Der Materialismus/Physikalismus

Aspekte metaphysischer Systementwürfe und der Ontologie als einer Grunddisziplin der theoretischen Philosophie können hier diskutiert werden.
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Consul
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Sa 13. Jun 2026, 22:40

@Jörn:
"Was ist die Big-Bang-Theorie?
Die Big-Bang-Theorie ist aber in Wirklichkeit eine streng wissenschaftliche Theorie, die auf der Annahme basiert, dass das Universum zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit aus einem sich schnell ausdehnenden Raum und einem dichten, heißen und abgesehen von kleinen Dichteschwankungen fast perfekt gleichmäßigen Teilchengemisch bestand. Akzeptiert man diese Annahme über die Anfangsbedingungen des Universums, sind es nur noch die Gesetze der Physik, die die Entwicklung des Systems und sein kosmisches Schicksal bestimmen.

Die Big-Bang-Theorie ist eine der außergewöhnlichsten Errungenschaften des menschlichen Wissens, da sie ein quantitatives Verständnis der Geschichte des Universums ermöglicht. Sie bietet gleichzeitig eine wunderbare Synthese der gesamten physikalischen Welt, indem sie die erstaunliche Verbindung zwischen den Gesetzen beleuchtet, die die mikroskopische Welt und die globalen Eigenschaften des Kosmos beherrschen."

(Giudice, Gian Francesco. Vor dem Big Bang. Berlin: Springer, 2024. S. 85-6)
Ausgehend von diesem rein physikalischen Anfang (der nicht der absolute Anfang des gesamten physischen Kosmos sein muss), wie hätte danach im Laufe der weiteren Entwicklung auf natürliche Weise irgendetwas Hyperphysisches entstehen können?
Es wäre schiere Magie, wenn physikalisch-chemische Prozesse irgendwelche konkreten oder abstrakten hyperphysischen Entitäten hervorbringen könnten.

Ich weiß, Panpsychisten oder (besser & genauer) Archepsychisten (die psychische Phänomene für fundamentale, nichtemergente Naturphänomene halten) würden einwenden, dass der Urknall-Beginn des uns bekannten Universums nicht rein physikalischer Natur gewesen sei, weil bereits das unvorstellbar dichte und heiße Urplasma nicht nur physische "Quanta", sondern auch psychische "Qualia" enthalten habe. Diese Behauptung—die beinhaltet, dass zumindest einige Arten von Elementarteilchen im Urplasma empfindende oder fühlende Wesen waren—ist jedoch dermaßen aberwitzig, dass ich nicht bereit bin, sie ernsthaft in Betracht zu ziehen.



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Jörn P Budesheim
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So 14. Jun 2026, 07:41

Dein Beitrag enthält mindestens drei offensichtliche Fehler.

Erstens ist deine Darstellung des Panpsychismus falsch. Moderne Panpsychisten behaupten nicht, dass Elementarteilchen im Urplasma bereits „empfindende oder fühlende Wesen" waren. Sie sprechen von protomentalen Eigenschaften – nicht von vollständigen Bewusstseinszuständen. Das ist kein Argument gegen den Panpsychismus, sondern ein Strohmann.

Zweitens zeigt die Idee des Urknalls nur den Anfang des physikalischen Universums. Allerdings gibt es Dinge, die gar keinen Anfang haben: Zahlen, logische Relationen und andere abstrakte Gegenstände. Dazu gehören auch Tatsachen: Wenn der Urknall tatsächlich so stattgefunden hat, dann existiert auch die Tatsache, dass er stattgefunden hat – aber diese Tatsache hatte keinen Knall.

Drittens ist das Magie-Argument ein wunderbares Argument gegen den Physikalismus – auch wenn du es anders gemeint hast. Wenn man sich unsere Wirklichkeit anschaut, wie sie sich zeigt, hat der Physikalismus nicht die geringste Plausibilität. Sie enthält langweilige Kunstwerke, rätselhafte Gedichte, schlechte Argumente und korrupte Regierungen – nichts davon ist physikalisch. Es wäre nach deiner eigenen Logik reine Magie, wenn sich all das aus deiner Zutatenliste ergeben würde. Dann hat allerdings nicht die Wirklichkeit ein Problem, sondern die Zutatenliste. Wenn der Physikalismus impliziert, dass diese Dinge nur durch schiere Magie entstehen konnten, dann muss er falsch sein, denn sie existieren schließlich.

Wie bist du dabei vorgegangen? Du hast mindestens zwei Dinge aus deiner Zutatenliste entfernt, ohne das nachvollziehbar zu begründen: Bewusstsein und abstrakte Gegenstände. Das Bewusstsein hast du mittels eines Strohmanns beiseitegeschoben, die abstrakten Gegenstände nicht einmal erwähnt. Anschließend stellst du fest, dass unsere Wirklichkeit aus dem verbleibenden Physikalischen nicht hervorgehen kann. Das heißt, du hast die physikalische Brille aufgezogen, um zu zeigen dass es nur die Gegenstände der Physik gibt. Das ist kein überzeugendes Argument, sondern ein offensichtlicher Zirkelschluss.

Nebenbei: Es wird generell "schwierig" – vorsichtig formuliert, wenn naturwissenschaftliche Ergebnisse etwas zeigen sollen, das zugleich ihre eigenen Voraussetzungen von Wahrheit, Rationalität und naturwissenschaftlicher Praxis untergräbt.



Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“

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Consul
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So 14. Jun 2026, 22:46

