Finde deine Argumentation gut nachvollziehbar. Ich selber sehe meine Haltung aus dem Blog relativ nah am Kompatibilismus, dessen Logik mir einleuchtend erscheint.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 1. Mär 2026, 06:55
In dem Blogbeitrag wird gewissermaßen eine dritte Möglichkeit neben Determinismus und Zufall ins Spiel gebracht: Offenheit. Diese Offenheit soll unsere Freiheit retten.
Aber würde der Determinismus die Freiheit überhaupt bedrohen? Ich selbst vertrete eine Position, die man Kompatibilismus nennt. Den Blogbeitrag wird sie auch erwähnt. Der Philosophie ist sie gewissermaßen – vermutlich in verschiedenen Spielarten – die Standard-Position. Einer Kürze: Selbst wenn bereits alles feststünde, die Zukunft also nicht offen wäre – und selbst wenn jede unserer Handlungen prinzipiell vorhersehbar wäre –, wären wir meines Erachtens freie Wesen.
Wenn ich mich beispielsweise aus Gründen für eine Handlung entscheide, dann ist sie frei – ganz gleich, ob sie jemand vorhersehen konnte oder ob sie determiniert war. Entscheidend ist meines Erachtens nicht die Offenheit des Weltverlaufs, sondern die Weise, in der meine Entscheidung zustande kommt. Liegt eine Zwangslage vor? Werde ich manipuliert? Oder bin ich es selbst, der sich an Gründen orientiert? Ein anderes Wort für Freiheit ist deswegen auch Selbstbestimmung.
In dem Beitrag heißt es: "Die moderne Physik liefert keine einfache Antwort auf die Freiheitsfrage." Das ist meines Erachtens kein Zufall, denn Freiheit gehört gar nicht zum Gegenstandsbereich der Physik. Ob die Gründe für meine Handlungen richtig oder falsch waren, kann man nicht im Teilchen-Beschleuniger in Cern erforschen. Warum mich ein Gedicht von Rilke berührt, kann nicht ein Blick ins Mikroskop zeigen.
Freiheit zählt vielmehr zu den Dingen, die immer schon vorausgesetzt sind, sobald wir Naturwissenschaften wie die Physik ernsthaft betreiben. Denn das Geben und Nehmen von Gründen also Normativität und übrigens auch Ästhetik sind ein unverzichtbarer Teil der wissenschaftlichen Praxis. Diese Praxis ist also selbst eine Praxis der Freiheit.
Streng genommen ist Determinismus schon nach seiner eigenen Definition nur eine "Extremannahme". Denn er besagt sinngemäß: Wenn man alles weiß, ist die Welt vorbestimmt. Nun ist es aber meines Erachtens ausgeschlossen, dass "man alles weiß". Wir können uns da mit unserem technischen Fortschritt annähern, mit immer größerer Wahrscheinlichkeit Ereignisse vorhersagen, aber wir werden niemals alles wissen. Und wenn man nicht alles weiß, ist auch nicht alles vorbestimmt.