtra (»Der Morgen«). Prochanow ist vielleicht zu sehr Extremist, um Umgang mit Putin zu haben, doch als Chronist erfährt er große Aufmerksamkeit. Wenn er sich auch nicht als »Lehrmeister Putins« ansieht, so denkt er doch, wie er in einem Interview für dieses Buch versichert, dass seine Ideen »beginnen, Wirkung zu zeigen«, insbesondere unter den Beratern des Präsidenten. Die aktuellen Ereignisse scheinen seinen Analysen und Prophezeiungen tatsächlich recht zu geben, was seine Medienpräsenz noch verstärkt. In seiner Theorie, die in ihrem Bezug auf die slawophile Tradition weder auf die Details der Texte noch auf die Feinheiten der philosophischen Lehren eingeht, unterbreitet er eine sehr vulgarisierte Version von ihr, die sich in drei Worten zusammenfassen lässt: Messianismus, Imperialismus, Bellizismus. Ihm zufolge zeigte sich der Russische Weg im Keim bereits im 15. Jahrhundert – »mit der Theorie von ›Moskau als drittes Rom‹, laut der die Metropole dazu bestimmt ist, nach dem Fall von Konstantinopel dessen Platz an der Spitze der Christenheit einzunehmen. Im 19. Jahrhundert gewann er an Deutlichkeit, und nach dem Untergang des Russischen Reiches verwandelte er sich weiter.« Vier Imperien seien aufeinandergefolgt: Die Rus von Kiew und Nowgorod, das Moskowiterreich, das Reich der Romanows, das sowjetische Imperium. »Heute kommt ein fünftes Imperium zum Vorschein«, behauptet Prochanow. Seine Errichtung beruhe auf drei Axiomen. Laut dem ersten ist Russland »von Natur aus ein Imperium, dessen Grenzen atmen«, was die Annexionen rechtfertigt. »Wenn Putin auch bisher den Begriff ›Imperium‹ nicht ausgesprochen hat, so ist er doch dabei, selbiges in die Tat umzusetzen. Das hat mit dem Krieg von 2008 gegen Georgien begonnen. Die Ereignisse in der Ukraine und auf der Krim sind die Fortsetzung davon.« Laut dem zweiten Axiom hat Russland »immer der Idee einer göttlichen Gerechtigkeit gehorcht«. »Es gibt einen russischen Messianismus und damit einen nicht nur strategischen, sondern auch spirituellen Gegensatz zwischen dem Osten und dem Westen«, behauptet Prochanow. Das dritte Axiom lautet schließlich: »Die von Putin hochgehaltenen konservativen Werte bezüglich Individuum, Familie und dem Verhältnis zur Natur stehen dem westlichen Modernismus frontal entgegen. Russland ist theozentrisch, während der Westen anthropozentrisch ist.« Kurzum, »Putin restauriert den nach dem Untergang der UdSSR verschwundenen russischen Staat, indem er ihm seine ursprüngliche imperiale Form zurückgibt.« Was in der Ukraine passiert, sei vollkommen logisch, und die russische Reaktion sei legitim: »Russland hilft den Russen und den russischsprachigen Bewohnern der Ukraine, so wie der Westen den Revolutionären des Maidan geholfen hat: mit Geld und einem ganzen Arsenal sonstiger Mittel. Wir imitieren den Westen.« Und in Zukunft? »Die Konfrontation mit dem Westen wird sich fortsetzen und verschlimmern. Russland wird sich mehr und mehr China und Indien zuwenden, um eine antiwestliche Front aufzubauen. Es bilden sich gerade zwei feindliche Lager – wir steuern auf einen neuen Weltkrieg zu. Gott wird über seinen Ausgang entscheiden«, so Prochanows Prognose."

(Eltchaninoff, Michel. In Putins Kopf: Logik und Willkür eines Autokraten. Übers. v. Till Bardoux. Stuttgart: Tropen/Klett-Cotta, 2022. S. 133-5)



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Wolfgang Endemann
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So 16. Mär 2025, 19:07

