Das Sozialgefüge

Ursprünglich in der praktischen Philosophie beheimatet sind Theorien der Gesellschaft heute weitgehend von der Soziologie aufgegriffen worden.
Groot
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Sa 16. Okt 2021, 20:04

Tag zusammen,

ich habe die letzten zwei Monate genutzt, um die Theorie, die seit einigen Jahren in meinem Kopf sich verdichtet, in einer ersten Skizze zusammen zu fassen. Vielleicht habt ihr ja Spaß daran Kritik zu üben!

Es geht um eine Synthese von Habermas und Luhmann. Darum, der Sprache als Metainstitution das Sozialgefüge entgegen zu setzen. Dieses ist mehr als Diskurs und Lebenswelt, aber weniger als "System" in dem Sinne, wie es Luhmann meint.

Die Grafik ist so gestaltet, dass die grafik2-Datei in der letzten Übersicht etwas präziser ist. In der anderen Datei sind aber die Farben bei den vorhergehenden Grafiken passender. Die Grafiken hat Transfinitum gemacht und dabei phantastische Arbeit geleistet! :D

Viele Grüße
Groot
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Nauplios
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Sa 16. Okt 2021, 21:31

Ich habe mir den Punkt "Husserl, Lebenswelt und sprachlicher Transformationsraum" gerade angeschaut, Groot, der mit dem Verdikt "Lächerlich!" endet. ;)

Das legt mir die Frage nach einem möglichen Verwendungszweck dieser "ersten Skizze" nach dem ersten Eindruck nahe. Ist das ein Papier für eine mögliche Semesterarbeit oder zum eigenen Gebrauch?

Alfred Schütz - Ist die phänomenologische Soziologie heute noch ein lebendiges Paradigma der Theoriebildung in der Soziologie oder Teil des Klassikerstudiums? (Wenn ich es richtig sehe, studierst Du u.a. Soziologie.)

Ansonsten: Daumen erst mal hoch - auch für Deine Graphiken, Transfinitum. ;)




Groot
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Sa 16. Okt 2021, 21:53

Das soll mal eine Dissertation oder Habilitation werden, sofern ich doch irgendwie noch erkannt werde; was jetzt hoffentlich in Jena geschieht. Vermutlich eher Habilitation, weil die Dissertation dazu da sein wird, den Lebensweltbegriff in seiner vollen Vielfalt von Schütz bis Husserl zu durchleuchten. Aber aktuell ist es da, um mir selbst mal eine Übersicht zu bringen. Solche Texte sind bei mir meist praktische Operationen der Komplexitätsreduktion, in denen danach der Gegenstand klarer wird. (Einst ging es auch drum, zu gesunden; doch das ist geschafft!) Es reißt mich da quasi hin, so einen Text zu schreiben, wenn der Zeitpunkt gekommen ist und sich in mir wieder hinreichend Material angesammelt hat, das es dann in eigenen Worten auszudrücken gilt, um dabei vielleicht hin und wieder mal einzelne Sätze ganz neues zu schreiben.

Schütz kann Klassiker sein, aber ich persönlich denke, dass seine Perspektive sehr spannende Ansätze liefert, weil zum einen ist "Struktur der Lebenswelt" so unfassbar profan gehalten; geradezu pendantisch profan. Und gleichzeitig springt er in "Theorie der Lebensformen" quasi ins Licht hinein, indem er nicht durch die Camera curiosa (ja eigtl. obscura, ich weiß) schaut, sondern tatsächlich logisch einen Standpunkt konstruiert (oder besser: entdeckt), wo der Soziologe sein darf - ganz und gar ohne Kybernetik oder Diskurs (oder negativ als "Kritiker")




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Nauplios
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So 17. Okt 2021, 02:30

Dieses Lebensweltkonzept wie Schütz und Luckmann es etwa in Strukturen der Lebenswelt entwickeln, verdankt sich der phänomenologischen Spätentdeckung der Lebenswelt in Husserls Krisis-Abhandlung. Es wäre mal eine Überlegung wert, ob die Lebenswelt als Erfahrungswelt des Alltags nicht unter den Erwartungen bleibt, die Husserl mit der Lebenswelt als Inbegriff des Selbstverständlichen verbunden hat. Lebenswelt als Grenzbegriff einer Welterfahrung überhaupt, nicht als Ausschnitt oder Segment von Welt überhaupt - vielleicht läßt sich das so fassen.




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Nauplios
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So 17. Okt 2021, 03:10

Gefüge - nur kurz der Hinweis auf Deleuze/Guattari: Tausend Plateaus.

Gefüge bei Deleuze




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So 17. Okt 2021, 11:35

Der Begriff des Wirkungsgefügtes...? Das Zusammenwirken diverser "Komponenten" oder Faktoren...

Und Sprache als Medium oder "Hintergrund" für Bedeutung(szuweisungen)...?

(Leider kann ich aktuell die PDFs nicht herunterladen.)



