- Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
- Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
- Also gibt es keine Substanzen.
Ontologie der Substanzen
- Jörn P Budesheim
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Die Ontologie der Substanzen ist ein Thema für sich.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 18. Nov 2025, 21:15
- Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
- Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
- Also gibt es keine Substanzen.
Wenn Gott existiert, dann ist er eine Substanz im obigen Sinn. Wenn Gott nicht existiert, dann kann die Welt als Ganzes eine Substanz im obigen Sinn sein.
Man muss absolute Unabhängigkeit oder Selbstständigkeit aber gar nicht als Wesensmerkmal des Substanzbegriffs betrachten. Eine Substanz kann (im aristotelischen Sinn) einfach ein Einzelwesen sein wie ein Pferd.
(Für Leibniz sind Pferde hingegen als komplexe Objekte keine Substanzen, weil für ihn nur nichtkomplexe – d.i. mereologisch einfache, unzusammengesetzte, ungegliederte – Objekte Substanzen sein können. Seine "Monaden" sind als spirituelle Substanzen mereologische Atome. Aggregate von Monaden nennt er nicht substantiae, sondern substantiata.)
Wenn es keine Substanzen gäbe, dann gäbe es auch keine Attribute (Qualitäten/Quantitäten, Relationen), weil diese substanzabhängig sind.
Eine substanzlose Welt ist für mich eine unmögliche Welt; aber man kann über die Anzahl der existierenden Substanzen streiten. Laut Spinoza gibt es genau eine Substanz, nämlich Gott = Natur, wohingegen es laut Leibniz unendlich viele Substanzen in Gestalt spiritueller Monaden gibt.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Ich bleibe daher bei meiner Definition von oben und auch dabei, dass es Substanz nicht gibt.Wörterbuch der philosophischen Begriffe hat geschrieben : Substanz, von lat. substantia das »darunter Bestehende« (gr. hypokeimenon), das Bestand Habende, das Selbständige, Fürsichbestehende im Unterschied von dem Unselbständigen, nur an anderem Bestehenden, den Eigenschaften (T Akzidenz), das Beharrende im Unterschied zum Wechselnden, zu den Zuständen.
[...]
Descartes: »Unter Substanz können wir nur ein Ding verstehen, das so existiert, daß es zu seiner eigenen Existenz keines anderen Dinges bedarf«
[...]
Spinoza: »Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und durch sich begriffen wird, d. h. das, dessen Begriff, um gebildet werden zu können, des Begriffs eines anderen Dinges nicht bedarf«
Die Ontologie der Substanzen ist ein Thema für sich; aber hier sei angemerkt, dass das Begriffsmerkmal der Unabhängigkeit oder Selbstständigkeit in diesem Zusammenhang auslegungsbedürftig ist.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 19. Nov 2025, 07:13Ich bleibe daher bei meiner Definition von oben und auch dabei, dass es Substanz nicht gibt.
"Das wohl bekannteste Kriterium für Substanzialität ist Unabhängigkeit: Substanzen sind unabhängige Entitäten. Dieses Kriterium lässt sich auf verschiedene Weisen entwickeln, die sich sinnvoll anhand der Antworten auf zwei weitere Fragen unterscheiden lassen:
(a) Welche Art von Unabhängigkeit? Das heißt, inwiefern sind Substanzen unabhängige Entitäten?
(b) Unabhängig wovon? Das heißt, von welchen Entitäten sind Substanzen unabhängig? (…)
Es gibt verschiedene Arten der Abhängigkeit von Entitäten." [Google Translate]
(O’Conaill, Donnchadh. Substance. Cambridge: Cambridge University Press, 2022. p. 12)
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Du zitierst Definitionen zweier Philosophen, die beide keine Substanzleugner sind!Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mi 19. Nov 2025, 07:13Ich bleibe daher bei meiner Definition von oben und auch dabei, dass es Substanz nicht gibt.Wörterbuch der philosophischen Begriffe hat geschrieben : [...]
Descartes: »Unter Substanz können wir nur ein Ding verstehen, das so existiert, daß es zu seiner eigenen Existenz keines anderen Dinges bedarf«
[...]
Spinoza: »Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und durch sich begriffen wird, d. h. das, dessen Begriff, um gebildet werden zu können, des Begriffs eines anderen Dinges nicht bedarf«
Laut Spinoza gibt es nur eine einzige Substanz (Gott = Natur), die unerschaffen und absolut unabhängig ist; aber laut Descartes gibt es neben der einen unerschaffenen und absolut unabhängigen (spirituellen) Substanz (= Gott) viele von Gott erschaffene und relativ unabhängige (spirituelle und materielle) Substanzen.
"Wie wir gesehen haben, definiert Descartes Substanz über deren Unabhängigkeit. Dies ist jedoch nur eine sehr allgemeine Aussage. Um Descartes’ Substanzbegriff besser zu verstehen, benötigen wir ein genaueres Verständnis davon, inwiefern Substanzen unabhängig sind. Einerseits arbeitet Descartes in seinen Überlegungen zur Substanz mit dem traditionellen Unabhängigkeitsbegriff, demzufolge die Existenz einer Substanz in anderer Weise unabhängig ist als die Existenz eines Modus, da Substanzen ultimative [fundamentale] Subjekte sind. Demnach sind Substanzen subjektunabhängig. Andererseits verwendet Descartes in seiner Substanztheorie auch ein kausales Verständnis von Unabhängigkeit. Schließlich ist Gott die einzige unerschaffene Substanz (im Gegensatz zu erschaffener Substanz), weil alle anderen Dinge „nur mit Gottes Mitwirkung existieren können“ (Prinzipien I.51). Descartes versteht dies als die kausale Aussage, dass alle anderen Dinge Gottes Schöpfung sind und seiner ständigen Erhaltung im Sein bedürfen. Folglich haben Gelehrte Descartes so verstanden, dass er im Allgemeinen Folgendes vertrat: i) Gott ist sowohl kausal als auch subjektiv unabhängig (Gott ist schließlich kein Modus von irgendetwas anderem), ii) erschaffene Substanzen sind kausal von allem außer Gott unabhängig und subjektiv unabhängig, und iii) Modi sind sowohl kausal als auch subjektiv abhängig, da sie sowohl von Gottes kontinuierlicher Erhaltung im Sein als auch von erschaffenen Substanzen als Subjekten abhängen." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
17th Century Theories of Substance: https://iep.utm.edu/substanc/
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Dennoch stützen beide meine Argumentation, weil sie die erste Prämisse bestätigen.
