Kaffeestübchen

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Consul
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Sa 28. Mär 2026, 21:48

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Mär 2026, 08:21
Leni Riefenstahl ist eigentlich ein gutes Beispiel. Förderung bitte nur noch für Kunst, die die Herrschenden unterstützt bzw. in ihrem Auftrag handelt. Und ansonsten gilt: Kunst wird routinemäßig vom Verfassungsschutz überprüft. Denn wer Bücher schreibt oder vertreibt, ist generell verdächtig.
Ich schließe mich der Pressemitteilung an: Der Verfassungsschutz ist kein geeignetes Mittel der Kunstförderung. Entscheidend ist die Unabhängigkeit der Jurys – damit sichergestellt ist, dass die staatliche Kulturverwaltung keinen inhaltlichen Einfluss auf konkrete Projekte oder Förderentscheidungen nimmt.
Wie gesagt: "Der Zweck des Verfassungsschutzes als Instrument der wehrhaften Demokratie ist die Abwehr politischer Extremismen." (Consul)
Sein Zweck ist nicht die Unterdrückung politisch unliebsamer Kritik.
Das eigentliche Thema ist doch Folgendes, und es geht dabei nur um (steurfinanzierte) staatliche Auszeichnungen und Förderungen:
Consul hat geschrieben :
Fr 27. Mär 2026, 22:46
Was ist mit in rein künstlerischer oder ästhetischer Hinsicht guter oder gar großer Kunst, worin sich aber politischer Extremismus manifestiert, oder mit guten oder gar großen Künstlern, die politische Extremisten sind oder zumindest mit solchen sympathisieren oder sich mit ihnen solidarisieren?
Sollen solche Umstände von den Jurys bei deren Auszeichnungs- und Förderungsentscheidungen einfach ignoriert und toleriert werden?
Sollen sich die Jurys erst gar nicht die Frage stellen, ob die Kandidaten die freiheitlich-demokratische Grundordnung achten oder nicht, sondern ausschließlich den rein künstlerischen Wert in Betracht ziehen?
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Mär 2026, 08:21
Ich ergänze: Und damit auch Projekte, die den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin im Rahmen der Meinungsfreiheit scharf kritisieren, weiter gefördert werden – sofern eine unabhängige Jury ihre Förderwürdigkeit feststellt.
Weimers Angriff auf die Unabhängigkeit der Jury ist der eigentliche Skandal. Denn diese Unabhängigkeit ist ein zentrales demokratisches Prinzip.
Die für den Deutschen Buchhandlungspreis zuständige Jury hat im Fall der drei nachträglich ausgeschlossenen Buchhandlungen entweder übersehen oder wissentlich hingenommen, dass deren Betreiber…
Consul hat geschrieben :
So 22. Mär 2026, 19:33
auch den extremistischen Teil des linken Spektrums als politisches Familienmitglied akzeptieren und sich keineswegs (oder bloß scheinbar) davon distanzieren. Sie kämpfen nicht nur für die Freiheit linker Kultur im Allgemeinen, sondern insbesondere auch für die Freiheit linksextremer Kultur!
Wer Links zu Organisationen wie der Roten Hilfe oder zu militanten Antifa-Gruppen auf seiner Website platziert, der kann nicht glaubhaft behaupten, er hätte mit dem linksextremen Milieu nichts zu tun.
Wenn dieser politische Umstand für die Jurys hinsichtlich der Frage der Förderwürdigkeit bedeutungslos sein soll, dann muss er konsequenterweise auch in Fällen von Buchhandlungen (oder Verlagen) bedeutungslos sein, die Teil der rechtsextremen Szene sind, deren Betreiber damit sympathisieren oder sich damit solidarisieren. – Bist du damit einverstanden?

