Corona

Philosophie Chat: Hier wird geplaudert über Gott und die Welt.
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Nauplios
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Fr 16. Okt 2020, 19:42

Sich der Mühe zu unterziehen unter "Anika Klafki + AfD" zu googlen, führt ins Leere: ;)

https://www.rewi.uni-jena.de/prof_klafki




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Stefanie
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Fr 16. Okt 2020, 21:40

Zur politischen Ebene gehört auch, dass sich einige Politiker hinstellen, um ihre Meinung kund zu tun, aber die Hälfte verschweigen, um mittlerweile wieder Wahlkampf zu machen und so tun, als ob die Möglichkeiten der Grundrechtseinschränkungen jetzt erst erfunden wurden und das arme Parlament nicht gefragt wurde. Profilieren ist mal wieder angesagt, anstatt konstruktiv mit zuwirken. Laschet gegen Söder, Lindner gegen beide, für die AfD gibt es Corona nicht, irgendein wirtschaftsvertreter gegen einen Wissenschaftler, die unter einander gegen sich selber, usw.

Solidarität unter den Bundesländern ist ...bescheiden.
Die Beherbungsverbote und deren Unlogik jetzt so zu pushen scheint irgendwie ein Ventil zu sein, hat aber die Auswirkung, dass alle anderen Maßnahmen in Zweifel gezogen werden. Was soll das?

In einem Rechtsstaat diesem vorzuwerfen, dass er funktioniert, wenn Regelungen überprüft und auch mal aufgehoben werden, ist schon schräg. Dann muss eben nachgebessert werden, was auch möglich ist.
Das ist das Präventionsparadoxum des Rechts.
Hat man diesen Vorwurf auch schon mal so gemacht, wenn das Bundesverfassungsgericht ein Gesetz gekippt hat?

Die Runde bei Frau Merkel ist notwendig. Der Bund schreibt nichts vor, kann er in zweifacher Hinsicht nicht, wie man jetzt gemerkt hat. Aber es braucht jemanden, der zumindest versucht, alle unter einen Hut zu bringen.

Wer wusste im März und April, was zu weit geht und was nicht? Die JuristInnen genauso wenig, wie die PolitikerInnen. Hat sich daran was entscheidendes geändert? Bis auf den Umstand, dass man jetzt etwas mehr über diesen Virus weiß? Gesichertes Wissen ist das immer noch nicht.



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NaWennDuMeinst
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Fr 16. Okt 2020, 21:55

Ja genau. Wer weiß schon was? Deshalb glaube ich jetzt keinem mehr und mache einfach was ich will... Wie alle anderen auch.
Und wenn dabei Menschen draufgehen, dann ist das halt Pech. Ich lasse mir doch nicht den Spaß am Leben nehmen wegen "keiner weiß es".



But I, being poor, have only my dreams; I have spread my dreams under your feet;
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Nauplios
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Fr 16. Okt 2020, 22:22

Ja, "die Politik" profiliert sich. Lange wurde ihr vorgeworfen, daß sie sich nicht profiliert, daß etwa die beiden großen Volksparteien (damals UNION und SPD) sich nicht genug gegeneinander absetzen. Auch in Zeiten von Corona wird gewählt. -

Meine eigene Erkrankung durch das Coronavirus im April hat mich für das Thema ... wie soll ich sagen ... "sensibilisiert" ... ;) Sie hat mich auch für den Umgang der Akteure (Politiker, Virologen, Mathematiker, Medien ...) mit der Pandemie sensibilisiert. Und auch wenn der Rechtsstaat natürlich funktioniert: man darf als Bürger kritisch gegenüber staatlichem Handeln bleiben. Selbstverständlich halte ich die angemahnten Regeln ein - heute genauso wie im April in der Quarantäne. Wir haben unseren Urlaub an der holländischen Nordseeküste ausfallen lassen. Für die Räume meiner Musikschule sind Luftfilteranlagen in Planung; der Termin mit dem Baubiologen steht bereits fest. Bis dahin waren sämtliche Fenster im Unterricht weit geöffnet, die Türen ebenso, um Durchzug zu erzeugen. Die Bands mit denen ich gelegentlich auftrete, sind vollständig ohne Job, meine Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt. Keine Geburtstagsfeier. Keine Besuche. Spaziergänge mit Kater Murphy wie eh und je in tiefer Nacht. - ;)

Warum erzähle ich das alles? - Weil ich den Eindruck habe, es zu müssen. Ist das gut? - Nein.