"1. Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Do 20. Nov 2025, 07:15Dennoch stützen beide meine Argumentation, weil sie die erste Prämisse bestätigen.
2. Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
3. Also gibt es keine Substanzen." – Jörn
1 ist keine Prämisse, sondern eine Definition – und zwar eine, die nicht einmal von Descartes uneingeschränkt akzeptiert wird, weil er von Gott (sowohl kausal als auch existenzial) abhängige Substanzen (Körper und Seelen) anerkennt.
2 wird als Prämisse sowohl von Descartes als auch von Spinoza abgelehnt, da beide an die absolute existenziale Unabhängigkeit von Gott glauben, der laut Spinoza mit der Natur identisch ist. Descartes glaubt darüber hinaus an die relative existenziale Unabhängigkeit gottgeschaffener Körper und Seelen – welche für Spinoza gar keine Substanzen, sondern bloß Modi der einen Substanz (= Gott = Natur) sind.
Wenn in 2 mit "allem anderen" auch die wesentlichen/essenziellen Eigenschaften von etwas gemeint sind, dann kann freilich nichts unabhängig davon existieren. Das beantwortet jedoch nicht die Frage, ob es Objekte oder Dinge-mit-Eigenschaften gibt, die unabhängig von allen anderen Objekten oder Dingen-mit-Eigenschaften existieren.
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Welche Beispiele es gibt, hängt davon ab, was man unter Substanzen versteht. Aristoteles versteht darunter (zählbare) Einzelwesen wie Organismen. Menschen, Tiere, Pflanzen sind in seinem Sinn Substanzen, d.i. individuelle konkrete Objekte, und auch nichtbiologische Einzelwesen (Einzeldinge).
Aristotelische Substanzen können komplexe Objekte sein, die aus anderen Substanzen bestehen; aber nach meinem engeren ontologischen Verständnis sind Substanzen simple fundamentale konkrete Objekte. Aufgrund ihrer Einfachheit und Grundlegendheit besitzen sie eine bestimmte existenziale Unabhängigkeit oder Selbstständigkeit.
Mit "simpel" ist hier gemeint, dass Substanzen Objekte sind, die weder diskrete Teile noch substanzielle Teile haben, d.i. Teile, die selbst Substanzen sind. Das bedeutet nicht, dass sie gar keine Teile haben und nulldimensionale Objekte sind, weil ein simples Objekt durchaus drei- oder sogar vierdimensional sein und somit räumliche oder/und zeitliche Teile haben kann. Die Raum- oder Zeitteile einer 3D-/4D-Substanz sind allerdings keine substanziellen Teile, sondern nur Regionen einer kontinuierlich ausgedehnten Substanz, welche gegenüber ihren (von ihr unabtrennbaren) regionalen Teilen ontologischen Vorrang hat.
Nichtsimple, komplexe Objekte wie menschliche Körper sind in meinen Augen also bloß "Quasisubstanzen".
Als Materialist glaube ich nicht an nulldimensionale immaterielle/spirituelle Substanzen (Seelensubstanzen). Ob es nulldimensionale materielle Substanzen (Körpersubstanzen) gibt, halte ich für sehr zweifelhaft. Ich würde auch ein- oder zweidimensionale Objekte nicht als Substanzen bezeichnen. 0D-, 1D- oder 2D-Objekte – d.i. Punkte, Linien oder Oberflächen – existieren höchstens als Grenzen von 3D-Objekten (Körpern).
Abgesehen davon, dass materialistische Substanzrealisten glauben, dass sie größer als null ist, lässt sich die Anzahl der existierenden materiellen 3D-/4D-Substanzen nicht a priori festlegen.
Es kann endlich oder unendlich viele winzige (Arten von) Körpersubstanzen geben (womöglich mit unterschiedlichen Größen und Gestalten) .
Ob die Quarks und Leptonen im physikalischen Standardmodell tatsächlich Substanzen in meinem Sinn sind, wissen wir nicht; denn es ist nicht ausgeschlossen, dass sie selbst aus noch kleineren Teilchen (Partikeln) oder "Körperchen" (Korpuskeln) zusammengesetzt sind.
Es kann mehrere riesige, raumfüllende physikalische Urfelder als Körpersubstanzen geben.
Es kann eine einzige riesige Körpersubstanz geben, eine physische Weltsubstanz, einen Weltkörper (der mit dem Raum oder der Raumzeit als einer substanziellen Entität identisch sein kann).
Sogenannte physikalische Atome sind keine mereologischen Atome, d.i. keine einfachen Objekte, weil sie aus noch kleineren Objekten bestehen und somit nicht im wörtlichen etymologischen Sinn von "Atom" unteilbar sind.
Aristotelische Substanzen können komplexe Objekte sein, die aus anderen Substanzen bestehen; aber nach meinem engeren ontologischen Verständnis sind Substanzen simple fundamentale konkrete Objekte. Aufgrund ihrer Einfachheit und Grundlegendheit besitzen sie eine bestimmte existenziale Unabhängigkeit oder Selbstständigkeit.
