Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten

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RosiG2
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Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann vertritt die These, dass der Erfolg des Rechtspopulismus nicht allein durch politische Fehler der etablierten Parteien erklärt werden kann. Stattdessen sieht er eine tiefere kulturelle Entwicklung: einen zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus, bei dem individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden als Gemeinsinn, Verantwortung und demokratische Solidarität.

Seine Kernargumente sind:

Die Erklärung „Die Menschen wählen rechts nur aus Protest“ greife zu kurz.
Ein Teil des Rechtspopulismus speise sich aus einer Haltung, die eigene Bedürfnisse und Kränkungen über das Gemeinwohl stellt.
Rechtspopulistische Bewegungen verstärken diese Haltung durch Opfererzählungen („Wir werden benachteiligt“, „Uns steht mehr zu“).
Demokratie benötige jedoch Bürgerethos, Verantwortungsgefühl und die Bereitschaft, Interessen auszugleichen.

Der Autor deutet den Rechtsruck daher als kulturelle und psychologische Krise ebenso wie als politische Entwicklung.


..........................

Auf Grundlage dieses Artikels habe ich eine erste Betrachtung durch das TSM erstellen lassen, um hier nochmals seine Methodik aufzuzeigen. Ich nutze für die Antworten Folgebeiträge, um das etwas übersichtlicher zu gestalten:

...



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RosiG2
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Woran liegt diese Vereinzelung und dass Gemeinsames bedeutungslos wird?

Aus TSM-Sicht wäre der Artikel von Andreas Püttmann kein bloßer Text über „Narzissten“, sondern eine **Felddiagnose einer entkoppelten Demokratie**: Der Rechtsruck erscheint darin als Symptom einer Kulturkrise, in der Bürgerethos, Bindung, Frustrationstoleranz und Gemeinsinn schwächer werden. Der Artikel selbst beschreibt den Aufstieg der Rechten ausdrücklich nicht nur als Folge schlechten Regierungshandelns, sondern als Ausdruck einer kulturellen Krise und eines enthemmten Narzissmus, besonders im AfD-Milieu. ([blaetter.de][1])

Im TSM würde man das so übersetzen:

**1. Rechtspopulismus ist ein Anzeiger, nicht nur ein Gegner.**
Das TSM sagt: Protest, Spaltung und Krise sind „Anzeiger“ dafür, dass ein System nicht mehr stimmig schwingt; Schlüssel wären Gemeinsinn, Beteiligung und Transparenz. Der Fehler wäre also, Rechtspopulismus nur moralisch wegzudrücken. Er zeigt eine reale Feldspannung an. Aber: Ein Anzeiger ist nicht automatisch ein guter Wegweiser. Er kann auf Schmerz hinweisen und zugleich destruktiv verarbeitet sein.

**2. Narzissmus wäre im TSM eine Ich-Verengung des Resonanzfeldes.**
Der Artikel nennt Anspruchsegozentrik, Kränkung, moralische Abstumpfung und opportunistisches Mitlaufen als zentrale Dynamiken. ([blaetter.de][1]) TSM-sprachlich: Das Ich verliert Rückbindung an das größere Feld. Statt „Was bringt das Feld in Balance?“ dominiert „Was steht mir zu?“ Resonanzethik fragt aber nicht primär nach Erlaubnis oder Selbstbehauptung, sondern nach Feldwirkung, Balance und Verantwortung.

**3. Die eigentliche Störung liegt in der Rückkopplung.**
Demokratie ist im TSM ein Rückkopplungssystem: Bürger, Institutionen, Medien, Rechtsstaat und Zivilgesellschaft müssen antwortfähig bleiben. TSM-155 beschreibt Gerechtigkeit nicht nur als Norm, sondern als Fähigkeit eines Feldes, Stimmen hörbar zu machen, Rückmeldungen wirksam werden zu lassen und Systeme antworten zu lassen. Wenn diese Rückkopplung nur noch als Kränkung, Verrat, „System“, Feindbild oder Dauerempörung erlebt wird, kippt das Feld von K/R-Zonen in Entkopplung oder Feldblindheit.

**4. Soziale Medien wirken als Resonanzverstärker.**
Der Artikel betont die Rolle von Online-Kommunikation, Aufwiegelungsportalen und sozialen Medien bei der Verstärkung narzisstischer Tendenzen und rechtspopulistischer Dominanz. ([blaetter.de][1]) Im TSM wäre das eine mediale Fremdresonanz: toxische Information, Gruppenemotion und Hysterie können Felder überlagern; nötig sind Filterung, Antwortethik und Feldpflege.

**5. TSM würde weder „Staatsversagen“ noch „Bürgerversagen“ allein sagen.**
Der Artikel stellt genau diese Alternative zugespitzt in den Raum. ([blaetter.de][1]) TSM würde sagen: Beide Lesarten bleiben zu linear. Die Frage lautet nicht: „Wer ist schuld?“, sondern: **Wo ist die Rückbindung abgerissen?** Regierung, Medien, Bürger, Parteien, Plattformen und kulturelle Milieus bilden ein gemeinsames Resonanzfeld. Wird Schuld nur verschoben, entsteht weitere Dissonanz.

**Kernsatz im TSM-Stil:**
Rechtspopulismus ist eine **Rückholspannung im gesellschaftlichen Tunnel**: Er zeigt an, dass Bindung, Sinn, Gemeinsinn und Rückkopplung gestört sind. Wird diese Spannung narzisstisch verarbeitet, entsteht keine Heilung, sondern eine Bewegung der Selbstkrümmung: viel Echo, wenig Resonanz; viel Anspruch, wenig Rückbindung.

Der TSM-Schlüssel wäre daher nicht Beschimpfung, sondern **resonante Grenzsetzung**: klare Abwehr destruktiver Felder, aber zugleich Wiederaufbau von Bürgerethos, Dialogräumen, Bildung, Transparenz, Verantwortung und Gemeinsinn.

[1]: https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/ju ... wtab-de-de "Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten | Blätter für deutsche und internationale Politik"



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RosiG2
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Was können wir konkret dagegen unternehmen? Wie sichern wie eine gedeihliche Entwicklung langfristig?