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 07:41
Dein Beitrag enthält mindestens drei offensichtliche Fehler.
Erstens ist deine Darstellung des Panpsychismus falsch. Moderne Panpsychisten behaupten nicht, dass Elementarteilchen im Urplasma bereits „empfindende oder fühlende Wesen" waren. Sie sprechen von protomentalen Eigenschaften – nicht von vollständigen Bewusstseinszuständen. Das ist kein Argument gegen den Panpsychismus, sondern ein Strohmann.
Panpsychismus ≠ Panprotopsychismus!
Zu Letzterem siehe diesen Beitrag von mir!
Sogenannte "protopsychische" Eigenschaften sind jedenfalls keine psychischen Eigenschaften, sodass sich ein Archepsychist nicht darauf berufen kann, da er ja behauptet, dass es psychische Eigenschaften schon immer gegeben habe—also auch schon in der materiellen "Ursuppe".
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 07:41
Zweitens zeigt die Idee des Urknalls nur den Anfang des physikalischen Universums. Allerdings gibt es Dinge, die gar keinen Anfang haben: Zahlen, logische Relationen und andere abstrakte Gegenstände. Dazu gehören auch Tatsachen: Wenn der Urknall tatsächlich so stattgefunden hat, dann existiert auch die Tatsache, dass er stattgefunden hat – aber diese Tatsache hatte keinen Knall.
Du erachtest Tatsachen für abstrakte Propositionen, die gewiss nicht von physikalisch-chemischen Prozessen erzeugt werden könnten.
Ein evolutionärer Materialismus ist zwar mit dem Glauben an einen Platonischen "Himmel" voller ewiger, unerschaffener abstrakter Entitäten vereinbar, aber nicht mit dem Glauben an Abstrakta als von konkreten, materiellen Wesen erschaffenen abstrakten Artefakten.
(Es gibt Philosoph/inn/en, die Fikta für artifizielle Abstrakta halten.)
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 07:41
Drittens ist das Magie-Argument ein wunderbares Argument gegen den Physikalismus – auch wenn du es anders gemeint hast. Wenn man sich unsere Wirklichkeit anschaut, wie sie sich zeigt, hat der Physikalismus nicht die geringste Plausibilität. Sie enthält langweilige Kunstwerke, rätselhafte Gedichte, schlechte Argumente und korrupte Regierungen – nichts davon ist physikalisch. Es wäre nach deiner eigenen Logik reine Magie, wenn sich all das aus deiner Zutatenliste ergeben würde. Dann hat allerdings nicht die Wirklichkeit ein Problem, sondern die Zutatenliste. Wenn der Physikalismus impliziert, dass diese Dinge nur durch schiere Magie entstehen konnten, dann muss er falsch sein, denn sie existieren schließlich.
…oder er ist wahr und deine Beispiele existieren nicht, zumindest nicht als ontologisch irreduzible Abstrakta oder Mentalia.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 07:41
Wie bist du dabei vorgegangen? Du hast mindestens zwei Dinge aus deiner Zutatenliste entfernt, ohne das nachvollziehbar zu begründen: Bewusstsein und abstrakte Gegenstände. Das Bewusstsein hast du mittels eines Strohmanns beiseitegeschoben, die abstrakten Gegenstände nicht einmal erwähnt. Anschließend stellst du fest, dass unsere Wirklichkeit aus dem verbleibenden Physikalischen nicht hervorgehen kann. Das heißt, du hast die physikalische Brille aufgezogen, um zu zeigen dass es nur die Gegenstände der Physik gibt. Das ist kein überzeugendes Argument, sondern ein offensichtlicher Zirkelschluss.
"Es wäre schiere Magie, wenn physikalisch-chemische Prozesse irgendwelche konkreten oder abstrakten hyperphysischen Entitäten hervorbringen könnten." – Consul

Diese Behauptung beruht auf der höchst plausiblen Annahme, dass das Urknall-Plasma einen apsychischen, rein physischen, materiell-energetischen Seinszustand darstellte. Ausgehend davon erscheint ein späteres evolutionäres Auftauchen hyperphysischer Konkreta (Mentalia) oder Abstrakta als übernatürliches Zauberwerk. Wer allgemein nicht an Übernatürliches glaubt, sollte meine Argumentation überzeugend finden.

Allerdings: Wenn es Abstrakta gäbe, die keine Artefakte sind, sondern (zeitlos) ewige, unerschaffene Entitäten, dann wäre diese Art von Abstrakta gegenüber meiner auf den Urknall und die folgende Entwicklung bezogenen Argumentation immun.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
So 14. Jun 2026, 07:41
Nebenbei: Es wird generell "schwierig" – vorsichtig formuliert, wenn naturwissenschaftliche Ergebnisse etwas zeigen sollen, das zugleich ihre eigenen Voraussetzungen von Wahrheit, Rationalität und naturwissenschaftlicher Praxis untergräbt.
Soweit ich sehen kann, ist der Materialismus mitnichten selbstuntergrabend—vom eliminativen Materialismus abgesehen.



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Jörn P Budesheim
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Mo 15. Jun 2026, 08:13

Du konntest keinen der drei Punkte entkräften:

(1) Ich habe geschrieben: „Moderne Panpsychisten behaupten nicht, dass Elementarteilchen im Urplasma bereits ‚empfindende oder fühlende Wesen‘ waren.“ Du hast ihnen jedoch genau diese Position zugeschrieben. Das ist ein Strohmann. Ob man die betreffende Position nun Panpsychismus oder Panprotopsychismus nennt, ändert daran nichts.

(2) Ich spreche weder von abstrakten Propositionen noch von einem platonischen Himmel, sondern von Zahlen, logischen Relationen und anderen abstrakten Gegenständen wie Tatsachen.

(3) Ich spreche weder von „Übernatürlichem“ noch von „Hyperphysischem“. Das sind deine Umdeutungen. Eine Analogie: Stellen wir uns vor, ich behaupte als Pluralist, ein Kuchen besteht zumindest aus Mehl, Zucker, Butter und Eiern. Du behauptest als Monist, er bestehe nur aus Mehl. Daraus folgt jedoch nicht, dass Zucker, Butter und Eier eine Form von Hyper-Mehl darstellen. Dementsprechend spreche ich weder von „Übernatürlichem“ noch von „Hyperphysischem“, sondern einfach von anderen, realen Zutaten der Wirklichkeit.

Du schreibst: „Soweit ich sehen kann, ist der Materialismus mitnichten selbstuntergrabend – vom eliminativen Materialismus abgesehen.“ Ich habe geschrieben, dass er die naturwissenschaftliche Praxis untergräbt. Für beispielsweise Gründe, Normen, Wahrheit, logische Relationen und Zahlen ist im Materialismus kein Platz. Genau diese Dinge sind für die naturwissenschaftliche Praxis jedoch konstitutiv.

Dass zentrale Bestandteile unserer Lebenswelt aus materialistischer Perspektive bis heute als „ungelöste Probleme“ gelten – zum Beispiel Leben, Bewusstsein, Farben, Normen, Werte, Moral, Gesellschaften –, spricht nicht gerade für die Plausibilität dieses Programms. Der Patient liegt im Sterben. Gerade im Hinblick auf das harte Problem des Bewusstseins wird deshalb in der gegenwärtigen Philosophie ernsthaft über Alternativen zum klassischen Materialismus diskutiert, darunter auch verschiedene Formen des Panpsychismus.



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Consul
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Di 16. Jun 2026, 01:13

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 08:13
Du konntest keinen der drei Punkte entkräften:
(1) Ich habe geschrieben: „Moderne Panpsychisten behaupten nicht, dass Elementarteilchen im Urplasma bereits ‚empfindende oder fühlende Wesen‘ waren.“ Du hast ihnen jedoch genau diese Position zugeschrieben. Das ist ein Strohmann. Ob man die betreffende Position nun Panpsychismus oder Panprotopsychismus nennt, ändert daran nichts.
"Panpsychismus" und "Panprotopsychismus" sind keine Namen, die sich auf dieselbe Sache beziehen, sodass es nicht egal ist, welchen man verwendet.

Ich habe geschrieben: "[Der Panpsychismus] beinhaltet, dass zumindest einige Arten von Elementarteilchen im Urplasma empfindende oder fühlende Wesen waren." – "Einige" bedeutet nicht "alle", sodass ich das Präfix "pan-" schon nicht mehr ganz wörtlich nehme.

Die entscheidende Frage, um die es hier geht, ist, ob psychische Eigenschaften eine Gattung (nichtemergent-)fundamentaler, physikalisch irreduzibler Eigenschaften bilden, wovon es schon immer—also auch schon im Urknall-Plasma—bestimmte Arten gegeben hat.
Die (von Galen Strawson eingeführte) Bezeichnung "Archepsychismus" ("archepsychism") ist also treffender als "Panpsychismus".

