Zwischen Wissenschaft und Literatur oder Was ist Philosophie? ...2.0!

Philosophie Chat: Hier wird geplaudert über Gott und die Welt.
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Timberlake
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Fr 23. Sep 2022, 02:29

Um Nauplios mit meinen Beiträgen ... in seinem Thread! .. nicht zu erzürnen , habe ich mich entschlossen dazu hier .. meinen eigenen Thread! .. zu eröffnen ..

Nauplios hat geschrieben :
Do 22. Sep 2022, 16:03

Diese "Definitionen" der Philosophie, die im Umlauf sind, werfen alle ein Licht auf die Philosophie, das bestimmte Aspekte zeigt; keine davon ist falsch, aber keine ist vollständig. "Liebe zur Weisheit" - ja ok, das ist die wörtliche Übersetzung, wobei man hier schon wieder unterschiedliche Auffassungen haben kann, was denn das griechische sophia eigentlich bedeutet.

Wie gesagt: Stückwerk, Halbzeug, nichts Genaues ... :) Aber muß uns das bekümmern?

Um dazu und zwar zu diesem Stückwerk .. NOCHMALS ! .. Heidegger, in Form einer Anekdote , aus dem Jahr 1934 , zu Wort kommen zu lassen ...

  • "Wir wollen jetzt noch einige Ergänzungen geben zu dem , was in der vorigen Stunden besprochen wurde , zuvor ist aber noch eine weitere Vorfrage zu erledigen : Verschiedene Hörer sind mit der Bemerkung an mich herangetreten , das Thema unserer Übung läge ihnen zu fern , sie könnten die geplanten Erörterungen ja zu nichts gebrauchen. Das charakterisiert ja meine Seminarübungen ganz vortrefflich. Zur Illustrierung will ich eine kleinen Geschichte erzählen. Ich machte neulich Besuch in einer hiesigen Familie , dem Mädchen , welches mich anmeldete , entfuhr es dabei: Heidegger ! Ist das der , bei dem die Studenten nichts lernen ? Das Mädchen hatte kurz zuvor noch bei einem Chemieprofessor gedient. Dies war die allerbeste Definition für meine Lehrtätigkeit. Sie lernen praktisch hier nichts! Die Frage , ob man Philosophie brauchen kann , ist von vornherein nicht zu entscheiden. Vielleicht merken sie es nach 4 Jahren , wenn sie fertig studiert haben , oder vielleicht erst im 40ten Jahr , dann ist es aber zu spät. Um ein Automobil oder Fahrrad herzustellen , braucht man allerdings keine Philosophie, aber doch Mechanik , d.h. dann aber Physik"
Was mich selbst betrifft , so verdanke ich es Nietzsche und dem Dialektische Materialismus , dass sich für mich die Frage , ob man Philosophie brauchen kann , von vorneherein entschieden hat. Ja .. in dem was Nietzsche zu Papier gebracht hat und dem , was man unter dialektische Materialismus versteht , ist Philosophie zu gebrauchen. Damit ließe sich m. E. tatsächlich "etwas" herstellen.

In der Fortsetzung der Anekdote, führt Heidegger dazu folgendens aus ..
  • Um ein Automobil oder Fahrrad herzustellen , braucht man allerdings keine Philosophie, aber doch Mechanik , d.h. dann aber Physik d.h. wie sie durch Galilei begründet wird. Wir hätten aber keinen Galilei und Newton , wenn es keinen Aristoteles gegeben hätte . Aristoteles philosophiert aber nicht in der Voraussicht , dass man seine Philosophie zum Automobilbau gebrauchen kann . Es handelt sich jetzt nicht um Automobile sondern um den Staat. Der Staat steht nicht an der Wand herum , so dass wir ihn hernehmen und betrachten können , sondern wir wissen ja nicht , was der Staat ist, wir wissen nur , dass so etwas wie der Staat im werden ist . Unser Staat wird in 60 Jahren bestimmt nicht mehr vom Führer getragen, was dann aber wird , steht bei uns . Deshalb müssen wir philosophieren.
Das in 60 Jahren unser Staat nicht mehr vom Führer Adolf Hitler getragen werden wird, ist wohl so ziemlich das Einzige , was daran schlüssig ist. Wenn es denn eine Philosophie gibt , in der steht , was kommen wird , dann steht das nicht bei "UNS" sondern bei Nietzsche ..

  • Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus. Diese Geschichte kann jetzt schon erzählt werden: denn die Notwendigkeit selbst ist hier am Werke. Diese Zukunft redet schon in hundert Zeichen, dieses Schicksal kündigt überall sich an; für diese Musik der Zukunft sind alle Ohren bereits gespitzt. Unsre ganze europäische Kultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt: einem Strom ähnlich, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen.
    Friedrich Nietzsche .. Aus dem Nachlaß der Achtzigerjahre




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Nauplios
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Fr 23. Sep 2022, 05:31

Timberlake hat geschrieben :
Fr 23. Sep 2022, 02:29
Um Nauplios mit meinen Beiträgen ... in seinem Thread! .. nicht zu erzürnen ...
Ein paar Blitze zum Herunterschleudern hatte ich mir auch schon zurechtgelegt. ;)

Nein, die Maßnahme eines 2.0 ist vom Typus Vorsichtiges Allzuvorsichtiges, vielleicht, weil ich Deinen Hinweis auf Heideggers Vorhandenheit in 1.0 noch nicht aufgegriffen habe. Dabei ist dieser Hinweis absolut berechtigt und ergänzt meinen Gedanken, daß in dem Maße wir von einem Gegenstand der Philosophie sprechen, wir vielleicht schon eine Vorentscheidung zugunsten einer diskursiven Sprachform treffen, in welcher wir im Allgemeinen von Gegenständen sprechen. Die Heidegger'sche Vorhandenheit betrifft diesen ontologischen Status solcher Gegenstände.

Ich komme in 1.0 noch auf diesen Punkt zurück, hinke allerdings angesichts eines unerwartet hohen Beitragsaufkommens dort etwas hinterher. Das betrifft sowohl Deinen Beitrag als auch Beiträge von Jörn, Körper und den anderen an der Diskussion Beteiligten. Ich denke, daß ich über's Wochenende das nach- und einholen kann.




Timberlake
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Fr 23. Sep 2022, 15:22

Nauplios hat geschrieben :
Fr 23. Sep 2022, 05:31
Timberlake hat geschrieben :
Fr 23. Sep 2022, 02:29
Um Nauplios mit meinen Beiträgen ... in seinem Thread! .. nicht zu erzürnen ...
Ein paar Blitze zum Herunterschleudern hatte ich mir auch schon zurechtgelegt. ;)
.. und ich hatte mir übrigens , weil vom "erzürnen" die Rede war , dazu folgendes Video zurechtgelegt ...



Weil es in der Überschrift zu deinem bzw. meinen Thread heißt ..

"Zwischen Wissenschaft und Literatur oder Was ist Philosophie?"


. und man dieses Referat zum Zorn durchaus zwischen Wissenschaft und Literatur verorten könnte , was läge da nicht näher , das dort gesagte ebenfalls der Philosophie zu zu ordnen. Als solches ein Beispiel dafür , dass Philosophie durchaus unterhaltend sein kann. ..


  • Wer denkt abstrakt?
    Denken? Abstrakt? – Sauve qui peut! Rette sich, wer kann! So höre ich schon einen vom Feinde erkauften Verräter ausrufen, der diesen Aufsatz dafür ausschreit, daß hier von Metaphysik die Rede sein werde. Denn Metaphysik ist das Wort, wie abstrakt und beinahe auch Denken, ist das Wort, vor dem jeder mehr oder minder wie vor einem mit der Pest Behafteten davonläuft.
    Hegel ..Phänomenologie des Geistes
.. jenseit jenem "abstrakten Denken" , dass einem vor der Philosophie , wie vor jemanden der mit der Pest behaftetet ist , mehr oder minder davon laufen lässt. Das hat übrigens , wie ich finde durchaus zu recht , Schopenhauer zornig gemacht ..
  • Hegelei
    Hegelei ist ein von Arthur Schopenhauer geprägter polemischer Ausdruck für unverständliche, mystifizierende Sprache, die den Eindruck von gedanklicher Tiefe, Komplexität und Wichtigkeit erzeugen soll, tatsächlich aber weitgehend inhaltsleer ist, damit auch wenn dann nur minimalen, meist überhaupt keinen Erkenntnisgewinn ermöglicht und oft sogar im Gegenteil zu gedanklicher und begrifflicher Verwirrung führt. Nach Schopenhauers Auffassung ist die Philosophie Hegels und seiner Nachfolger, der sogenannten Hegelianer, durch ebendiese Eigenschaften gekennzeichnet. Schopenhauer bezeichnete sie auch als „Philosophasterei“ oder „Windbeutelei und Scharlatanerie“. Insbesondere kritisierte er die hegelsche Dialektik. ...Ebenso wurde der Ausdruck von Friedrich Nietzsche,[2] Friedrich Engels (vgl. Dialektische Grundgesetze) und anderen verwendet.