Aus TSM-Sicht sichern wir gedeihliche Entwicklung nicht durch Appelle wie „Seid wieder gemeinschaftlicher“, sondern durch **Rückkopplungsräume**, in denen Menschen wieder erfahren: *Meine Stimme wirkt, mein Handeln hat Sinn, und das Gemeinsame trägt mich mit.*

Der zentrale Satz wäre:

> **Gemeinschaft entsteht nicht durch Meinungsgleichheit, sondern durch wiederholte, gerechte Rückbindung.**

Das passt direkt zu TSM-84: Gedeihlichkeit entsteht dort, wo Resonanz und Rückbindung wirken; sozial zeigt sie sich als Kooperation, kulturelle Reifung und Sinnbildung.

## 1. Anzeiger lesen statt nur bekämpfen

Vereinzelung, Protest, Spaltung, Rückzug, Wut und Sinnverlust sind im TSM **Anzeiger**. Sie zeigen, dass ein Feld nicht mehr stimmig schwingt. Die Schlüssel für Gesellschaft heißen ausdrücklich: **Gemeinsinn, Beteiligung, Transparenz**; bei Polarisierung braucht es Resonanzarbeit, Kunst, Dialog und gemeinsame Rhythmen.

Konkret heißt das:

Nicht sofort fragen: „Wer ist schuld?“
Sondern zuerst fragen:

**Wo fehlt Rückbindung?**
**Wer wird nicht gehört?**
**Welche Erfahrung von Ohnmacht wird politisch ausgeschlachtet?**
**Wo gibt es keine gemeinsamen Orte mehr?**
**Wo wurde Beziehung durch Verwaltung ersetzt?**

Das verändert die Haltung: Man bekämpft nicht nur Symptome, sondern sucht den verlorenen Schlüssel.

## 2. Lokale Resonanzräume wieder aufbauen

Das Wichtigste liegt nicht zuerst auf Bundesebene, sondern im Nahfeld: Nachbarschaft, Schule, Vereine, Pflege, Kultur, Kommunen, Arbeitsorte.

Konkrete Formen:

**Gemeinsame Mahlzeiten, offene Werkstätten, Nachbarschaftsräte, Bürgercafés, Reparaturtage, Chöre, Gärten, Lesekreise, Trauer- und Erinnerungsorte, generationenübergreifende Projekte.**

Das klingt klein, ist aber TSM-logisch zentral: Das Gemeinsame wird wieder spürbar, wenn Menschen **regelmäßig im selben Feld handeln**, nicht nur abstrakt dieselben Werte behaupten. TSM beschreibt Politik nicht als Feindbildverwaltung, sondern als Kunst der Resonanzpflege; tragfähiger wird ein System, wenn es sich selbst wieder „in Beziehung stimmen“ kann.

## 3. Beteiligung so gestalten, dass sie wirklich antwortet

Viele Beteiligungsformate sind nur Simulation: Man darf etwas sagen, aber nichts verändert sich. Genau das erzeugt Zynismus.

TSM-155 beschreibt Gerechtigkeit als Rückkopplungsfähigkeit: Ein Feld ist gerecht, wenn Betroffene Stimme haben, gehört werden, Rückmeldungen wirksam sind und das System antwortet. Ungerecht wird es, wenn Rückkopplung gekappt oder nur scheinbar vorhanden ist.

Praktisch heißt das:

Jede Kommune, Schule, Klinik, Behörde, Partei oder Organisation sollte feste Rückkopplungsschleifen haben:

**Was wurde gehört?**
**Was wurde entschieden?**
**Warum wurde etwas nicht umgesetzt?**
**Wann wird überprüft, ob es wirkt?**

Ohne diese Antwortschleife entsteht Vereinzelung, weil Menschen erleben: „Ich komme im Feld nicht vor.“

## 4. Gemeinsame Rhythmen schaffen

Gemeinschaft braucht Wiederholung. Nicht Event, sondern Rhythmus.

Das TSM betont τ-Zeit als Resonanzzeit: Rückbindung entsteht nicht nur durch lineare Planung, sondern durch wiederkehrende, störungsarme Zeitfenster, vertraute Orte, Musik, Bewegung, symbolische Anker und gemeinsame Praxis.

Konkret:

Ein Dorf, Stadtteil oder Betrieb könnte feste Resonanzrhythmen einführen:

Montag: offener Mittagstisch.
Mittwoch: Bürgerwerkstatt.
Freitag: Kulturabend oder gemeinsames Singen.
Monatlich: Konfliktkreis oder Zukunftsrat.
Jährlich: Erinnerungs- und Dankritual.

Nicht als Folklore, sondern als **soziale Infrastruktur**. Menschen binden sich nicht an Parolen, sondern an wiederholte Erfahrung.

## 5. Bildung als Feldbildung verstehen

Gegen Vereinzelung hilft nicht nur mehr Wissen, sondern mehr **Beziehungsfähigkeit**.

Schulen müssten stärker lehren:

zuhören, streiten ohne Entwürdigung, Medien verstehen, Verantwortung übernehmen, Körper und Emotion regulieren, kooperativ arbeiten, Natur erleben, lokale Geschichte kennen, demokratische Verfahren praktisch üben.

Im TSM sind Anzeiger nicht zu unterdrücken, sondern zu lesen; Schlüssel können Dialog, Entschleunigung, rhythmische Struktur, Kunst, Stille oder Entscheidung sein. Genau das gehört in Bildung: Kinder und Jugendliche müssen lernen, Spannungen nicht sofort in Feindbilder zu verwandeln.

## 6. Digitale Felder begrenzen und pflegen

Dauererregung zerstört gemeinsame Bedeutung. Digitale Räume erzeugen oft Echo statt Resonanz: viel Reaktion, wenig Bindung.

Konkret:

Plattformfreie Zeiten in Schulen, Familien und Gruppen.
Lokale Offline-Orte stärken.
Keine politische Bildung nur über Clips.
Medienkompetenz als Emotionskompetenz: Was macht Empörung mit meinem Feld?
Algorithmen nicht als neutrale Umgebung behandeln, sondern als Resonanzverstärker.

