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Quk
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Di 14. Mai 2024, 08:58

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 13. Mai 2024, 21:51
Quk hat geschrieben :
Mo 13. Mai 2024, 21:22
Nemo könnte glatt der Sohn von ihm hier sein:
Wegen der Show?
Wegen allem :-)
Körperbau, Gesichtsform, Augenbrauenhaltung, Bewegungsweise, Stimmfarbe, Sprunghaftigkeit, Liebeshunger, Kostümierungsfreude, Posenschaulust, Kopfstimmenspaß, Stilwechselhumor, Rampensäuigkeit, außerhalb der Bühne schüchtern, und so weiter. Aber vor allem wegen des Gesichts; ich finde, er sieht ihm sehr ähnlich. Aber Gesichter sagen ja auch viel über die Lebensgeschichte; insofern ähneln sich halt doch auch jene Sachen außerhalb des Gesichts.

Der Text ist wohl sozialpolitisch. Das lyrische Ich, das sich als bisexuell outet, hat den altmodischen Code gebrochen und geht jetzt souverän nach vorn. Im Prinzip ein kleines bisschen wie Bohemian Rhapsody, aber auf 3 Minuten verkürzt. In diesem Fall kann man wohl sagen, dass das lyrische Ich und der Lyrikvortragende identisch sind. Den Text finde ich in Ordnung. Die Musikkomposition berührt mich nicht, auch wenn ein oder zwei Überraschungselemente drin sind, aber diese Überraschungen empfinde ich eher als Zirkusakrobatik, weniger als etwas emotionales, das mir unter die Haut gehen könnte. Aber das ist wohl auch Geschmackssache, weil da jeder Mensch seinen eigenen Zusammenhang mit der eigenen Biographie herstellt. Dass die Mehrheit in Europa für den bisexuellen Code-Brecher gestimmt hat, freut mich. Da sind wir jetzt auf der rein sozialen Ebene, nicht mehr auf der rein dramaturgischen.

Das Röckchen hat mir persönlich nicht so gefallen. Weil es rosa war. Es hätte hellblau sein sollen. Harhar! Nein, Scherz!

Homosexuelle und bisexuelle Elemente finde ich super. Was mir persönlich am Röckchen nicht so gefallen hat, war dieses gewisse "kindliche". Ist auch nur Geschmackssache. Ich stehe eher auf die schwule Glamrock-Mode der frühen 70er. T-Rex, The Sweet, David Bowie, Roxy Music, Freddie Mercury etc.

Die Kroaten haben einen auf Rammstein gemacht. Ich kann Rammstein nicht mehr hören.

Die zweite Hälfte in dem Auftritt des Franzosen fand ich sehr berührend. Große Klasse. Ich dachte, er hätte große Chancen auf den ersten Platz.

Hier, die erste Hälfte vor 1:40 finde ich langweilig und etwas kitschig. Aber danach folgt eine Überraschung, die echt umhaut:





Wolfgang Endemann
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Di 14. Mai 2024, 10:46

Meller hat geschrieben :
So 12. Mai 2024, 23:41

Diesem ausdrucksstarken bitteren Bericht aus der Hölle stelle ich um des Gleichgewichts willen ein paradiesisches Bild entgegen. Ich habe das in einem anderen Forum schon einmal vorgestellt mit einer Kurzanalyse, ich finde es sehr sinnvoll, zu reflektieren, was in den Aufmerksamkeitsbereich gerät, hier jedoch halte ich mich an die Regel, Musik nur vorzustellen, wenn man darüber reden möchte, könnte man das in meinem kleinen Beitrag zur "musikalischen Schönheit", das würde mich sehr freuen.

Toni Childs: Womb, aus The Woman's Boat
Nur soviel: umwerfende Stimme, perfektes Konzeptalbum




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Quk
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Di 14. Mai 2024, 11:00

Wolfgang Endemann hat geschrieben :
Di 14. Mai 2024, 10:46
Toni Childs: Womb, aus The Woman's Boat
Ja, überwältigend, direkt ins Herz. Fühlt sich sehr echt an für mich. Durchgehend fesselnd, dicht, kompakt ... und überraschend.




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Stefanie
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Di 14. Mai 2024, 11:31

Der Esc dieses Jahr war schon denkwürdig, finde ich. Mit dem was alles drum und dran war.