@ Consul

Woher weißt Du, daß "seine expansionistisch-imperialistische Machtpolitik (...) darauf ausgerichtet ist, den Krieg bis zur totalen Niederlage der Ukrainer weiterzuführen"?
Ich weiß das nicht, und offensichtlich ist es schon gar nicht. Ich weiß nicht, ob die Minsker Verhandlungsergebnisse dauerhaft oder nur kurzfristig gehalten hätten, aber es war eine der vielen Möglichkeiten, zur Deeskalation zu kommen. Wir wissen zwar, daß das Abkommen nicht sofort vollständig von den Russen eingehalten wurde, viel schwerer wiegt, daß es massiv von der Ukraine (Vertreter der Ukraine haben sich nach eigener Auskunft nur zum Schein darauf eingelassen, um Zeit zu gewinnen) und wohl ultimativ von England sabotiert wurde.
Putin hat die Ideologie der Großmachtpolitik wie viele bei uns die Ideologie der regelbasierten Moralpolitik haben. Eltchaninoff ist eine Meinung unter vielen, ich empfehle das Streitgespräch zwischen Hacke und Münkler, wobei mir Hacke näher steht, aber die Argumente von Münkler sehr ernst genommen werden müssen. https://www.youtube.com/watch?v=JTUbcx-lLNw




Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 19:25

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 19:07
Putin hat die Ideologie der Großmachtpolitik wie viele bei uns die Ideologie der regelbasierten Moralpolitik haben.




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So 16. Mär 2025, 20:20

"Seit dem Beginn von Russlands „Drei-Tage-Krieg“ ist es der Ukraine gelungen, den Vormarsch der Invasoren aufzuhalten, das Blatt zu wenden und beträchtliche Gebiete von der vorübergehenden russischen Militärkontrolle zu befreien. Ukrainische Streitkräfte haben zudem russische Militäreinrichtungen stark beschädigt.

Das Durchhaltevermögen der Ukraine angesichts der überwältigenden Aggression zeigte uns die wahre Bedeutung von Stehvermögen. Die militärische Unterstützung des Westens für die Ukraine macht jeden Tag auf dem Schlachtfeld einen Unterschied aus und hilft der Ukraine, ihr Recht auf Selbstverteidigung aufrechtzuerhalten, das in der Charta der Vereinten Nationen verankert ist.

Russische Angebote für Waffenruhen oder Friedensverhandlungen sind nicht aufrichtig, sondern bloße PR-Gags. Bei näherer Betrachtung offenbaren sie Russlands imperialistische Forderungen, die Ukraine solle sich ergeben und mehr von ihrem Territorium und ihrer Souveränität aufgeben.

Der wahre Weg zum Frieden ist der vollständige Rückzug der russischen Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen der Ukraine und die völlige Abkehr von der aggressiven Politik Russlands. Russland begann einen unprovozierten Krieg in Europa und missachtete dabei unverfroren internationales Recht, vor allem die UN-Charta. Es kann kein Frieden erreicht werden, indem zugelassen wird, dass eine unbewaffnete Ukraine einem hoch militarisierten Russland gegenübersteht, das ihre Souveränität leugnet und unverhohlen zu Genozid aufruft." [Kommentar zu Mythos 10]

Europäische Kommission: 13 Mythen über den Krieg Russlands in der Ukraine – und die Wahrheit



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

Jörn Budesheim

So 16. Mär 2025, 20:34

Der wahre Weg zum Frieden ist der vollständige Rückzug der russischen Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen der Ukraine und die völlige Abkehr von der aggressiven Politik Russlands
Genau meine Sicht, es fehlt allerdings noch die Forderung, dass Russland umfangreich Schadensersatz leisten muss und die Unrechtmäßigkeit des Angriffskrieges vollständig anerkannt. Natürlich ist es extrem unwahrscheinlich, dass all das passiert, solange Putin nicht gestürzt ist. "Der wahre Weg zum (wahren) Frieden" dürfte nur dann eingeschlagen werden können, wenn Russland zur Demokratie findet. Und das ist natürlich im Moment vermutlich nicht gerade wahrscheinlich.




Burkart
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So 16. Mär 2025, 22:00

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
So 16. Mär 2025, 19:07
Wir wissen zwar, daß das Abkommen nicht sofort vollständig von den Russen eingehalten wurde, viel schwerer wiegt, daß es massiv von der Ukraine (Vertreter der Ukraine haben sich nach eigener Auskunft nur zum Schein darauf eingelassen, um Zeit zu gewinnen) und wohl ultimativ von England sabotiert wurde.
Du weißt schon, dass es Putins Russland ist, das zum Frieden derzeit "Ja, aber" sagt, um Zeit zu gewnnen und weiter seinen Krieg führt, nicht die Ukraine?
Wo hat England was sabotiert? Bitte mit Quelle.



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