Kann man Künstler und Werk trennen?

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Jacob Birken
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Sa 25. Aug 2018, 12:32

Ich denke nicht, dass diese Trennung möglich ist, solange unser Kunstverständnis auf dem Konzept von Autor*innenschaft aufbaut. Dieses Konzept bleibt zwar schwammig, aber so oder so wird es immer ins Ethische driften.

Das könnte an der Vorstellung hängen, dass Autor*innenschaft selbst als Verantwortung zu sehen sei (wenn also eine 'Fälschung' als amoralisch gewertet wird); das ist ja z.B. etwas, worum Bazon Brock im Sinne einer "Autorität durch Autorschaft" viel Aufhebens macht - also einer Verantwortung über das eigene Werk, für das man zur Rechenschaft gezogen werden kann, aber dessen Anspruch auf Wahrheit man dadurch auch bezeugt. Damit würde das Verhältnis der Autor*innenschaft eindeutig zu einer ethischen Kategorie werden, die an die Person der Autor*in gekoppelt ist und daher an deren ethische Integrität insgesamt.

Das könnte ebenso an der Vorstellung von Kunst als einer subjektiven Ausdrucksform liegen; da wäre dann die Frage, welche Charaktereigenschaften warum in diesen Ausdruck einfließen, und warum andere 'herausgerechnet' werden können.

Andersherum gesagt: Eine Trennung von Künstler*in und Werk wäre möglich, wenn tatsächlich - wie das in der Moderne ja als Idee durchaus aufkam - eine rein auf Stilkontinuität und -Wandel ausgerichtete "Kunstgeschichte ohne Namen" praktiziert wird, im Museum dann neben den Werken nur Entstehungsdatum, vielleicht Entstehungsort und Materialangaben stehen, eine Einzelausstellung Stirnrunzeln provozieren und Künstler*innenbiographien auf ähnliches Interesse stoßen würden wie die Bio einer beliebigen Privatperson ...




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Jörn Budesheim
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Sa 25. Aug 2018, 14:25

Susan Sonntag hat geschrieben : Man muss die persönlichen Absichten des Künstlers nicht kennen. Sein Werk sagt alles.
Hallo herzlich willkommen im Forum, Jakob :-)

Dein Beitrag zeigt: Vermutlich müsste man die Fragestellung des Threads präzisieren und fragen, in welcher Hinsicht Künstler und Werk zu trennen sind. Sicher nicht in jeder! Denn insofern die Künstlerin Autorin des Werkes ist, haben wir wohl grundsätzlich sowohl eine “kausale” als auch eine “ethische” Verbindung - also keine Trennung. Eine kausale Verbindung, weil die “Geschichte” des Werkes eben so ist. Und eine “ethische” Verbindung, weil die Autorin verantwortlich für das Werk ist.

Das kann aber meines Erachtens noch nicht die Antwort sein. (Vermute ich) Denn an dieser Stelle fragt sich ja doch, was ein Kunstwerk dann von jeder anderen “gewöhnlichen” Äußerung überhaupt noch unterscheidet, da sie alle die beiden fraglichen “Dimensionen” aufweisen. (der Eigenwerte des Kunstwerkes hat hier zu wenig Gewicht will mir scheinen.)

Man kann die eben genannten Verbindungslinien vielleicht auch umdrehen, um der Ausgangsfrage besser gerecht zu werden. Das “Werk” macht schließlich auch den Künstler. Das Werk ist nicht nur ein Werk, sondern hat wie gesagt Eigenwerte. Mirl Redmann hat in unserer Facebook-Diskussion gesagt, dass das Werk im Grunde so etwas wie “Persönlichkeitsrechte” hat - sicherlich nicht im wortwörtlichen Sinne. (Hab auch die exakte Formulierung nicht bparat.) In diesem Sinne kann man sich fragen, ob es gegenüber dem Werk fair ist, es völlig für die Künstlerin verantwortlich zu machen. (Wenn die Arbeit das Atelier der Künstlerin verlassen hat und die die "Kunstwelt eingetreten" ist, dann gibt es, meines Erachtens eine gewisse Trennung von Künsterlin und Werk.)