...vorher nicht feststehende Wahrheiten... (frei nach D. Diederichsen)

„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden.“ (K. Adenauer)

Groot
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So 17. Okt 2021, 15:22

Nauplios hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 03:10
Gefüge - nur kurz der Hinweis auf Deleuze/Guattari: Tausend Plateaus.

Gefüge bei Deleuze
interessant, das ist sehr ähnlich zu meiner Vorstellung davon! Nur versucht er dort physisches als eine Seite des Gefüges zu sehen; dabei grenzt das Gefüge mittels Biologie oder Informatik an die Physik an. Es ist ein Phänomen des Organismus und der Informatik, nicht der Physik. Auf der anderen Seite sieht er das aber richtig, wenn er meint, dass sich darin eine fundamentalere Ebene zeigt, als die symbolische Interaktionsebene, auf der sich die Wissenschaftstheorie tummelt.
Nauplios hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 02:30
Dieses Lebensweltkonzept wie Schütz und Luckmann es etwa in Strukturen der Lebenswelt entwickeln, verdankt sich der phänomenologischen Spätentdeckung der Lebenswelt in Husserls Krisis-Abhandlung. Es wäre mal eine Überlegung wert, ob die Lebenswelt als Erfahrungswelt des Alltags nicht unter den Erwartungen bleibt, die Husserl mit der Lebenswelt als Inbegriff des Selbstverständlichen verbunden hat. Lebenswelt als Grenzbegriff einer Welterfahrung überhaupt, nicht als Ausschnitt oder Segment von Welt überhaupt - vielleicht läßt sich das so fassen.
Die Lebenswelt ist Struktur. Das intelligible ist Form. Die Lebenswelt grenzt hierbei vom System ab (Luhmann oder dem der Philosophie); hierbei fehlt das Sozialgefüge als Schleuse. Ich fasse es so auf, dass die Gegenwart lebensweltlich ist, einen materiellen Horizont dominant reproduziert, einen symbolischen rezessiv. Der symbolische zielt dann aber auf die Grenze, die "Welt überhaupt" ist, während der materielle Horizont an Zeichen oder der Kommodifizierung seine Grenze erfährt, die ans Institutionengefüge stößt und ins Sozialgefüge zielt.
Husserl zeigt quasi nur auf, wie sich der Einzelne eidetisch ins Wissenschaftssystem reduziert; dessen Grundlagen in der sinnlich erfahrbaren oder deskriptiven Welt gebunden weiß. Aber es kommt zum einen darauf an, diese Lebenswelt in ihrer Wuseligkeit - nicht ihrer wissenschaftlichen Starrheit (nicht als Habermas: Lebenswelt ist Subsystem des Systems) zu erfassen. Sicher hilft hier die Einteilung von Habermas in symbolisch und materiell reproduzierende Lebenswelt, aber damit fasst man die Dynamiken in dieser nicht hinreichend komplex.
Es muss nämlich unterschieden werden zwischen der Handlungsordnung der Lebenswelt, die in Symbolen und Mythos zur Ruhe kommt und den Alltag prägt; hieraus sedimentieren sich institutionalisierte Handlungssysteme, die ein Institutionengefüge begründen. Auf der anderen Seite jedoch zeigt sich die Lebenswelt auch kommunikativ...einmal technisch (Internet), einmal in der Kommunikation sozialer Systeme; diese Seite wird zum, das Institutionengefüge umgreifenden, Sozialgefüge.
Und Husserl zielt nun eher auf das Institutionengefüge, weil er dem Idealismus und der Philosophiegeschichte eine Perspektive auf die Lebenswelt bringen will - wenn auch auf ihren förmlichen Teil, nämlich die Wissenschaft und deren normative Sprachlichkeit, die das Ding deskriptiv beschreibend erfährt. Schütz zeigt hier eine andere Perspektive, die von Metaphysik nichts am Hut haben will. Eine dritte zeigt sich bei Blumenberg, der die Lebenswelt so zu nutzen scheint, als wäre das Christentum wahr und wir bräuchten keine Alternative zum vorhandenen Mythos. Eine vierte zeigt sich bei Habermas, der die Lebenswelt eher als die institutionelle Umrahmung nimmt, in der dann die Bühne ihren Platz findet, bei der er aber nicht darauf eingeht, welches Bühnenstück in diesem feierlichen Theater denn gespielt werde. Stattdessen analysiert er die verschiedenen Gefüge (Hinduismus, Taoismus und Protestantismus/Katholizismus im ersten Band der TdkH).
Zuletzt geändert von Groot am So 17. Okt 2021, 16:16, insgesamt 1-mal geändert.




Groot
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So 17. Okt 2021, 15:28

1+1=3 hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 11:35
Der Begriff des Wirkungsgefügtes...? Das Zusammenwirken diverser "Komponenten" oder Faktoren...

Und Sprache als Medium oder "Hintergrund" für Bedeutung(szuweisungen)...?

