Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten

Dieser Teil des Forums befaßt sich mit politischen, sozialen und historischen Aspekten der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten.
Dynamis
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Di 23. Jun 2026, 18:53

Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 17:13
Dynamis hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 16:07
Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 14:41
Ein Rechtspopulist glaubt, dass es ihm um gedeihliche Betrachtungen für alle geht. Eine Psychiaterin diagnostiziert: "Der Patient glaubt, dass es ihm um gedeihliche Betrachtungen für alle geht." Ein Kritiker hält die Diagnose für falsch, weil der Ausdruck "ein Rechtspopulist geht es um gedeihliche Betrachtungen für alle " in sich widersprüchlich ist
Wenn der Rechtspopulist nicht sagt, dass es ihm um gedeihliche Betrachtungen für alle geht, sondern lediglich an gedeihliche Betrachtungen für die eigene Nation interessiert ist, dann geht dein Beispiel an der Sache vorbei. Gerade deswegen kritisiere ich diesen Psychiatervergleich als methodisch fehlerhaft. Er lenkt von der Sache ab. Man muss schon an dem Rechtspopulisten selbst nachweisen, was sein Widerspruch ist.
Ich denke, wenn von Hause aus, ein solcher Widerspruch vorliegt, muss man das genauso wenig bzw. viel, wie das man erst bei einem Raubtier selbst nachweisen muss, was sein Widerspruch zur Beute ist.
Es ist halt die Frage, wie deine Praxis aussieht. Der Nachweis von Widersprüchen wird dort relevant, wo es darum geht eine Ideologie zu kritisieren. Ein Raubtier hat keine Ideologie, da gibt es nichts zu kritisieren. Und du kannst auch politischen Aktivismus betreiben, die ohne Ideologiekritik auskommst. Dann klebst du dich halt irgendwo auf die Straße, das geht schon. Wenn Kritik aber dein Teil deines Aktivismus ist, solltest du schon in der Lage sein die Widersprüche in der von dir bekämpften Ideologie nachzuweisen.




Dynamis
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Di 23. Jun 2026, 19:08

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 18:50
Den Nachweis habe ich heute morgen geführt.
Meinst du vielleicht das hier?
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 22. Jun 2026, 21:54
Dasselbe gilt hier ebenfalls. Du gibst sie einfach falsch wieder. Es ist witzlos, einen einzelnen Satz rauszupicken und ihn ohne seine Rolle im Zusammenhang der Theorie zu diskutieren.
Naja, ich habe den Satz sehr wohl im Zusammenhang der Theorie diskutiert. Dabei ist mir der Widerspruch ja aufgefallen:
Dynamis hat geschrieben :
So 21. Jun 2026, 18:01
Allerdings ist der Frau von Redecker (vielleicht durch die Fragen der Moderatorin bedingt) ein Selbstwiderspruch unterlaufen. Auf der einen Seite betont sie, wie von dir richtig angesprochen, dass es im Faschismus um Eigentumsansprüche geht. Auf der anderen Seite aber sagt sie gegen Ende: "Der Faschismus definiert sich dadurch zu sagen: "Es soll das Recht des Stärkeren herrschen."" Da vergisst sie genau das, was sie vorhin selbst entdeckt hat, und macht das in der politischen Diskussion leider allzu häufige Spiel mit, dass von den Inhalten abgesehen wird.
Wenn man den Satz im Zusammenhang ihrer Theorie sieht, dann muss man den Faschismus so interpretieren, dass es eben nicht um das Recht des Stärkeren, sondern um eine faschistische Eigentumslogik geht. Und das hat Frau von Redecker an dieser Stelle vergessen. Sie hätte das aus ihrer eigenen Theorie herleiten können, dass ihre Aussage "Der Faschismus definiert sich dadurch zu sagen: "Es soll das Recht des Stärkeren herrschen."" nicht mit ihrer eigenen Theorie kompatibel ist.

Weil ich den Satz sehr wohl im Zusammenhang interpretiert habe, ist dein Kritikpunkt falsch und kein Nachweis. Aber vielleicht lieferst du den Nachweis ja noch nach.




Timberlake
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Di 23. Jun 2026, 19:45

Dynamis hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 18:53
Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 17:13
Dynamis hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 16:07


Wenn der Rechtspopulist nicht sagt, dass es ihm um gedeihliche Betrachtungen für alle geht, sondern lediglich an gedeihliche Betrachtungen für die eigene Nation interessiert ist, dann geht dein Beispiel an der Sache vorbei. Gerade deswegen kritisiere ich diesen Psychiatervergleich als methodisch fehlerhaft. Er lenkt von der Sache ab. Man muss schon an dem Rechtspopulisten selbst nachweisen, was sein Widerspruch ist.
Ich denke, wenn von Hause aus, ein solcher Widerspruch vorliegt, muss man das genauso wenig bzw. viel, wie das man erst bei einem Raubtier selbst nachweisen muss, was sein Widerspruch zur Beute ist.
Es ist halt die Frage, wie deine Praxis aussieht. Der Nachweis von Widersprüchen wird dort relevant, wo es darum geht eine Ideologie zu kritisieren. Ein Raubtier hat keine Ideologie, da gibt es nichts zu kritisieren.
Das ist wohl wahr, dass der Nachweis von Widersprüchen dort relevant wird , wo es darum geht eine Ideologie zu kritisieren, und wo wir schon mal beim namentlich beim Raubtier sind.

Übersicht mit KI
Raubtierkapitalismus
Raubtierkapitalismus ist ein abwertender politischer Begriff für eine weitgehend unregulierte oder entfesselte Marktwirtschaft. Er beschreibt ein Wirtschaftssystem, das ausschließlich auf die Maximierung des eigenen Profits ausgerichtet ist und soziale Verantwortung, Arbeitnehmerrechte oder ökologische Standards ignoriert


.. so gibt es sicherlich an einer Ideologie des Raubtierkapitalismus eben das zu kritisieren. Also eine Ideologie, die auf Maximierung des eigenen Profits ausgerichtet ist und soziale Verantwortung, Arbeitnehmerrechte oder ökologische Standards ignoriert. Wie es hier heißt. Nur muss man tatsächlich beim Rechtspopulismus selbst nachweisen, was sein Widerspruch zu dieser Beute ist. So wie er von Hause aus für einen solchen Raubtierkapitalismus steht, der sich eben das zur Beute macht.

Ich meine, die die den Rechtspopulisten Trump gewählt haben, haben die sich nicht damit zur Beute der Raubtierkapitalisten gemacht? Wenn es bei mir hieß .. ich zitiere ..

"Ich denke, wenn von Hause aus, ein solcher Widerspruch vorliegt, muss man das genauso wenig bzw. viel, wie das man erst bei einem Raubtier selbst nachweisen muss, was sein Widerspruch zur Beute ist"

.. muss man tatsächlich dem Rechtspopulisten Trump selbst nachweisen, was sein Widerspruch zu dieser Beute ist. Muss man das dem Rechtspopulismus überhaupt erst nachweisen, so wie er von Hause aus eine unregulierte oder entfesselte Marktwirtschaft anstrebt?
Zuletzt geändert von Timberlake am Di 23. Jun 2026, 20:05, insgesamt 1-mal geändert.




Dynamis
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Di 23. Jun 2026, 19:57

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 18:50
Den Nachweis habe ich heute morgen geführt.
Oh, mir fällt gerade auf, dass der Beitrag, wo du über meinen Kommentar sprichst, von gestern Abend stammt. In dem von heute morgen, 08:42 steht nichts zu meiner Analyse. Deswegen ist da auch kein Nachweis eines Fehlers in meiner Analyse drin. Und deswegen hatte ich deinen Kommentar mit dem "Nachweis" auf deinen Diskussionsbeitrag von gestern Abend bezogen. Jedenfalls:

Aber ein Widerspruch fällt mir bei dem von heute morgen doch noch auf:
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 08:42
Das „Wir“ „verfügt“ über diesen Besitz und hat gemäß dem Narrativ auch das Recht, ihn mit Gewalt gegen die angeblichen Plünderer beziehungsweise Diebe zu verteidigen. Doch dabei bleibt es nicht. Das Abjekt (das Phantasma eines Gegners) muss vernichtet werden. Gewalt ist hier nicht mehr bloß Mittel zum Zweck, sondern wird gewissermaßen zum Selbstzweck, weil sie das Narrativ innerhalb seiner eigenen Logik bestätigt und beglaubigt: Sie „beweist“, dass das „Wir“ handlungsfähig und berechtigt ist.
Na, "Selbstzweck" ist die Gewalt wohl nicht, wenn sie einen Zweck hat: Den "Beweis" der Handlungsfähigkeit des "Wir"s zu liefern und das Narrativ des "Wir"-Besitzers zu verifizieren. Also zeigt sich auch hier wieder, dass man den Faschismus nicht auf das Recht des Stärkeren runterbrechen kann, sondern diese komischen Identitätskonstruktionen (wie gerade bei Martin Sellner nachgewiesen) und diese Konstruktion eines "Wir" berücksichtigen muss. Das "Wir" ist der Zweck und Gewalt ist Mittel für diesen Zweck.




Dynamis
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Di 23. Jun 2026, 20:02

Timberlake hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 19:45
Ich meine, die die den Rechtspopulisten Trump gewählt haben, haben die sich nicht damit zur Beute dessen gemacht? Wenn es bei mir hieß .. ich zitiere ..

