Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten

Dieser Teil des Forums befaßt sich mit politischen, sozialen und historischen Aspekten der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten.
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RosiG2
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Di 9. Jun 2026, 18:42

Dynamis hat geschrieben :
Di 9. Jun 2026, 17:41
......
Nun, Revolutionen sind eine komplizierte Angelegenheit. Wir haben Anfang des Jahres gesehen, bevor Trump + Netanjahu ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf den Iran gestartet haben, dass es Massendemonstrationen gab und dass diese nicht hinreichend waren, um die Mullahs zu stürzen. Dieses aktuelle Beispiel zeigt, dass die Konstruktion eines "Wir"s, die eine Revolution ermöglicht, in der Auseinandersetzung mit einem Souveränität beanspruchenden Gewaltmonopolisten eine enorm herausfordernde Aufgabe ist. Es ist da einfacher sich mit einem abstrakten "Wir" zu identifizieren und zu hoffen, dass die Regierung es schon richten wird.


Wenn eine Regierung es komplett verbockt, dann kann das natürlich dazu führen, dass die weitverbreitete Unzufriedenheit ein vages Wir-Gefühl erzeugt. Das war beispielsweise im Vorfeld der Iranischen Revolution 1979 der Fall gewesen. Dort ging es den meisten Leuten schlecht. Deswegen haben Kommunisten und Islamisten für eine kurze Zeit kooperiert, um das Regime zu stürzen. Wenn es allgemeine Unzufriedenheit gibt, dann gibt es Proteste und vielleicht wird dann sogar die Regierung gestürzt - alternativ setzt sie auf Repressionen und lässt alle Protestierenden abknallen, siehe Iran 2026. Wenn die Proteste tatsächlich zu einem Umsturz der Regierung führen, dann flaut die Unzufriedenheit zumindest für eine Zeit ab, die Leute haben ihren Frust abgelassen, aber ob es dann noch jenseits dieser temporären Unzufriedenheit einen "Volkswillen" gibt, das ist dann unklar.
Es ist halt das, dass man früher oder später immer vor dem Problem steht: wie umsetzen?

Menschen tragen schon viele Dinge mit, wenn sie wissen weshalb das Sinn ergibt. So halten sich mehr Menschen an ein Tompolimit, wenn unter dem Schild eine "nachvollziehbare Begründung" steht.

Es gibt aber im aktuellen Portfolie Nichts, was mit entsprechender Nachvollziehbarkeit für etwas anderes als das Geldsystem gut ist - das motiviert fast automatisch zu nichts anderem mehr, weil Zerstörung augenscheinlich als einzige Überwindung dessen sichtbar bleibt.

Vielleicht bräuchte es irgendetwas Neuem?



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Dynamis
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Do 11. Jun 2026, 21:28

RosiG2 hat geschrieben :
Di 9. Jun 2026, 18:42
Es ist halt das, dass man früher oder später immer vor dem Problem steht: wie umsetzen?
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus meiner Antwort auf deinen nächsten Punkt:
RosiG2 hat geschrieben : Menschen tragen schon viele Dinge mit, wenn sie wissen weshalb das Sinn ergibt. So halten sich mehr Menschen an ein Tompolimit, wenn unter dem Schild eine "nachvollziehbare Begründung" steht.
Ja, das ist auch jetzt noch der Fall. Man darf ja nicht vergessen, dass sowohl AfD-Wähler auch als die Wähler der etablierten Parteien viele Dinge mittragen, z.B. Kapitalismus, Nationalismus, Ökozid, Genozid, Aufrüstung. Unsere Aufgabe besteht also darin die Sinnlosigkeit dessen klarzumachen.
RosiG2 hat geschrieben : Es gibt aber im aktuellen Portfolie Nichts, was mit entsprechender Nachvollziehbarkeit für etwas anderes als das Geldsystem gut ist
Ja und darüber muss noch aufgeklärt werden. Enttäuschung im Sinne von Ent-Täuschung ist vonnöten.
RosiG2 hat geschrieben : Vielleicht bräuchte es irgendetwas Neuem?
An dieser Stelle denke ich daran, dass es sinnvoll wäre eine Art authentisches Wir-Gefühl zu fördern. Timberlake hat ja schon einen sehr guten Hinweis gegeben: Wenn eine Regierung es permanent verbockt, dann erzeugt der Leidensdruck manchmal generelle Unzufriedenheit und somit ein vages Wir-Gefühl. Soweit sind wir aber hierzulande noch lange nicht. Mein Ansatz, den ich nun vorschlage, geht über die Politik hinaus und ist von der buddhistischen Ethik inspiriert. Anstatt nach einer abstrakten Grundlage für ein Wir zu suchen, wie man es im allgegenwärtigen Nationalismus versucht, könnten wir uns auf eine tatsächlich vorhandene Gemeinsamkeit besinnen: Dass wir alle von Leid betroffen sind, direkt oder indirekt, in unterschiedlicher Weise. Dementsprechend haben wir alle Interesse daran in einer Gesellschaft zu leben, die für uns gedeihliche Umstände schafft.




