Kaffeestübchen

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Friederike
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Di 7. Sep 2021, 15:40

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Di 7. Sep 2021, 14:59
Wenn die Häuser und Wohnungen der Punkt sind, was unterscheidet dann die Innenstadt von der Stadt überhaupt?
Wie es in Kassel ist, weiß ich nicht. Hier würde ich sagen, sind der zentrale Bezugspunkt die Alster und der Hafen. Die Alster hat man vor vielen Jahren gewählt, um drumherum architektonisch ansehnliche Häuser zu bauen, weil doch sehr viele, vielleicht sogar die meisten der alten Häuser während des Weltkrieges zerstört worden sind. Dort residieren nun alle Firmen, die Rang und Namen haben. Achso, die Oper und zwei der städtischen Theater befinden sich in dem Areal, das "Innenstadt" genannt wird. Das Rathaus - fast hätte ich es vergessen.




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Jörn Budesheim
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Mi 8. Sep 2021, 18:26

Die 8argos Seite ist auf Vordermann gebracht: https://8argos.jimdofree.com/



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Stefanie
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Mi 8. Sep 2021, 20:50

Leider habe ich gerade nur noch den Schluss eines Berichts zur Entwicklung von Innenstädten gesehen. Es wurde eine Zweiteilung vorgeschlagen. Kombinierte Gebäude aus wohnen oben und unten Geschäfte und weniger Büros. Ausgangspunkt war wohl die Schließung von Kaufhäusern in den Innenstädten.
Innenstädte sind die Zentren der Städte. Historisch gewachsen. Städte wurden in der Regel an Standorten gegründet, an denen Handel möglich war, z.B. an Flüssen, oder strategisch wichtig für Erorberungen oder die aufgrund der Lage gut geschützt waren. Entweder war es der Sitz eines adligen, Fürsten etc., eines höherrangigen Geistlichen, Armeestandort. Dazu kam die Verwaltung, und das Handwerk, dann die Kaufleute, die brauchten so einiges, Kleidung, Nahrung etc. und dann dehnte sich die Stadt aus. Köln ist ein Beispiel, weil ideale Lage für Handel. Bonn auch. Kassel wohl aufgrund der Lage, umgeben von Höhenzügen und ziemlich in der Mitte gelegen.
Innenstädte waren also wohl früher ein Gemisch aus Wohnen, Handel, Handwerk, Kirche, Verwaltung.
Jetzt hauptsächlich Handel, Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Büros. Weniger das Wohnen.

Bei dem Beispiel Kassel wundere ich mich etwas was man in der jetzt autofreien Strasse shoppen kann, laut Google Maps ist da nicht viel.



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Stefanie
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Mi 8. Sep 2021, 21:52

Die Strukturen von Städten sind durchaus unterschiedlich. Das liegt nicht nur an der Größe. In Deutschland hat der 2. Weltkrieg die Städte verändert. Köln und Kassel haben was gemeinsam, die weitgehende Zerstörung der Innenstadt durch Bomben. Das sieht man beiden Städten auch an. Beim Wiederaufbau stand die Schaffung von Wohnraum im Vordergrund und es wurde dann für den Autoverkehr gebaut. Das war halt damals Nonplusultra. Auch in anderen Städten wurde für den Autoverkehr gebaut, nur Städte, die nicht so zerstört wurden sind, mussten nicht alles wieder aufbauen und konnten anders planen.
Autofreie Innenstädte sehe ich je nach Stadt skeptisch.
Bei kleineren Städten durchaus möglich.
Bei Städten wie Köln kann ich es mir nicht vorstellen. Der ÖPNV ist jetzt schon an der Grenze, trotz U-Bahn. Um all
die Menschen aus den einzelnen Stadtteilen und aus dem Umland in die Innenstadt zu bekommen, braucht es mehr Platz für Bahnen und Parkplätze ausserhalb. Den Platz gibt es aber nicht, es sei denn man verbannt alles aus der Innenstadt, weshalb man in die Innenstadt will, Geschäfte, Verwaltung, Gerichte, Firmen und den Hauptbahnhof und baut Wohnungen und die Nahversorgung. Und schafft kleinere "Innenstädte" mit Arbeitsplätzen, wo man alles zu Fuß erreicht. Hmm, dann gäbe es aber keine Innenstadt mehr und irgendwie keine übergreifende Stadt mehr.
Städte wie Freiburg haben es da leichter.