Das Werk ist weder verantwortlich für die Ansichten des Künstlerin noch für ihre ethischen Vergehen. Gauguin, Picasso und Chuck Close (nur Männer, wo ich doch die ganze Zeit von Künstlerinnen sprach :-) ) dürften in dieser oder jener Hinsicht Schuften gewesen sein, aber was können ihre Bilder dafür? Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern gesagt, aber meines Erachtens ein möglicher Aspekt. Insbesondere trägt er dem Umstand Rechnung, dass es einen Unterschied geben sollte zwischen “gewöhnlichen” Äußerungen und Kunstwerken. Bei ersteren scheint mir diese Umkehr nämlich nicht sinnvoll zu sein.



“… und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.” (Kürnberger)

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Jörn Budesheim
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Sa 25. Aug 2018, 14:38

Der Punkt mit der Fälschung ist auch interessant. Nimmt man die Kausalgeschichte im Unterschied zu der Verantwortung, würde man dem Falscher ja bloß verwerfen, die Kausalgeschichte fingiert zu haben, dafür ist er verantwortlich, jedoch wird er nicht unbedingt für den Inhalt des Werkes zur Verantwortung gezogen (je nach Art der Fälschung).



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Jörn Budesheim
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Sa 25. Aug 2018, 20:07

Hanno Rauterberg hat geschrieben : Wären hingegen die Urheber und ihre Motive unerheblich, könnten die Museen ebenso gut Fälschungen zeigen und die Verlage auf Ghostwriter setzen, die unter dem Namen bekannter, aber längst verstorbener Autoren neue Bücher schreiben.
Habe ich gerade in dem Buch von Hanno Rauterberg gelesen... Witziger Zufall. Kurz zuvor findet sich dort übrigens auch ein Gedanke, der meinem obigen ähnelt, er spricht davon, dass die Bilder in Geiselhaft genommen werden. Später findet sich bei Rauterberg dieser Absatz: "Werk und Wirkung wurzeln in der Entstehungsgeschichte und die Entstehung bleibt an den Menschen gebunden, der ein Werk hervorbringt. Das heißt jedoch nicht, dass ein Werk an seinen Hervorbringer gekettet wäre. Es kann über seine Zeit hinausweisen, kann sich in der Rezeption verselbständigen. Es kann seinen Urheber vergessen machen, weil die Rezeption selbst ein Akt der Schöpfung zu werden vermag. Diese geläufige Wahrheit ‒ dass sich das Werk im Auge des Betrachters forme ‒ wird allerdings in den neuen Kulturkämpfen oft beiseitegeschoben."



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Stefanie
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So 26. Aug 2018, 21:25

Nur ein paar lose Gedanken.

Wenn ein Kunstwerk so etwas wie ein Persönlichkeitsrecht hat, ist jede Fälschung eine Verletzung des Kunstwerkes. Es ist einzigartig, und eine Fälschung nimmt ihm diese Einzigartigkeit.

Es ist nicht fair, bestimmte Handlungen, ja auch Taten, oder einen negative Charakter des Künstlers dem Werk anzulasten.
Blöderweise kann man sein Wissen nicht so einfach ausschalten.
Kevin Spacey sehe ich jetzt anders, auch in der Rolle, die er spielt.
Seit dem ich weiß, wie die Feuerzangenbowle zustande gekommen ist und Anne Frank ein Photo von ihm an der Wand habe, sehe ich den Film, Heinz Rühmann und unsere Begeisterung für ihn anders.

Bei Picasso ist es irgendwie anders. Sein privates Verhalten tritt zurück hinter das Werk, obwohl viele Bilder gerade deshalb so entstanden sind, wie sie es wurden.

Das Bild von Otto Dix, tryptichon der Krieg wäre ohne den 1. Weltkrieg und seinen Erfahrungen so nicht entstanden.