Wie einfach und leicht verständlich ist doch das , was Friedrich Engels mit seinen "Dialektische Grundgesetzen" aus der von Schopenhauer hegelsche Dialektik gemacht hat ...




Timberlake
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Sa 24. Sep 2022, 14:02

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Sep 2022, 12:50
Hogrebe hat auch etwas zu dem Thema des Fadens zu sagen: "Relevante Philosophie sei eine solche genannt, die sich an den Grenzen des Wissens aufhält und dennoch amüsiert."
womit ich einmal und zwar bezüglich des Amüsierens , auf das eigentliche Thema dieses Threads zurück komme. Wenn denn etwas geeignet ist uns der Philosophie näher zu bringen dann unter Umstäden auch eine Literatur die amüsiert . Wie übrigens ... ALLES! ... was amüsiert.

Beispiel
hat geschrieben :
Nauplios hat geschrieben :
Fr 23. Sep 2022, 05:31
Timberlake hat geschrieben :
Fr 23. Sep 2022, 02:29
Um Nauplios mit meinen Beiträgen ... in seinem Thread! .. nicht zu erzürnen ...
Ein paar Blitze zum Herunterschleudern hatte ich mir auch schon zurechtgelegt. ;)
.. und ich hatte mir übrigens , weil vom "erzürnen" die Rede war , dazu folgendes Video zurechtgelegt ...



Weil es in der Überschrift zu deinem bzw. meinen Thread heißt ..


"Zwischen Wissenschaft und Literatur oder Was ist Philosophie?"


. und man dieses Referat zum Zorn durchaus zwischen Wissenschaft und Literatur verorten könnte , was läge da nicht näher , das dort gesagte ebenfalls der Philosophie zu zu ordnen. Als solches ein Beispiel dafür , dass Philosophie durchaus unterhaltend sein kann. ..

Dieses Video amüsiert nicht nur , sondern zeigt uns mit .. ich zitiere ..
  • Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen , wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.
.. eine Parallele zur der Philosophie Kants auf . Einer Philosophie; die sich mit der Aufklärung ausdrücklich auf die menschliche Vernunft bezieht. Das der Zorn diesbezüglich durchaus hilfreich sein kann, taucht bei Kant zumindest meines Wissen nicht auf. Als solches wir nicht nur bloß von einer Parallele , sondern sogar durchaus von einer sinnvollen Ergänzung sprechen können.
Aber auch die Wissenschaft kommt darin nicht zu kurz. Wenn man denn die darin erwähnte Habgier dem zuordnet , was man allegemeinhin als Psychologie bezeichnet. Es sei denn , dass Psychologie keine Wissenschaft ist . Dann sollte man allerdings auch konsquenter weise die Volks- und Betriebswirtschaftslehre als Wissenschaft in Frage stellen. Wissenschaften , die erklären , wie es denn zu solchen Spekulationsblasen kommen kann , wie sie in dem hier vorgestellten Video an Hand der Tulpenmanie beschrieben wurde.
  • Tulpenmanie
    Die Tulpenmanie wird als die erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte angesehen. Sie wird auch metaphorisch zur Charakterisierung anderer, anscheinend irrationaler und riskanter Finanzentwicklungen gebraucht.