Was genau eine Eigenschaft zu einer psychischen (mentalen) macht, ist zwar eine umstrittene Frage; aber wenn ein Archepsychist einigen Arten von Elementarteilchen solche Eigenschaften zuspricht, um was handelt es sich dann, wenn nicht um irgendwelche Empfindungen oder Gefühle?
Ich kenne keinen Archepsychisten/Panpsychisten, der Elementarteilchen die Fähigkeit zu Denkungen oder Vorstellungen zuschreibt. Du etwa?
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 08:13
(2) Ich spreche weder von abstrakten Propositionen noch von einem platonischen Himmel, sondern von Zahlen, logischen Relationen und anderen abstrakten Gegenständen wie Tatsachen.
Letztere sind für dich doch wahre abstrakte Propositionen (fregesche Gedanken), oder nicht?
Der "platonische Himmel" ist der nichtraumzeitliche Bereich aller abstrakten Entitäten; und indem du an Letztere glaubst, glaubst du an den platonischen Himmel.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 08:13
(3) Ich spreche weder von „Übernatürlichem“ noch von „Hyperphysischem“. Das sind deine Umdeutungen. Eine Analogie: Stellen wir uns vor, ich behaupte als Pluralist, ein Kuchen besteht zumindest aus Mehl, Zucker, Butter und Eiern. Du behauptest als Monist, er bestehe nur aus Mehl. Daraus folgt jedoch nicht, dass Zucker, Butter und Eier eine Form von Hyper-Mehl darstellen. Dementsprechend spreche ich weder von „Übernatürlichem“ noch von „Hyperphysischem“, sondern einfach von anderen, realen Zutaten der Wirklichkeit.
Eine Überdehnung des Naturbegriffs, die eine abstrakte Realität zu einem Teil der Natur macht, weise ich nachdrücklich zurück.

Die ontologische Frage ist, ob es weitere grundlegende, unzurückführbare "Zutaten der Wirklichkeit" gibt außer den physikalischen. – Meine Antwort ist bekannt.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 08:13
Du schreibst: „Soweit ich sehen kann, ist der Materialismus mitnichten selbstuntergrabend – vom eliminativen Materialismus abgesehen.“ Ich habe geschrieben, dass er die naturwissenschaftliche Praxis untergräbt. Für beispielsweise Gründe, Normen, Wahrheit, logische Relationen und Zahlen ist im Materialismus kein Platz. Genau diese Dinge sind für die naturwissenschaftliche Praxis jedoch konstitutiv.
Doch, im materialistischen Weltbild gibt es sehr wohl Plätze für Ethik, "Alethik" (Wahrheitslehre), Logik und Mathematik—nur nicht für damit verbundene antimaterialistische Ontologien.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mo 15. Jun 2026, 08:13
Dass zentrale Bestandteile unserer Lebenswelt aus materialistischer Perspektive bis heute als „ungelöste Probleme“ gelten – zum Beispiel Leben, Bewusstsein, Farben, Normen, Werte, Moral, Gesellschaften –, spricht nicht gerade für die Plausibilität dieses Programms. Der Patient liegt im Sterben. Gerade im Hinblick auf das harte Problem des Bewusstseins wird deshalb in der gegenwärtigen Philosophie ernsthaft über Alternativen zum klassischen Materialismus diskutiert, darunter auch verschiedene Formen des Panpsychismus.
Diskutiert wird über alles Erdenkliche.
"If the rivals of materialism have any advantage it must be because there are some residual phenomena which they can explain better."
———
"Wenn die Rivalen des Materialismus irgendeinen Vorteil haben, muss er darin bestehen, dass es einige übriggebliebene Phänomene gibt, die sie besser erklären können." [übersetzt von Consul]

(Williams, Donald Cary. "Naturalism and the Nature of Things." In Principles of Empirical Realism: Philosophical Essays, 212-238. Springfield, IL: Charles C Thomas, 1966. p. 234)
Ich bezweifle, dass der Panpsychismus dazu in der Lage ist.



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Jörn P Budesheim
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Di 16. Jun 2026, 07:42

Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 01:13
Die entscheidende Frage, um die es hier geht ...
Die entscheidende Frage, um die es mir ging, war: Hast du die modernen Formen des Panpsychismus in dem von mir monierten Beitrag korrekt dargestellt? Und die Antwort lautet schlicht: Nein.
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 01:13
Eine Überdehnung des Naturbegriffs, die eine abstrakte Realität zu einem Teil der Natur macht, weise ich nachdrücklich zurück.
Das ist dir unbenommen. Es ändert aber nichts daran, dass du meine „Zutaten“ durchgängig falsch charakterisierst. Sie sind weder hyperphysisch noch befinden sie sich in einem platonischen Himmel. Im Gegenteil, sie sind außerordentlich diesseitig. Es gibt zudem bekanntlich einen sehr engen Zusammenhang zwischen Physik und Mathematik.
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 01:13
Doch, im materialistischen Weltbild gibt es sehr wohl Plätze für Ethik, „Alethik“ (Wahrheitslehre), Logik und Mathematik …
Ja, indem sie gebeugt und umgedeutet werden, zum Beispiel als Neuronenzustände. Aber Wahrheit, Logik und Mathematik sind ganz offensichtlich nichts Materielles. Es ist absurd zu behaupten, dass ein logischer Schluss etwas Materielles sein soll. Ein gültiger logischer Schluss wie der Modus Ponens hat beispielsweise keine Masse, keine Ladung und keinen Ort im Raum oder was auch immer. Er hat eben nichts, aber auch gar nichts Materielles an sich. Der Materialismus hat keinen Platz für alles, was intrinsisch wahr/richtig oder falsch sein kann.

Ein Neuronenzustand ist physisch. Aber die Gültigkeit des Schlusses

(P → Q), P ⇒ Q

ist weder identisch mit diesem Zustand noch reduzierbar auf ihn. Denn:
  • Die Gültigkeit ist unabhängig davon, ob jemand diesen Schluss denkt.
  • Sie kann korrekt oder inkorrekt angewendet werden (Normativität).
  • Sie ist notwendig, nicht empirisch.



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Consul
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Di 16. Jun 2026, 21:54

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 07:42
Die entscheidende Frage, um die es mir ging, war: Hast du die modernen Formen des Panpsychismus in dem von mir monierten Beitrag korrekt dargestellt? Und die Antwort lautet schlicht: Nein.
Du irrst dich; denn was ich darüber gesagt habe, steht im Einklang mit Folgendem:
"Panpsychismus ist die Auffassung, dass Mentalität in der natürlichen Welt fundamental und allgegenwärtig ist.

Das Wort „Panpsychismus“ bedeutet wörtlich, dass alles einen Geist hat. In der heutigen Debatte wird es jedoch allgemein so verstanden, dass Mentalität fundamental und allgegenwärtig in der Natur ist. In Verbindung mit der weit verbreiteten Annahme (…), dass fundamentale Dinge nur auf der Mikroebene existieren, impliziert der Panpsychismus, dass zumindest einige Arten von Entitäten auf der Mikroebene Mentalität besitzen und dass solche Entitäten in allen Dingen des materiellen Universums vorkommen. Obwohl Panpsychisten also davon ausgehen, dass Mentalität überall in der Natur verbreitet ist – in dem Sinne, dass alle materiellen Objekte Teile mit mentalen Eigenschaften haben –, müssen sie nicht annehmen, dass buchstäblich alles einen Geist hat. Beispielsweise muss ein Stein nicht zwangsläufig mentale Eigenschaften besitzen (sondern nur seine fundamentalen Bestandteile).