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RosiG2
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Mo 15. Jun 2026, 03:28

Dynamis hat geschrieben :
Do 11. Jun 2026, 21:28
..... Dementsprechend haben wir alle Interesse daran in einer Gesellschaft zu leben, die für uns gedeihliche Umstände schafft.
Leider immer nur so lange, bis sich der Fokus wieder auf sich selbst richtet, weil die eigene Gedeihlichkeit leidet, unter Dingen, die gesellschaftlich gedeihliche Umstände schafft.

Da müsste am Ende ein Spruch stehen wie "Wenn es dem Chef gut geht, geht es auch seinen Arbeitern gut" (dieser Beispielspruch ist natürlich unwahr weil es am Chef liegt).



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Dynamis
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Mi 17. Jun 2026, 21:22

RosiG2 hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 03:28
Dynamis hat geschrieben :
Do 11. Jun 2026, 21:28
..... Dementsprechend haben wir alle Interesse daran in einer Gesellschaft zu leben, die für uns gedeihliche Umstände schafft.
Leider immer nur so lange, bis sich der Fokus wieder auf sich selbst richtet, weil die eigene Gedeihlichkeit leidet, unter Dingen, die gesellschaftlich gedeihliche Umstände schafft.
Häh? Warum muss es da einen Gegensatz geben?




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Mi 17. Jun 2026, 23:26

Dynamis hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 21:22
RosiG2 hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 03:28
Dynamis hat geschrieben :
Do 11. Jun 2026, 21:28
..... Dementsprechend haben wir alle Interesse daran in einer Gesellschaft zu leben, die für uns gedeihliche Umstände schafft.
Leider immer nur so lange, bis sich der Fokus wieder auf sich selbst richtet, weil die eigene Gedeihlichkeit leidet, unter Dingen, die gesellschaftlich gedeihliche Umstände schafft.
Häh? Warum muss es da einen Gegensatz geben?
Weil sich Gedeihlichkeit ja nicht aus dem Maximalwert an individueller Gedeihlichkeit ergibt, sondern sich die individuelle aus dem Maximalwert der gesellschaftlichen ergibt.

Ich gehe nicht davon aus, das Jeder das so sehen möchte ;-)



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Dynamis
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Do 18. Jun 2026, 10:41

RosiG2 hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 23:26
Weil sich Gedeihlichkeit ja nicht aus dem Maximalwert an individueller Gedeihlichkeit ergibt
Das ist doch überhaupt nicht logisch. Wenn es mir gut geht, heißt das doch nicht, dass es den anderen schlecht gehen muss.




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RosiG2
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Do 18. Jun 2026, 14:03

Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 10:41
RosiG2 hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 23:26
Weil sich Gedeihlichkeit ja nicht aus dem Maximalwert an individueller Gedeihlichkeit ergibt
Das ist doch überhaupt nicht logisch. Wenn es mir gut geht, heißt das doch nicht, dass es den anderen schlecht gehen muss.
Aber halt auch nicht, dass es dem Anderen gut gehen muss.

Das ist ja das Problem, den Blick von "sich" weg hin zu "uns" zu lenken.

Das ist im Prinzip so, wie wenn Deine eigene Weise, die Möglichkeit der Glücklichkeitstiefe begrenzt. Diese Schwelle erhöht sich automatisch mit einer allgemein gesteigerten Glücklichkeit.



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Do 18. Jun 2026, 18:34

RosiG2 hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 14:03
Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 10:41
RosiG2 hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 23:26
Weil sich Gedeihlichkeit ja nicht aus dem Maximalwert an individueller Gedeihlichkeit ergibt
Das ist doch überhaupt nicht logisch. Wenn es mir gut geht, heißt das doch nicht, dass es den anderen schlecht gehen muss.
Aber halt auch nicht, dass es dem Anderen gut gehen muss.

Das ist ja das Problem, den Blick von "sich" weg hin zu "uns" zu lenken.
Das ist ja nur in einer schlecht organisierten Gesellschaft ein Problem. In einer Gesellschaft, die auf Kooperation und Koordination statt auf Konkurrenz basiert, muss man gar nicht erst von seinen Interessen absehen, um sich in der Gemeinschaft zu engagieren.




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RosiG2
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Do 18. Jun 2026, 19:47

Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 18:34
...

Das ist ja nur in einer schlecht organisierten Gesellschaft ein Problem. In einer Gesellschaft, die auf Kooperation und Koordination statt auf Konkurrenz basiert, muss man gar nicht erst von seinen Interessen absehen, um sich in der Gemeinschaft zu engagieren.
Dafür müssen aber Menschen, wie alle Tiere, gegen ihren Antrieb ankämpfen.

Babies schreien ausschließlich wegen sich und kümmern sich nicht um den Schlaf von Eltern. Den positiven Effekt, den Kooperation mit sich bringt, lernen sie gleichfalls über den eigenen Vorteil daraus.