Timberlake
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So 25. Sep 2022, 22:50

AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 21:51
Die Natur, wie ich sie verstehe, will nichts vom Menschen, sie beurteilt ihn nicht, sie kann nicht irgendwie moralisch in sein Leben eingreifen.
Irgendwie moralisch kann die Natur sicherlich nicht in unser Leben eingreifen aber ganz sicher über die Naturgesetze . Die sind , wie übrigens Harald Lesch nicht müde wird uns zu versichern , nicht verhandelbar.
AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 21:51
Ich denke, zur Natur betet man auch nicht. Dazu ist sie dann doch zu grob und gefährlich zum Menschen.
Wie man sie übrigens auch nicht durch anbeten milde, im Umgang mit den Menschen stimmen kann.
AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 21:51

Ich stelle einmal eine These in den Raum. Die Natur steht über Gott. Auch über der Kunst, über dem Menschen, ja über allem.


Wenn es ihn denn gäbe und zwar so , wie man sich ihn in der christlichen Religion vorstellt , mit Gott würde das funktionieren. Den könnte man durch inbrünstiges beten milde stimmen.


  • "Nachdem Jesus die Fünftausend gespeist hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. Seine Jünger fuhren mit einem Boot über den See Gennesaret. Als die Nacht hereinbrach, kam ein Sturm auf, und die Wellen schlugen hoch.
    Spät in der Nacht kam Jesus zu seinen Jüngern. Er ging über das Wasser, um zum Boot zu kommen.
    Die Jünger sahen Jesus auf dem Wasser gehen. Sie hatten Angst. Sie dachten, er sei ein Geist. Jesus rief ihnen zu: „Ich bin es; fürchtet euch nicht!“
    Petrus wollte auch auf dem Wasser gehen. Jesus forderte Petrus auf, zu ihm zu kommen. Petrus kletterte aus dem Boot. Er begann, auf dem Wasser auf Jesus zuzugehen.Aber weil der Wind so heftig wehte, bekam Petrus Angst. Er begann unterzugehen und flehte Jesus an, ihn zu retten.
    Der Erlöser fasste Petrus an der Hand. Er fragte Petrus, warum er nicht mehr Glauben habe.
    Als Jesus und Petrus das Boot erreichten, legte sich der Sturm. Alle Jünger fielen vor Jesus nieder. Sie wussten, dass er der Sohn Gottes war"

    Matthäus 14:24-33
.. und wenn es denn zutrifft, was in der Bibel steht , so würde er auch über den Naturgesetzen stehen . Oder halt in einer Position sein , die es ihm ermöglicht mit den Naturgesetzen zu verhandeln. Was die Naturgesetze in diesem Fall , im Gegenzug von Gott bekommen haben, als sie Jesus und seine Jünger ermöglichten über das Wasser zu gehen, ist allerdings in der Bibel nicht überliefert.




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AufDerSonne
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So 25. Sep 2022, 23:24

Timberlake hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 22:50
AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 21:51
Die Natur, wie ich sie verstehe, will nichts vom Menschen, sie beurteilt ihn nicht, sie kann nicht irgendwie moralisch in sein Leben eingreifen.
Irgendwie moralisch kann die Natur sicherlich nicht in unser Leben eingreifen aber ganz sicher über die Naturgesetze . Die sind , wie übrigens Harald Lesch nicht müde wird uns zu versichern , nicht verhandelbar.
Ich komme jetzt einmal von meinem üblichen Standpunkt ab, nämlich vom naturwissenschaftlichen, und versuche mehr philosophisch zu sein.
Dann würde ich sagen zu obigem Satz. Die Natur greift auch nicht über Naturgesetze in unser Leben ein. Also das ist nicht gut formuliert so. Mensch und Natur sind nicht im Krieg. Die Natur greift nicht ein.
Wir, also die Menschen, leben in und mit der Natur. Wir sind Natur. Wie kann etwas in unser Leben eingreifen, das wir selber sind? Verstehst du, was ich meine? Die Naturgesetze sind nicht unser Feind. Sie gehören zum Leben.
Wenn du nicht einverstanden bist, dann musst du schon ein konkretes Beispiel bringen, wann denn so ein Naturgesetz in unser Leben eingreift.
Und auch das Verhandeln gefällt mir nicht. Verhandeln tuen Menschen miteinander. Die Naturgesetze sind nicht verhandelbar. Damit will wohl Lesch zum Ausdruck bringen, dass wir uns ihnen unterwerfen müssen. Wir können sie nicht ändern, müssen sie akzeptieren, wie sie sind. Ja und? Auch hier wieder. Es stört uns doch gar nicht! Wir sind Teil der Natur. Wenn schon müsste man sagen, die Naturgesetze gelten auch für den Menschen. Aber ich meine, das ist ja sowieso klar. Das Problem ist, dass man die Naturgesetze nicht eins zu eins auf das Leben (im Alltag) übertragen kann. Das Leben ist zu kompliziert, nicht berechenbar.