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NaWennDuMeinst
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Fr 16. Okt 2020, 22:46

Es tut mir leid, aber Niemand kann das was abgeht noch ernst nehmen.
Wir werden dazu verpflichtet Masken zu tragen, sogar mit Bußgeldandrohung, aber es bleibt bei Androhungen. Menschen die sich einen Scheiß um die Maskenpflicht scheren werden schlicht nicht behelligt. Es hat einfach überhaupt keine Konsequenzen ob die erlassenen Regeln nun befolgt werden oder nicht.

Überall sagt man uns: "Stay at home", "Vermeide Kontakte".
Gleichzeitig senden Verwaltungsgerichte das Signal, dass das gesellige Feiern in Bars und Kneipen ok ist.
Wir sollen doch bitte zuhause bleiben und das Virus nicht in andere Bundesländer schleppen, aber das Reisen irgendwie einschränken will man dann doch nicht.

Darüber kann man einfach nur noch lachen.
Weckt mich wieder wenn der nächste Lockdown (den wir uns nicht leisten können) kommt.
Wenn die Leute wieder Klopapier horten und die Barbesitzer, die jetzt so "erfolgreich" geklagt haben dann endgültig zugrunde gehen.
Bis dahin interessiert mich dieses lächerliche Theater nicht mehr.



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Stefanie
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Fr 16. Okt 2020, 23:43

Der Eindruck der entsteht, ist der, dass man nicht in umgekehrter Richtung kritisch sein darf. Mir persönlich sind einige der derzeitigen Massnahmen nicht konsequent genug in der Umsetzung. Diese kritische Haltung wird nicht gerne gesehen.

Das Beherbungsverbot kann durchaus Sinn machen. Nämlich für Gebiete mit niedrigen Infektionnszahlen. Müssen da jetzt unbedingt Kölner hin? Man kann an die Vernunft appellieren, scheint aber gerade nicht zu funktionieren, schon gar nicht bei einem reiselustigen Volk wie die Deutschen.
Feiern im privaten Raum sind derzeit gerade ziemlich häufig Ausbruchsquellen. In Köln war es z.b. eine Geburtstagsfeier zum 18 Geburtstag, bei dem von 40 Gästen jetzt 20 positiv sind. Aber wie will man dem Herr werden, wenn man nicht kontrolliert, ob sich mehr als 10 Leute in der Wohnung aufhalten?

Gibt es ein Recht auf feiern mit Alkohol, wenn ich damit andere gefährde?
Ich begehe eine Straftat, wenn ich absolut fahruntüchtig Auto fahre, auch ohne einen Unfall zu verursachen (Das gibt es), aber es ist unverhältnismäßig, wenn feiern oder bar Besuche eine begrenzte Zeit eingeschränkt werden, damit andere nicht dem Risiko ausgesetzt werden, sich zu infizieren?
Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Seit fast 22 Jahren habe ich mit Behörden, Kostenträgern und deren Verhalten zu tun, und mit Gesetzen, die grundlegende Regelungen und Rechte links liegen lassen, was die wenigstens interessiert, die davon nicht betroffen sind. Dagegen ist Maske tragen müssen nichts.



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Burkart
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Fr 16. Okt 2020, 23:45

Lasst uns am besten alle in Winterschlaf gehen und im Frühling wieder gesund und munter aufwachen :D

Realistisch gesehen ist für mich das Wichtigste Abstand zu halten, damit man sich und Andere möglichst nicht anstecken kann. Sowas wie große (z.B. Familien-)Feiern u.ä. sollte man wirklich vermeiden.
Eine Maske bei geringem Abstand hilft einfach weniger als keine Maske bei großem Abstand.