Diese Situation wird schon versucht über Regeln und Gesetze entsprechend auszu-gerüsten - und jegliche Reglementierung braucht es im Grunde nur, diesem Antrieb entgegenzuwirken und ihn einzuhegen.

Es wäre schön, wenn sich eine Einsicht der Menschen aus sich heraus finden lassen würde, die unabhängig von einer Gottbefohlenheit existieren kann ;-)



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Jörn P Budesheim
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Do 18. Jun 2026, 20:31

RosiG2 hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 19:47
Dafür müssen aber Menschen, wie alle Tiere, gegen ihren Antrieb ankämpfen. [...] Den positiven Effekt, den Kooperation mit sich bringt, lernen sie gleichfalls über den eigenen Vorteil daraus.
Gemäß den Forschungen von Michael Tomasello helfen bereits sehr kleine Kinder anderen, ohne selbst auf einen eigenen Vorteil zu hoffen. Kooperation gehört offenbar zu unseren frühen sozialen Dispositionen. (Wenn ich mich richtig entsinne, können Belohnungen gemäß dieser Forschungen sogar kontraproduktiv wirken.)



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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RosiG2
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Do 18. Jun 2026, 23:35

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 20:31
RosiG2 hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 19:47
Dafür müssen aber Menschen, wie alle Tiere, gegen ihren Antrieb ankämpfen. [...] Den positiven Effekt, den Kooperation mit sich bringt, lernen sie gleichfalls über den eigenen Vorteil daraus.
Gemäß den Forschungen von Michael Tomasello helfen bereits sehr kleine Kinder anderen, ohne selbst auf einen eigenen Vorteil zu hoffen. Kooperation gehört offenbar zu unseren frühen sozialen Dispositionen. (Wenn ich mich richtig entsinne, können Belohnungen gemäß dieser Forschungen sogar kontraproduktiv wirken.)
Danke, das ist interessant. Es wurde mit 18 und 20 Monate alten Kindern erforscht.

Wenn das soziale Dispositionen sind, könnte das zu Diagnosen von Störungen führen :shock:



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Timberlake
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Fr 19. Jun 2026, 02:00

Wenn gemäß den Forschungen von Michael Tomasello bereits sehr kleine Kinder anderen helfen, ohne selbst auf einen eigenen Vorteil zu hoffen, dann frage ich mich allerdings schon, wie es mit dem Rechtspopulismus zu einer Bewegung von Narzissten kommen konnte.
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann



Eine Gesinnungs- und Anspruchsegozentrik, die natürlich leicht Frustrationen und Kränkungen produzieren kann, stach schon in der Mitte-Studie 2023 bei den AfD-Anhängern hervor. Die Aussagen: »Menschen wie mir steht mehr zu als anderen« und »Menschen wie ich verdienen eine bessere Behandlung als andere« sind klassische Items zur Messung von Anspruchsdenken. Sie werden in der psychologischen Forschung genutzt, um Persönlichkeitsmerkmale wie Narzissmus, Egozentrik und den Wunsch nach Sonderbehandlung zu identifizieren.
...
Einer Bewegung , bei der Aussagen wie »Menschen wie mir steht mehr zu als anderen« und »Menschen wie ich verdienen eine bessere Behandlung als andere« ,wie es hier heißt, klassische Items zur Messung von Anspruchsdenken sind.
Timberlake hat geschrieben :
Do 15. Mai 2025, 13:41


Was will ich damit sagen?

Das Leben ist ein Kindergarten!




Dynamis
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Fr 19. Jun 2026, 12:11

Timberlake hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 02:00
Wenn gemäß den Forschungen von Michael Tomasello bereits sehr kleine Kinder anderen helfen, ohne selbst auf einen eigenen Vorteil zu hoffen, dann frage ich mich allerdings schon, wie es mit dem Rechtspopulismus zu einer Bewegung von Narzissten kommen konnte.
Und das Tolle ist, dass linke Intellektuelle voll schlau sind und anders als Andreas Püttman sich diese Frage nicht nur stellen, sondern sogar eine Antwort darauf haben. Und weil ich so toll bin, habe ich das natürlich gewusst und bereits hier verlinkt. Natürlich ist auch diese Antwort nicht die letzte Wahrheit, aber dafür ist ja diese Diskussionsgruppe hier da, dass man sie diskutieren kann! :-)
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:27
Zum Zusammenhang von Narzissmus und Kapitalismus gibt es den Aufsatz "„Der Narzissmus wird gesellschaftsfähig“ Subjektivierungspraktiken der Marktwirtschaft" von Sven Ellmers:
Sven Ellmers hat geschrieben : Charakteristisch für die gegenwärtige Gesellschaft ist die konstitutive Rolle des Marktes. Vorbürgerliche Gesellschaften waren durch ein System von (familialer) Selbstversorgung und persönlichen Abhängigkeiten geprägt, weshalb sie Märkte nur als Randphänomen zuließen – ein Randphänomen, das durch Gebote der Tradition und Religion geprägt war. Bürgerliche Gesellschaften hingegen ersetzen die persönliche Abhängigkeit durch die sachliche Abhängigkeit privater Eigentümer. Märkte ergänzen daher nicht länger andere Produktionsweisen, sondern nehmen ihre Stelle ein. Geht man mit Aristoteles und Hegel davon aus, dass wir uns im alltäglichen Handeln weniger an kognitiv erschlossenen Prinzipien orientieren, sondern uns in erster Linie von Einstellungen leiten lassen, die wir durch soziale Routinen internalisiert haben, liegt die Vermutung nahe, dass Märkte auch unsere Persönlichkeitsmuster in einem viel stärkeren Maße prägen: Sie beeinflussen, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen wahrnehmen, was jeder von sich und anderen erwartet, wie wir uns selbst und unsere Mitbürger behandeln. Dieser Aufsatz wird zunächst dafür argumentieren, dass Märkte insbesondere narzisstische Einstellungen begünstigen – um im Anschluss zwei Möglichkeiten ihrer Begrenzung zu diskutieren. (Quelle: https://kritischebildung.de/afkg/azp_el ... schaft.pdf)




