Burkart hat geschrieben : ↑ Mo 8. Jun 2026, 22:15
Es macht ja nichts, wenn Ableitungen nicht eindeutig sind
Du sagst "es macht ja nichts", aber es macht schon etwas aus, zumindest in unserer Diskussion. Meine These ist ja die, dass es auf der Grundlage unserer Wahrnehmungen prinzipiell unentscheidbar ist, ob fiktive Personen real sind oder nicht. Wenn diese These stimmt, dann erklärt dies auch, warum hier so kontrovers diskutiert wird und trotzdem kein eindeutiges Ergebnis dabei herauskommt. Dann könnte bis zum Sankt Nimmerleinstag diskutiert werden und wir werden uns trotzdem nie einig.
Burkart hat geschrieben :
aber um überhaupt etwas abzuleiten, nutzen wir Daten auch aus dem Mikro- und Makroskosmos.
Daten nutzt man beim Lesen auch. Vorhin hatte ich den Versprecher von Jörn (er hatte vermutlich "Einbildungskraft" statt "Einbindungskraft" gemeint) genutzt, um dies darzustellen. In der Tat, wenn wir ein Buch lesen und uns dabei in sinnvoller Weise mit dem Inhalt dieses Buches auseinandersetzen, dann müssen wir das, was da steht, zumindest zur Kenntnis nehmen. Die Buchstaben, Wörter und Sätze sind die
Daten, auf die wir uns bei der Lektüre beziehen. Und diese Daten müssen wir in unsere Vorstellung, die wir uns von dem Inhalt des Buches machen,
einbinden. Wenn wir dies nicht tun, machen wir uns willkürliche Vorstellungen, die mit dem Buch nichts zu tun haben.
Das heißt, auch beim Lesen findet eine Ableitung statt.
Burkart hat geschrieben :
Vielleicht sollte man noch unterscheiden zwischen den Romanfiguren, wie sie in Büchern beschrieben sind (Autorensicht), und wie wir sie erlesen (Lesersicht). Meine Perspektive war die des Autors; aus seinen Gedanken bzw. Denken sind die Romanfiguren in seinen Büchern entstanden.
Diese Unterscheidung diskutiere ich gerade mit Consul. Was der Autor da macht, bezeichnet man auch als
Erschaffung, er lässt Figuren entstehen, auf die man sich anschließend als Leser in seiner Lektüre beziehen kann. Ob diese Erschaffung eine Seiendmachung impliziert, ist auch nicht eindeutig, da kann man verschiedene ontologische Theorien vertreten. Jörn und Consul führen uns in der Diskussion gerade diese Alternativen vor.