Die Urminus-These (zur Frage nach der Entstehung der Polarität/Gegensätzlichkeit)

Aspekte metaphysischer Systementwürfe und der Ontologie als einer Grunddisziplin der theoretischen Philosophie können hier diskutiert werden.
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Quk
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Do 23. Nov 2023, 14:59

Hypothese:

Am Anfang war ein unendlich großes, aber zeitloses Einerlei. Sozusagen ein unendlich großes Plus.

Plötzlich, ohne Ursache, verschwand dem Einerlei sein unendlich großer Anteil und zurück blieb ein kleiner Teil, nämlich die begrenzte Masse unseres Universums.

Diese Verkleinerung ist natürlich reine Spekulation. Aber ich finde sie nicht spekulativer als die Hypothese der Vergrößerung. Mir leuchtet nicht ein, warum die eine Hypothese plausibler sein soll als die andere.




Quasarkarotte
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Do 23. Nov 2023, 16:14

Quk hat geschrieben :
Do 23. Nov 2023, 14:59
Hypothese:

Am Anfang war ein unendlich großes, aber zeitloses Einerlei. Sozusagen ein unendlich großes Plus.

Plötzlich, ohne Ursache, verschwand dem Einerlei sein unendlich großer Anteil und zurück blieb ein kleiner Teil, nämlich die begrenzte Masse unseres Universums.

Diese Verkleinerung ist natürlich reine Spekulation. Aber ich finde sie nicht spekulativer als die Hypothese der Vergrößerung. Mir leuchtet nicht ein, warum die eine Hypothese plausibler sein soll als die andere.
Ich möchte Dich auch nicht von meiner Denke überzeugen, sondern lediglich meine Sichtweise mit Euch teilen. Wenn Du meinen Ausführungen nichts abgewinnen kannst, dann ist das so.




Quasarkarotte
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Do 23. Nov 2023, 16:17

Timberlake hat geschrieben :
Do 23. Nov 2023, 13:04
Quasarkarotte hat geschrieben :
Do 23. Nov 2023, 10:27

Ansonsten habe ich schon den Eindruck, dass Du verstanden hast, was ich versucht habe auszudrücken. Und an dieser Stelle sei auch erwähnt, dass ich für deinen Versuch meine Sichtweise zu verstehen, dankbar bin.
Was diesen Dank betrifft , das kann sich nach meiner Erfahrung schon sehr bald ändern. Bin ich doch bei dem, was ich zu verstehen beabsichtige , gnadenlos. Will sagen , wenn ich glaube , dass sich da Schwächen in der Argumentation abzeichnen, dann schlüpfe ich schon mal gerne in die Rolle eines Zahnarzt , der ohne Rücksicht auf die Schmerzen des Patienten , mit dem Bohrer oder gar mit der Zange das Übel angeht. Was sich übrigens nicht zuletzt mitunter doch schon sehr negativ , auf meinen Freundeskreis, hier Forum , auswirkt. So zumindest mein Eindruck.

Doch kommen wir zurück zu deiner Urminus These ..

Wenn es bei dir heißt .. ich zitiere .. "Ohne den Zwischenschritt, die Plus- und Minus-Subsumtion, gäbe es z.B. keine polare Zuordnung der Richtungen nach außen und nach innen" . ist damit die Plus- und Minus-Subsumtion gemeint , bei der das Plus nicht aus dem Minus hervorgeht? Also die Gegensätzlichkeiten , die von dir im Beitrag 70760 aufgelistet wurden? Zumindest gehe ich einmal davon aus , weil zu Beginn des Universums , sich noch nicht derartiges subsumieren konnte. Da gab es , wenn ich dich richtig verstehe , nur ein Urminus , aus dem dann ein Plus hervorging. Wir müssten also demnach zwischen einen Zwischenschritt . "zwischen " .. diesem Urminus und dem Plus und einen Zwischenschritt .. "zwischen" . den Gegensätzlichkeiten laut der Tabelle im Beitrag 70760 unterscheiden. Beispielweise , um bei Letzterem konkret zu werden, zwischen weiblich und männlich.

Es gäbe also demnach zwei verschiedene Zwischenschritte!

