Corona

Philosophie Chat: Hier wird geplaudert über Gott und die Welt.
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Nauplios
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Sa 20. Feb 2021, 22:22

Stefanie hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 20:26
Nauplios hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 18:18
Stefanie hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 17:33

Es ist keine politische Fehlentscheidung, es ist eine gesellschaftliche Fehlentscheidung.
Ja natürlich. Wir alle wollten wenig Impfstoff. Und wir haben uns mit Händen und Füßen gewehrt gegen die Installation von Luftfilteranlagen. Und Tübingen funktioniert auch nur in Tübingen. Wie gut, daß der gesellschaftliche Widerstand groß genug war, daß wir den asiatischen Ländern nichts nachgemacht haben; die sind ja alle noch viel schlechter dran als wir. Die Gesellschaft konnte die Politik gerade noch rechtzeitig davon abhalten. ;)
Wir stürzen uns in Vorweihnachtszeiteinkaufsgetümmel, gehen mit der ganzen Familie in den Supermarkt, treffen uns weiterhin mit Freunden in Räumen, der Friseur ist das wichtigste (für, die die Haare noch selber waschen können), Masken bei Erwachsenen auf den Spielplatz sind überflüssig, wir verweigern Home Office, wir verstehen die Regeln nicht, weil ich die in Bayern nicht verstehe, wenn in Köln wohne, möchten aber trotzdem als mündige Bürger angesehen werden, weswegen wir auch nicht wollen, dass wir uns an Appelle halten, feiere weiterhin Gottesdienste mit Singen, wir wollen alle von 16:00 bis 17:Uhr in den Supermarkt, wir müssen andere nicht darauf aufmersam machen, wenn die Maske nicht auf ist oder der Abstand nicht eingehalten wird, usw. usw.

Es läuft bei weitem nicht alles glatt, das was vorher schon nicht lief, wird schonungslos aufgedeckt, aber wir haben es auch in der Hand.

Das Kennedy Zitat bringe ich jetzt nicht.
"Wir ... wir ... wir ... " - Das "Vorweihnachtsgetümmel" hat ja zu gar keinem signifikanten Anstieg der Infektionszahlen geführt, ebensowenig die Silvesterfeierlichkeiten. Dieser vielfach befürchtete Anstieg ist ausgeblieben. "Mit der ganzen Familie in den Supermarkt"? - Also läuft da eine vierköpfige Familie mit vier Einkaufswagen herum?? - Das macht bei uns im Münsterland niemand. Meine Freundin und ich wechseln uns mit dem Einkauf ab; das haben wir schon nach unserer "Genesung" gemacht als wir beide Antikörper hatten. Wir treffen uns auch nicht mit "Freunden in Räumen". Wenn, dann treffen wir uns mit einem befreundeten Ehepaar. Nur mit dem. Er hat COPD. Eine Ansteckung könnte für ihn deshalb dramatische Folgen haben. Wir bleiben auf Abstand. "Der Friseur ist das Wichtigste" - ein Blick auf meinen Avatar bestätigt das Gegenteil. Weder meine Freundin noch ich gehen "schwarz" zu einem Friseur. Auf den "Spielplatz" gehen wir nicht. Wir haben keine Kinder. Meine Freundin ist so oft es geht im Homeoffice. Sie arbeitet jetzt sogar Samstags, weil sie dann alleine im Büro ist. Gottesdienste werden hier nicht abgehalten. Den Platz im Paradies sichern wir uns durch Homepraying. Sollten wir uns ein zweites Mal anstecken, haben wir es so wenig "in der Hand" wie beim ersten Mal. Und so wie "wir" handhaben es in unserer Gegend einige. Münster hatte vor einer Woche eine Inzidenz von 12. Der Kreis Coesfeld lag unter 20. Wir waren hier wochenlang auf Platz 1 und 2 der NRW-Corona-Hitliste. -

Aber gut. "Wir" tragen die Schuld. Die politisch Verantwortlichen haben alles richtig gemacht. Für die Bockigkeit ihres Volkes können sie nichts. Man muß sie dafür loben, daß sie es mit uns aushalten. Sie hätten wirklich Besseres verdient. Der Himmel wird es ihnen danken.

Vor ein paar Tagen war ich in der Hölle. Das Inferno hat angebaut. Für die Corona-Infizierten gibt es jetzt einen eigenen Kreis. Die Barbesitzer haben dort mit der Einrichtung hübscher kleiner Clubs begonnen. Edel. Geöffnet ist 24 Stunden. Ich soll alle grüßen. ;)




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Nauplios
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Sa 20. Feb 2021, 22:33

AndreaH hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 21:38
iselilja hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 21:03


Hm.. ich kann mir gut vorstellen, dass es auch Leute gibt, die nachts im Ehebett lieber Maske tragen um den Partner nicht anzustecken. Manchmal blockiert auch zu viel Altruismus unser Denken. ;-)
Ich denke beim Corona Virus prallen einfach Welten aufeinander.
Wenn man dem wirtschaftlichen Bereich mehr Raum gibt, schwächt es den gesundheitlichen Bereich. Gibt man dem gesundheitlichen mehr Raum schwächt es das wirtschaftliche. In beiden befinden sich Menschen mit Bedürfnissen.
Ja, dieses Klischee von den zwei Welten - hier die gesundheitsbewußte und moralisch integere, dort die wirtschaftliche Welt mit ihren Maßlosigkeiten - wird gern genommen. Das ist der alte gnostische Dualismus: hier das Reich des Lichts - dort das Reich der Finsternis.