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RosiG2
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Fr 19. Jun 2026, 15:26

Dynamis hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 12:11
Timberlake hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 02:00
Wenn gemäß den Forschungen von Michael Tomasello bereits sehr kleine Kinder anderen helfen, ohne selbst auf einen eigenen Vorteil zu hoffen, dann frage ich mich allerdings schon, wie es mit dem Rechtspopulismus zu einer Bewegung von Narzissten kommen konnte.
Und das Tolle ist, dass linke Intellektuelle voll schlau sind und anders als Andreas Püttman sich diese Frage nicht nur stellen, sondern sogar eine Antwort darauf haben. Und weil ich so toll bin, habe ich das natürlich gewusst und bereits hier verlinkt. Natürlich ist auch diese Antwort nicht die letzte Wahrheit, aber dafür ist ja diese Diskussionsgruppe hier da, dass man sie diskutieren kann! :-)
Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:27
Zum Zusammenhang von Narzissmus und Kapitalismus gibt es den Aufsatz "„Der Narzissmus wird gesellschaftsfähig“ Subjektivierungspraktiken der Marktwirtschaft" von Sven Ellmers:
Sven Ellmers hat geschrieben : Charakteristisch für die gegenwärtige Gesellschaft ist die konstitutive Rolle des Marktes. Vorbürgerliche Gesellschaften waren durch ein System von (familialer) Selbstversorgung und persönlichen Abhängigkeiten geprägt, weshalb sie Märkte nur als Randphänomen zuließen – ein Randphänomen, das durch Gebote der Tradition und Religion geprägt war. Bürgerliche Gesellschaften hingegen ersetzen die persönliche Abhängigkeit durch die sachliche Abhängigkeit privater Eigentümer. Märkte ergänzen daher nicht länger andere Produktionsweisen, sondern nehmen ihre Stelle ein. Geht man mit Aristoteles und Hegel davon aus, dass wir uns im alltäglichen Handeln weniger an kognitiv erschlossenen Prinzipien orientieren, sondern uns in erster Linie von Einstellungen leiten lassen, die wir durch soziale Routinen internalisiert haben, liegt die Vermutung nahe, dass Märkte auch unsere Persönlichkeitsmuster in einem viel stärkeren Maße prägen: Sie beeinflussen, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen wahrnehmen, was jeder von sich und anderen erwartet, wie wir uns selbst und unsere Mitbürger behandeln. Dieser Aufsatz wird zunächst dafür argumentieren, dass Märkte insbesondere narzisstische Einstellungen begünstigen – um im Anschluss zwei Möglichkeiten ihrer Begrenzung zu diskutieren. (Quelle: https://kritischebildung.de/afkg/azp_el ... schaft.pdf)
So ist es. Da wird die Logik des tragenden Systems zur durchgängigen Logik um Alles dann :-(

... am Ende "funktioniert" Gesellschaft als Spiegel des Kapitalsystems.



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Jörn P Budesheim
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Sa 20. Jun 2026, 22:06



Vielleicht ist es ja für euch interessant, ich habe das Video bisher noch nicht gesehen.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

Timberlake
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Sa 20. Jun 2026, 22:35

RosiG2 hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 15:26


... am Ende "funktioniert" Gesellschaft als Spiegel des Kapitalsystems.
Dem man sich dann aber auch nicht entziehen kann.

