Ordo- vs. Neoliberalismus

Ursprünglich in der praktischen Philosophie beheimatet sind Theorien der Gesellschaft heute weitgehend von der Soziologie aufgegriffen worden.
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Groot
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Mo 11. Jul 2022, 18:13

Anbei zwei Hausarbeiten über das Buch "Geburt der Biopolitik".

Es geht in der ersten um den Unterschied von juridischem und ökonomischen Subjekt, sowie um den Vgl. der Planbarkeit im Ordo und einer Zentralwirtschaft. Eucken und Müller-Armack nahmen hier die Gegenposition zu

Die zweite befasst sich mit Tönnies Buch "Gemeinschaft und Gesellschaft". Dort wird Gesellschaft enorm ökonomisch begriffen und ein schöner Blick auf Papiergeld wird einsichtig. Aber auch der Unterschied von ordoliberalen, neo- und apertistischen Liberalen, wird betrachtet.

Vielleicht hat ja wer Lust Kritik zu üben und ein bisschen über Liberalismus zu diskutieren.
Biopolitik HAddd.pdf
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HA Liberalismus 2.pdf
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Nauplios

Di 12. Jul 2022, 18:50

Ich habe mir die Arbeit über Tönnies gerade mal angeschaut, Groot. ;) Tönnies ist ja heute immer noch eine Pflichtlektüre für Soziologiestudenten, Gemeinschaft und Gesellschaft ein Klassiker. Erst vor wenigen Jahren wurden bis dahin verschollene Teile seines Spätwerks Geist der Neuzeit entdeckt; der erste Teil erschien 1935. Tönnies geht der Frage nach der "gegenseitigen Bejahung" der Menschen nach, in bewußtem Gegensatz zu Hobbes Krieg aller gegen alle, den Hobbes ja als Naturzustand des Menschen ansah. Man sieht auch bei Tönnies die Schwierigkeit, soziologisch zu erfassen, was Menschen miteinander verbindet. Exemplarisch diese von Dir zitierte Stelle:



"Gesellschaft also, durch Convention und Naturrecht einiges Aggregat[;] wird begriffen als eine Menge von natürlichen und künstlichen Individuen, deren Willen und Gebiete in zahlreichen Beziehungen zu einander und in zahlreichen Verbindungen mit einander stehen, und doch von einander unabhängig und ohne gegenseitige innere Einwirkung bleiben. Und hier ergibt sich die allgemeine Beschreibung der 'bürgerlichen Gesellschaft' oder 'Tauschgesellschaft', deren Natur und Bewegungen die politische Oekonomie zu erkennen beflissen ist: eines Zustandes, worin nach dem Ausdrucke Adam Smith >Jedermann ein Kaufmann ist<“ (S. 60, §25)" (Ferdinand Tönnies; Gemeinschaft und Gesellschaft)

"Zahlreiche Beziehungen" ... "Zahlreiche Verbindungen" ... und entscheidend: "ohne gegenseitige innere Einwirkung" ... Wie die "Menge von natürlichen und künstlichen Individuen" dann buchstäblich ins Geschäft kommt läuft über den Tausch und die "Natur" der Tauschgesellschaft. Deren Vorläufer einer "rituellen Ökonomie" und Weiterentwicklung unter den Bedingungen des frühneuzeitlichen Liberalismus und seinen historischen Transformationen gehst Du dann ja nach unter Einbeziehung von Mauss, Foucault und anderen. Tönnies konstruiert die "Gemeinschaft" als "Verbindung des 'Blutes'" als zunächst "ein Verhältnis der Leiber" und zudem als "gemeinsame Beziehung auf Gegenstände", also die intersubjektiv abgesicherte Beziehung auf das, was die bürgerliche Tauschgesellschaft ausmacht: Gegenstände, die "gemeinsam besessen und genossen" werden, eben ausgetauscht werden können.

Aufgefallen ist mir die Verquickung, die Du ansprichst, von Naturrecht und Marktordnung:

"Der Staat und die Individuen sind in jenem von Anbeginn eingebunden in die Ordnung des Marktes, welcher seine Ursprünge mit der Naturrechtsordnung der Neuzeit entstehen sieht." (Groot)

Hier wären vielleicht die Arbeiten von Leo Strauss (Naturrecht und Geschichte) erwähnenswert, der sich für das Naturrecht einsetzt und den Liberalismus - insbesondere den amerikanischen Neoliberalismus - kritisiert. Strauss beschäftigt sich eigentlich, ähnlich wie Tönnies, mit den Bedingungen, unter denen die Neuzeit entsteht.

Alles in allem: Daumen hoch für Deine Hausarbeit. ;) (wie immer)




Nauplios

Di 12. Jul 2022, 19:16

Erwähnenswert ist Dein Zitat (Fußnote 8) von Ludwig von Mises, der "Gemeineigentum" und "Sondereigentum" unterscheidet:

"Alles zu beherrschen, keinen Spielraum zu lassen, in dem sich die Dinge frei ohne Eingreifen der Obrigkeit vollziehen können, das ist das Ziel, dem jeder Machthaber heimlich zustrebt. Diesem Streben tritt nun das Sondereigentum entgegen. Das Sondereigentum schafft eine staatsfreie Sphäre des Individuums, es setzt dem Auswirken des obrigkeitlichen Willens Schranken, es läßt neben und gegen die politische Macht andere Mächte aufkommen. Das Sondereigentum wird damit zur Grundlage aller staats- und gewaltfreien Lebensbetätigung, zum Pflanz- und Nährboden der Freiheit, der Autonomie des Individuums und in weiterer Folge aller fortschreitenden Entwicklung des Geistigen und des Materiellen. In diesem Sinne hat man das Eigentum als die Grundbedingung der Entwicklung des Individuums bezeichnet, eine Formulierung, der man nur mit vielen Vorbehalten zustimmen kann, weil die übliche Gegenüberstellung von Individuum und Gesamtheit, von individualistischen und kollektivistischen Ideen und Zielen oder gar von individualistischer und universalistischer Wissenschaft ein leeres Schlagwort ist.“ (von Mises; Liberalismus, S. 60)

Dieser Ludwig von Mises betrieb übrigens in seiner Zeit bei der Handelskammer in Wien ein Privatseminar, an dem auch Alfred Schütz teilnahm, ebenso Eric Voegelin.




Groot
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Mi 13. Jul 2022, 00:11

haha, so viele lesen den glaub nicht mehr :P Was schade ist, denn es ist ein spannender Übergang aus den Überresten der Feudalzeit und der großen Reiche hinein in die bürgerliche Gesellschaft mit ihren Nationalstaaten.

Der Markt ist als Konkurrenz, Foucault folgend, tatsächlich ein Phänomen der Neuzeit. Das Spätwerk von Tönnies werde ich mir mal anschauen müssen, es ist eine sehr spannende Epoche...und für mich zum ersten mal eine, die konkret interessant scheint und nicht unmittelbar ins abstrakt allgemeine Eine gestellt und damit transzendental gemacht wird.

von Mises ist noch sehr Marktradikal und steht unter dem Einfluß des baldigen 2. WK. Aber ich finde es überspannend, wenn man Gemeineigentum als Staat sieht bzw. dem Staate zugeschlagen es auffasst. Dadurch wird der Natur kein Boden zugestanden, was problematisch ist bzw. bis Foucault problematisch war.