Das Reich des Lichts steuert auf 70.000 Corona-Tote in Deutschland zu. Eine Lichtgestalt sieht anders aus. - Da nun seit heute die Vorstellungskraft einen eigenen Thread hat: Ist es außerhalb jedweder Vorstellungskraft, daß der Weg zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vielleicht doch nicht alternativlos ist? - Können wir uns die Welt nicht mehr anders denken als in ihrem momentanen Ist-Zustand? - ;) Wo bliebe denn dann die "Verbesserung" der Welt, die doch für viele immer noch ihren Charme hat? - Aber vielleicht besteht diese Verbesserung ja auch darin, daß wir Andy Scheuer zum Gesundheitsminister machen. Der erhebt für jedes Virus eine Maut. Dann ist's aus mit Corona. - Nee, wir haben wirklich schon ein tolles Team in Berlin. Es ist halt das Volk, was stört. -




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Stefanie
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Sa 20. Feb 2021, 23:23

Nauplios hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 22:22
Stefanie hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 20:26
Nauplios hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 18:18


Ja natürlich. Wir alle wollten wenig Impfstoff. Und wir haben uns mit Händen und Füßen gewehrt gegen die Installation von Luftfilteranlagen. Und Tübingen funktioniert auch nur in Tübingen. Wie gut, daß der gesellschaftliche Widerstand groß genug war, daß wir den asiatischen Ländern nichts nachgemacht haben; die sind ja alle noch viel schlechter dran als wir. Die Gesellschaft konnte die Politik gerade noch rechtzeitig davon abhalten. ;)
Wir stürzen uns in Vorweihnachtszeiteinkaufsgetümmel, gehen mit der ganzen Familie in den Supermarkt, treffen uns weiterhin mit Freunden in Räumen, der Friseur ist das wichtigste (für, die die Haare noch selber waschen können), Masken bei Erwachsenen auf den Spielplatz sind überflüssig, wir verweigern Home Office, wir verstehen die Regeln nicht, weil ich die in Bayern nicht verstehe, wenn in Köln wohne, möchten aber trotzdem als mündige Bürger angesehen werden, weswegen wir auch nicht wollen, dass wir uns an Appelle halten, feiere weiterhin Gottesdienste mit Singen, wir wollen alle von 16:00 bis 17:Uhr in den Supermarkt, wir müssen andere nicht darauf aufmersam machen, wenn die Maske nicht auf ist oder der Abstand nicht eingehalten wird, usw. usw.

Es läuft bei weitem nicht alles glatt, das was vorher schon nicht lief, wird schonungslos aufgedeckt, aber wir haben es auch in der Hand.

Das Kennedy Zitat bringe ich jetzt nicht.
"Wir ... wir ... wir ... " - Das "Vorweihnachtsgetümmel" hat ja zu gar keinem signifikanten Anstieg der Infektionszahlen geführt, ebensowenig die Silvesterfeierlichkeiten. Dieser vielfach befürchtete Anstieg ist ausgeblieben. "Mit der ganzen Familie in den Supermarkt"? - Also läuft da eine vierköpfige Familie mit vier Einkaufswagen herum?? - Das macht bei uns im Münsterland niemand. Meine Freundin und ich wechseln uns mit dem Einkauf ab; das haben wir schon nach unserer "Genesung" gemacht als wir beide Antikörper hatten. Wir treffen uns auch nicht mit "Freunden in Räumen". Wenn, dann treffen wir uns mit einem befreundeten Ehepaar. Nur mit dem. Er hat COPD. Eine Ansteckung könnte für ihn deshalb dramatische Folgen haben. Wir bleiben auf Abstand. "Der Friseur ist das Wichtigste" - ein Blick auf meinen Avatar bestätigt das Gegenteil. Weder meine Freundin noch ich gehen "schwarz" zu einem Friseur. Auf den "Spielplatz" gehen wir nicht. Wir haben keine Kinder. Meine Freundin ist so oft es geht im Homeoffice. Sie arbeitet jetzt sogar Samstags, weil sie dann alleine im Büro ist. Gottesdienste werden hier nicht abgehalten. Den Platz im Paradies sichern wir uns durch Homepraying. Sollten wir uns ein zweites Mal anstecken, haben wir es so wenig "in der Hand" wie beim ersten Mal. Und so wie "wir" handhaben es in unserer Gegend einige. Münster hatte vor einer Woche eine Inzidenz von 12. Der Kreis Coesfeld lag unter 20. Wir waren hier wochenlang auf Platz 1 und 2 der NRW-Corona-Hitliste. -

Aber gut. "Wir" tragen die Schuld. Die politisch Verantwortlichen haben alles richtig gemacht. Für die Bockigkeit ihres Volkes können sie nichts. Man muß sie dafür loben, daß sie es mit uns aushalten. Sie hätten wirklich Besseres verdient. Der Himmel wird es ihnen danken.