Mit "simpel" ist hier gemeint, dass Substanzen Objekte sind, die weder diskrete Teile noch substanzielle Teile haben, d.i. Teile, die selbst Substanzen sind. Das bedeutet nicht, dass sie gar keine Teile haben und nulldimensionale Objekte sind, weil ein simples Objekt durchaus drei- oder sogar vierdimensional sein und somit räumliche oder/und zeitliche Teile haben kann. Die Raum- oder Zeitteile einer 3D-/4D-Substanz sind allerdings keine substanziellen Teile, sondern nur Regionen einer kontinuierlich ausgedehnten Substanz, welche gegenüber ihren (von ihr unabtrennbaren) regionalen Teilen ontologischen Vorrang hat.
Nichtsimple, komplexe Objekte wie menschliche Körper sind in meinen Augen also bloß "Quasisubstanzen".
Als Materialist glaube ich nicht an nulldimensionale immaterielle/spirituelle Substanzen (Seelensubstanzen). Ob es nulldimensionale materielle Substanzen (Körpersubstanzen) gibt, halte ich für sehr zweifelhaft. Ich würde auch ein- oder zweidimensionale Objekte nicht als Substanzen bezeichnen. 0D-, 1D- oder 2D-Objekte – d.i. Punkte, Linien oder Oberflächen – existieren höchstens als Grenzen von 3D-Objekten (Körpern).
Abgesehen davon, dass materialistische Substanzrealisten glauben, dass sie größer als null ist, lässt sich die Anzahl der existierenden materiellen 3D-/4D-Substanzen nicht a priori festlegen.
Es kann endlich oder unendlich viele winzige (Arten von) Körpersubstanzen geben (womöglich mit unterschiedlichen Größen und Gestalten) .
Ob die Quarks und Leptonen im physikalischen Standardmodell tatsächlich Substanzen in meinem Sinn sind, wissen wir nicht; denn es ist nicht ausgeschlossen, dass sie selbst aus noch kleineren Teilchen (Partikeln) oder "Körperchen" (Korpuskeln) zusammengesetzt sind.
Es kann mehrere riesige, raumfüllende physikalische Urfelder als Körpersubstanzen geben.
Es kann eine einzige riesige Körpersubstanz geben, eine physische Weltsubstanz, einen Weltkörper (der mit dem Raum oder der Raumzeit als einer substanziellen Entität identisch sein kann).
Fußnote:"Diese Auffassung von Substanzen und Eigenschaften ist mit dem Korpuskularismus – der Lehre, dass das Universum nach dem Urknall aus Anordnungen von Teilchen besteht – vereinbar, impliziert ihn aber nicht. Sie ist vereinbar mit der Möglichkeit, dass die fundamentalen Substanzen, die fundamentalen Eigenschaftsträger, Felder sind, und mit der Möglichkeit, dass es nur eine einzige Substanz gibt: den Raum oder die Raumzeit, das Eine, das Universum als Ganzes. Diese Fragen müssen von der Fundamentalphysik geklärt werden. An dieser Stelle möchte ich kurz anmerken, dass ich den Atomismus vom Korpuskularismus, einer Form des Atomismus, unterscheide. Der Atomismus ist die Ansicht, dass das Universum aus einfachen Substanzen besteht. Dies ist vereinbar mit der Möglichkeit, dass das Universum aus einer sehr großen Anzahl einfacher Substanzen, den Korpuskeln, besteht, aber auch mit der Möglichkeit, dass das Universum eine einzige einfache Substanz ist, und mit der Möglichkeit, dass es eine kleine Anzahl einfacher Substanzen – die Felder – gibt." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
(Heil, John. The Universe As We Find It. Oxford: Oxford University Press, 2012. p. 46)
Sogenannte physikalische Atome sind keine mereologischen Atome, d.i. keine einfachen Objekte, weil sie aus noch kleineren Objekten bestehen und somit nicht im wörtlichen etymologischen Sinn von "Atom" unteilbar sind.
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Timberlake
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Da halte ich mich doch lieber , auch was übrigens das wirre Zeugs von Consul betrifft, an Spinoza ...Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Di 18. Nov 2025, 21:15
- Substanzen sind das, was unabhängig von allem anderen für sich allein existieren könnte.
- Nichts kann unabhängig von allem anderen für sich allein existieren.
- Also gibt es keine Substanzen.
Der zwar davon ausgeht, dass ein Körper für sich allein, nicht unabhängig von anderen Körpern, wie auch ein Gedanke, für sich allein, nicht unabhängig von anderen Gedanken existieren kann. Aber Körper, für sich allein, sehr wohl ohne Gedanken existieren können, wie auch Gedanken, für sich allein, sehr wohl ohne einen Körper.
Baruch de Spinoza .. Ethik
...
2. Endlich in seiner Art heißt ein Ding, das durch ein anderes von gleicher Natur begrenzt werden kann. Ein Körper z.B. heißt endlich, weil wir stets einen andern größeren begreifen. Ebenso wird ein Gedanke durch einen andern Gedanken begrenzt. Dagegen wird ein Körper nicht durch einen Gedanken noch ein Gedanke durch einen Körper begrenzt.
3. Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und durch sich begriffen wird; d.h. etwas, dessen Begriff nicht den Begriff eines andern Dinges nötig hat, um daraus gebildet zu werden.
...
Axiome
I. Alles, was ist, ist entweder in sich oder in einem andern.
II. Was durch ein anderes nicht begriffen werden kann, muß durch sich selbst begriffen werden.
Somit Körper und Gedanken, weil keinen Begriff des jeweils anderen nötig habend und somit in sich seiend, nach seiner Auffassung jeweils Substanzen sind. Substanzen , die infolge dessen nur durch sich selbst begriffen werden müssen.