"Ich denke, wenn von Hause aus, ein solcher Widerspruch vorliegt, muss man das genauso wenig bzw. viel, wie das man erst bei einem Raubtier selbst nachweisen muss, was sein Widerspruch zur Beute ist"

.. muss man tatsächlich dem Rechtspopulisten Trump selbst nachweisen, was sein Widerspruch zu dieser Beute ist. Muss man das überhaupt, so wie der Rechtspopulismus von Hause aus aufgestellt ist ?
Den Trump-Wählern ist das ja nicht einsichtig, dass sie Beute sind. Wenn du noch Hoffnungen hast sie zu überzeugen, dann so, indem du ihnen klarmachst, dass weder der Trumpismus noch der Raubtier-Kapitalismus in ihrem Interesse ist. Natürlich kann man nicht alle Trump-Wähler noch erreichen, aber vielleicht gibt es ein paar, die man doch noch erreichen könnte, und dann kannst du sie ja überzeugen, dass sie an ihrem eigenen Ast sägen, wenn sie Trump und den Raubtier-Kapitalismus unterstützen.




Timberlake
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Sa 27. Jun 2026, 12:35

Dynamis hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 20:02


Den Trump-Wählern ist das ja nicht einsichtig, dass sie Beute sind. Wenn du noch Hoffnungen hast sie zu überzeugen, dann so, indem du ihnen klarmachst, dass weder der Trumpismus noch der Raubtier-Kapitalismus in ihrem Interesse ist.


Bild

Wie hier von diesen beiden Strategen mit der Kettensäge versinnbildlicht, ich denke das es diesen Trump Wählern und dem Trumpismus um Disruption geht ..

Die DNA erfolgreicher Disruption: Mehr als nur eine gute Idee

Die Kraft echter Disruption wurde von Clayton Christensen in seiner bahnbrechenden „Disruptive Innovation Theory“ präzise beschrieben. Seine Kernaussage: Echte Disruptoren beginnen oft unscheinbar mit einfacheren, günstigeren Lösungen in Nischenmärkten – genau dort, wo etablierte Anbieter keinen profitablen Markt sehen. Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Innovationen liegt in der transformativen Kraft, bestehende Märkte komplett neu zu definieren.

Christensen unterscheidet dabei zwei Haupttypen: Low-End Disruption und New-Market Disruption. Erstere bietet einfachere, kostengünstigere Alternativen zu bestehenden Produkten – wie Southwest Airlines im Vergleich zu traditionellen Fluggesellschaften. Letztere erschließt völlig neue Kundensegmente, wie der Personal Computer, der den Computermarkt von Großrechnern für Unternehmen zu Geräten für jedermann öffnete.

Die Erfolgsformel disruptiver Unternehmen basiert nicht auf Zufall. Sie kombiniert Kundenfokussierung, Experimentierfreudigkeit und die Bereitschaft, etablierte Geschäftsmodelle radikal in Frage zu stellen. Es geht um den Mut, gegen den Strom zu schwimmen – selbst wenn das bedeutet, zunächst mit unvollkommenen Lösungen zu starten und diese kontinuierlich zu verbessern.
Indem dieser Rechtspopulismus ..

a) "einfachere, kostengünstigere Alternativen zu bestehenden Produkten bietet" ( Low-End Disruption)

und

b) "völlig neue Kundensegmente erschließt" (New-Market Disruption)

.. so habe ich deshalb diese Hoffnung nicht. Also die Trump-Wähler davon zu überzeugen, dass weder der Trumpismus noch der Raubtier-Kapitalismus in ihrem Interesse ist.




Dynamis
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Sa 27. Jun 2026, 13:45

Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Jun 2026, 12:35
Indem dieser Rechtspopulismus ..

a) "einfachere, kostengünstigere Alternativen zu bestehenden Produkten bietet" ( Low-End Disruption)

und

b) "völlig neue Kundensegmente erschließt" (New-Market Disruption)

.. so habe ich deshalb diese Hoffnung nicht. Also die Trump-Wähler davon zu überzeugen, dass weder der Trumpismus noch der Raubtier-Kapitalismus in ihrem Interesse ist.
Mit einem Freund von mir habe ich genau über diese Disruptionstheorie geredet. Er hat sich mit Elon Musk beschäftigt und ist dabei auf diese Disruptionstheorie gestoßen, der er etwas abgewinnen konnte. Ich habe ihn dann überzeugt, dass das nicht in seinem Interesse ist. Wie? Indem ich einfach darauf verwiesen habe, dass Elon Musk ein beschissener Arbeitgeber ist, der seine Mitarbeiter in die Selbstausbeutung treibt, sodass sie kein Privatleben mehr haben und nach kurzer Zeit ausgebrannt sind. Da hat er mir zugestimmt. Er reagierte mit der Antwort, dass Musk mit seiner Disruption zumindest für Innovation sorgt und dass manche Mitarbeiter es geil finden, dass sie sich im Dienste dieser Innovation selbst ausbeuten können. Meine Entgegnung ist war dann die, dass die Alternative zwischen langweiliger Routine-Arbeit und Selbstausbeutung ganz und gar nicht innovativ, sondern eine Sackgasse ist. Und da konnte er mir dann nichts mehr entgegensetzen und war dann einfach nur froh, dass sein Unternehmen ein besserer Arbeitgeber ist als Elon Musk.




Timberlake
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Sa 27. Jun 2026, 14:08


100 Jahre „Untergang des Abendlandes“

Was wollte Oswald Spengler?


Mit dem Szenario des untergehenden Abendlandes hat Oswald Spengler ein Deutungs-Motiv in die Welt gesetzt, das seither immer wieder aufgegriffen wurde – aktuell von der Neuen Rechten. Wir fragen den österreichischen Philosophen Peter Strasser, was sich hinter der Spenglerschen Idee verbirgt.

„Denn das war die Spenglersche Idee, dass das Abendland deshalb untergeht, weil seine große Zeit, die bei ihm zwischen 500 und 900 n.Chr. beginnt, nach einer Jugend- und Erwachsenphase und einer Phase der langsamen Vergreisung, nun tatsächlich seinem Ende entgegen geht.“
Unter Bezugnahme auf Spenglers Idee, dass Gesellschaften eine Jugend- und Erwachsenenphase, eine Phase der langsamen Vergreisung erleben, so das sie schlussendlich genau so Enden wie Lebewesen, würde ich dir entgegen - Disruption ist nicht nur bloß unvermeidlich, sondern auch gut.


100 Jahre „Untergang des Abendlandes“

Was wollte Oswald Spengler?


Menschheitsgeschichte als Kriegsgeschichte

„Der abendländische Mensch will nach außen, über sich hinaus. Nietzsche hat gesagt, der Mensch möchte den Pfeil seiner Sehnsucht über sich hinaus schleudern. Nach Spengler ist das im Kern die abendländische Idee. Politisch umgemünzt, heißt das: sie ist expansiv, kriegerisch, auf Eroberung aus.“
Entsprechend unterscheidet Spengler zwischen „Kultur“ einerseits, und „Zivilisation“ andererseits. Letztere gilt ihm dabei als Indikator des Verfalls. Die liberale Demokratie muss in den Augen Spenglers überwunden werden. Denn in Spenglers Version ist Menschheitsgeschichte Kriegsgeschichte: „Er kann sich nicht vorstellen, dass die Menschheit sich weiter entwickelt, ohne dass sie in Kriegsgeschehen von epochaler Bedeutung verwickelt wäre.“
Strasser beobachtet in der Neuen Rechten eine Spengler-Renaissance, die er politisch für bedenklich hält: „Wenn man sich anhört, was da gesagt wird über das, was wir brauchen, um zu überleben, dann geben diese Leute sich raubtierhaft. Spengler hat unterschieden zwischen dem Raubtiercharakter und dem Pflanzenfressercharakter in seiner Ethik. Das Raubtierhafte ist demzufolge das Gesunde. Politisch gesehen, ist das natürlich extrem gefährlich, denn da kommt die Ethik des Stärkeren zum Tragen: man muss sich nach außen stark geben und die inneren Feinde, so weit es geht, vernichten.“
Man muss es allerdings nicht gut finden, dass deshalb "Menschheitsgeschichte = Kriegsgeschichte" ist.
100 Jahre „Untergang des Abendlandes“

Was wollte Oswald Spengler?


Weltenbrand im Spenglerschen „Cäsarismus“

Dabei passt Spenglers Theoriegebäude im Grunde genommen nicht besonders gut zu den Anliegen der Neuen Rechten, argumentiert Strasser. Denn Spengler war überzeugt davon, dass das Abendland notwendigerweise untergeht. „Das ist eine Art negativer Heilsgeschichte: Das Abendland muss ausbrennen“, um dem sogenannten „Cäsarismus“ Platz zu machen, so Strasser. Unter diesen Cäsaren stellt sich Spengler Menschen vor, die den Willen der Macht in Reinform verkörpern:
Und um an dieser Stelle die Überschrift dieses Threads zu ergänzen ..

"Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten und Cäsaren "

.. wie man es auch nicht gut finden muss, dass sich die Disruption dazu vorzugsweise Narzissten und Cäsaren bedient.

GANZ IM GEGENTEIL




Dynamis
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So 28. Jun 2026, 16:57

Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Jun 2026, 14:08
.. wie man es auch nicht gut finden muss, dass sich die Disruption dazu vorzugsweise Narzissten und Cäsaren bedient.

GANZ IM GEGENTEIL
Das ist halt wieder genau das falsche Narrativ, welches die Positionen trägt, die jeweils von dir und von Jörn und von Frau von Redecker vertreten werden: Der Faschismus wird auf das Recht des Stärkeren reduziert. Die Faschisten sind nur Möchtegern-Cäsaren, hungrig nach Macht, ohne eigene Ideale.

