Kaffeestübchen

Philosophie Chat: Hier wird geplaudert über Gott und die Welt.
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Burkart
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So 3. Jul 2022, 21:25

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 08:49
Burkart hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 08:43
Ich unterschätze die Gefühlswelt nicht, ich sage nur, dass KI auch ohne diese auskommen kann, um viel logiisch/praktisch-intelligente Dinge zu lösen.
Indem du behauptest, dass KI auch ohne Gefühle auskommen kann, wenn es darum geht "logisch/praktisch intelligente Dinge lösen zu können", unterschätzt du die Gefühlswelt doch.
Welches logisch-praktische Problem fällt dir z.B. ein, wozu man die Gefühlswelt braucht?



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So 3. Jul 2022, 21:32

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 16:06
Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 13:45
Rechen-Maschinen rechnen nicht, sondern sie sind nur Werkzeuge zum Rechnen. Auch für Zahlen und Rechnungen braucht man sicherlich ein Gefühl.
Vor allem braucht man einen Grund.
Einen Grund zum Rechnen oder auch einen Grund für (andere) logische Operationen...
Dafür können ja gerade Ziele da sein, die eine KI zu erfüllen anstrebt, ob es nun darum geht. gerade von A nach B zu kommen ist oder einen (komplexen) Impfstoff zu entwickeln, beides gerne mit der grundlegenden Intension,dem Menschen zu dienen.
Wir Menschen rechnen ja nicht um des Rechnens wegen. Obwohl: Der reine Spaß am Rechnen ist auch ein Grund. Ein emotional motivierter Grund.
Als Kind habe ich die 2er-Potenzen geliebt auszurechnen, z.B. werde ich 1048576 (2^20) wohl nie vergessen ;)



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So 3. Jul 2022, 21:38

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 13:45
Bild

Rechen-Maschinen rechnen nicht, sondern sie sind nur Werkzeuge zum Rechnen. Auch für Zahlen und Rechnungen braucht man sicherlich ein Gefühl.
VIelleicht mal abgesehen vom Gefühl finde ich Zahlen auch eine interessante Herausforderung für eine KI zu lernen bzw. zu begreifen/verstehen, also was sie sind, und wofür sie da sind, also etwas, was nur die An-Zahl von eine Menge von Dinge repräsentiert und wo dies von Bedeutung ist, um diese Zahl 'gedanklich' zu betrachten.



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Jörn Budesheim
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So 3. Jul 2022, 21:45

Burkart hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 21:25
Welches logisch-praktische Problem fällt dir z.B. ein, wozu man die Gefühlswelt braucht?
Jedes.

Weil wir ohne Gefühle überhaupt keine Motivation haben, irgendwelche Probleme zu lösen.




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So 3. Jul 2022, 22:52

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 21:45
Burkart hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 21:25
Welches logisch-praktische Problem fällt dir z.B. ein, wozu man die Gefühlswelt braucht?
Jedes.

Weil wir ohne Gefühle überhaupt keine Motivation haben, irgendwelche Probleme zu lösen.
Heißt das umgekehrt für dich somit, dass KI gar kein Problem lösen kann, auch kein triviales wie z.B. "Problem/Aufgabe: Gehe zur (einzigen) Lichtquelle. Weg: Schaue dich um und gehe einen Schritt Richtung größter Helligkeit, ggf. bis Ziel erreicht."? Das sollte aber doch machbar sein, oder?



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Wir können KI einsetzen, um unsere Probleme zu lösen und unsere Ziele zu erreichen, aber KI hat keine eigenen Probleme und keine eigenen Ziele, ganz einfach weil sie nicht lebt. Immer, wenn Du unser mentalistisches Vokabular auf KI anwendest, begehst du einen groben Kategorienfehler.




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Burkart hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 22:52
auch kein triviales wie z.B. "Problem/Aufgabe: Gehe zur (einzigen) Lichtquelle. Weg: Schaue dich um und gehe einen Schritt Richtung größter Helligkeit, ggf. bis Ziel erreicht."?
Ich kann nicht erkennen, dass an dieser Aufgabe etwas "triviales" wäre. Es brauchte mehrere Milliarden Jahre Evolution, um so etwas auf der Erde hervorzubringen. Und die grundlegend Zusammenhänge, wie entstand Leben und was hat es mit dem Bewusstsein auf sich, sind bisher nicht geklärt. Das ist alles andere als trivial, das ist hochkomplex.