Vor ein paar Tagen war ich in der Hölle. Das Inferno hat angebaut. Für die Corona-Infizierten gibt es jetzt einen eigenen Kreis. Die Barbesitzer haben dort mit der Einrichtung hübscher kleiner Clubs begonnen. Edel. Geöffnet ist 24 Stunden. Ich soll alle grüßen. ;)
Ach, und es stört Dich nicht, dass etliche Menschen entweder bewusst oder gedankenlos sich nicht an die notwendigen Regeln halten?
Es wird oft von der solidarischen Gesellschaft gesprochen, von einem Wir. Dieses Wir schliesst auch diejenigen ein, die immer noch meinen es sei eine normale Grippe, oder die böse Regierung will uns dauerhaft die Grundrechte nehmen usw., die Masken ablehnen. Oder die auch einfach die, die die Nase voll. Mir reicht es übrigens auch. Nutzt aber nichts.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
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Stefanie
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Sa 20. Feb 2021, 23:33

Wenn es nach mir geht, machen wir für zwei Wochen alles bis auf das Notwendige zu. Weil es mir reicht.
Homeoffice verschärfen, alles zu bis auf Supermärkte, Apotheken, Geschäfte für Hilfsmittel von der Brille bis zum Rollstuhl, Reha Massnahmen aller Art. Auch Drogerien, Tiernahrungsgeschäfte zu.
In Supermärkten die Einlass so gestalten, dass nicht das, was jetzt zu sehen ist, nämlich Einkaufen als Familienausflug anzusehen, oder als Treffen mit Freunden zu nutzen, nicht mehr passiert. Zwei Wochen nur noch für das Notwendigste raus. Dem ÖPNV muss man allerdings sagen, er muss weiterfahren, damit, die raus müssen zur Arbeit, auch hinkommen. Soziale und medizinische Dienste z..B. Usw.
Ich kann jeden verstehen, der raus an die Luft will, und nicht wie einen Balkon hat, auf dem ich alleine bin.
Nur dem Virus freut es.

Die Politik wird sich eine solche Massnahme bei uns nicht trauen. Warum?

Achtung es wird zynisch:
Die Australier können einem schon Leid tun, wegen 5 Infizierten macht Melbourne mal wieder alles dicht. Für 5 tage. Ach je, was für ein unterdrücktes Volk. Die Politik ist böse. Denken können die Menschen wohl auch nicht. Schlimm, ganz schlimm, und das, wo doch dieses Virus nicht gefährlich ist.
Frankreich hatte doch sowas auch, Hmmm bis jetzt keine Spur von Diktatur oder sowas.



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Sa 20. Feb 2021, 23:46

Nauplios hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 22:33
Ist es außerhalb jedweder Vorstellungskraft, daß der Weg zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vielleicht doch nicht alternativlos ist?
Ganz und gar nicht. Ich kann mir sehr viele alternative Welten vorstellen. Eine in der es kein Coronavirus gibt, eine in der es eines gibt, das ist aber nicht hochinfektiös, eine in der es eines gibt, aber es tötet Niemanden, dann eine in der alle an einem Strang ziehen, die Regeln beachten und so die Pandemie eindämmen, eine in der von jetzt auf gleich Milliarden Impfdosen verfügbar sind und Jeder sich morgen impfen lässt, usw....

Diese Vorstellungen haben alle eins gemeinsam: Es sind nur Vorstellungen.
Die Realität ist die , dass das Virus hochansteckend ist, dass es bei den Menschen auf ein unvorbereitetes Immunsystem trifft und deshalb viele Menschen zu Tode kommen, dass ein Impfstoff nachdem er in Rekordzeit entwickelt und zugelassen wurde erst einmal in der erforderlichen Menge produziert und verteilt werden muss (das macht sich nicht alleine) und dass wir deshalb eben keine andere Möglichkeit haben die Pandemie einzudämmen (oder zu verlangsamen) als uns voneinander fernzuhalten und Masken zu tragen.
Zumindest dann, wenn wir die Zahl der Toten und schwer Erkrankten nicht explodieren lassen wollen. Und für Letzteres sehe ich keine Alternative. Du etwa?

Du hast hier vor kurzem geschrieben, dass wir die Abwägung nicht den Virologen allein überlassen dürfen. Das stimmt. Wir dürfen aber auch die Einschätzung darüber wie gefährlich das Virus ist und wie man es an seiner Verbreitung hindert nicht irgendwelchen Phantasten überlassen. Das können eben immer noch am besten Virologen und Epidemiologen einschätzen und nicht Erna die Hausfrau (für die nur das real ist, was sie sehen und anfassen kann), oder Gaby die Sinnfeldphilosophin.

Offenbar hat sich, je länger das Ganze dauert, Stück für Stück so eine Art Kompetenzgerangel entwickelt bei dem Jeder meint zuständig zu sein.
Aber Erna ist primär nicht zuständig. Und Gaby auch nicht.
Was die Folgen der Maßnahmen betrifft sind vielleicht neben den Biologen und Medizinern noch Soziologen gefragt. Auch eine ganze Reihe anderer Experten (auch aus der Wirtschaft).
Und die dürfen allesamt auch gerne Vorschläge machen wie man das Virus effizient und gleichzeitig (geldbeutel-)schonend bekämpft. Nur müssen diese Vorschläge am Ende dann auch mit dem Ziel (ich erinnere daran , es geht immer noch darum den Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu vermeiden) und den biologischen Fakten kompatibel sein. Wir können uns die Eigenschaften des Virus nicht einfach herbeiwünschen wie es Erna und Gaby passt. Und wir können auch nicht einfach "mal was ausprobieren", weil das keine Simulation oder ein Spiel ist, sondern die Menschen die dann da sterben sterben wirklich.



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.
(William Butler Yeats)

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Nauplios
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Stefanie hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 23:23

Ach, und es stört Dich nicht, dass etliche Menschen entweder bewusst oder gedankenlos sich nicht an die notwendigen Regeln halten?
Nein, das stört mich nicht. Ich kenne die Bilder von den Polonaisen der Berliner Querdenker auch, die im Gänsemarsch singen "Ein bißchen Sars muß sein" nach der Melodie von Roberto Blanco. Menschen, die eine Situation nicht verstehen, die an irgendwelchen Humbug glauben (Bill Gates trinkt das Blut kleiner Kinder, die Kanzlerin ist ein Reptiloid) hat es zu allen Zeiten gegeben. Die gab es vor Corona und die wird es nach Corona geben. Und es gibt politische Sammelbecken, die sich das zunutze machen. Auch das ist kein neues Phänomen.

