Der getanzte traurige Gedanke

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Jörn Budesheim
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Di 12. Jan 2021, 06:48

Dichtet und trachtet nicht jeder Mensch in jeder Minute?
Das erinnert mich an Joseph Beuys berühmtes Wort, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Und das ist sicherlich kein Zufall :)



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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Jörn Budesheim
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Di 12. Jan 2021, 18:44

Friedrich Schlegel, 116tes Athenaeumsfragment hat geschrieben : Kunstpoesie und Naturpoesie

(Unterstrichen von mir)
@Alethos mich hatte an unsere Diskussion über die Ästhetik erinnert. Du hattest dort, kurz gesagt, geltend gemacht, dass es Kunst auch ohne Betrachter geben könnte. Ich kann diese Ansicht nach wie vor nicht teilen, aber vielleicht könnte eine Vertiefung in diese beiden Begriffe Licht im unseren Dissens bringen :) auch die Frage, inwiefern Berge denken können, könnte damit zusammenhängen.



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Alethos
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Di 12. Jan 2021, 21:18

Ja, das könnte ein interessanter Weg für die Untersuchung sein. Ich will einmal schauen, ob ich in den nächsten Tagen Zeit finde, um in ein paar Quellen zu stöbern für Denkanstösse in diese Richtung.

Der Begriff „Naturpoesie“ wirkt auf mich zunächst neu, was auf den zweiten Blick erstaunen mag, da wir ja nicht einmal so selten von Landschaften oder Naturerfahrungen sagen, sie hätten etwas Poestisches. Gar oft sogar regen solche Natur-Erfahrungen zur Posie an oder das Naturphänomen selbst bildet den Gegenstand ‚kunstpoetischer‘ Werke. Jedenfalls dürfte es eine engere Verbindung geben zwischen Kunst- und Naturposie, so mein erster Reflex, als wir das vielleicht denken.

Ob wir die Berge dadurch zum Sprechen bringen (oder ihr Sprechen vernehmen), das wage ich nur leise zu hoffen :)



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Friederike
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Fr 15. Jan 2021, 17:41

Ich spring' nochmal zurück zum getanzten traurigen Gedanken, weil ich das nun seit vergangenen Sonnabend jeden Abend tue, den traurigen Gedanken tanzen. Nicht auf Spitzenschuhen, aber so gut es geht auf Zehenspitzen und es ist kein bestimmter trauriger Gedanke, sondern der traurige Gedanke. Mein Körper fühlt sich ganz leicht dabei an, und das Traurige wird dabei ebenfalls ganz leicht - in der Bewegung, die die Empfindung ausdrückt, scheint die Empfindung selbst sich aufzulösen ... hm, sie verwandelt sich, obwohl ich nicht sagen kann, wozu, wohin.

Immer bin ich eine Einzeltänzerin gewesen. Die obligatorische "Tanzstunde", ein Graus - und danach nie mehr.




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Friederike
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So 17. Jan 2021, 15:02

Ich hoffe sehr, daß meine kleine persönliche Erzählung Deine kulturgeschichtliche Betrachtung des Tangos und des Tanzes @Nauplios, und Eure Idee über die Natur- und die Kunstpoesie zu philosophieren @Alethos und @Jörn, nicht abgebremst hat. Bild




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Friederike
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So 17. Jan 2021, 17:09

Alethos hat geschrieben :
Di 12. Jan 2021, 21:18
Ob wir die Berge dadurch zum Sprechen bringen (oder ihr Sprechen vernehmen), das wage ich nur leise zu hoffen :)
Poesie ist leise, leicht, schwebend - eine laute schwere Poesie ist wie ein Widerspruch im Wort selbst. Berge müßte man schon in Nebelschleier hüllen, ihre Umrisse nur "ahnen", um sie poetisch erscheinen zu lassen, weil sie doch "von Natur aus" großartig und mächtig sind. Wie könnten sie leise reden? Berge selbst sind Poesie-los, Poesie über die gewaltigen Berge ist möglich.




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Alethos
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So 17. Jan 2021, 19:34

Friederike hat geschrieben :
So 17. Jan 2021, 15:02
Ich hoffe sehr, daß meine kleine persönliche Erzählung Deine kulturgeschichtliche Betrachtung des Tangos und des Tanzes @Nauplios, und Eure Idee über die Natur- und die Kunstpoesie zu philosophieren @Alethos und @Jörn, nicht abgebremst hat. Bild
Nein, das hat sie nicht, in Gegenteil...



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