Nein! Dein "da" ist ein Non-sequitur, da man eine Frau sieht, auch wenn da keine Frau ist. Du verfehlst hier das Thema, weil es hier gerade nicht darum geht, ob eine gemalte Frau eine Frau ist. Unser jetziges Gespräch über die Wahrnehmung knüpft an eine Kritik an, die ich vorher formuliert hatte. Vorhin hatte ich ein bestimmtes Argumentationsmuster bei dir kritisiert. Dabei habe ich zum einem kritisiert, dass die Sprache nicht so eindeutig interpretierbar ist, wie von dir behauptet, zum anderen habe ich kritisiert, dass unsere Wahrnehmung ebenfalls nicht so eindeutig ist, wie von dir behauptet.
Zum einem hatte ich kritisiert:
Zum anderen hatte ich kritisiert:Dynamis hat geschrieben : ↑Do 2. Jul 2026, 16:38Es könnte natürlich auch der Fall sein, dass Sprache nicht eindeutig ist. Vielleicht verwenden manche Leute das Wort "erschaffen" tatsächlich so, dass es lediglich darum geht eine Statue zu erschaffen. Und vielleicht verwenden manche Leute das Wort eben anders.
Das war meine Kritik. Daran knüpfte unser Gespräch über Wahrnehmung an.Dynamis hat geschrieben : ↑Do 2. Jul 2026, 16:38Dieser Fehler ist auch ein ähnlicher Fehler wie der, wenn du die Wahrnehmung als Autorität ansiehst, die darüber entscheidet, was und in welcher Weise "gegeben" ist:
Hier setzt du nämlich voraus, dass die Wahrnehmung ein eindeutiges Kriterium liefert.Consul hat geschrieben : ↑Do 2. Jul 2026, 03:21Anyway: Der fiktive Pumuckl kann uns nicht im Sinn eines Gegenwärtigseins (Präsentiertseins) durch Wahrnehmung "gegeben" sein, sondern nur im Sinn eines Vergegenwärtigtseins (Repräsentiertseins) durch bildliche oder sprachliche Vorstellung/Darstellung (Beschreibung).
Wenn Pumuckl als beim Schreinermeister Eder lebender Kobold beschrieben oder "deskriptiv gegeben" wird, dann ist "beim Schreinermeister Eder lebender Kobold" Teil des Sinnes des Eigennamens "Pumuckl".
Es mag schon sein, dass eine gemalte Frau bloß ein Frauengemälde und nicht wirklich eine Frau ist. Aber du übersiehst folgenden Punkt: Selbst, wenn es so wäre, dann würde das meiner Position in die Karten spielen. Denn es geht ja darum, dass man da eine Frau sieht, auch wenn da keine Frau ist. Was du hier also herleitest, bestätigt meine Auffassung, dass Wahrnehmung kein eindeutiges Kriterium liefert. Wenn man eine Frau sieht, kann es sein, dass da eine Frau ist (zum Beispiel, weil man ihr gerade persönlich gegenüber steht). Es kann aber auch sein, dass da keine Frau (sondern bloß ein Bild einer Frau) ist (zum Beispiel, weil man ihr Selbstportrait betrachtet). Gerade deswegen liefert Wahrnehmung kein eindeutiges Kriterium.
Ich berücksichtige diesen Unterschied doch. Vgl. was ich geschrieben habeConsul hat geschrieben : In solchen Alltagsgesprächen übergehen oder übersehen wir naiverweise den realen Unterschied zwischen einem Personenfoto und einer Person, was darin unproblematisch ist; aber in einem ernsthaften philosophischen Gespräch (wie unserem hier) müssen wir ihn berücksichtigen.
Entsprechend gilt: Wenn man sich das Personenfoto ansieht, sieht man nicht nur das Personenfoto, sondern auch die auf diesem Foto abgebildete Person.Dynamis hat geschrieben : ↑Mo 6. Jul 2026, 11:414. Fehler: Bei folgender Beschreibung der Wahrnehmung übersiehst du etwas:
Wenn man sich das Gemälde ansieht, sieht man nicht nur ein Gemälde, sondern auch eine Frau.Consul hat geschrieben : Entsprechend gilt: Wenn man das Mona-Lisa-Gemälde sieht, dann ist das ein empirischer Beweis für die Existenz/Realität des Gemäldes, aber natürlich nicht für die Existenz/Realität der darauf abgebildeten Frau.