Naja, mal sehen was bei raus kommt. Ich befürchte nur, dass es ein bisschen zu chaotisch ist und der 4. Teil ist nicht optimal, weil der Platz knapp wurde...20 Seiten und der beginnt auf S. 18 oder so.




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Consul
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Mo 6. Jul 2026, 00:39

Was ist der Neoliberalismus? – Hier sind einige Antworten:
"Auf einer grundlegenden Ebene lässt sich sagen, dass mit dem Begriff „Neoliberalismus“ im Allgemeinen jene neuen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnungen gemeint sind, die Marktbeziehungen, eine Neuausrichtung der Rolle des Staates sowie Eigenverantwortung in den Vordergrund stellen. Weitgehender Konsens herrscht in der Forschung darüber, dass der Neoliberalismus im weiteren Sinne als Ausdehnung wettbewerbsorientierter Märkte auf alle Lebensbereiche – einschließlich Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – definiert wird." [übersetzt von Google]

(Springer, Simon, Kean Birch, and Julie MacLeavy. "An Introduction to Neoliberalism." In The Handbook of Neoliberalism, edited by Simon Springer, Kean Birch, and Julie MacLeavy, 1-14. New York: Routledge, 2016. p. 2)
"Der Neoliberalismus vertritt die Auffassung, dass die politischen und wirtschaftlichen Institutionen einer Gesellschaft entschieden liberal und kapitalistisch gestaltet sein sollten, ergänzt jedoch durch eine verfassungsrechtlich begrenzte Demokratie und einen maßvollen Sozialstaat. Neoliberale befürworten liberale Rechte und die Marktwirtschaft, um die Freiheit zu schützen und den wirtschaftlichen Wohlstand zu fördern. Sie stehen der Demokratie grundsätzlich positiv gegenüber, betonen jedoch ebenso sehr deren Grenzen wie deren Notwendigkeit. Und wenngleich Neoliberale typischerweise der Ansicht sind, dass der Staat für soziale Absicherung und öffentliche Güter sorgen sollte, stehen sie einem regulierenden Staat, umfangreichen Staatsausgaben sowie einer staatlich gesteuerten antizyklischen Wirtschaftspolitik skeptisch gegenüber. Somit ist der Neoliberalismus weit mehr als eine bloße Wirtschaftslehre." [übersetzt von Google]

Neoliberalism (Kevin Vallier): https://plato.stanford.edu/entries/neoliberalism/
"Der Neoliberalismus ist eine Ideologie und ein politisches Modell, das den Wert des freien Marktwettbewerbs betont. Obwohl über die bestimmenden Merkmale neoliberalen Denkens und Handelns erheblicher Dissens herrscht, wird er zumeist mit der Laissez-faire-Wirtschaftslehre in Verbindung gebracht. Insbesondere zeichnet sich der Neoliberalismus durch den Glauben an dauerhaftes Wirtschaftswachstum als Mittel zum menschlichen Fortschritt, das Vertrauen in freie Märkte als effizienteste Form der Ressourcenallokation, die Betonung minimaler staatlicher Eingriffe in wirtschaftliche und soziale Belange sowie das Bekenntnis zum freien Waren- und Kapitalverkehr aus." [übersetzt von Google]

Neoliberalism (Nicola Smith): https://www.britannica.com/money/neoliberalism
"Die drei Dimensionen des Neoliberalismus

„Neoliberalismus“ ist ein recht weit gefasster und allgemeiner Begriff, der ein Wirtschaftsmodell oder „Paradigma“ bezeichnet, das in den 1980er Jahren an Bedeutung gewann. Basierend auf dem klassisch-liberalen Ideal des sich selbst regulierenden Marktes tritt der Neoliberalismus in verschiedenen Strömungen und Varianten auf. Am besten lässt sich der Neoliberalismus wohl als drei miteinander verwobene Erscheinungsformen verstehen: (1) eine Ideologie; (2) eine Regierungsform; (3) ein Maßnahmenpaket. Betrachten wir diese grundlegenden Dimensionen genauer.

Ideologien sind Systeme weit verbreiteter Ideen und strukturierter Überzeugungen, die von bedeutenden gesellschaftlichen Gruppen als wahr akzeptiert werden. Solche „Ismen“ dienen als unverzichtbare gedankliche Orientierungshilfen, da sie den Menschen helfen, sich in der Komplexität ihrer politischen Lebenswelt zurechtzufinden. Sie vermitteln nicht nur ein mehr oder weniger stimmiges Bild der Welt, wie sie ist, sondern auch, wie sie sein sollte. Dabei fassen Ideologien ihre Kernideen zu relativ einfachen Wahrheitsansprüchen zusammen, die Menschen zu bestimmten Handlungsweisen bewegen. Diese Ansprüche werden von den Verfechtern und Formulierern von Ideologien konstruiert, um bestimmte politische Interessen zu legitimieren sowie vorherrschende Machtstrukturen zu verteidigen oder infrage zu stellen. Zu den Akteuren, die den Neoliberalismus maßgeblich prägen und formulieren, zählen globale Machteliten: Manager und Führungskräfte großer transnationaler Konzerne, Lobbyisten der Wirtschaft, einflussreiche Journalisten und PR-Spezialisten, Intellektuelle mit breiter öffentlicher Wirkung, Prominente und Top-Entertainer sowie staatliche Bürokraten und Politiker.

Als führende Verfechter des Neoliberalismus durchdringen diese Akteure den öffentlichen Diskurs mit idealisierten Vorstellungen einer konsumorientierten, marktwirtschaftlichen Welt. Indem sie geschickt mit den Medien agieren, um der Öffentlichkeit ihre bevorzugte Vision eines einheitlichen Weltmarktes zu vermitteln, stellen sie die Globalisierung der Märkte in einem positiven Licht dar – als unverzichtbares Instrument zur Verwirklichung einer besseren Welt. Solche marktzentrierten Globalisierungsvisionen prägen die öffentliche Meinung und politische Entscheidungen in vielen Teilen der Welt. Tatsächlich fungieren neoliberale Entscheidungsträger als versierte Gestalter einer attraktiven ideologischen Hülle für ihre marktfreundliche politische Agenda. Ihre ideologischen Argumente sind durchsetzt mit Verweisen auf die weltweite wirtschaftliche Verflechtung, die auf den Prinzipien des marktwirtschaftlichen Kapitalismus beruht: globaler Handel und Finanzmärkte, weltweite Ströme von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften, transnationale Konzerne, Offshore-Finanzplätze und so weiter. Daher ist es sinnvoll, den Neoliberalismus als eine stark ökonomistisch geprägte Ideologie zu betrachten, die – ähnlich wie ihr Erzrivale, der Marxismus – die Produktion und den Austausch materieller Güter in den Mittelpunkt menschlichen Daseins stellt.