Es sei dir allerdings unbenommen dich anstatt dessen, in die Irrungen und Wirrungen in Consuls Beiträgen, zu diesem Thema, wie übrigens auch andernorts, verstricken zu lassen. (Un-)glücklicherweise bin ich dagegen immun.
Zuletzt geändert von Timberlake am So 23. Nov 2025, 00:11, insgesamt 12-mal geändert.
Im außerphilosophischen und naturwissenschaftlichen Sprachgebrauch werden unter Substanzen üblicherweise Materialien, chemische/physikalische Stoffe verstanden, die keine Substanzen im aristotelischen Sinn sind. Denn diese fallen nicht unter Stoffbegriffe wie "Wasser" oder "Gold", sondern unter Dingbegriffe wie "Hund" und "Stein". In der englischen Linguistik wird zwischen count nouns wie "Hund" – grammatikalisch korrekt: ein Hund, zwei Hunde, drei Hunde… – und noncount nouns wie "Gold" unterschieden – grammatikalisch inkorrekt: ein Gold, zwei Gold, drei Gold…."Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mindestens sechs sich überschneidende Ideen zum philosophischen Substanzbegriff beitragen. Substanzen werden wie folgt typisiert:
i. Sie sind ontologisch grundlegend – Substanzen sind die Dinge, aus denen alles andere besteht oder durch die es metaphysisch aufrechterhalten wird;
ii. Sie sind, zumindest im Vergleich zu anderen Dingen, relativ unabhängig und beständig, vielleicht sogar absolut;
iii. Sie sind paradigmatische Subjekte der Prädikation und Träger von Eigenschaften;
iv. Sie sind, zumindest bei den gebräuchlicheren Substanzarten, Subjekte des Wandels;
v. Sie werden durch jene Dinge typisiert, die wir üblicherweise als Objekte oder Objektarten einordnen;
vi. Sie werden durch Stoffarten typisiert.
Wir werden später sehen, dass die Kantische Tradition ein siebtes Merkmal der Substanz hinzufügt:
vii. Substanzen sind jene beständigen Einzeldinge, die unserem raumzeitlichen Rahmen Einheit verleihen, und deren Individuation und Re-Identifizierung es uns ermöglicht, uns in diesem Rahmen zu verorten. (Es sollte angemerkt werden, dass zumindest ein bedeutender Aristoteles-Interpret ([Terence] Irwin…) Aristoteles selbst eine sehr ähnliche Absicht zuschreibt.)" [Google Translate]
Substance: https://plato.stanford.edu/archives/spr ... substance/
Count nouns werden auch als sortal concepts bezeichnet. In der DUDEN-Grammatik wird entsprechend zwischen Substantiven als Gattungsbezeichnungen und Substantiven als Stoffbezeichnungen (Masse- oder Materialbezeichnungen) unterschieden.
Das ontologische Verhältnis von körperlichen Dingen, Körpern (materiellen Objekten) und Stoffen (Materialien) ist allerdings ein Thema für sich. Es gibt sowohl eine Ding-Ontologie, die Dinge (materielle Objekte) priorisiert, als auch eine Stoff-Ontologie, die Stoffe (Materialien) priorisiert.
(Siehe: The Metaphysics of Mass Expressions)
Kant definiert "Körper" beispielsweise als "eine Materie zwischen bestimmten Grenzen", was alle Arten von (endlich ausgedehnten) festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffmassen zu (physikalischen) Körpern macht. Die Suppe in einer Schüssel ist dann genauso ein Körper wie die Schüssel. Eine Wolke ist dann genauso ein Körper wie ein Stein.
"Viele der von Philosophen analysierten Begriffe haben ihren Ursprung in der Alltagssprache – oder zumindest in der außerphilosophischen Sprache. Wahrnehmung, Erkenntnis, Kausalität und Geist sind Beispiele dafür. Der Begriff der Substanz hingegen ist ein philosophischer Fachbegriff. Seine Verwendung im Alltag leitet sich häufig, oft in recht verzerrter Weise, von der philosophischen Bedeutung ab. Philosophen verwenden im Alltag einen Begriff von „Substanz“, nämlich den des Objekts oder Dings, im Gegensatz zu Eigenschaften oder Ereignissen. Solche „individuellen Substanzen“ werden jedoch außerhalb der Philosophie niemals als „Substanzen“ bezeichnet." [Google Translate]
Substance: https://plato.stanford.edu/entries/substance/
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Soll heißen: Alles, was ist, ist entweder eine Substanz als etwas Selbstständiges oder ein Attribut bzw. Modus (einer Substanz) als etwas Unselbstständiges.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 22. Nov 2025, 23:35Baruch de Spinoza .. Ethik
...
Axiome
I. Alles, was ist, ist entweder in sich oder in einem andern.…
Tja, was erwartest du?! Die Metaphysik im Allgemeinen und die Ontologie im Besonderen ist ein kompliziertes Fachgebiet, in das man Zeit und Mühe investieren muss, wenn man ihre Themen wie das Thema Substanzen durchblicken will. Es ist anstrengend, aber lohnend, finde ich.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 22. Nov 2025, 23:35Der zwar davon ausgeht, dass ein Körper für sich allein, nicht unabhängig von anderen Körpern, wie auch ein Gedanke, für sich allein, nicht unabhängig von anderen Gedanken existieren kann. Aber Körper, für sich allein, sehr wohl ohne Gedanken existieren können, wie auch Gedanken, für sich allein, sehr wohl ohne einen Körper.
Somit Körper und Gedanken, weil keinen Begriff des jeweils anderen nötig habend und somit in sich seiend, nach seiner Auffassung jeweils Substanzen sind. Substanzen , die infolge dessen nur durch sich selbst begriffen werden müssen.
Es sei dir allerdings unbenommen dich anstatt dessen, in die Irrungen und Wirrungen in Consuls Beiträgen, zu diesem Thema, wie übrigens auch andernorts, verstricken zu lassen.