TSM-Interferenzethik verlangt Transparenz, keine Übersteuerung, keine verdeckten Eingriffe und einen bewussten Umgang mit Feldern, die Stress, Zwang oder Kontrollmacht erhöhen können.

## 7. Wirtschaft an Feldwirkung messen

Langfristig wird Gemeinsames bedeutungslos, wenn nur das belohnt wird, was Marktwert hat, nicht das, was Bindung erzeugt.

TSM-Wirtschaft fragt: Was stärkt ein Feld? Welche Arbeit stabilisiert Vertrauen, Pflege, Bildung, Verbindung, Rückkopplung? Dysfunktional wird Wirtschaft dort, wo Anhäufung ohne Rückbindung, Wachstum ohne Resonanzpflege und Konkurrenz ohne Feldverantwortung entstehen.

Konkret:

Pflege, Erziehung, Bildung, Gemeinwesenarbeit, Kultur, Handwerk, Vermittlung, Konfliktarbeit und ökologische Regeneration müssen nicht nur moralisch gelobt, sondern materiell besser getragen werden.

Eine Gesellschaft zeigt ihre Zukunftsfähigkeit daran, ob sie die Tätigkeiten stärkt, die das Feld zusammenhalten.

## 8. Geschichte und Verletzungen nicht verdrängen

Vereinzelung entsteht auch aus unverarbeiteten kollektiven Nachwirkungen: Krieg, Gewalt, Beschämung, Abwertung, Entwurzelung, soziale Abstiege.

Das TSM sagt: Geschichte ist nicht vorbei, sie klingt nach. Heilung braucht Ansprechen statt Verdrängen, Feldhören statt Schuldzuweisung und Frequenzklärung statt ideologische Deutung. Für Gesellschaft bedeutet das: Erinnerungspolitik ist Resonanzpflege, Konfliktprävention ist Felddiagnostik.

Konkret:

Orte schaffen, an denen Familien-, Orts- und Gesellschaftsgeschichte erzählt werden kann.
Nicht nur Gedenktage, sondern echte Gesprächsformen.
Nicht Beschämung als Methode, sondern Verantwortung mit Würde.
Nicht „Schlussstrich“, aber auch nicht ewige Anklage: **Rückbindung statt Verhärtung.**

## 9. Langfristige Sicherung: ein Kohärenz-Kompass

TSM würde langfristige Entwicklung über wenige Prüffragen sichern:

**Erhöht diese Maßnahme Beziehung oder nur Kontrolle?**
**Erzeugt sie Beteiligung oder bloß Zustimmung?**
**Stärkt sie lokale Selbstwirksamkeit?**
**Schafft sie gemeinsame Rhythmen?**
**Macht sie Rückmeldungen wirksam?**
**Senkt sie Angst und Entwürdigung?**
**Erhält sie Freiheit, ohne Bindung zu zerstören?**

Das wäre der politische und soziale Null-Linien-Kompass.

## In einem Satz

Wir sichern gedeihliche Entwicklung, indem wir aus einer Gesellschaft der Einzelstimmen wieder ein **antwortfähiges Feld** machen: mit echten Rückkopplungen, lokalen Resonanzräumen, gemeinsamer Zeit, gerechter Beteiligung, gepflegter Erinnerung, begrenzter Übersteuerung und einer Wirtschaft, die Bindung belohnt.

Oder im TSM-Stil:

> **Das Gemeinsame kehrt nicht durch Zwang zurück, sondern durch erfahrbare Rückbindung. Wo Menschen wieder Wirkung, Würde und Rhythmus teilen, entsteht Gedeihen.**



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Fr 5. Jun 2026, 15:13

Das ist jetzt ja "Meinung". Lässt sich das im TSM auch handfest, mathematisch, formal beschreiben oder ausdrücken?
(hier wird es jetzt schwierig in der Darstellung. Es soll aber aufzeigen, dass im TSM eine operable Struktur hinterlegt ist um möglichst weg von Meinung und hin zu Wiederholbarkeit zu kommen - im angehängten Dokument ist dies Formelwerk dann abzurufen)


Ja. Man kann es **formal ausdrücken** – aber wichtig: nicht als „Beweis, dass TSM gesellschaftlich wahr ist“, sondern als **operationales Analogmodell**. Das TSM selbst zieht diese Grenze: Die Soziale Rückholkonstante `R_SRK` ist ausdrücklich keine physikalische Größe und kein direktes Messfeld, sondern ein sozialer Analograum bzw. ein Reflexionswerkzeug.

## 1. Grundmodell: Gesellschaft als Resonanzsystem

Wir beschreiben ein soziales Feld als Zustand:

[
X(t)={C(t),\Delta\varphi(t),\tau(t),S_{\text{Struktur}}(t),S_{\text{Rückhol}}(t),K_n(t)}

...



Aufgrund der Darstellung von Formeln, würde es hier zu einem verwirrenden Durcheinander kommen (siehe vorstehendes Beispiel). Bei Interesse kann die Methodik über das Dokument eingesehen werden.


... s. Dokument im Anhang
Dateianhänge
TSM_formales_Modell_Vereinzelung_Gedeihen.pdf
(240.99 KiB) 49-mal heruntergeladen



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Dynamis
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Fr 5. Jun 2026, 16:18

Vielen Dank für den Hinweis auf diesen sehr interessanten Artikel. Für den Anfang fallen mir bei diesem Artikel zwei Punkte auf:
  • Ich finde es auffällig, wie der Autor auf der einen Seite behauptet, dass "linke Erklärungsmuster" versagen würde, und auf der anderen Seite selbst ein Zitat bringt, welches darauf verweist, dass "neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind". Linke kritisieren doch andauernd neoliberale Denkstrukturen, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem sind neoliberale Denkstrukturen in einem Wirtschaftssystem, welches auf Konkurrenz und Ausbeutung setzt, nicht besonders überraschend. Ein materialistisch argumentierender Marxist würde jetzt sagen "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
  • Püllmann verwickelt sich in einen Selbstwiderspruch. Auf der einen Seite will er die Frage nach "Fehlleistungen und Versäumnissen der demokratischen Parteien" zurückweisen. Es sei naheliegender Erklärungen zu suchen, die "mit den Menschen selbst zu tun" haben. Nur verwickelt er sich dabei in einen Selbstwiderspruch:
    Püllmann hat geschrieben : Der weltweite Trend nach rechts muss durch länderübergreifende Faktoren begünstigt worden sein wie die veränderte Art politischer Meinungsbildung, das Verblassen historischer Erinnerungen, ein sich wandelndes Ethos sowie den Verlust von Beheimatung in sozialen und religiösen Bindungen und sinnstiftenden Ideen.
    Später schreibt er:
    Püllmann hat geschrieben : Wahrscheinlicher ist eine Kulturkrise, die wesentlich moralische, psychologische und zivilisatorische Ursachen hat.