(Leider kann ich aktuell die PDFs nicht herunterladen.)
Ein Wirkungsgefüge wäre ja nur eine Ansammlung von Kausalitäten. Aber ein Sozialgefüge zeigt auch Einflußfaktoren, deren Kausalität nicht messbar oder wiederholbar im Experiment darzulegen ist. Denn darin findet sich Kontingenz und doppelte Kontingenz.
Es geht dort schon darum, bestimmte Prozesse zu ordnen; der Wirkungsgrad ist aber äußerst gering, da es eher darum geht, die Vorstellungsebene zu ordnen. Für mich ist bspw. Sozialgefüge quasi dasselbe wie der Weltgeist. Der Zivilisationsbegriff, den ich nutze, ähnlich wie der heilige Geist. Es geht dabei darum, alternative Erklärungsmuster (phänomenale oder wenigstens deskriptiv; jedenfalls nicht "intelligibel") für bestimmte Entitäten zu finden, um so ein präziseres Bild vom Geist oder der Wirklichkeit zu erhalten; insbesondere der Komplexität der lebensweltlichen Strukturen - oder aber der fehlenden Präzision im Idealismus.

Sprache steht gerade nicht im Hintergrund beim Sozialgefüge, ist nicht dieses Umgreifend; sondern diese ist dem Sozialgefüge gleichwertig. Das Sozialgefüge fasst die Verwaltungsstrukturen und deren Gewordenheit; sowie die Gepflogenheiten und Brauchtum. Die Sprache ist Hintergrund der Lebenswelt, aber als solche verweist sie gemeinsam mit dem Sozialgefüge auf die Zivilisation bzw. auf die Differenz von Metabiologie und Metaphysik. Diese Differenz soll mit Hilfe des Sozialgefüges emporgehoben werden zu einem Allgemeinplatz...denn Metaphysik ist durch und m.e. kann das Sozialgefüge zeigen, wieso dem so ist; weshalb die Metabiologie hundertausendmal relevanter ist.
Die Sprache fasst sozusagen die symbolische Reproduktion des Institutionengefüges, das Sozialgefüge hingegen den materiellen Horizont, der aus dem Institutionengefüge ableitbar ist, sowie dessen Reproduktion. Beide verweisen dann auf die Systemebene; entweder zu Luhmann, oder aber in die Philosophie, derer Systembegriff nochmal einen Ticken komplexer ist als Luhmanns Systembegriff.




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Nauplios
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So 17. Okt 2021, 17:24

Aus dem Gefüge von Begriffen, Verfassern und Theoremen, die Du anführst, Groot, greife ich naturgemäß dieses heraus, dem ich einen leisen Zweifel anfügen möchte:
Groot hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 15:22

Eine dritte [Perspektive] zeigt sich bei Blumenberg, der die Lebenswelt so zu nutzen scheint, als wäre das Christentum wahr und wir bräuchten keine Alternative zum vorhandenen Mythos.
Von Johann Gottlieb Fichte ist ein Satz überliefert, der stutzig macht: "Philosophieren ist ganz eigentlich Nicht-Leben.". Ihm geht der Satz voraus: "Leben ist ganz eigentlich Nicht-Philosophieren." (Fichte; Sämtliche Werke; Bd. V; S. 343) Das ist noch vor der Zeit geschrieben, in der der Lebensbegriff durch Nietzsche mit Tiefsinn angereichert wurde; aber er deutet bereits das Paradox an, das in der Begriffsfusion von Leben und Welt steckt: Die Lebenswelt ist uneinsichtig. Was sich von ihr sagen läßt, läßt sich nicht in ihr sagen. Blumenbergs Satz "Wir denken, weil wir dabei gestört werden, nicht zu denken" liest sich wie eine Paraphrase von Fichtes Satz. Philosophieren als Ausnahmezustand. Eine Theorie der Lebenswelt ist nur im Modus des Nachrufs möglich. Denn die Lebenswelt ist das uneinsichtige Integral aller Selbstverständlichkeiten. Das Paradoxon der Lebenswelt besteht darin, daß sie als dieses Integral erschlossen werden kann, daß es sie aber nicht als Aufenthaltsort gibt. Ihre Erschließung hat ihr Verlassen zur Voraussetzung. Insofern ist sie das Gegenteil der Insel Robinson Crusoes. Für Robinson wird seine Insel nie zum Universum der Selbstverständlichkeiten. Vielmehr ist der Gedanke, sie zu verlassen, die alles begleitende Selbstverständlichkeit. Als Bewohner der Lebenswelt hingegen können diese den Gedanken, sie zu verlassen, gar nicht erst fassen. Nur theoretisierend können sie den (In-)Begriff der Lebenswelt als den (In-)Begriff alles Selbstverständlichen fassen - mit der Lebenswelt im Rücken.