Man kann verschiedene Formen des Panpsychismus danach unterscheiden, welcher Aspekt der Mentalität als fundamental und allgegenwärtig angesehen wird. Zwei wichtige Merkmale des Menschen Geist ist Denken und Bewusstsein. Anhand dieser Eigenschaften lassen sich zwei mögliche Formen des Panpsychismus unterscheiden:

* Panexperientialismus – die Auffassung, dass bewusstes Erleben fundamental und allgegenwärtig ist.
* Pankognitivismus – die Auffassung, dass Denken fundamental und allgegenwärtig ist.

Gemäß der in der zeitgenössischen analytischen Philosophie vorherrschenden Definition von Bewusstsein ist etwas bewusst, wenn es sich irgendwie anfühlt, es zu sein; das heißt, wenn es irgendeine Art von Erfahrung/Erlebung hat, sei sie auch noch so grundlegend. Menschen haben unglaublich reiche und komplexe Erfahrungen, Pferde weniger, Mäuse noch weniger. Standardmäßig geht der Panexperientialist davon aus, dass diese Abnahme der Komplexität von Erfahrungen sich bis hin zu Pflanzen und den grundlegenden Bausteinen der Realität, vielleicht Elektronen und Quarks, fortsetzt. Wenn der Begriff „Erfahrung haben“ flexibel genug ist, dann erscheint die Ansicht, dass ein Elektron Erfahrung hat – und zwar von einer äußerst grundlegenden Art –, kohärent (selbstverständlich muss man zwischen der Frage der Kohärenz und der Frage der Plausibilität unterscheiden; letztere hängt von der Stärke der im Folgenden diskutierten Argumente ab).

Denken hingegen ist ein weitaus komplexeres Phänomen; und viele bezweifeln, dass es richtig ist, es nichtmenschlichen Tieren, geschweige denn Elementarteilchen, zuzuschreiben. Die traditionelle Auffassung in der analytischen Philosophie besagt, dass Gedanken mentale Zustände sind, die sich als psychologische Haltungen gegenüber spezifischen Propositionen modellieren lassen: die Überzeugung, dass Budapest die Hauptstadt Ungarns ist, die Hoffnung, dass der Krieg vorbei ist, die Befürchtung einer weiteren globalen Finanzkrise. Der Panpsychismus wird oft karikiert als die Ansicht, Elektronen hätten Hoffnungen und Träume oder Quarks litten unter Existenzangst. Obwohl es in der Geschichte einige Verteidiger des Pankognitivismus gab, werden in der zeitgenössischen analytischen Philosophie vor allem panexperientialistische Formen des Panpsychismus ernst genommen. Ich werde Panpsychismus fortan mit Panexperientialismus gleichsetzen." [übersetzt von Google]

Panpsychism: https://plato.stanford.edu/entries/panpsychism/
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 07:42
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 01:13
Eine Überdehnung des Naturbegriffs, die eine abstrakte Realität zu einem Teil der Natur macht, weise ich nachdrücklich zurück.
Das ist dir unbenommen. Es ändert aber nichts daran, dass du meine „Zutaten“ durchgängig falsch charakterisierst. Sie sind weder hyperphysisch noch befinden sie sich in einem platonischen Himmel. Im Gegenteil, sie sind außerordentlich diesseitig.
Abstrakte Entitäten sind per definitionem nicht-/überphysisch und insofern nichtdiesseitig/jenseitig, als sie nicht Teil der Natur als der konkreten Raumzeit-Welt sind.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 07:42
Es gibt zudem bekanntlich einen sehr engen Zusammenhang zwischen Physik und Mathematik.
Naturwissenschaftliche Theorien sind zwar sehr oft mathematisch formuliert, aber dieser Umstand naturalisiert nicht die Ontologie des mathematischen Platonismus.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 07:42
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 01:13
Doch, im materialistischen Weltbild gibt es sehr wohl Plätze für Ethik, „Alethik“ (Wahrheitslehre), Logik und Mathematik …
Ja, indem sie gebeugt und umgedeutet werden, zum Beispiel als Neuronenzustände. Aber Wahrheit, Logik und Mathematik sind ganz offensichtlich nichts Materielles. Es ist absurd zu behaupten, dass ein logischer Schluss etwas Materielles sein soll. Ein gültiger logischer Schluss wie der Modus Ponens hat beispielsweise keine Masse, keine Ladung und keinen Ort im Raum oder was auch immer. Er hat eben nichts, aber auch gar nichts Materielles an sich. Der Materialismus hat keinen Platz für alles, was intrinsisch wahr/richtig oder falsch sein kann.
Mit "Mathematik" meine ich die gleichnamige Wissenschaft, die als solche eine soziale Institution ist, welche keine immateriellen Teile hat. (Das mathematische Denken in den Gehirnen von Mathematikern ist nichts Nichtphysisches.)

Wenn wir von der Aussagenlogik sprechen, dann stellt sich die ontologische Frage, was genau Aussagen sind:
1. abstrakte "Sätze an sich" = fregesche Gedanken = Propositionen
2. abstrakte Satztypen (die im Gegensatz zu Propositionen an eine bestimmte Sprache gebunden sind)
3. konkrete Satztoken (nur gedachte oder mündlich oder schriftlich geäußerte)

Aus materialistischer Sicht ist 3 zutreffend, während Aussagen der Arten 2&3 nichtexistente Fiktionen sind. Die materialistisch realen Gegenstände der Aussagenlogik sind also konkrete, materielle Aussagesatztoken, und es geht darin um deren formale Wahrheitsverhältnisse. Ein logisches Gesetz wie (A & B) –> A bedeutet entsprechend: Wahre "A & B"-Token erzwingen wahre "A"-Token.
Das ist kein logischer Psychologismus oder Neurologismus!