Neu ist ein anderes Phänomen: das Politische findet immer weniger statt. Parlamente werden zu Veranstaltungsräumen für Gedenkstunden. Politik wird gemacht in "Eierlikör-Runden", aus denen noch während der Beratungen Wasserstandsmeldungen an befreundete Journalisten durchgesteckt werden. Statt im Parlament vollzieht sich die Öffentlichkeit politischer Beschlüsse in einem 15 minütigen "Brennpunkt". Der Ernst der Situation wird in einer Runde mit der Kanzlerin zum Gegenstand von "Verhandlungen"! Da gibt es dann einen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg, der hat bald Wahlen. Und auf Druck seines Koalitionspartners und weil es eine entsprechende "Stimmung" im Ländle gibt, verkündet er - noch während die Pressekonferenz der Kanzlerin läuft - daß (entgegen den soeben gefaßten Beschlüssen) er erwägt, schon bald die Schulen wieder zu öffnen. Eine andere Ministerpräsidentin hält sich im "Brennpunkt" zugute, daß sie für ihre Bevölkerung, die das Glück niedriger Infektionszahlen hat, das Beherbergungsverbot "herausgeholt" hat, welches die Gerichte wenige Tage später wieder einkassierten. Ein dritter Ministerpräsident kokettiert damit, während der "Verhandlungen" sich mit einem Spiel auf dem Handy die Zeit vertrieben zu haben. Der vierte Ministerpräsident möchte Kanzlerkandidat seiner Partei werden; je nach Stimmung im Land macht er sich für Schließungen oder Öffnungen stark. -

Der Kanzlerin ist kaum ein Vorwurf zu machen. Wäre es nach ihr gegangen, hätte es den Lockdown light nicht gegeben. Aber sie konnte sich in den "Verhandlungen" nicht durchsetzen.

"Verhandlungen"??? - Ja, es wird verhandelt, wie man eine Pandemie bekämpft. Ich gebe dir die Schulöffnung, dafür bekomme ich von dir das Beherbergungsverbot. Corona-Quartett. Verhandelt wird unter Ausschluß der Öffentlichkeit in einem virtuellen Hinterzimmer. Gegenstand der Verhandlungen: die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.

Wer daran Anstoß nimmt, wird der Seite der Reptiloid-Theoretiker zugeschlagen. Denn der Spalt verläuft nicht mehr zwischen Regierung und Opposition. In Gestalt der SPD opponiert die Regierung gegen sich selbst. Die Grünen, deren Rolle die Opposition wäre, schreiben der CDU Gefälligkeitsgutachten, um im Herbst bei der nächsten Bundestagswahl als Partner bei den Verhandlungen mit der dann vermutlich stärksten Partei infrage zu kommen. Die FDP vertritt die Hoteliers. Die Linke sucht noch, wen sie vertreten soll. Und die AfD schielt nach Querdenkern und Reptiloid-Gläubigen.

Das Politische findet auf einer Degenerationsstufe statt. "Wenn ihr jetzt alle schön brav seid, dürft ihr auch Weihnachten feiern." - Das ist die Infantilisierung und Disneyisierung des Politischen. Und wir können sagen: Wir sind dabei gewesen.

Das, Stefanie, stört mich - und nicht drei junge Hanserl, die den Abstand nicht einhalten.

Querdenker - das war einmal eine politische Nobilitierung. Wir erleben den Umbau der politischen Rhetorik, die Umdeutung des Mitbürgers in eine Gefahrenquelle, die Rückabwicklung emanzipativer Fortschritte (!) in restaurative Muster. ABER: wir haben das Gendersternchen!




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Nauplios
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So 21. Feb 2021, 04:53

Stefanie hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 23:33

Frankreich hatte doch sowas auch, Hmmm bis jetzt keine Spur von Diktatur oder sowas.
"Wir stehen vor einer Gesundheits-Diktatur" läßt sich Markus Gabriel im österreichischen Fernsehen zitieren. Das "Ende der Moderne" kommt in Sicht. Der "Hygienismus" ist genauso verachtenswert wie der "Rassismus". - Ich mache mir nichts davon zu eigen. -

Allerdings zeigen die Ausführungen von Gabriel dann doch mehr als diese steilen Thesen. Ich glaube, daß er an einigen Stellen nicht ganz so weit daneben liegt, wie man es nach dem ersten Eindruck vermuten sollte. Ein Mann philosophiert am Küchentisch. Was soll mir denn sympathisch sein, wenn nicht das!? - Bei mir hätte es anstelle des Wassers auch Wein gegeben. Das philosophische Denken darf sich Flügel wachsen lassen. Und wenn dazu Dionysos zu Flugkünsten anregt, dazu noch in Personalstärke eines platonischen Dialogs: sehr gerne. (Wenn ich das hier in der Vergangenheit mal gemacht hab', dann mußte das natürlich gelöscht werden. Das verdirbt sonst die guten Sitten.) :lol:

Der philosophische Diskurs ist aber etwas anderes als der politische Diskurs. Das gilt für Brüderle und gilt auch für Gabriel. Sollte Gabriel auf die Idee verfallen, auf das Ticket der Grünen mal das Amt eines Kulturstaatsministers zu bekleiden und solche Dinge rauszuhauen ("Wir stehen vor einer Gesundheits-Diktatur"), gebe ich ihm keine 24 Stunden. - Nun sucht er ja die Öffentlichkeit. Um jeden Preis. Und er hat auch verinnerlicht, daß man, um gehört zu werden als (noch) Außenstehender, auf die Pauke hauen muß. Als Musiker weiß ich aber, daß manchem Paukisten beim Paukenwirbel die Schlägel schon um die Ohren geflogen sind.

