Prozess-Ontologie

Aspekte metaphysischer Systementwürfe und der Ontologie als einer Grunddisziplin der theoretischen Philosophie können hier diskutiert werden.
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Consul
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Di 2. Jun 2026, 22:39

Ein Selbstzitat:
Consul hat geschrieben :
Mo 11. Mai 2026, 23:29
Dynamis hat geschrieben :
So 10. Mai 2026, 13:47
Consul hat geschrieben :
Sa 9. Mai 2026, 20:52
Die antisubstanzialistische Prozessontologie lehne ich generell ab: Ein Fluss ist kein "reines", "freies" Fließen, sondern fließendes Wasser. Subtrahiere das Wasser (als Prozesssubstrat) und du subtrahierst damit den ganzen Fluss, weil kein wasserfreies Fließen übrig bleibt!
Naja, die Frage ist halt, ob diese Ablehnung mehr ist als nur bloße Antipathie.
Die Antwort lautet ja.
Johanna Seibt ist eine der führenden lebenden Prozessontologen, und sie schreibt:
"General processes are modeled on ‘subjectless’ (C. D. Broad) or ‘pure’ (W. Sellars) activities, as these are denoted by sentences that merely affirm the presence of a dynamic feature, such as ‘it is snowing’, ‘it is itching’, ‘the fire is spreading’, ‘photosynthesis occurs everywhere in your garden’."
————————————
"Allgemeine Prozesse werden anhand von ‚subjektlosen‘ (C. D. Broad) oder ‚reinen‘ (W. Sellars) Aktivitäten modelliert, da diese durch Sätze bezeichnet werden, die lediglich das Vorhandensein eines dynamischen Merkmals bestätigen, wie etwa ‚es schneit‘, ‚es juckt‘, ‚das Feuer breitet sich aus‘, ‚Photosynthese findet überall in Ihrem Garten statt‘." [übersetzt von DeepL]

(Seibt, Johanna. "Ontological Tools for the Process Turn in Biology: Some Basic Notions of General Process Theory." In Everything Flows: Towards a Processual Philosophy of Biology, edited by Daniel J. Nicholson and John Dupré, 113-136. Oxford: Oxford University Press, 2018. p. 115)
(Seibt ist auch die Autorin des SEP-Artikels über Prozessphilosophie.)

[Es finden sich in der einschlägigen Literatur mehrere Bezeichnungen für substratlose Okkurrenzen: "absolute Prozesse" ("absolute processes" – Charlie Broad); "freie Prozesse" ("free processes" – Johanna Seibt); "reine Prozesse" ("pure processes" – Wilfrid Sellars & Johanna Seibt); "subjektlose Prozesse" ("subjectless processes" – Nicholas Rescher); "reine Ereignisse" ("pure events" – Grover Maxwell); "subjektlose oder objektlose Ereignisse" ("subjectless or objectless events" – Wilfrid Sellars); "subjektlose Ereignisse" ("subjectless events" – Lawrence Lombard); "unbesessene/besitzerlose Prozesse" ("unowned processes" – Nicholas Rescher).]

Das zentrale Problem, das ich mit einer Ontologie reiner Ereignisse/Vorgänge habe, besteht darin, dass mir der Begriff eines Vorganges/Ereignisses, dem jegliches substanzielle Substrat fehlt, völlig widersinnig und unverständlich erscheint.

Wenn das Auftreten eines reinen Vorganges/Ereignisses in nichts anderem besteht als „dem Vorhandensein eines dynamischen Merkmals“ (oder dem Vorhandensein zweier oder mehrerer dynamischer Eigenschaften), dann sind solche substratlosen (objekt-/subjektlosen) Vorgänge/Ereignisse reifizierte oder hypostasierte dynamische Eigenschaften, die dadurch zu unabhängigen, selbstständigen Entitäten werden und somit selbst substanzartig sind. („hypostasieren“ = „zu einer Substanz machen oder als solche behandeln“)