"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding

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Jörn P Budesheim
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Mi 17. Jun 2026, 07:31

Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
Du irrst dich ...
Nein, ich irre mich nicht. Ich sprach von modernen Formen von Panpsychismus. Und die behaupten nicht, „dass zumindest einige Arten von Elementarteilchen im Urplasma empfindende oder fühlende Wesen waren“. Im „Urplasma“ gab es weder empfindende noch fühlende oder sonstige Wesen – egal welcher Art. Denn „Wesen“ impliziert bereits eine organisierte Einheit mit integrierter Perspektive. „Der“ Panexperientialismus (den es natürlich in den verschiedensten Geschmacksrichtungen gibt) schreibt Elementarteilchen höchstens proto-phänomenale Eigenschaften zu.
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
Abstrakte Entitäten sind per definitionem nicht-/überphysisch und insofern nichtdiesseitig/jenseitig, als sie nicht Teil der Natur als der konkreten Raumzeit-Welt sind.
Abstrakte Entitäten befinden sich keineswegs per Definition im „platonischen Himmel“, wie du geschrieben hast. Ortlosigkeit impliziert keine Transzendenz/Jenseitigkeit. Und da sie keinen Ort haben, können sie auch nicht über dem Physischen sein. Deine Sicht setzt stillschweigend voraus, dass das Physische im Koordinatensystem des Existenten ein Primat besitzt, an dem alles andere ausgerichtet werden muss. Aber Zucker ist kein Übermehl – und Zahlen sind kein Überphysisches.
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
(Das mathematische Denken in den Gehirnen von Mathematikern ist nichts Nichtphysisches.) [...] Das ist kein logischer Psychologismus oder Neurologismus!
Wenn sich das Denken in den Gehirnen von Mathematiker:innen oder entsprechend Logiker:innen befindet, dann liegt sehr wohl ein Psychologismus oder Neurologismus vor.
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
Ein logisches Gesetz wie (A & B) –> A bedeutet entsprechend: Wahre "A & B"-Token erzwingen wahre "A"-Token.
„Wahre ‚A & B'-Token erzwingen wahre ‚A'-Token."

„Erzwingen“? Was soll das sein? Ein kausales Erzwingen? Wohl kaum. Sonst würde niemals jemand unlogisch denken. Dieses „Erzwingen“ ist offenbar kein physikalisches Ereignis, sondern normativ. Es geht um das Richtige und Falsche. Hier ist er wieder: der Widergänger der Normativität, den du (und auch sonst niemand) nicht loswirst. Die gesamte Formulierung wirkt wie eine Reductio ad absurdum deiner eigenen Position. Sie zeigt sehr schön, welche begrifflichen Schwierigkeiten entstehen, wenn man versucht, logische Gültigkeit vollständig materialistisch zu rekonstruieren. Es geht schlicht nicht.



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Consul
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Mi 17. Jun 2026, 22:22

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 07:31
Nein, ich irre mich nicht. Ich sprach von modernen Formen von Panpsychismus. Und die behaupten nicht, „dass zumindest einige Arten von Elementarteilchen im Urplasma empfindende oder fühlende Wesen waren“. Im „Urplasma“ gab es weder empfindende noch fühlende oder sonstige Wesen – egal welcher Art. Denn „Wesen“ impliziert bereits eine organisierte Einheit mit integrierter Perspektive. „Der“ Panexperientialismus (den es natürlich in den verschiedensten Geschmacksrichtungen gibt) schreibt Elementarteilchen höchstens proto-phänomenale Eigenschaften zu.
Nein, da Panexperientialismus ≠ Panprotoexperientialismus!

Der Panexperientialismus heißt deshalb so, weil er im Gegensatz zum Panprotoexperientialismus allen oder zumindest einigen Arten von Elementarteilchen experientiale/phänomenale Eigenschaften zuschreibt und sie damit zu Subjekten experientialen/phänomenalen Bewusstseins macht—was nichts anderes bedeutet, als dass sie empfindende/fühlende Wesen sind.

Der Panprotopsychismus ist keine moderne Form von Panpsychismus, weil er überhaupt keine Form davon ist. Denn, wie gesagt, protoexperientiale/protophänomenale/protopsychische/protomentale Eigenschaften sind keine experientialen/phänomenalen/psychischen/mentalen Eigenschaften.
Siehe: viewtopic.php?p=79784#p79784
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 07:31
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
Abstrakte Entitäten sind per definitionem nicht-/überphysisch und insofern nichtdiesseitig/jenseitig, als sie nicht Teil der Natur als der konkreten Raumzeit-Welt sind.
Abstrakte Entitäten befinden sich keineswegs per Definition im „platonischen Himmel“, wie du geschrieben hast. Ortlosigkeit impliziert keine Transzendenz/Jenseitigkeit. Und da sie keinen Ort haben, können sie auch nicht über dem Physischen sein. Deine Sicht setzt stillschweigend voraus, dass das Physische im Koordinatensystem des Existenten ein Primat besitzt, an dem alles andere ausgerichtet werden muss. Aber Zucker ist kein Übermehl – und Zahlen sind kein Überphysisches.
Der sogenannte platonische Himmel ist selbstverständlich kein Ort innerhalb des Raumes, und es gibt selbstverständlich keine Orte außerhalb des Raumes.
(Wenn der 3D-Raum in einen höherdimensionalen Raum eingebettet ist, dann kann man von Orten außerhalb des 3D-Raumes sprechen; aber es kann keine Orte außerhalb jeglicher Art von Raum geben.)
Ist es nicht offensichtlich, dass mit "über-" in "übernatürlich" und "überphysisch" in Bezug auf abstrakte Entitäten kein räumliches Darüber- oder Oberhalbsein gemeint ist, sondern eben, dass sie "nicht Teil der Natur als der konkreten Raumzeit-Welt sind"?!
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 07:31
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
(Das mathematische Denken in den Gehirnen von Mathematikern ist nichts Nichtphysisches.) [...] Das ist kein logischer Psychologismus oder Neurologismus!
Wenn sich das Denken in den Gehirnen von Mathematiker:innen oder entsprechend Logiker:innen befindet, dann liegt sehr wohl ein Psychologismus oder Neurologismus vor.
Logisches oder mathematisches Denken ist natürlich ein mentaler/neuraler Vorgang.
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 17. Jun 2026, 07:31
Consul hat geschrieben :
Di 16. Jun 2026, 21:54
Ein logisches Gesetz wie (A & B) –> A bedeutet entsprechend: Wahre "A & B"-Token erzwingen wahre "A"-Token.
„Erzwingen“? Was soll das sein? Ein kausales Erzwingen? Wohl kaum. Sonst würde niemals jemand unlogisch denken. Dieses „Erzwingen“ ist offenbar kein physikalisches Ereignis, sondern normativ. Es geht um das Richtige und Falsche. Hier ist er wieder: der Widergänger der Normativität, den du (und auch sonst niemand) nicht loswirst. Die gesamte Formulierung wirkt wie eine Reductio ad absurdum deiner eigenen Position. Sie zeigt sehr schön, welche begrifflichen Schwierigkeiten entstehen, wenn man versucht, logische Gültigkeit vollständig materialistisch zu rekonstruieren. Es geht schlicht nicht.
Doch, es geht; man muss nur wollen! ;)
Nein, ich meine mit "erzwingen" keine Ursache-Wirkungs-Beziehung, sondern eine nichtursächliche Grund-Folge-Beziehung.
Man kann auch einfach schreiben: Wenn "A & B"-Token wahr sind, dann sind "A"-Token wahr.
Das ist übrigens keine normative Aussage, weil Wahrheit kein normativer Begriff ist.



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Jörn P Budesheim
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Do 18. Jun 2026, 11:02

Ich fasse das für mich zusammen: Du hast den Ausdruck „aktuelle Formen des Panpsychismus“ in einer Weise (um)interpretiert, die den heute diskutierten Positionen nicht gerecht wird, und verteidigst diese Darstellung nun mit Begriffsklaubereien, die am eigentlichen Punkt vorbeigehen. Ähnliches gilt für deine Rede vom „Jenseits“ und vom „platonischen Himmel“ im Zusammenhang mit abstrakten Entitäten. Was die Logik betrifft, sehe ich nach wie vor keine nachvollziehbare materialistische Erklärung logischer Notwendigkeit.