Nein, Gabriel soll sein Ding machen. Philosophen brauchen Beinfreiheit. Lassen wir ihn machen.

Gerhart Baum, ehemaliger Innenminister und inzwischen fast neunzig Jahre alt, artikuliert jene Bedenken, die ich auch habe. Mit ihm tun das mittlerweile einige Verfassungsrechtler. Mit einem lapidaren In-Frankreich-herrscht-auch-keine-Diktatur würde ich solchen Bedenken wie Baum und andere sie äußern, nicht begegnen. - Politik gewinnt ihre Legitimität auch an Verfahren. Und wenn die Verfahrensordnungen über längere Zeit umgangen werden -nein, haben wir noch keine "Diktatur", aber wir haben eine schleichende Aushöhlung verfassungsgemäßer Abläufe. - Wozu soll das gut sein?

Und es führt auch zu einer Aufweichung des Vertrauens. Vertrauen ist eine bedeutende Währung im Austausch zwischen Politik und Gesellschaft. Die jetzige Gestaltung des Politischen mit ihrer Intransparenz und der Erosion verfassungskonformer Verfahren ist ein Konjunkturprogramm für alle Verschwörungstheoretiker. Auch für die Janas aus Kassel.

Als Bürger, als Citoyen, erwarte ich - und das mag Dir ruhig konservativ oder antiquiert vorkommen, Stefanie - daß sich Politik auch in Ausnahmesituationen Verfassungsgrundsätzen verpflichtet weiß. Ich schätze auch die Kumpaneien von Politikern und Journalisten nicht sonderlich. Markus Feldenkirchen kann gut mit Laschet, Robin Alexander hat einen guten Draht zum Kanzleramt, Melanie Amann versteht sich super mit der SPD-Spitze, dafür war Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der WELT bis August 2020 Ehefrau von Christian Lindner. -

Hier ist ein polit-journalistisches Soziotop entstanden, das sich bei Anne Will, Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Maybrit Illner und Markus Lanz die Klinke in die Hand gibt. Politik darf auch unterhaltend sein. Aber das Format der Talkshow sollte nicht die zentrale Vermittlungsinstanz des Politischen sein. (Das ist sie natürlich längst.)

Wer noch die alten Schwarz-Weiss-Bilder von Günter Gaus (Zur Person) im Kopf hat oder den Internationalen Frühschoppen von Werner Höfer (Alkohol in der Öffentlichkeit horribile dictu) oder die legendären Interviews von Ernst-Dieter Lueg mit Herbert Wehner oder den
Bericht aus Bonn mit Friedrich Nowottny, wird ahnen, was ich vermisse. - Distanz ist ein wichtiges Gebot für Journalisten.

Es gibt keinen Grund, die "gute alte Zeit" zu verklären. Nur ein wenig Seriosität wäre nicht schlecht. Ich muß auch die Börsenkurse nicht vor der Tagesschau serviert bekommen; mir reicht der Wirtschaftsteil der FAZ. (Und bitte keine Werbung für Damenbinden zwischen Nachrichten und Wetterbericht.) Und geht es nicht auch ohne ständigen moralischen Subtext beim heute-journal? - "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache - auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört." (Hanns Joachim Friedrichs) -




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So 21. Feb 2021, 05:46

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 23:46

Was die Folgen der Maßnahmen betrifft sind vielleicht neben den Biologen und Medizinern noch Soziologen gefragt. Auch eine ganze Reihe anderer Experten (auch aus der Wirtschaft).
Und die dürfen allesamt auch gerne Vorschläge machen wie man das Virus effizient und gleichzeitig (geldbeutel-)schonend bekämpft. Nur müssen diese Vorschläge am Ende dann auch mit dem Ziel (ich erinnere daran , es geht immer noch darum den Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu vermeiden) und den biologischen Fakten kompatibel sein.
https://www.divi.de/register/tagesreport

Das ist das Intensivregister der "Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Täglich um 13.00 Uhr wird dort eine pdf-Datei aktualisiert mit den Daten zu den intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten. Die höchste Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten war in der letzten Dezember-Woche 2020. - Der "Lockdown-light" begann am 02. November. Sechs Wochen "Lockdown-light": Ergebnis: 5.745 Covid19-Erkrankte auf den Intensivstationen. Ärzte und Pflegepersonal am Limit. Wollen wir das "Erfolg" nennen? -

Es ist das Scheitern einer monatelang zögerlichen Politik. Die Bars waren Ende Dezember schon fast acht Wochen dicht. Nachdem man gesehen hatte, daß ein "Lockdown-light" das Infektionsgeschehen nicht abbremst, mußte man dann auf "Lockdown-ohne-light" umschwenken. Man hatte die Situation falsch eingeschätzt. Hätte man sie nicht falsch eingeschätzt, hätte man beim "Lockdown-light" bleiben können. -

Diesem Lockdown-light ging eine ganze Reihe weiterer Fehleinschätzungen voraus. Viola Priesemann hatte bereits im Oktober einen "harten, aber kurzen Lockdown" vorgeschlagen. Zwei bis drei Wochen - wurde alles in den Wind geschlagen. Haben wir nicht nötig. Kriegen wir auch so in den Griff. Pustekuchen. Mitte Dezember mußte doch der harte Lockdown kommen. Die Kanzlerin hatte es da schon längst geahnt. Man hörte nicht auf sie. "Ich bin keine nachgeordnete Behörde des Kanzleramts." (Bodo Ramelow im Oktober 2020, damals noch ohne "Candy Crush" auf dem Handy).