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NaWennDuMeinst
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Sa 17. Okt 2020, 00:26

Stefanie hat geschrieben :
Fr 16. Okt 2020, 23:43
Der Eindruck der entsteht, ist der, dass man nicht in umgekehrter Richtung kritisch sein darf. Mir persönlich sind einige der derzeitigen Massnahmen nicht konsequent genug in der Umsetzung. Diese kritische Haltung wird nicht gerne gesehen.
War es gestern? Ich glaube ja. Da hat der RBB in der Abendschau eine Umfrage gestartet, ob sich die Menschen härtere Maßnahmen wünschen.
78% waren für härtere Maßnahmen.
Lass dir keinen Bären aufbinden. Diese 11 Barbesitzer und die ihnen gefälligen Gerichte repräsentieren nicht die Mehrheit.
Dieses inkonsequente Handeln verstehen viele Menschen nicht.
Wochenlang wurde auf den jungen Menschen rumgehackt (sie wurden regelrecht gedizzt, wie sie selbst sagen würden), weil ihnen der Sinn nach Feiern stand und sie sich das auch nicht haben nehmen lassen (mit allen negativen Auswirkungen). Und jetzt ermuntert man sie sogar noch dazu mit solchen Urteilen.
Das ist doch einfach nur 'ne Witznummer! Die haben doch überhaupt keinen Plan. Keine gemeinsame Marschroute. Es macht einfach Jeder was er will und was ihm gefällt.
Aber ganz im Ernst: Das mache ich dann auch. Ich bin doch nicht der Idiot, der sich für andere einschränkt, während die sich kaputtlachen. Das könnt ihr vergessen, Freunde.
Ich mach ab jetzt was ich will. Und wenn ich dabei die halbe Hood anstecke ist mir das absolut Latte.
Zuletzt geändert von NaWennDuMeinst am Sa 17. Okt 2020, 00:46, insgesamt 1-mal geändert.



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Nauplios
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Sa 17. Okt 2020, 00:42

Hatte man sich vor einem Jahr ein Virus eingefangen, war oft ein fehlendes Antivirenprogramm die Ursache. Gegen Viren gingen Virenscanner vor, welche die Infizierung von Rechnern verhindern sollten. - Mit Covid19 entmetaphorisiert sich die Metapher vom Virus ein wenig. -

Susan Sontag schreibt in Krankheit als Metapher: "Zeigen will ich, dass Krankheit keine Metapher ist und dass die ehrlichste Weise, sich mit ihr auseinanderzusetzen […] darin besteht, sich so weit wie möglich von metaphorischem Denken zu lösen, ihm größtmöglichen Widerstand entgegenzusetzen. […] Dem Bemühen um Aufklärung dieser Metaphern und Befreiung von ihnen ist diese Untersuchung gewidmet.“ (Susan Sontag; Krankheit als Metapher; S. 5)

Lange vor Corona haben Ruth Mayer und Brigitte Weingart das Virus als Metapher im biopolitischen Diskurs untersucht: VIRUS! Mutationen einer Metapher.

Der Aufsatzband ist als pdf-Datei im Netz einsehbar.

Die beste Maske, die wir tragen, ist unser eigen Gesicht. - Das findet sich im Nachlaß eines Bewohners aus dem philosophischen Risikogebiet mit hoher Inzidenz: Friedrich Nietzsche (KSA 13, 457) -




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NaWennDuMeinst
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Sa 17. Okt 2020, 00:57

Ich bin immer gerne bereit gewesen (und zwar aus tiefstem Herzen) mich für das Wohl anderer Menschen einzuschränken.
Aber ich erwarte dann, dass meine Mitmenschen für mich das Gleiche machen.
Aber wenn 11 Barbesitzer darüber entscheiden dass wir uns hier alle gegenseitig anstecken... nun gut, so sei es.
Dabei trifft es auch Unschuldige? Mir doch egal. Sagt das den Gerichten, die es nicht für "verhältnismäßig" erachten die lächerlichen Interessen von 11 Barbesitzern über das Wohl dieser Unschuldigen zu stellen.