Wenn du den von dir verlinkten Artikel liest, dann lässt sich nachweisen, dass diese Reduzierung der faschistischen Position auf das "Recht des Stärkeren" zwar äußerst naheliegend ist, aber trotzdem nicht stimmt:
Peter Strasser im Gespräch mit Simone Miller hat geschrieben : Strasser beobachtet in der Neuen Rechten eine Spengler-Renaissance, die er politisch für bedenklich hält: „Wenn man sich anhört, was da gesagt wird über das, was wir brauchen, um zu überleben, dann geben diese Leute sich raubtierhaft. Spengler hat unterschieden zwischen dem Raubtiercharakter und dem Pflanzenfressercharakter in seiner Ethik. Das Raubtierhafte ist demzufolge das Gesunde. Politisch gesehen, ist das natürlich extrem gefährlich, denn da kommt die Ethik des Stärkeren zum Tragen: man muss sich nach außen stark geben und die inneren Feinde, so weit es geht, vernichten.“
Wenn man etwas von Raubtieren liest, denkt man sich schon: Hmm, ja da wird es schon um das Recht des Stärkeren gehen, das stimmt schon. Übersehen wird dabei jedoch der Punkt, dass ein bestimmter Wert in den Vordergrund gestellt wird: Es wird gesagt, dass raubtierhaftes Verhalten das ist, "was wir brauchen, um zu überleben". Gewalt ist also kein Selbstzweck, sondern dient dem Überleben. Die Geschichtsphilosophie von Oswald Spengler wird dann benutzt, um ein "Wir" zu konstruieren, welches überleben soll, nämlich die eigene "Kultur", die des "Abendlandes". Das ist die Ideologie des Faschismus.

Außerdem hat Peter Strasser selbst argumentiert, dass das Cäsarentum nicht gut zur Neuen Rechten passt:
Peter Strasser im Gespräch mit Simone Miller hat geschrieben : Dabei passt Spenglers Theoriegebäude im Grunde genommen nicht besonders gut zu den Anliegen der Neuen Rechten, argumentiert Strasser. Denn Spengler war überzeugt davon, dass das Abendland notwendigerweise untergeht. „Das ist eine Art negativer Heilsgeschichte: Das Abendland muss ausbrennen“, um dem sogenannten „Cäsarismus“ Platz zu machen, so Strasser. Unter diesen Cäsaren stellt sich Spengler Menschen vor, die den Willen der Macht in Reinform verkörpern:
Der "Cäsarismus" ist das Scheitern des Abendlandes, während es der Neuen Rechten um die Rettung des Abendlandes geht.




Timberlake
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So 28. Jun 2026, 20:26

Dynamis hat geschrieben :
So 28. Jun 2026, 16:57
Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Jun 2026, 14:08
.. wie man es auch nicht gut finden muss, dass sich die Disruption dazu vorzugsweise Narzissten und Cäsaren bedient.

GANZ IM GEGENTEIL
Das ist halt wieder genau das falsche Narrativ, welches die Positionen trägt, die jeweils von dir und von Jörn und von Frau von Redecker vertreten werden: Der Faschismus wird auf das Recht des Stärkeren reduziert. Die Faschisten sind nur Möchtegern-Cäsaren, hungrig nach Macht, ohne eigene Ideale.

Wenn du den von dir verlinkten Artikel liest, dann lässt sich nachweisen, dass diese Reduzierung der faschistischen Position auf das "Recht des Stärkeren" zwar äußerst naheliegend ist, aber trotzdem nicht stimmt:

Um dazu mal, zu Spengler höchstpersönlich diesbezüglich zu verlinken ...
  • " Von jedem Organismus wissen wir, daß Tempo, Gestalt und Dauer seines Lebens und jeder einzelnen Lebensäußerung durch die Eigenschaften der Art, zu welcher er gehört, bestimmt sind. Niemand wird von einer tausendjährigen Eiche vermuten, daß sie eben jetzt im Begriff ist, mit dem eigentlichen Lauf ihrer Entwicklung zu beginnen. Niemand erwartet von einer Raupe, die er täglich wachsen sieht, daß sie möglicherweise ein paar Jahre damit fortfährt. Hier hat jeder mit unbedingter Gewißheit das Gefühl einer Grenze, das mit einem Gefühl für die innere Form identisch ist. Der Geschichte des höhern Menschentums gegenüber aber herrscht ein zügelloser, alle historische und also organische Erfahrung verachtender Optimismus in bezug auf den Gang der Zukunft, so daß jedermann im zufällig Gegenwärtigen die »Ansätze« zu einer ganz besonders hervorragenden linienhaften »Weiterentwicklung« feststellt, nicht weil sie wissenschaftlich bewiesen ist, sondern weil er sie wünscht. Hier wird mit schrankenlosen Möglichkeiten – nie mit einem natürlichen Ende – gerechnet und aus der Lage jedes Augenblicks heraus eine völlig naive Konstruktion der Fortsetzung entworfen."
    Oswald Spengler ... Der Untergang des Abendlandes
Das Narrativ Oswald Spenglers reduziert beim Faschismus nicht auf das Recht des Stärkeren, sondern das es diese schrankenlosen Möglichkeiten – nie mit einem natürlichen Ende – diesbezüglich, genauso wenig gibt, wie man es von dessen Gegenteil meint annehmen zu können. So wie wir von jedem Organismus wissen , daß Tempo, Gestalt und Dauer seines Lebens und jeder einzelnen Lebensäußerung durch die Eigenschaften der Art, zu welcher er gehört, bestimmt sind , so sollten wir das auch vom Faschismus wie auch von dessen Gegenteil wissen.

Und was wissen wir von jedem Organismus?
Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Jun 2026, 14:08

100 Jahre „Untergang des Abendlandes“

Was wollte Oswald Spengler?


Mit dem Szenario des untergehenden Abendlandes hat Oswald Spengler ein Deutungs-Motiv in die Welt gesetzt, das seither immer wieder aufgegriffen wurde – aktuell von der Neuen Rechten. Wir fragen den österreichischen Philosophen Peter Strasser, was sich hinter der Spenglerschen Idee verbirgt.

„Denn das war die Spenglersche Idee, dass das Abendland deshalb untergeht, weil seine große Zeit, die bei ihm zwischen 500 und 900 n.Chr. beginnt, nach einer Jugend- und Erwachsenphase und einer Phase der langsamen Vergreisung, nun tatsächlich seinem Ende entgegen geht.“
Unter Bezugnahme auf Spenglers Idee, dass Gesellschaften eine Jugend- und Erwachsenenphase, eine Phase der langsamen Vergreisung erleben, so das sie schlussendlich genau so Enden wie Lebewesen, würde ich dir entgegen - Disruption ist nicht nur bloß unvermeidlich, sondern auch gut.
.. wir wissen, das Organismen eine Jugend- und Erwachsenenphase haben , eine Phase der langsamen Vergreisung erleben und schlussendlich sterben.
.. in dem sie erscheint, reift, verwelkt und nie wiederkehrt, gilt das nach Ansicht von Oswald Spengler auch für jedwede Kultur.
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann vertritt die These, dass der Erfolg des Rechtspopulismus nicht allein durch politische Fehler der etablierten Parteien erklärt werden kann. Stattdessen sieht er eine tiefere kulturelle Entwicklung: einen zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus, bei dem individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden als Gemeinsinn, Verantwortung und demokratische Solidarität.


...
Sei diese Kultur rechtspopulistisch , linkspopulistisch oder auch, worauf die etablierten Parteien großen Wert legen, die Mitte dessen. Wenn also der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann "stattdessen" eine tiefere kulturelle Entwicklung hin, zu einen zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus sieht , bei dem individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden als Gemeinsinn, Verantwortung und demokratische Solidarität, möglicherweise erleben wir gerade eine Phase der langsamen Vergreisung dieser Mitte. Sie also verwelkt, während dessen der Rechtspopulismus, mit seinen neuen Möglichkeiten des Ausdrucks, seine Jugend- und Erwachsenenphase erlebt.

Allerdings zur Unzeit ...
Consul hat geschrieben :
Sa 27. Jun 2026, 21:09
Wenn die AfD an die Macht kommt und ihre hirnverbrannte antiökologische Politik gegen den Klimaschutz durchsetzen kann, dann gnade uns Helios (der Sonnengott)!
Auch dazu eine Anmerkung von Oswald Spengler ..
  • "Wir denken heute in Erdteilen. Nur unsere Philosophen und Historiker haben das noch nicht gelernt. Was können uns da Begriffe und Perspektiven bedeuten, die mit dem Anspruch auf universale Gültigkeit hervortreten und deren Horizont doch über die geistige Atmosphäre des westeuropäischen Menschen nicht hinausreicht?"
    Oswald Spengler ... Der Untergang des Abendlandes




Dynamis
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Registriert: Di 24. Mär 2026, 19:10

Mo 29. Jun 2026, 13:31

Ich habe folgendes Narrativ kritisiert:
Dynamis hat geschrieben :
So 28. Jun 2026, 16:57
Der Faschismus wird auf das Recht des Stärkeren reduziert. Die Faschisten sind nur Möchtegern-Cäsaren, hungrig nach Macht, ohne eigene Ideale.
Ich verstehe nicht, in welchem Zusammenhang die Spengler-Zitate zu dieser Kritik stehen. Ich habe dem Spengler dieses Narrativ nicht vorgeworfen. Ich habe anderen Leuten dieses Narrativ vorgeworfen und diese Leute auch explizit genannt.

Daher gehe ich erst einmal auf diesen Teil deines Kommentars ein, weil ich da noch einen Zusammenhang zu meiner Kritik erkennen kann:
Timberlake hat geschrieben :
So 28. Jun 2026, 20:26
Sei diese Kultur rechtspopulistisch , linkspopulistisch oder auch, worauf die etablierten Parteien großen Wert legen, die Mitte dessen. Wenn also der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann "stattdessen" eine tiefere kulturelle Entwicklung hin, zu einen zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus sieht , bei dem individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden als Gemeinsinn, Verantwortung und demokratische Solidarität, möglicherweise erleben wir gerade eine Phase der langsamen Vergreisung dieser Mitte. Sie also verwelkt, während dessen der Rechtspopulismus, mit seinen neuen Möglichkeiten des Ausdrucks, seine Jugend- und Erwachsenenphase erlebt.
Du machst schon eine richtige Feststellung: Püttman analysiert den Rechtspopulismus als Erscheinungsform einer Kulturkrise. Die Kultur verwelkt, weil individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden. Püttmanns Kritik ist schon selbstentlarvend. Sie geht nämlich von vorneherein davon aus, dass individuelle Ansprüche und Gemeinsinn in einem Gegensatz sich befinden. Und damit ist Püttmans Kritik bereits ein Geständnis, dass unsere Gesellschaft uns anscheinend eine Einschränkung unserer individuellen Ansprüche abverlangt, also nicht in unserem Interesse ist.