Das ist übrigens ein Skaterrock, den Nemo getragen hatte, in puderrosa. Auch nicht mein Rosa, aber das passte alles zusammen. Alles in allem doch verdient gewonnen.

Der Franzose war eine Klasse für sich. So ein doch relativ einfach gehaltenes Lied muss man singen und präsentieren können. Dann wird aus dem einfachen Lied eine starke Nummer. Ich fand es toll, vor allem der letzte Teil und dass er kein "schmerzhaft schmachtendes" Gesicht aufsetzte, sondern ein Lächeln.
Unter "normalen" Umständen, wäre es wahrscheinlich ein Kopf an Kopf Rennen mit der Schweiz geworden.
Die Ukraine hatte das letzte Mal schon viele Publikumsstimmen erhalten. Israel hat knapp hinter Kroatien die meisten Publikumsstimmen erhalten, so dass sie vorne gelandet sind. Die Jurys fanden das Lied durchschnittlich bis weiter hinten, im der Halle gab es missfallendes Bekundungen gegen Israel und nicht gegen das Lied, die Zuschauer am Fernseher haben das alles anders gesehen. Deren Punkte erhielt Israel, nicht das Lied.
Tja.
Die Schweiz ist allein schon deswegen ein neutraler Sieger. Mit diesem Lied können alle leben.



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Stefanie
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Di 14. Mai 2024, 20:30

Hmm.
Mir gefällt dieses Lied von Toni Childs nicht. Es ist der Gesang. Also wie sie singt. Es tut mir in den Ohren weh. Irgendwie verzerrt.
Ich habe mir zwei weitere Lieder von ihr angehört. Wesentlich angenehmer.
Um was es geht, war mir schon klar, als ich den Titel las. Aber dieser Gesang...
Das Ende ist noch das Beste.



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Quk
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Di 14. Mai 2024, 21:24

Wenn Dir die hohe Stimme nicht zusagt, was hälst Du dann von dieser tiefen dunklen Stimme hier? Ich weiß nicht, ob ich diesen Clip schon mal hier vorgestellt habe. Das war wieder eine Eigenproduktion von uns, diesmal etwas älter, von 1987. Ich hab das mitproduziert, aufgenommen, gemischt, war aber kein Bandmitglied (die Band hieß "Men Of Straw", nicht zu verwechseln mit anderen gleichnamigen Sachen auf YouTube ). Ich hab da ein paar Töne auf der Mandoline gespielt, haha. Da kommt ab und zu so ein schnelles kurzes Streichorchester-Arpeggio vor, das war aber kein Orchester, auch kein Synthesizer, sondern eben ein Arpeggio auf einer Mandoline, in den oberen Tönen, ganz kurz (zehntel Sekunde), mit viel Hall. -- Einen Geiger hatten wir auch angeheuert; leider war seine Intonation nicht besonders sauber, er verlangte auch nur 100 Mark. Ein paar schräge Töne sind auch nicht so schlimm im New Wave :-) -- Die Platte kam erst 1990 raus.

Das Video über dem Song hat ein fremder YouTuber draufgelegt; das kommt nicht von uns.





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Stefanie
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Di 14. Mai 2024, 22:32

Hohe Töne sind in der Tat nicht immer meine Lieblingsstöne.
Ich hatte hier mal die Arie der Königen der Nacht gepostet. Von dieser Sängerin, toll. Das Gegenteil ist die Szene in "Philadelphia", in der Tom Hanks eine Arie von Maria Callas hört. Uih, Maria Callas und ich mache den Ton leiser. Es gibt andere Arien von ihr, bei denen ich den Ton nicht leiser mache.
Tiefe Stimmen sind oft harmonischer als hohe Stimmlagen. Aber da gibt es auch extreme Tiefen, die nerven dann auch.
Wer immer in dem Video auch singt, ist in meinem angenehmen Bereich. Das Lied an sich...nun ja : - ))
Zumindest hat das Lied jetzt mindestens 1 Aufruf mehr.



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Quk
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Di 14. Mai 2024, 22:39

Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Mai 2024, 22:32
Wer immer in dem Video auch singt, ist in meinem angenehmen Bereich. Das Lied an sich...nun ja : - ))
Der Blonde unten rechts ist der Sänger :-) Die hatten da tatsächlich echte Schnecken draufgelegt.