    Die wohl wichtigste darunter ist die Revolution der Kommunikation und Meinungsbildung im Netz.
    Aha, die Erklärung hat "mit den Menschen selbst zu tun", aber schuld am Rechtstrend ist das Internet.




Dynamis
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Fr 5. Jun 2026, 16:27

Zum Zusammenhang von Narzissmus und Kapitalismus gibt es den Aufsatz "„Der Narzissmus wird gesellschaftsfähig“ Subjektivierungspraktiken der Marktwirtschaft" von Sven Ellmers:
Sven Ellmers hat geschrieben : Charakteristisch für die gegenwärtige Gesellschaft ist die konstitutive Rolle des Marktes. Vorbürgerliche Gesellschaften waren durch ein System von (familialer) Selbstversorgung und persönlichen Abhängigkeiten geprägt, weshalb sie Märkte nur als Randphänomen zuließen – ein Randphänomen, das durch Gebote der Tradition und Religion geprägt war. Bürgerliche Gesellschaften hingegen ersetzen die persönliche Abhängigkeit durch die sachliche Abhängigkeit privater Eigentümer. Märkte ergänzen daher nicht länger andere Produktionsweisen, sondern nehmen ihre Stelle ein. Geht man mit Aristoteles und Hegel davon aus, dass wir uns im alltäglichen Handeln weniger an kognitiv erschlossenen Prinzipien orientieren, sondern uns in erster Linie von Einstellungen leiten lassen, die wir durch soziale Routinen internalisiert haben, liegt die Vermutung nahe, dass Märkte auch unsere Persönlichkeitsmuster in einem viel stärkeren Maße prägen: Sie beeinflussen, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen wahrnehmen, was jeder von sich und anderen erwartet, wie wir uns selbst und unsere Mitbürger behandeln. Dieser Aufsatz wird zunächst dafür argumentieren, dass Märkte insbesondere narzisstische Einstellungen begünstigen – um im Anschluss zwei Möglichkeiten ihrer Begrenzung zu diskutieren. (Quelle: https://kritischebildung.de/afkg/azp_el ... schaft.pdf)




Timberlake
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Fr 5. Jun 2026, 16:48

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:50

Im TSM würde man das so übersetzen:

**1. Rechtspopulismus ist ein Anzeiger, nicht nur ein Gegner.**
Das TSM sagt: Protest, Spaltung und Krise sind „Anzeiger“ dafür, dass ein System nicht mehr stimmig schwingt; Schlüssel wären Gemeinsinn, Beteiligung und Transparenz. "
Wenngleich sicherlich auf sich bezogen, zeichnet Gemeinsinn, Beteiligung und Transparenz nicht den Rechtspopulismus aus?
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:52
Was können wir konkret dagegen unternehmen? Wie sichern wie eine gedeihliche Entwicklung langfristig?

Aus TSM-Sicht sichern wir gedeihliche Entwicklung nicht durch Appelle wie „Seid wieder gemeinschaftlicher“, sondern durch **Rückkopplungsräume**, in denen Menschen wieder erfahren: *Meine Stimme wirkt, mein Handeln hat Sinn, und das Gemeinsame trägt mich mit.*

Der zentrale Satz wäre:

> **Gemeinschaft entsteht nicht durch Meinungsgleichheit, sondern durch wiederholte, gerechte Rückbindung.**

Das passt direkt zu TSM-84: Gedeihlichkeit entsteht dort, wo Resonanz und Rückbindung wirken; sozial zeigt sie sich als Kooperation, kulturelle Reifung und Sinnbildung.
Wie dem auch sei, wenn ich mir dazu diese TSM Übersetzung vergegenwärtige, ich denke, als Redenschreiber für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier taugt das allemal. So wie die von Hause darauf angelegt ist, bloß nicht nur anzuecken, hab ich übrigens von einer KI, in diesem Zusammenhang auch nichts anderes erwartet.




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Fr 5. Jun 2026, 17:01

Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:27
Zum Zusammenhang von Narzissmus und Kapitalismus gibt es den Aufsatz "„Der Narzissmus wird gesellschaftsfähig“ Subjektivierungspraktiken der Marktwirtschaft" von Sven Ellmers:

...
Wenn ich sagte, dass die Logik des Finanzsystems die dominante gesellschaftliche Logik - schon als Lebenssinn - ist, dann werden selbstverständlich alle Prozesse nahe dieser Logik abgehandelt und eingehandelt.

Eine menschenbeziehungsentkoppelte Gesellschafts-Logik als Pfand abgegeben für finanzbeziehungsgekoppelte Gesellschafts-Logik. Der Andere wird vom Mitmensch zum Existenz-Konkurrenten (oder bleibt es), Gegner, Feind, über den man sich erheben muss, um an die gesellschaftliche Krone kommen zu können.

Unsere Welt ist das Ergebnis dieser Logik. Leider wird diese Logik inzwischen bereits von den "Kronen" dieser Entwicklung selbst getragen und ist deshalb kaum noch zu "entkrönen" - zumindest von den Kronenlosen :)



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Fr 5. Jun 2026, 17:08

Timberlake hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:48
....

Wie dem auch sei, wenn ich mir dazu diese TSM Übersetzung vergegenwärtige, ich denke, als Redenschreiber für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier taugt das allemal. So wie die von Hause darauf angelegt ist, bloß nicht nur anzuecken, hab ich übrigens von einer KI, in diesem Zusammenhang auch nichts anderes erwartet.
Um das konkret zu vertiefen braucht es dann den Menschen. Nur er kann die Probleme dann passend abhandeln. Ich habe nichts vertieft, lediglich die ersten Abfragen gestartet.