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Burkart
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Sa 17. Okt 2020, 01:30

Klar geht es den Barbesitzern ums Geld und zwar kurzfristig - wissen sie denn, ob sie langfristig noch verdienen können...

Corona ist ein großes Problem zwischen Egoismus und Altruismus...wieweit steckt man selbst zurück zum Wohl der Anderen...



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Nauplios
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Sa 17. Okt 2020, 01:57

Abstand halten - eine poetische Umschreibung dafür: "azurne Einsamkeit". Prosaischer: "Pathos der Distanz". - Der Unterricht im Rudern bei Meta von Salis war dagegen von Distanzverlusten geprägt, was vermutlich mehr Meta als Nietzsche zu verdanken ist. Eine "azurne Einsamkeit" war es jedenfalls nicht, denn Meta war, wie Biographen es bei solchen Gelegenheiten gern nennen, eine stürmische Bewunderin Nietzsches. Der Sturm ihrer Bewunderung ist um so bewundernswerter als wir wissen, wie sehr Nietzsche in jener Zeit Cosima und Lou bestürmte und Meta sich bereits schwer in Theophanie* Schücking verliebt hatte, später und noch schwerer in Hedwig Kym. Was am Ende aus dem Rudern mit dem "verehrten Fräulein" geworden ist, ist nicht überliefert, wohl aber, daß aus der Bewunderung Gönnerschaft hervorgegangen ist: Meta von Salis kauft drei Jahre vor Nietzsches Tod die Villa "Silberblick" in Weimar, bis auf weiteres Sitz des Nietzsche-Archivs. Ihre Begegnungen mit Nietzsche bringt sie kurz darauf unter dem Titel Philosoph und Edelmensch an die Öffentlichkeit. -

*Theophanie - welch' ein Name!
Theophanie stirbt 1903. Ihre letzten Worte sind einer Zuwendung gewidmet: "Der armen Näherin Angela in Sassenberg hundert Mark" - aufgeschrieben von Louise von Ammon.




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NaWennDuMeinst
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Sa 17. Okt 2020, 02:25

Burkart hat geschrieben :
Sa 17. Okt 2020, 01:30
Klar geht es den Barbesitzern ums Geld und zwar kurzfristig - wissen sie denn, ob sie langfristig noch verdienen können...
Glaub' mir ich habe großes Verständnis für die Situation in der sich jetzt Geschäftszweige wie der Tourismus, oder die Gastronomie befinden.
Denen geht es richtig schlecht, ich weiß das. Deshalb begrüße ich es auch, dass die Regierung Kredite gewährt um das irgendwie abzufedern.
Für viele hat es beim ersten Lockdown trotzdem nicht gereicht. Mir tut das leid. Ehrlich.
Aber umso mehr müssen wir verhindern dass die Zahlen weiter ansteigen.
Wir kommen sonst an einen Punkt wo sehr viele (noch mehr) Menschen nicht nur ihre Existenz sondern auch ihr Leben verlieren werden.
Wir müssen jetzt füreinander Opfer bringen. Es geht nicht anders. Machen wir das nicht, und verfallen wir alle in ein "jeder ist sich selbst der Nächste", dann war's das.
Dann können wir nur noch traurig und hilflos zusehen, wie die Kurve Tag für Tag weiter ansteigt.
Weißt Du noch was der Grund für den ersten Lockdown war? Die Überlastung des Gesundheitssystems. Dieser Grund ist nicht verschwunden.
Das Gesundheitssystem steht jetzt etwas besser da, als zu Beginn der Pandemie, aber die Tatsache, dass die Ressourcen nicht unendlich sind, die hat sich nicht geändert.
Ich will das nicht erleben, dass Ärzte Menschen "aufgeben" müssen, nicht weil sie sie nicht retten könnten, sondern weil kein Platz mehr für sie ist.
Corona ist ein großes Problem zwischen Egoismus und Altruismus...wieweit steckt man selbst zurück zum Wohl der Anderen...
In einer idealen Welt tragen wir uns alle gegenseitig, sodass jeder für den Gewinn des Anderen zurücksteckt. So gewinnen wir am Ende alle.
So müssen wir uns nicht immer verhalten. Im Normalfall kann die Gemeinschaft auch Egoismus gut verkraften.
Aber manchmal kommt es drauf an. Und ich finde das ist jetzt so ein Fall. Jetzt gerade ist Egoismus wirklich fehl am Platze.
Zuletzt geändert von NaWennDuMeinst am Sa 17. Okt 2020, 02:44, insgesamt 1-mal geändert.