Abgesehen davon wird Püttmanns Analyse von demselben falschen Narrativ getragen, welches ich hier die ganze Zeit kritisiere:

Püttmann analysiert den Rechtspopulismus als moralische Krise:
Andreas Püttmann hat geschrieben : Zugleich kommt den westlichen Gesellschaften mit dem Schwund christlichen Glaubens und entsprechender Erziehung auch allmählich ein Ethos abhanden, das zur moralischen Dezentrierung von eigenen Interessen und Ansprüchen und zur Zügelung von Affekten und Ressentiments rät und anleitet.
Dabei übersieht er, dass das Anspruchsdenken der Rechtspopulisten genauso einen ideellen Kern hat wie der christliche Glauben, nur eben einen anderen:
Andreas Püttmann hat geschrieben : Insofern liegt es nahe, dass weniger die reale eigene wirtschaftliche Lage als »neoliberale Denkstrukturen für die Ausprägungen von Anspruchsdenken verantwortlich sind. [...] Exkludierende Gedanken gegenüber Gruppen, deren Mitgliedern vermeintlich weniger zusteht als der eigenen Gruppe, verdeutlichen einen relativen Anspruch nicht zuletzt im Einklang mit grundlegend populistischen Positionen«.
Es geht hier also um die Rechtfertigung von Ansprüchen. Es geht um die Rechtfertigung, dass einem etwas zusteht (vgl. den von mir rot markierten Teil aus dem Zitat). Um Dinge zu rechtfertigen, braucht man einen Idealismus. Sonst rechtfertigt man sich nicht, sondern man eignet sich die Dinge mit Gewalt an und kümmert sich nicht darum, ob einem etwas zusteht oder nicht.

Ein weiteres Problem in Püttmanns Argumentation besteht darin, dass er das Gefühl, dass man zu kurz kommt, als Narzissmus abtut. Dabei ist der Kapitalismus ein krisenanfälliges System. Zum Beispiel die Wirtschaftskrise 2007/2008 oder die aufgrund der Schließung der Hormus-Straße schon eingetretene Krise, all das schafft Verunsicherung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass manche Menschen sich auf ihre individuellen Ansprüche besinnen und sich Gedanken darüber machen, wie die Politik damit im Einklang gebracht werden kann. Das ist kein "Narzissmus", sondern Interesse an Selbsterhaltung. Leider bieten die Rechtspopulisten darauf die falsche Antwort. Genauso ist es aber auch eine falsche Antwort die Wähler anderer Parteien zu loben, weil diese sich so fleißig einer "moralischen Dezentrierung von eigenen Interessen und Ansprüchen" widmen. Die richtige Frage wäre eher, wie wir die Gesellschaft so organisieren, dass wir nicht ständig eine "Dezentrierung von eigenen Interessen und Ansprüchen" betreiben müssen, damit der Laden weiter läuft. Ich habe vorhin schon in dieser Diskussion versucht auf diese Frage aufmerksam zu machen:
Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 10:41
RosiG2 hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 23:26
Weil sich Gedeihlichkeit ja nicht aus dem Maximalwert an individueller Gedeihlichkeit ergibt
Das ist doch überhaupt nicht logisch. Wenn es mir gut geht, heißt das doch nicht, dass es den anderen schlecht gehen muss.
Eine Zeit lang schien es so, als ob wir uns in dieser Diskussion endlich einmal dieser Frage widmen würden, aber dann kam das Faschismus-Thema auf und von da an ging es nur noch darum, dass Faschisten ihren Frust durch Gewalt kompensieren. Das ist schade, denn die Gewaltkompensation der Faschisten hat ihre Wurzel genau in der von mir gestellten Frage: Faschisten haben die Hoffnung aufgegeben, dass man die eigenen Ansprüche durch Kooperation verwirklichen kann, und greifen deswegen zur Gewalt. Die eigenen Ansprüche werden dabei in die Ansprüche des Kollektivs übersetzt und untergeordnet.

Wie dem auch sei, jetzt kann ich doch einen Bezug zu einem Schwengler-Zitat herstellen:
Oswald Schwengler hat geschrieben : Der Geschichte des höhern Menschentums gegenüber aber herrscht ein zügelloser, alle historische und also organische Erfahrung verachtender Optimismus in bezug auf den Gang der Zukunft, so daß jedermann im zufällig Gegenwärtigen die »Ansätze« zu einer ganz besonders hervorragenden linienhaften »Weiterentwicklung« feststellt, nicht weil sie wissenschaftlich bewiesen ist, sondern weil er sie wünscht.
Mir ist ein solcher "Optimismus in bezug auf den Gang der Zukunft" jedenfalls nicht vorzuwerfen. Der Kapitalismus ist ein krisenanfälliges System, daher gibt es im Kapitalismus keine "»Ansätze« zu einer ganz besonders hervorragenden linienhaften »Weiterentwicklung«". Der Kapitalismus ist aber auch kein Organismus, hier irrt sich Schwengler. Er ist ein menschengemachtes System und daher kann man dieses System auch ändern. Ob es jemals zu einer tiefgreifenden Änderung und nicht nur zu einer oberflächlichen Reform kommen wird? Ich weiß es nicht. Ich bin mir nur sicher, dass es verändert werden kann, weil es ein menschengemachtes System ist und nicht vom Himmel fällt.




Timberlake
Beiträge: 3725
Registriert: Mo 16. Mai 2022, 01:29
Wohnort: Shangrila 2.0

Mo 29. Jun 2026, 16:25

Dynamis hat geschrieben :
Mo 29. Jun 2026, 13:31
Ich habe folgendes Narrativ kritisiert:

...
Weil anscheinend dazu noch offen Frage bestehen, spule ich dazu noch einmal zurück ..

Dynamis hat geschrieben :
So 28. Jun 2026, 16:57
Timberlake hat geschrieben :
Sa 27. Jun 2026, 14:08
.. wie man es auch nicht gut finden muss, dass sich die Disruption dazu vorzugsweise Narzissten und Cäsaren bedient.

GANZ IM GEGENTEIL
Das ist halt wieder genau das falsche Narrativ, welches die Positionen trägt, die jeweils von dir und von Jörn und von Frau von Redecker vertreten werden: Der Faschismus wird auf das Recht des Stärkeren reduziert. Die Faschisten sind nur Möchtegern-Cäsaren, hungrig nach Macht, ohne eigene Ideale.

Wenn du den von dir verlinkten Artikel liest, dann lässt sich nachweisen, dass diese Reduzierung der faschistischen Position auf das "Recht des Stärkeren" zwar äußerst naheliegend ist, aber trotzdem nicht stimmt:
Peter Strasser im Gespräch mit Simone Miller hat geschrieben : Strasser beobachtet in der Neuen Rechten eine Spengler-Renaissance, die er politisch für bedenklich hält: „Wenn man sich anhört, was da gesagt wird über das, was wir brauchen, um zu überleben, dann geben diese Leute sich raubtierhaft. Spengler hat unterschieden zwischen dem Raubtiercharakter und dem Pflanzenfressercharakter in seiner Ethik. Das Raubtierhafte ist demzufolge das Gesunde. Politisch gesehen, ist das natürlich extrem gefährlich, denn da kommt die Ethik des Stärkeren zum Tragen: man muss sich nach außen stark geben und die inneren Feinde, so weit es geht, vernichten.“
Wenn man etwas von Raubtieren liest, denkt man sich schon: Hmm, ja da wird es schon um das Recht des Stärkeren gehen, das stimmt schon. Übersehen wird dabei jedoch der Punkt, dass ein bestimmter Wert in den Vordergrund gestellt wird: Es wird gesagt, dass raubtierhaftes Verhalten das ist, "was wir brauchen, um zu überleben". Gewalt ist also kein Selbstzweck, sondern dient dem Überleben. Die Geschichtsphilosophie von Oswald Spengler wird dann benutzt, um ein "Wir" zu konstruieren, welches überleben soll, nämlich die eigene "Kultur", die des "Abendlandes". Das ist die Ideologie des Faschismus.
  • "Was im Abendlande bisher über die Probleme des Raumes, der Zeit, der Bewegung, der Zahl, des Willens, der Ehe, des Eigentums, des Tragischen, der Wissenschaft gesagt und gedacht worden ist, blieb eng und zweifelhaft, weil man immer darauf aus war, die Lösung der Frage zu finden, statt einzusehen, daß zu vielen Fragenden viele Antworten gehören, daß jede philosophische Frage nur der verhüllte Wunsch ist, eine bestimmte Antwort zu erhalten, die in der Frage schon beschlossen liegt, daß man die großen Fragen einer Zeit gar nicht vergänglich genug fassen kann und daß demnach eine Gruppe historisch bedingter Lösungen angenommen werden muß, deren Übersicht erst – unter Ausschaltung aller eigenen Wertmaßstäbe – die letzten Geheimnisse aufschließt. Für den echten Menschenkenner gibt es keine absolut richtigen oder falschen Standpunkte. Es genügt nicht, angesichts so schwerer Probleme wie dem der Zeit oder der Ehe die persönliche Erfahrung, die innere Stimme, die Vernunft, die Meinung der Vorgänger oder Zeitgenossen zu befragen. So erfährt man, was für den Frager selbst und seine Zeit wahr ist, aber das ist nicht alles. Die Erscheinung andrer Kulturen redet eine andre Sprache. Für andere Menschen gibt es andere Wahrheiten. Für den Denker sind sie alle gültig oder keine."
    Oswald Spengler .. Der Untergang des Abendlandes
Ich denke, der Rechtspopulismus, auf dem der Faschismus m.E. beruht, macht genaudas. Er stellt Fragen, die nur den Wunsch verhüllen, eine bestimmte Antwort zu erhalten, die in der Frage schon beschlossen liegt. Beispielsweise Fragen zu Migration. Und gehören diese Frage nicht tatsächlich zu jenen großen Fragen einer Zeit, wie es hier bei Oswald Spengler heißt und zwar unserer Zeit? Das demzufolge eine Gruppe historisch bedingter Lösungen angenommen werden muss? Wohlgemerkt – unter Ausschaltung aller eigenen Wertmaßstäbe –! Nur eben das diese tatsächlich von den Rechtspopulisten ausgeschaltet werden, Also die eigenen Wertmasstäbe, die sich deren Gegner verpflichtet fühlen wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und somit übrigens auch nicht die Wertmassstäbe von RosiG2 ..
Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 10:41
RosiG2 hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 23:26
Weil sich Gedeihlichkeit ja nicht aus dem Maximalwert an individueller Gedeihlichkeit ergibt
Das ist doch überhaupt nicht logisch. Wenn es mir gut geht, heißt das doch nicht, dass es den anderen schlecht gehen muss.
Denn wenn es mir weiterhin gut gehen soll, muss es den Migranten schlecht gehen. Bestenfalls dadurch, dass sie erst gar nicht zu uns kommen und wenn sie denn da sind, sie gnadenlos "Gedeihlich" abschiebt,