Ei der Daus, siehe da: Wie ich erst jetzt erfahren habe, sind tatsächlich auch schon Szene-Buchhandlungen der (neofaschistischen) Neuen Rechten mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden:
"Das BuchHaus Loschwitz gewann 2015 und 2016 den Deutschen Buchhandlungspreis in der Kategorie Besonders herausragende Buchhandlungen."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Dagen
"Auf YouTube hat die Neue Rechte sogar eine eigene Literatursendung. Der Titel: "Aufgeblättert. Zugeschlagen - Neue Rechte lesen." In dem Format sitzen drei Personen bei einem Glas Wein vor einer Bücherwand und plaudern nett über Lyrik und Prosa wie zum Beispiel über die zeitgenössischen Bücher von Lutz Seiler oder Iris Wolff. Die Gesichter des Lesezirkels: Ellen Kositza und Susanne Dagen.
Ellen Kositza betreibt mit ihrem Mann, dem Rechtsextremisten Götz Kubitschek, den Verlag Antaios. Susanne Dagen ist Buchhändlerin, ihr gehört das BuchHaus Loschwitz in Dresden und sie ist Teil der Dresdner AfD-Fraktion. Thorsten Hoffmann schreibt ihr eine Scharnierfunktion zwischen der "Neuen Rechten" und Literatur zu.
"Durch ihr Buchhaus Loschwitz, was auch als Veranstaltungsort dient, konnte Dagen gute Verbindungen in den Literaturbetrieb aufbauen. Auch zu Schriftstellern und Schriftstellerinnen in den neuen Bundesländern." Damit habe sie für die Neue Rechte eine enorme Bedeutung, erklärt Hoffmann. "Weil diese Verbindungen jetzt massiv genutzt werden, um Leute für diese Agenda, die bei Susanne Dagen mittlerweile eindeutig neurechts ist, zu gewinnen.""

Quelle: https://www.tagesschau.de/kultur/neue-r ... t-100.html



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Consul
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Sa 28. Mär 2026, 21:56

Consul hat geschrieben :
Sa 28. Mär 2026, 21:48
Ei der Daus, siehe da: Wie ich erst jetzt erfahren habe, sind tatsächlich auch schon Szene-Buchhandlungen der (neofaschistischen) Neuen Rechten mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden:
"Das BuchHaus Loschwitz gewann 2015 und 2016 den Deutschen Buchhandlungspreis in der Kategorie Besonders herausragende Buchhandlungen."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Dagen
Hm…, ich weiß allerdings nicht, ob diese Buchhandlung und ihre Betreiberin bereits 2015 Teil des Milieus der Neuen Rechten gewesen sind.



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Dynamis
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So 29. Mär 2026, 12:06

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Sa 28. Mär 2026, 18:30
Dynamis hat geschrieben :
Sa 28. Mär 2026, 17:37
demokratieidealistischen Standpunkt
Ich vertrete keinen solchen Standpunkt.
Aus meiner Sicht deutet zumindest die Verwendung von Begriffen wie "Würde" im Zusammenhang mit Aussagen wie "Merz ist kein würdiger Bundeskanzler" auf einen idealistischen Standpunkt hin. Man kann den Populismus von Leuten wie Merz und Trump demokratietheoretisch auch so analysieren: In einer Demokratie geht es in erster Linie darum breite und stabile Mehrheiten einzuwerben, um in der Regierung Projekte durchsetzen zu können. Bei Trump und Merz werden Probleme konstruiert (Probleme verursachende Migration) und ein durchsetzungsstarker Staat als Lösung dieses Problems dargestellt. Die Leute können mit diesem Problemlösungsangebot etwas anfangen, denn, wenn die Migration an den Problemen schuld ist, dann sind erstens nicht die Ausländer schuld (man entlastet also sein Gewissen und fühlt sich nicht mehr so rassistisch, indem man fein säuberlich zwischen "Migration" und "Ausländer" unterscheidet und nur gegen "illegale" oder "unkontrollierte" Migration etwas hat, aber nicht gegen Ausländer) und zweitens sind sie nicht selbst schuld (wenn Kriminalität ein von Migration verursachtes Problem ist, ist es nicht von toxischer Männlichkeit mitverursacht). Dadurch, dass die Regierung Probleme ("Stadtbild") behauptet und sich selbst als Lösung anbietet, generiert sie zwar nicht bei allen, aber bei genug Menschen Zustimmung, um sich demokratisch legitimiert zu fühlen. Was Leute wie Merz und Trump machen, wenn sie gegen Migration agiteren, lässt sich ganz gut aus der Dynamik einer Demokratie heraus erklären.