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Nauplios
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Sa 17. Okt 2020, 02:31

Die Moderation mag die Beiträge zu Nietzsche verschieben, sofern sie hier nicht recht passen (von mir aus auch löschen) - als Anregung nur noch dies: Der Kreis um Malwida von Meysenbug, den sie in ihren Memoiren einer Idealistin liebevoll erinnert, wäre die Aufarbeitung wert: Alexander Herzen, Ferdinand Freiligrath, Wagner, Baudelaire, Henriette Herz, Rahel Varnhagen, Lou von Salomé, ihre "Buben" Paul Rée und Friedrich Nietzsche ... Die Salon- und Briefkultur des 19. Jahrhunderts fristet ein kärgliches Dasein und ist doch so reich an Gedanken ... Ich nenne nur einen Namen: Bettina von Arnim. - "Die wundersamsten Augen, die mir je vorgekommen sind", schreibt Jacob Burckhardt. - Goethes Briefwechsel mit einem Kinde: neben Eckermanns Gesprächen ein literarisches Juwel! - All das Vergangene!




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NaWennDuMeinst
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Sa 17. Okt 2020, 02:36

Werte. Und nochmal Werte. Immer nur Werte.
Sie abwiegen und abwägen.
Ist denn irgendwann, wenigstens ein einziges Mal im Leben, etwas eindeutig?
Nur ein einziges Mal möchte ich das erleben.



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NaWennDuMeinst
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Sa 17. Okt 2020, 02:59

Nauplios hat geschrieben :
Sa 17. Okt 2020, 02:31
Goethes Briefwechsel mit einem Kinde
Das Buch ist in der Form eines Briefromans geschrieben, der Briefwechsel mit Goethe ist von Bettina dafür stark bearbeitet worden. Sie begegnet Goethe zum ersten Mal 1807 in Weimar und verliebt sich in den um 36 Jahre älteren Dichter. Sie selbst ist 22 Jahre alt und unterschreibt ihre Briefe an ihn gern mit "Dein Kind". In dieser literarischen Projektion idealisiert sie Goethe und hebt ihn auf ein unerreichbares Podest. Dem Geheimrat ist diese Schwärmerei eher unangenehm und er beantwortet ihre Briefe nur äußerst knapp.

Als Goethes eifersüchtige Frau Christiane bei der Ausstellung eines unbedeutenden Künstlers ins Schwärmen verfällt, geraten Bettina und sie in einen Streit. Frau Goethe wird handgreiflich, Bettina wehrt sich mit den Worten: "Christiane, Sie sind eine wahnsinnige Blutwurst." Darauf verbietet Goethe Bettina von Arnim und ihrem Ehemann sein Haus.
Christiane, sie sind eine wahnsinnige .. ähh... Blutwurst?
:lol:
(was zum Geier ist eine "wahnsinnige Blutwurst"?)