  • "Die Lüge des Kapitalismus besteht darin den Menschen vorzugaukeln, dass alle einen gewissen Lebensstandard erreichen können, wenn sie nur fleißig genug sind. .. das ist eine Lüge und davon müssen wir uns endgültig verabschieden. Sie sehen doch in diesem Land, dass das nicht geht. Sie können so fleißig sein, wie sie wollen. iIn bestimmten Berufen hilft Ihnen das nichts, als Arzthelferin, als Apotheken Angestellte, als Putzfrau, als Taxifahrer. als Pflegekraft im Altersheim können sie fleißig sein wie sie wollen sie kommen niemals auf dem grünen Zweig.Mit Fleiß hat das alles nichts zu tun Fleiß hat alles nichts zu tun na natürlich nicht und wer sagt wir brauchen ch nicht und wer sagt wir brauchen einen Niedriglohnsektor um die Wirtschaft am Laufen zu halten, der sagt doch nichts anderes, als dass der Lebensstandard der Mittelschicht mit Auto und Urlaub und allem drum nur aufrechtzuerhalten, wenn ein Drittel der Bevölkerung hier für Kost und Logie arbeitet"
Das trifft, wenn Volker Pispers Glauben schenken darf, auch auf diese Mittelschicht. Nur das, wenn es dieseMittelschicht gut gehen soll, es der Arzthelferin, der Apotheken Angestellten, der Putzfrau, den Taxifahrer, der Pflegekraft im Altersheim schlecht gehen muss. Das allerdings hat der Rechtspopulismus wohl eher nicht auf dem Schirm. Ganz im Gegenteil.
  • "Für den echten Menschenkenner gibt es keine absolut richtigen oder falschen Standpunkte. Es genügt nicht, angesichts so schwerer Probleme wie dem der Zeit oder der Ehe die persönliche Erfahrung, die innere Stimme, die Vernunft, die Meinung der Vorgänger oder Zeitgenossen zu befragen. So erfährt man, was für den Frager selbst und seine Zeit wahr ist, aber das ist nicht alles. Die Erscheinung andrer Kulturen redet eine andre Sprache. Für andere Menschen gibt es andere Wahrheiten. Für den Denker sind sie alle gültig oder keine."
    Oswald Spengler .. Der Untergang des Abendlandes"
Von daher, also in dem man von ihm alles erfährt, würde ich übrigens Volker Pispers vielleicht nicht als echten Menschenkenner aber ganz sicher als echten Kapitalismuskenner bezeichnen. So wie es im Kapitalismus für diese Mittelschicht, im Hinblick "andere Wahrheiten" gibt, als für die, die im Niedriglohnsektor quasi nur für Kost und Logis arbeiten. Für den Denker "des Kapitalismus" sind sie alle gültig oder keine.




Dynamis
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Mi 1. Jul 2026, 20:39

Ich hatte diese Diskussion zum Anlass genommen mir die aktuelle Ausgabe von "Z. - Zeitschrift marxistische Erneuerung" zu besorgen. Dieses Heft widmet sich dem Thema "Faschismus reloaded?". Heute ist das Heft bei mir angekommen und den ersten Artikel von Gerd Wiegel mit dem Titel "Von Meloni bis Trump: Begriffliche Fassung und Ursachen der Rechtsentwicklung" habe ich gerade durchgelesen. Mal gucken, wie sich das zu dem verhält, was hier so geschrieben wird.
Timberlake hat geschrieben :
Mo 29. Jun 2026, 16:25
Ich denke, der Rechtspopulismus, auf dem der Faschismus m.E. beruht, macht genaudas. Er stellt Fragen, die nur den Wunsch verhüllen, eine bestimmte Antwort zu erhalten, die in der Frage schon beschlossen liegt. Beispielsweise Fragen zu Migration. Und gehören diese Frage nicht tatsächlich zu jenen großen Fragen einer Zeit, wie es hier bei Oswald Spengler heißt und zwar unserer Zeit? Das demzufolge eine Gruppe historisch bedingter Lösungen angenommen werden muss? Wohlgemerkt – unter Ausschaltung aller eigenen Wertmaßstäbe –! Nur eben das diese tatsächlich von den Rechtspopulisten ausgeschaltet werden, Also die eigenen Wertmasstäbe, die sich deren Gegner verpflichtet fühlen wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und somit übrigens auch nicht die Wertmassstäbe von RosiG2 ..
Deine Analyse ist an einem Punkt unklar. Und tatsächlich ist sie auch selbstwidersprüchlich. Auf der einen Seite unterstellst du dem Rechtspopulismus, dass er "Fragen" stellt. Auf der anderen Seite sagst du schon selbst, dass es sich um die "großen Fragen einer Zeit" handelt. Was denn nun? Von wem werden diese Fragen gestellt? Von Rechtspopulisten oder von unserer Zeit? Da müsstest du dich entscheiden.

Diese Unklarheit, die da in deiner Analyse vorliegt, hängt damit zusammen, dass du an Spenglers Analyse anknüpfst und Spengler sich nicht die Frage stellt, woher diese "großen Fragen einer Zeit" eigentlich kommen. Diese Fragen tauchen einfach so bei ihm auf, weil es eben die großen Fragen einer Zeit sind. Wiegels Analyse setzt hier an:
Gerd Wiegel hat geschrieben : "Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Realsozialismus, des Siegeszugs eines immer unbegrenzteren Kapitalismus und der weiteren Durchsetzung eines sich radikalisierenden Neoliberalismus erzielten in Österreich, Frankreich und Italien Parteien Erfolge, die eine modernisierte Form der extremen Rechten (vgl. Wiegel 2018) repräsentieren. Sie stießen nach und nach in Lücken vor, die vom etablierten Parteienspektrum und vor allem von den sozialdemokratischen Parteien gelassen wurden (vgl. Bathke/Spindler 2006, Butterwegge/Hentges 2008).

Die mit dem neoliberalen Modell einhergehende Vermarktlichung der gesellschaftlichen Beziehungen führte zur Etablierung von innergesellschaftlichen Konkurrenzmechanismen, die von dieser modernisierten extremen Rechten politisch aufgegriffen wurden. Wilhelm Heitmeyer u.a. haben in ihren Untersuchungen über ein Jahrzehnt (Heitmeyer 2001ff.) gezeigt, wie neoliberale Konkurrenzlogiken zu Ausgrenzungen verschiedener Gruppen der Bevölkerung führten. Die »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« richtet sich gegen Migrant*innen, Arbeitslose, Homosexuelle und andere Gruppen. Sie bildet bis heute die ideologische Basis des politisch erfolgreichen Teils der extremen Rechten."

In dieser Textstelle erwähnte Literatur:
Bathke, Peter/Spindler, Susanne (Hrsg.) (2006): Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa.
Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2008): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Heitmeyer, Wilhelm (2002-2011): Deutsche Zustände, 10 Bde.
Wiegel, Gerd (2018): Die modernisierte radikale Rechte in Europa. Ausprägungen und Varianten, in: Mario Candeias (Hrsg.), Rechtspopulismus, radikale Rechte, Faschisierung. Bestimmungsversuche, Erklärungsmuster und Gegenstrategien, Materialien Nr. 24 Rosa-Luxemburg-Stifung.
Wiegel verortet also den Ursprung dieser Fragen zu Migration etc. zwar auch in unserer Zeit, soweit geht er mit Spenglers Analyse mit. Aber er geht noch einen Schritt weiter. Wiegel beschreibt die historische Ursache dafür, dass diese Fragen entstehen: Der Siegeszugs eines immer unbegrenzteren Kapitalismus, der sich radikalisierende Neoliberalismus. Aufgrund dieser historischen Entwicklung werden "neoliberale Konkurrenzlogiken" etabliert - das erinnert an Frau von Redecker, die von einer "entfesselten Eigentumslogik" spricht. Die großen Fragen unserer Zeit - z.B. wie hart sollen wir abschieben? - entstehen aus dieser Konkurrenzlogik. Die politischen Parteien repräsentieren dann im Großen und Ganzen nur verschiedene Variationen von Antworten auf diese Fragen, die sich innerhalb der Konkurrenzlogik bewegen und innerhalb dessen dann auch beschränkt bleiben.

Damit wird der "modernisierten extremen Rechten" eine Tür geöffnet. Sie kann sich in diesem Ringen um die Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit als Alternative (so wie die "Alternative", die von der AfD repräsentiert wird) darstellen und wirkt somit zunehmend als legitimer Mitbewerber in der politischen Konkurrenz.

Timberlake, wenn du von den "eigenen Wertmasstäbe, die sich deren Gegner verpflichtet fühlen wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“" sprichst, dann verschweigst du diesen ideologischen Zusammenhang. Die Rechtsextremen sind deswegen so erfolgreich, weil sie mit den Gegnern eine gemeinsame Basis haben. Das heißt, weil auch die Gegner sich eben nicht oder zumindest nicht nur der „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verpflichtet fühlen. Häufig ist es freilich auch so, dass die Gegner der Rechtsextremen es irgendwie in ihrer Ideologie fertig kriegen, dass sie Konkurrenzlogiken und Idealismus miteinander unter einen Hut bringen. Dann sagen sie auf der einen Seite, dass sie sich der Freiheit verpflichtet fühlen, verstehen aber unter "Freiheit" so etwas wie die unregulierte Eigendynamik des Marktes. Feministen fühlen sich dann der Gleichheit zwischen den Geschlechtern verpflichtet und es endet dann so, dass beide Geschlechter gleich schlecht bezahlt werden. Undsoweiter.
Timberlake hat geschrieben : Denn wenn es mir weiterhin gut gehen soll, muss es den Migranten schlecht gehen. Bestenfalls dadurch, dass sie erst gar nicht zu uns kommen und wenn sie denn da sind, sie gnadenlos "Gedeihlich" abschiebt,
Genau das ist die Konkurrenzlogik, die vom Kapitalismus etabliert und von Rechten dann aufgegriffen wurde. Das ist die Vorstellung, dass es da eine Art Nullsummenspiel gibt: Entweder geht es mir schlecht oder den Migranten, deswegen gäbe es da eine Konkurrenz.

Die Alternative zu dieser Konkurrenzlogik habe ich bereits dargestellt:
Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 18:34
RosiG2 hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 14:03
Dynamis hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 10:41


Das ist doch überhaupt nicht logisch. Wenn es mir gut geht, heißt das doch nicht, dass es den anderen schlecht gehen muss.
Aber halt auch nicht, dass es dem Anderen gut gehen muss.

Das ist ja das Problem, den Blick von "sich" weg hin zu "uns" zu lenken.
Das ist ja nur in einer schlecht organisierten Gesellschaft ein Problem. In einer Gesellschaft, die auf Kooperation und Koordination statt auf Konkurrenz basiert, muss man gar nicht erst von seinen Interessen absehen, um sich in der Gemeinschaft zu engagieren.




Timberlake
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Mi 1. Jul 2026, 23:07

Dynamis hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 20:39
Ich hatte diese Diskussion zum Anlass genommen mir die aktuelle Ausgabe von "Z. - Zeitschrift marxistische Erneuerung" zu besorgen. Dieses Heft widmet sich dem Thema "Faschismus reloaded?". Heute ist das Heft bei mir angekommen und den ersten Artikel von Gerd Wiegel mit dem Titel "Von Meloni bis Trump: Begriffliche Fassung und Ursachen der Rechtsentwicklung" habe ich gerade durchgelesen. Mal gucken, wie sich das zu dem verhält, was hier so geschrieben wird.
Timberlake hat geschrieben :
Mo 29. Jun 2026, 16:25
Ich denke, der Rechtspopulismus, auf dem der Faschismus m.E. beruht, macht genaudas. Er stellt Fragen, die nur den Wunsch verhüllen, eine bestimmte Antwort zu erhalten, die in der Frage schon beschlossen liegt. Beispielsweise Fragen zu Migration. Und gehören diese Frage nicht tatsächlich zu jenen großen Fragen einer Zeit, wie es hier bei Oswald Spengler heißt und zwar unserer Zeit? Das demzufolge eine Gruppe historisch bedingter Lösungen angenommen werden muss? Wohlgemerkt – unter Ausschaltung aller eigenen Wertmaßstäbe –! Nur eben das diese tatsächlich von den Rechtspopulisten ausgeschaltet werden, Also die eigenen Wertmasstäbe, die sich deren Gegner verpflichtet fühlen wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und somit übrigens auch nicht die Wertmassstäbe von RosiG2 ..
Deine Analyse ist an einem Punkt unklar. Und tatsächlich ist sie auch selbstwidersprüchlich. Auf der einen Seite unterstellst du dem Rechtspopulismus, dass er "Fragen" stellt. Auf der anderen Seite sagst du schon selbst, dass es sich um die "großen Fragen einer Zeit" handelt. Was denn nun? Von wem werden diese Fragen gestellt? Von Rechtspopulisten oder von unserer Zeit? Da müsstest du dich entscheiden.

Diese Unklarheit, die da in deiner Analyse vorliegt, hängt damit zusammen, dass du an Spenglers Analyse anknüpfst und Spengler sich nicht die Frage stellt, woher diese "großen Fragen einer Zeit" eigentlich kommen. Diese Fragen tauchen einfach so bei ihm auf, weil es eben die großen Fragen einer Zeit sind.

Ganz einfach ...

"Diesem allem, den willkürlichen, engen, von außen gekommenen, von eigenen Wünschen diktierten, der Historie aufgezwungenen Formen, stelle ich die natürliche, die »kopernikanische« Gestalt des Weltgeschehens entgegen, die ihm in der Tiefe innewohnt und sich nur dem nicht voreingenommenen Blick offenbart. Ich erinnere an Goethe. Was er die lebendige Natur genannt hat, ist genau das, was hier Weltgeschichte im weitesten Umfange, die Welt als Geschichte genannt wird. Goethe, der als Künstler wieder und immer wieder das Leben, die Entwicklung seiner Gestalten, das Werden, nicht das Gewordene, herausbildete, wie es der »Wilhelm Meister« und »Wahrheit und Dichtung« zeigen, haßte die Mathematik. Hier stand die Welt als Mechanismus der Welt als Organismus, die tote der lebendigen Natur, das Gesetz der Gestalt gegenüber.
Spengler, Oswald .. Der Untergang des Abendlandes"


Die großen Fragen der Zeit werden nicht von den eigenen Wünschen diktiert, sondern entstehen aus dem, was Goethe lebendige Natur genannt hat.

europarl.europa.eu hat geschrieben :
Was ist Migration?

Migration ist die Bewegung von Menschen von einem Ort zum anderen, um sich an einem neuen Ort niederzulassen. Die Migration kann freiwillig oder unfreiwillig sein und aus einer Vielzahl von Gründen erfolgen, unter anderem aus wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Motiven.
... und zu dieser lebendigen Natur gehört, dass Menschen tatsächlich danach streben, unter anderem ihre wirtschaftliche, ökologische und soziale Situation zu verbessern.
proasyl.de hat geschrieben :
»Ich war gezwungen, den falschen Weg zu nehmen«

Dr. Mazen Dahhan, der 2013 aus Syrien fliehen musste und bei einem Unglück vor Lampedusa seine komplette Familie verlor, beschreibt das im Interview mit uns eindrücklich:

»Ich bin Neurochirurg und habe versucht, eine Arbeitserlaubnis für Dubai zu bekommen. Ich habe dort sogar eine passende Stelle für mich gefunden, aber weil ich aus Syrien bin, wurde mir das Visum verweigert. Ich wusste, dass wir in Europa Asyl bekommen könnten. [Aber es gibt] keine Möglichkeit einer legalen Einreise durch ein Visum […] Dadurch war ich gezwungen, den falschen Weg zu nehmen – den Seeweg.«

Niemand würde sich in einem wackligen Schlauchboot in Lebensgefahr begeben, sich von brutalen Grenzschützern verprügeln lassen, in überfüllten Lastwagen durch Europa fahren und für all das auch noch tausende an Euros bezahlen, wenn er oder sie sicher mit dem Flugzeug einreisen könnte.
Wenn dem so ist, warum können dann diese Menschen nicht sicher mit dem Flugzeug einreisen? Wohlgemerkt, da reden wir nicht von Rechtspopulisten oder gar einer Bewegung von Narzisten, die das verhindern. Könnte es vielleicht sein , dass wiederum auch das nicht von den eigenen Wünschen diktiert wird, sondern durch das, was Goethe lebendige Natur genannt hat .....

Übersicht mit KI
Ein Revierkampf zwischen Menschen bezeichnet meist extreme, instinktive Konflikte um Territorium, Ressourcen oder Machtpositionen
Soziale & Psychologische Reviere
Soziales Territorium: Auch der moderne Mensch hat ein tief sitzendes Territorialverhalten. Dies zeigt sich bei der Verteidigung des eigenen Wohnraums, der Nachbarschaft oder gefühlten Einflusssphären in der Gesellschaft

Dynamis hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 20:39
Wiegel verortet also den Ursprung dieser Fragen zu Migration etc. zwar auch in unserer Zeit, soweit geht er mit Spenglers Analyse mit. Aber er geht noch einen Schritt weiter. Wiegel beschreibt die historische Ursache dafür, dass diese Fragen entstehen: Der Siegeszugs eines immer unbegrenzteren Kapitalismus, der sich radikalisierende Neoliberalismus. Aufgrund dieser historischen Entwicklung werden "neoliberale Konkurrenzlogiken" etabliert - das erinnert an Frau von Redecker, die von einer "entfesselten Eigentumslogik" spricht. Die großen Fragen unserer Zeit - z.B. wie hart sollen wir abschieben? - entstehen aus dieser Konkurrenzlogik. Die politischen Parteien repräsentieren dann im Großen und Ganzen nur verschiedene Variationen von Antworten auf diese Fragen, die sich innerhalb der Konkurrenzlogik bewegen und innerhalb dessen dann auch beschränkt bleiben.
Übrigens!

Diesen Siegeszug des unbegrenzten Kapitalismus würde ich gleichfalls dort verorten - also der lebendigen Natur.