Spinoza ist Existenzmonist bezüglich der Anzahl der existierenden Substanzen, d.h. es gibt für ihn genau eine Substanz: Gott = Natur.
Für ihn ist die eine Weltsubstanz sowohl eine ausgedehnte als auch eine denkende Substanz (sowohl eine res extensa als auch eine res cogitans); aber Gedanken sind für ihn keine Substanzen, sondern Attribute oder Modi der ausgedehnten denkenden Substanz.
Auch alle scheinbaren Substanzen wie menschliche Körper sind für ihn in Wahrheit keine Substanzen, sondern Modi (komplexe Modi oder Modus-Komplexe), die der einen Weltsubstanz als Eigenschaften innewohnen.
Ein Modus ist als Eigenschaft eine qualitative/quantitative Art/Weise zu sein, eine Seinsart/-weise (way of being) als Sosein von etwas Daseiendem. Da Spinoza unter Attributen die wesentlichen/essenziellen Eigenschaften einer Substanz versteht, muss es sich bei Modi in seinem Sinn um unwesentliche/"zufällige"/akzidentelle Eigenschaften handeln.
"Ausgehend davon, dass Gott die einzige Substanz ist, und von Spinozas Substanz-/Modus-Ontologie, ergibt sich, dass die materiellen Objekte unserer Erfahrung keine unabhängig existierenden Substanzen sind, sondern Modi der einen ausgedehnten Substanz. Ebenso sind die von Descartes als denkende Substanzen betrachteten Geister/Seelen nach Spinoza Modi des Attributs Denken.
Damit ergibt sich folgendes Bild der Wirklichkeit: Wie Descartes vertritt auch Spinoza die Auffassung, dass Gott, von dem alles andere abhängt, das Realste ist. Es gibt jedoch keine geschaffenen Substanzen. Gott als die eine Substanz besitzt alle Attribute und ist somit sowohl eine ausgedehnte als auch eine denkende Substanz. Was Descartes für geschaffene Substanzen hielt, sind in Wirklichkeit Modi Gottes. Dennoch stimmt Spinoza mit Descartes darin überein, dass die Inhalte der Wirklichkeit zweierlei Art sind – Modi der Ausdehnung und Modi des Denkens – und dass es von beiden eine Vielzahl gibt." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]
IEP: 17th Century Theories of Substance
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
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Timberlake
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Möglicherweise ist es dir ja nicht aufgefallen.Consul hat geschrieben : ↑So 23. Nov 2025, 00:59
Tja, was erwartest du?! Die Metaphysik im Allgemeinen und die Ontologie im Besonderen ist ein kompliziertes Fachgebiet, in das man Zeit und Mühe investieren muss, wenn man ihre Themen wie das Thema Substanzen durchblicken will. Es ist anstrengend, aber lohnend, finde ich.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 22. Nov 2025, 23:35Der zwar davon ausgeht, dass ein Körper für sich allein, nicht unabhängig von anderen Körpern, wie auch ein Gedanke, für sich allein, nicht unabhängig von anderen Gedanken existieren kann. Aber Körper, für sich allein, sehr wohl ohne Gedanken existieren können, wie auch Gedanken, für sich allein, sehr wohl ohne einen Körper.
Somit Körper und Gedanken, weil keinen Begriff des jeweils anderen nötig habend und somit in sich seiend, nach seiner Auffassung jeweils Substanzen sind. Substanzen , die infolge dessen nur durch sich selbst begriffen werden müssen.
Es sei dir allerdings unbenommen dich anstatt dessen, in die Irrungen und Wirrungen in Consuls Beiträgen, zu diesem Thema, wie übrigens auch andernorts, verstricken zu lassen.
Wenn es hier hieß "(Un-)glücklicherweise bin ich dagegen immun," so wird diese Immunität von mir sowohl in glücklicherweise, als auch in unglücklicherweise wahrgenommen. Glücklicherweise deshalb, weil meine Immunität alles komplizierte aus dem Fachgebiet der Metaphysik im Allgemeinen und die Ontologie im Besonderen herausfiltert und somit zur Vereinfachung führt. Unglücklicherweise, weil mir infolgedessen aber auch das lohnende, an der Kompliziertheit dessen entgeht. Somit ich mir also durchaus wünschen würde, mich in die Irrungen und Wirrungen deiner Beiträge verstricken zu lassen. Wozu ich zu meinem großen Bedauern, aufgrund eben dieser Immunität nicht in der Lage bin. Für mich ist das als solches keine Frage der Zeit und der Mühe, ich bin einfach zu dumm dafür.Timberlake hat geschrieben : ↑Sa 22. Nov 2025, 23:35Es sei dir allerdings unbenommen dich anstatt dessen, in die Irrungen und Wirrungen in Consuls Beiträgen, zu diesem Thema, wie übrigens auch andernorts, verstricken zu lassen. (Un-)glücklicherweise bin ich dagegen immun.
So , nun ist es raus.
Was ich mich im Umkehrschluss dessen allerdings schon frage, ob du zu schlau für das Einfache in meinen Beiträgen bist und du deshalb dich bei der Reaktion auf meine Beiträge in etwa so rar machst, wie ich bei deinen Beiträgen aufgrund meiner Dummheit. Du somit also (Un-)glücklicherweise immun gegen das Einfache bist. Wie ich mittlerweile überhaupt der Meinung bin, dass sich auch andere deshalb rarmachen. Schließlich liegt es in der Natur des Einfachen, dass es als solches kaum Punkte gibt, an denen man durch eine Widerrede ansetzen könnte.
aktuelle Beispiele ... Beitrag 96489, Beitrag 96493
Offenbar sind diese Beiträge von einer Substanz , dass sie unabhängig von allem anderen für sich allein existieren können.