Imre Kertesz hat es immer kategorisch abgelehnt, sein Buch "Roman eines Schicksallosen" als autobiographische zu bezeichnen. Es ist aber nicht möglich, beim lesen dies auszublenden. Seine Biographie ist bei allem was er schrieb auszublenden ist mir zumindest nicht möglich.

Vielleicht ist es auch so, dass KünstlerInnen automatisch zugeschrieben wird für bestimmte Einstellungen und Werte zu stehen. Gerade bei der bildenden Kunst. Werte wie Freiheit, Toleranz, Humanität setzt man irgendwie voraus.
Denn es sind die diese Werte, die Kunst erst möglich machen.
Vertritt nun ein Künstler eine Position, die gegen diese Werte ist, wird es .... kompliziert.



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Jörn Budesheim
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So 2. Sep 2018, 09:10

Das mit Kevin Spacey und Picasso würde ich ähnlich sehen. Bei Arbeiten, die von der/dem Künstler/in "getrennt" sind, liegen die Dinge anders als bei Arbeiten, bei denen der/die Künstler/in selbst präsent ist und in Erscheinung tritt, also bei Schauspielern, Sängern, Performern o.ä. In diesem Fall fällt es wirklich schwer, Künstler/in und Werk zu trennen.



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Stefanie
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Sa 9. Mär 2019, 17:38

In weiterer Fall.. Michael Jackson.
Nach erneuten Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs spielen einige Radiosender seine Lieder nicht mehr, eine Folge der Simpsons wird nicht mehr gezeigt, und die Bundeskunsthalle zeigt in Kürze die Ausstellung Michael Jacken on the Wall und wird mit Forderungen konfrontiert, diese Ausstellung nicht zu zeigen.
Hier ein Artikel von vielen zu diesem Thema, ein Interview mit dem Leiter der Bundeskunsthalle.

https://www.monopol-magazin.de/michael- ... halle-bonn
Es ist wichtig, Stellung zu beziehen. Aber wir wollen die Kunstwerke nicht antasten, die in den letzten 35 Jahren zu Michael Jackson entstanden sind. Wir wollen sie nicht plötzlich aus dem Verkehr ziehen und tun, als hätte es sie nicht gegeben. Das wäre die falsche Entscheidung.
Die Ausstellung soll doch auf die aktuelle Situation eingehen,

http://www.general-anzeiger-bonn.de/new ... 64184.html



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Fr 22. Mär 2019, 06:20

Hier eine Rezension der Ausstellung der tax > taz.de: Michael-Jackson-Ausstellung in Bonn: Projektion eigener Perversionen.
https://taz.de/Michael-Jackson-Ausstell ... /!5579555/



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Jörn Budesheim
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Fr 22. Mär 2019, 07:41

Ach die tagesschau berichtet darüber > tagesschau.de: Darf man Michael Jackson eine Ausstellung widmen?.
https://www.tagesschau.de/inland/michae ... g-101.html

(Passt übrigens auch gut zum Thema Maske)



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Jörn Budesheim
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Fr 5. Apr 2019, 20:29

Angela Merkel mistet zwei Nolde-Bilder aus - wohl, weil eine neue Ausstellung dessen Nähe zum NS-System zeigt. Der Ersatz im Büro ist allerdings auch nicht unproblematisch.

https://www.sueddeutsche.de/politik/nol ... -1.4396941



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TsukiHana
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So 7. Apr 2019, 14:05

Wenn der "Mythos Nolde" einige Kratzer bekommt, kann ich damit gut leben.
An meiner Begeisterung für das Werk von Karl Schmidt-Rottluff wird sich nichts ändern, auch wenn den Künstler jetzt vielleicht eine ähnliche Debatte ereilen sollte.
Noch bevor all diese Debatten aufkochten, habe ich für mich eine Entscheidung getroffen, Künstler und Werk zu trennen.
Auslöser war Picasso, dessen Werk ich liebe.
Da Picasso hier gerade erwähnt wurde:
Stefanie hat geschrieben :
So 26. Aug 2018, 21:25
Bei Picasso ist es irgendwie anders. Sein privates Verhalten tritt zurück hinter das Werk, obwohl viele Bilder gerade deshalb so entstanden sind, wie sie es wurden.
...greife ich das Beispiel auf.
Bei der großen Picasso-Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen wurde auch das 2-Personen-Theaterstück "Picassos Frauen" gezeigt.
Aus der Beschreibung:
Theaterstück von Brian McAvera, Regie Barbara Geiger