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Nauplios
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Mo 4. Jul 2022, 19:02

Timberlake hat geschrieben :
Sa 2. Jul 2022, 17:50
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Jul 2022, 17:34
Das Buch habe ich gelesen. (Wenn ich es nicht verwechsle.) Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. Eine Einführung in Luhmann von Luhmann selbst. Wer sich dafür interessiert, sollte auf dieses Buch zurückgreifen.
Klar doch .. das Buch willst du verstanden haben und das was ich hier bzw. auch hier zu Luhmann geschrieben habe , sind für dich böhmische Dörfer.

@Nauplios .. sag doch auch mal was dazu . Schließlich habe ich mich dabei auf diesen Beitrag von dir bezogen
Ich habe ebenfalls Schwierigkeiten, Deine Beiträge zu verstehen und ihre Intention erfassen, Timberlake. Ich lasse es mir allerdings nicht anmerken. ;) Und ich stelle Dich deswegen nicht zur Rede und fordere auch keine Begründungen ein. Ich schaue einfach, was ich damit "anstellen" kann; ich lasse mich davon "inspirieren". Rückfragen ja - Verhöre nein. Diese Praxis hat sich im Allgemeinen für mich bewährt. Sie verschafft mir die Lizenz auf den Anspruch auf Gestaltungsfreiheiten meinerseits - was regelmäßig zum Verdruß anderer führt.

Kurzum, ich komme zurecht, Timberlake.




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Jörg-Uwe Albig; Moralophobia:

"Der Autor deutet das Unbehagen an der Moral als Protest gegen den Zivilisationsprozess: anhand historischer Moral-Rebellen von Götz von Berlichingen über Nietzsche bis Trump erzählt er die tragischen Kämpfe dieser Streiter gegen die Idee von Gut und Böse." (Klappentext)

Das ist ein wichtiger Punkt: das Unbehagen an der Moral ist Ausweis eines "Protestes gegen den Zivilisationsprozess". Die soziologische Anlaufstelle für diesen Prozess ist natürlich Norbert Elias (Über den Prozess der Zivilisation). Auf Seite 22 in Albigs Moralophobia ist denn auch der Anschluß an diese Untersuchung von Norbert Elias zu finden:

"'Die Zivilisation ist noch nicht abgeschlossen', heißt es am Ende von Elias Buch. Und es ist auch kein Gesetz der Geschichte, daß es in ihrem Verlauf immer nur geradeaus geht. Die wachsende Vernetzung, von der Elias spricht, sorgt zwar dafür, daß auch Egoisten die Vorteile von Fairness und Rücksichtnahme irgendwann nicht mehr ignorieren. Aber Netze können auch dünn werden, Löcher kriegen und schließlich reißen."

Es folgt der direkte Umschwung auf Hannah Arendts Begriff der "Atomisierung":

"'Atomisierung' hat Hannah Arendt diese Gefahr mit Blick auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg genannt. Menschen verwandeln sich unter einem solchen Trauma, das die Nervenbahnen der Gesellschaft zerreißt, 'in eine unorganisierte, unstrukturierte Masse verzweifelter und hasserfüllter Individuen'. Die gesellschaftlichen Schichten driften auseinander, und wo Massen arbeitslos sind, braucht man keine Arbeitsteilung mehr (...) In diesem Schockzustand schwindet die zivilisierende Bindungskraft der Moral. In ihrer Orientierungslosigkeit rebellieren die fragmentierten Massen, so Arendt, nicht nur gegen die Eliten, sondern auch gegen die moralischen Imperative, an denen die Elitären womöglich selbst scheitern - die 'Heuchelei der guten Gesellschaft'. Und sie sind bereit, einem Volkstribun zu folgen, der sich, wie Hitler, die Verachtung der 'Gutmeinenden' auf die Fahnen geschrieben hat." (Jörg-Uwe Albig; Moralophobia; S. 22f)