Immer wieder erweist sich als eine der Illusionen im Umgang mit Theorien aller Art“, hält Blumenberg fest, „dass von dem Bestimmtheitsgrad der Begriffe, die sie einführen und verwenden, ihre Qualität schlechthin abhinge.“ Wogegen er die Einsicht in Stellung bringt, „dass die Strenge bei Bildung oder Zulassung von Begriffen eher Sterilität begünstigt als präzisen Fortgang“ bewirkt, und für eine „Tugend verminderter Strenge“ plädiert. (Quelle)

Wie gesagt, nur ein leiser Zweifel. ;)




Groot
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So 17. Okt 2021, 18:42

Nauplios hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 17:24
Aus dem Gefüge von Begriffen, Verfassern und Theoremen, die Du anführst, Groot, greife ich naturgemäß dieses heraus, dem ich einen leisen Zweifel anfügen möchte:
Groot hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 15:22

Eine dritte [Perspektive] zeigt sich bei Blumenberg, der die Lebenswelt so zu nutzen scheint, als wäre das Christentum wahr und wir bräuchten keine Alternative zum vorhandenen Mythos.
Von Johann Gottlieb Fichte ist ein Satz überliefert, der stutzig macht: "Philosophieren ist ganz eigentlich Nicht-Leben.". Ihm geht der Satz voraus: "Leben ist ganz eigentlich Nicht-Philosophieren." (Fichte; Sämtliche Werke; Bd. V; S. 343) Das ist noch vor der Zeit geschrieben, in der der Lebensbegriff durch Nietzsche mit Tiefsinn angereichert wurde; aber er deutet bereits das Paradox an, das in der Begriffsfusion von Leben und Welt steckt: Die Lebenswelt ist uneinsichtig. Was sich von ihr sagen läßt, läßt sich nicht in ihr sagen. Blumenbergs Satz "Wir denken, weil wir dabei gestört werden, nicht zu denken" liest sich wie eine Paraphrase von Fichtes Satz. Philosophieren als Ausnahmezustand. Eine Theorie der Lebenswelt ist nur im Modus des Nachrufs möglich. Denn die Lebenswelt ist das uneinsichtige Integral aller Selbstverständlichkeiten. Das Paradoxon der Lebenswelt besteht darin, daß sie als dieses Integral erschlossen werden kann, daß es sie aber nicht als Aufenthaltsort gibt. Ihre Erschließung hat ihr Verlassen zur Voraussetzung. Insofern ist sie das Gegenteil der Insel Robinson Crusoes. Für Robinson wird seine Insel nie zum Universum der Selbstverständlichkeiten. Vielmehr ist der Gedanke, sie zu verlassen, die alles begleitende Selbstverständlichkeit. Als Bewohner der Lebenswelt hingegen können diese den Gedanken, sie zu verlassen, gar nicht erst fassen. Nur theoretisierend können sie den (In-)Begriff der Lebenswelt als den (In-)Begriff alles Selbstverständlichen fassen - mit der Lebenswelt im Rücken.

Immer wieder erweist sich als eine der Illusionen im Umgang mit Theorien aller Art“, hält Blumenberg fest, „dass von dem Bestimmtheitsgrad der Begriffe, die sie einführen und verwenden, ihre Qualität schlechthin abhinge.“ Wogegen er die Einsicht in Stellung bringt, „dass die Strenge bei Bildung oder Zulassung von Begriffen eher Sterilität begünstigt als präzisen Fortgang“ bewirkt, und für eine „Tugend verminderter Strenge“ plädiert. (Quelle)

Wie gesagt, nur ein leiser Zweifel. ;)
Der Satz ist recht gut, wenn man noch keinen Nietzsche, Heidegger und die Franzosen des 20. Jhd nicht kennt.

Ich denke, es ist richtig, dass die Lebenswelt in gewisser Weise ein appräsentes Gebilde ist. Aber ich denke, dass man daraus etwas basteln kann, das als solches in der Differenz von Institutionengefüge und Sozialgefüge aufgeht, um diese Differenz in der Einheit des Systems, fasslich und sich selbst damit passlich zu machen. Die Lebenswelt findet in ihrem materiellen Horizont eben jenes Sozialgefüge - und nicht, wie auf der symbolischen Schiene, den Mythos und die Sprachlichkeit. Die Lebenswelt erkennt sozusagen ihren eigenen materiellen Horizont (Kommodifizierung, Rechtspositivismus), um diesen dann aufzuteilen in Handlung und Kommunikation, das aus einem gefugten Verhalten entsteht und auf die Gegebenheit verweist, dass die Lebenswelt aus Institutionen und sozialen Systemen besteht. Dieses Verhalten begründet eben das Sozialgefüge, das als das Allgemeine der vielen Institutionengefüge, angesehen werden kann und als solches eben den materiellen Horizont ins Auge fasst, nicht den symbolischen Horizont, der unbenommen, der Lebenswelt sicher auch anhaftet; jedoch eben sprachlich und im Mythos, nicht instrumentell und unter diesem materiellen Horizont.

