Jörn Budesheim hat geschrieben : ↑ Sa 29. Jun 2024, 06:31
Wenn nach dem Panpsychismus jedes Elementarteilchen ein eigenes Bewusstsein hat, kann kein zusammenhängender Körper wahrgenommen werden. Es erscheint dann logischer, das Bewusstsein auf größere Einheiten zu beziehen. Aber auch das scheitert: Es führt zum Solipsismus, der nicht erklären kann, warum wir ständig mit Überraschungen konfrontiert werden.
Wenn die Paraphrase einigermaßen zutrifft, hätte ich dazu Fragen: Warum sollte, wenn jedes Einzelteilchen ein eigenes Bewusstsein hat, kein zusammenhängender Körper wahrgenommen werden können? Welchen Vorteil hätte hier der Materialismus, der glaubt, dass obwohl kein einziges Teilchen Bewusstsein hat, ein zusammenhängender Körper wahrgenommen wird? Wenn gemäß mancher materialistischer Vorstellung viele unbewusste Teile einen Gesamtbewusstsein produzieren können, warum sollten dann viele bewusste Teile das nicht können?
Danke. Ja, Du hast meine Gedanken gut und richtig wiedergegeben.
Du fragst:
"Warum sollte, wenn jedes Einzelteilchen ein eigenes Bewusstsein hat, kein zusammenhängender Körper wahrgenommen werden können?"
Da muss ich weiter ausholen. Leider verstehe ich in Deiner Frage bereits die Prämisse nicht, dass ein Elementarteilchen ein eigenes Bewusstsein habe. Ich vermute, dass, für eine Zusammenwahrnehmung, jedes einzelne Elementarteilchen zunächst sich seiner selbst bewusst sein müsste. Wenn das nicht der Fall ist, ist es in meinen Augen nicht sinnvoll, dem Elementarteilchen ein eigenständiges Bewusstsein zuzuschreiben. Aber angenommen, es hat ein eigenständiges Bewusstsein: Da habe ich dann ein zweites Verständnisproblem, denn ich vermute, dass ein Elementarteilchen kein Entscheidungsträger sein kann. Es ist nicht komplex genug. Das Bewusstsein des Elektrons könnte vermutlich nichts an der Tatsache ändern, dass es negativ geladen ist. Ich verstehe auch nicht, warum das Bewusstsein des Elektrons einen Handlungseinfluss haben könnte darauf, wann das Elektron im quantenmechanischen Sinn nur einen Impuls oder nur einen Ort hat, denn diese Bestimmung hängt nach aktuellem Wissensstand vom
Beobachter des Elektrons ab.
Du fragst:
"Welchen Vorteil hätte hier der Materialismus, der glaubt, dass obwohl kein einziges Teilchen Bewusstsein hat, ein zusammenhängender Körper wahrgenommen wird?"
Bedauerlicherweise kann ich das nicht beantworten, da ich kein Vertreter des Materialismus bin.
Du fragst:
"Wenn gemäß mancher materialistischer Vorstellung viele unbewusste Teile einen Gesamtbewusstsein produzieren können, warum sollten dann viele bewusste Teile das nicht können?"
Siehe meine erste Antwort: Ich verstehe den Sinn eines einzelnen Elementarteilchen-Bewusstseins nicht, da ich im Teilchen keine Handlungsmöglichkeiten erkenne. Erst im Verbund entsteht Komplexität, vermute ich. Aus dieser Vermutung schließe ich logisch, dass auch nur im Verbund ein Bewusstsein entstehen kann. Aber ich kann mich auch irren; es kann ja durchaus sein, dass ein Teilchen bewusst etwas erlebt. Das wäre dann ein Nebenprodukt, ohne eigenständige Handlungen und Entscheidungen beizutragen. Kann sein, dass es das gibt. Aber warum sollte es das geben? Ich weiß es nicht. Welches philosophische Verständnisproblem sollte das lösen? Siehe Russells "Teekanne hinterm Mond". Wofür sollte sie eine Erklärung sein? Verstehst Du, was ich nicht verstehe?