Mehr werde ich dazu nicht schreiben.



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Consul
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Fr 19. Jun 2026, 02:14

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 18. Jun 2026, 11:02
…Was die Logik betrifft, sehe ich nach wie vor keine nachvollziehbare materialistische Erklärung logischer Notwendigkeit.
"Peirce setzt Logik mit „formaler Semiotik“ gleich:

Logik ist die Wissenschaft von den allgemeinen, notwendigen Gesetzen der Zeichen und insbesondere der Symbole. [R 425 CSP 133]

In einem Entwurf finden wir die folgende erweiterte Fassung derselben Passage:

Dass unsere Gedanken Zeichen sind, ist eine alte und bekannte Lehre. Ich zeige, dass Gedanken nur insoweit Gegenstand der Logik sind, als sie Zeichen und insbesondere Symbole sind; und ferner, dass die Regeln der Logik auf alle Symbole anwendbar sind. Indem wir die Logik als Wissenschaft der Zeichen oder formale Semiotik und im Wesentlichen als Wissenschaft der Symbole oder formale Symbolik betrachten, erfassen wir dementsprechend ihren Gegenstand genau und sichern uns gleichzeitig gegen jegliches Risiko ab, in die Psychologie fehlgeleitet zu werden. Das Wort „formal“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass nur die allgemeinen Bedingungen zu berücksichtigen sind, denen Zeichen entsprechen sollten. [R 425 CSP 117 ISP 222]" [übersetzt von DeepL]

(Bellucci, Francesco. Peirce's Speculative Grammar: Logic as Semiotics. New York: Routledge, 2018. p. 189)
Wenn Logik formale Semiotik ist, dann gründet logische Notwendigkeit in der Natur und Struktur von Zeichensystemen, insbesondere von Symbolsystemen wie Sprachen (*. Aus materialistischer Sicht gibt es nur konkrete, materielle Zeichen-/Symboltoken, sodass diese der reale "Stoff" der Logik sind.

(* Peirce unterscheidet drei Hauptarten von Zeichen: Ikonen, Indizes und Symbole. Siehe dazu diesen Beitrag von mir!)



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Jörn P Budesheim
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Fr 19. Jun 2026, 08:22

Consul hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 02:14
[...] Das Wort „formal“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass nur die allgemeinen Bedingungen zu berücksichtigen sind, denen Zeichen entsprechen sollten. (Francesco Bellucci)

Wenn Logik formale Semiotik ist, dann gründet logische Notwendigkeit in der Natur und Struktur von Zeichensystemen, insbesondere von Symbolsystemen wie Sprachen (*. Aus materialistischer Sicht gibt es nur konkrete, materielle Zeichen-/Symboltoken, sodass diese der reale "Stoff" der Logik sind.
Die beiden Aussagen passen für mich nicht zusammen: Im ersten Zitat ist ausdrücklich von allgemeinen Bedingungen (und nicht von konkreten Token) die Rede, denen Zeichen entsprechen sollen. In deinem eigenen Kommentar wird das jedoch ohne Begründung wieder eingezogen: Die allgemeinen Bedingungen verschwinden, und übrig bleiben nur noch konkrete materielle Token. Und das Sollen wurde vom Nebel verschluckt.

Damit ignorierst du sowohl den Begründungszusammenhang als auch die explizit genannte Normativität. Nochmal: Die Zeichen sollen - gemäß deinem Zeugen - den allgemeinen Bedingungen entsprechen. Das heißt: Nicht die Zeichen begründen die logischen Bedingungen, sondern die Zeichen sollen sich an ihnen orientieren. Die allgemeinen Bedingungen gehen den einzelnen Zeichen daher logisch voraus. Sie können folglich nicht einfach mit konkreten materiellen Token identifiziert werden.

Darüber hinaus fehlt in deinem Ansatz jede Begründung dafür, warum Logik gewissermaßen erst mit den Zeichen „zur Welt kommt“. Warum sollte es sich dabei nicht um „metaphysische“ Gesetze handeln? Dass etwas nicht zugleich „so und so“ und im selben Sinn nicht „so und so“ sein kann, ist nicht nur ein Gesetz der Zeichen, der Sprache oder des Denkens, sondern etwas Grundlegenderes, das diesen vorausgeht und sie überhaupt erst möglich macht.



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Fr 19. Jun 2026, 21:52

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 08:22
Die beiden Aussagen passen für mich nicht zusammen: Im ersten Zitat ist ausdrücklich von allgemeinen Bedingungen (und nicht von konkreten Token) die Rede, denen Zeichen entsprechen sollen. In deinem eigenen Kommentar wird das jedoch ohne Begründung wieder eingezogen: Die allgemeinen Bedingungen verschwinden, und übrig bleiben nur noch konkrete materielle Token. Und das Sollen wurde vom Nebel verschluckt.

Damit ignorierst du sowohl den Begründungszusammenhang als auch die explizit genannte Normativität. Nochmal: Die Zeichen sollen - gemäß deinem Zeugen - den allgemeinen Bedingungen entsprechen. Das heißt: Nicht die Zeichen begründen die logischen Bedingungen, sondern die Zeichen sollen sich an ihnen orientieren. Die allgemeinen Bedingungen gehen den einzelnen Zeichen daher logisch voraus. Sie können folglich nicht einfach mit konkreten materiellen Token identifiziert werden.
"Wie die Ethik kann man auch die Logik eine normative Wissenschaft nennen. Wie muss ich denken, um das Ziel, die Wahrheit, zu erreichen? Die Beantwortung dieser Frage erwarten wir von der Logik, aber wir verlangen nicht von ihr, dass sie auf das Besondere jedes Wissensgebietes und deren Gegenstände eingehe; sondern nur das Allgemeinste, was für alle Gebiete des Denkens Geltung hat, anzugeben, weisen wir der Logik als Aufgabe zu. Die Regeln für unser Denken und Fürwahrhalten müssen wir [als] bestimmt denken durch die Gesetze des Wahrseins. Mit diesen sind jene gegeben. Wir können mithin auch sagen: die Logik ist die Wissenschaft der allgemeinsten Gesetze des Wahrseins."

(Frege, Gottlob. "Logik." 1897. In Gottlob Frege: Schriften zur Logik und Sprachphilosophie; Aus dem Nachlass, hrsg. v. Gottfried Gabriel, 4. Aufl., 35-73. Hamburg: Meiner, 2001. S. 38-9)
Frege erwähnt den normativen Aspekt der Logik ausdrücklich: Halte dich an die "allgemeinsten Gesetze des Wahrseins", wenn du "das Ziel, die Wahrheit" erreichen willst!