Bodo Ramelow muß man zugute halten, daß er sich zu seiner fatalen Fehleinschätzung der Lage bekannt hat. "Ich habe mich von Hoffnung leiten lassen, was sich jetzt als bitterer Fehler zeigt." (08. Januar) - Einer von 16 gibt seinen "bitteren Fehler" zu. Die anderen 15 haben nie Fehler gemacht. Da haben wir eine tolle Truppe.




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So 21. Feb 2021, 06:53

Bevor's mißverstanden wird: ich rufe nicht zur Revolution oder zu einem Staatsstreich auf, auch nicht zur "Überwindung" eines Systems, ich trage auch keine Unterwanderstiefel zum Marsch durch die Institutionen. - Ich bin allerdings auch keine Außenstelle des Regierunssprechers. Daß die Welt sich ändert, darauf kann ich mit altersgerechter Milde reagieren und daß die Politik sich in einer Situation wähnt, in der sie verfassungsgerechte Verfahren nicht mehr nötig zu haben glaubt, darauf reagiere ich mit altersgerechtem Starrsinn.

Im Herbst geht die Ära Merkel zuende. Alles in allem war das eine gute Zeit. Wenn sie und die CDU es wollten: eine fünfte Amtszeit wäre möglich. Möglich, aber nicht gut. Jetzt braucht es etwas Neues. Also nicht Friedrich Merz. In Finnland ist die 35-jährige Sanna Marin erfolgreiche Regierungschefin, Mette Frederiksen ist Ministerpräsidentin in Dänemark, First Minister in Schottland ist Nicola Sturgeon und seit dem Anschlag von Christchurch ist die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern weltbekannt und dazu nun in Amerika Kamala Harris als Vizepräsidentin. - Annalena Baerbock als Kanzlerin? Das werden die politischen Mehrheitsverhältnisse wohl nicht hergeben; ebensowenig Robert Habeck als Kanzler. (Ein Philosoph als Kanzler? Das muß nicht sein. Dann schon eher Annalena Baerbock. Sie zeigt sich in Diskussionen sehr gut vorbereitet, ist bis in Details kompetent und versteht sich Gehör zu verschaffen.)




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So 21. Feb 2021, 07:23

Letzte Meldung: 7-Tage-Inzidenz wieder über 60.

Karl Lauterbach weist auf eine israelische Studie hin: "Diese Auswertungen sind von großer Bedeutung. Sie sind der erste klare Hinweis darauf, dass man sich nach der Impfung nicht ansteckt und auch nicht ansteckend ist", führt er aus. Damit würde die Impfung eine Herdenimmunität tatsächlich ermöglichen - "und die Rückkehr zum normalen Leben möglich machen".

Das hört sich doch gut an. -




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Burkart
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So 21. Feb 2021, 09:34

Stefanie hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 20:26
wir wollen alle von 16:00 bis 17:Uhr in den Supermarkt,
Komisch, ich habe den Eindruck, dass es gerade Freitag Mittag sein muss, gerade bei vielen älteren Menschen.
iselilja hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 21:03
Hm.. ich kann mir gut vorstellen, dass es auch Leute gibt, die nachts im Ehebett lieber Maske tragen um den Partner nicht anzustecken. Manchmal blockiert auch zu viel Altruismus unser Denken. ;-)
Meine Partnerin meint damit, dass wir uns nicht umarmen (von Küssen mal ganz zu schweigen), ihr Corona-Risiko zu verringern... es muss also nicht nur Altrusimus sein, der zu extremen Verhalten führt ;)
AndreaH hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 21:38
Ich denke beim Corona Virus prallen einfach Welten aufeinander.
Wenn man dem wirtschaftlichen Bereich mehr Raum gibt, schwächt es den gesundheitlichen Bereich. Gibt man dem gesundheitlichen mehr Raum schwächt es das wirtschaftliche. In beiden befinden sich Menschen mit Bedürfnissen.
Die unterschiedlichen Meinungen der Menschen gehen diesbezüglich genauso auseinander. Der eine dominiert den anderen mit seiner Einstellung.
So ist es. Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel, wo die unterschiedlichen Meinungen der Menschen extrem aufeinander prallen und vor allem, wo man es auch aktuell wahrnimmt.
Denn auch sonst gibt es genügend andere Bereiche (Arm-Reich-Schere, Umweltschutz usw.), wo es große Gegensätze gibt, nur sind die durch ihre Langlebigkeit zu einem großen Teil in den Hintergrund geraten, so dass man sich z.T. (inzwischen!?) zu wenig Gedanken um sie macht, sie in den Medien keine so große Rolle mehr spielen und vor allem in der Politik nicht angegangen werden, was allerdings auch an Lobbys liegt, die dies gerne verhindern, verschleiern u.ä.
Bleibt uns nur, einen Schritt auf den anderen zuzugehen und seine Einstellung, Meinung zu verstehen, oder das Spiel weiterspielen. (und schauen was uns die Zukunft bringt)
Eine Meinung zu verstehen (wenn es denn überhaupt geschieht) heißt nur noch lange nicht, dass sich etwas bzw. die Leute etwas ändern wollen, was nicht ihren eigenen Interessen entspricht, so ungefähr nach dem Motto "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht"...
Nauplios hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 04:53
"Wir stehen vor einer Gesundheits-Diktatur" läßt sich Markus Gabriel im österreichischen Fernsehen zitieren.
Na, endlich mal ein wenig Abwechlung und eine andere Diktatur als die des Kapitals ;)
Das "Ende der Moderne" kommt in Sicht.
Na, wenn da nicht jemand eine krasse Einstellung hat...
Der "Hygienismus" ist genauso verachtenswert wie der "Rassismus".
Und viele weitere so schön moderne (oder gar modische?) ismen...