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Nauplios
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Sa 17. Okt 2020, 05:14

Die Weimarer Klatsch- und Tratschgeschichten wurden aus dem Nachlaß von Karl August Böttiger herausgegeben: Literarische Zustände und Zeitgenossen. Begegnungen und Gespräche im klassischen Weimar - Charlotte Schiller habe über Goethes Ehefrau Christiane als "Goethes dicke Hälfte" gesprochen; Frau von Stein habe sie gar eine "gemeine Hure" genannt. - Böttiger berichtet auch von seinem Besuch bei Goethe: er, Goethe, habe "ekelhaft gelb im Gesicht" ausgesehen, und "beinahe keine Haare mehr am Kopf" gehabt, so sehr hätten ihn "seine Kämpfe auf dem Schlachtfelde der Venus volgivaga zum Invaliden gemacht".

Beim gemeinsamen Besuch einer Ausstellung von Zeichnungen des Goetheschen Hausfreundes Johann Heinrich Meyer soll die gemeinhin als hochnäsig bekannte Bettina spitze Bemerkungen gemacht haben, woraufhin Christiane sie empört anfuhr. Über diesen Zusammenstoß schrieb Bettina von Arnim einer Freundin, sie sei von einer "Blutwurst", die "toll geworden" sei, angefallen worden. - Noch Thomas Mann schreibt über Christiane, sie sei "un bel pezzo di carne", ein "schönes Stück Fleisch" gewesen. - Die Weimarer Klassik ist umrankt von Geschichten, wirklichen und fiktiven, der Eifersucht und üblen Nachrede. In Marcel Prousts Erinnerungen an die Welt der aristokratischen Guermantes finden sich teils noch üblere Zänkereien. Es finden sich dazu auch immer die Chronisten der Skandale und Skandälchen. Manche haben sich zugetragen, manche sind übertrieben, manche sind erfunden. Neid, Mißgunst und Eifersucht sind zumeist die Antriebe. - Gespannt dürfen wir sein auf den Chronisten kommender Jahrzehnte, der die Beschimpfungen notiert aus den "digitalen Zuständen und Zeitgenossen" philosophischer Foren, so sie denn jemand für notierenswert hält. - ;)




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Burkart
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Sa 17. Okt 2020, 11:23

NaWennDuMeinst hat geschrieben :
Sa 17. Okt 2020, 02:25
Burkart hat geschrieben :
Sa 17. Okt 2020, 01:30
Klar geht es den Barbesitzern ums Geld und zwar kurzfristig - wissen sie denn, ob sie langfristig noch verdienen können...
Glaub' mir ich habe großes Verständnis für die Situation in der sich jetzt Geschäftszweige wie der Tourismus, oder die Gastronomie befinden.
Denen geht es richtig schlecht, ich weiß das. Deshalb begrüße ich es auch, dass die Regierung Kredite gewährt um das irgendwie abzufedern.
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Aber umso mehr müssen wir verhindern dass die Zahlen weiter ansteigen.
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Dann können wir nur noch traurig und hilflos zusehen, wie die Kurve Tag für Tag weiter ansteigt.
Weißt Du noch was der Grund für den ersten Lockdown war? Die Überlastung des Gesundheitssystems. Dieser Grund ist nicht verschwunden.
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Ich will das nicht erleben, dass Ärzte Menschen "aufgeben" müssen, nicht weil sie sie nicht retten könnten, sondern weil kein Platz mehr für sie ist.
Das verstehe ich auch alles und stimme auch gerne zu.
Corona ist ein großes Problem zwischen Egoismus und Altruismus...wieweit steckt man selbst zurück zum Wohl der Anderen...
In einer idealen Welt tragen wir uns alle gegenseitig, sodass jeder für den Gewinn des Anderen zurücksteckt. So gewinnen wir am Ende alle.
Wann immer eine Welt auch "ideal" ist...wenn alle gleich denken und fühlen und jeder um alle Anderen gleich besorgt ist?
Na ja, nur "ideal" halt, nicht real.
So müssen wir uns nicht immer verhalten. Im Normalfall kann die Gemeinschaft auch Egoismus gut verkraften.
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Ich bin ja auch dafür. Nur denken eben nicht alle Leute so, und sie haben verständlicherweise unterschiedliche Interessen, die sich z.T. widersprechen und es so kein eindeutiges, klares Wohl Aller gibt. Gerade in dieser Krise zeigt sich das sehr. Und natürlich gilt das ähnlich auch z.B. für die Klimakrise.