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Jörn Budesheim
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Do 9. Sep 2021, 06:21

Noch mal ein paar Zeilen zu Kassel und der erweiterten Fußgängerzone.

Vor kurzem habe ich aus zweiter Hand folgendes gehört: eine Influencerin hat in ihrem Blog ihren Leser:innen erläutert, dass es nicht gut ist, Klamotten zu kaufen, um sie nur ein paar mal zu tragen, man müsse sie mindestens 30 mal tragen! Bei der Zahl bin ich mir nicht sicher, aber es war eine unfassbar niedrige Zahl, auf jeden Fall deutlich unter 100.

Das heißt doch, die Leute fahren in die Innenstadt (wenn sie nicht online bestellen), um sich Klamotten zu kaufen, die sie vielleicht nur ein paar Mal tragen. Klamotten, die oftmals unter unwürdigen Bedingungen produziert wurden und auf auf viele Arten und Weisen ein großes Umweltproblem darstellen. Das ist nur ein Beispiel, es gibt sicher mehr.

In Kassel gibt es, ich oben schon geschrieben habe, zurzeit testweise ein paar hundert Meter Fußgängerzone mehr. Eine Lokalzeitung hat getitelt: "mehr Shopping in der Innenstadt." Zugleich wird die Aktion verkauft als ein großes Plus für die Umwelt, auch von lokalen (künstlerischen) Initiativen. Ich finde, hier knirscht es.

Ich sage mal ganz blauäugig: wir brauchen statt Shopping neue Bilder, wer wir eigentlich sind, was unsere Natur ist und wie wir in diese Wirklichkeit passen. Die Fragen, welchen Sinn wir unserem Leben geben und wie wir diesen Planeten "behandeln", sodass er weiter ein Lebensraum für uns und die anderen Tiere bleibt, hängen zusammen. Wenn man ein großes Sinnvakuum mit Shopping füllen muss, dann ...



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Friederike
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Do 9. Sep 2021, 11:22

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Do 9. Sep 2021, 06:21
[...] In Kassel gibt es, ich oben schon geschrieben habe, zurzeit testweise ein paar hundert Meter Fußgängerzone mehr. Eine Lokalzeitung hat getitelt: "mehr Shopping in der Innenstadt." Zugleich wird die Aktion verkauft als ein großes Plus für die Umwelt, auch von lokalen (künstlerischen) Initiativen. Ich finde, hier knirscht es. Ich sage mal ganz blauäugig: wir brauchen statt Shopping neue Bilder, wer wir eigentlich sind, was unsere Natur ist und wie wir in diese Wirklichkeit passen. Die Fragen, welchen Sinn wir unserem Leben geben und wie wir diesen Planeten "behandeln", sodass er weiter ein Lebensraum für uns und die anderen Tiere bleibt, hängen zusammen. Wenn man ein großes Sinnvakuum mit Shopping füllen muss, dann ...
Gut, jetzt verstehe ich besser, worauf Du hinauswillst. Ja, in den vergangenen 11/2 Jahren ist öfter von der "Verödung" der "Innenstadt" (hier, wo ich wohne) geschrieben worden. Und damit, das wird mir jetzt deutlich, war ausschließlich gemeint, daß kleinere und mittelgroße Geschäfte -unter Coronabedingungen- Insolvenz anmelden mußten, und die größeren Läden zeitweise vollständig geschlossen hatten oder nur unter besonderen Beschränkungen zugänglich waren (ist alles bekannt). "Verödung" bedeutet also tatsächlich, "die Leute kaufen nicht oder nicht genügend ein".

"statt Shopping" - das wird nichts, denn das würde bedeuten, unsere kapitalistische Wirtschaftsordnung aufzugeben! Das ist als eine These gedacht, über die man streiten kann. Anders gesagt: Alle neuen Lebensentwürfe dürfen das "Wirtschaftswachstum" nicht ausschließen.