Aristoteles verwendet in seiner ontologischen Kategorienlehre die griechischen Wörter hypokeimenon und ousia.
Das Substantiv hypokeimenon (ὑποκείμενον) bedeutet wörtlich „das Zugrundeliegende“ oder „das darunter Liegende“ und leitet sich von dem Verb hypokeisthai („darunter liegen“) ab. Das Wort setzt sich aus dem Präfix hypo- („unter“) und dem Verb keisthai („liegen“) zusammen.
Das Substantiv ousia (οὐσία) leitet sich vom Verb eimi (εἰμί) ab, was sein bedeutet. Es ist ein feminines Partizip des Gegenwart, das wörtlich seiend oder Seiendheit bedeutet und in der Philosophie für Wesen, Sein oder Substanz verwendet wird.
[Der obige Abschnitt wurde mit freundlicher Mithilfe von Google-KI verfasst.]
In der ontologischen Kategorienlehre ist das deutsche Wort Wesen trotz seiner etymologischen Verbindung mit Sein/Seiendheit kein Synonym von Entität, denn nicht alle Entitäten sind Wesen = Substanzen.
Als lateinische Übersetzungen gibt es essentia, das ousia entspricht, sowie substantia (wörtl. übers. Unterstand), substratum (wörtl. übers. Unterlage), subiectum (wörtl. übers. Unterwurf) und suppositum (wörtl. übers. Untersatz/Unterlage), die alle hypokeimenon entsprechen.
Das deutsche Substantiv Wesen bedeutet Substanz oder Essenz. Es kann aber auch "für Substanz in dem konkreten Sinne 'Stoff, Materie'" (GRIMM) stehen, wobei es heutzutage in letzterem Sinn wohl nur äußerst selten gebraucht wird.
Eine Substanz hat eine Essenz, die in der Gesamtheit ihrer essenziellen (wesentlichen) Attribute (Eigenschaften/Beschaffenheiten) besteht.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung primärer und sekundärer Substanzen: Eine primäre Substanz ist für Aristoteles ein individuelles konkretes Objekt (z.B. ein Pferd), wohingegen eine sekundäre Substanz eine Spezies (Art) oder ein Genus (Gattung) als eine substanzielle Universalie ist (z.B. Pferdheit). Für Aristoteles sind substanzielle Universalien konkrete, immanente Universalien, während sie für Platon abstrakte, transzendente Universalien sind.
Erwähnenswert ist überdies dass es einen "dünnen" und einen "dicken" Begriff primärer, individueller Substanzen gibt:
1. (Substanz = Substrat/Subjekt) + Attribute
2. Substanz = (Substrat/Subjekt + Attribute)
Im ersten Fall ist eine Substanz ein Substrat/Subjekt, das Attribute besitzt, diese aber nicht als Bestandteile enthält. Eine solche "dünne" Substanz besteht nicht teilweise aus ihren Attributen, was aber keineswegs bedeutet, dass sie ein eigenschaftsloses Ding ist. Denn Substanzen sind als Eigenschaftsträger notwendigerweise beeigenschaftete Dinge, weil es keine eigenschaftslosen Eigenschaftsträger geben kann.
Im zweiten Fall ist eine Substanz ein ontologischer Komplex, der sowohl aus einem Substrat/Subjekt als auch aus Attributen besteht, welche Bestandteile der Substanz sind. Eine solche "dicke" Substanz ist ein beeigenschaftetes Ding, das die Eigenschaften, welche es hat, als Bestandteile enthält.
Das Substantiv hypokeimenon (ὑποκείμενον) bedeutet wörtlich „das Zugrundeliegende“ oder „das darunter Liegende“ und leitet sich von dem Verb hypokeisthai („darunter liegen“) ab. Das Wort setzt sich aus dem Präfix hypo- („unter“) und dem Verb keisthai („liegen“) zusammen.
Das Substantiv ousia (οὐσία) leitet sich vom Verb eimi (εἰμί) ab, was sein bedeutet. Es ist ein feminines Partizip des Gegenwart, das wörtlich seiend oder Seiendheit bedeutet und in der Philosophie für Wesen, Sein oder Substanz verwendet wird.
[Der obige Abschnitt wurde mit freundlicher Mithilfe von Google-KI verfasst.]
In der ontologischen Kategorienlehre ist das deutsche Wort Wesen trotz seiner etymologischen Verbindung mit Sein/Seiendheit kein Synonym von Entität, denn nicht alle Entitäten sind Wesen = Substanzen.
Als lateinische Übersetzungen gibt es essentia, das ousia entspricht, sowie substantia (wörtl. übers. Unterstand), substratum (wörtl. übers. Unterlage), subiectum (wörtl. übers. Unterwurf) und suppositum (wörtl. übers. Untersatz/Unterlage), die alle hypokeimenon entsprechen.
Das deutsche Substantiv Wesen bedeutet Substanz oder Essenz. Es kann aber auch "für Substanz in dem konkreten Sinne 'Stoff, Materie'" (GRIMM) stehen, wobei es heutzutage in letzterem Sinn wohl nur äußerst selten gebraucht wird.
Eine Substanz hat eine Essenz, die in der Gesamtheit ihrer essenziellen (wesentlichen) Attribute (Eigenschaften/Beschaffenheiten) besteht.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung primärer und sekundärer Substanzen: Eine primäre Substanz ist für Aristoteles ein individuelles konkretes Objekt (z.B. ein Pferd), wohingegen eine sekundäre Substanz eine Spezies (Art) oder ein Genus (Gattung) als eine substanzielle Universalie ist (z.B. Pferdheit). Für Aristoteles sind substanzielle Universalien konkrete, immanente Universalien, während sie für Platon abstrakte, transzendente Universalien sind.