Buchstäblich .. Einmal! .. den zu Beginn des Universums und zum Anderen die unzähligen Zwischenschritte , von unzähligen Gegensätzlichkeiten danach. Dem , wo aus dem Urmimus ein Plus hervoging und dem wo dergleichen nicht stattfand , Wie eben bei der Gegesätzlichkeit zwischen weiblich und männlich. Da geht das männliche (Plus) eben nicht aus dem weiblichen (Minus) hervor.

Wir reden also , obgleich beides als Plus und Minus vorliegt , von völlig verschieden Vorgängen!
Ich wäre auch skeptisch, wenn mir jemand von der Existenz eines Urmels ups Urminus erzählen wollte.
Und ja, ich denke, man kann auch die Bildung des ersten Plus als Zwischenschritt bezeichnen, hin zur Expansion des Universums, also von daher alles gut.




Meller

Mi 17. Apr 2024, 23:48

Hallo Quasarkarotte

Vielen Dank für deinen Beitrag.
Sehr interessant und genau mein Thema. Seht gut geschrieben.

Die Dualität der Komplementäre hast du verstanden und sehr aufschlussreich aufgelistet und vermittelt.
Doch die Ursache der Polarität hast du noch nicht entdeckt?
Oder hast du sie entdeckt und fragst dich nur wie sie entstanden ist?


MfG Meller




Quasarkarotte
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So 21. Apr 2024, 14:00

Hallo @Meller,
das freut mich sehr, danke für dein Feedback. Und entschuldige bitte meine späte Antwort, ich komme derzeit nur selten zum Schreiben.

Mein Streben zum Positiven, mein Bedürfnis nach Ausgeglichenheit, der Drang mein Potenzial zu entfalten – ich denke, das alles kommt nicht von ungefähr. Es ist auf das Urexistente zurückzuführen: Den Urgeist samt Urminus-Potenzial. Es handelt sich hierbei um Ursachen/Auslöser, die zur Bildung der Polarität geführt haben, denn nur diese ermöglicht die Entfaltung des Urminus-Potenzials was wiederum den Urgeist vervollständigt. Vor diesem Hintergrund gehört vermutlich auch die Vielfalt zum Wertvollsten im Universum Existenten.

Möglicherweise gibt es weitere Auslöser, von denen ich keine Vorstellung habe, und ob ich mit meinen Schlussfolgerungen und Vermutungen etwas verstanden oder entdeckt habe, wage ich nicht zu beurteilen…es fühlt sich aber so an, das gebe ich zu.

Besten Gruß




Meller

So 21. Apr 2024, 17:18

Hallo Quasarkarotte.

Wenn du mir eine persönliche Frage gestattest.
Du glaubst an Gott?

MfG Meller




Quasarkarotte
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Sa 27. Apr 2024, 09:30

Meller hat geschrieben :
So 21. Apr 2024, 17:18
Hallo Quasarkarotte.

Wenn du mir eine persönliche Frage gestattest.
Du glaubst an Gott?

MfG Meller
Hallo Meller,

aber klar, gerne. Ich bin froh, dass Du fragst.

Dem Ursprung der Polarität, worauf auch die Entstehung des Universums zurückzuführen ist, ordne ich (wie bereits begründet) Eigenschaften zu, die ich ausschließlich in Verbindung mit Leben sehe. Alle hier von mir aufgeführten Schlussfolgerungen und vermuteten Parallelen, insbesondere mein Lebensgefühl sagen mir: Das „Große Ganze“ ist ein lebendes Ganzes. Das Universum ist derart feinabgestimmt, weil es sich hierbei um einen übergeordneten, lebensfähigen Organismus handelt, der wiederum die Entstehung von untergeordnetem Leben ermöglicht (Leben-in-Leben, Entfaltung-in-Entfaltung).

Außerdem denke ich, dass wir es bei dieser Expansion/Entfaltung nicht mit einem einmaligen Vorgang, sondern mit einem übergeordneten Kreislauf zu tun haben, bei dem sich die Phasen Ausdehnung und Zusammenziehung abwechseln.

Möglicherweise ist dieses Übergeordnete wiederum Teil eines noch viel größeren Ganzen, aber wie dem auch sein mag: Obwohl die Meisten vermutlich eine völlig andere Vorstellung von Gott haben als ich, beantworte ich deine Frage mit Ja.

Besten Gruß




Meller

Sa 27. Apr 2024, 15:17

Hallo Quasarkarotte.