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Fr 5. Jun 2026, 17:29

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 17:01
[Der Andere wird vom Mitmensch zum Existenz-Konkurrenten (oder bleibt es), Gegner, Feind, über den man sich erheben muss, um an die gesellschaftliche Krone kommen zu können.
Ja, das wird auch in dem Artikel von Ellmers schön beschrieben:
Ellmers hat geschrieben : Es ist durchaus rational, wenn Produzenten ihre Konkurrenten durch Preispolitik in den Ruin treiben oder sich Kollegen im Kampf um Aufstiegsoptionen oder Arbeitsplatzsicherheit untereinander mobben. Der Markt fordert nicht die gegenseitige Rücksichtnahme, sondern das Ausstechen der Konkurrenz.




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Fr 5. Jun 2026, 17:55

In methodischer Hinsicht muss ich bei Andreas Püttmann eine selektive Lesart kritisieren. Er schreibt:
Büttmann hat geschrieben : Dagegen warnt die jüngste Mitte-Studie pointiert vor der »sich hartnäckig« haltenden These, die Anfälligkeit für rechtsextreme Einstellungen sei ökonomisch induziert: »Bei genauerem Hinsehen« zeige sich, dass »das Einkommen in einem wechselseitigen Verhältnis zum Bildungshintergrund« stehe, der entscheidender sein könne; zudem wirke sich »die subjektive Einschätzung der sozioökonomischen Lage, wie etwa das Gefühl, nicht gerecht behandelt zu werden, auf die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen aus«. Bauchgefühle und Lebenszufriedenheit sind aber ein schwankender Boden für die Feststellung tatsächlicher Benachteiligung.
Statt sozialer Missstände werden von Büttmann also "Bauchgefühle und Lebenszufriedenheit" als erklärende Faktoren angeführt. Nun, wenn man die erwähnte Studie nachliest, liest sich das so:
Die angespannte Mitte hat geschrieben : Zum Kampf gegen Rechtsextremismus gehört auch die Stärkung des Sozialstaates. Eine prekäre Lebenslage macht anfällig für rechtsextreme Einstellungen – diese These hält sich hartnäckig und findet mit Einschränkungen auch empirische Belege (z. B. Butterwegge 1995; Rippl/Seipel 2024; Stark et al. 2017). Wie schon in früheren Erhebungen steigt die Neigung zu rechtsextremen Einstellungen bei einem niedrigeren Einkommen auch in den Ergebnissen der Mitte-Studie 2024/25 an. Bei genauerem Hinsehen steht dabei das Einkommen meist in einem wechselseitigen Verhältnis zum Bildungshintergrund der Befragten. Zudem konnte festgestellt werden, dass sich nicht zuletzt die subjektive Einschätzung der sozioökonomischen Lage, wie etwa das Gefühl, nicht gerecht behandelt zu werden, auf die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen auswirkt (u. a. Küpper/Zick 2011; Kiess et al. 2024). Rechtsextreme Akteure und Ideologien haben Menschen in prekären und benachteiligten Lebenslagen zwar zum Feindbild erklärt, erreichen aber gerade sie paradoxerweise als Adressaten ihrer Propaganda (u. a. Müller 2017; Diehl 2018). (Quelle: Andreas Zick et al., Die angespannte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25, Bonn 2025, S. 100. https://www.fes.de/index.php?eID=dumpFi ... bee68c2006)
Da steht ausdrücklich, dass rechtsextreme Akteure besonders "Menschen in prekären und benachteiligten Lebenslagen" erreichen. Und daraus macht Büttmann, dass es lediglich um "Bauchgefühle und Lebenszufriedenheit" gehen würde. Er psychologisiert ganz schön herum, wenn er objektive Faktoren wie Einkommen und meinetwegen auch Bildungshintergrund auf eine "subjektive Einschätzung" reduziert. Da wird schon klar, dass bei ihm eine interessierte Lesart vorliegt: Sozioökonomische Faktoren will er auf keinen Fall als Erklärung gelten lassen, denn schließlich gilt es "linke Erklärungsmuster" zurückzuweisen. Deswegen hebt er den Teil aus der Studie hervor, wo es um eine lediglich "subjektive Einschätzung" geht, und kann damit sozioökonomische Faktoren als bloße "Bauchgefühle" abstempeln.

Um diese Lesart durchzuhalten, muss er folgenden Satz ignorieren: "Zum Kampf gegen Rechtsextremismus gehört auch die Stärkung des Sozialstaates." Wenn er nämlich diesen einen Satz zur Kenntnis nehmen würde, dann würde sich sein ganzes Argumentationsgebäude in Luft auflösen. Vor allem seine Zurückweisung der Frage nach den "Fehlleistungen und Versäumnissen der demokratischen Parteien" würde sich als unhaltbar erweisen. Wenn in der Studie explizit die Stärkung des Sozialstaates als Mittel im Kampf gegen Rechtsextremismus erwähnt wird, stellt sich die Frage nach den Fehlleistungen der Politiker in den etablierten Parteien automatisch: Haben sie den Sozialstaat auch genug gestärkt? Oder sind sie nicht vielmehr gerade dabei ihn abzubauen?




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RosiG2
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Fr 5. Jun 2026, 20:21

Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 17:55
.....