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Stefanie
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Do 9. Sep 2021, 17:49

Es geht nicht nur um das Shoppen.
Die Innenstadt ist das Zentrum einer Stadt. Ich lasse mal die großen Mio. Städte außen vor.
Ich bin aufgewachsen in einer kleinen Kleinstadt, gebildet aus einzelnen Orten, die sich einzeln gebildet hatten. Die Verwaltung hat man dann in den Ort gelegt, der in der Mitte liegt. Es gibt dort keine Innenstadt, kein Zentrum. Auch die einzelnen Orte haben das nicht. Wenn dann bei den Kirchen, jetzt sind es Supermärkte. Das hat Folgen. Es gibt keine zentralen Punkt für alle Bewohner. Und schon garnicht eine gewachsene Innenstadt. Die nördlichen Orte sind unter sich, die südlichen Orte sind unter sich. Immer noch, seit Jahrzehnten. Wenn man gefragt wird, wo kommt man her, sagt man erst den Ortsteil und dann den Namen der Stadt. Getroffen wird sich heute bei Supermärkten und anderen Geschäften, in dem jeweiligen Ortsteil.
Die Innenstadt als Zentrum hat verbindenen Charakter. Fehlt das sind es nur zusammengewürfelt Teile, die eine rein formale Stadt sind, aber keine gelebte Stadt.
Die Innenstadt muss aber auch leben, also aufgesucht werden. Man muss da hin wollen. Dazu gehört Shoppen, Verwaltung, Restaurants, Theater wenn vorhanden, Kino, Gericht, und was es da sonst noch gibt. bzw. was möglich ist. Nicht jede Stadt hat ein Museum, nicht jede ein Theater. Ein zentraler Veranstaltungsort im Freien, eine Platz sollte es geben, einen Markt, es sollte was zu gucken geben, in Städten wie Paris nennt man das flanieren. Die Innenstadt ist der Treffpunkt, wo die Menschen einer Stadt zusammentreffen.
Einen Stadtbummel machen sagt man auch und da geht es nicht unbedingt nur um das shoppen. Eis essen gehen wäre auch eine Möglichkeit.



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Jörn Budesheim
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Fr 10. Sep 2021, 06:26

An Weihnachten gibt es eine Fortsetzung von Matrix. Der erste Matrix Film, den ich gesehen habe, hat mich auch in mein erstes philosophisches Forum geführt :)



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Jörn Budesheim
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Fr 10. Sep 2021, 06:30

Sind die shopping-Zentren denn Orte, wo man sich trifft? Dass viele zugleich da sind, weil sie ein T-Shirt für 4,99 kaufen wollen, das sind Kinderarbeit erstellt wurde, heißt ja nicht, dass man sich trifft, oder?



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Jörn Budesheim
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Stefanie hat geschrieben :
Do 9. Sep 2021, 17:49
Die Innenstadt muss aber auch leben, also aufgesucht werden.
zukunftsinstitut.de hat geschrieben : Der Soziologe Ray Oldenburg kategorisierte 1989 unsere Lebensräume in erste, zweite und dritte Orte. Als erster Ort wird das Zuhause bezeichnet, der zweite Ort ist der Arbeitsplatz. Dritte Orte sind Räume der Begegnung. Das können öffentliche Räume im Stadtraum sein, aber auch halböffentliche Orte wie Bahnhöfe, Bildungseinrichtungen, Sport- oder Kulturstätten. Geschäfte und Gastronomie zählen ebenfalls zur Kategorie dritte Orte. Sie alle bieten auf ihre eigene Art die Möglichkeit zu Kommunikation und Erlebnis.

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel ... andschaft/



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Fr 10. Sep 2021, 07:43

Was ist mit den virtuellen Räumen? Zählen die zu den dritten, öffentlichen Räumen?



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.
(William Butler Yeats)

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Stefanie
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Fr 10. Sep 2021, 08:01