Die zweite Dimension des Neoliberalismus bezieht sich auf das, was der französische Sozialdenker Michel Foucault als „Gouvernementalitäten“ bezeichnete – bestimmte Formen des Regierens, die auf spezifischen Prämissen, Logiken und Machtverhältnissen beruhen. Eine neoliberale Gouvernementalität wurzelt in unternehmerischen Werten wie Wettbewerbsfähigkeit, Eigeninteresse und Dezentralisierung. Sie propagiert die Stärkung der Eigenverantwortung des Einzelnen sowie die Verlagerung zentralstaatlicher Befugnisse auf kleinere, lokale Einheiten. Eine solche neoliberale Regierungsweise betrachtet den selbstregulierenden freien Markt als das Modell für angemessenes Regierungshandeln. Anstatt sich an traditionellen Prinzipien zu orientieren – etwa der Förderung des Gemeinwohls (statt der Gewinnmaximierung) durch die Stärkung der Zivilgesellschaft und sozialer Gerechtigkeit –, setzen Neoliberale auf Regierungstechniken aus der Welt der Wirtschaft: die verbindliche Erstellung „strategischer Pläne“ und „Risikomanagement“-Konzepte, die auf die Erwirtschaftung von „Überschüssen“ ausgerichtet sind; Kosten-Nutzen-Analysen und sonstige Effizienzberechnungen; die Verschlankung politischer Steuerungsprozesse (sogenannte „Best-Practice-Governance“); die Festlegung quantitativer Zielvorgaben; die engmaschige Überwachung von Ergebnissen; die Einführung hochgradig individualisierter, leistungsbezogener Arbeitspläne sowie von „Rational-Choice“-Modellen, die marktkonformes Verhalten internalisieren und damit normalisieren. Neoliberale Regierungsweisen fördern den Wandel bürokratischer Mentalitäten hin zu unternehmerischen Identitäten: Beschäftigte im öffentlichen Sektor verstehen sich nicht mehr als Diener des Gemeinwohls und Hüter eines qualitativ definierten „öffentlichen Guts“, sondern als eigeninteressierte, dem Markt verpflichtete Akteure, die zum finanziellen Erfolg verschlankter staatlicher „Unternehmen“ beitragen.

Anfang der 1980er Jahre eroberte ein neuartiges Modell der öffentlichen Verwaltung – bekannt als „New Public Management“ – die staatlichen Bürokratien weltweit im Sturm. Indem es den neoliberalen Regierungsstil auf den öffentlichen Dienst übertrug, definierte es die Bürger zu „Kunden“ oder „Klienten“ um und ermutigte Verwaltungsangestellte dazu, einen „unternehmerischen Geist“ zu entwickeln. Wenn private Unternehmen Innovationen fördern und ihre Produktivität steigern müssen, um im Wettbewerb zu bestehen, warum sollten sich dann nicht auch Staatsbedienstete neoliberale Ideale zu eigen machen, um den öffentlichen Sektor zu verbessern? Ausgehend von dieser neoliberalen Gouvernementalität nutzte US-Vizepräsident Al Gore in den 1990er Jahren Prinzipien des New Public Management, um verschiedene Behörden einer „National Performance Review“ zu unterziehen; erklärtes Ziel war es dabei, „staatliche Verschwendung“ zu reduzieren sowie die Effizienz, Effektivität und Rechenschaftspflicht der Verwaltung zu steigern.

Drittens manifestiert sich der Neoliberalismus als ein konkretes Bündel politischer Maßnahmen, das sich in der sogenannten „D-L-P-Formel“ zusammenfassen lässt: (1) Deregulierung (der Wirtschaft), (2) Liberalisierung (von Handel und Industrie) und (3) Privatisierung (staatlicher Unternehmen). Zu den damit verbundenen politischen Maßnahmen gehören: massive Steuersenkungen (insbesondere für Unternehmen und Spitzenverdiener); der Abbau von Sozialleistungen und Wohlfahrtsprogrammen; die Ersetzung von „Welfare“ (klassischer Sozialfürsorge) durch „Workfare“ (Sozialleistungen geknüpft an Arbeitsverpflichtungen); der Einsatz von Zinssätzen durch unabhängige Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung (selbst auf Kosten steigender Arbeitslosigkeit); die Verkleinerung des Staatsapparats; Steueroasen für in- und ausländische Unternehmen, die in ausgewiesenen Wirtschaftszonen investieren; neue, von Marktzwängen geprägte urbane Gewerbeflächen; Maßnahmen gegen Gewerkschaften im Namen der Produktivitätssteigerung und „Arbeitsflexibilität“; die Aufhebung von Kontrollen über globale Finanz- und Handelsströme; die regionale und globale Integration nationaler Volkswirtschaften sowie die Schaffung neuer politischer Institutionen, Denkfabriken und Praktiken, die darauf ausgelegt sind, das neoliberale Paradigma zu reproduzieren. Wie in späteren Kapiteln noch zu sehen sein wird, unterstützten sogenannte „neokonservative“ Initiativen häufig die neoliberale politische Agenda, um gemeinsame politische Ziele zu verfolgen. Umgekehrt machten sich viele Neoliberale konservative Werte zu eigen – insbesondere „Familienwerte“, eine harte Strafverfolgung und ein starkes Militär. Die nahezu universelle Übernahme zumindest einiger Bestandteile dieses politischen Maßnahmenpakets in den 1990er Jahren spiegelte die weltweite Macht der ideologischen Ansprüche des Neoliberalismus wider." [übersetzt von Google]

(Steger, Manfred B., and Ravi K. Roy. Neoliberalism: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press, 2010. pp. 11-4)



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Consul
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Mo 6. Jul 2026, 01:14

Wie verhält sich der Neoliberalismus zum Rechtsextremismus?

Das Verhältnis zwischen Neoliberalismus und Rechtsextremismus wird in der Politikwissenschaft, Soziologie und Ökonomie als ein widersprüchliches, aber eng miteinander verflochtenes Wechselverhältnis analysiert. Während sich beide Ideologien theoretisch in Kernpunkten (wie Globalisierung oder der Rolle des Staates) widersprechen, fungiert der Neoliberalismus in der Praxis oft als Nährboden und Wegbereiter für rechtsextreme und autoritäre Entwicklungen. [1, 2, 3, 4, 5]
Anbei finden Sie eine Übersicht zu den Zusammenhängen, Parallelen und Widersprüchen.
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## 1. Der Neoliberalismus als sozioökonomischer Nährboden
Die soziologische Forschung zeigt, dass die konkreten Auswirkungen neoliberaler Politik den Aufstieg rechtsextremer Strömungen massiv begünstigen: [4, 6]

* Prekarisierung und Abstiegsängste: Der Rückbau des Sozialstaates, die Deregulierung von Arbeitsmärkten und die Privatisierung öffentlicher Güter führen zu sozialer Ungleichheit und Verunsicherung. Die Angst vor dem sozialen Abstieg erzeugt ein hohes Frustrationspotenzial. [3, 6, 7, 8]
* Sündenbock-Mechanismus: Rechtsextreme und rechtspopulistische Akteure greifen diese Abstiegsängste auf. Sie lenken den systemischen Frust über neoliberale Härten von den wirtschaftlichen Ursachen ab und projizieren ihn auf Minderheiten, Migranten oder "die Eliten". [1, 4, 6]
* Entsolidarisierung durch Marktfundamentalismus: Wenn der Wettbewerb zum universellen Leitbild der Gesellschaft erhoben wird, schlägt dies in einen "Standortnationalismus" um. Menschen werden nur noch nach ihrer wirtschaftlichen Nützlichkeit bewertet, was die rechtsextreme Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen vorbereitet. [3, 9, 10]

## 2. Ideologische Berührungspunkte und Parallelen
Trotz unterschiedlicher Kernbotschaften teilen Neoliberalismus und Rechtsextremismus strukturelle Gemeinsamkeiten in ihrem Menschen- und Gesellschaftsbild:

* Sozialdarwinismus und Leistungskult: Beide Ideologien teilen die Vorstellung, dass Ungleichheit natürlich oder sogar Leistungsgerechtigkeit sei. Wer versagt, ist im Neoliberalismus selbst schuld (mangelnde Selbstoptimierung); im Rechtsextremismus wird dies völkisch-kollektivistisch umgedeutet. [3, 8, 11]
* Demokratie- und Staatskritik: Der Neoliberalismus versucht oft, demokratische Entscheidungsprozesse zugunsten von Marktmechanismen zu begrenzen oder zu umgehen (z.B. durch transnationale Verträge). Diese Entmachtung demokratischer Institutionen ebnet den Weg für das rechtsextreme Narrativ, die Demokratie sei handlungsunfähig, und stärkt den Ruf nach autoritären Führungsfiguren. [12]
* Autoritärer Liberalismus: Historisch und theoretisch zeigt sich, dass neoliberale Denker (wie Friedrich Hayek) im Zweifel eine autoritäre Diktatur, die das Privateigentum schützt, einer sozialistischen Demokratie vorzogen (z.B. die Unterstützung des Pinochet-Regimes in Chile). In Krisen bricht sich der autoritäre Charakter des Neoliberalismus schnell Bahn. [3, 12, 13]

## 3. Die ideologischen Widersprüche
Trotz der praktischen Allianz stehen sich beide Strömungen in fundamentalen Prinzipien diametral gegenüber:

| Kriterium [3, 8, 14, 15, 16, 17] | Neoliberalismus || Rechtsextremismus |
|---|---|---|
| Wirtschaftsausrichtung | Kosmopolitisch, globalisiert, freier Waren- und Kapitalverkehr. || Protektionistisch, autarkieweltweit orientiert ("völkischer Antikapitalismus"). |
| Bezugspunkt | Das radikal eigenverantwortliche Individuum (Homo oeconomicus). || Das völkische, ethnisch homogene Kollektiv ("Du bist nichts, dein Volk ist alles"). |
| Rolle des Staates | Staat als "Nachtwächter" oder Setzer von Marktregeln (Ordoliberalismus). || Totalitärer, starker Staat als politisches und kulturelles Kontrollorgan. |

## Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Neoliberalismus agiert ungewollt, aber strukturell als Katalysator des Rechtsextremismus. Er zersetzt durch seine wirtschaftlichen Imperative die soziale Kohäsion und demokratische Legitimität. [3, 12, 18]
Die extreme Rechte nutzt die resultierenden Krisen, indem sie die neoliberale Praxis der sozialen Kälte übernimmt (z.B. die Ablehnung von Sozialleistungen für vermeintlich "Leistungsunwillige"), den globalen Freihandel jedoch durch einen aggressiven, völkisch-nationalistischen Protektionismus ersetzen will. [3, 19]

[1] [https://www.apb-tutzing.de](https://www.apb-tutzing.de/news/2020-01 ... populismus)
[2] [https://www.zvab.com](https://www.zvab.com/9783320020866/Neol ... 020862/plp)
[3] [https://www.attac.de](https://www.attac.de/fileadmin/user_upl ... rechts.pdf)
[4] [https://www.buchingerkuduz.com](https://www.buchingerkuduz.com/restartt ... tremismus/)
[5] [https://www.surplusmagazin.de](https://www.surplusmagazin.de/rechtsruc ... aschismus/)
[6] [https://www.polsoz.fu-berlin.de](https://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss ... ahosz9.pdf)
[7] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=LZLZJWVFZvs&t=427)
[8] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=4rBtE0ytAUE&t=406)
[9] [https://link.springer.com](https://link.springer.com/chapter/10.10 ... -95118-2_4)
[10] [https://www.kas.de](https://www.kas.de/de/web/geschichtsbew ... remismus-2)
[11] [https://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de](https://www.verfassungsschutz.niedersac ... 51662.html)
[12] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=RGTfvgCbTN8)
[13] [https://www.faz.net](https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fi ... 33799.html)
[14] [https://www.rosalux.de](https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_up ... rwegge.pdf)
[15] [https://en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Neoliberalism)
[16] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=D2_FrlE4t1k&t=860)
[17] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus)
[18] [https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/watch?v=TcEPWm5YkGc)
[19] [https://etosmedia.de](https://etosmedia.de/politik/gruende-fu ... n-rechten/)

Quelle: Google KI
Tja, ob das alles so stimmt, wie von Google KI zusammengeklaubt, scheint fraglich sein.
Zum Beispiel: "Das radikal eigenverantwortliche Individuum (Homo oeconomicus)"
Dazu steht im SEP-Artikel über den Neoliberalismus Gegenteiliges:
"Der Neoliberalismus als philosophische Lehre ist kein Versuch, Institutionen mit der Vorstellung menschlicher Akteure als Homo oeconomicus zu durchdringen."

Quelle: https://plato.stanford.edu/entries/neoliberalism/
Im Google-Text wird dem Neoliberalismus "Sozialdarwinismus" vorgeworfen, doch das stimmt so nicht:
"Der Wohlfahrtsstaat/Sozialstaat

Neoliberale befürworten eine moderate Besteuerung, die Umverteilung von Vermögen, die Bereitstellung öffentlicher Güter sowie die Einführung von Sozialversicherungen; sie befürworten damit einen Staat, der über jene Minimalform hinausgeht, in der sich die staatliche Tätigkeit auf den Schutz der Bevölkerung vor ausländischen Mächten und inländischen Kriminellen, die Bereitstellung öffentlicher Güter und begrenzte Leistungen für Bedürftige beschränkt. So sprechen sich beispielsweise [Friedrich] Hayek (Caldwell 2004: 291), [Milton] Friedman (Butler 1985: 206) und [James] Buchanan (1975: 35–52) für eine staatliche Bereitstellung öffentlicher Güter aus, da Märkte diese in unzureichendem Maße produzieren; folglich sollte der Staat tätig werden, auch wenn er dabei bisweilen scheitern mag (Butler 1985: 206).

Natürlich stehen Neoliberale staatlichen Regulierungen skeptisch gegenüber, vor allem weil sie der Ansicht sind, dass Regulierungsbehörden dazu neigen, von ursprünglich guten Zielen abzukommen und für schlechte Zwecke instrumentalisiert zu werden (2007: 93). Dies ist ein durchgängiges Thema in Friedmans Werk (1962a [2002: 137–160]), insbesondere in seiner Kritik an der staatlichen Zulassungspflicht für bestimmte Berufe. Auch die Analyse des sogenannten „Rent-Seeking“ (Streben nach Renten) zählt zu den zentralen Ideen Buchanans, die er mit seinem langjährigen Koautor Gordon Tullock teilte. Große Bürokratien übertragen Verwaltungsbeamten ein Übermaß an Macht – eine Macht, die geradezu dazu einlädt, von Interessengruppen missbraucht zu werden (Butler 1983: 209). Zudem lehnen Neoliberale ausnahmslos die keynesianische Fiskalpolitik ab, insbesondere schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme (Buchanan 1987: 456; Butler 1985: 186). Diese Bedenken lassen sich jedoch durchaus mit einer Befürwortung des Sozialstaats vereinbaren.

Hayek steht verschiedenen staatlichen Eingriffen durchaus positiv gegenüber. In The Road to Serfdom (Der Weg zur Knechtschaft) befürwortet Hayek (1944 [2007]) eine antizyklische Geldpolitik, den staatlichen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, eine Sozialversicherung gegen Naturkatastrophen, eine staatliche Krankenversicherung, ein Grundeinkommen sowie strenge Regelungen in Bezug auf Arbeitszeiten, Arbeitsschutz, Giftstoffe, Abholzung, schädliche landwirtschaftliche Methoden, Lärm, Rauch und die Preise für Güter und Dienstleistungen, bei denen es sich um natürliche Monopole handelt (1944 [2007: 22, 43–4, 133–5, 217]; Burgin 2012: 90–1). Ebenso heißt es in The Constitution of Liberty (Die Verfassung der Freiheit), der Staat solle Depressionen verhindern sowie Renten, medizinische Versorgung und Mittel für Bildung in Form von Gutscheinen bereitstellen (1960 [2011: 264, 276, 286, 294, 379]). Hayek betont wiederholt, dass die

alten Formeln des Laissez-faire oder der Nichteinmischung uns kein angemessenes Kriterium dafür an die Hand geben, zwischen dem zu unterscheiden, was in einem freien System zulässig ist und was nicht. (1960 [2011: 231]; siehe auch Hayek 1944 [2007: 71]; 1973: 62; 1979: 41)

Hayek befürwortet sogar ein Grundeinkommen:

… die Gewährleistung eines gewissen Mindesteinkommens für alle … erscheint nicht nur als ein vollauf berechtigter Schutz gegen ein allen gemeinsames Risiko, sondern als ein notwendiger Bestandteil der „Großen Gesellschaft“, in der der Einzelne keine spezifischen Ansprüche mehr an die Mitglieder jener kleinen Gruppen hat, in die er hineingeboren wurde. (1979: 55)

Auch wenn Hayeks Verwendung des Begriffs „legitim“ unpräzise ist und sich womöglich nur teilweise mit dessen Gebrauch in der zeitgenössischen politischen Philosophie deckt, ist er offenbar der Ansicht, dass Regierungen moralisch dazu verpflichtet sind, sozialstaatliche Maßnahmen zu ergreifen. Regierungen sollten sich der Armutsbekämpfung widmen – nicht nur, weil sie nützlich ist, sondern weil sie das Richtige ist. Zwar hegt Hayek Bedenken, dass soziale Sicherungssysteme außer Kontrolle geraten könnten, doch befürwortet er sie dennoch (Caldwell 2004: 291).

Obwohl Friedman derjenige der drei ist, der am stärksten libertäre Positionen vertritt (Burgin 2012: 213), plädiert er keineswegs für die Abschaffung jeglicher Umverteilung von Vermögen; vielmehr vertritt er die Ansicht, der Staat solle „akute Not und Elend lindern“ (Friedman 1951 [2012: 7]). Der Staat sollte

jene Mitglieder der Gemeinschaft schützen, die nicht als „verantwortungsbewusste“ Individuen gelten können – vor allem Kinder und Geisteskranke. (Butler 1985: 206)

Und weiter:

Der Liberale wird staatliche Maßnahmen zur Armutsbekämpfung unterstützen und begrüßen, vor allem aus dem explizit paternalistischen Motiv heraus, für diejenigen zu sorgen, die nicht für sich selbst verantwortlich handeln können. (Friedman 1974b [2012: 23])

Zu seinen bekanntesten politischen Vorschlägen zählt die negative Einkommensteuer: Dabei erhielten einkommensschwache Personen bei Unterschreiten einer bestimmten Einkommensgrenze staatliche Geldleistungen, finanziert durch die Einkommensteuer von Besserverdienenden und der Mittelschicht (Friedman 1962a [2002: 191–4]). Friedman (1960 [2002: 191–2]) hielt dieses Instrument zur Armutsbekämpfung für legitim, da rein private Wohltätigkeit zum Trittbrettfahrerproblem führen könne. Zudem entwickelte er das Konzept der Bildungsgutscheine (Friedman 1962a [2002: 85–107]) und befürwortete die Schulpflicht, sofern der Staat nicht die Kontrolle über die Schulen ausübte (Friedman 1974b [2012: 20]).[8] Allerdings hegte Friedman Bedenken, der Sozialstaat könne zu bürokratisch und autoritär werden; daher sprach er sich dafür aus, den Großteil der sozialstaatlichen Programme durch direkte Geldleistungen zu ersetzen.

Zwei weitere Punkte zu Friedmans Ansichten über Armutsbekämpfung seien hier erwähnt. Erstens vertritt Friedman die Auffassung, dass

[e]s keine natürlichen Regeln und Definitionen von Eigentum [gibt]. Letztlich liegt der Festlegung, wo wir die Grenze ziehen, ein im Wesentlichen willkürliches Element zugrunde. (1974a [2017: 86])

Dies ist ein Argument, das häufig von Kritikern des Libertarismus vorgebracht wird; sie begründen dies damit, dass Eigentumsrechte konventioneller und nicht natürlicher Natur seien und daher Umverteilungsmaßnahmen moralisch nicht ausschließen könnten (Murphy & Nagel 2002). Die zitierte Passage legt nahe, dass Friedmans politische Philosophie kein natürliches Recht auf Privateigentum vorsieht, das einer Umverteilung entgegenstünde. Zweitens betrachtet Friedman seine Befürwortung des Sozialstaats als Teil seiner Theorie der nicht-idealen Verhältnisse (Non-Ideal Theory) und nicht als Teil seines Idealzustands. Er befürwortet Gutscheinsysteme und die negative Einkommensteuer

nicht, weil diese zwangsläufig Bestandteil meiner idealen utopischen Gesellschaft wären, sondern weil sie mir – angesichts der gegenwärtigen Ausgangslage – als die wirksamsten Schritte erscheinen, um uns dem angestrebten Ziel zu nähern. (Burgin 2012: 175)

Tatsächlich hegt Friedman (1974a [2017: 79]) Sympathien für den Anarchismus, auch wenn er diesen nicht für eine „praktikable Gesellschaftsordnung“ hält. Dies steht im Einklang mit der Einordnung des Neoliberalismus als Theorie der nicht-idealen Verhältnisse. Während Friedman im Rahmen einer idealen Theorie als Libertärer – oder zumindest als stärker libertär orientiert im Vergleich zu den meisten anderen Neoliberalen – gilt, stellt der Neoliberalismus seine Theorie der nicht-idealen Verhältnisse dar.

Von allen Denkern lässt sich Buchanan in Bezug auf den Sozialstaat am schwersten festlegen, vertritt aber zugleich die egalitärste Position. Zur staatlichen Armutsbekämpfung äußert er sich so gut wie gar nicht. Dennoch schließt Buchanans Vertragstheorie ein gewisses Maß an Umverteilung ein; er geht davon aus, dass sein Gesellschaftsvertrag zu einem einstimmigen Konsens über einen „produktiven“ Staat führen würde – einen Staat, der zahlreiche steuerfinanzierte Güter bereitstellt und auch Sozialversicherungen anbieten könnte (Buchanan 1975: 124). Zudem tritt Buchanan für das Prinzip der Chancengleichheit ein, das seiner Ansicht nach eine hundertprozentige Erbschaftssteuer erfordert, um die Entstehung einer Aristokratie zu verhindern. Vermutlich ließen sich auf der Grundlage dieses Prinzips auch andere Formen der Umverteilung rechtfertigen.

Neoliberale lehnen eine der gängigsten Begründungen für den Sozialstaat – nämlich das Streben nach einer egalitären Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit – entschieden ab. Am deutlichsten tritt dies bei Hayek zutage, der die Idee der sozialen Gerechtigkeit gänzlich verwirft; er versteht sie – auf etwas eigenwillige Weise – als ein Bündel moralischer Prinzipien, welche die Rechtfertigbarkeit spezifischer Verteilungen wirtschaftlicher Ressourcen regeln, nicht jedoch als Prinzipien, die das Funktionieren des Wirtschaftssystems als Ganzes bestimmen. Hayek (1978: 78) hält das Konzept der sozialen Gerechtigkeit für verfehlt, da der Gerechtigkeitsbegriff nicht auf konkrete Marktergebnisse angewandt werden könne; diese seien nämlich nicht das Resultat direkter, bewusster Entscheidungen. Soziale Gerechtigkeit sei eine inkohärente Idee, vergleichbar mit der Vorstellung eines „moralischen Steins“. Hayek hält es für unerlässlich, den Staat nicht zur Herbeiführung einer bestimmten Einkommensverteilung einzusetzen (Caldwell 2004: 350):

Jede Politik, die unmittelbar auf ein materielles Ideal der Verteilungsgerechtigkeit abzielt, muss zur Zerstörung der Rechtsstaatlichkeit führen. (1944 [2007: 79])

Dennoch vertritt Hayek ein eigenwilliges Verständnis von sozialer Gerechtigkeit. Er ist der Ansicht, dass diese die Herbeiführung bestimmter wirtschaftlicher Ergebnisse verlangt, anstatt darauf zu setzen, dass die moralischen, rechtlichen und politischen Regeln einer Gesellschaft allen zugutekommen. Hayek befürwortet Letzteres. Er bezeichnet die „erstrebenswerteste Gesellschaftsordnung“ als eine,

für die wir uns entscheiden würden, wenn wir wüssten, dass unsere Ausgangsposition darin rein dem Zufall überlassen bliebe (etwa der Tatsache, in eine bestimmte Familie hineingeboren zu werden). (1978: 132)

Dass Hayek hier an Rawls erinnert, ist kein Zufall. Aufgrund seiner Lektüre früherer Schriften von Rawls (nicht von A Theory of Justice) glaubte Hayek, keinen Dissens mit Rawls zu haben, da dieser

anerkennt, dass man das Vorhaben aufgeben muss, bestimmte Systeme der Verteilung begehrter Güter als gerecht auszuzeichnen. (1978: 100)[9]

Somit scheint Hayek zwar Rawls’ Konzept der sozialen Gerechtigkeit zu teilen, nicht jedoch dessen konkrete Vorstellung davon. Und dieses Konzept der sozialen Gerechtigkeit ist mit der Freiheit vereinbar. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit führt nur dann zur Zerstörung der Rechtsstaatlichkeit, wenn unsere Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit verlangt, gezielt in bestimmte wirtschaftliche Ergebnisse einzugreifen (Hayek 1960 [2011: 85]). Diese Zusammenhänge sind Hayeks Verteidigern inzwischen wohlbekannt (Tomasi 2012: 142–150).

Buchanan und Friedman konzentrieren sich weniger darauf, soziale Gerechtigkeit abzulehnen, doch ihre Positionen ähneln denen Hayeks. Buchanans Vertragstheorie führt ihn zu der Auffassung, dass die Verteilungsverhältnisse einer Gesellschaft dann gerecht sind, wenn sie das Ergebnis von Regeln darstellen, denen alle zugestimmt haben – andernfalls sind sie es nicht; das Streben nach Verteilungsgerechtigkeit ist demnach problematisch, wenn es einen Verstoß gegen die vereinbarten verfassungsrechtlichen Regeln bedeutet. Allerdings können Gesellschaftsverträge auch Regeln zur Umverteilung vorsehen. Stimmen die Menschen solchen Regeln zu, so ist die Umverteilung gerechtfertigt. In dieser Hinsicht steht Buchanan Rawls näher als Hayek.

Zum Thema soziale Gerechtigkeit äußert sich Friedman weitaus weniger. Er betont vor allem, dass nur bestimmte Arten von Gleichheit erstrebenswert seien. So erklärt Friedman (1980 [2017: 144]) häufig, man solle lediglich Chancengleichheit anstreben, nicht Ergebnisgleichheit (Butler 1985: 218). Zudem ist es ihm ein Anliegen darzulegen, dass Märkte keine inhärente Tendenz aufwiesen, zu stark ungleichen Ergebnissen zu führen. Friedman (1955 [2017: 14]) führt aus:

Der Weg zur Verringerung von Ungleichheit … führt nicht über das irreführende Scheinheilmittel der Umverteilung von Reichtum, sondern über die Verbesserung der Funktionsweise des Marktes, die Stärkung des Wettbewerbs und die Erweiterung der Möglichkeiten für den Einzelnen, seine eigenen Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen.

Unterschiede in der wirtschaftlichen Macht sprechen nicht für einen umverteilenden Staat, sondern für mehr Kapitalismus:

Der Vorzug des Kapitalismus auf der Grundlage des freien Unternehmertums liegt darin, dass er einen Unternehmer gegen einen anderen antreten lässt und somit das wirksamste Kontrollinstrument darstellt. (1974a [2017: 84])

Freie Märkte untergraben monopolistische Wirtschaftsmacht, während der Staat diese erst schafft (Butler 1985: 210)." [übersetzt von Google]

Quelle: Neoliberalism: https://plato.stanford.edu/entries/neoliberalism/



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Mo 6. Jul 2026, 02:46

Der Ordoliberalismus (die Freiburger Schule der Nationalökonomie) wird (als deutscher Neoliberalismus) zum Neoliberalismus gezählt.
"Das neoliberale Denken entwickelte sich in Reaktion auf die Krise des Liberalismus in den 1930er Jahren, und es gibt einen gemeinsamen neoliberalen Nenner, wenn auch einen sehr kleinen: Es handelt sich nicht um eine geteilte Doktrin, sondern vielmehr um das, was ich als die neoliberale Problematik bezeichne, die sich um die Bedingungen der Möglichkeit von funktionierenden Märkten dreht. Diese Problematik kennzeichnet das Werk diverser Denker, die sich in diesem Sinne zu Recht als Neoliberale bezeichnen lassen. Dazu gehören die deutschen Ordoliberalen Walter Eucken, Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow, aber auch Friedrich August Hayek, Milton Friedman und James Buchanan. Ihrem Denken entstammen die Ideen, Entwürfe und Argumente, die im ersten, zentralen Teil des Buchs untersucht werden. Hier werden die wichtigsten Elemente der politischen Theorie des Neoliberalismus rekonstruiert, analysiert und problematisiert. Das neoliberale Denken verfügt über eine genuin politische Dimension, die einen integralen Bestandteil der neoliberalen Problematik darstellt und keineswegs nur ein zu vernachlässigendes Anhängsel des vielbeschworenen Glaubens an selbstregulierende Märkte."

(Biebricher, Thomas. Die politische Theorie des Neoliberalismus. Berlin: Suhrkamp, 2021. S. 8)
Zählt der Ordoliberalismus zum Neoliberalismus?