Danach geht es unmittelbar weiter mit dem russischen Überfall auf die Ukraine. - Daß es ohne Adolf Hitler in diesem Buch nicht abgehen würde, überrascht mich nicht, nur daß er bereits nach wenigen Seiten auftaucht. ;)

Die "hasserfüllten Individuen", von denen Hannah Arendt spricht, welche Hitler möglich machten, sind die historischen Präfigurationen der Wutbürger von heute, die ihren Hass gegen die Moral u.a. in den sozialen Netzwerken verbreiten. -

Jetzt wissen wir's ganz genau. ;)




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Jörn Budesheim
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Mo 4. Jul 2022, 21:54

Nauplios hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 19:02
Timberlake hat geschrieben :
Sa 2. Jul 2022, 17:50
Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 2. Jul 2022, 17:34
Das Buch habe ich gelesen. (Wenn ich es nicht verwechsle.) Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. Eine Einführung in Luhmann von Luhmann selbst. Wer sich dafür interessiert, sollte auf dieses Buch zurückgreifen.
Klar doch .. das Buch willst du verstanden haben und das was ich hier bzw. auch hier zu Luhmann geschrieben habe , sind für dich böhmische Dörfer.

@Nauplios .. sag doch auch mal was dazu . Schließlich habe ich mich dabei auf diesen Beitrag von dir bezogen
Ich habe ebenfalls Schwierigkeiten, Deine Beiträge zu verstehen und ihre Intention erfassen, Timberlake. Ich lasse es mir allerdings nicht anmerken. ;) Und ich stelle Dich deswegen nicht zur Rede und fordere auch keine Begründungen ein. Ich schaue einfach, was ich damit "anstellen" kann; ich lasse mich davon "inspirieren". Rückfragen ja - Verhöre nein. Diese Praxis hat sich im Allgemeinen für mich bewährt. Sie verschafft mir die Lizenz auf den Anspruch auf Gestaltungsfreiheiten meinerseits - was regelmäßig zum Verdruß anderer führt.

Kurzum, ich komme zurecht, Timberlake.
Du brauchst dein Licht doch nicht unter den Scheffel zu stellen.




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Mo 4. Jul 2022, 23:05

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 07:39
Burkart hat geschrieben :
So 3. Jul 2022, 22:52
auch kein triviales wie z.B. "Problem/Aufgabe: Gehe zur (einzigen) Lichtquelle. Weg: Schaue dich um und gehe einen Schritt Richtung größter Helligkeit, ggf. bis Ziel erreicht."?
Ich kann nicht erkennen, dass an dieser Aufgabe etwas "triviales" wäre. Es brauchte mehrere Milliarden Jahre Evolution, um so etwas auf der Erde hervorzubringen. Und die grundlegend Zusammenhänge, wie entstand Leben und was hat es mit dem Bewusstsein auf sich, sind bisher nicht geklärt. Das ist alles andere als trivial, das ist hochkomplex.
Was du beschreibst, ist diie Entwicklung von Leben, nicht aber die technische bzw. algorithmische Lösung meiner genannten Aufgabe. Ich möchte ja keine KI evolutionär "züchten", sondern gebe ihr grundlegende Fähigkeiten mit wie Sinne (hier für die Helligkeit) und Zielorientierung, kürze somit die Milliarden von Jahren ab.



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Nauplios
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Mo 4. Jul 2022, 23:10