Ich verstehe jeden, der damit nicht einverstanden ist und sich die Demokratie irgendwie anders, schöner wünscht, aber das ist dann Demokratie-Idealismus. Demokratie ermöglicht es auch solchen Menschen wie Trump oder Merz an die Macht zu kommen, mögen sie "würdig" sein oder auch nicht.




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Jörn P Budesheim
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So 29. Mär 2026, 12:34

Demokratie schließt die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstkorrektur ein – das ist ein Teil ihres Wesens. Das schließt ein: Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte. Kein Teil des Wesens der Demokratie ist meines Erachtens ein Demokratie-Fatalismus, so als sei sie ein unveränderliches Naturgesetz, das man leider hinnehmen muss, wie es ist.

Beispiel: Trumps Versuch, die amerikanische Demokratie in eine Autokratie umzuwandeln, zeigt an, dass das System der "checks and balances" offenbar nicht ausreichend funktioniert. Deswegen müsste man, wenn man den Autokraten wieder los wird, hier ggf. nachjustieren.



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Timberlake
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Mo 30. Mär 2026, 01:18

Consul hat geschrieben :
Sa 28. Mär 2026, 21:48


Ei der Daus, siehe da: Wie ich erst jetzt erfahren habe, sind tatsächlich auch schon Szene-Buchhandlungen der (neofaschistischen) Neuen Rechten mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden:
"Das BuchHaus Loschwitz gewann 2015 und 2016 den Deutschen Buchhandlungspreis in der Kategorie Besonders herausragende Buchhandlungen."

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Dagen
"Auf YouTube hat die Neue Rechte sogar eine eigene Literatursendung. Der Titel: "Aufgeblättert. Zugeschlagen - Neue Rechte lesen." In dem Format sitzen drei Personen bei einem Glas Wein vor einer Bücherwand und plaudern nett über Lyrik und Prosa wie zum Beispiel über die zeitgenössischen Bücher von Lutz Seiler oder Iris Wolff. Die Gesichter des Lesezirkels: Ellen Kositza und Susanne Dagen.
Ellen Kositza betreibt mit ihrem Mann, dem Rechtsextremisten Götz Kubitschek, den Verlag Antaios. Susanne Dagen ist Buchhändlerin, ihr gehört das BuchHaus Loschwitz in Dresden und sie ist Teil der Dresdner AfD-Fraktion. Thorsten Hoffmann schreibt ihr eine Scharnierfunktion zwischen der "Neuen Rechten" und Literatur zu.
"Durch ihr Buchhaus Loschwitz, was auch als Veranstaltungsort dient, konnte Dagen gute Verbindungen in den Literaturbetrieb aufbauen. Auch zu Schriftstellern und Schriftstellerinnen in den neuen Bundesländern." Damit habe sie für die Neue Rechte eine enorme Bedeutung, erklärt Hoffmann. "Weil diese Verbindungen jetzt massiv genutzt werden, um Leute für diese Agenda, die bei Susanne Dagen mittlerweile eindeutig neurechts ist, zu gewinnen.""

Quelle: https://www.tagesschau.de/kultur/neue-r ... t-100.html
und wer war da doch gleich als Kulturstaatsminister zuständig für die Kultur- und Medienpolitik des Bundes? War das nicht Monika Grütters (CDU) ...


boersenblatt.net hat geschrieben :
Ein Glücksfall für Kunst und Kultur“
Monika Grütters erhält Deutschen Kulturpolitikpreis