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.

[Allgemeine, starke KI wird kommen - die Frage ist nur, wann... und was man darunter genau versteht...]

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Jörn Budesheim
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So 21. Feb 2021, 09:51

Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 09:34
Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel, wo die unterschiedlichen Meinungen der Menschen extrem aufeinander prallen und vor allem, wo man es auch aktuell wahrnimmt.
Stimmt das? Zeigen nicht die Umfragen ein anderes Bild? Fast 70% der Menschen halten die Maßnahmen entweder für angemessen oder würden sogar noch schärfere Maßnahmen befürworten, nur ein Viertel hält die Maßnahmen für zu weitgehend. Es gibt also eine ganz deutliche Mehrheit, die die Maßnahmen unterstützen!



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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Burkart
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So 21. Feb 2021, 10:11

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 09:51
Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 09:34
Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel, wo die unterschiedlichen Meinungen der Menschen extrem aufeinander prallen und vor allem, wo man es auch aktuell wahrnimmt.
Stimmt das? Zeigen nicht die Umfragen ein anderes Bild? Fast 70% der Menschen halten die Maßnahmen entweder für angemessen oder würden sogar noch schärfere Maßnahmen befürworten, nur ein Viertel hält die Maßnahmen für zu weitgehend. Es gibt also eine ganz deutliche Mehrheit, die die Maßnahmen unterstützen!
Na ja, alles ist relativ bzw. subjektiv...
Zumindest hört man immer wieder im Fernsehen, wie sich Familienangehörige über ihre Probleme auslassen, genauso wie Firmen oder Selbständige mit finanziellen Problemen, natürlich ganz zu schweigen von der "Gegenseite", die möglichst nur gesund bleiben und schnell zurück zur Normalität möchte.
So fand ich z.B. den Aspekt interessant, warum ausgerechnet Friseure (Lobby??) am 1.3. wieder aufmachen dürfen, aber viele andere nicht - sicher ein Aspekt, der zurecht in der Kritik steht.



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Jörn Budesheim
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Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:11
Na ja, alles ist relativ bzw. subjektiv...
Na dann, das hast du bestimmt bei Stanislaw Lem gelesen, stimmt's?



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iselilja
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So 21. Feb 2021, 10:50

Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:11

So fand ich z.B. den Aspekt interessant, warum ausgerechnet Friseure (Lobby??) am 1.3. wieder aufmachen dürfen, aber viele andere nicht - sicher ein Aspekt, der zurecht in der Kritik steht.
Ich glaube nicht, dass dies etwas mit Lobbyarbeit zu tun hat. Ich glaube vielmehr, dass hier einigen bewußt geworden ist, wie gerade "Trivialitäten" unser soziales Leben bestimmen. Ich merke das auch auf Arbeit, wie einige (vielleicht sogar die Mehrheit) damit zu kauen hat, dass sie so "unkultiviert" durch die Gegend laufen müssen. Es hat einen ähnlich hohen Stellenwert wie das EInkaufen von Lebensmitteln, wenn man es aus der sozialen Perspektive betrachtet.




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Burkart
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So 21. Feb 2021, 11:03

Jörn Budesheim hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:46
Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:11
Na ja, alles ist relativ bzw. subjektiv...
Na dann, das hast du bestimmt bei Stanislaw Lem gelesen, stimmt's?
Hm, ich hatte es wohl irgendwann mal, aber nicht sehr viel bzw. intensiv (Asimov ist mein Lieblings-SF-Autor).
Wo steht denn sowas bei Lem?
Eigentlich ist das einfach nur meine eigene Ansicht :)



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Burkart
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So 21. Feb 2021, 11:18

iselilja hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:50
Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:11

So fand ich z.B. den Aspekt interessant, warum ausgerechnet Friseure (Lobby??) am 1.3. wieder aufmachen dürfen, aber viele andere nicht - sicher ein Aspekt, der zurecht in der Kritik steht.
Ich glaube nicht, dass dies etwas mit Lobbyarbeit zu tun hat. Ich glaube vielmehr, dass hier einigen bewußt geworden ist, wie gerade "Trivialitäten" unser soziales Leben bestimmen. Ich merke das auch auf Arbeit, wie einige (vielleicht sogar die Mehrheit) damit zu kauen hat, dass sie so "unkultiviert" durch die Gegend laufen müssen. Es hat einen ähnlich hohen Stellenwert wie das EInkaufen von Lebensmitteln, wenn man es aus der sozialen Perspektive betrachtet.
Tja, mag sein, dass diese Trivialität so ins Auge gefallen ist. Wenn man allerdings darüber genauer nachdenkt, was eigentlich wichtig ist oder sein sollte, kann ich den "nur Friseur dürfen aufmachen"-Aspekt nicht wirklich nachvollziehen, insbesondere für die, die zu Hause arbeiten dürfen.
Z.B. ""Wo ist Unterschied, ob 1,5 Stunden beim Friseur oder 15 Minuten Einkauf im Laden?", machte Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland seinem Ärger Luft." von hier.