Ich bin ein Fan von verkaufsoffenen Sonntagen und vor allem von denen, die mit einem Stadtfest oder ähnliches kombiniert werden. Hier ist das immer an dem Wochenende zum Tag der deutschen Einheit, wenn es nicht wegen Corona wieder ausfällt. Das beginnt schon am Freitag mit Veranstaltungen in der Innenstadt. Was für Kinder, Konzerte für die Großen en, alles draußen.
Am Sonntag machen die Geschäfte um 13:00uhr auf und sind bis 18:00 Uhr geöffnet. Es ist aber schon vor 13:00 Uhr voll in de Stadt. Es gibt ähnlich wie bei einem Weihnachtsmarkt einige Verkaufsstände, natürlich was zum essen (ganz ganz wichtig), Musikeinlagen, Karussell, Bühnen etc.
In die Geschäfte wird auch gegangen, aber draußen ist es voller. Bei idealen Wetter ist es so voll, dass Geschäfte eine Oase der Ruhe sind. Klar, die Aussteller sind weitgehend kommerziell, aber es ist trotzdem eine schöne Stimmung. Eine belebte Innenstadt.
Es empfiehlt sich, nicht mit dem Auto zu kommen, vor allem wenn man aus der Stadt selber ist.
Nur ein Ärgernis gibt es jedesmal....Busse und Bahnen fahren nach Sonntagsfahrplan. Also zu wenig Busse und Bahnen, um alle Menschen transportieren zu können, unmöglich. Einmal kam ich nicht mehr in eine Bahn, und eine halbe Stunde wollte ich nicht warten und nahm mir ein Taxi.



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Fr 10. Sep 2021, 17:01

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 10. Sep 2021, 06:30
Sind die shopping-Zentren denn Orte, wo man sich trifft? Dass viele zugleich da sind, weil sie ein T-Shirt für 4,99 kaufen wollen, das sind Kinderarbeit erstellt wurde, heißt ja nicht, dass man sich trifft, oder?
Das ist etwas ungenau, um es mal so zu sagen.
Kauf dir besser ein preisgünstiges, durchaus gute Qualität, T-Shirt von c und a aus bio Baumwolle, anstatt ein T-Shirt für 20 Euro einer Marke, die auch in den selben Ländern herstellen, nur nicht aus bio Baumwolle sind und nicht wirklich länger halten als das Shirt von c und a.

Es tut sich so einiges in Sachen Kleidung, ergo ist die Aussage mit der Kinderarbeit so nicht mehr richtig.



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Friederike
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Fr 10. Sep 2021, 17:47

... und trotzdem beruht doch unsere ganze Gesellschaft darauf, daß ge- und verkauft wird. Unser Wohlstand. Während der Corona-Schließungen war ausschließlich von den Umsatzeinbußen kleinerer und mittlerer Geschäfte zu hören und zu lesen. Insolvenzen (ich wiederhole mich). Nie war politischerseits davon die Rede, wie gut es wäre, daß die Leute nicht viel kaufen. Die Gewichtung der "Werte" (des Systemrelevanten) war klar, Einkaufen ist wichtiger als Kultur (im Sinne von Kunst). Die Wirtschaft muß "am Laufen" gehalten werden, wie es heißt. Man müßte, damit es nicht um immer höhere Wachstumsraten geht, das gesamte Wirtschaftssystem umstrukturieren. Und dann würden wir vermutlich mit viel weniger materiellen Gegenständen auskommen (müssen). Das würde aber eine Umwälzung des Systems erfordern. Ich weiß es auch nicht, vielleicht denke ich im Schwarz-Weiß-Muster und übersehe die Differenzierungsmöglichkeiten.




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Jörn Budesheim
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Sa 11. Sep 2021, 06:48



Das hier war meine Quelle. Dieses Video ist ein Jahr alt und es wird auch darauf hingewiesen, dass sich die Dinge langsam ändern, aber so etwas geht nicht von jetzt auf gleich. Darüber hinaus gehört sogenannte fast-fashion, soweit ich es weiß, nachwievor zu den ernsten Umweltproblemen.

Meine Frage oben ist davon jedoch gar nicht tangiert: sind Innenstädte schon allein deshalb Orte des Treffens, weil man am selben Krabbeltisch steht, um Billig-Ware zu kaufen, die in vielen verschiedenen Hinsichten moralisch fragwürdig ist? Es steht doch außer Frage, dass die konsumorientierte Gesellschaft, und so wie sie sich jetzt darstellt, eine der Ursachen der Umweltkatastrophe ist.



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Stefanie
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Di 14. Sep 2021, 19:20

Im Moment humpel ich an Krücken durch die Gegend. Nervig. Ab und an muss ich auch mal raus aus der Wohnung und bin erstaunt. Was sind die Mehrzahl der Menschen aufeinmal so freundlich und geduldig. Kein drängeln, es wird Platz gemacht, kein nerviger Blick, wenn ich was langsam bin. Mich irritiert das doch etwas. Und zwar, weil ich mich frage, wieso sind manche dann doch so oft ignorant und gedankenlos, wenn ein Mensch mit einem Rollstuhl unterwegs ist oder wenn jemand langsamer ist, weil er oder sie es aufgrund einer geistigen Behinderung eben seine Zeit beim Einkaufen braucht.