Monika Grütters war von 2013 bis 2021 Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In dieser Zeit wurden auch der Deutsche Buchhandlungspreis (2015) und der Deutsche Verlagspreis (2019) eingeführt. In der Begründung für die Auszeichnung von Monika Grütters heißt es: „Sie brachte von Anfang an einen sozial-ethischen Kompass in die Kulturpolitik ein. Sie engagierte sich unerschrocken für die Belange von Künstlerinnen und Künstlern, plädierte unter anderem laut und deutlich für ein Staatsziel Kultur im Grundgesetz.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Mit Monika Grütters haben wir eine wahrhaft würdige Trägerin des fünften Deutschen Kulturpolitikpreises gefunden. Ihr Engagement als Vorsitzende des Kulturausschusses im Deutschen Bundestag und dann vor allem als Kulturstaatsministerin hat wesentlich dazu beigetragen, dass kulturpolitische Themen in den Fokus der Öffentlichkeit gerieten. Mit Organisationen der Zivilgesellschaft, insbesondere mit dem Deutschen Kulturrat, pflegte sie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ihre Amtszeiten waren ein Glücksfall für Kunst und Kultur".
Möglicherweise war sie auch eben deshalb ein Glücksfall für Kunst und Kultur, weil sie es einfach nur geschehen ließ. Im Gegensatz zu Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der von daher wohl eher als ein Unglücksfall für Kunst und Kultur einzustufen ist. Er somit vermutlich dereinst nicht für den Deutschen Kulturpolitikpreis in Frage kommt.

Dazu vieleicht passend ..
deutschlandfunk.de hat geschrieben :
KulturstaatsministerWeimer: Wer öffentliches Geld erhält, soll nicht gendern

Nach dem Genderverbot in der eigenen Behörde drängt Kulturstaatsminister Weimer alle öffentlich geförderten Institutionen, dieser Linie zu folgen. Es gehe dabei um eine gemeinsame Verantwortung für die Verständlichkeit staatlich geförderter Kommunikation, sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
web.de hat geschrieben :
Kritik Diskussion bei "Maischberger"

Weimer warnt vor "Wokeness", schweigt aber zu rechter Bedrohung in Deutschland

Wolfram Weimer: Der Kulturstaatsminister wiederholt die Äußerungen, die er bereits in einem Gastbeitrag in der "Süddeutschen" geschrieben hatte. Man müsse "die Korridore des Sagbaren" wieder weiten, statt sie zu verengen. Die Freiheit sieht Weimer global von links wie von rechts unter Druck. "Der Raum der bürgerlichen Mitte ist kleiner geworden, weil beide Seiten diese Räume enger machen." Diesen Raum wieder zu weiten, sei Aufgabe der bürgerlichen Mitte, so Weimer.

Der Schlagabtausch des Abends
Wolfram Weimer ist mit klaren Vorstellungen zu Maischberger gekommen, wo die Bedrohung der Freiheit in Deutschland vor allem zu finden ist: links. Der Kulturstaatsminister spricht davon, man habe auf der linken Seite eine "Wokeness-Mode, eine Cancel-Culture-Mode" oder "identitätspolitische Vorgaben" gehabt und wiederholt damit die Stereotypen, die seit Jahren von rechts aufgebaut und etabliert wurden. Dazu zitiert Weimer eine Studie, laut der über 40 Prozent der Deutschen Angst habe, die eigene Meinung zu sagen.
Wie schön, das wir nun mehr dafür die AfD haben, also um den Deutschen diese Angst, die eigene Meinung zu sagen, zu nehmen.

Beispiel

Youtube: kEqDks-h-qM




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Jörn P Budesheim
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Mo 30. Mär 2026, 08:30

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 30. Mär 2026, 08:01
Ja, einiges ist im Wandel, generell werden reale Läden weniger; in unserem Einkaufszentrum gibt es auch immer mehr Lehrstände, alles nicht schön...
...nur etwas wie weniger gesetzliche Krankenkassen könnten einen Sinn machen, um etwas Geld im Sinne der Patienten zu sparen, ein anderes Thema...
Schon klar, das Buchhandlungen noch spezische Probleme wie die Buchpreisbindung haben.



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Jörn P Budesheim
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Mo 30. Mär 2026, 09:14

Während der "Coronazeit" hab ich und viele andere Kunden dieser Buchhandlung ein unverzinstes Minidarlehen gegeben. :-) Und zwar in Form eines Büchergutscheins, den ich erst viel später eingelöst habe. In der Zeit haben sie ihr Bücherfahrradtaxi, das es (glaube ich) bis heute gibt, erfunden, also einen Bücherfahrradbringdienst. Der Laden ist sehr engagiert mit Lesungen und sonstigen Veranstaltungen.