Die logischen Gesetze bringen allgemeine Bedingungen in Gestalt von Wenn-dann-Sätzen zum Ausdruck, die aus materialistischer Sicht in der Wirklichkeit nur als konkrete Token (Exemplare) vorkommen.
"Ohne die Implikation wäre unser Aussagensystem größtenteils bedeutungslos; nur das Nebensächliche würde Sinn ergeben. Doch die Implikation ist nicht wirklich ein zusätzlicher Faktor; denn zu sagen, dass eine Aussage eine zweite logisch impliziert, ist dasselbe wie zu sagen, dass eine dritte Aussage des Systems – eine aus den beiden anderen gebildete „Wenn-Dann“-Verbindung – logisch wahr oder „gültig“ ist. Logische Wahrheiten sind Aussagen, die den übrigen gleichgestellt sind, aber eine sehr zentrale Stellung einnehmen; es handelt sich um Aussagen in Formen wie „p oder nicht p“, „Wenn p, dann p“, „Wenn p und q, dann q“, „Wenn alles so und so ist, dann ist etwas so und so“ sowie um andere, komplexere und weniger auf den ersten Blick erkennbare Formen. Ihr Merkmal ist, dass sie nicht nur wahr sind, sondern auch dann wahr bleiben, wenn wir ihre Bestandteile nach Belieben ersetzen, vorausgesetzt lediglich, dass die sogenannten „logischen“ Wörter „=“, „oder“, „nicht“, „wenn-dann“, „alles“, „etwas“ usw. unverändert bleiben. Wir können beliebige Aussagen an die Stellen „p“ und „q“ und beliebige Begriffe an die Stellen „so und so“ in den oben genannten Formen einsetzen, ohne Falschheit befürchten zu müssen.
Alles, was zählt, wenn eine Aussage logisch wahr ist, ist ihre Struktur in Bezug auf die logischen Wörter. Daher wird gemeinhin gesagt, dass logische Wahrheiten allein aufgrund der Bedeutungen der logischen Wörter wahr sind.
Die Hauptbedeutung der Logik liegt in der Implikation…" [übersetzt von DeepL]

(Quine, W. V. Methods of Logic. 4th ed. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1982. p. 4)
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Fr 19. Jun 2026, 08:22
Darüber hinaus fehlt in deinem Ansatz jede Begründung dafür, warum Logik gewissermaßen erst mit den Zeichen „zur Welt kommt“. Warum sollte es sich dabei nicht um „metaphysische“ Gesetze handeln? Dass etwas nicht zugleich „so und so“ und im selben Sinn nicht „so und so“ sein kann, ist nicht nur ein Gesetz der Zeichen, der Sprache oder des Denkens, sondern etwas Grundlegenderes, das diesen vorausgeht und sie überhaupt erst möglich macht.
Was logisch unmöglich ist, ist ebenfalls sowohl metaphysisch/ontologisch unmöglich als auch physiko-nomologisch (naturgesetzlich) unmöglich, sodass insofern ein Bezug zum außersprachlichen Sein vorhanden ist.

Wenn man die sogenannte Aussagenlogik (propositional logic) nicht als Logik sprachlicher Sätze oder von Satzbedeutungen (Propositionen) auffasst, sondern als Logik außersprachlicher und nichtpropositionaler Sachverhalte, dann verlagert man sie auf die ontologische Ebene; und die Satzlogik wird damit zu einer sprach- und allgemein zeichenunabhängigen Seinslogik, zu einer Logik der allgemeinen Bedingungen und Beziehungen von Sachverhalten.
Es liegt dann beispielsweise im Wesen des Seins, in der Natur der Dinge selbst, dass derselbe Sachverhalt nicht zugleich bestehen und nicht bestehen kann, und dass (im Rahmen der Prädikatenlogik) ein Ding dieselbe Eigenschaft nicht zugleich haben und nicht haben kann.

Doch wenn es überhaupt (nichtpropositionale) Sachverhalte gibt, dann gibt es sicher keine Bedingungssachverhalte als nichtsprachliche Entsprechungen sprachlicher Bedingungssätze (Wenn-dann-Sätze). Denn wenn es um Sachverhalte als "gegenständliche Gebilde der Form 'b-sein des A'" (A. Reinach) geht, dann wäre ein Bedingungssachverhalt ein höchst seltsames gegenständliches Gebilde der Form "b-Sein-des-A-wenn-d-sein-des-C".



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Do 25. Jun 2026, 05:37

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 09:45
Consul hat geschrieben :
Di 23. Jun 2026, 20:00
…warum sollte es in einer materialistischen Welt keine Organisationen geben
Du behauptest, Organisationen, Personen, Zwecke, Rechte und Pflichten seien letztlich materiell. Das ist völlig unplausibel, und zugleich fehlt dafür jede Begründung. Es ist nämlich völlig witzlos zu behaupten, Pflichten seien etwas Materielles. All diese Beispiele sind offensichtlich keine materiellen Gegenstände, sondern normativ, sinnhaft, qualitativ usw. Die Behauptung, sie seien in Wahrheit dennoch materiell, ist eine starke metaphysische These – insbesondere dann, wenn man, wie du, nicht einmal die Realität ontologischer Emergenz akzeptiert. Wer eine solche Metaphysik vertritt, trägt auch die Beweislast.
Organisationen bestehen aus Kollektiven physischer Personen, deren physischen Aktionen, Interaktionen und Kommunikationen sowie anderen, unpersönlichen physischen Objekten. Was die normativen, rechtlich-sittlichen "Verfassungen" von Organisationen anbelangt, so erfordern diese nicht die Existenz irgendwelcher nichtphysischer Dinge:

"Zweck = mit bewusster Absicht angestrebtes Ergebnis einer Handlung, eines Vorgangs" (DWDS)

Absichten und An-/Bestrebungen sind mentale Zustände, die aus materialistischer Sicht physische Zustände sind.

Rechte und Pflichten sind keine nichtphysischen Entitäten und eigentlich überhaupt keine Entitäten. Die substantivische Rede davon kann durch den Gebrauch der partizipialen Adjektive "berechtigt" und "verpflichtet" sowie der deontischen Modalverben "dürfen" und "müssen" ersetzt werden, wodurch man nicht auf eine ontologische Anerkennung von Rechten und Pflichten als einer besonderen Art von Entitäten festgenagelt wird, die den Materialisten reduktionistische Schwierigkeiten bereiten könnte. Zum Beispiel:

"A hat das Recht, X zu tun" = "A ist berechtigt, X, zu tun" / "A darf X tun" ("…und andere dürfen A nicht daran hindern, X zu tun")
"A hat die Pflicht, X zu tun" = "A ist verpflichtet, X zu tun" / "A muss X tun" ("…und andere dürfen A bestrafen, wenn er/sie X nicht tut")
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 24. Jun 2026, 09:45
Hinzu kommt, dass der Materialist/Physikalist nicht einmal genau sagen kann, was gemäß seiner Metaphysik überhaupt existiert, weil die Physik, die diesen Bereich erforscht, es selbst nicht letztgültig weiß. So kommt man zu der absurden Situation, zu behaupten, alles sei X, während man gar nicht wirklich weiß, was X eigentlich ist. Das führt zu der seltsamen Konsequenz, dass die unumstößliche Tatsache unseres Erlebens gemäß dem Materialisten/Physikalisten in Wahrheit ein X sein soll, von dem er nicht einmal sagen kann, was es eigentlich ist.
Oder wissen wir schon, dass das Geschäft der Physik abgeschlossen ist?
Nein, aber das ist für eine allgemeine Definition des (reduktiven) Materialismus nicht erforderlich: viewtopic.php?p=94774#p94774