Bild

Ich vermute, das ist auch visuell nicht Dein Geschmack. Aber wenigstens ist die Schrift pink ! :-)




Wolfgang Endemann
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Mi 15. Mai 2024, 09:58

Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Mai 2024, 20:30
Hmm.
Mir gefällt dieses Lied von Toni Childs nicht. Es ist der Gesang. Also wie sie singt. Es tut mir in den Ohren weh. Irgendwie verzerrt.
Da kann ich nur empfehlen, den Titel fünf- oder besser zehnmal hintereinander sich anzuhören, dann gerät man wahrscheinlich in den Sog dieses Songs.
"Es tut in den Ohren weh" - das ist doch kein künstlerisches Kriterium. Das Schönste ist gelegentlich schmerzhaft schön. Ich will den Gesang einmal vorurteilsfrei sachlich beschreiben: Childs singt, übrigens sehr delikat präzise und dann wieder schillernd uneindeutig, über das volle Spektrum laut-leise und hoch-tief. Und dabei, was gerade für dieses Stück so essentiell ist, mal gebrochen zart und dann schrill und hart. Perfekt intoniert oder outside of order. Allein die Breite dieses Ausdrucksspektrums ist bewundernswert. Freilich, von Sentimentalität ist Toni Childs weit entfernt und wenn es eine markante Charakteristik gibt, ist es ihre kristallklare, metallharte Stimme. Es wäre ein Manko, wenn sie nur rauh singen könnte. Aber das ist ja nicht der Fall.
Gehen wir ins Detail. Der Beginn ist mehr gehaucht als gesungen, bis 0:41, dann erhebt sich der Gesang, und erneut bei 1:13. Und dann die Rücknahme bei 2:35 und der Frage "am I safe?". Man sollte auch nicht ignorieren, daß sie gegen den wohligen Klangteppich ansingt, dem lebenspendenden Mutterboden, in dem sich ein neues Individuum bildet. Das Stück ist ja eine Fantasie, am Ende steht das krähende Neugeborene.




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Quk
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Mi 15. Mai 2024, 11:47

Ich finde auch, das Stück von Toni Childs ist sehr fein in seinen vielen Dimensionen und detailreich. Auch im instrumentalen Bereich; nehmen wir zum Beispiel mal jenen "wohligen" instrumentalen Klangteppich. Warum "wohlig"? Man kann sagen, die dominierenden Klangfarben an sich da drin sind warm, aber ich denke, da im Teppich stecken auch Symbole kultureller Art: Da ist beispielsweise ein sehr, sehr leiser, stetig rasselnder Schellenkranz, wie man ihn aus Weihnachtsritualen kennt -- Weihnachten, das Symbol der Geborgenheit, der friedlichen Familie, der Geburt eines heiligen Kindes (ich bin kein Christ, aber ich kann die Weihnachtsstimmung mitfühlen). Bei diesem Schellenkranz denken sicherlich nur Menschen mit nordeuropäischen Wurzeln an einen Weihnachtsmann-Schlitten mit Rentieren -- was durchaus auch auf Neuseeland zutrifft und auf Kalifornien, der Herkunft von Toni Childs. Aber ich habe so einen ähnlichen Rasselklang auch in anderen Kulturen gehört, auch bei den Maoris, glaube ich. Da sind das dann keine Metallscheibchen, sondern Muscheln. Also ich will damit sagen, dass dieses sanfte Rasseln womöglich interkulturell eine beruhigende Wirkung haben könnte, zumal Rasseln sogar als Babyspiel beliebt sind. -- Das war jetzt nur eines der vielen winzigen Details in diesem Stück. Man muss Kunstlesen lernen :-) (Wie formuliert Jörn dieses Lern-Motto immer?)

Das Rasseln beginnt bei 0:18 und endet bei 2:51.

Es fügt dem Gemälde eine hellen Schimmer hinzu. Danach sorgen andere Instrumente für den hellen Schimmer, die sehr komplex sind; das wird dann so eine Mischung aus hohen Orgelpfeifen und hohen Streichern oder so etwas ähnliches, und Echofragmenten der oberen Frequenzen der Singstimme. Es ist aber wirklich seeehr leise. Wer es nicht bewusst hört, oder nicht weiß, was ich meine, hört es vielleicht unterbewusst.




