Dynamis hat geschrieben : ↑ Sa 4. Apr 2026, 10:38
Bereits dem Berkeley ist aufgefallen, dass es einen relevanten Unterschied zwischen Sinneswahrnehmungen und Willensakten gibt und dass Sinneswahrnehmungen daher eine externe Ursache haben:
Berkeley in "Die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis" hat geschrieben :
XXIX. Aber was für eine Macht ich auch immer über meine eigenen Gedanken haben mag, so finde ich doch, dass die Ideen, die ich gegenwärtig durch die Sinne percipire, nicht in einer gleichen Abhängigkeit von meinem Willen stehen. Wenn ich bei vollem Tageslicht meine Augen öffne, so steht es nicht in meiner Macht, ob ich sehen werde oder nicht, noch auch, welche einzelnen Objecte sich meinem Blicke darstellen werden, und so sind gleicherweise auch beim Gehör und den anderen Sinnen die ihnen eingeprägten Ideen nicht Geschöpfe meines Willens. Es giebt also einen anderen Willen oder Geist, der sie hervorbringt.
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Um dazu auf die Frage "Sind Blätter grün?" zurückzukommen, so würde ich übrigens meinen, dass sich diese Frage erst gar nicht stellt, wenn wir die Augen öffnen. Die Blätter sind dann als Sinneswahrnehmung definitiv grün.
Berkeley in "Die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis" hat geschrieben :
XXIII.Aber es ist doch, sagt ihr, gewiss nichts leichter, als sich vorzustellen, dass z.B. Bäume in einem Parke oder Bücher in einem Cabinet existiren, ohne dass Jemand sie wahrnimmt. Ich antworte: es ist freilich nicht schwer, dies vorzustellen, aber was, ich bitte euch, heisst dies alles anders, als in eurem Geiste gewisse Ideen bilden,
Wenn wir uns allerdings fragen, sind die Blätter auch grün, ohne das jemand sie wahrnimmt, dann sind zwar die Blätter immer noch definitiv grün, aber nun mehr nicht mehr als Sinneswahrnehmungen, sondern als eine Idee, infolge eines Willensakts, allein in unserem Geist. Somit sich dadurch zeigt, dass wir die Macht haben, das Grüne der Blätter zu jeder Zeit und an jedem Ort zu erdenken ..
Berkeley in "Die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis" hat geschrieben :
.. es zeigt nur, dass ihr die Macht habt, zu erdenken oder Vorstellungen in eurem Geiste zu bilden; aber es zeigt nicht, dass ihr es als möglich begreifen könnt, dass die Objecte eures Denkens ausserhalb des Geistes existiren; um dies zu erweisen, müsstet ihr vorstellen, dass sie existiren, ohne dass sie vorgestellt werden oder an sie gedacht werde, was ein offenbarer Widerspruch ist.
Aber es zeigt sich nicht, dass das, was wir uns als grüne Farbe bei den Blätter im Geist vorstellen, außerhalb des Geistes tatsächlich existiert. Um dies zu erweisen, müsse man sich vorstellen, dass dieses Blätter und somit deren grüne Farbe existiert, ohne dass diese vorgestellt werden oder an sie gedacht werde, was nicht nur bloß ein offenbarer Widerspruch, sondern geradezu unsinnig ist.
Berkeley in "Die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis" hat geschrieben :
Wenn wir das Aeusserste versuchen, um die Existenz äusserer Körper zu denken, so betrachten wir doch immer nur unsere eigenen Ideen. Indem aber der Geist von sich selbst dabei keine Notiz nimmt, so täuscht er sich mit der Vorstellung, er könne Körper denken und denke Körper, die ungedacht von dem Geiste oder ausserhalb des Geistes existiren, obschon sie doch zugleich auch von ihm vorgestellt werden oder in ihm existiren. Ein wenig Aufmerksamkeit wird einem Jeden die Wahrheit und Evidenz dessen, was hier gesagt worden ist, zeigen und es überflüssig machen, andere Beweise gegen die Existenz einer materiellen Substanz aufzustellen.