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Stefanie
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Fr 17. Sep 2021, 18:06

Der Wahlkampf 2021 ist, wie ich finde, in einigen Punkten - wie nenne ich es- unmöglich.

Das Wahlplakate beschmiert werden, nix neues...aber was dieses Jahr an Wahlplakate aufgehängt werden, ist eine Steigerung.

https://www.welt.de/politik/bundestagsw ... ieren.html

"Die Partei" hat Plakate aufgehängt, auf denen steht "Nazis töten".
Die rechte Partei "Der dritte Weg" hat Plakate aufgehängt, auf denen steht, "Hängt die Grünen".
Das Verwaltungsgericht Chemnitz hat in beiden Fällen geurteilt, dass beide Plakate hängen bleiben dürfen. Es sei von der Meinungsfreiheit gedeckt. Der "Dritte Weg" muss allerdings 100 Meter Abstand zu den Wahlplakten Der Grünen einhalten. Das ist in Zwickau. Die Grünen gegen jetzt hin, und hängen weitere 200 Plakate im Abstand von 100 Metern auf.

Bayern hat übrigens alle bisherigen 19 Plakate mit dem Satz "Hängt die Grünen" durch die Polizei abhängen lassen. Begründung, es besteht ein Verdacht auf eine Straftat und zur Gefahrenabwehr werden die Plakate entfernt, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Urteil,aus Sachsen wurde nicht kommentiert. Na sieh an, die Bayern.



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Fr 17. Sep 2021, 18:53

Ich zitiere aus dem von Dir verlinkten "welt"-Artikel die Begründung für die Entscheidung über das "Die Partei"-Plakat:

Das Gericht begründete seinen Beschluss damit, dass die Plakatinhalte keinen Verstoß gegen die öffentliche Sicherheit darstellten. Einen solchen Verstoß hat auch die Stadt Plauen laut Mitteilung des Gerichts zuletzt nicht mehr festgestellt. Das Gericht begründete außerdem, dass basierend auf den vom Bundesverfassungsgericht aufgestellten Grundsätzen für Wahlwerbung kein Verstoß vorliege. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Ich weiß zwar nicht, wie man es juristisch begründen kann, aber vom Gefühl her gefällt mir die Entscheidung nicht. Der Satz "Nazis töten." kann Zweifaches meinen, entweder es ist eine Aufforderung oder aber es ist eine Behauptung. Eine Behauptung über die Gegenwart. Letzteres wäre vielleicht eine "Verunglimpfung"? Ersteres eine Aufforderung zu einer Straftat? Gut, ich kenne mich nicht aus und wenn die "öffentliche Sicherheit" die Begründung ist, dann ist es eben so. 8-)




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Stefanie
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Fr 17. Sep 2021, 19:35

Bei dem Plakat "Hängt die Grünen" wird über den Straftatbestand " Öffentliche Aufforderung zu Straftaten" diskutiert, Bayern hat diese Regelung angewendet, um die Plakate abzuhängen. Es gibt auch Stimmen, die sehen darin auch eine Anstiftung zu einem Tötungsdelikt.
Der Unterschied zum Plakat "Tötet Nazis" liegt darin, dass letzteres doch unbestimmt ist, dagegen "Die Grünen" einzelnen Menschen direkt und unmittelbar zuordbar ist, z.B. einem Kandidaten.
Ich finde beide Plakate gehören abgehängt.
Beide haben Aufforderungscharakter, beide plakatieren eine Gewalttat. Ich sehe bei keinem auch nur den Hauch von Satire oder ähnliches. Auch nicht bei Tötet Nazis, dass wohl auch eine Anspielung auf den Sprachgebrauch von Nazis und Rechtsextremen sein soll, tippe ich mal. Aber es geht zu weit. Daneben.



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So 19. Sep 2021, 08:33

Danke @Alethos und @Jörn, für Dein Foto und Deine Zeichnung. Und die Texte dazu. Bild




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