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Mi 15. Mai 2024, 11:56

Mir war schon zu Beginn des Liedes völlig klar, warum sie so singt, wie sie singt, z.B. auch gepresst. Ich brauchte noch nicht mal die deutsche Übersetzung des Textes. Sie beschreibt ja nicht die Perspektive der gebärenden Frau, sondern die Perspektive des noch ungeborenen Kindes, welches sich trotz aller Unsicherheit dann dazu entschlossen hat, auf die Welt zu kommen.
Sie sing darüber hinaus über eine Melodie, die meiner Meinung nach ein Kontrast zu dem Gesang ist. Für mich geht diese Hintergrund Melodie in Richtung Klangschalen und esoterisch angehauchter Musik. Für mich ist das hart an der Grenze zu Kitsch, und ich bin die mit dem Rosa Herz.
Was alles nichts an der Tatsache ändert, dass dieses Lied mit dieser Art zu singen, mit dem darunter liegenden Klangteppich bei mir eine negative Reizüberflutung auslöst, es in Ohren schmerzt, und ich das Gesicht verziehe.
Musik kann vieles. Glücklich machen, zum Weinen bringen, berühren, fröhlich machen etc. ppp. Aber eins sollte sie nicht: Langweilen, nerven und eine negative Reizüberflutung durch Schmerzen und Unwohlsein verursachen. Es reichen schon die "üblichen" Schmerzen des alltäglichen Lebens, da muss nicht noch die Musik dazu kommen.



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Mi 15. Mai 2024, 12:25

In ein paar Punkten kann ich Dir prinzipiell zustimmen, Stefanie. Dieses Gefühlsstück ist eine Gratwanderung zwischen Kitsch und Nichtkitsch; in welche Richtung es umkippt, hängt wohl auch von der Tagesstimmung des Hörers ab. Was den Punkt des Leidens betrifft: Ich bin ja, wie Du, eher auf positive, zuversichtliche Musikstimmungen gepolt. Aber das ist ja hier in diesem Beispiel der Clou: Diesen Klang, den Du hier als hoffnungslos empfindest, empfinde ich als zuversichtlich. Da steckt ein enormer Tatendrang drin -- nach meinem Empfindungsvokabular. Also, im Prinzip verstehe ich Dich. Nur gewisse einzelne Klangsymbole verstehen wir verschiedenlich.




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Mi 15. Mai 2024, 13:10

Wieso hoffnungslos?
Vielleicht habe ich mich ungenau ausgedrückt. Die Umsetzung des Themas mit dieser Stimme und die Art und Weise wie sie singt, ihre Stimme einsetzt, plus diesen Klangteppich unter dieser Stimme, ist halt was, was ich nicht vertrage. Es ist so an den Nerven in meinem Ohr zerrend, und dies schmerzt und macht mich dann auch durchaus, ähm, reizbar.
Es wäre übrigens doch wahrscheinlich langweilig, immer alles gleich zu bewerten oder zu verstehen.
Die Gedanken hinter dem Lied und der Text dagegen sind durchaus interessant.
"Ich entscheide für die Welt
I decide for the world

Und ich beschließe, geboren zu werden
And I decide to be born

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Mi 15. Mai 2024, 15:12

Quk hat geschrieben :
Di 14. Mai 2024, 22:39
Stefanie hat geschrieben :
Di 14. Mai 2024, 22:32
Wer immer in dem Video auch singt, ist in meinem angenehmen Bereich. Das Lied an sich...nun ja : - ))
Der Blonde unten rechts ist der Sänger :-) Die hatten da tatsächlich echte Schnecken draufgelegt.

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Ich vermute, das ist auch visuell nicht Dein Geschmack. Aber wenigstens ist die Schrift pink ! :-)
Knapp vorbei :- )
Es ist schräg, aber es sieht nicht schlecht aus. Was etwas stört ist, dass die Schrift in der Mitte nicht gut zu lesen ist. Wie lange hat es gedauert, bis keiner sich bewegt hat?
Außerdem ist mir der wieder der Kampf "Vater vs. Nacktschnecken" eingefallen. Den letzten "Kampf" hatte mein Vater gewonnen.