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Sa 17. Okt 2020, 11:49

Nauplios hat geschrieben :
Sa 17. Okt 2020, 05:14
Gespannt dürfen wir sein auf den Chronisten kommender Jahrzehnte, der die Beschimpfungen notiert aus den "digitalen Zuständen und Zeitgenossen" philosophischer Foren, so sie denn jemand für notierenswert hält. - ;)
Merkel bittet, auf Reisen zu verzichten und sich mit so wenig Menschen wie möglich zu treffen. Zusammenzuhalten und die Regeln einzuhalten sei das wirksamste Mittel gegen die Pandemie. „Jetzt ist es nötiger denn je“, so Merkel.
8.20 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnt mit Blick auf die Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten vor einem „Kontrollverlust in einigen Regionen in Deutschland“. „Das ist hochgefährlich“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“. „Wenn keine Nachverfolgung der Infektionen mehr möglich ist, so wie in den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Tschechien, muss man die Kontakte generell begrenzen. Das geht nur mit einem Lockdown oder ähnlichen strikten Maßnahmen.“
Ich halte das mal fest für den "Chronisten". Nicht dass am Ende Barbesitzer oder Verwaltungsgerichte sagen sie hätten von nichts gewusst.



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Sa 17. Okt 2020, 12:30

16.40 Uhr: Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, rechnet ein zweites Mal mit großen Beschränkungen des Geschäftslebens in Deutschland. „Ich fürchte, wir werden einen zweiten Lockdown erleben. Nicht so rigoros, nicht so stark wie im ersten, aber er wird kommen“, sagte Fratzscher am Freitag im Hessischen Rundfunk.

Viele Unternehmen würden das demnach nicht überstehen. Zwar habe man aus der ersten Welle gelernt. „Man wird nicht noch mal flächendeckend alles schließen“, sondern werde stärker punktuell und regionaler eingreifen. Der Schaden werde daher nicht so groß sein wie beim ersten Herunterfahren im Frühjahr. Gleichwohl würden viele Betriebe eine zweite Schließung nicht überstehen, sagte Fratzscher. „Viele hatten Rücklagen, hatten Ersparnisse, hatten einen Puffer. Den haben sie aufgebraucht.“ Viele Unternehmen hätten sich hoch verschuldet, weil sie ihre Kosten finanzieren mussten. „Deshalb befürchte ich, dass wir auf eine Insolvenzwelle zulaufen werden am Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres. Und das könnte heftig werden.“
Egal. Hauptsache ist, wir haben uns erfolgreich gegen Sperrstunden und Beherbergungsverbote gewehrt.
Mit dem Bescheid der Gerichte können wir uns dann, wenn das Klopapier wieder künstlich knapp wird, den Hintern wischen.
Dass ein Lockdown am Ende nichts weiter als ein großer Bruder der Sperrstunde ist, die dann aber auch die trifft, die sich vorher vernünftig verhalten haben, stört uns nicht weiter.
Wie hoch die Zahlen noch stiegen, hänge von den Maßnahmen ab, die nun ergriffen würden, mahnte Braun. "Wir müssen jetzt sehr entschieden handeln, weil sonst steigen sie immer weiter."
Zu den Maßnahmen, die sich in solchen Situationen besonders bewährt haben, gehört auch die Aufhebung von Sperrstunden und Reisebeschränkungen.
Das Umherziehen der Infizierten von Bar zu Bar und von Bundesland zu Bundesland hat eine deutlich eindämmende Wirkung. Soviel wissen wir inzwischen.



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