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Timberlake
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Mo 26. Sep 2022, 00:51

AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 23:24
Timberlake hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 22:50
AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 21:51
Die Natur, wie ich sie verstehe, will nichts vom Menschen, sie beurteilt ihn nicht, sie kann nicht irgendwie moralisch in sein Leben eingreifen.
Irgendwie moralisch kann die Natur sicherlich nicht in unser Leben eingreifen aber ganz sicher über die Naturgesetze . Die sind , wie übrigens Harald Lesch nicht müde wird uns zu versichern , nicht verhandelbar.
Ich komme jetzt einmal von meinem üblichen Standpunkt ab, nämlich vom naturwissenschaftlichen, und versuche mehr philosophisch zu sein.
Dann würde ich sagen zu obigem Satz. Die Natur greift auch nicht über Naturgesetze in unser Leben ein. Also das ist nicht gut formuliert so. Mensch und Natur sind nicht im Krieg. Die Natur greift nicht ein.
Wir, also die Menschen, leben in und mit der Natur. Wir sind Natur. Wie kann etwas in unser Leben eingreifen, das wir selber sind? Verstehst du, was ich meine? Die Naturgesetze sind nicht unser Feind. Sie gehören zum Leben.
Wenn du nicht einverstanden bist, dann musst du schon ein konkretes Beispiel bringen, wann denn so ein Naturgesetz in unser Leben eingreift.
Ein konktretes Beispiel wäre das , warauf sich Harald Lesch , bezüglich seiner These , das Naturgesetzte nicht verhandelbar sind , vor allem bezieht und zwar der Treibhauseffekt ..
  • Treibhauseffekt
    Der Treibhauseffekt ist die Wirkung von Treibhausgasen in einer Atmosphäre auf die Temperatur der Planetenoberfläche wie die der Erde. Er bewirkt dort eine Temperaturerhöhung. Der Effekt entsteht dadurch, dass die Atmosphäre weitgehend transparent für die von der Sonne ankommende kurzwellige Strahlung ist, jedoch wenig transparent für die langwellige Infrarotstrahlung, die von der warmen Erdoberfläche und von der erwärmten Luft emittiert wird.
Das dieser Treibhauseffekt in unser Leben eingreift, sollte doch wohl außer Frage stehen .. . oder?
  • Philosophie
    Die Philosophie behandelt zumeist Sachverhalte, die im Alltag zunächst einmal völlig selbstverständlich erscheinen: „Du sollst nicht töten“, „Demokratie ist die beste aller Staatsformen“, „Wahrheit ist, was nachprüfbar stimmt“, „Die Welt ist, was sich im Universum vorfindet“ oder „Die Gedanken sind frei“. Für manche Philosophen ist erst der Augenblick, in dem solche Überzeugungen, in dem das bisher fraglos Hingenommene fragwürdig wird, der Geburtsmoment der Philosophie. Menschen, denen nichts fragwürdig erscheint, werden demnach nie Philosophie betreiben. Auch das kindliche Staunen wird oft als Beginn philosophischen Denkens angeführt.
In dem solche naturgesetzlichen Sachverhalte, im Alltag .. völlig selbstverständlich erscheinen , hat mich deine Frage , nach einem konktreten Beispiel, übrigens auch "staunend" gemacht ;)