Ehrlich gesagt bist du der erste Mensch den ich treffe, der genau das gleiche denkt wie ich. Darüber bin ich sehr erfreut. Endlich mal ein Gleichgesinnter.

Das Universum ist ein Lebewesen, ein Organismus. Wir nennen es Schöpfer.

Ich weiß genau wie du zu der Überzeugung gelangt bist. Es gibt nur einen
logisch, sinnvollen Weg und den bist du gegangen, genau wie ich.
Mich wundert nur dass du den Grund für die Polarität noch nicht entdeckt hast.
Der Grund ist Liebe.
Die Liebe befindet sich zwischen den Komplementären.
Liebe ist für uns zwar eine Emotion, aber sie ist auch eine Funktion.
"Liebe ist die Kraft die das Vereinte und Unvereinbare miteinander verbindet und es definiert" .
Du kannst die Liebe finden in Yin Yang.
Sie ist die optimierte Sinuswelle zwischen den Komplementären und verantwortlich für die energetisch, zyklische Aktivität in Yin Yang.

MfG Meller




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Quk
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Sa 27. Apr 2024, 18:10

Auch ich habe nichts dagegen, das Universum als Lebewesen zu bezeichnen. Selbst wenn ich "Leben" technisch-eingeschränkt im irdischen, kohlenstoffbasierten Sinne definiere, so kann ich sagen, dass Kohlenstoff auch außerhalb der Erde vorkommt. Wenn diese Ansicht die konventionelle Striktheit sprengt, weil da draußen selten Kohlenstoff vorkommt, kann ich hinzufügen, dass der Mensch beispielsweise überwiegend aus Wasser besteht, und Wasser ist kein Kohlenstoff. Und wenn man sich überhaupt auch Lebensformen vorstellt, die ohne Kohlenstoff auskommen, ist auch diese Einschränkung verschwunden. Ich kann Leben ebenso als Aktivität auffassen. Das Universum ist zweifellos aktiv. An Gott oder an Götter glaube ich jedoch nicht. Das wäre dann wieder ein anderes Thema, unabhängig vom Bild des lebenden Universums.




Meller

Sa 27. Apr 2024, 18:31

@Quk

Das ist ja wunderbar. Dann sind wir schon zu dritt.
Deine Toleranz und dein Verständnis sprechen für dich.

Das Universum das Lebewesen.
Das ist mit Abstand die schönste Theorie die ich je gehört habe.
Man fühlt sich gleich viel wohler und geborgener und nicht mehr so allein im Universum.

MfG Meller




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Quk
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Sa 27. Apr 2024, 18:39

Ich habe kein Problem mit dem Alleinsein. Ich bin gerne allein.




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Jörn Budesheim
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Sa 27. Apr 2024, 19:26

Der Nobelpreisträger Paul Nurse unterscheidet drei Grundprinzipien des Lebens, die ich frei wieder gebe, hoffentlich einigermaßen richtig und denen ich eigenmächtig ein weiteres hinzufügen möchte:
  1. Evolutionsfähigkeit: Leben zeigt sich in der Fähigkeit zur Evolution durch natürliche Selektion auf der Basis von Fortpflanzung, Vererbung und Variabilität.
  2. Einheit: Lebensformen sind eigenständige Einheiten, die von ihrer Umwelt abgegrenzt sind, aber dennoch mit ihr in Wechselwirkung stehen, wie dies bereits bei Zellen der Fall ist.
  3. Stoffwechsel und Informationsverarbeitung: Lebewesen betreiben einen eigenen Stoffwechsel und nutzen Informationen zur Koordination und Regulation, um als funktionelle Einheiten zu operieren.
  4. Für den Biologen J. B. S. Haldane gehört das Gefühl des Lebendigseins dazu. Er verglich es mit Farbwahrnehmung, Schmerz oder Anstrengung, also mit irreduziblen, subjektiven, qualitativen Erfahrungen, die durch nichts anderes beschrieben werden können. Ob das schon bei Zellen der Fall ist, ist natürlich eine Spekulation. Ich würde diesen Punkt hinzufügen. Jedenfalls scheint mir Subjektivität, die Sicht des Lebens selbst in der Liste gefunden Nurse komplett zu fehlen.
Ich vermute, dass wir keinen plausiblen Grund haben zu glauben, dass irgendeiner dieser Punkte auf das Universum zutrifft, geschweige denn alle vier.