Erwähnenswert ist überdies dass es einen "dünnen" und einen "dicken" Begriff primärer, individueller Substanzen gibt:
1. (Substanz = Substrat/Subjekt) + Attribute
2. Substanz = (Substrat/Subjekt + Attribute)
Im ersten Fall ist eine Substanz ein Substrat/Subjekt, das Attribute besitzt, diese aber nicht als Bestandteile enthält. Eine solche "dünne" Substanz besteht nicht teilweise aus ihren Attributen, was aber keineswegs bedeutet, dass sie ein eigenschaftsloses Ding ist. Denn Substanzen sind als Eigenschaftsträger notwendigerweise beeigenschaftete Dinge, weil es keine eigenschaftslosen Eigenschaftsträger geben kann.
Im zweiten Fall ist eine Substanz ein ontologischer Komplex, der sowohl aus einem Substrat/Subjekt als auch aus Attributen besteht, welche Bestandteile der Substanz sind. Eine solche "dicke" Substanz ist ein beeigenschaftetes Ding, das die Eigenschaften, welche es hat, als Bestandteile enthält.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Was die Frage einer ontologischen Struktur von Substanzen (Einzelwesen/Einzeldingen) betrifft, so gibt es zwei Lager: die Vertreter der relational ontology und die Vertreter der constituent ontology.Consul hat geschrieben : ↑So 23. Nov 2025, 23:37Erwähnenswert ist überdies dass es einen "dünnen" und einen "dicken" Begriff primärer, individueller Substanzen gibt:
1. (Substanz = Substrat/Subjekt) + Attribute
2. Substanz = (Substrat/Subjekt + Attribute)
Im ersten Fall ist eine Substanz ein Substrat/Subjekt, das Attribute besitzt, diese aber nicht als Bestandteile enthält. Eine solche "dünne" Substanz besteht nicht teilweise aus ihren Attributen, was aber keineswegs bedeutet, dass sie ein eigenschaftsloses Ding ist. Denn Substanzen sind als Eigenschaftsträger notwendigerweise beeigenschaftete Dinge, weil es keine eigenschaftslosen Eigenschaftsträger geben kann.
Im zweiten Fall ist eine Substanz ein ontologischer Komplex, der sowohl aus einem Substrat/Subjekt als auch aus Attributen besteht, welche Bestandteile der Substanz sind. Eine solche "dicke" Substanz ist ein beeigenschaftetes Ding, das die Eigenschaften, welche es hat, als Bestandteile enthält.
Erstere Bezeichnung ist nicht glücklich gewählt, weil die relationale Ontologie leicht mit der Ontologie der Relationen verwechselt werden kann, welche etwas anderes ist. Und da das Wort "Komponente" ("Bestandteil") im Deutschen gebräuchlicher ist als "Konstituente", werde ich im Deutschen stattdessen zwischen der Komponenten-Ontologie und der Nonkomponenten-Ontologie unterscheiden.
(David Armstrong verwendet statt "relational ontology" die alternative Bezeichnung "blob theory" ["Klumpentheorie"] und statt "constituent ontology" "layer-cake theory" ["Schichtkuchentheorie"].)
Fußnoten:"Nonkomponenten-Ontologie [Relational Ontology] der Substanz: Substanzen besitzen keine metaphysischen Bestandteile und bestehen nicht aus grundlegenderen metaphysischen Konstituenten, einschließlich Eigenschaften."
"Komponenten-Ontologie [Constituent Ontology] der Substanz: Substanzen besitzen metaphysische Bestandteile und bestehen aus grundlegenderen metaphysischen Konstituenten, einschließlich Eigenschaften."
"Bündeltheorie der Substanz: Substanzen besitzen Eigenschaften als einzige metaphysische Bestandteile (d.h., Substanzen sind nichts anderes als Bündel von Eigenschaften)."
"Universalienbündel-Theorie: Substanzen besitzen Universalien als einzige metaphysische Bestandteile (Substanzen sind nichts anderes als Bündel von Universalien)."
"Tropenbündel-Theorie: Substanzen besitzen partikuläre Tropen als einzige metaphysische Bestandteile (Substanzen sind nichts anderes als Bündel von partikulären Tropen)."
"Substrattheorie der Substanz: Substanzen besitzen neben Eigenschaften auch Substrate als metaphysische Bestandteile."
"Wir haben folgende zwei Versionen der Substrattheorie:
Dünner Partikularismus: Die Substanz ist identisch mit einem Substrat und trägt all dessen Eigenschaften.
Dicker Partikularismus: Die Substanz ist identisch mit dem gesamten Komplex, der ein Substrat und all seine Eigenschaften (sowohl essenzielle als auch akzidentelle) als Bestandteile enthält."
"Gemischter Partikularismus: Die Substanz ist identisch mit dem Komplex, der das Substrat und die essenziellen Eigenschaften als metaphysische Bestandteile enthält. Die Substanz besitzt alle ihre essenziellen Eigenschaften indirekt und alle ihre akzidentellen Eigenschaften direkt."
[Google Translate]
(Inman, Ross D. What is Reality? An Introduction to Metaphysics. Downers Grove, IL: IVP Academic, 2024.)
1. In dieser Debatte zwischen den Komponenten-Ontologen und den Nonkomponenten-Ontologen geht es wohlgemerkt nicht um die allgemeine Frage, ob Substanzen oder konkrete Objekte irgendeine mereologische Struktur, irgendwelche Teile haben oder nicht; denn es geht darin nur um die besondere Frage, ob sie eigenschaftliche Teile (attributive Komponenten) haben. Diejenigen, die diese Frage verneinen, können nichtsdestoweniger bejahen, dass es Einzelwesen/Einzeldinge gibt, die nichteigenschaftliche, d.i. dingliche, räumliche oder/und zeitliche Teile haben.
2. Laut der reduktionistischen Bündeltheorie (bundle theory) von Substanzen existieren Substanzen, aber sie sind nichts weiter als Kollektive oder Komplexe von Attributen.