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Friederike
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So 21. Feb 2021, 11:26

iselilja hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:50
Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 10:11
So fand ich z.B. den Aspekt interessant, warum ausgerechnet Friseure (Lobby??) am 1.3. wieder aufmachen dürfen, aber viele andere nicht - sicher ein Aspekt, der zurecht in der Kritik steht.
Ich glaube nicht, dass dies etwas mit Lobbyarbeit zu tun hat. Ich glaube vielmehr, dass hier einigen bewußt geworden ist, wie gerade "Trivialitäten" unser soziales Leben bestimmen. Ich merke das auch auf Arbeit, wie einige (vielleicht sogar die Mehrheit) damit zu kauen hat, dass sie so "unkultiviert" durch die Gegend laufen müssen. Es hat einen ähnlich hohen Stellenwert wie das EInkaufen von Lebensmitteln, wenn man es aus der sozialen Perspektive betrachtet.
Wie gerüchteweise zu vernehmen war, haben sich die Friseur*innen und ihre Kundschaft auf "zivilen Ungehorsam" geeinigt und arbeiten seit einiger Zeit "schwarz". Da ist es dann doch besser, man läßt sie offiziell arbeiten. Selbstverständlich ist jeder Friseursalon ein Ort mit größerer Ansteckungsgefahr als ein Fitneßclub, aber die politisch Verantwortlichen haben ein feines Gespür dafür, was sie ihrem Volk zumuten können und was nicht. Es gibt zu viele Damen und Herren mit schicken Kurzhaarschnitten, bei denen mann/frau nicht selber Hand anlegen kann.




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Burkart hat geschrieben :
So 21. Feb 2021, 11:03
Eigentlich ist das einfach nur meine eigene Ansicht
Ich würde eher sagen, es ist ein weiteres Beispiel für eine Pandemie.



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AndreaH
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So 21. Feb 2021, 11:47

Nauplios hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 22:33
AndreaH hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 21:38
iselilja hat geschrieben :
Sa 20. Feb 2021, 21:03


Hm.. ich kann mir gut vorstellen, dass es auch Leute gibt, die nachts im Ehebett lieber Maske tragen um den Partner nicht anzustecken. Manchmal blockiert auch zu viel Altruismus unser Denken. ;-)
Ich denke beim Corona Virus prallen einfach Welten aufeinander.
Wenn man dem wirtschaftlichen Bereich mehr Raum gibt, schwächt es den gesundheitlichen Bereich. Gibt man dem gesundheitlichen mehr Raum schwächt es das wirtschaftliche. In beiden befinden sich Menschen mit Bedürfnissen.
Ja, dieses Klischee von den zwei Welten - hier die gesundheitsbewußte und moralisch integere, dort die wirtschaftliche Welt mit ihren Maßlosigkeiten - wird gern genommen. Das ist der alte gnostische Dualismus: hier das Reich des Lichts - dort das Reich der Finsternis.

Das Reich des Lichts steuert auf 70.000 Corona-Tote in Deutschland zu. Eine Lichtgestalt sieht anders aus. - Da nun seit heute die Vorstellungskraft einen eigenen Thread hat: Ist es außerhalb jedweder Vorstellungskraft, daß der Weg zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vielleicht doch nicht alternativlos ist? - Können wir uns die Welt nicht mehr anders denken als in ihrem momentanen Ist-Zustand? - ;) Wo bliebe denn dann die "Verbesserung" der Welt, die doch für viele immer noch ihren Charme hat? - Aber vielleicht besteht diese Verbesserung ja auch darin, daß wir Andy Scheuer zum Gesundheitsminister machen. Der erhebt für jedes Virus eine Maut. Dann ist's aus mit Corona. - Nee, wir haben wirklich schon ein tolles Team in Berlin. Es ist halt das Volk, was stört. -


Nein, so sehe ich das nicht.
Für mich hat die wirtschaftliche und die gesundheitliche Seite beides eine gleiche Wertigkeit.
Für mich hat der wirtschaftliche Bereich genauso einen moralischen Wert. Etwas höher in seiner Wertigkeit sehe ich schon den Gesundheitlichen, da es in diesen Bereich um Menschenleben geht.
Beim Wirtschaftlichen sehe ich nicht nur die Großen (der Stärkere frisst den Schwächeren, Wachstum auf Kosten anderer,...)
Um die Großen mache ich mir keine Sorgen, die holen sich sowieso was sie brauchen. Natürlich gehört dieser Bereich auch mit zum Wirtschaftlichen. Im Wirtschaftlichen sehe ich vielmehr Arbeitnehmer, Unternehmer die ihr ganzes Herzblut in ihre Firmen stecken, Menschen die mit ihrer Arbeit ihre Familien ernähren,....
In diesen Bereich geht es auch um Menschen die durch den Verlust ihrer Tätigkeit genauso leiden müssen, wie im Gesundheitsbereich ein Betroffener mit Vorerkrankungen der sich fürchtet dieses Virus zu erwischen. Daher hat der wirtschaftliche Bereich für mich genauso moralische Werte.
Das kann man sich sehr leicht vorstellen, indem man ein kurzes Gedankenexperiment macht. Man stellt sich vor, wie wäre es für mich persönlich, wenn ich von heute auf morgen meine Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Wenn man plötzlich keinen Zugriff mehr zu dieser Arbeit hätte. Weder im homeoffice noch sonst irgendwie.
Dann merkt man schnell, da geht es nicht einfach nur um das Geld!
Es geht um eine Tagesstruktur die wegfällt, soziale Begegnungen, viele Menschen erschaffen regelrecht etwas mit ihrer Arbeit,....

Daher ist das für mich nicht Licht gegen Finsternis. Sondern es prallt eher ein Licht auf ein anderes Licht.

Daher die Lage die wir derzeit haben: Das Wirtschaftliche kann leichter finanziell abfangen werden. Menschenleben kann man nicht so einfach mit Geld abfangen



Es sind Begegnungen mit Menschen die das Leben lebenswert machen!

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