Was macht denn deiner Meinung nach , das bisher fraglos hingenommene , an den Naturgesetzten , fragwürdig , dass du vom naturwissenschaftlichen Standpunkt abkommend , versuchst mehr philosophisch zu sein?
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 24. Sep 2022, 12:50
Hogrebe hat auch etwas zu dem Thema des Fadens zu sagen: "Relevante Philosophie sei eine solche genannt, die sich an den Grenzen des Wissens aufhält und dennoch amüsiert."
Könnte es vielleicht sein , dass man sich bei den Naturgesetzten eben nicht an den Grenzen des Wissens aufhält?
AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 23:24
Wir, also die Menschen, leben in und mit der Natur. Wir sind Natur. Wie kann etwas in unser Leben eingreifen, das wir selber sind? Verstehst du, was ich meine?
Mit der Frage .. Wie kann etwas in unser Leben eingreifen, das wir selber sind? .. tust du m. E. genau das , du hälst dich an den Grenzen des Wissens auf! Verstehst du, was ich meine?




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AufDerSonne
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Mo 26. Sep 2022, 08:28

Timberlake hat geschrieben :
Mo 26. Sep 2022, 00:51

Ein konktretes Beispiel wäre das , warauf sich Harald Lesch , bezüglich seiner These , das Naturgesetzte nicht verhandelbar sind , vor allem bezieht und zwar der Treibhauseffekt ..
  • Treibhauseffekt
    Der Treibhauseffekt ist die Wirkung von Treibhausgasen in einer Atmosphäre auf die Temperatur der Planetenoberfläche wie die der Erde. Er bewirkt dort eine Temperaturerhöhung. Der Effekt entsteht dadurch, dass die Atmosphäre weitgehend transparent für die von der Sonne ankommende kurzwellige Strahlung ist, jedoch wenig transparent für die langwellige Infrarotstrahlung, die von der warmen Erdoberfläche und von der erwärmten Luft emittiert wird.
Das dieser Treibhauseffekt in unser Leben eingreift, sollte doch wohl außer Frage stehen .. . oder?
  • Philosophie
    Die Philosophie behandelt zumeist Sachverhalte, die im Alltag zunächst einmal völlig selbstverständlich erscheinen: „Du sollst nicht töten“, „Demokratie ist die beste aller Staatsformen“, „Wahrheit ist, was nachprüfbar stimmt“, „Die Welt ist, was sich im Universum vorfindet“ oder „Die Gedanken sind frei“. Für manche Philosophen ist erst der Augenblick, in dem solche Überzeugungen, in dem das bisher fraglos Hingenommene fragwürdig wird, der Geburtsmoment der Philosophie. Menschen, denen nichts fragwürdig erscheint, werden demnach nie Philosophie betreiben. Auch das kindliche Staunen wird oft als Beginn philosophischen Denkens angeführt.
In dem solche naturgesetzlichen Sachverhalte, im Alltag .. völlig selbstverständlich erscheinen , hat mich deine Frage , nach einem konktreten Beispiel, übrigens auch "staunend" gemacht ;)

Was macht denn deiner Meinung nach , das bisher fraglos hingenommene , an den Naturgesetzten , fragwürdig , dass du vom naturwissenschaftlichen Standpunkt abkommend , versuchst mehr philosophisch zu sein?
Wir denken nicht an das Gleiche. Ich meinte jetzt konkrete Naturgesetze, wie zum Beispiel, Kraft gleich Masse mal Beschleunigung, F=ma. Der Treibhauseffekt ist kein Naturgesetz in diesem Sinne. Aber auch der Treibhauseffekt greift nicht in unser Leben ein, er gehört dazu. (Weil wir zu viel CO2 produzieren/Luftverschmutzung). Ein konkretes Naturgesetz, wie F=ma, gilt einfach, das greift ja nicht ein.

Das bisher fraglos hingenommene ist, dass die Physik exakt ist. Und die Philosophie nicht. Von der Naturwissenschaft her gesehen, kann es etwa Gott gar nicht geben, weil nichts einfach so in die Natur eingreifen kann. Also was ich meine ist. Das Denken in der Physik ist ein ganz anderes als das in der Philosophie. Ich glaube, die sehr exakte Denkweise in der Physik kann man nicht auf die Philosophie übertragen. Das heißt, ich muss in der Philosophie anders denken als in der Physik. Das meinte ich. Ich versuche immer wieder in der Philosophie genauso exakt zu sein, wie in der Physik. Das geht aber nicht.