3. "(die/eine) Trope" ist ein Fachbegriff der zeitgenössischen Ontologie, mit dem Eigenschaften gemeint sind, die Partikularien und keine Universalien sind. (Eine viel ältere Bezeichnung für derartige Eigenschaften ist Modus. Innerhalb der Tropenontologie gibt es eine Unterscheidung zwischen Tropen = Modi als Modifikatoren und Tropen = Modi als Modulen, aber das führt hier zu weit…)
4. Dem gemischten Partikularismus zufolge besitzt eine Substanz ihre essenziellen Eigenschaften insofern indirekt (secondhand), als diese direkt (firsthand) von ihrem Substrat besessen werden – und nicht von ihr als Ganzes wie ihre akzidentellen Eigenschaften, welche die Substanz direkt besitzt.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
"[E]s [gibt] für das natürliche Licht nichts Selbstverständlicheres…, als daß dem Nichts keinerlei Zustände oder Qualitäten zukommen. Daher verweist alles, was wir irgendwo entdeckt haben, unausweichlich auf ein Ding oder eine Substanz, dem jene Zustände oder Qualitäten zukommen; und je mehr Zustände oder Qualitäten wir an jenem Ding oder jener Substanz entdecken, desto klarer erkennen wir sie."
(Descartes, Réne. Die Prinzipien der Philosophie. [1644.] Lateinisch–Deutsch. Übers. u. hrsg. v. Christian Wohlers. Hamburg: Meiner, 2005. S. 19)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
So definiert, kann man Substanzen auch Elementarobjekte oder Elemente nennen. Aggregate, Kollektive, Komplexe oder Systeme von Substanzen als Elementen sind selbst keine Substanzen, sondern nur "Substantiate" (Leibniz), "Quasisubstanzen" (John Heil).
Alle biologischen Organismen sind somit bloß Substantiate (= Substanzaggregate). Sie sind allerdings keine bloßen Aggregate im etymologischen Wortsinn (lat. aggregatio = Zusammenhäufung), d.h. keine bloßen Haufen von Substanzen/Elementen. Ein Sandhaufen ist natürlich von ganz anderer Art als ein Baum.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
- Jörn P Budesheim
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Nach meinem Verständnis gibt es einfach keine Substanzen. Ich schätze, nicht mal Elementarteile könnten als Substanzen durchgehen. Auch in diesem Bereich der Wirklichkeit finden wir nur Strukturen, Relationen, Wechselwirkungen und Prozesse und was weiß ich, aber keine selbstgenügsamen substanzartigen "Dinge".
"Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher." – Albert Einstein (zugeschrieben, aber nicht belegt)Timberlake hat geschrieben : ↑So 23. Nov 2025, 15:25…Was ich mich im Umkehrschluss dessen allerdings schon frage, ob du zu schlau für das Einfache in meinen Beiträgen bist und du deshalb dich bei der Reaktion auf meine Beiträge in etwa so rar machst, wie ich bei deinen Beiträgen aufgrund meiner Dummheit. Du somit also (Un-)glücklicherweise immun gegen das Einfache bist. Wie ich mittlerweile überhaupt der Meinung bin, dass sich auch andere deshalb rarmachen. Schließlich liegt es in der Natur des Einfachen, dass es als solches kaum Punkte gibt, an denen man durch eine Widerrede ansetzen könnte.
Das heißt, die löbliche Absicht zur theoretischen Vereinfachung sollte nicht zu einer verfälschenden Vereinfältigung dessen führen, was in Wahrheit schwierig, verwickelt, vielfältig ist.
"Metaphysics is, by my lights, a difficult, but indispensable subject."
———
"Die Metaphysik ist, in meinen Augen, ein schwieriges, aber unentbehrliches Fachgebiet." [meine Übers.]
(Heil, John. What is Metaphysics? Cambridge: Polity Press, 2021. p. viii)
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Der aristotelische Substanzbegriff beinhaltet nicht absolute Unabhängigkeit ("Aseität"), absolute Beziehungslosigkeit oder absolute Unwandelbarkeit. Eine aristotelische Substanz ist schlicht ein individuelles konkretes Objekt bzw. Subjekt (im alten ontologischen, nichtpsychologischen Sinn von "Subjekt"), ein einzelnes Ding oder Wesen, das (im Gegensatz zu meinem engeren Substanzbegriff) weder einfach noch grundlegend sein muss.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑Mo 24. Nov 2025, 07:43Nach meinem Verständnis gibt es einfach keine Substanzen. Ich schätze, nicht mal Elementarteile könnten als Substanzen durchgehen. Auch in diesem Bereich der Wirklichkeit finden wir nur Strukturen, Relationen, Wechselwirkungen und Prozesse und was weiß ich, aber keine selbstgenügsamen substanzartigen "Dinge".
Das obige Descartes-Zitat drückt die ontologische Einsicht aus, dass "Strukturen, Relationen, Wechselwirkungen und Prozesse" von substanzartigen Dingen seinsabhängig sind, eben weil sie selbst keine "selbstgenügsamen" Entitäten sind. Die Leugnung der Existenz von Substanzen oder substanzähnlichen Objekten führt zu einer fälschlichen Hypostasierung ("Substantivierung", Verdinglichung) von Qualitäten/Quantitäten, Relationen, Strukturen (als Netzwerken von Beziehungen), Interaktionen oder Prozessen. In der Wirklichkeit finden wir jedoch keine dinglosen, trägerlosen, losgelösten, "frei schwebenden" Eigenschaften, Beziehungen, Ereignisse, Vorgänge oder Zustände, sondern stets Dinge mit Eigenschaften oder in Zuständen, in Beziehungen stehende, sich wandelnde oder miteinander wechselwirkende Dinge.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding