Inventing Anna

Ursprünglich in der praktischen Philosophie beheimatet sind Theorien der Gesellschaft heute weitgehend von der Soziologie aufgegriffen worden.
Antworten
Benutzeravatar
NaWennDuMeinst
Beiträge: 3616
Registriert: Sa 30. Mai 2020, 12:37

Di 26. Jul 2022, 23:30

Auf der Streamingplattform Netflix gibt es seit einiger Zeit die Serie "inventing Anna" zu sehen.
In dieser Serie geht es um die Geschichte der Hiochstaplerin Anna Sorokin, die sich unter dem falschen Namen "Anna Delvey" in die High Society in den USA einschleicht.
Der Fall hat für viel Aufsehen gesorgt. Die Serie ist für mich hochspannend, vor allem wegen der Perspektive auf die Gesellschaft der Reichen.
Sorokin gibt sich als reiche deutsche Erbin aus und schafft es tatsächlich einen Großteil der hohen Gesellschaft zu täuschen.
Dabei betrügt sie Banken, Edelhotels und reiche Geschäftsleute um beträchtliche Summen die ihr immer wieder nur deshalb einen Kredit oder Vertrauensvorschuß geben, weil sie mutmaßlich reich ist.
Als sie irgendwann verhaftet wird, weil eine "Freundin" (die sie um 62.000 Dollar betrügt) sich daraufhin an die Polizei wendet , versucht eine Journalistin zu ergründen wie Sorokin es schaffen konnte so viele Menschen über Jahre hinweg zu täuschen.

Das Erschreckende dabei ist die Oberflächlichkeit der High Society die Sorokin vertraute, einfach weil sie modisch adrett (teure Markenkleidung) gekleidet war und dadurch glaubhaft machen konnte dazuzugehören.
Je mehr Kontakte Sorokin innerhalb dieser Gesellschaft knüpft, desto leichter fallen ihr die Betrügereien, weil auf der anderen Seite keine Fakten geprüft, sondern nach Beziehungen gefragt wird..
Die Serie wirft ein interessantes Licht auf diesen Teil unserer Gesellschaft, in der es offenbar nur darum geht ob Jemand Geld hat oder nicht, bzw nicht danach gefragt wird was einer kann, sondern wer er (mutmaßlich) ist.
Anna hat kein Geld aber sie kann glaubhaft machen, dass sie welches hätte und ab da stehen ihr alle Türen offen.
Fast 300.000 Dollar ergaunert sich Sorokin auf diese Weise. Durch Banken die ihr Kredite geben, durch Hotelrechnungen die entstehen, weil Sorokin monatelang ohne zu bezahlen in ihnen wohnt.
Sie chartert einen Jet für 35.000 Dollar ohne ihn zu bezahlen... ein Wort dass sie mit dem berühmten XYZ bekannt ist reicht um sie für glaub- und kreditwürdig zu halten.

Was ist das für eine Gesellschaft, in der Glaubwürdigkeit und Chancen eines Menschen offenbar nur davon abhängen ob er Geld hat, oder im Falle von Anna danach aussieht?
Wir diskutieren hier viel darüber dass man ein alter weißer Mann sein muss, damit einem alle Türen offenstehen.
Anna ist weder alt noch ein Mann. Sie ist nicht einmal reich. Es reicht der Welt durch Oberflächlichkeiten glaubhaft zu machen sie wäre es.
Und es zeigt mMn nach auch wer in dieser Welt wirklich bevorzugt wird.... Menschen mit Geld.

https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Sorokin



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.
(William Butler Yeats)

Antworten