Dynamis hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 16:27
Zum Zusammenhang von Narzissmus und Kapitalismus gibt es den Aufsatz "„Der Narzissmus wird gesellschaftsfähig“ Subjektivierungspraktiken der Marktwirtschaft" von Sven Ellmers:

3. In einer Marktwirtschaft konkurrieren die Produzenten untereinander. Dieser Wettbewerb unterscheidet sich vom spielerischen oder sportlichen Wettbewerb grundlegend, denn erstens besteht in der Marktwirtschaft nicht die Möglichkeit, die Teilnahme am Wettbewerb
auszuschlagen, und zweitens steht beim ökonomischen Wettbewerb die eigene Existenz zur Disposition: das gegenwärtige Einkommen, die Grundlagen zukünftigen Einkommens sowie der mit beidem einhergehende soziale Status.
So wie infolgedessen stets die eigene Existenz zur Disposition steht. So das, wenn man meint, dass da ein dickes Minuszeichen droht, der Rechtspopulismus sich dessen zu bedienen weiß. Nur steht eben das nicht auf dessen Agenda, also das Kapitalsystem dementsprechend zu modifizieren. Ganz im Gegenteil ...
spiegel.de hat geschrieben :
Allianz von Wirtschaft und Kapital
Erfüllt Trump, was Marx prophezeite?
»Staatsmonopolistischer Kapitalismus«: Selten passte der kommunistische Kampfbegriff so gut wie auf das Amerika von heute. US-Präsident Donald Trump lässt die Interessen von Regierung und Konzernen verschmelzen.



15 Minuten, 34 Sekunden

"In Ihrem Buch vertreten Sie eine Idee, die Sie für den Kern des Faschismus halten. Sie sagen, im Grunde gehe es um eine entfesselte Eigentumslogik.
Und da ist der Begriff des Phantombesitzes ganz wichtig. Was genau meinen Sie mit entfesselnder Eigentumslogik?
Mir scheint, der Faschismus zeichnet sich dadurch aus,dass Regieren und auch menschliche Beziehungen durch Verfügen ersetzt werden sollen.
Jemand darf wie ein Eigentümer über etwas anderes, als sei es ein Ding, herrschen.
Und wie kommt man überhaupt dahin?
Die faschistische Mobilisierung scheint darauf angewiesen zu sein, reale Verlustängste oder Verlusterfahrungen von Menschen in einer bestimmten Weise zu adressieren.
Das tut sie, indem gewissermaßen Ersatzangebote gemacht werden, die über verschiedene Felder hinweg, dieselbe deprimierende Form haben: seien es "die gestohlenen Wahlen", "unsere Familie" oder "mein Land".
Diese Form ist die eines Eigentums, eines Dinges. Es wird eine Art Quasibesitz angeboten.
Man spürt einen Impuls, einen Kontrollwunsch, aber an eigentlich leerer Stelle"


Vor dem Hintergrund, dass man sich der Teilnahme am Wettbewerb, sei es nun in der Wirtschaft oder dem Finanzsystem, nicht entziehen kann, will ich übrigens gerne glauben, dass man eigentlich an einer leeren Stelle einen Kontrollwunsch, als Impuls verspürt. Das der Rechtspopulismus anstatt dessen gewissermaßen Ersatzangebote macht. Ersatzangebote die, wie es hier heißt, über verschiedene Felder hinweg, stets dieselbe deprimierende Form haben: seien es "die gestohlenen Wahlen", "unsere Familie" oder "mein Land".




Dynamis
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So 21. Jun 2026, 18:01

Timberlake hat geschrieben :
Sa 20. Jun 2026, 22:35
Vor dem Hintergrund, dass man sich der Teilnahme am Wettbewerb, sei es nun in der Wirtschaft oder dem Finanzsystem, nicht entziehen kann, will ich übrigens gerne glauben, dass man eigentlich an einer leeren Stelle einen Kontrollwunsch, als Impuls verspürt. Das der Rechtspopulismus anstatt dessen gewissermaßen Ersatzangebote macht. Ersatzangebote die, wie es hier heißt, über verschiedene Felder hinweg, stets dieselbe deprimierende Form haben: seien es "die gestohlenen Wahlen", "unsere Familie" oder "mein Land".
Ich stimme dir zu, da hast du auf gelungene Weise eine Verknüpfung von der Überlegung von Sven Ellmers, dass wir uns alle in einem Konkurrenzkampf befinden, mit den Inhalten des Videos hergestellt.

Gerade habe ich mir das Video angesehen und war überaus angetan von der Frau von Redecker, dass sie diese Verknüpfung zumindest angedeutet hat. In der Stelle, in der es um Eisbäder in der Jugendbewegung ging, hat sie darauf verwiesen, dass es da auch um ein breiteres gesellschaftliches Phänomen geht und dass Manager ebenfalls Eisbaden als Programm zur Selbstoptimierung betreiben. Leider konnte sich die Moderatorin nicht so recht mit diesem Gedanken anfreunden und hat stattdessen eine scharfe Abgrenzung versucht: Optimierungswahn sei etwas anderes als Faschismus. Dabei ist es durchaus ein naheliegender Gedanke, dass Gemeinschaft und Kampfsporttraining von jungen Menschen als attraktives Angebot zur Steigerung der Selbstbehauptungsfähigkeiten wahrgenommen werden. Denn: Wozu muss man seine Kampfkraft steigern? Weil wir uns in einer Welt voller Konkurrenz befinden und dementsprechend Gewalt als Mittel einsetzen müssen, um uns da durchzusetzen.

Allerdings ist der Frau von Redecker (vielleicht durch die Fragen der Moderatorin bedingt) ein Selbstwiderspruch unterlaufen. Auf der einen Seite betont sie, wie von dir richtig angesprochen, dass es im Faschismus um Eigentumsansprüche geht. Auf der anderen Seite aber sagt sie gegen Ende: "Der Faschismus definiert sich dadurch zu sagen: "Es soll das Recht des Stärkeren herrschen."" Da vergisst sie genau das, was sie vorhin selbst entdeckt hat, und macht das in der politischen Diskussion leider allzu häufige Spiel mit, dass von den Inhalten abgesehen wird. Der Faschismus wird dann auf eine reine Gewaltfaszination runtergebrochen, als ob es gar keine Inhalte dabei geben würde. Wenn sie aber selbst betont, dass es dem Faschismus um Eigentumsansprüche geht, dann impliziert sie somit, dass es dem Faschismus eben nicht um das Recht des Stärkeren geht, sondern um eine Art Eigentumsrecht. Und dann muss man sich die Frage stellen, wer in dieser Rechtslogik der Eigentümer ist. Damit kämen wir dann auf die Idee der ungezügelten Volkssouveränität zu sprechen: Der Faschismus stellt sich dann dar als eine Art Rechtsphilosophie, die ihre Rechtsansprüche nicht aus einer universellen Idee der Menschenrechte herleitet. Sondern aus dem Begriff der unbeschränkten Volkssouveränität, in der die Gemeinschaft frei und ungehindert von humanistischen Bedenken über ihr gemeinschaftliches Eigentum verfügen kann. Das ist dann "Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg" auf die Spitze getrieben. Im Gespräch war man ganz kurz davor die Entdeckung zu machen, dass es im Faschismus genau darum geht, als man nämlich den Slogan "We'll have our home again" diskutiert und sich den Kopf darüber zerbrochen hat, was denn dieses "our" bedeuten soll. Da war man ganz kurz davor anzusprechen, worum es da eigentlich geht: Um das "our", eben das Volk, dem in der faschistischen Rechtslogik das Eigentum gehört.




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Jörn P Budesheim
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Mo 22. Jun 2026, 08:15

Sternstunden hat geschrieben : Bleisch: In Ihrem Buch vertreten Sie nämlich eine Idee dessen, was Sie für den Kern des Faschismus halten. Sie sagen, im Grunde genommen gehe es um eine entfesselte Eigentumslogik. Und da ist der Begriff des Phantombesitzes ganz wichtig. Was genau meinen Sie genau? Was ist diese entfesselte Eigentumslogik?

Redecker: Also mir scheint, der Faschismus zeichnet sich als Herrschaftsform dadurch aus, dass Regieren und auch menschliche Beziehungen durch Verfügen ersetzt werden sollen. Dass jemand wie ein Eigentümer über etwas anderes, als sei es ein Ding, herrschen darf.
Dynamis hat geschrieben :
So 21. Jun 2026, 18:01
Allerdings ist der Frau von Redecker (vielleicht durch die Fragen der Moderatorin bedingt) ein Selbstwiderspruch unterlaufen. Auf der einen Seite betont sie, wie von dir richtig angesprochen, dass es im Faschismus um Eigentumsansprüche geht. Auf der anderen Seite aber sagt sie gegen Ende: "Der Faschismus definiert sich dadurch zu sagen: "Es soll das Recht des Stärkeren herrschen.""
Ich sehe hier keinen Widerspruch, sondern eher das Gegenteil. Das Recht des Stärkeren gilt, weil menschliche Beziehungen durch Verfügen ersetzt werden. Gewalt ist die Methode der Selbstjustiz gegen vermeintliche „Diebe“, die diesen Besitz bedrohen, also zum Beispiel: „unser Land, unser Blut, unsere Sprache, unsere Frauen, unsere Vormachtstellung (als Weiße), unsere Schnitzel, unsere Autos, unsere Sichtweisen …“ Wer etwas davon angreift oder „stehlen“ will, muss nach faschistischer Logik mit Gewalt daran gehindert werden – gewissermaßen in Notwehr. Es zählt allein das Recht des Stärkeren. Die Härte, von der von Redecker spricht, ist die Reaktion des Faschisten auf den eingebildeten Verlust dieser (Phantom-)Besitztümer.
Dynamis hat geschrieben :
So 21. Jun 2026, 18:01
Und dann muss man sich die Frage stellen, wer in dieser Rechtslogik der Eigentümer ist. Damit kämen wir dann auf die Idee der ungezügelten Volkssouveränität zu sprechen: Der Faschismus stellt sich dann dar als eine Art Rechtsphilosophie, die ihre Rechtsansprüche nicht aus einer universellen Idee der Menschenrechte herleitet. Sondern aus dem Begriff der unbeschränkten Volkssouveränität, in der die Gemeinschaft frei und ungehindert von humanistischen Bedenken über ihr gemeinschaftliches Eigentum verfügen kann.
Nach meinem Verständnis hat sich von Redecker diese Frage durchaus gestellt und sie gibt – nach meinem Verständnis und verkürzt gesagt – folgende Antwort: Das „Our/Wir“ entsteht dadurch, dass Menschen, die eigentlich zersprengt, isoliert und einzeln sind, durch das faschistische „Besitz-Narrativ“ adressiert, also angesprochen werden. Diese Menschen sind aufgrund von Verlustängsten (Preiserhöhungen, unsichere Lebensverhältnisse) entsprechend ansprechbar. Sie verstehen sich dann als die rechtmäßigen Besitzer dieser „Dinge“, also als diejenigen, die gleichsam aufgerufen sind, die „richtige“ Besitzordnung (in ihrer Vorstellung: „wieder“) herzustellen. Von Redecker würde Dir nach meinem Verständnis zwar zustimmen, dass es um eine „ungezügelte Volkssouveränität“ geht, würde aber betonen, dass dieses „Volk“ keine natürliche Gegebenheit ist, sondern ein Phantasma, das erst durch das faschistische Narrativ entsteht, welches dem „Wir“, also dem Volk, das Besitzansprüche hat, das „Ihr“, also „die Anderen“, also „die Diebe“, entgegenstellt.



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Dynamis
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Mo 22. Jun 2026, 10:25

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 22. Jun 2026, 08:15
Ich sehe hier keinen Widerspruch, sondern eher das Gegenteil. Das Recht des Stärkeren gilt, weil menschliche Beziehungen durch Verfügen ersetzt werden. Gewalt ist die Methode der Selbstjustiz gegen vermeintliche „Diebe“, die diesen Besitz bedrohen, also zum Beispiel: „unser Land, unser Blut, unsere Sprache, unsere Frauen, unsere Vormachtstellung (als Weiße), unsere Schnitzel, unsere Autos, unsere Sichtweisen …“ Wer etwas davon angreift oder „stehlen“ will, muss nach faschistischer Logik mit Gewalt daran gehindert werden – gewissermaßen in Notwehr. Es zählt allein das Recht des Stärkeren. Die Härte, von der von Redecker spricht, ist die Reaktion des Faschisten auf den eingebildeten Verlust dieser (Phantom-)Besitztümer.
Es geht hier ja nicht um tatsächlichen Besitz. Frau von Redecker spricht davon, dass im Faschismus "Regieren und auch menschliche Beziehungen durch Verfügen ersetzt werden sollen." Da wird also ein normativer Sollens-Anspruch formuliert. Es ist ein Unterschied, ob ich tatsächlich über etwas verfüge oder ob ich mir ein ideelles Eigentum vorstelle und mir einbilde, dass ich über diese Sache verfügen sollte, obwohl ich faktisch nicht darüber verfüge. Die Vorstellung eines ideellen Eigentums ist auch notwendig, damit man Leute als "Diebe" oder damit man eine Handlung als "stehlen" bezeichnet. Wenn einfach nur das Recht des Stärkeren gelten würde, dann gäbe es keine Diebe. Wer stark genug ist, um eine Sache an sich zu reißen, ist nach dem Recht des Stärkeren eben der rechtmäßige Besitzer einer Sache.