Eine Quelle möglicher Mißverständnisse liegt auch darin, daß Begriffe oft durch philosophische Traditionen formatiert sind, die außerhalb dieser Traditionen in der Alltagssprache auch in Gebrauch sind. Auf die "Selbstbehauptung" hatte ich schon hingewiesen, ein unscheinbarer Begriff aus der Nachbarschaft von "Selbstbestimmung", "Selbstverwirklichung", "Selbstbewußtsein" u.ä. - Bei Albig steht der Begriff für ein trotziges Aufstampfen der "Zurückgelassenen" gegen Zivilisation und Fortschritt, die als Zumutungen empfunden werden, gegen die sich das Selbst behaupten muß. - Bei Blumenberg steht hinter dem Prozess der Selbstbehauptung der Schwellenübergang vom Mittelalter zur Neuzeit, in der sich der Mensch in einer Welt zu behaupten hat, die ihm die Geborgenheit eines fürsorgenden Gottes, der ihn in eine Schöpfung "eingesetzt" hat, verwehrt. Hinter dem Sternenzelt ist nicht länger der Himmel, sondern Pascal schaudert es vor den unendlichen Weiten des Weltalls. In dieser neuzeitlichen Welt ist der Mensch darauf angewiesen, sich gegen den Sinnverlust zu behaupten. Zu einem Instrument dieser Selbstbehauptung wird die neuzeitliche Wissenschaft, die Vernunft ... und später auch die Technik. Die Technik ist der Inbegriff der actio per distans, man könnte sagen: der verlängerte Arm des Menschen. Diese Selbstbehauptung ist notwendig und legitim und wird von Blumenberg gegen die Skeptiker der Neuzeit gewendet, die zum Beispiel wie Heidegger die Technik als Symptom von Seinsvergessenheit ablehnen. Während Heidegger die Elektrifizierung seiner Hütte in Todtnauberg ablehnte, schafften die Blumenbergs in ihrem Haushalt eine technische Erfindung nach der anderen an.

Die Legitimität der Neuzeit mit ihrem Zentralbegriff der Selbstbehauptung ist im Grunde ein Plädoyer für Wissenschaft, Technik, Zivilisation ... für all das, wogegen der Albig'sche Wutbürger anrennt.

So wird aus Blumenberg und seinen Lesern eine Schar von Wutbürgern, die sich gegen den Zivilisationsprozess aufbäumen und "Selbstbehauptung" betreiben, weil sich die Welt dreht und sie damit nicht mehr zurechtkommen. Mit der Inbeschlagnahme der Selbstbehauptung durch Albig und dem historischen Phrasierungsbogen von Hannah Arendts "hasserfüllten Individuen" der Weimarer Republik zu den Wutbürger von heute, wird der "Halbjude" Blumenberg damit nachträglich zum Wegbereiter Adolf Hitlers.




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Burkart
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Di 5. Jul 2022, 00:36

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 06:39
Wir können KI einsetzen, um unsere Probleme zu lösen und unsere Ziele zu erreichen, aber KI hat keine eigenen Probleme und keine eigenen Ziele, ganz einfach weil sie nicht lebt.
Du legst einfach fest, was als "eigenes" zu gelten hat (nur Leben), das ist mir zu unflexibel bzw. unproduktiv gedacht.
Klar, die Grundlagen der KI legen wir fest, aber im Laufe der KI-Existenz kann sie daraus eigene (von mir aus "Unter-" bzw. abgeleitete) Ziele entwickeln aufgrund vom Gelernten u.ä.
Dass KI (maschinell) lernen kann, ist ja nichts Neues; dies ist "nur" auszubauen auf ein allgemeineres Lernen für eine umfassendere KI-Existenz.
Immer, wenn Du unser mentalistisches Vokabular auf KI anwendest, begehst du einen groben Kategorienfehler.
Nein, ich übertrage die Begriffe nur im Sinne der Kybernetik u.ä.; ein Fehler wäre es, wenn man sich gedanklich nur an das Leben klammert.



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Di 5. Jul 2022, 01:23

Burkart hat geschrieben :
Di 5. Jul 2022, 00:36
Klar, die Grundlagen der KI legen wir fest, aber im Laufe der KI-Existenz kann sie daraus eigene (von mir aus "Unter-" bzw. abgeleitete) Ziele entwickeln aufgrund vom Gelernten u.ä.
Woher hat sie die Fähigkeit und den Antrieb zu "lernen"? Doch nicht "eigen" (aus sich heraus) sondern von uns.
Die KI "entwickelt" nichts von selbst. Wo soll dieses "von selbst" herkommen?
Hast Du schon mal erlebt, dass ein Computer auf einmal anfing "von selbst" Dinge zu tun? Wenn er das täte, wäre er defekt.

Wir Menschen haben Antriebe und Motivationen . Und die gibt uns keiner (die programmiert uns keiner ein - nein, Gene sind nicht von irgendwem zu einem Zweck programmiert worden), sondern die haben wir einfach.
Weil wir leben. Das ist einfach der Unterschied. Das ist keine willkürliche Festlegung, sondern schlicht der zentrale, entscheidende Unterschied zwischen belebter und unbelebter Materie.