Ich will Blumenberg keinesfalls klein reden; im Gegenteil will ich unbedingt noch 1-2 Bücher von ihm lesen. Aber ich denke schon, dass er das Christentum nicht negiert, sondern sich als säkularer Mensch, darin häuslich einrichtet.

Der letzte Absatz ist ein interessanter Aspekt und würde mit meinen Beobachtungen übereinstimmen.




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Mo 18. Okt 2021, 22:36

Groot hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 15:28
1+1=3 hat geschrieben :
So 17. Okt 2021, 11:35
Der Begriff des Wirkungsgefügtes...? Das Zusammenwirken diverser "Komponenten" oder Faktoren...

Und Sprache als Medium oder "Hintergrund" für Bedeutung(szuweisungen)...?

(Leider kann ich aktuell die PDFs nicht herunterladen.)
Ein Wirkungsgefüge wäre ja nur eine Ansammlung von Kausalitäten. Aber ein Sozialgefüge zeigt auch Einflußfaktoren, deren Kausalität nicht messbar oder wiederholbar im Experiment darzulegen ist. Denn darin findet sich Kontingenz und doppelte Kontingenz.
Es geht dort schon darum, bestimmte Prozesse zu ordnen; der Wirkungsgrad ist aber äußerst gering, da es eher darum geht, die Vorstellungsebene zu ordnen. Für mich ist bspw. Sozialgefüge quasi dasselbe wie der Weltgeist. Der Zivilisationsbegriff, den ich nutze, ähnlich wie der heilige Geist. Es geht dabei darum, alternative Erklärungsmuster (phänomenale oder wenigstens deskriptiv; jedenfalls nicht "intelligibel") für bestimmte Entitäten zu finden, um so ein präziseres Bild vom Geist oder der Wirklichkeit zu erhalten; insbesondere der Komplexität der lebensweltlichen Strukturen - oder aber der fehlenden Präzision im Idealismus.

Sprache steht gerade nicht im Hintergrund beim Sozialgefüge, ist nicht dieses Umgreifend; sondern diese ist dem Sozialgefüge gleichwertig. Das Sozialgefüge fasst die Verwaltungsstrukturen und deren Gewordenheit; sowie die Gepflogenheiten und Brauchtum. Die Sprache ist Hintergrund der Lebenswelt, aber als solche verweist sie gemeinsam mit dem Sozialgefüge auf die Zivilisation bzw. auf die Differenz von Metabiologie und Metaphysik. Diese Differenz soll mit Hilfe des Sozialgefüges emporgehoben werden zu einem Allgemeinplatz...denn Metaphysik ist durch und m.e. kann das Sozialgefüge zeigen, wieso dem so ist; weshalb die Metabiologie hundertausendmal relevanter ist.
Die Sprache fasst sozusagen die symbolische Reproduktion des Institutionengefüges, das Sozialgefüge hingegen den materiellen Horizont, der aus dem Institutionengefüge ableitbar ist, sowie dessen Reproduktion. Beide verweisen dann auf die Systemebene; entweder zu Luhmann, oder aber in die Philosophie, derer Systembegriff nochmal einen Ticken komplexer ist als Luhmanns Systembegriff.
Ein Wirkungsgefüge wäre ja nicht unbedingt nur eine sozusagen "starre" Ansammlung von Kausalitäten. Es kann doch sehr wohl auch ein äußerst dynamisches und "flüchtig-vorubergehendes" Geschehen sein, welches potenziell permanent transmutiert. Schwer bis gar nicht messbar, aber in letzter Konsequenz dennoch kausal (nur eben äußerst komplex...). Und die (ggf. doppelten) Kontingenzen würde ich auch nicht als Gegenbegriff schlechthin zu Kausalzusammenhängen auffassen, sondern ebenfalls als (etwa "vorübergehend"-einzigartig-einmalige [je] eigengesetzliche ["selbstbestimmte"...]) eben ("kontingente"...) Kausalitäten (-> "Nichts ist zufällig, auch der Zufall nicht."). Dass es dabei sehr "sophisticated u./o. subtil o. sublim" usw. usf. zugeht, es vielleicht eher etwa um "Bedeutungen" geht als um "handfeste" "übersichtliche" Ursache-Wirkungs-Ketten, oder bezeichnenderweise der Geistbegriff hier Anwendung findet, leuchtet mir auf Anhieb ein. Auch Erklärungsmuster sind m.E. "vollwertige" Realitäten. Davon dass Sprache (bspw. performativ) auch Handeln ist (siehe z.B. Searles Sprechakttheorie) und somit sozusagen "auf Augenhöhe" mit den anderen sozialen Strukturen usw. ist und gewisse Realitäten schafft etc., gehe ich auch aus. Sprache als integrativer Bestandteil des Sozialgefüges. Dies alles, diese Zusammenhänge präzise zu beschreiben... (So eben auch nicht "eigentliche" Realitäten gegenüber "bloße" Epiphänome usf. "ausspielen". Dann schon eher "Rückwirkung des Überbaus auf die Basis" etc.) Mehr als nur (Luhmanns) Systeme...