Ein Eigentumsrecht, egal ob es sich um das imaginierte der Faschisten oder das staatlich etablierte handelt, wird nun einmal mit Gewalt durchgesetzt. Der Staat hat das Gewaltmonopol und dieses nutzt er, um die geltende Rechtsordnung mit Gewalt durchzusetzen. Deswegen tragen Polizisten die ganze Zeit Handschellen und Waffen mit sich herum, damit sie notfalls dem Recht aus dem StGB und dem BGB mit Gewalt Geltung verschaffen können. Jetzt denken sich die Faschisten halt: Cool, die Polizisten wenden Gewalt an, um Recht durchzusetzen, das wollen wir auch! Nur haben die Faschisten eine andere Vorstellung von Recht als die, die in unseren Gesetzbüchern niedergeschrieben ist.
Jörn hat geschrieben : Nach meinem Verständnis hat sich von Redecker diese Frage durchaus gestellt und sie gibt – nach meinem Verständnis und verkürzt gesagt – folgende Antwort: Das „Our/Wir“ entsteht dadurch, dass Menschen, die eigentlich zersprengt, isoliert und einzeln sind, durch das faschistische „Besitz-Narrativ“ adressiert, also angesprochen werden. Diese Menschen sind aufgrund von Verlustängsten (Preiserhöhungen, unsichere Lebensverhältnisse) entsprechend ansprechbar. Sie verstehen sich dann als die rechtmäßigen Besitzer dieser „Dinge“, also als diejenigen, die gleichsam aufgerufen sind, die „richtige“ Besitzordnung (in ihrer Vorstellung: „wieder“) herzustellen.
Bis zu diesem Punkt wäre ein derartiger Aufruf noch mit einer rechtslibertären Weltanschauung vereinbar. Libertäre kennen ebenfalls eine Eigentumslogik, allerdings gibt es in ihrer Vorstellung kein Kollektiv, sondern nur Individuen, die das Eigentum an Sachen besitzen. In ihrer Weltanschauung wird dieses Eigentum durch Sozialisten weggenommen, die einfach zu viel Mitgefühl haben und deswegen dem Sozialstaat Geld in den Rachen schmeißen statt auf innovatives Unternehmertum zu setzen. Es kommt zu einer Entzweiung zwischen Faschisten und Libertären exakt bei der Frage, wem dieses Eigentum denn nun gehören soll. Bei Libertären ist es das Individuum, dem dieses Eigentum gehört. Da hat der Unternehmer dann eine große Luxus-Villa mit Swimming-Pool, welche er sich dann auch redlich erarbeitet hat. Bei Faschisten gehört das Eigentum dann dem Kollektiv. Wie man sich das faktisch vorstellen kann, ist sehr anschaulich in der Serie "The Man in the High Castle" dargestellt. Da wird der einzelnen Person die Wohnung oder das Haus dann vom Staat zugewiesen und braucht nicht mehr die Tür abzuschließen, weil das gegenseitige Vertrauen durch die Homogenisierung der Volksgemeinschaft so groß ist, dass man sich wegen Dieben keine Sorgen mehr zu machen braucht.
Jörn hat geschrieben : Von Redecker würde Dir nach meinem Verständnis zwar zustimmen, dass es um eine „ungezügelte Volkssouveränität“ geht, würde aber betonen, dass dieses „Volk“ keine natürliche Gegebenheit ist, sondern ein Phantasma, das erst durch das faschistische Narrativ entsteht, welches dem „Wir“, also dem Volk, das Besitzansprüche hat, das „Ihr“, also „die Anderen“, also „die Diebe“, entgegenstellt.
Natürlich ist es ein Phantasma. Das muss Menschen aber nicht davon abhalten diesem Phantasma anzuhängen, nach ihrer Verwirklichung zu streben und darin ihren Sinn und ihre Erfüllung zu sehen. Also könnte man es genauso auch als "Ideal" bezeichnen, womit dann nicht gemeint ist, dass es sich um ein humanitäres Ideal handelt. Es ist also ein anderer Idealismus als bei Ärzten, die sich bei "Ärzten ohne Grenzen" engagieren. Der faschistische Idealismus ist ein anti-humanistischer Idealismus.




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Jörn P Budesheim
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Mo 22. Jun 2026, 11:23

Wofür argumentierst du? Ich kann es leider nicht wirklich erkennen. Ich habe argumentiert, dass die Behauptung von von Redeckers, dass die Faschisten „das Recht des Stärkeren“ durchsetzen wollen, in keinem Widerspruch zu ihren anderen Positionen zu den Faschisten steht. Im Gegenteil, es fügt sich perfekt ein. Argumentierst du dagegen? Oder machst du einfach weitere Einwände gegen von Redeckers Position? Ich seh's nicht. Ich verstehe nicht die Stoßrichtung deines Textes.

Hier ein paar Zitate aus deinem Text, die ich nicht einordnen kann.

Du schreibst zum Beispiel: „Wenn einfach nur das Recht des Stärkeren gelten würde, dann gäbe es keine Diebe.“ Und? Von Redecker behauptet ja nicht, dass die Position der Faschisten in sich schlüssig ist. Es könnte sein, dass die Sicht der Faschisten logisch die Möglichkeit von „Dieben“ ausschließt. Und? Mag sein, mag nicht sein. Vielleicht ist die Position der Faschisten inkohärent. Aber warum sollte das ein Einwand gegen von Redecker sein?

Du schreibst zum Beispiel: „Es geht hier ja nicht um tatsächlichen Besitz.“ Natürlich nicht. Wie oft hat sie das betont? Deswegen spricht sie auch von Phantombesitz. Worauf zielst du?

Du schreibst zum Beispiel: „Ein Eigentumsrecht, egal ob es sich um das imaginierte der Faschisten oder das staatlich etablierte handelt, wird nun einmal mit Gewalt durchgesetzt.“ Worum geht es dir hier? Es ist mir nicht klar. Es macht einen „gewissen“ Unterschied, ob der Staat das Menschenrecht auf Eigentum ggf. auch mit Gewalt sichert oder ob Faschisten menschenverachtenden Phantom-Besitz wie den angeblichen Besitz von „unserem Land, unserem Blut, unserer Sprache, unseren Frauen, unserer Vormachtstellung (als Weiße), unseren Schnitzeln, unseren Autos, unseren Sichtweisen …“ mit Gewalt durchsetzen wollen und damit viele Menschenrechte verletzen. Das Recht auf Eigentum ist auch nicht dasselbe wie eine völlig entfesselte, wahnhafte Eigentumslogik wie bei den Faschisten, die zum Beispiel Frauen im Prinzip zu Dingen und Eigentum macht.

(Nebenbei: Hier sieht man mal „schön“, welche Türen „Wahn“ öffnen kann. Schöne Grüße an den anderen Faden!)



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