Das ist in der Philosophie ein großes Thema, nämlich die Frage was wir mit dieser Freiheit (zu keinem Zweck zu existieren) anfangen sollen. Wir können Niemanden fragen was unsere Bestimmung ist. Die müssen wir uns selbst suchen. Deine KI hat ihre Bestimmung durch uns. Sie ist ein Werkzeug. Dazu wurde sie geschaffen. Es gibt in Bezug auf den Zweck ihrer Existenz keine offenen Fragen.

Dieser Unterschied wird übrigens in den letzten Filmen der "Alien"-Reihe (Prometheus und Covenant) auf Interessante Weise thematisiert. Während die Existenz der dort vorkommenden Androiden zweckgebunden ist (sie wurden von den Menschen geschaffen um zu dienen) sind die Menschen auf der Suche nach einer Antwort auf die für sie so wichtigen Fragen: Wo kommen wir her? Und warum sind wir hier?
Die Idee eines Schöpfers basiert u.a. auf diesen Fragen.
Zuletzt geändert von NaWennDuMeinst am Di 5. Jul 2022, 01:55, insgesamt 2-mal geändert.



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.
(William Butler Yeats)

Timberlake
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Di 5. Jul 2022, 01:53

Nauplios hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 19:02


Ich habe ebenfalls Schwierigkeiten, Deine Beiträge zu verstehen und ihre Intention erfassen, Timberlake. Ich lasse es mir allerdings nicht anmerken. ;) Und ich stelle Dich deswegen nicht zur Rede und fordere auch keine Begründungen ein. Ich schaue einfach, was ich damit "anstellen" kann; ich lasse mich davon "inspirieren". Rückfragen ja - Verhöre nein. Diese Praxis hat sich im Allgemeinen für mich bewährt. Sie verschafft mir die Lizenz auf den Anspruch auf Gestaltungsfreiheiten meinerseits - was regelmäßig zum Verdruß anderer führt.

Kurzum, ich komme zurecht, Timberlake.
Nur mal .. als Rückfrage ja ! .. zur Erinnerung ..
Timberlake hat geschrieben :
Sa 2. Jul 2022, 17:13
  • Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen
    An dem reinen Sein aber, welches das Wesen dieser Gewißheit ausmacht und welches sie als ihre Wahrheit aussagt, spielt, wenn wir zusehen, noch vieles andere beiher. Eine wirkliche sinnliche Gewißheit ist nicht nur diese reine Unmittelbarkeit, sondern ein Beispiel derselben. Unter den unzähligen dabei vorkommenden Unterschieden finden wir allenthalben die Hauptverschiedenheit, daß nämlich in ihr sogleich aus dem reinen Sein die beiden schon genannten Diesen, ein Dieser als Ich und ein Dieses als Gegenstand, herausfallen. Reflektieren wir über diesen Unterschied, so ergibt sich, daß weder das eine noch das andere nur unmittelbar, in der sinnlichen Gewißheit ist, sondern zugleich als vermittelt; Ich habe die Gewißheit durch ein Anderes, nämlich die Sache; und diese ist ebenso in der Gewißheit durch ein Anderes, nämlich durch Ich.
    Hegel .. Phänomenologie des Geistes
,.. das ist unverständlich ! Ich denke mal daran wird sich selbst Nauplios die Zähne ausbeißen :lol:
.. würdest du denn sagen , dass ich mit meinen Beiträgen in puncto Verständlichkeit und Intention in der gleichen Liga spiele wie Hegel?

Nur mal zum Vergleich ..

Timberlake hat geschrieben :
Sa 2. Jul 2022, 00:55
NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Fr 1. Jul 2022, 23:25
Nauplios hat geschrieben :
Fr 1. Jul 2022, 14:44
Es geht um die Funktionsweise der Moral...
Welche Funktionsweise würdest Du oder würde Luhmann denn bevorzugen?
  • symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien
    Die moderne, funktional differenzierte Gesellschaft ist laut Luhmann besonders stark durch die fünf symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien Macht, Geld, Liebe, Wahrheit und Kunst geprägt.