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Do 25. Jun 2026, 07:33

Consul hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 05:37
Nein, aber das ist für eine allgemeine Definition des (reduktiven) Materialismus nicht erforderlich: viewtopic.php?p=94774#p94774
"Der reduktive Materialismus beinhaltet einen fundamentalen Inanimismus: ..." Eine negative Bestimmung ist gar keine Bestimmung. Nur zu sagen, was etwas nicht ist, besagt nichts darüber, was es ist. Kurz, du weißt gar nicht, wofür du eintrittst. Und in dem verlinkten Text landest du genaugenommen bei einer Tautologie: „Das Physische ist das Physische.“ Das ist leer.
Consul hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 05:37
Organisationen bestehen aus Kollektiven physischer Personen, deren physischen Aktionen, Interaktionen und Kommunikationen sowie anderen, unpersönlichen physischen Objekten.
Eine aberwitzige Behauptung (Organisationen, Personen, Zwecke, Rechte und Pflichten seien letztlich materiell) mit einer anderen abwitzigen Behauptung ("Kommunikationen sind physische Objekte") zu begründen, ist gar keine Begründung, insbesondere wenn du nicht mal einen positiven Begriff von "physischen Objekten" vorlegen kannst.



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Do 25. Jun 2026, 23:58

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 07:33
Consul hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 05:37
Nein, aber das ist für eine allgemeine Definition des (reduktiven) Materialismus nicht erforderlich: viewtopic.php?p=94774#p94774
"Der reduktive Materialismus beinhaltet einen fundamentalen Inanimismus: ..." Eine negative Bestimmung ist gar keine Bestimmung. Nur zu sagen, was etwas nicht ist, besagt nichts darüber, was es ist. Kurz, du weißt gar nicht, wofür du eintrittst. Und in dem verlinkten Text landest du genaugenommen bei einer Tautologie: „Das Physische ist das Physische.“ Das ist leer.
Nein, dort lande ich genau genommen nicht; denn eine urphysische Welt als eine konkrete MERZ-Welt ohne Leben, Geist, Bewusstsein und Sprache ist nicht etwas rein negativ Bestimmtes, sondern etwas positiv Denkbares. (MERZ = Materie-Energie-Raum-Zeit.) Eine urphysische Art von Entitäten ist entsprechend eine Art von Entitäten, die Teil einer urphysischen Welt sein können.

Es gibt drei Formen von Materialismus—eliminativer M., reduktiver M. und kausativer (emergentiver) M.—, und der reduktive Materialismus besteht in der These, dass alle Entitäten entweder urphysische Entitäten sind oder Entitäten, die grundlegend aus nichts weiter als urphysischen Entitäten bestehen.
Physische Entitäten sind also entweder urphysische Entitäten oder natürliche Entitäten, die grundlegend aus nichts weiter als urphysischen Entitäten bestehen.

Für die Bereitstellung weiterer und genauerer Informationen über die Natur und Struktur der urphysischen Welt sind die physikalischen Wissenschaften zuständig (Physik, Chemie, Geologie…).
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 07:33
Consul hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 05:37
Organisationen bestehen aus Kollektiven physischer Personen, deren physischen Aktionen, Interaktionen und Kommunikationen sowie anderen, unpersönlichen physischen Objekten.
Eine aberwitzige Behauptung (Organisationen, Personen, Zwecke, Rechte und Pflichten seien letztlich materiell) mit einer anderen abwitzigen Behauptung ("Kommunikationen sind physische Objekte") zu begründen, ist gar keine Begründung, insbesondere wenn du nicht mal einen positiven Begriff von "physischen Objekten" vorlegen kannst.
Mit den anderen physischen Objekten sind die physischen Personen gemeint und nicht deren (Inter-)Aktionen und Kommunikationen.

Ein urphysisches Objekt (Ding) ist ein n-dimensionales Objekt, das in einer urphysischen Welt existieren kann; und ein physisches Objekt ist entweder ein urphysisches Objekt oder ein natürliches Objekt, das grundlegend aus nichts weiter als urphysischen Objekten besteht.



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Fr 26. Jun 2026, 02:06

Consul hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 23:58
…[E]ine urphysische Welt als eine konkrete MERZ-Welt ohne Leben, Geist, Bewusstsein und Sprache ist nicht etwas rein negativ Bestimmtes, sondern etwas positiv Denkbares. (MERZ = Materie-Energie-Raum-Zeit.)
Aus meiner materialistischen Sicht ist der physische Kosmos vom Urknall (und auch schon davor) bis zur Entstehung des ersten Lebewesens ein rein urphysischer Kosmos gewesen, d.h. eine rein materiell-energetische Welt ohne Leben, Geist, Bewusstsein und Sprache.
Der Urknall ereignete sich vor ca. 13,8 Milliarden Jahren und die ersten Lebewesen tauchten vor 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren auf, sodass die MEST-Welt ca. 10 Milliarden Jahre lang eine rein urphysische Welt war.



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Fr 26. Jun 2026, 03:39

Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 07:33
Eine aberwitzige Behauptung (Organisationen, Personen, Zwecke, Rechte und Pflichten seien letztlich materiell)…
Ich behaupte nicht, dass Rechte und Pflichten materielle/physische Entitäten sind, weil sie für mich gar keine Entitäten sind; und zu behaupten, dass Personen und ihre Psychen physische Phänomene sind, ist mitnichten "aberwitzig".



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Fr 26. Jun 2026, 07:19

Consul hat geschrieben :
Fr 26. Jun 2026, 02:06
Der Urknall ereignete sich vor ca. 13,8 Milliarden Jahren und die ersten Lebewesen tauchten vor 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren auf, sodass die MEST-Welt ca. 10 Milliarden Jahre lang eine rein urphysische Welt war.
…es sei denn, es hat sich schon früher Leben auf anderen Planeten entwickelt.



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Fr 26. Jun 2026, 07:28

Consul hat geschrieben :
Do 25. Jun 2026, 23:58
Budesheim hat geschrieben : Und in dem verlinkten Text landest du genaugenommen bei einer Tautologie: „Das Physische ist das Physische.“ Das ist leer.
Nein, dort lande ich genau genommen nicht; denn eine urphysische Welt als eine konkrete MERZ-Welt ohne Leben, Geist, Bewusstsein und Sprache ist nicht etwas rein negativ Bestimmtes, sondern etwas positiv Denkbares. (MERZ = Materie-Energie-Raum-Zeit.)
Na, doch. Du hast es eben gerade wieder demonstriert: Das Physische ist Materie-Energie-Raum-Zeit. Aber damit ist die Frage an den Materialismus eben wieder offen gelassen. Denn, was Materie-Energie-Raum-Zeit sind, das wissen wir schließlich nicht. Du sitzt also auf diversen negativen Bestimmungen, wie „das Physische ist nicht animistisch“, und hast darüber hinaus nur Tautologien im Angebot, wie "das Physische ist MERZ = Materie-Energie-Raum-Zeit".



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