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Mi 15. Mai 2024, 16:44

Bei der Fotosession war ich nicht dabei, beim Grafik Design leider auch nicht. Ja, das mit der Leserlichkeit wurde sehr schlecht gemacht. Fand ich auch nicht gut. Das war vor 35 Jahren, als so ein Bild noch eine ganze Festplatte füllte. Riesenaufwand. -- Hier ist die Rückseite. Weiß nicht mehr, wer auf diesem Bild gemodelt hat. Das war keiner von der Band.

Bild




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Mi 15. Mai 2024, 17:20





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Wolfgang Endemann
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Do 16. Mai 2024, 00:06

@ Stefanie
Dann müssen wir über Kitsch reden. Im Falle des Liedtextes könnte man manchmal Kitschnähe wahrnehmen, musikalisch jedoch sehe ich das überhaupt nicht. Ich will ja nichts über den vielen hier eingestellten Kitsch sagen, und jeder hat ein Recht auf seinen Kitsch. Aber wenn ich vergleiche, ist Toni Childs hier und im ganzen Album so gut wie kitschfrei.
"dieses Lied mit dieser Art zu singen, mit dem darunter liegenden Klangteppich". Verstehe ich das richtig, daß Du den Kitsch nicht in dem Klangteppich, in der "harmonischen" Fundierung siehst (Du hast wohl Harmonie und Melodie verwechselt), sondern im melodischen Gesang? Ich habe zwar von Klangteppich gesprochen, aber wenn man aufmerksam hinhört, ist, was da in minimalen Bewegungen geschieht, keineswegs ornamental, das Ausspielen voller Harmonien birgt diese Gefahr, sie wird jedoch nie real, wie auch etwa bei Ives' "unanswered question", das ist süßlich ohne Kitsch, wäre allenfalls ohne die anderen Schichten, hauptsächlich Thema und Solostimme als kitschige Simplifikation zu hören, nicht im Zusammenhang. Ohnehin entrückt die weite Lage der Akkorde den Schmalz, der einer engen Lage anhaftet. Und hier fällt mir auf, daß man bei der Komposition an Charles Ives gedacht haben könnte, auch hier wird die unanswered question gestellt: wie wird das Leben? Es werden nicht einmal Akkorde gespielt, sondern es tauchen unterschiedliche Töne auf, anschwellend und wieder abschwellend, bevorzugt die leere Quinte bildend, aber auch Sexte, Quart und Septime - Kitsch wäre eine 'Terzdominanz, die hier weitgehend ausgespart bleibt. Und dazu die winzigen Nebenstimmchen, die den Klang zusätzlich, auch mikrotonal kolorieren, mäandernd.
Nun aber zum Gesang. Er beginnt mit der leeren Quinte E-H, auch später nirgendwo eine Terzparallele mit einer instrumentalen Stimme, was die Reinform des Kitsches ist. In 0:40 wird dann (E-)H -e-g, dann mit Verzögerung h-a gesungen, wenn wir das h-a umkehren oder das h weglassen, ist das die typische Abstandsverkürzung der Obertonreihe, Quint-Quart-Terz-Sekunde. Der Wechsel der stehenden Einbettungsharmonie E-c könnte auf einen Wechsel in die Subdominante hindeuten, aber Toni singt h-a-g-a, also weiterhin die Leitertöne von e-Moll, bleibt modal, und verharrt, wenn sich die Begleitharmonie rückbesonnen hat auf die Quinte E-H hartnäckig auf dem a, auch dies gibt keinen Raum für kitschige Effekte. Die raffinierte Mehrdeutigkeit von e-e-e-g-a-e-e durch die wechselnde Harmonisierung macht dieses extrem einfache Motiv vollkommen untrivial. Also, wo ist der musikalische Kitsch? Man braucht das nicht mögen, aber Kitsch ist das letzte, was man diesem Stück vorwerfen kann.