In dem für Luhmann .. die moderne, funktional differenzierte Gesellschaft besonders stark durch die fünf symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien Macht, Geld, Liebe, Wahrheit und Kunst geprägt ist , so dürfte sich für Luhmann die Funktionsweise der Moral eben daraus ableiten. Habe ich Macht, habe ich Geld , werde ich geliebt , verfüge ich über die Wahrheit und die Kunst , so sollte die Moral eigentlich funktionieren.
Was bitteschön ist denn daran so schwer zu verstehen? Wohlgemerkt im Vergleich , zu dem von mir zitierten Text von Hegel.
  • " Wenn Schopenhauer und Fries in der Beurteilung Hegels nicht ausreichen, dann kann ich noch Karl Popper zitieren, der in "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" den Leser davor warnt Hegels schwulstiges und mystifizierendes Kauderwelsch ernst zu nehmen. In seinem Buch zerlegt er Hegels Denken. Und Hegels Sprache, an einer Stelle schreibt er: Es erhebt sich die Frage, ob sich Hegel, durch seinen eigenen Jargon hypnotisiert, selbst hinters Licht geführt hat, oder ob er unverfroren genug war, andere zu verhexen oder hinters Licht zu führen. Ich bin überzeugt, dass letzteres zutrifft.
    Jay silvae
Handelt es sich dabei etwa auch um schwulstiges und mystifizierendes Kauderwelsch , vor dem als solches zu warnen ist. Gleichwohl unverfroren bin ich auch , nur will ich im Verlauf dessen nicht hinters Licht, sondern ins Licht führen.
Um dazu auf das o.g. Zitat zurück zu kommen. Wer würde denn "unter LIcht betrachtet" ernsthaft bezweifeln wollen , dass die fünf symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien von Luhmann, als da wären Macht , Geld, Liebe, Wahrheit und Kunst sich auch auf die Moral auswirken? Diese Kommunikationsmedien heißen ja nicht umsonst so. Nochmal .. was bitteschön ist daran so schwer zu verstehen. Für jemanden , der sich .. so Popper .. von Hegels Kauderwelsch hat " hinters Licht zu führen lassen " , sollte dergleichen doch wohl eines der leichtesten Übungen sein .. oder? ;)
Zuletzt geändert von Timberlake am Di 5. Jul 2022, 02:31, insgesamt 1-mal geändert.




Timberlake
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Di 5. Jul 2022, 02:24

Nauplios hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 23:10
Bei Blumenberg steht hinter dem Prozess der Selbstbehauptung der Schwellenübergang vom Mittelalter zur Neuzeit, in der sich der Mensch in einer Welt zu behaupten hat, die ihm die Geborgenheit eines fürsorgenden Gottes, der ihn in eine Schöpfung "eingesetzt" hat, verwehrt. Hinter dem Sternenzelt ist nicht länger der Himmel, sondern Pascal schaudert es vor den unendlichen Weiten des Weltalls. In dieser neuzeitlichen Welt ist der Mensch darauf angewiesen, sich gegen den Sinnverlust zu behaupten.

und nun rate mal , an was ich als Nietzscheaner , beim Lesen dieser Zeilen denken musste ..
  • . »Wohin ist Gott?« rief er, ( der tolle Mensch) »ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet – ihr und ich! ..Es gab nie eine größere Tat – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war! ... »Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?«
    Friedrich Nietzsche .. Die fröhliche Wissenschaft
Klar doch , dass wenn Gott getötet wurde , damit zugleich dessen Geborgenheit und Fürsorge abhanden gekommen ist. Nun mehr, in der Neuzeit , hat der Mensch deshalb selbst dafür sorgen. Nur leider scheint insbesondere die Neuzeit von dem geleitet zu sein , was die Alten faule Vernunft nannten ..