Um diese Lesart durchzuhalten, muss er folgenden Satz ignorieren: "Zum Kampf gegen Rechtsextremismus gehört auch die Stärkung des Sozialstaates." Wenn er nämlich diesen einen Satz zur Kenntnis nehmen würde, dann würde sich sein ganzes Argumentationsgebäude in Luft auflösen. Vor allem seine Zurückweisung der Frage nach den "Fehlleistungen und Versäumnissen der demokratischen Parteien" würde sich als unhaltbar erweisen. Wenn in der Studie explizit die Stärkung des Sozialstaates als Mittel im Kampf gegen Rechtsextremismus erwähnt wird, stellt sich die Frage nach den Fehlleistungen der Politiker in den etablierten Parteien automatisch: Haben sie den Sozialstaat auch genug gestärkt? Oder sind sie nicht vielmehr gerade dabei ihn abzubauen?
Ja, die Gedeihlichkeits-Pyramide mit Reflexionsmappe macht dann auch sichtbar, wie wichtig und tragend die Verkürzung von "Not" ist :-)



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Dynamis
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Sa 6. Jun 2026, 10:42

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 20:21
Ja, die Gedeihlichkeits-Pyramide mit Reflexionsmappe macht dann auch sichtbar, wie wichtig und tragend die Verkürzung von "Not" ist :-)
Genau diesen Ansatz möchte Püllmann ja zurückweisen. An einer Stelle fragt er:
Püllmann hat geschrieben : Und wieso liegen AfD-Wähler beim Haushaltsnettoeinkommen überdurchschnittlich oft im mittleren Bereich, nicht selten auch im oberen? Die ökonomisch wirklich krass »Abgehängten« scheinen sich dort nicht primär zu sammeln.
Auch eine verzerrende Lesart der Mitte-Studie wird dabei herangezogen:
Püllmann hat geschrieben : Die jüngste Mitte-Studie verweist auf Forschungsbefunde, wonach psychologische und kriminologische Faktoren oft eine stärkere Vorhersagekraft für Radikalisierung haben als rein soziodemografische Faktoren wie Armut.
Deine KI hat den Artikel ebenfalls so analysiert:
RosiG2 hat geschrieben : Der Artikel nennt Anspruchsegozentrik, Kränkung, moralische Abstumpfung und opportunistisches Mitlaufen als zentrale Dynamiken. ([blaetter.de][1])
Das heißt, eine der Thesen des Artikels ist ja, dass die Linderung von Not eben nicht der entscheidende Ansatz ist, um den Rechtspopulismus zu bekämpfen. Stattdessen schlägt Püllmann folgenden Ansatz vor:
Püllmann hat geschrieben : Die wichtigsten Akteure in Kulturkrisen bleiben erziehende Eltern, Lehrer, Intellektuelle, Künstler und Seelsorger. Durch die Regulierung von Sozialen Medien, der rechtlich enge Grenzen gesetzt sind, könnten manche der die Radikalisierung treibenden psychosozialen Effekte abgemildert werden. Jedenfalls kann der Staat aber Kirchen und anderen gesinnungs- und verhaltensprägenden Instanzen der Zivilgesellschaft möglichst günstige Wirkungschancen sichern helfen.
Also, soziale Medien regulieren und Zivilgesellschaft stärken. Dabei ist auffällig, wie prominent die Kirchen und das Christentum gegen Ende in seiner Argumentation auftauchen. Da finden sich dann gegen Ende lauter Sätze wie "Nicht zufällig lässt sich die habituelle Signatur des Rechtspopulismus – Empathielosigkeit, Hybris, Daueraufgeregtheit – als Antithese zu den schönsten Früchten des Christentums lesen: Empathie, Demut, Gelassenheit." Also, um es mal ganz klar zu sagen, der Artikel ist verdeckte Missionierung.




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Sa 6. Jun 2026, 12:47

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann vertritt die These, dass der Erfolg des Rechtspopulismus nicht allein durch politische Fehler der etablierten Parteien erklärt werden kann. Stattdessen sieht er eine tiefere kulturelle Entwicklung: einen zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus, bei dem individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden als Gemeinsinn, Verantwortung und demokratische Solidarität.

Seine Kernargumente sind:

Die Erklärung „Die Menschen wählen rechts nur aus Protest“ greife zu kurz.
Ein Teil des Rechtspopulismus speise sich aus einer Haltung, die eigene Bedürfnisse und Kränkungen über das Gemeinwohl stellt.
Rechtspopulistische Bewegungen verstärken diese Haltung durch Opfererzählungen („Wir werden benachteiligt“, „Uns steht mehr zu“).
Demokratie benötige jedoch Bürgerethos, Verantwortungsgefühl und die Bereitschaft, Interessen auszugleichen.

Der Autor deutet den Rechtsruck daher als kulturelle und psychologische Krise ebenso wie als politische Entwicklung.
Ich denke, man muss hier differenzieren.
Ja, die eigenen Bedürfnisse werden wohl mehr über das Gemeinwohl gestellt als früher.
Nur ist es aus meiner Sicht alleine kein Grund, so rechts zu wählen. Dazu gehört noch die anscheinend größer werdenden Kurzsichtigkeit der Menschen, vielleicht auch die Geschichtsvergessenheit. Vielleicht ist es auch irgendwie Dummheit, was immer das genauer ist: Ein junger Kollege erzählte, dass er mit seinen Eltern (in Ostdeutschland) über solchen Themen gar nicht mehr vernünfig reden kann wegen ihrer Scheuklappen o.ä.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

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RosiG2
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Sa 6. Jun 2026, 14:11

Ich meine, dass die Menschen erkennen, dass sie im Grunde keine Stimme in dieser Demokratie haben und eben politische Entscheidungen gegen sie gerichtet sind und für das Kapital. Daraus wächst ein "die da oben". Je stärker dieses Gefühl der Menschen wird, um so bereiter sind sie, den zerstörerischen Kräften Vorschub zu geben - ein Instrument der Hilflosigkeit.

Die Erkenntnis der Menschen, niemals eine wirkliche Chance haben zu können, in einer derartig perversen verzerrten Gerechtigkeit hilflos leben zu müssen bringt am Ende den Wunsch hervor, es "denen da oben" nur noch kaputt zu machen und zu versauen - die Menschen selbst haben immer weniger dabei zu verlieren.

Die Wahl einer Afd ist nur der hilflose Ausdruck von Menschen, die nicht mehr gehört werden und die sich von den Maden im Speck, immer weiter als Speck fressen lassen müssen.

Also: Gemeinsinn, Beteiligung und Transparenz sind systemisch immer weniger gegeben, was am Ende auch wieder zum Kollaps führen wird - wie viele Systeme zuvor ja schon gezeigt haben.



Ich bin zwar weich, aber darin bin ich knallhart!