Ich finde es nicht gut, von Kitsch zu reden, wenn einem etwas nicht gefällt, Kitsch ist ein Begriff für einen strukturalen Sachverhalt. Zwei der schönsten Kommentare zum musikalischen Kitsch. Der erste stammt von Elvis. Ich bin kein Elvis-Fan, im Gegenteil, Elvis kommt aus einer Zeit, als die Unterhaltungsmusik reiner Kitsch war. Ihm gebührt die Ehre, die Entkitschung der Unterhaltungsmusik mit dem Rock angestoßen zu haben, aber er ging nicht weit genug, wurde schnell von anderen überholt, zB Chuck Berry, der den Rock härtete, den Schmalz verbannte. Der musikalische Verstand von Elvis offenbart sich am ehesten in einem berühmt gewordenen Konzert, in dem er "are you lonesome tonight" singt, ihm der Text nicht mehr einfällt, weil er plötzlich begreift, was für einen Schmalz gesungen wird, das aufgespreizte Vibrato seiner Stimme und den jaulenden Chorgesang, so daß das Lachen aus ihm hervorbricht, er es nicht mehr unterdrücken kann und nicht mehr ins Lied gelangt. Das zweite Beispiel ist die ironische Hommage der furios startenden Band Fugees an Louis Armstrongs "oh what a wonderful world", diesem verzuckerten Positivismus (what the fuck ....) in Nappy Heads (0:27).





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Stefanie
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Do 16. Mai 2024, 08:32

Das Hei, hey etc. muss dann mal was warten.

Ich bin ausschließlich eine Musikhörerin, keine Musikerin oder Musikerschaffende und was Musikproduzieren betrifft- sei es durch singen oder durch ein Musikinstrument, sehr talentlos.

Hiermit:
Er beginnt mit der leeren Quinte E-H, auch später nirgendwo eine Terzparallele mit einer instrumentalen Stimme, was die Reinform des Kitsches ist. In 0:40 wird dann (E-)H -e-g, dann mit Verzögerung h-a gesungen, wenn wir das h-a umkehren oder das h weglassen, ist das die typische Abstandsverkürzung der Obertonreihe, Quint-Quart-Terz-Sekunde. Der Wechsel der stehenden Einbettungsharmonie E-c könnte auf einen Wechsel in die Subdominante hindeuten, aber Toni singt h-a-g-a, also weiterhin die Leitertöne von e-Moll, bleibt modal, und verharrt, wenn sich die Begleitharmonie rückbesonnen hat auf die Quinte E-H hartnäckig auf dem a, auch dies gibt keinen Raum für kitschige Effekte. Die raffinierte Mehrdeutigkeit von e-e-e-g-a-e-e durch die wechselnde Harmonisierung macht dieses extrem einfache Motiv vollkommen untrivial. Also, wo ist der musikalische Kitsch? Man braucht das nicht mögen, aber Kitsch ist das letzte, was man diesem Stück vorwerfen kann.

kann ich dann natürlich überhaupt nichts anfangen. Das ist eine Sprache, die ich nicht verstehe. Ich schreibe in meiner Laiinsprache.

Als kitschig habe ich nicht den Gesang bezeichnet, sondern die Musik auf die gesungen wird. Der Hintergrund, dieser Klangteppich war gemeint, das ist für mich hart am Kitsch. Und wie schon geschrieben, mag ich an diesem speziellen Lied nicht, wie sie singt. Die Idee des Liedes mit dem Text gefällt mir. Aber nicht die Umsetzung. Es gefällt mir einfach nicht.

Toni Childs für willensstarke Musikhörerinnen...

Das habe ich sofort wiedererkannt, mir war nur der Titel entfallen:





Das ist ein Lied und Video, bei dem jede Frau sagen wird, oh was für tollen Frauen, es aber nicht auf sich selber beziehen würde.




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Wolfgang Endemann
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Do 16. Mai 2024, 10:39

Nichts für ungut, Stefanie. Ich hatte den Exkurs ins Theoretische nur unternommen, um der Frage nach dem Kitsch nachzugehen, ich verspreche, es hier nicht mehr zu tun.
Ich gestatte mir noch die Bemerkung, daß "stop your fussin'" tatsächlich sehr easy-going und nahe am Kitsch ist, und "because you're beautiful" eine lebensfreundliche Aufmunterung an die sanftere Hälfte der Menschheit. Und zum Klangteppich noch den Link auf die zurecht bekannteste und beliebsteste Komposition von Charles Ives




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