Doch Eigenschaften, seien sie dynamischer oder statischer Natur, sind schlicht und ergreifend keine Entitäten, die unabhängig von Substanzen oder Objekten existieren können, die sie besitzen.
Ich weiß, dass Prozessontologen wie Seibt meinen Einwand als bloße Petitio Principii abtun würden; aber wenn sie behaupten, sie könnten sich etwas (Stimmiges) unter einem Fluss als einem "freien", "reinen" Fließen vorstellen, worin keinerlei Dinge oder Stoffe als Fließendes einbezogen sind, dann glaube ich ihnen nicht.
Ich kenne auch kein einziges Beispiel für einen Vorgang oder ein Ereignis, worin nicht doch irgendein Ding oder irgendein Stoff als Grund/-Unterlage (Substrat) einbezogen ist. (Kennst du eines?)



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Consul
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Di 2. Jun 2026, 22:55

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 14:04
Die Prozess Philosophie sehe ich genauso wie die Substanz Ontologie als Modell an, um die Realität verstehbar zu machen und ein möglichst gutes Abbild von ihr zu erhalten.
Ein Substanzontologe muss nicht die Existenz von Okkurrenzen (Ereignissen, Vorgängen) bestreiten; aber was er grundsätzlich ablehnt, ist der eliminative oder reduktive Eventismus/Prozessismus, dem nach Substanzen (Objekte, Dinge im engen Sinn, Körper) entweder gar nicht existieren oder existieren, aber mit (Gruppen/Mengen von) Ereignissen oder Vorgängen identisch sind.

In diesem Strang ist übrigens die Unterscheidung von Kontinuanten und Okkurrenten relevant und insbesondere die ontologische Prioritätsfrage bezüglich dieser beiden Kategorien (siehe das betreffende Simons-Zitat): viewtopic.php?p=96568#p96568



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Consul
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Di 2. Jun 2026, 23:39

Eine Liste von Definitionen:
"process =
1. something that goes on or is carried on; a continuous action, or series of actions or events; a course or method of action, proceeding, procedure.
2. a continuous and regular action or succession of actions, taking place or carried on in a definite manner, and leading to the accomplishment of some result; a continuous operation or series of operations. (The chief current sense.)
3. natural or involuntary operation; a series of changes or movements taking place."
————————————
"Prozess =
1. etwas, das abläuft oder durchgeführt wird; eine fortlaufende Handlung oder eine Abfolge von Handlungen oder Ereignissen; eine Handlungsweise, ein Vorgehen oder Verfahren.
2. eine fortlaufende und regelmäßige Handlung oder Abfolge von Handlungen, die auf eine bestimmte Weise stattfindet oder durchgeführt wird und zur Erzielung eines bestimmten Ergebnisses führt; eine fortlaufende Tätigkeit oder eine Reihe von Tätigkeiten. (Die heute vorrangige Bedeutung.)
3. ein natürlicher oder unwillkürlicher Vorgang; eine Abfolge von Veränderungen oder Bewegungen, die stattfinden." [übersetzt von Google]

Quelle: Oxford Dictionary of English
"A process is a series of changes with some sort of unity, or unifying principle, to it. Hence, 'process' is to 'change' or 'event', rather as 'syndrome' is to 'symptom'."
————————————
"Ein Prozess ist eine Abfolge von Veränderungen, die eine gewisse Einheit oder ein vereinendes Prinzip in sich trägt. Folglich verhält sich „Prozess“ zu „Veränderung“ oder „Ereignis“ in etwa so, wie sich „Syndrom“ zu „Symptom“ verhält." [übersetzt von Google]

(The Oxford Companion to Philosophy, edited by Ted Honderich, 2nd ed. Oxford: Oxford University Press, 2005. p. 760)
"A process is a course of change with a direction and internal order, where one stage leads to the next."
————————————
"Ein Prozess ist ein Verlauf der Veränderung mit einer Richtung und einer inneren Ordnung, bei dem eine Stufe zur nächsten führt." [übersetzt von Google]

(The Shorter Routledge Encyclopedia of Philosophy, edited by Edward Craig London: Routledge, 2005. p. 851)

"Change in general may be defined as the variation of properties (whether of things or of regions of space) over time."
————————————
"Veränderung im Allgemeinen lässt sich als die Variation von Eigenschaften (sei es von Dingen oder von Raumbereichen) im Laufe der Zeit definieren." [übersetzt von Google]