Meller

Sa 27. Apr 2024, 19:58

@Jörn.

So wie ich das verstehe gehen wir von energetischen Grundlagen aus und nicht von biologischen.
Vom Wesen der Energie gehen wir aus.




Burkart
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So 28. Apr 2024, 09:28

Meller hat geschrieben :
Sa 27. Apr 2024, 18:31
Das Universum das Lebewesen.
Das erinnert mich doch an die Begriffe Gaia (in Wikipedia sogar so) und auch Galaxia (z.B. https://asimov.fandom.com/wiki/Galaxia) :)



Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.

Quasarkarotte
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Di 30. Apr 2024, 12:47

Meller hat geschrieben :
Sa 27. Apr 2024, 15:17
Hallo Quasarkarotte.

Ehrlich gesagt bist du der erste Mensch den ich treffe, der genau das gleiche denkt wie ich. Darüber bin ich sehr erfreut. Endlich mal ein Gleichgesinnter.

Das Universum ist ein Lebewesen, ein Organismus. Wir nennen es Schöpfer.

Ich weiß genau wie du zu der Überzeugung gelangt bist. Es gibt nur einen
logisch, sinnvollen Weg und den bist du gegangen, genau wie ich.
Mich wundert nur dass du den Grund für die Polarität noch nicht entdeckt hast.
Der Grund ist Liebe.
Die Liebe befindet sich zwischen den Komplementären.
Liebe ist für uns zwar eine Emotion, aber sie ist auch eine Funktion.
"Liebe ist die Kraft die das Vereinte und Unvereinbare miteinander verbindet und es definiert" .
Du kannst die Liebe finden in Yin Yang.
Sie ist die optimierte Sinuswelle zwischen den Komplementären und verantwortlich für die energetisch, zyklische Aktivität in Yin Yang.

MfG Meller
Hallo Meller,

ich freue mich auch, und da mir das Thema hier sehr am Herzen liegt, bedeutet mir diese Gemeinsamkeit viel.

Wenn man gemeinsam über Gegensätzlichkeit philosophiert, kommt man am Yin und Yang-Symbol wohl kaum vorbei, und ähnlich dem, landet man schnell bei den Religionen, sobald man Gott erwähnt. Sowohl Gott als auch Yin und Yang hatte ich bewusst erstmal rausgelassen, um möglichst nah bei meinem Kerngedanken zu bleiben, aber ich finde es gut, dass Du beides nun hier reingebracht hast.

Die Beziehung eines Gegensatzpaars wird oftmals mit einer Münze oder Medaille versinnbildlicht – zwei einander entgegengesetzte Seiten, eine Vorder- und eine Rückseite, die klar voneinander abgegrenzt sind, aber wesenhaft zusammengehören und sich gegenseitig vervollständigen – eine Einheit bilden. Das, was sich auf der einen Seite befindet, ist im Wesen auch das, was sich auf der anderen Seite befindet – nur eben umgekehrt. Drehe ich die Münze um, wird aus der Vorderseite die Rückseite und aus der Rückseite die Vorderseite. Verglichen mit dieser Münze-Metapher geht die die Bedeutung des Yin und Yang-Symbols wohl noch viel tiefer. So treffend und tiefsinnig beide auch sind, Metapher und Symbol, so irreführend sind sie m. E. im Hinblick auf die Frage nach der Entstehung der Polarität, da sie das Verständnis vermitteln, dass die beiden einander entgegengesetzten Seiten sich immer gegenseitig bedingen, voneinander abhängig sind, eine Seite allein keinen Sinn ergibt und nicht allein auftreten kann. Doch eine Kernaussage meiner These ist, dass diese Art der voneinander abhängigen Beziehung mitnichten auf alle Gegensatzpaare zutrifft. Das ist auch einer der Gründe, warum ich Metapher und Symbol erst einmal weggelassen habe.

In der Linie zwischen den Gegensätzen sehe ich zweierlei: Trennung und Verbindung. Ohne Trennung könnte keine Gegensätzlichkeit bestehen, die Trennung ist die Voraussetzung der Verbindung. Wenn ich dich recht verstehe, ordnest Du die Liebe der Verbindung zu. Sie ist nicht nur eine Verbindung unter vielen, sondern DIE Verbindung. Ja, mein Glaube zeigt auch in die Richtung, würde ich sagen. Du sagst zudem, dass die Liebe das Unvereinbare definiert. Das zielt vermutlich mehr auf die Trennung ab, oder wie meinst Du das?