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Timberlake
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Do 29. Sep 2022, 01:47

AufDerSonne hat geschrieben :
Mo 26. Sep 2022, 08:28


Das bisher fraglos hingenommene ist, dass die Physik exakt ist. Und die Philosophie nicht. Von der Naturwissenschaft her gesehen, kann es etwa Gott gar nicht geben, weil nichts einfach so in die Natur eingreifen kann. Also was ich meine ist. Das Denken in der Physik ist ein ganz anderes als das in der Philosophie. Ich glaube, die sehr exakte Denkweise in der Physik kann man nicht auf die Philosophie übertragen. Das heißt, ich muss in der Philosophie anders denken als in der Physik. Das meinte ich. Ich versuche immer wieder in der Philosophie genauso exakt zu sein, wie in der Physik. Das geht aber nicht.
. und darin unterscheiden wir uns. In der Philosophie kann man sehr wohl so denken , wie in der Physik und wie das geht , habe ich in diesem Beitrag, in dem Thread "Zwischen Wissenschaft und Literatur oder Was ist Philosophie?" .. an Hand Gottlob Freges "drittes Reich" deutlich zu machen versucht.

Mehr noch , in Anbetracht der Folgen des Anthropzäns hat man m.E. die verdammte Pflicht , in der Philosophie so zu denken , wie in der Physik ...
  • Der Mensch, als moralisches Wesen (homo noumenon), kann sich selbst, als physisches Wesen (homo phaenomenon), nicht als bloßes Mittel (Sprachmaschine) brauchen, das an den inneren Zweck (der Gedankenmitteilung) nicht gebunden wäre, sondern ist an die Bedingung der Übereinstimmung mit der Erklärung (declaratio) des ersteren gebunden, und gegen sich selbst zur Wahrhaftigkeit verpflichtet.
    Kant .. Die Pflicht des Menschen gegen sich selbst, bloß als einem moralischen Wesen
Keine Frage .. eine solche "Wahrhaftigkeit gegen sich selbst" , so zu denken , wie die Wahrhaftigkeit in der Physik, ist alles andere, als eine leichte Übung




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Do 29. Sep 2022, 13:45

Timberlake hat geschrieben :
Do 29. Sep 2022, 01:47

. und darin unterscheiden wir uns. In der Philosophie kann man sehr wohl so denken , wie in der Physik und wie das geht , habe ich in diesem Beitrag, in dem Thread "Zwischen Wissenschaft und Literatur oder Was ist Philosophie?" .. an Hand Gottlob Freges "drittes Reich" deutlich zu machen versucht.
Ich würde die Welt nicht in drei Reiche teilen. Ich finde im Moment die Vorstellung interessant, dass es nur die eine Welt gibt, in der wir leben. Das Satz des Pythagoras existiert zweifelsohne unabhängig vom Menschen. Es ist einfach eine Eigenschaft jedes rechtwinkligen Dreiecks. Die Frage, die sich hier stellt ist ja, ob es eine logische Welt unabhängig vom Menschen gäbe. Wir hätten dann neben den Naturgesetzen eine Welt der Logik. Ich glaube da sagen viele Philosophen noch, das sei nicht möglich, die Logik ist im Kopf des Menschen, nicht in der Natur. Vor allem sei sie nicht unabhängig vom Menschen. Aber der Gedanke ist interessant, dass es eine Welt der Logik gibt. Ich glaube fast ja. Nur, ich würde sie nicht abtrennen von der Welt, in der wir leben. Die Naturgesetze, die Welt der Logik, und die menschliche Welt gehören alle zur gleichen Welt. Die Welt, in der wir leben.