(Ist das Sozialgefüge die erwähnte Metabiologie?)



...vorher nicht feststehende Wahrheiten... (frei nach D. Diederichsen)

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Groot
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Di 19. Okt 2021, 00:51

1+1=3 hat geschrieben :
Mo 18. Okt 2021, 22:36

Ein Wirkungsgefüge wäre ja nicht unbedingt nur eine sozusagen "starre" Ansammlung von Kausalitäten. Es kann doch sehr wohl auch ein äußerst dynamisches und "flüchtig-vorubergehendes" Geschehen sein, welches potenziell permanent transmutiert. Schwer bis gar nicht messbar, aber in letzter Konsequenz dennoch kausal (nur eben äußerst komplex...). Und die (ggf. doppelten) Kontingenzen würde ich auch nicht als Gegenbegriff schlechthin zu Kausalzusammenhängen auffassen, sondern ebenfalls als (etwa "vorübergehend"-einzigartig-einmalige [je] eigengesetzliche ["selbstbestimmte"...]) eben ("kontingente"...) Kausalitäten (-> "Nichts ist zufällig, auch der Zufall nicht."). Dass es dabei sehr "sophisticated u./o. subtil o. sublim" usw. usf. zugeht, es vielleicht eher etwa um "Bedeutungen" geht als um "handfeste" "übersichtliche" Ursache-Wirkungs-Ketten, oder bezeichnenderweise der Geistbegriff hier Anwendung findet, leuchtet mir auf Anhieb ein. Auch Erklärungsmuster sind m.E. "vollwertige" Realitäten. Davon dass Sprache (bspw. performativ) auch Handeln ist (siehe z.B. Searles Sprechakttheorie) und somit sozusagen "auf Augenhöhe" mit den anderen sozialen Strukturen usw. ist und gewisse Realitäten schafft etc., gehe ich auch aus. Sprache als integrativer Bestandteil des Sozialgefüges. Dies alles, diese Zusammenhänge präzise zu beschreiben... (So eben auch nicht "eigentliche" Realitäten gegenüber "bloße" Epiphänome usf. "ausspielen". Dann schon eher "Rückwirkung des Überbaus auf die Basis" etc.) Mehr als nur (Luhmanns) Systeme...

(Ist das Sozialgefüge die erwähnte Metabiologie?)
Ja sicher, ein Wirkungsgefüge ist ein dynamisches System. Aber finde ich, dass das Wort "Wirkung" immer Kausalität einbezieht. Diese muss zwar auch nicht gänzlich starr sein, beinhaltet aber schon eine gewisse Notwendigkeit, während ein Sozialgefüge durch und durch kontingent ist. Das, was dort dem kausalen Denken am nächsten kommt ist das Institutionengefüge; weil das nämlich historisch ist, also einer gewissen Regelmäßigkeit folgt.

Das sind sicher viele berechtigte Punkte die du ansprichst; aber es ist natürlich sehr viel :P

Die doppelte Kontingenz ist m.e. so, wie du sie beschreibst nicht falsch. Nur würde ich meinen, dass eine doppelte Kontingenz garnicht in den Naturkausalitäten auftaucht. Vielmehr zeigt sich die Notwendigkeit bei der Kontingenz, wie du ja auch sagst, in der Situation. Man kann das nun Kausalität nennen, was dort in dieser Situation passiert; aber dann ist es keine ontologische Kausalität.

Bedeutung finde ich problematisch. Es geht eher um die Verhaltensebene oder die Gepflogenheiten, das Brauchtum; aber auch um Kommunikation (im Sinne Luhmanns, google it :D); jedenfalls um Gebiete, die nicht primär von Sprache durchsetzt sind. Es wird dort nicht primär sprachlich ein Zugang erreicht, sondern durch das "sich-verhalten". Die Bedeutungsebene ist so eine Sache für sich, da sie tradition zu deuten mag, aber diese Tradition zerfällt ja langsam; wodurch es neuer Deutungsmuster bedarf, also einer andersartigen Kombination der Entitäten zu neuem Narrativ, in dem dann wieder Bedeutung für die nächsten 2000 Jahre stecken darf :P

Geist finde ich problematisch...ich hab diese Analogie nur gebracht um zu zeigen, dass man eben Phänomene, die man bisher nur theologisch deuten konnte, dann soziomorph deuten kann; also eine Alternative geschaffen wird zu einer anthropomorphen Entwicklungsgeschichte, welche die Theologie noch nicht ganz verwinden kann. Es geht ja gerade darum, Gebiete, die einst Geist hießen, neu zu bezeichnen; sie aus der Kognition hinaus und der Natur entgegen zu stellen; eben schlicht Zivilisation zu einem Allgemeinplatz zu machen - und dann aufzuzeigen, welche Phänomene des Geistes eben phänomenal erklärbar sind. Hierfür muss aber, paradox, natürlich zunächst darauf verwiesen werden, dass der Geist eben nicht nur Psyche und Sprache ist; sondern in diesen Strukturen originär sozietäre Elemente drinstecken, die eben nicht auf Sprache oder Psyche reduzierbar sind und noch weniger auf den nicht-geistigen Organismus (von Physik ganz zu schweigen!).