Wie wir übrigens , wenn wir versuchen etwas, wie das Grün der Blätter, außerhalb von uns denken, ganz grundsätzlich immer nur unsere eigenen Ideen betrachten.Indem aber der Geist von sich selbst dabei keine Notiz nimmt, so täuscht er sich mit der Vorstellung, er könne die grüne Farbe der Blätter denken und denken, dass die Farbe der Blätter grün ist. Ein Grün wie auch die Blätter selbst, das ungedacht von dem Geiste oder ausserhalb des Geistes existiert.
Gregor S hat geschrieben : ↑ Mo 30. Mär 2026, 22:23
George Berkeley hat meines Wissens nicht behauptet, dass es keine Materie gibt und auch nicht das Objekt verleugnet. Er hat möglicherweise unseren Blick auf die Welt subjektivierter beschrieben als es vielen von uns lieb ist. Das Blatt am Baum ist halt nicht grün, es erscheint uns nur grün und wir tun so, als sei das Grün des Blattes eine nicht bestreitbare Wahrheit. Unser Geist behandelt das sogar wie eine Prämisse des Denkens.
Das Blatt am Baum ist nicht grün, es erscheint uns tatsächlich nur grün und wir tun so, als sei das Grün des Blattes eine nicht bestreitbare Wahrheit. Somit George Berkeley , meiner Meinung nach, aber ganz sicher unseren Blick auf die Welt subjektivierter beschrieben hat als es vielen von uns lieb ist.
"Ein wenig Aufmerksamkeit wird einem Jeden die Wahrheit und Evidenz dessen, was hier gesagt worden ist, zeigen und es überflüssig machen, andere Beweise gegen die Existenz einer materiellen Substanz aufzustellen"
George Berkeley
Möglicher gilt das ja auch für Materie. Grüne Blätter bestehen nicht aus Materie , es erscheint uns tatsächlich nur so und wir tun so, als sei die Materie des Blattes eine nicht bestreitbare Wahrheit. Um an dieser Stelle jenem Beweis, gegen die Existenz einer materiellen Substanz, auch anand eines konkreten Beispiels zu entsprechen.
Consul hat geschrieben : ↑ Do 2. Apr 2026, 00:00
Philosophisch gesprochen, denke ich, dass
nichts grün
ist—weder Blätter noch andere Dinge. Es gibt nur "grünlich beeindruckte" oder "sinnlich angegrünte" Wahrnehmer—was nicht bedeutet, dass diese selbst grün sind. Farben wie Grün hat ein Seher nicht, denn er erfährt, erlebt oder "erleidet" sie als visuelle Affektionen oder Passionen.
Philosophisch gesprochen, denkt George Berkeley, dass
nichts aus Matrie
ist—weder Blätter noch andere Dinge. Es gibt nur "materiell beeindruckte" oder "sinnlich materialisierte" Wahrnehmer—was nicht bedeutet, dass diese selbst aus Materie sind.
Materie, wie ein grünes Blatt, hat aber auch ein Seher nicht, denn er erfährt, erlebt oder "erleidet" sie als visuelle Affektionen oder Passionen.
"Wenn ich bei vollem Tageslicht meine Augen öffne, so steht es nicht in meiner Macht, ob ich sehen werde oder nicht, noch auch, welche einzelnen Objecte sich meinem Blicke darstellen werden, und so sind gleicherweise auch beim Gehör und den anderen Sinnen die ihnen eingeprägten Ideen nicht Geschöpfe meines Willens. Es giebt also einen anderen Willen oder Geist, der sie hervorbringt"
George Berkeley,
.. und somit besteht deshalb übrigens, nach Ansicht von George Berkeley, auch nicht dieses Auge aus Materie. Nach Ansicht von George Berkeley wurde dieses Auge, als bloße Idee, von einem anderen Willen oder Geist hervorgebracht. So wie auch die grüne Farbe des Blattes, die keine grüne Farbe ist, außerhalb von uns, gleichfalls nur als bloße Idee von einem anderen Willen oder Geist hervorgebracht wurde.