  • "Zu allen Zeiten hat die Menschen ein Trugschluss beunruhigt, welchen die Alten die faule Vernunft nannten, weil er dahin führt, nichts zu thun oder wenigstens sich um nichts zu kümmern und nur seinen Neigungen zum unmittelbaren Genusse zu folgen"
    Leibniz ..Die Theodicee
Nauplios hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 23:10
. Auf die "Selbstbehauptung" hatte ich schon hingewiesen, ein unscheinbarer Begriff aus der Nachbarschaft von "Selbstbestimmung", "Selbstverwirklichung", "Selbstbewußtsein" u.ä. - Bei Albig steht der Begriff für ein trotziges Aufstampfen der "Zurückgelassenen" gegen Zivilisation und Fortschritt, die als Zumutungen empfunden werden, gegen die sich das Selbst behaupten muß.
ich denke mal , dass das Selbst sich vorallem gegen diese faule Vernunft behaupten muss. Auch auf die Gefahr hin , dass man daraufhin zu diesen "Zurückgelassenen" zählt. Zurückgelassen von denjenigen , die sich .. so Leibniz bzw. die Alten .. um nichts kümmern und nur ihren Neigungen und unmittelbaren Genüsse folgen.




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NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Di 5. Jul 2022, 01:23
Das ist einfach der Unterschied. Das ist keine willkürliche Festlegung...
Dafür wurden bisher auch schon viele starke Argumente vorgetragen, ohne das Gegenargumente vorgetragen wurden. ("Das ist mir zu unflexibel")




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Burkart hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 23:05
Was du beschreibst, ist diie Entwicklung von Leben, nicht aber die technische bzw. algorithmische Lösung meiner genannten Aufgabe.
Was ich deutlich machen wollte, ist die Komplexität der fraglichen Fähigkeiten, sie sind keineswegs trivial. Die meisten Dinge, die wir selbst "einfach so" können, kommen uns nur deshalb so einfach vor, weil sie uns selbstverständlich erscheinen, ihre wirkliche Komplexität ist uns dadurch oftmals verborgen. Wenn man sich dazu vorstellt, dass sie das Ergebnis einer Entwicklung von mehreren Milliarden Jahren ist, kann man sich davon ein Bild machen. Hinzu kommen noch zig Tausend Jahre Geistesgeschichte, die in uns eingeschrieben werden.




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Burkart hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 23:05
Ich möchte ja keine KI evolutionär "züchten", sondern gebe ihr grundlegende Fähigkeiten mit wie Sinne (hier für die Helligkeit) und Zielorientierung, kürze somit die Milliarden von Jahren ab.
Ich finde, das ist an Naivität nur noch schwer zu überbieten. Niemand weiß letztlich, wie unsere Sinne funktionieren, da wir immer noch nicht wissen, was Bewusstsein eigentlich genau ist, was sein sogenanntes neuronales Korrelat zum Beispiel ist. Man weiß nicht einmal, wie viel Sinne wir überhaupt haben ... Aber Du möchtest mal so eben ein paar Milliarden Jahre abkürzen.




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Jörn Budesheim hat geschrieben :
Di 5. Jul 2022, 18:32
Burkart hat geschrieben :
Mo 4. Jul 2022, 23:05
Ich möchte ja keine KI evolutionär "züchten", sondern gebe ihr grundlegende Fähigkeiten mit wie Sinne (hier für die Helligkeit) und Zielorientierung, kürze somit die Milliarden von Jahren ab.
Ich finde, das ist an Naivität nur noch schwer zu überbieten.
Wäre es dir lieber gewesen, ich hätte "Sinne" in Anführungszeichen geschrieben? Ok, von mir aus; natürlich geht es um Kameras o.ä. im Sinne von Roboter"augen".
Niemand weiß letztlich, wie unsere Sinne funktionieren, da wir immer noch nicht wissen, was Bewusstsein eigentlich genau ist,
Wie eine Kamera funktioniert ist aber hinreichend bekannt, oder? Auch vielleicht in Verbindung mit Bildverarbeitung?
was sein sogenanntes neuronales Korrelat zum Beispiel ist. Man weiß nicht einmal, wie viel Sinne wir überhaupt haben ...
Schön, dass es darum nur gar nicht geht, wenn ein Roboter nur eine Helligkeit erkennen können soll.
Aber Du möchtest mal so eben ein paar Milliarden Jahre abkürzen.
Ich setze doch einfach auf bestehender Technik auf, that's all.



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