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Mo 30. Mär 2026, 10:15

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 30. Mär 2026, 09:14
Während der "Coronazeit" hab ich und viele andere Kunden dieser Buchhandlung ein unverzinstes Minidarlehen gegeben. :-) Und zwar in Form eines Büchergutscheins, den ich erst viel später eingelöst habe. In der Zeit haben sie ihr Bücherfahrradtaxi, das es (glaube ich) bis heute gibt, erfunden, also einen Bücherfahrradbringdienst. Der Laden ist sehr engagiert mit Lesungen und sonstigen Veranstaltungen.
Sehr lobenswert! Ja, mit Service-Dienstleistungen können reale Läden punkten wie die Buchhandlung, eine Chance gegen reinen Internet-Verkauf.



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Dynamis
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Mo 30. Mär 2026, 10:44

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 29. Mär 2026, 12:34
Demokratie schließt die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstkorrektur ein – das ist ein Teil ihres Wesens. Das schließt ein: Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte. Kein Teil des Wesens der Demokratie ist meines Erachtens ein Demokratie-Fatalismus, so als sei sie ein unveränderliches Naturgesetz, das man leider hinnehmen muss, wie es ist.

Beispiel: Trumps Versuch, die amerikanische Demokratie in eine Autokratie umzuwandeln, zeigt an, dass das System der "checks and balances" offenbar nicht ausreichend funktioniert. Deswegen müsste man, wenn man den Autokraten wieder los wird, hier ggf. nachjustieren.
Selbstkritik und Demokratie-Fatalismus sind beides Teile der Demokratie. Die Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Das heißt, wenn viele Menschen der Ansicht sind, dass eine Nachjustierung nicht nötig sei und dass Stillstand ihnen lieber ist als Fortschritt und wenn sie diese Ansicht durch ihr Wahlverhalten zum Ausdruck bringen, dann ist Stillstand demokratisch legitimiert. Tut mir Leid, aber so sind die Regeln, ich habe sie nicht erfunden.

Und natürlich kann man sich Gedanken darüber machen, wie man hier "nachjustieren" könnte. Es gibt da zum Beispiel das Projekt der Losdemokratie. Das ist ein Projekt, wo man Bürgerräte schaffen will. Da werden dann zufällig Menschen hineingelost, dann gibt es eine moderierte Diskussion und die hineingelosten Menschen dürfen dann irgendein Thema entscheiden. Die Befürworter der Losdemokratie erhoffen sich davon, dass sie den Graben, der sich zwischen Regierenden und Bürgern aufgetan hat, wieder überbrücken zu können. Dafür wäre natürlich eine Verfassungsänderung nötig, sonst ist der Bürgerrat bloß ein Beratungsgremium, welches zwar Kritik übt, aber keinen Einfluss hat und somit ein leicht ignorierbarer Papiertiger ist. So etwas wie das Projekt der Losdemokratie bezeichne ich als "Idealismus" - das ist nicht abfällig gemeint, sondern dient der Abgrenzung von Realisten wie mir, die sich erst einmal die Sache anschauen und sie verstehen wollen, bevor sie gleich über Verbesserung nachdenken. Während die Losdemokraten aktiv werden und sich engagieren, weil sie den Graben zwischen Regierenden und Bürgern wieder zuschütten wollen, gucke ich mir lieber an, welche systemischen Ursachen es für diesen Graben gibt.




Timberlake
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Mo 30. Mär 2026, 14:40