Ja, der Sprechakt ist relevant. Würde hier aber gerade die andere Seite betonen und meinen, dass im Sprechakt der Akt betont wird; dieser genommen wird und anderen Verhaltensformen oder Handlungstypiken entgegengestellt wird. Gerade weil die Logik so auf Sprache aus ist, Diskurs ebenso primär sprachlich begriffen ist; weil die Philosophie so penibel zwischen formalen und natürlichen Sprachen differenziert. Gleichzeitig bringt der Sprechakt aber auch die Dimension der Normativität ins Spiel; denn seine Daseinsberechtigung beginnt erst da, wo Institutionen eine gewisse Etiquette, damit normative Regeln stabilisiert haben. Davor brauchte es diese diplomatische Sphäre noch nicht, die der Sprechakt gemeinsam mit der idealen Sprechsituation begründet; und welche die Sprachphilosophie all die Jahre herausgearbeitet hat.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Deixis. Denn in dieser ist man originär sprachanalytisch - auf der anderen Seite aber aktiv in der Welt, weil darin der Bezug auf die Welt, damit der Akt am Sprechen betont wird; welcher in der Origo zu sich selbst kommt.

Ich denke, dass die Philosophie es gut zu Gesicht stünde, würde sie sich mal darauf besinnen, dass zwischen reiner Sinnlichkeit und Platonismus nicht nur die Physik (und der Weg über Biologie, Chemie, Atom hin zum Quant) liegt als einziges Element, das nicht-sprachlich wäre, sondern ebenso auch soziale Strukturen nicht sprachlich sind. Oder anders: Auch soziale Strukturen tragen Information, spielen aber bei Überlegungen der analytischen Philosophie absolut keine Rolle; weil auf der einen Seite stets die Sinnlichkeit und das Organische steht - auf der anderen immer die Logik, Mathematik und damit einhergehender Platonismus. Es fehlt hier das Sozialgefüge, in dem Aussagen passieren, in dem Diskurs geschieht; aus dem heraus die logischen Junktoren abgeleitet sind.
Die Metabiologie stellt sich nun so ein, dass dort eine Ebene aus der Kognition heraus emergiert (also Sozietät nicht 2. Natur ist!). Aus der Kognition...weil unsere Tradition das dummerweise so getan hat; weil wir die Allmacht einem Gotte gaben, statt diese Torheit zu verwerfen und uns selbst zu ermächtigen.




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Jörn Budesheim
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Wenn du eine allgemeinverständliche Zusammenfassung in einfachen und nachvollziehbaren Worten deiner Ab- und Ansichten schreiben würdest, wie würde die aussehen? Also einen Text, der sich am Leser und der Leserin orientiert, mit dem Ziel, ein Gefühl dafür zu vermitteln, worum es dir geht. Die Idee dabei ist, dass so eine Zusammenfassung/Erläuterung eine Art Text-Öffner für deinen Beitrag sein könnte. Etwas, was den Zugang ermöglicht.



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"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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Ein Grundproblem der Soziologie liegt darin, dass darin beliebig handlungstheoretische und kommunikationstheoretische Ansätze nebeneinanderher existieren, ohne, dass eine Einigung gefunden wird, welche dieser Entitäten denn gewichtiger ist für die Beschreibung von Sozietät. Damit ist natürlich konsequent verhindert, dass die Soziologie reife Wissenschaft werden kann. Ohne nämlich eine Grenze zu finden, die Handlung und Kommunikation unterscheidet, gibt es keine reife Soziologie.
Das Sozialgefüge versucht hierbei diese Lücke oder Verwirrung aufzuklaren. Indem mittels diesem Instrument eine Möglichkeit besteht, darzulegen, ab wann Gesellschaft in Zivilisation übergeht; ab wann aus Sprache Information wird und ab wann aus Handlung Kommunikation, womit dann aus Gesellschaft Zivilisation würde und die Soziologie zu einer reifen Wissenschaft.
Das Sozialgefüge erklärt sozusagen über den Dreisprung von archaisch nach höfisch nach modern, wie aus einer archaischen Gemeinschaft ein Institutionengefüge entspringt und wie aus diesem Institutionengefüge dann ein Sozialgefüge wird.
Das Sozialgefüge wirkt hier gewissermaßen als Schleuse zwischen den spezifischen Länder, die Institutionengefüge wären und der internationalen Ebene, die einmal Zivilisation ist (geologisch) oder aber Uno oder EU (kybernetisch) Ebene ist. Wichtig ist ebenso, dass dem Sozialgefüge eine gewisse gleichgültigkeit ggü. Moral zukommt - es ist ja eher informatisch organisiert, auf Basis von Statistik nicht Deskription. Das Institutionengefüge hingegen kann moralisch sein, aber auch bspw. eine utilitaristische Ethik vertreten (christliche vs. taoistische Länder).