BG




Quasarkarotte
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Di 30. Apr 2024, 14:06

Quk hat geschrieben :
Sa 27. Apr 2024, 18:10
Auch ich habe nichts dagegen, das Universum als Lebewesen zu bezeichnen. Selbst wenn ich "Leben" technisch-eingeschränkt im irdischen, kohlenstoffbasierten Sinne definiere, so kann ich sagen, dass Kohlenstoff auch außerhalb der Erde vorkommt. Wenn diese Ansicht die konventionelle Striktheit sprengt, weil da draußen selten Kohlenstoff vorkommt, kann ich hinzufügen, dass der Mensch beispielsweise überwiegend aus Wasser besteht, und Wasser ist kein Kohlenstoff. Und wenn man sich überhaupt auch Lebensformen vorstellt, die ohne Kohlenstoff auskommen, ist auch diese Einschränkung verschwunden. Ich kann Leben ebenso als Aktivität auffassen. Das Universum ist zweifellos aktiv. An Gott oder an Götter glaube ich jedoch nicht. Das wäre dann wieder ein anderes Thema, unabhängig vom Bild des lebenden Universums.
Hallo Quk,

an einen transzendenten Gott oder mehrere glaube ich auch nicht. Ich denke nur, dass man diesen übergeordneten Organismus auch Gott nennen kann, weil wir es mit einer überirdischen Lebensform zu tun hätten – auch wenn ich es lieber lasse, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen.

BG




Meller

Di 30. Apr 2024, 14:15

Hallo Quasarkarotte

"Liebe ist die Kraft, die das Vereinte und Unvereinbare miteinander vereint."

Vereint und Unvereinbar.
Das ist kein Widerspruch, sondern eine energetisch aktive Definition, hervorgerufen durch die Dualität der energetischen Komplementäre.
Unvereint ist negativ.
Vereint ist positiv.

Die Gegensätzlichkeit ist manchmal schwer zu entdecken, kann viele verschiedene Formen annehmen und versteckt sich geschickt in der Vielfalt.

Deswegen war ich so fasziniert von deinen Ausführungen. Du hast ein Auge dafür.

Liebe hat das Universum erschaffen und hält seine Funktion aufrecht.
Seit Ewigkeiten und für Ewigkeiten.
Liebe ist ewig.

MfG Meller




Quasarkarotte
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Di 30. Apr 2024, 20:44

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Sa 27. Apr 2024, 19:26
Der Nobelpreisträger Paul Nurse unterscheidet drei Grundprinzipien des Lebens, die ich frei wieder gebe, hoffentlich einigermaßen richtig und denen ich eigenmächtig ein weiteres hinzufügen möchte:
  1. Evolutionsfähigkeit: Leben zeigt sich in der Fähigkeit zur Evolution durch natürliche Selektion auf der Basis von Fortpflanzung, Vererbung und Variabilität.
  2. Einheit: Lebensformen sind eigenständige Einheiten, die von ihrer Umwelt abgegrenzt sind, aber dennoch mit ihr in Wechselwirkung stehen, wie dies bereits bei Zellen der Fall ist.
  3. Stoffwechsel und Informationsverarbeitung: Lebewesen betreiben einen eigenen Stoffwechsel und nutzen Informationen zur Koordination und Regulation, um als funktionelle Einheiten zu operieren.
  4. Für den Biologen J. B. S. Haldane gehört das Gefühl des Lebendigseins dazu. Er verglich es mit Farbwahrnehmung, Schmerz oder Anstrengung, also mit irreduziblen, subjektiven, qualitativen Erfahrungen, die durch nichts anderes beschrieben werden können. Ob das schon bei Zellen der Fall ist, ist natürlich eine Spekulation. Ich würde diesen Punkt hinzufügen. Jedenfalls scheint mir Subjektivität, die Sicht des Lebens selbst in der Liste gefunden Nurse komplett zu fehlen.
Ich vermute, dass wir keinen plausiblen Grund haben zu glauben, dass irgendeiner dieser Punkte auf das Universum zutrifft, geschweige denn alle vier.
Hallo Jörn,

danke auch für deinen Beitrag. Punkt 4 sollte auch aus meiner Sicht nicht fehlen.