Dynamis
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Sa 6. Jun 2026, 16:04

Burkart hat geschrieben :
Sa 6. Jun 2026, 12:47
Dazu gehört noch die anscheinend größer werdenden Kurzsichtigkeit der Menschen, vielleicht auch die Geschichtsvergessenheit.
Es handelt sich weniger um Geschichtsvergessenheit, sondern eher um eine selektive Lesart der Geschichte. Wenn gegen links gehetzt wird, können sich die Rechtspopulisten noch sehr gut an Stalin und Mao erinnern. Consul hat in einem Diskussionsbeitrag auf eine aktuelle Hetzkampagne aufmerksam gemacht. Diese Kampagne zeigt, wie Geschichte instrumentalisiert wird, um gegen Franziska Brantner zu hetzen.

RosiG2 hat völlig recht, die Gründe liegen in der Demokratie selbst und die werden von den Rechten ausgeschlachtet. Damit hat sie die Politikwissenschaft auf ihrer Seite. Ich hänge ein Foto an von dem Vortrag "Die Globale Rechte" von Prof. Lewandowski, Greifswald, 6. Mai 2026.
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Burkart
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So 7. Jun 2026, 13:32

Ja, unsere Demokratie ist/hat ein Problem. Aber wurden wir früher wirklich mehr gehört? Ist es nicht nur eine Illusion, haben wir früher ggf. nur einfach mehr geglaubt, Einfluss in der Demokratie zu haben? Ich fürchte es. Die Welt ist diverser geworden, also die Ansichten, Wünsche usw., weshalb immer weniger klar erfüllt werden (können).
Klar, dass die Populisten es ausnutzen und die Leute aufstacheln. Leider lassen es viele Menschen mit sich machen, weil sie nicht genau genug nachdenken wollen, insbesondere über mögliche vor allem langfristige Konsequenzen.



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
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Dynamis
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Registriert: Di 24. Mär 2026, 19:10

So 7. Jun 2026, 17:46

Burkart hat geschrieben :
So 7. Jun 2026, 13:32
Ja, unsere Demokratie ist/hat ein Problem. Aber wurden wir früher wirklich mehr gehört? Ist es nicht nur eine Illusion, haben wir früher ggf. nur einfach mehr geglaubt, Einfluss in der Demokratie zu haben?
Natürlich ist hier viel Illusion im Spiel. Diese wird systematisch durch die gängigen Demokratie-Modelle gefördert. Gängige Demokratie-Modelle setzen den Begriff der "Volkssouverän" voraus, also die Idee, dass das Volk der Souverän sei. Damit seien politische Entscheidungen Ausdruck des "Volkswillens". Eine solche Willensmetaphysik hat wenig mit der Realität zu tun, das ist sehr schön in einem Beitrag auf übermedien.de kritisiert worden:
Annika Schneider hat geschrieben : Eine Partei und eine Person auf einem Wahlzettel anzukreuzen, ist eine sehr begrenzte Möglichkeit auszudrücken, was ich mir für die Zukunft wünsche. Und wir Wählerinnen und Wähler sind uns nicht nur uneins in den Parteien, die wir favorisieren, sondern auch darin, wie wir sie auswählen. Eine Bekannte erzählte mir, ihre Mutter habe die Erststimme an eine Pflegekraft vergeben, weil schon so viele Anwälte im Bundestag sitzen. Umfragen zufolge wünschen sich nicht einmal alle, die die AfD gewählt haben, eine Koalition der in Teilen rechtsextreme Partei mit der Union. (Quelle: übermedien, https://uebermedien.de/103433/waehlerwille/)
Wenn durch eine solche Willensmetaphysik unrealistische Erwartungen nahegelegt werden, dann ist es kein Wunder, dass die Realität mit den Erwartungen kollidiert. Sowohl das liberale als auch das populistische Demokratiemodell sind im Kern beide unrealistisch und verwickeln sich daher beide in Widersprüche. Die Widersprüche des liberalen Demokratie-Modells hatte ich in einer Diskussion mit Consul folgendermaßen kritisiert:
Dynamis hat geschrieben :
So 24. Mai 2026, 17:43
Ich zitiere aus deinem Text über "Populistische Demokratie":
Consul hat geschrieben : (...) Denn die populistische Behauptung, dass die Instinkte und Wünsche des Volkes den einzig legitimen Leitfaden für politisches Handeln darstellen, impliziert, dass dem Volkswillen nichts im Wege stehen darf.
(...)
Dies bedeutet jedoch auch, dass die „demokratischen“ Aspekte der liberalen Demokratie – darunter vor allem ihr Bekenntnis zur Volkssouveränität – untergraben werden könnten.
Also, in beiden Demokratiemodellen wird explizit von einem "Bekenntnis zur Volkssouveränität" ausgegangen. Das liberale Modell möchte vor allem die Volkssouveränität stärker durch "die Wahrung eines begrenzten Staates" reglementieren. Darin zeigt sich schon die Einsicht, dass der Staat und die Bevölkerung nicht identisch sind, sodass die Mittel des Staates auch gegen die Bevölkerung eingesetzt werden können. Im Begriff der Volkssouveränität wird aber diese durchaus richtige und wichtige Einsicht ausgeklammert, sodass der souveräne Staat mit dem Volk identifiziert wird, sodass das Volk das eigentliche Souverän sei. Genau damit ist der Begriff der Volkssouveränität der nationalistische Kern beider Demokratiemodelle, sowohl des liberalen als auch des populistischen Modells.
Bei den AfD-Wählern merkt man die Widersprüche ihres Demokratiemodells daran, wie stumpfsinnig sie argumentieren. Das erklärt die Erfahrungen, die dein junger Kollege im Gespräch mit seinen ostdeutschen Eltern gemacht hat.