Dynamis
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Do 2. Jul 2026, 10:52

Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 23:07
Die großen Fragen der Zeit werden nicht von den eigenen Wünschen diktiert, sondern entstehen aus dem, was Goethe lebendige Natur genannt hat.
Da irrt ihr euch beide, du und Spengler. Dass Migration zum Thema wird, ist nicht durch eine "lebendige Natur" verursacht, sondern das hat ökonomische Ursachen. Auf die habe ich schon vorher hingewiesen, aber noch einmal: Der Kapitalismus ist ein krisenanfälliges System. Deswegen kommt es ständig zu einer Krise und die Menschen sind verunsichert. Rechte Ideologie besteht nun darin, dass sie diese Verunsicherung aufgreift und einen Sündenbock präsentiert: Wir haben einfach leider zu viele Migranten, deswegen müssen wir jetzt Remigration betreiben und dann bleibt ein größerer Stück vom Kuchen für die Einheimischen übrig.
Gerd Wiegel hat geschrieben : Die zweite Etappe des rechten Aufstiegs setzt mit der globalen Finanzmarktkrise 2008 ein. Das neoliberale Modell kommt mit Blick auf seine hegemoniale gesellschaftspolitische Deutungsmacht in eine Krise, denn die negativen Seiten der Globalisierung schlagen jetzt auf die Länder der westlichen Zentren zurück. Die weltweiten Migrationsströme, die mit der Zunahme internationaler Krisen auch Europa verstärkt treffen, sind sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung und deshalb von der extremen Rechten leicht zu nutzen, um einen Schuldigen für die anonyme Bedrohung der Globalisierung anzubieten. (Quelle: Z. - Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Juni 2026)
Das ist halt der Punkt, den du in deiner Analyse unberücksichtigt lässt.

Einerseits, ja es mag schon stimmen, was du hier schreibst:
Timberlake hat geschrieben : ... und zu dieser lebendigen Natur gehört, dass Menschen tatsächlich danach streben, unter anderem ihre wirtschaftliche, ökologische und soziale Situation zu verbessern.
Andererseits folgt daraus nicht zwingend, dass Migration als Problem wahrgenommen wird.




Timberlake
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Do 2. Jul 2026, 16:45

Dynamis hat geschrieben :
Do 2. Jul 2026, 10:52
Timberlake hat geschrieben :
Mi 1. Jul 2026, 23:07
Die großen Fragen der Zeit werden nicht von den eigenen Wünschen diktiert, sondern entstehen aus dem, was Goethe lebendige Natur genannt hat.
Da irrt ihr euch beide, du und Spengler. Dass Migration zum Thema wird, ist nicht durch eine "lebendige Natur" verursacht, sondern das hat ökonomische Ursachen.
und ökonomische Ursachen haben natürlich, so rein gar nichts mit der "lebendige Natur" zu tun.
.deutschlandfunk.de hat geschrieben :
Evolution der Moral

Forstmeier:
„Es geht darum, evolutionsbiologische Erklärungen, Erklärungsversuche für moralisches Verhalten beim Menschen zu erkunden. wie viel kann die Evolutionsbiologie erklären? Und zu erkunden: Welche Konsequenzen könnten diese evolutionsbiologischen Erkenntnisse für uns haben?“

Schon Charles Darwin ist davon ausgegangen, dass es zwei Triebkräfte in der Natur gibt: Konkurrenz UND Kooperation. Dass über lange Zeit das Konkurrenzprinzip der Evolution im Fokus war, lag weniger an Darwin als an jenen, die ihn interpretierten. Ein auf den ersten Blick uneigennütziges Verhalten existiert auch in der Tierwelt und bedarf der Erklärung. Für soziale Insekten – zum Beispiel Ameisen – scheinen die Interessen des Einzelnen ohne Bedeutung zu sein.

So wie sich von den Triebkräften der Natur "Konkurrenz UND Kooperation" in der Ökonomie, gleichfalls so rein gar nichts findet.
.deutschlandfunk.de hat geschrieben :
Evolution der Moral

Schon jetzt ist klar: Die Evolutionsbiologie bietet verschiedene Erklärung für das Verhalten des Menschen an. Was sie nicht tut ist Verhalten zu entschuldigen! Der Evolutionsgenetiker Wolfgang Forstmeier:

„Diesen Fehlschluss, dass man eben von dem Sein, wie man es beobachtet, auf das, wie es sein sollte, schließen kann, dem kann man sich immer nur sehr schwer erwehren, weil unser Gehirn, denke ich, diese Dinge immer automatisch verknüpft.
In dem ich deshalb einmal davonausgehe, dass du von dem Sein der Ökonomie, wie man es beobachtet, auf das schließt wie es sein kann, könnte es sein, dass du diesen Fehlschluss begehst?
kontrast.at hat geschrieben :
Das Monopoly-Experiment zeigt, dass Reichtum die Menschen unsozial und gierig macht

„Die reichen Spieler haben doppelt so viel Geld bekommen. Beim Zug über ‚Los!’ haben sie das doppelte Gehalt erhalten und sie durften anstatt einem alle beide Würfel nutzen, so dass sie viel mehr Spielzüge machen konnten.“
(Paul Piff über die Spielregeln des Monopoly-Experiments)

„Der reiche Spieler begann sich lauter auf dem Brett zu bewegen und während der Züge regelrecht mit seiner Spielfigur auf das Spielbrett einzuhämmern. Unter den reichen Spielern war dominantes Verhalten häufiger, sie legten Machtgehabe an den Tag und jubelten öfter.“

„Als die reichen Spielenden darüber redeten, weshalb sie das gezinkte Monopoly-Spiel zwangsläufig gewonnen hatten, sprachen sie davon, was sie alles unternommen hatten, um die verschiedenen Grundstücke zu kaufen und in diesem Spiel erfolgreich zu sein. Und das ist ein wirklich, wirklich unglaublicher Einblick in die Art und Weise, wie Vorteile vom Verstand bewertet werden.“
(Paul Piff, Sozialpsychologe)
Wie dem auch sei, das kann anscheinend nicht anders sein, als man es beobachtet. Was meiner Meinung nach, den Rechtspopulismus, als eine Bewegung von Narzissten, nochmal unter einem ganz anderem Licht erscheinen lässt. So wie sich diese Rechtspopulisten einbilden, dass die Migranten selber Schuld an dem Elend in ihren Herkunftsländern sind. Die sind halt nicht so fleißig, wie die Menschen hierzulande, oder "doch" ..





Dynamis
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Fr 3. Jul 2026, 14:25

Timberlake hat geschrieben :
Do 2. Jul 2026, 16:45
und ökonomische Ursachen haben natürlich, so rein gar nichts mit der "lebendige Natur" zu tun.
Völlig richtig! Du bringst dafür auch das passende Beispiel:
kontrast.at hat geschrieben :
Das Monopoly-Experiment zeigt, dass Reichtum die Menschen unsozial und gierig macht

„Die reichen Spieler haben doppelt so viel Geld bekommen. Beim Zug über ‚Los!’ haben sie das doppelte Gehalt erhalten und sie durften anstatt einem alle beide Würfel nutzen, so dass sie viel mehr Spielzüge machen konnten.“
(Paul Piff über die Spielregeln des Monopoly-Experiments)

„Der reiche Spieler begann sich lauter auf dem Brett zu bewegen und während der Züge regelrecht mit seiner Spielfigur auf das Spielbrett einzuhämmern. Unter den reichen Spielern war dominantes Verhalten häufiger, sie legten Machtgehabe an den Tag und jubelten öfter.“

„Als die reichen Spielenden darüber redeten, weshalb sie das gezinkte Monopoly-Spiel zwangsläufig gewonnen hatten, sprachen sie davon, was sie alles unternommen hatten, um die verschiedenen Grundstücke zu kaufen und in diesem Spiel erfolgreich zu sein. Und das ist ein wirklich, wirklich unglaublicher Einblick in die Art und Weise, wie Vorteile vom Verstand bewertet werden.“
(Paul Piff, Sozialpsychologe)
Wie man an dem Beispiel des Monopoly-Experiment sieht, ist es die soziale Ungleichheit, die die Menschen "unsozial und gierig macht", und eben nicht die "lebendige Natur".

Also: Spengler und du, ihr irrt euch beide, wenn ihr die "lebendige Natur" für die Ursache hält.




Timberlake
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Fr 3. Jul 2026, 16:16

Dynamis hat geschrieben :
Fr 3. Jul 2026, 14:25


Wie man an dem Beispiel des Monopoly-Experiment sieht, ist es die soziale Ungleichheit, die die Menschen "unsozial und gierig macht", und eben nicht die "lebendige Natur".


Um das mal ...
.deutschlandfunk.de hat geschrieben :
Evolution der Moral

Forstmeier:
„Es geht darum, evolutionsbiologische Erklärungen, Erklärungsversuche für moralisches Verhalten beim Menschen zu erkunden. wie viel kann die Evolutionsbiologie erklären? Und zu erkunden: Welche Konsequenzen könnten diese evolutionsbiologischen Erkenntnisse für uns haben?“

Schon Charles Darwin ist davon ausgegangen, dass es zwei Triebkräfte in der Natur gibt: Konkurrenz UND Kooperation. Dass über lange Zeit das Konkurrenzprinzip der Evolution im Fokus war, lag weniger an Darwin als an jenen, die ihn interpretierten. Ein auf den ersten Blick uneigennütziges Verhalten existiert auch in der Tierwelt und bedarf der Erklärung. Für soziale Insekten – zum Beispiel Ameisen – scheinen die Interessen des Einzelnen ohne Bedeutung zu sein.




.. unter Bezugnahme darauf, vom Kopf auf die Füße zu stellen!