Es geht um Picasso, den begnadeten Künstler. Und es geht um Pablo, den schillernden Menschen. Vor allem aber geht es um seine Frauen - die unerschöpflichen Quellen seiner Inspiration. Barbara Geiger und Dafne-Maria Fiedler verkörpern acht seiner Musen, erzählen über das spannende, aufreibende Dasein neben dem „Erfinder der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts". Sein Charisma und seine Genialität kommen zur Sprache - aber auch seine Grausamkeit. Barbara Geiger und Dafne-Maria Fiedler verwandeln sich vor den Augen des Publikums in die verschiedenen Musen und das Publikum ist mitten im Geschehen. Als aktiver Teilnehmer der fiktiven Pressekonferenz kann es nach der Vorstellung den „Zeitzeuginnen" Fragen stellen.
Sowohl die Ausstellung, wie auch das Theaterstück haben mich begeistert. Die von mir im Text hervorgehobenen 3 Punkte fassen es bestens zusammen. Letzteres besonders, seine Grausamkeit seinen Frauen gegenüber erschütterte mich schon, denn sie passte nicht ganz zu dem Bild, welches ich mir bisher von ihm gemacht habe.
Als ich mich dann - mitten im Theaterstück - bei dem Gedanken erwischte: ...bei mir würde er die Nacht nicht überleben!… wurde mir schlagartig bewusst, dass eine Trennung von Werk und Künstler notwendig ist, sonst verderbe ich mir nachhaltig den Kunstgenuss.



www.picassos-frauen.de



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TsukiHana
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Sa 13. Apr 2019, 14:12

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 5. Apr 2019, 20:29
Angela Merkel mistet zwei Nolde-Bilder aus - wohl, weil eine neue Ausstellung dessen Nähe zum NS-System zeigt. Der Ersatz im Büro ist allerdings auch nicht unproblematisch.

https://www.sueddeutsche.de/politik/nol ... -1.4396941
Eine weitere Meinung zum Thema:
Künstler und Werk, kann man das trennen?

Nein. Die Kunst führt ein Eigenleben, sie hat ein Recht auf Betrachtung um ihrer selbst willen. Aber bei genauerem Hinsehen sind ästhetische und ethische Fragen oft untrennbar miteinander verwoben. Ob es sich nun um die durchsexualisierte Musik Michael Jacksons und die neuen Pädophilie-Vorwürfe gegen den Popstar handelt, um den Antisemitismus des „Meistersinger“-Komponisten Richard Wagner oder um Charakter-Stereotypen, mit denen auch der Expressionismus arbeitete. Wer die Kunst ergründen will, kommt nicht umhin, sich auch der Person dahinter zu nähern, sich mit ihrer Biografie und den historischen Umständen zu befassen.
Quelle: Emil Nolde in Berlin: Der Künstler, der Nazi und das Kanzleramt - https://www.msn.com/de-de/nachrichten/p ... spartanntp

Ich frage mich, wohin diese Debatte dann letztlich führt?
Kann es keinen Kunstgenuss ohne moralische Urteile über die Künstler mehr geben?



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So 14. Apr 2019, 10:03

Das ist doch ein guter ausgewogener Artikel.

Interessant (und teilweise absurd) ist die Facebook-Diskussion, die ich mitbekomme. Da wird vor Schwarzweiß-Malerei gewarnt, man empört sich, dass Nolde nun verfemt werden soll und so ähnlich. Dabei sind im Grunde alle Artikel, die ich darüber bisher gelesen habe, sehr ausgewogen und besonnen. Schwarz-weiß gibt es nur bei diesen Kommentatoren selbst - und fast nur bei denjenigen, die nicht wollen, dass man überhaupt nur nachdenkt. Da wird unheimlich viel behauptet, nichts davon wird belegt und auf Nachfrage reagieren sie einfach nicht ...

