- Du interpretierst etwas als "wohl gemeint" hinein, was da nicht steht und sich auch nicht aus dem Kontext erschließen lässt.
- Wiederholung eines bereits widerlegten Punktes.
- Ablehnung des semantischen Anarchismus
Du interpretierst zweimal, wie etwas "wohl gemeint" sei. Aber das, was du da hineininterpretierst, hat keine Grundlage in dem, was da steht. Daher ist dein Umgang mit den Textstellen methodisch fehlerhaft.Consul hat geschrieben : ↑Di 30. Jun 2026, 04:56Kontext: "In der Malerei"!
* Wieland schreibt zwar "schuf Rafael seine Galathee", aber im Zusammenhang mit der Malerei ist wohl gemeint: "schuf Rafael sein Bild der Galathee".
Dieses Bild hat Raffael wortwörtlich er-/geschaffen!
* Uhlands Gedicht trägt den Titel "Auf Karl Gangloffs Tod"; und der besagte Gangloff war ein Zeichner, der ein Bild namens Studie zur Hermannsschlacht geschaffen hat.
Uhland schreibt zwar "eine Hermannsschlacht zu schaffen", aber im Zusammenhang mit der Malerei bzw. Zeichnerei ist wohl gemeint: "ein Bild (eine Zeichnung) der Hermannsschlacht zu schaffen". Dieses Bild hat Gangloff wortwörtlich er-/geschaffen!
Da steht: "schuf Rafael seine Galathee"
Da steht nicht: "schuf Rafael sein Bild der Galathee"
Da steht: "eine Hermannsschlacht zu schaffen"
Da steht nicht: "ein Bild (eine Zeichnung) der Hermannsschlacht zu schaffen"
Das, was nach deiner Ansicht "wohl gemeint" ist, folgt auch nicht aus dem Kontext. Jörn hat dir nämlich schon erklärt, wie das mit den erschaffenen Figuren in diesem Kontext zu verstehen ist:
Jörn spricht hier also von der "Eigenlogik des Werkes". Und die könnte doch auch "wohl gemeint" sein.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 28. Jun 2026, 09:12Das kaufe ich nicht. Du setzt hier ohne weiteres voraus, dass Raffael einfach der Schöpfer der „Galathee“ sei, und lässt dabei die Eigenlogik/Autonomie des Werkes selbst außer Acht. Eine befreundete Künstlerin hat das einmal treffend die „Bockigkeit“ des Werkes genannt. Die Werke selbst sind "bockig" und das lässt sich kaum leugnen. Es mag Künstler und Künstlerinnen geben, die sich über diese Bockigkeit hinwegsetzen, aber das ist weder notwendig und noch die Regel.
„Galathee“ besteht nicht bloß aus dem materiellen Fresko, dem Werkkörper, das jemand hergestellt hat. Zu ihrer Existenzweise gehört auch, dass sie von kompetenten Betrachter:innen performt wird. Und Raffael war zugleich der erste Betrachter des Werkes. Und da er ein großer Künstler war, hat er sich wohl kaum über die Eigenlogik des Werkes hinweggesetzt.
Zweiter Fehler:
Da waren wir schon vorher. Natürlich tritt keine Widersinnigkeit auf, wenn das öffentlich Geäußerte dem widerspricht, was innerlich gedacht wird. Darauf hatte ich schon vorher hingewiesen:
Vorhin habe ich angemerkt:
Und dazu stehe ich. Du kannst mich von deiner Position überzeugen. Weise mir nach, dass es sich um einen performativen Widerspruch handelt und ich ändere meine Ansicht.
Ein bloßer Widerspruch zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was gedacht wird, ist aber noch kein performativer Widerspruch. Eine Lüge ist keine Widersinnigkeit, sondern sinnvoll und manchmal sogar, wenn es sich um eine Notlüge handelt, nützlich.
Ein Beispiel für einen performativen Widerspruch wäre, wenn Hans sagen würde: "Ich lüge." Das ist tatsächlich widersinnig. Wenn Hans tatsächlich lügt, dann ist "ich lüge" wahr, also lügt Hans eben nicht. Und wenn Hans nicht lügt, dann ist "ich lüge" falsch. Aber einen solchen performativen Widerspruch hast du noch nicht nachgewiesen. Wenn der Nazi vor meiner Tür steht und fragt, ob ich Juden im Haus versteckt habe, und ich lüge, um den Nazi abzuwimmeln, obwohl tatsächlich Juden im Keller versteckt sind, dann ist diese Notlüge sinnvoll und dient einem humanen Zweck.