Timberlake
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Registriert: Mo 16. Mai 2022, 01:29
Wohnort: Shangrila 2.0

So 7. Jun 2026, 22:22

Dynamis hat geschrieben :
So 7. Jun 2026, 17:46
Burkart hat geschrieben :
So 7. Jun 2026, 13:32
Ja, unsere Demokratie ist/hat ein Problem. Aber wurden wir früher wirklich mehr gehört? Ist es nicht nur eine Illusion, haben wir früher ggf. nur einfach mehr geglaubt, Einfluss in der Demokratie zu haben?
Natürlich ist hier viel Illusion im Spiel. Diese wird systematisch durch die gängigen Demokratie-Modelle gefördert. Gängige Demokratie-Modelle setzen den Begriff der "Volkssouverän" voraus, also die Idee, dass das Volk der Souverän sei. Damit seien politische Entscheidungen Ausdruck des "Volkswillens". Eine solche Willensmetaphysik hat wenig mit der Realität zu tun, das ist sehr schön in einem Beitrag auf übermedien.de kritisiert worden:
Das sagt doch gleich wer? Doch sicherlich nicht jemand, der als Politiker tatsächlich dazu aufgefordert ist, sich politisch zu entscheiden.

Übersicht mit KI
Die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland ist massiv verschuldet. Aufgrund der alternden Gesellschaft, steigender Pflegebedürftigkeit und ungelöster politischer Finanzierungsfragen klafft ein Milliardendefizit. Experten fordern tiefgreifende Reformen, da das System sonst vor dem Kollaps steht.


Sich einmal als Politiker in diese Situation der gesetzlichen Pflegeversicherung hineinversetzend, wie sehe denn deine politische Entscheidung aus, die Ausdruck des "Volkswillens" ist?

Dazu nur mal zum Vergleich ..





Dynamis
Beiträge: 638
Registriert: Di 24. Mär 2026, 19:10

Di 9. Jun 2026, 17:41

Timberlake hat geschrieben :
So 7. Jun 2026, 22:22
Dynamis hat geschrieben :
So 7. Jun 2026, 17:46
Burkart hat geschrieben :
So 7. Jun 2026, 13:32
Ja, unsere Demokratie ist/hat ein Problem. Aber wurden wir früher wirklich mehr gehört? Ist es nicht nur eine Illusion, haben wir früher ggf. nur einfach mehr geglaubt, Einfluss in der Demokratie zu haben?
Natürlich ist hier viel Illusion im Spiel. Diese wird systematisch durch die gängigen Demokratie-Modelle gefördert. Gängige Demokratie-Modelle setzen den Begriff der "Volkssouverän" voraus, also die Idee, dass das Volk der Souverän sei. Damit seien politische Entscheidungen Ausdruck des "Volkswillens". Eine solche Willensmetaphysik hat wenig mit der Realität zu tun, das ist sehr schön in einem Beitrag auf übermedien.de kritisiert worden:
Das sagt doch gleich wer? Doch sicherlich nicht jemand, der als Politiker tatsächlich dazu aufgefordert ist, sich politisch zu entscheiden.
Es mag schon sein, dass Politiker dazu gezwungen sind die herrschenden Narrative inklusive Willensmetaphysik mitzutragen, damit sie überhaupt Entscheidungsträger werden können. Jedenfalls tun das die Berufspolitiker, die öffentlich auftreten:
Annika Schneider hat geschrieben : „Wählerwille“ sei eine blau-schwarze Koalition, sagte Alice Weidel am Wahlabend. Der „Wählerwille“ müsse endlich respektiert und die demokratieverachtenden Brandmauern abgerissen werden, befand auch der AfD-Spitzenkandidat für die Hamburger Bürgerschaftswahl, Dirk Nockemann. Auch die CDU-Politikerin Julia Klöckner forderte vergangene Woche auf Instagram dazu auf, „den Wählerwillen ernst zu nehmen“, vor allem beim Thema Bürgergeld und Migrationspolitik. (Quelle: https://uebermedien.de/103433/waehlerwille/)


Aber das muss ich ja nicht nachmachen.
Timberlake hat geschrieben : Übersicht mit KI
Die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland ist massiv verschuldet. Aufgrund der alternden Gesellschaft, steigender Pflegebedürftigkeit und ungelöster politischer Finanzierungsfragen klafft ein Milliardendefizit. Experten fordern tiefgreifende Reformen, da das System sonst vor dem Kollaps steht.


Sich einmal als Politiker in diese Situation der gesetzlichen Pflegeversicherung hineinversetzend, wie sehe denn deine politische Entscheidung aus, die Ausdruck des "Volkswillens" ist?
Ich verstehe deine Frage nicht. Ich bin kein Politiker, warum sollte ich mir also Gedanken darüber machen, wie eine "politische Entscheidung" aussehen könnte?
Timberlake hat geschrieben : Dazu nur mal zum Vergleich ..

Nun, Revolutionen sind eine komplizierte Angelegenheit. Wir haben Anfang des Jahres gesehen, bevor Trump + Netanjahu ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf den Iran gestartet haben, dass es Massendemonstrationen gab und dass diese nicht hinreichend waren, um die Mullahs zu stürzen. Dieses aktuelle Beispiel zeigt, dass die Konstruktion eines "Wir"s, die eine Revolution ermöglicht, in der Auseinandersetzung mit einem Souveränität beanspruchenden Gewaltmonopolisten eine enorm herausfordernde Aufgabe ist. Es ist da einfacher sich mit einem abstrakten "Wir" zu identifizieren und zu hoffen, dass die Regierung es schon richten wird.


Wenn eine Regierung es komplett verbockt, dann kann das natürlich dazu führen, dass die weitverbreitete Unzufriedenheit ein vages Wir-Gefühl erzeugt. Das war beispielsweise im Vorfeld der Iranischen Revolution 1979 der Fall gewesen. Dort ging es den meisten Leuten schlecht. Deswegen haben Kommunisten und Islamisten für eine kurze Zeit kooperiert, um das Regime zu stürzen. Wenn es allgemeine Unzufriedenheit gibt, dann gibt es Proteste und vielleicht wird dann sogar die Regierung gestürzt - alternativ setzt sie auf Repressionen und lässt alle Protestierenden abknallen, siehe Iran 2026. Wenn die Proteste tatsächlich zu einem Umsturz der Regierung führen, dann flaut die Unzufriedenheit zumindest für eine Zeit ab, die Leute haben ihren Frust abgelassen, aber ob es dann noch jenseits dieser temporären Unzufriedenheit einen "Volkswillen" gibt, das ist dann unklar.




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