Dabei geht es um viel, sehr viel! Denn diese Kunst und die Geschichte darum gehört doch zu unserem Selbstbild!

Diesen Kommentar von Tobias Timm finde ich ganz gut: "Mit einem neuen, durch diese Kenntnisse geschärften Blick sieht man in Berlin auf die bisher langweilig und harmlos anmutenden Blumenbilder, auf all die Dahlien, den Mohn und die Sonnenblumen. Die Bilder gewinnen eine neue, eine böse Ambivalenz. Die Ausstellung ist kein Aufruf zum Bildersturm, zur Verbannung von Noldes-Kunst in den Giftschrank, wie manche voreilige Kritiker nun vermuten. Im Gegenteil: Der bislang in Angela Merkels Büro hoch gesicherte „Brecher“ wird erst hier für ein breites Publikum sichtbar. Schon immer, sagt Bernhard Fulda, wurde mit den Bildern Emil Noldes auch die deutsche Identität verhandelt. Diese Debatte ist jetzt in eine neue Phase getreten. Einfach nur schmücken kann man sich mit Noldes Brecher, Burgen und Blumen allerdings nicht mehr."



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So 14. Apr 2019, 14:11

@ Jörn, Du findest die Debatten auf Facebook interessant?
Mich nervt eher die Art, in der sie geführt werden. Die, die vor Schwarzweiß-Malerei warnen, betreiben an anderer Stelle diese selbst.
Jedoch zeigt es auch, wie wichtig diese Debatte ist, denn wo ein Mythos erhebliche Kratzer und Schrammen bekommt, entsteht Unsicherheit.



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Jörn Budesheim
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So 14. Apr 2019, 14:22

Von den Nolde Debatten auf Facebook konnte ich bisher eher nicht profitieren :) (aber alles in allem habe ich auch schon auf Facebook gute Gespräche gehabt.)

Die diversen Artikeln, die ich gelesen habe, waren größtenteils recht gut.

Wir leben unheimlich vielen Dingen in Umbruchzeiten, da kommt natürlich auch mal die heile Welt der Kunstgeschichte ins Wanken :)



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So 14. Apr 2019, 14:41

Die jetzt entstehende Unsicherheit finde ich sogar sehr gut. Warum sollte dabei nicht auch die "heile Welt" der Kunstgeschichte ins Wanken geraten?
Die Hüter der Kunst-Mythen müssen jetzt ihr Denken doch auch von den geschichtlichen Verkrustungen befreien und sich neu positionieren.



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Sa 1. Jun 2019, 10:28

https://www.monopol-magazin.de/axel-kra ... eschlossen

Nach Protesten von Künstlern

Wegen Nähe zur AfD: Maler Axel Krause von Leipziger Jahresausstellung ausgeschlossen



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Stefanie
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Sa 1. Jun 2019, 18:31

Jetzt sind alle Künstler quasi ausgeladen worden; die Veranstaltung wurde abgesagt.

https://www.mdr.de/kultur/leipziger-jah ... k-100.html



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Sa 1. Jun 2019, 18:46

Das ist traurig, ich war einmal in dieser Ausstellung, das war ganz toll!



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Sa 1. Jun 2019, 19:15

Der Vorstand ist ehrenamtlich tätig, das ist anzuerkennen, gerade bei einer Ausstellung die garantiert sehr viel Arbeit macht, gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Wenn man aber eine Entscheidung trifft, einen Künstler auszuschließen, erstmal egal ob es richtig oder falsch war, steht man zu dieser Entscheidung, stellt sich der Diskussion und tritt dann nicht nach Verkündung sofort vom Amt zurück. Das erweckt den Eindruck, es wird nicht voll und ganz hinter der Entscheidung gestanden.



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