Paul Nurse hat den Nobelpreis für seine Entdeckung auf dem Gebiet der Zellforschung/Zellteilung erhalten, wie ich nun nachgelesen habe. Na, das passt doch irgendwie.

Leben zeigt sich uns auch durch Wachstum, das auf (Zell)Teilung beruht. Ich finde es auch erwähnenswert, dass Mitte des 20. JH aufgedeckt wurde, wie der Vorgang der DNA-Replikation im Einzelnen vonstattengeht. Dass Leben auf Zellebene nicht nur über die Eigenschaft der Teilung verfügt, sondern zudem über die Fähigkeit des komplementären Kopierens/der Bildung von Gegensätzlichkeit, diese überwältigende Erkenntnis konnte vorher also gar nicht in die vielen Überlegungen zur Gegensätzlichkeit einfließen. Ich denke, Leben zeigt sich uns auch in diesem Vorgang – auf besonders imposante Weise. Ich habe auch den Eindruck, dass es bisher versäumt wurde, die Erkenntnis der DNA-Replikation in einem größeren Zusammenhang zu sehen – also auch hinsichtlich der Ausgangsfrage: Wie kann Gegensätzliches oder Gegensatzpaare auf ein und denselben Ursprung zurückgeführt werden? Die DNA-Replikation hat gezeigt, eine plausible Erklärung findet sich in den Eigenschaften des Lebens.

Schließt du es denn gänzlich aus, dem Ursprung des Universums die Lebenseigenschaft zuzuordnen?

BG




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Jörn Budesheim
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Mi 1. Mai 2024, 09:15

"Schließt du es denn gänzlich aus, dem Ursprung des Universums die Lebenseigenschaft zuzuordnen?"

Die Frage ist so kompliziert gestellt, dass ich sie nicht wirklich verstehe. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich keinen Grund für die Annahme sehe, dass das Universum ein Lebewesen ist.

Dazu ist es sicherlich sinnvoll sich zu fragen, welche Bedeutung der Begriff Leben hat. Ich bin natürlich kein Biologe, trotzdem will ich ein Beispiel geben. Nehmen wir also zum Beispiel einen Hund. Ein Hund wurde geboren und wird sterben, er existiert in der Kette des Lebens und ist, metaphorisch gesprochen, auch ein "Produkt" der Evolution. Im Fall des Hundes spielt sicherlich auch der Mensch eine große Rolle der ihm gleichsam durch "kulturelle Auswahl" zudem gemacht hat, was er überhaupt ist.

Er könnte nicht existieren, wenn es nicht seinesgleichen gäbe, also viele andere Hunde und natürlich auch andere Lebensformen insgesamt. Wichtig sind vor allem die vielen anderen, ganz unterschiedlichen Lebensformen, die in verschiedener Hinsicht für seine Existenz notwendig sind, sei es als Partner, sei es als Nahrung oder was auch immer.

Wichtig: Lebewesen existieren immer in größeren Zusammenhängen, manchmal nennt man das, glaube ich, Biosphäre oder so. Viele andere Dinge sind wichtig, die ich hier nicht erwähnt habe, z.B. die Subjektivität, also sein Erleben und Denken und vieles mehr.

Eine, wenn nicht die gängige Antwort auf solche Einwände ist immer: Woher willst du wissen, dass es mit dem Universum nicht genauso ist? Das ist für mich aber kein gültiges Argument, denn wer behauptet, das Universum sei lebendig, muss zeigen, dass es plausibel ist, solche Zusammenhänge anzunehmen. Das ist eine Bringschuld desjenigen, der die Behauptung aufstellt. Argumente wie "man könnte sich aber doch vorstellen..." halte ich für abwegig.




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Mi 1. Mai 2024, 15:34

Wenn Lebewesen per Definition nicht solo existieren können und das Universum per Definition solo ist, dann ist es folglich kein Lebewesen.

Höchstwahrscheinlich gibt es eine Evolution, die aus Nichtleben entstand. Ich bezweifle, dass zu Beginn Ei und Huhn zugleich da waren. Ganz am Anfang muss es also irgendwelche Soloauftritte gegeben haben, bevor die ersten Orchester entstanden.

Mittels dieser Begründung kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Universum ein derartiges Solo-Lebewesen ist.




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