Abgesehen davon entsteht der Widerspruch in deiner Position folgendermaßen: Wenn du keine Ahnung hast, was da so gedacht wurde, dann erscheint die Äußerung sinnvoll. Und wenn du endlich die Kunst des Gedankenlesens erlernt und Einblick in die inneren Denkvorgänge des Gegenübers erhalten hast, dann erscheint die Äußerung nicht sinnvoll. Also: Ein und dieselbe Äußerung ist sinnvoll und sinnlos. Und genau hier funktioniert deine Differenzierung nicht mehr:
Aber "A ist sinnvoll" und "A ist sinnlos", das ist die Struktur von "A ist B & A ist nicht B", also ein Widerspruch.
Dritter Fehler:
Du begründest nicht, warum du den "semantischen Anarchismus" ablehnst. Stattdessen folgt ein Autoritätsargument:
Warum soll mich als Autorität aufspielen und darüber entscheiden, ob ich einer Person einen seltsamen Sprachgebrauch durchgehen lasse?Consul hat geschrieben : ↑Di 30. Jun 2026, 04:56Wörterbücher der Normalsprache spiegeln den üblichen, gewöhnlichen Wortgebrauch und entsprechend das übliche, gewöhnliche Wortverständnis wider. Sie (und selbst Fachwörterbücher der Philosophie) mögen in philosophischen Dingen keine absolute linguistische Autorität besitzen, aber niemand außer Humpty Dumpty heißt einen semantischen Anarchismus gut, oder?
Wenn jemand sagt, "Ich bin mit einem Junggesellen verheiratet", und auf meinen Einwand, dass dies aufgrund der Bedeutung von "Junggeselle" eine selbstwidersprüchliche Äußerung sei, erwidert, dass er/sie darunter keinen unverheirateten Mann, sondern einen Mann mit Zahnlücke verstehe, dann würdest auch du ihm/ihr das nicht durchgehen lassen, oder?
Wenn jemand sagt "Ich bin mit einem Junggesellen verheiratet", dann ist seine Äußerung dysfunktional, weil ich seine Äußerung unverständlich finde. Wenn das andauernd passiert, wird mich die Kommunikation mit dieser Person frustrieren und dann halte ich mich von dieser Person fern. Ein souveräner Umgang mit der "Normalsprache" ist also schon wichtig, um die Kommunikation mit anderen Menschen möglichst effizient und frustrationsfrei zu gestalten. Das führt aber in der Praxis nicht dazu, dass ich mich als Grammatiknazi aufspiele, welcher entscheidet, was er anderen "durchgehen" lässt. Was mache ich stattdessen? Zur Zeit nehme ich Nachhilfeunterricht bei einem Englisch-Lehrer, um die (von meiner Gewöhnung an den deutschen Sprachgebrauch bedingten) Idiosynkrasien abzubauen und einen flüssigeren Sprachgebrauch in meiner Kommunikation in der englischen Sprache zu erwerben.
Es spricht aber nichts dagegen, wenn ich mich mit der anderen Person auf einen spezifischen Sprachgebrauch einige, welcher von der "Normalsprache" abweicht, aber für unsere Zwecke funktioniert. Beispielsweise kann sich der Autor einer philosophischen Abhandlung mit dem Leser darauf einigen, dass er die Begriffe in einer vom normalen Sprachgebrauch abweichenden Weise verwendet, weil die abweichende Verwendungsweise für die Zwecke seiner Darstellung besser geeignet ist. Solange der Autor diese Abweichungen transparent macht, ist nichts dagegen einzuwenden. Das ist dann auch semantischer Anarchismus, aber solange das im Einverständnis aller Beteiligten erfolgt (der Leser ist nicht dazu gezwungen das Buch zu lesen und wenn er die idiosynkratische Terminologie des Autors zu verwirrend findet, legt er das Buch halt wieder weg), ist nichts dagegen einzuwenden.