Dynamis hat geschrieben :
Mo 30. Mär 2026, 10:44
Und natürlich kann man sich Gedanken darüber machen, wie man hier "nachjustieren" könnte. Es gibt da zum Beispiel das Projekt der Losdemokratie. Das ist ein Projekt, wo man Bürgerräte schaffen will. Da werden dann zufällig Menschen hineingelost, dann gibt es eine moderierte Diskussion und die hineingelosten Menschen dürfen dann irgendein Thema entscheiden. Die Befürworter der Losdemokratie erhoffen sich davon, dass sie den Graben, der sich zwischen Regierenden und Bürgern aufgetan hat, wieder überbrücken zu können. Dafür wäre natürlich eine Verfassungsänderung nötig, sonst ist der Bürgerrat bloß ein Beratungsgremium, welches zwar Kritik übt, aber keinen Einfluss hat und somit ein leicht ignorierbarer Papiertiger ist. So etwas wie das Projekt der Losdemokratie bezeichne ich als "Idealismus" - das ist nicht abfällig gemeint, sondern dient der Abgrenzung von Realisten wie mir, die sich erst einmal die Sache anschauen und sie verstehen wollen, bevor sie gleich über Verbesserung nachdenken. Während die Losdemokraten aktiv werden und sich engagieren, weil sie den Graben zwischen Regierenden und Bürgern wieder zuschütten wollen, gucke ich mir lieber an, welche systemischen Ursachen es für diesen Graben gibt.
Bei solchen systemischen Ursachen, die es für diesen Graben zwischen Regierenden und Bürgern gibt, muss ich immer wieder an das denken, was uns seiner Zeit in der DDR, beispielsweise im Staatsbürgerkundeunterricht, zum Zustandekommen einer s.g. revolutionären Situation beigebracht wurde ...


„Eine revolutionäre Situation gibt es dann, wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen“.
(wird Lenin zugeschrieben)


Indem eine solche Losdemokratie, die du anscheinend anstrebst, durchaus revolutionär ist, wäre .. "wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen“ .. sicherlich hilfreich. Nur scheint mir eben das derzeit auf keinerlei Agenda zu stehen. Anstatt dessen beobachten wir eine weltweite "Welle der Autokratisierung" ...
zdfheute.de hat geschrieben :
Weltweite "Welle der Autokratisierung"

Forscherin warnt: Demokratien werden "von innen zerstört"

Demokratie-Verfall: Tausend kleine Minischritte

Ein Muster lasse sich dabei dennoch erkennen: "Es startet normalerweise damit, dass die Freiheit der Medien und die Meinungsfreiheit beschnitten werden." Dann folgten Restriktionen für die Zivilgesellschaft, schließlich Einschränkungen der Gewaltenteilung. Schritt für Schritt.
Anscheinend können die Leute mit deren Problemlösungsangeboten sehr viel mehr anfangen ..

Dynamis hat geschrieben :
So 29. Mär 2026, 12:06
Bei Trump und Merz werden Probleme konstruiert (Probleme verursachende Migration) und ein durchsetzungsstarker Staat als Lösung dieses Problems dargestellt. Die Leute können mit diesem Problemlösungsangebot etwas anfangen,




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Mo 30. Mär 2026, 17:38

spiegel.de hat geschrieben : Fünf EU-Mitglieder bauen laut Bürgerrechtlern systematisch Rechtsstaat ab

Einschränkungen für Justiz und Medien, grassierende Korruption: Bürgerrechtler prangern die Zustände in fünf EU-Staaten an. Auch gegen Brüssel erheben sie Vorwürfe.

[...]

Demnach zählen Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Italien und die Slowakei zu den sogenannten Dismantlern. Also Staaten, deren Regierungen gezielt demokratische Institutionen und Kontrollmechanismen schwächen.

[...]

Ferner identifiziert die Studie mehrere west- und nordeuropäische Staaten als »Sliders«, darunter Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland und Schweden. In diesen Ländern sei kein systematischer Abbau erkennbar, wohl aber ein schleichender Rückgang rechtsstaatlicher Standards in einzelnen Bereichen.

https://www.spiegel.de/ausland/europaei ... 4b6595d3a6



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Di 31. Mär 2026, 08:15

Die beiden Beiträge über Berkeley hab ich in den Faden Berkeley verschoben. :-) Hierlang > viewtopic.php?f=35&t=318



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Di 31. Mär 2026, 08:21

Die Beiträge zum Thema Populismus finden sich jetzt im Faden "Populismus". viewtopic.php?p=28889#p28889