Ja, der Ordoliberalismus zählt historisch und systematisch zum Neoliberalismus. Er stellt die spezifisch deutsche Variante des Neoliberalismus dar, die in den 1930er Jahren (unter anderem durch die [Freiburger Schule](https://de.wikipedia.org/wiki/Freiburger_Schule) rund um [Walter Eucken](https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Eucken)) entstand. [1, 2, 3, 4, 5]
Allerdings unterscheidet sich das theoretische Fundament des Ordoliberalismus drastisch von dem, was heute im allgemeinen Sprachgebrauch unter „Neoliberalismus“ verstanden wird. [3]
## Historischer vs. heutiger Begriff

* Der historische Neoliberalismus (ab 1938): Der Begriff wurde auf dem [Colloque Walter Lippmann](https://de.wikipedia.org/wiki/Colloque_Walter_Lippmann) in Paris geprägt, um einen erneuerten Liberalismus zu beschreiben. Sowohl deutsche Ordoliberale als auch angelsächsische Ökonomen lehnten den alten, unregulierten „Laissez-faire-Kapitalismus“ des 19. Jahrhunderts ab. Beide Gruppen waren überzeugt, dass ein freier Markt nicht von selbst stabil bleibt. [2, 3, 6]
* Der heutige Sprachgebrauch: Seit den 1970er und 1980er Jahren steht „Neoliberalismus“ meist für Marktradikalismus, Deregulierung, Privatisierung und einen schwachen Staat (geprägt durch die [Chicagoer Schule](https://de.wikipedia.org/wiki/Chicagoer_Schule) um [Milton Friedman](https://de.wikipedia.org/wiki/Milton_Friedman)). [6, 7, 8, 9, 10]

## Die zwei Hauptströmungen des Neoliberalismus

| Merkmal [2, 4, 6, 11, 12] | Ordoliberalismus (Deutscher Neoliberalismus) || Angelsächsischer Neoliberalismus (z. B. Chicagoer Schule) |
|---|---|---|
| Rolle des Staates: Starker Rahmenhintergrund: Der Staat agiert als „Schiedsrichter“, der die Spielregeln setzt und überwacht. || Minimalstaat: Der Staat soll sich so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten. |
| Monopole & Kartelle: Strikte Bekämpfung: Private Marktmacht wird als Gefahr für die Freiheit gesehen und aktiv zerschlagen. || Überlassung dem Markt: Monopole regulieren sich oft von selbst oder sind effizienter als staatliche Eingriffe. |
| Soziale Komponente: Soziale Marktwirtschaft: Wirtschaftliche Freiheit wird mit sozialem Ausgleich verknüpft. || Eigenverantwortung: Soziale Absicherung wird primär dem Individuum und dem Markt überlassen. |

## Fazit
Der Ordoliberalismus ist die Urform des deutschen Neoliberalismus. Er fordert jedoch im Gegensatz zum modernen angelsächsischen Neoliberalismus einen starken Staat, der den Wettbewerb vor Monopolbildung schützt und die soziale Balance sichert. Aus dem Ordoliberalismus ging das Modell der [Sozialen Marktwirtschaft](https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/le ... irtschaft/) in Deutschland hervor. [2, 3, 4, 11]

[1] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ordoliberalismus)
[2] [https://www.wirtschaftundschule.de](https://www.wirtschaftundschule.de/wirt ... beralismus)
[3] [https://www.gesamtmetall.de](https://www.gesamtmetall.de/gesamtmetal ... wirtschaft)
[4] [https://lobbypedia.de](https://lobbypedia.de/w/index.php?title ... diff=23747)
[5] [https://www.wisu.de](https://www.wisu.de/content/cms-S-2-14-5.html)
[6] [https://de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus)
[7] [https://www.udo-leuschner.de](https://www.udo-leuschner.de/liberalismus/fdp34.htm)
[8] [https://www.planet-wissen.de](https://www.planet-wissen.de/gesellscha ... s-100.html)
[9] [https://lobbypedia.de](https://lobbypedia.de/wiki/Neoliberalismus)
[10] [https://www.deutschlandfunkkultur.de](https://www.deutschlandfunkkultur.de/ne ... h-100.html)
[11] [https://www.bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/le ... eralismus/)
[12] [https://www.faz.net](https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fi ... 33799.html)

Quelle: Google KI



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Mo 6. Jul 2026, 23:57

Dynamis hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 08:37
Consul, ich verweise noch einmal darauf, was Gerd Wiegel geschrieben hat:
Gerd Wiegel hat geschrieben : Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Realsozialismus, des Siegeszugs eines immer unbegrenzteren Kapitalismus und der weiteren Durchsetzung eines sich radikalisierenden Neoliberalismus erzielten in Österreich, Frankreich und Italien Parteien Erfolge, die eine modernisierte Form der extremen Rechten (vgl. Wiegel 2018) repräsentieren. Sie stießen nach und nach in Lücken vor, die vom etablierten Parteienspektrum und vor allem von den sozialdemokratischen Parteien gelassen wurden (vgl. Bathke/Spindler 2006, Butterwegge/Hentges 2008).
Die entscheidende Stelle ist für dich zur Kenntnisnahme rot markiert.

Wiegel würde vermutlich nicht bestreiten, was von dir gezeigt wird: Dass es in der Theorie verschiedene Varianten des Neoliberalismus gibt, darunter auch gemäßigte Varianten, welche verhindern wollen, dass aus dem Kapitalismus eine Art "Monopoly" wird. Er betont jedoch, dass wir es in der Realität "mit einem immer unbegrenzteren Kapitalismus" und einem "sich radikalisierenden Neoliberalismus" zu tun haben. Welche Beschränkungen und Einhegungen neoliberale Theorie auch immer vorsehen mag - in der Realität werden sie nach und nach abgebaut, ebendeswegen, weil der Kapitalismus immer unbegrenzter und der Neoliberalismus immer radikalisierter wird. Gerade in der Gegenwart ist das unübersehbar: Wir haben nun einmal Kapitalisten wie "The Art of the Deal"-Donald Trump oder Black Rock-Friedrich Merz als Regierungschefs. Ganz extrem ist das Beispiel Argentinieren, wo ein bekennender Anarchokapitalist gerade das Sagen hat.
Der von Milei vertretene Anarchokapitalismus ist ein radikaler Libertarismus, der sich vom moderateren Neoliberalismus unterscheidet. In der medialen Berichterstattung werden solche Unterschiede oft übersehen oder bewusst übergangen.

Zur politologischen Terminologie: Es gibt unterschiedliche Formen des Liberalismus und auch unterschiedliche Formen des Libertarismus, wobei hier nur ideologisch rechtsseitige Formen berücksichtigt werden (also nicht der Sozialliberalismus oder der Anarchokommunismus auf der linken Seite des ideologischen Spektrums).
Bild

(Zwolinski, Matt, and John Tomasi. The Individualists: Radicals, Reactionaries, and the Struggle for the Soul of Libertarianism. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2023. p. 19)
Die Autoren unterscheiden zwischen einem Libertarismus im weiteren Sinn und einem Libertarismus im engeren, "strengen" Sinn, welcher im Ersteren eingeschlossen ist.
Der Neoliberalismus und der zeitgenössische klassische Liberalismus gehören für sie (im Gegensatz zum Anarchokapitalismus) zum erweiterten Libertarismus, aber nicht zum strengen Libertarismus.
"Es gibt nicht den einen Libertarismus. Unserer Auffassung nach lässt sich der Libertarismus nicht durch eine bestimmte Menge notwendiger und hinreichender Bedingungen definieren. Vielmehr ist er am besten als Cluster-Konzept zu verstehen. Wir betrachten den Libertarismus als eine charakteristische Kombination aus sechs zentralen Grundüberzeugungen: Eigentumsrechte, negative Freiheit, Individualismus, freie Märkte, Skepsis gegenüber Autoritäten sowie der Glaube an die explanative und normative Bedeutung spontaner Ordnung." [übersetzt von Google]