Diese zwei Triebkräfte in der Natur "Konkurrenz UND Kooperation" und damit die "lebendige Natur" sind die "Basis" der Ökonomie ( Fuss). Während die "Ungleichheit und Gleichheit" der "Überbau " dessen ist ( Kopf)
kontrast.at hat geschrieben :
Das Monopoly-Experiment zeigt, dass Reichtum die Menschen unsozial und gierig macht

„Die reichen Spieler haben doppelt so viel Geld bekommen. Beim Zug über ‚Los!’ haben sie das doppelte Gehalt erhalten und sie durften anstatt einem alle beide Würfel nutzen, so dass sie viel mehr Spielzüge machen konnten.“
(Paul Piff über die Spielregeln des Monopoly-Experiments)

„Der reiche Spieler begann sich lauter auf dem Brett zu bewegen und während der Züge regelrecht mit seiner Spielfigur auf das Spielbrett einzuhämmern. Unter den reichen Spielern war dominantes Verhalten häufiger, sie legten Machtgehabe an den Tag und jubelten öfter.“

„Als die reichen Spielenden darüber redeten, weshalb sie das gezinkte Monopoly-Spiel zwangsläufig gewonnen hatten, sprachen sie davon, was sie alles unternommen hatten, um die verschiedenen Grundstücke zu kaufen und in diesem Spiel erfolgreich zu sein. Und das ist ein wirklich, wirklich unglaublicher Einblick in die Art und Weise, wie Vorteile vom Verstand bewertet werden.“
(Paul Piff, Sozialpsychologe)
Und was "zeigt" uns dazu das Monopoly-Experiment an?

Richtig!

Das der Mensch es bevorzugt auf einem "Fuß" und somit auf einem "Bein" zu stehen und das ist ganz sicher nicht das der Kooperation.

So einfach ist das

Bleibt eigentlich nur noch, zum Beweis dessen, ein Blick auf den besagten "Kopf" zu werfen ..

Vermögen

Soziale Ungleichheit nimmt weltweit zu

Einkommen und Vermögen sind weltweit immer ungleicher verteilt. Das zeigt der World Inequality Report 2026. Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung haben gut die Hälfte des weltweiten Einkommens. Wenn man sich nicht das Einkommen, sondern das Vermögen anschaut, ist die Kluft zwischen Arm und Reich sogar noch größer: Die reichsten zehn Prozent besitzen drei Viertel des weltweiten Vermögens.
Beinahe hätte ich es doch glatt übersehen und nicht zu vergessen ..
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann vertritt die These, dass der Erfolg des Rechtspopulismus nicht allein durch politische Fehler der etablierten Parteien erklärt werden kann. Stattdessen sieht er eine tiefere kulturelle Entwicklung: einen zunehmenden gesellschaftlichen Narzissmus, bei dem individuelle Ansprüche, Selbstbezogenheit und das Gefühl, zu kurz zu kommen, stärker werden als Gemeinsinn, Verantwortung und demokratische Solidarität.



...




Dynamis
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Fr 3. Jul 2026, 17:57

Timberlake hat geschrieben :
Fr 3. Jul 2026, 16:16
Und was "zeigt" uns dazu das Monopoly-Experiment an?

Richtig!

Das der Mensch es bevorzugt auf einem "Fuß" und somit auf einem "Bein" zu stehen und das ist ganz sicher nicht das der Kooperation.
Deine Schlussfolgerung ist falsch. Nicht "der Mensch" wird in dem Experiment untersucht, sondern sein Verhalten innerhalb eines Geldsystems, welches Kapitalakkumulation und somit soziale Ungleichheit zulässt.

Unser Geldsystem ist ein Verteilungsmechanismus, welcher unter Bedingungen der Knappheit Sinn ergibt und dabei die Funktion hat die Verteilung der Güter zu regeln. Das hatte ich schon vor einiger Zeit mal erklärt:
Dynamis hat geschrieben :
Fr 22. Mai 2026, 16:42
RosiG2 hat geschrieben :
Di 19. Mai 2026, 00:47
Einfach einmal ein willkürlicher Vorschlag, um konkret vor Augen zu halten:

Wenn man beispielsweise seine Arbeitskraft für 6 Stunden täglich zur Verfügung stellt, bekommst man als Gegenleistung Wohnung, Nahrung, Energie usw. - alles was man zum Leben braucht (wie unsere Grundsicherung). Ausbildungsberufe brauchen nur 4 Stunden täglich zu arbeiten. Wer mehr arbeitet bekommt Geld, mit dem er sich dann Zugang zu Zusätzlichem verschaffen kann.

:)
Anscheinend definierst du Geld als Mittel, mit dem man sich "Zugang" verschafft. Das setzt voraus, dass der Zugang eingeschränkt ist. Und das führt natürlich zu der Frage, weshalb der Zugang überhaupt eingeschränkt sein muss. Das Problem, welches hier im Hintergrund steht, ist das der Knappheit. In deinem Szenario ist bereits vorausgesetzt, dass wir das Problem zumindest soweit lösen können, dass wir genügend Wohnung, Nahrung usw. für Arbeitswillige zur Verfügung stellen können. Wenn das aber vorausgesetzt ist, warum sollten wir das Knappheitsproblem nicht auch bei anderen Dingen, beim "Zusätzlichen", lösen können? Also so, dass man dann auch ins Kino gehen oder verreisen kann ohne dass man sich erst durch Geld Zugang dazu verschaffen muss.
Weder Knappheit noch dieser spezifische Verteilungsmechanismus sind notwendig. Knappheit lässt sich durch verbesserte Produktion überwinden und Monopoly ist als Wirtschaftsmodell nicht alternativlos. Daher ist deine Schlussfolgerung einfach falsch, dass "der Mensch" zwangsläufig zu dem Verhalten aus dem Monopoly-Experiment neigt.




Timberlake
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Sa 4. Jul 2026, 23:56

Nur mal so als Frage ..
RosiG2 hat geschrieben :
Fr 5. Jun 2026, 14:48
Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten
von Andreas Püttmann


"An der (wechselseitig) selbstbezichtigenden Defizitanalyse demokratischer Politiker wirken Rechtspopulisten eifrig mit, getragen von den Agitationswellen der sie unterstützenden Medienphalanx aus »Junge Freiheit«, »Tichys Einblick«, »NIUS«, »Weltwoche«, »Apollo News« und »Russia Today« bis hin zur »Bild« und ehedem unzweifelhaft seriös-konservativen Medien wie »Welt«, NZZ oder »Cicero«. Hinzu kommen die AfD-dominierten Sozialen Medien, allen voran Elon Musks X, in denen Putins Trollfabriken und missionarische Schwurblermilieus wie Pandemie- und Klimawandelleugner, Gender-vergrätzte Maskulinisten und sexuell frustrierte Incels nach Kräften die immer gleiche Botschaft senden: Die Politiker der »Systemparteien« könnten es nicht, und deshalb wende sich das Volk völlig zu Recht von ihnen ab.

Auf der anderen Seite erklären Linke die Rechtsradikalisierung traditionell mit sozialen Missständen. Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen brächten notwendigerweise Faschismus hervor."


Könnte es vielleicht sein, dass du zu dieser "anderen Seite" gehörst? Was mich betrifft, so gehöre ich zu dieser anderen Seite. Nur glaube ich nicht daran, dass man "notwendigerweise" dadurch dem Faschismus das Wasser abgraben kann, in dem man gegen soziale Missstände Ungerechtigkeit und Armut in kapitalistischen Systemen vorgeht. Wenn man denn dagegen vorgehen könnte, warum machen das dann die "demokratischen Politiker" nicht?



"Es wird sich nicht mehr ändern meine Damen und Herren, CDU CSU SPD FDP und die Grünen und auch die AFD das ist Einheitspartei. Wir mixen diese fünf Parteien , zumindest die AFD bis jetzt noch nicht, immer wieder neu in der Regierung seit 40 Jahren. Ich mache seit 31 Jahren Kabarett dieselben Themen. Ich mache seit 31 Jahren Kabarett über Rente über Gesundheit über Staatsverschuldung über Arbeitslosigkeit über Steuergerechtigkeit über die Bildungsproblematik. Das sind so zentrale Themen einer Gesellschaft. adhc hat mich jetzt nie so wirklich interessiert. Jetzt zeigen sie mal einen einzigen Bereich, wo diese fünf Parteien CDU CSU SPD FDP und Grüne in den letzten 30 Jahren für den Großteil der Bevölkerung irgendwas verbessert haben. Soll ich mit der Rente anfangen. Nee lieber nicht, da fangen wir an zu weinen. Bildungspolitik lassen wir auch mal weg. Aber was ist mit dem Gesundheitswesen. Da haben wir eine Reform nach der anderen gehabt. Die Jahrhundertreformen haben sich da gestapelt. Wo ist es denn eigentlich besser geworden, im Krankenhaus, in den Praxen für die Ärzte, für die Patiente, ist es fürs Personal besser geworden, ist es im Pflegeheim besser geworden. Helfen sie doch mal! Sie wählen die doch immer. Was ist mit den Arbeitslosenzahlen, haben wir mehr oder weniger Arbeitslose als vor 30 Jahren? Durch die die Politik von CDU, CSU, SPD FDP und Grüne. Haben wir mehr oder weniger Staatsschulden als vor 30 Jahren durch die seriöse Haushaltspolitik von CDU CS SPD FDP und Grüne? Was ist mit der Steuergerechtigkeit? Wie oft haben die schon versprochen das Steuersystem gerechter zu machen und transparenter ...
Es kann sich nichts ändern meine Damen und Herren. Die haben sich diesem kapitalistischen System verschworen.
Wir sitzen in einem Zug und rasen auf einen Abgrund zu und wie der Abgrund aussieht, das wissen wir, wenn wir ehrlich sind. Das sind die Vereinigte Staaten von Amerika. Das ist Kapitalismus im Endstadium. ... Die USA ist eine komplett entsolidarisierte Gesellschaft. Die Reichen haben sich in einem speziellen Viertel verschanzt, mit Zugangsort und Wachpersonal, die haben ihre eigenen Unis, ihre eigenen Krankenhäuser ihre eigenen Schulen, Kindergärten die Mittelschicht hat sich komplett aufgelöst in der letzten Krise. Die brauche zwei Jobs parrallel um Leben zu können.

Dazu vielleicht ergänzend .




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