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Di 31. Mär 2026, 11:25

Timberlake hat geschrieben :
Mo 30. Mär 2026, 14:40
Indem eine solche Losdemokratie, die du anscheinend anstrebst
Also, ich persönlich strebe keine Losdemokratie an. Ein Bekannter von mir engagiert sich in diesem Bereich, deswegen ist mir das im Kontext dieser Diskussion als Beispiel eingefallen.
Nur scheint mir eben das derzeit auf keinerlei Agenda zu stehen. Anstatt dessen beobachten wir eine weltweite "Welle der Autokratisierung" ...
Genau, gegen so etwas engagieren sich die Losdemokraten, indem sie konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Demokratie machen. Mein Ansatz ist ein anderer. In dem Buch "Kritik der politischen Ökonomie" von Michael Heinrich habe ich folgenden wunderbaren Satz gefunden:
Michael Heinrich hat geschrieben : Jede auf Veränderung zielende Praxis geht von einem bestimmten Verständnis des Bestehenden aus.
Mein Ansatz ist es also, dass ich das Bestehende verstehen möchte, bevor ich irgendwelche Verbesserungsvorschläge wie die Losdemokratie mache. Zum Bestehenden gehört natürlich auch die von dir beschriebene Autoritarismus-Welle. Da ist dann eine Frage, warum die Leute sich für das Autoritäre begeistern können, also, welche Gründe sie dafür haben.




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Di 31. Mär 2026, 11:36

Dynamis hat geschrieben :
Di 31. Mär 2026, 11:25
Da ist dann eine Frage, warum die Leute sich für das Autoritäre begeistern können, also, welche Gründe sie dafür haben.
Ich vermute, diese Leute wünschen sich Einfachheit, keine z.T. langfristigen Streitereien unter Parteien/Politikern, dass etwas schnell vorwärts geht, auch wenn die Richtung nicht ganz klar bzw. erkennbar (gut) ist u.ä.



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Dynamis
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Di 31. Mär 2026, 12:12

Burkart hat geschrieben :
Di 31. Mär 2026, 11:36
keine z.T. langfristigen Streitereien unter Parteien/Politikern
Ja, da stimme ich zu. Und das erklärt auch Politik, die gegen Migration gerichtet ist. Wenn "migrationskritische" Wähler sich auf ein gemeinsames Feindbild einigen können, dann schließen sie damit zugleich ihre eigenen Reihen. Dass das funktioniert, lässt sich m.E. auch bei der AfD erkennen, da gibt es ja die Gegensätze zwischen den eher libertär gesinnten Marktwirtschaftsfans und den völkischen Höcke-Leuten. Und die überbrücken diese Gegensätze, indem sie sich eben auf ein gemeinsames Feindbild einigen (z.B. die Grünen, die "unkontrollierte" Migration).




Gregor S
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Di 31. Mär 2026, 15:52

https://www.wahlrecht.de/umfragen/


Forsa bewertet die SPD oft schlechter als sie ist. Das liegt am Aufbau der Forsa Befragung.




Burkart
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Mi 1. Apr 2026, 20:19

Ich habe auch das Gefühl, dass Medien Parteien oft schlecht(er) machen. Auf jeden Fall ist es bei einigen Kabarettisten so, die Witze auf Kosten von Politikern machen, nicht selten dann auch etwas politisch einseitig.



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Do 2. Apr 2026, 00:18

Die unbedachte "80%"-Äußerung von Merz ist wirklich hochnotpeinlich. Danach schiebt er dem syrischen Präsidenten den schwarzen Peter zu, der ihn postwendend zurückschiebt. Meine Güte, Herr Bundeskanzler, erst denken, dann reden!
"Verwirrung um Merz‘ Rückführ-Pläne nach Syrien: Der Kanzler darf nicht plappern

Friedrich Merz setzt unrealistische Ziele bei der Syrien-Rückkehr. Seine lockere Rhetorik könnte ihm im Wahlkampf zum Verhängnis werden.…"

Quelle: https://www.merkur.de/politik/der-kanzl ... 46445.html
"Die Verwirrung ist komplett. Erst sagt Kanzler Merz, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren sollen. Dann schreibt er diese Quote dem syrischen Übergangspräsidenten Al Scharaa zu. Doch der sieht das wiederum anders.…"

Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Syrischer-P ... 56871.html



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