(Zwolinski, Matt, and John Tomasi. The Individualists: Radicals, Reactionaries, and the Struggle for the Soul of Libertarianism. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2023. p. 6)

"Der Libertarismus in seiner strengen Ausprägung entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als radikalisierte Version des klassischen Liberalismus. Während klassische Liberale Freiheit als starke, aber widerlegbare Annahme betrachteten, erhoben Libertäre sie zu einem moralischen Absolutum. Für Libertäre ist das Prinzip der Freiheit universell anwendbar und erstreckt sich auf Personen aller Altersgruppen, Ethnien, Nationalitäten und Geschlechter. Seine moralische Geltungskraft ist maßgeblich und setzt sich gegenüber allen konkurrierenden moralischen Werten durch – einschließlich des „Gemeinwohls“, auf das sich klassische Liberale so häufig zur Rechtfertigung staatlichen Handelns beriefen.

Im Allgemeinen sind strikte Libertäre in ihrer Herangehensweise an moralische und politische Fragen rationalistisch und monistisch eingestellt, während klassische Liberale eher empiristisch und pluralistisch orientiert waren. Viele strikte Libertäre betrachteten ihre gesamte politische Philosophie als logische Ableitung aus einem einzigen axiomatischen Prinzip – etwa Spencers Gesetz der gleichen Freiheit oder Rothbards „Nichtaggressions-Prinzip“. Dies verleiht strikt libertären Theorien oft einen stärker systematischen Charakter als ihren klassisch-liberalen Vorläufern. Praktische politische Fragen ließen sich für sie gleichsam syllogistisch lösen, wobei das axiomatische Prinzip als Obersatz der Argumentation und eine schematische Beschreibung der politischen Maßnahme als Untersatz diente. Wenn jede Form physischer Aggression moralisch untersagt ist und Besteuerung eine Form physischer Aggression darstellt, dann ist Besteuerung moralisch untersagt – quod erat demonstrandum.

Für diese Libertären sollten politische Fragen auf dem festen Felsgrund von Prinzipien entschieden werden, nicht auf dem wechselhaften Sand der Umstände. Privateigentum muss als moralisches Gebot gelten, unabhängig davon, ob es unter bestimmten Umständen tatsächlich die gewünschten Ergebnisse liefert. Da Libertäre zudem zu einer relativ monistischen Gerechtigkeitstheorie neigen – ihr System beruht meist auf einem einzigen Grundprinzip –, stellt sich selten die Frage nach einer Abwägung moralischer Prinzipien gegeneinander. Folglich sind libertäre Schlussfolgerungen meist absolutistischer Natur. Politische Philosophie besteht darin, die logischen Implikationen grundlegender Prinzipien zu erarbeiten; da es keine konkurrierenden Prinzipien oder empirischen Eventualitäten gibt, welche diese Implikationen einschränken könnten, ist der Geltungsanspruch ihrer Aussagen absolut.

Strikte Libertäre sind somit von Natur aus Radikale – sowohl in konzeptioneller als auch in politischer Hinsicht. Konzeptionell radikal sind sie insofern, als sie Fragen der aktuellen Politik auf der Grundlage fundamentaler Prinzipien zu klären suchen. Da die politische Realität solchen Prinzipien jedoch so gut wie nie gerecht wird, führt der Weg strikter Libertärer rasch in den politischen Radikalismus: zu der Überzeugung, dass die bestehenden gesellschaftlichen Institutionen zutiefst ungerecht sind und weitgehend beseitigt werden müssen. Wie wir im Verlauf dieses Buches sehen werden, existierte der libertäre Radikalismus jedoch stets neben einer eher konservativen, ja sogar reaktionären Strömung." [übersetzt von Google]

(Zwolinski, Matt, and John Tomasi. The Individualists: Radicals, Reactionaries, and the Struggle for the Soul of Libertarianism. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2023. pp. 14-5)



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Di 7. Jul 2026, 00:10

Consul hat geschrieben :
Mo 6. Jul 2026, 23:57
Zur politologischen Terminologie: Es gibt unterschiedliche Formen des Liberalismus und auch unterschiedliche Formen des Libertarismus, wobei hier nur ideologisch rechtsseitige Formen berücksichtigt werden (also nicht der Sozialliberalismus oder der Anarchokommunismus auf der linken Seite des ideologischen Spektrums).
Beim Rumgoogeln bin ich eben in Zeitschriften aus dem späten 19. Jh. auf den Ausdruck "Kapitalliberalismus" gestoßen. Entsprechend kann man zwischen dem rechten Kapitalliberalismus und dem linken Sozialliberalismus unterscheiden.

Außerdem: Im amerikanischen Sprachgebrauch bedeutet "liberal" üblicherweise "linksliberal", "sozialliberal", "progressiv-liberal" oder auch (im europäischen Sinn) "sozialdemokratisch". Um sich davon abzugrenzen, nennen sich viele Rechtsliberale, für die der Linksliberalismus kein "wahrer" Liberalismus mehr ist, lieber Libertäre statt Liberale, obgleich man auch zwischen Linkslibertarismus und Rechtslibertarismus unterscheiden kann.
(Das Wort "libertär" wurde ursprünglich von einem Anarchokommunisten eingeführt; und es gibt ja auch Bezeichnungen wie "libertärer Sozialismus".)



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Mi 8. Jul 2026, 21:54

Dynamis hat geschrieben :
Di 7. Jul 2026, 10:25
Im Falle von Gerd Wiegel wurde aber nichts "übersehen oder bewusst übergangen". In seinem Artikel hat er eine ideologische Zuspitzung beschrieben, die mit dem Rechtspopulismus einhergeht. Dafür hat er den Begriff des "sich radikalisierenden Neoliberalismus" gewählt.

Du sagst ja selbst, dass der von Milei vertretene Anarchokapitalismus sich durch eine besondere Radikalität auszeichnet. Genau diese Radikalität ist das, worauf sich Wiegels Rede von einem "sich radikalisierenden Neoliberalismus" bezieht. Dass es daneben noch einen moderaten Neoliberalismus gibt, mag ja sein, aber Wiegels Pointe ist eben die, dass dieser moderatere Neoliberalismus zunehmend nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, eben deswegen, weil sich die radikaleren Ideologievarianten durchsetzen.
Ein zum Anarchokapitalismus oder Paläolibertarismus (reaktionären Libertarismus) mutierter Neoliberalismus ist nicht länger neoliberal.
"Der Libertarismus in seiner strengen Ausprägung entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als radikalisierte Version des klassischen Liberalismus." [übersetzt von Google]

(Zwolinski, Matt, and John Tomasi. The Individualists: Radicals, Reactionaries, and the Struggle for the Soul of Libertarianism. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2023. p. 14)
In der obigen Grafik der Autoren überschneiden sich der Neoliberalismus und der zeitgenössische klassische Liberalismus, aber mir ist der Unterschied bei der Lektüre (noch) nicht klargeworden. Die Bezeichnungen "Neoliberalismus" und "neoklassischer Liberalismus" werden übrigens manchmal als Synonyme verwendet.



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