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Fr 30. Sep 2022, 00:43

AufDerSonne hat geschrieben :
Do 29. Sep 2022, 13:45
Timberlake hat geschrieben :
Do 29. Sep 2022, 01:47

. und darin unterscheiden wir uns. In der Philosophie kann man sehr wohl so denken , wie in der Physik und wie das geht , habe ich in diesem Beitrag, in dem Thread "Zwischen Wissenschaft und Literatur oder Was ist Philosophie?" .. an Hand Gottlob Freges "drittes Reich" deutlich zu machen versucht.
Ich würde die Welt nicht in drei Reiche teilen. Ich finde im Moment die Vorstellung interessant, dass es nur die eine Welt gibt, in der wir leben. Das Satz des Pythagoras existiert zweifelsohne unabhängig vom Menschen. Es ist einfach eine Eigenschaft jedes rechtwinkligen Dreiecks. Die Frage, die sich hier stellt ist ja, ob es eine logische Welt unabhängig vom Menschen gäbe. Wir hätten dann neben den Naturgesetzen eine Welt der Logik. Ich glaube da sagen viele Philosophen noch, das sei nicht möglich, die Logik ist im Kopf des Menschen, nicht in der Natur. Vor allem sei sie nicht unabhängig vom Menschen. Aber der Gedanke ist interessant, dass es eine Welt der Logik gibt. Ich glaube fast ja. Nur, ich würde sie nicht abtrennen von der Welt, in der wir leben. Die Naturgesetze, die Welt der Logik, und die menschliche Welt gehören alle zur gleichen Welt. Die Welt, in der wir leben.
Wo du schon mal die Eigenschaften jedes rechtwinkligen Dreiecks erwähnt hast , so fand ich schon immer Spinozas "Vorstellung" interessant ..
  • "Hier will ich mich wieder zu jenen wenden, welche die menschlichen Affekte und Handlungen lieber verwünschen oder verlachen, als verstehen wollen. Diesen wird es ohne Zweifel sonderbar vorkommen, daß ich die menschlichen Fehler und Torheiten auf geometrische Weise zu behandeln unternehme und nach einer vernünftigen Methode Dinge entwickeln will, welche sie jahraus, jahrein als vernunftwidrig und als eitel, albern und schrecklich verschreien.

    Mein Grund aber ist folgender: Es geschieht in der Natur nichts, was ihr als Fehler angerechnet werden könnte. Denn die Natur ist immer dieselbe, und ihre Kraft und ihr Vermögen zu wirken ist überall gleich. Das heißt: Die Gesetze und Regeln der Natur, nach welchen alles geschieht und Formen in Formen verwandelt werden, sind überall und immer die gleichen. Daher kann es auch nur Eine Methode geben, nach welcher die Natur aller Dinge, welche es immer seien, erkannt wird, nämlich durch die allgemeinen Gesetze und Regeln der Natur. Es erfolgen darum die Affekte, wie Haß, Zorn, Neid, an sich betrachtet, aus derselben Notwendigkeit und Kraft der Natur wie alles andere. Hiernach haben sie ihre bestimmten Ursachen, durch welche sie erkannt werden, und haben bestimmte Eigenschaften, die unseres Erkennens ebenso würdig sind wie die Eigenschaften eines jeden andern Dinges, an dessen bloßer Betrachtung wir uns erfreuen"
    Spinoza ... Über den Ursprung und die Natur der Affekte

Sein "Grund" , dass in der Natur nichts geschieht , was ihr als Fehler angerechnet werden könnte , also auch nicht solche Affekte , wie Haß, Zorn, Neid .. sollte dir eigentlich bekannt vorkommen ..

AufDerSonne hat geschrieben :
So 25. Sep 2022, 23:24
Ich komme jetzt einmal von meinem üblichen Standpunkt ab, nämlich vom naturwissenschaftlichen, und versuche mehr philosophisch zu sein.
Dann würde ich sagen zu obigem Satz. Die Natur greift auch nicht über Naturgesetze in unser Leben ein. Also das ist nicht gut formuliert so. Mensch und Natur sind nicht im Krieg. Die Natur greift nicht ein.
Wir, also die Menschen, leben in und mit der Natur. Wir sind Natur. Wie kann etwas in unser Leben eingreifen, das wir selber sind? Verstehst du, was ich meine? Die Naturgesetze sind nicht unser Feind. Sie gehören zum Leben.




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