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Mi 20. Okt 2021, 16:49

Es geht im Grunde darum, die Lebenswelt mit ihren Institutionen und ihren, mittels Handlungen getätigten Interaktionen, einzubinden in die Systemebene des philosophischen Systems. Anders als nämlich beim soziologischen Systembegriff reicht es nicht, entweder eine System/Umwelt-Differenz einzuführen oder aber das System Lebenswelt als Subsystem des soziologischen Systems zu sehen. Dies gemeinsam reicht hin, um das soziologische System zu erkennen; also Parsons allg. Handlungssystem und Kommunikation - es reicht aber nicht, um diese Ebene in die Philosophie hineinzutragen. Hierfür muss die Region lokalisiert werden, die am soziologischen System noch durch Handlung erklärbar ist und dieses in Relation zu setzen zu dem Gebiet, das kommunikativ ist und als solches die Handlungsdimension umgreift.
Handlungen geschehen in Institutionengefügen; erzeugen dann Interaktionen und diese ein Sozialgefüge. Dieses ist dann kommunikativ und verweist auf soziale Systeme und deren Kommunikation, aus denen wiederum Kommunikate entstehen, welche dann psychologische Archetypen oder soziologische Idealtypen ermöglicht.




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Sa 23. Okt 2021, 18:26

da die Muße jetzt seit einigen Tagen verflogen ist; hier mal die fertige Datei. Es fehlt sicher noch ein bisschen der Feinschliff, insbesondere auf den letzten Seiten; aber neues wird wohl erstmal nicht dazu kommen.
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Groot
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Fr 29. Okt 2021, 17:28

Anbei eine Version mit Inhaltsverzeichnis, da mir doch einige male gesagt wurde es sei scheiss unübersichtlich :D
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Nauplios
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Daß Du ein Inhaltsverzeichnis beigegeben hast, ist gut. So findet man sich besser zurecht. Ich greife mal den einen oder anderen Punkt heraus Groot, an dem ich hängenbleibe. Dieses Hängenbleiben kann seine Gründe in der Zustimmung und Ergänzung haben, natürlich nur ganz selten in dem leisen Zweifel (s.o.) ;)

"Denn dem Diskurs geht es darum, Symbolwelten zu koordinieren." Sind mit diesen Symbolwelten die von Cassirer entfalteten kulturellen Symbolwelten (beispielsweise Wissenschaft, Kunst, Religion, Mythos usw.) gemeint? Den Namen Cassirer hat die Suchfunktion des PDF nicht gefunden. Mit Cassirer würde eine anthropologische Ebene eingezogen. Vielleicht ist das beabsichtigt, vielleicht auch nicht.




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Nauplios
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"Denn auf der materiellen Seite hat sich der Markt unheilvoll in die Gesellschaft gefressen, die für diesen Stachel liebend gerne ihre Moral über Bord geworfen hat."

Du sprichst in dem Zusammenhang den Utilitarismus an. Adam Smith hatte von 1752 bis 1763 den Lehrstuhl für Moralphilosophie in Glasgow inne. Eines der Hauptwerke von Bentham trägt den Titel An Introduktion to the Principles of Morals and Legislation. Hier könnte eine Ideengeschichte der ökonomischen Vernunft noch archäologische Ausgrabungen machen. Vermutlich hat Luhmann dazu etwas geschrieben, ich bin mir aber auch nicht sicher.




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Nauplios
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"Denn während der Weg von der idealistischen Philosophie zur Soziologie gut abgesteckt scheint, ist andersherum eine Integration der philosophischen Handlungsebene ins soziologische System noch nicht gelungen."

Nun kommt ja in der "idealistischen Philosophie" der Andere als alter ego vor; er ist auch ein Ich, aber eben ein anderes. Man kann das noch bei Husserl sehen, bei dem es auch das alter ego gibt, auch Intersubjektivität, aber von dort aus geht es dann nicht so recht weiter. - Die moderne Gesellschaft als soziales System läßt sich in ihrer Komplexität nicht von einer Theorie der Intersubjektivität aus beschreiben. Denn Gesellschaft in ihren Funktionsweisen ist anderes als die Gesamtheit von Subjekten. Deswegen gibt Niklas Luhmann ja die Referenz auf das Subjekt, auf den Menschen u.ä. auf. -

Oder anders gesagt: Die "Integration der philosophischen Handlungsebene ins soziologische System" - das kann im Grunde gar nicht gelingen. ;)




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