(The Shorter Routledge Encyclopedia of Philosophy, edited by Edward Craig. London: Routledge, 2005. p. 122)
"Process. An occurrent entity that exists in time by occurring or happening, has temporal parts, and always depends on at least one independent continuant as participant."
————————————
"Prozess. Eine okkurrente Entität, die in der Zeit existiert, indem sie sich ereignet oder stattfindet, über zeitliche Teile verfügt und stets von mindestens einem unabhängigen Kontinuanten als Teilnehmer abhängt." [übersetzt von Google]

(Arp, Robert, Barry Smith, and Andrew D. Spear. Building Ontologies with Basic Formal Ontology. Cambridge, MA: MIT Press, 2015. p. 183)
"A process is a coordinated group of changes in the complexion of reality, an organized family of occurrences that are systematically linked to one another either causally or functionally. It is emphatically not necessarily a change in or of an individual being, but can simply relate to some aspect of the general 'condition of things.' A process consists in an integrated series of connected developments unfolding in conjoint coordination in line with a definite program. Processes are correlated with occurrences or events: Processes always involve various events, and events exist only in and through processes."
————————————
"Ein Prozess ist eine koordinierte Gruppe von Veränderungen im Gefüge der Wirklichkeit – eine organisierte Familie von Geschehnissen, die entweder kausal oder funktional systematisch miteinander verknüpft sind. Er stellt ausdrücklich nicht zwangsläufig eine Veränderung in oder an einem einzelnen Wesen dar, sondern kann sich schlicht auf irgendeinen Aspekt des allgemeinen „Zustands der Dinge“ beziehen. Ein Prozess besteht aus einer integrierten Abfolge zusammenhängender Entwicklungen, die sich in gemeinsamer Abstimmung und gemäß einem festgelegten Programm entfalten. Prozesse korrelieren mit Geschehnissen oder Ereignissen: Prozesse beinhalten stets diverse Ereignisse, und Ereignisse existieren nur in und durch Prozesse." [übersetzt von Google]

(Rescher, Nicholas. Process Metaphysics: An Introduction to Process Philosophy. New York: SUNY Press, 1996. p. 38)

"A process is an actual or possible occurrence that consists of an integrated series of connected developments unfolding in programmatic coordination: an orchestrated series of occurrences that are systematically linked to one another either causally or functionally. Such a process need not necessarily be a change in an individual thing or object but can simply relate to some aspect of the general 'condition of things'—for example, a change in the temperature or in the purchasing power of money."
————————————
Ein Prozess ist ein wirkliches oder mögliches Vorkommnis, das aus einer integrierten Abfolge miteinander verknüpfter Entwicklungen besteht, welche sich in programmatischer Abstimmung entfalten: eine orchestrierte Reihe von Ereignissen, die entweder kausal oder funktional systematisch miteinander verknüpft sind. Ein solcher Prozess muss sich nicht zwangsläufig auf eine Veränderung an einem einzelnen Ding oder Objekt beziehen, sondern kann sich schlicht auf einen Aspekt des allgemeinen „Zustands der Dinge“ beziehen – beispielsweise auf eine Veränderung der Temperatur oder der Kaufkraft des Geldes." [übersetzt von Google]

(Rescher, Nicholas. Process Philosophy: A Survey of Basic Issues. Pittsburgh, PA: University of Pittsburgh Press, 2000. p. 22)

"Process should here be construed in pretty much the usual way — as a sequentially structured sequence of successive stages or phases. Three factors accordingly come to the fore:
1. That a process is a complex — a unity of distinct stages or phases. A process is always a matter of now this, now that.
2. That this complex has a certain temporal coherence and unity, and that processes accordingly have an ineliminably temporal dimension.
3. That a process has a structure, a formal generic format in virtue of which every concrete process is equipped with a shape or format."
————————————
"Der Begriff des Prozesses ist hier im Wesentlichen in der üblichen Weise zu verstehen – als eine sequenziell strukturierte Abfolge aufeinanderfolgender Stadien oder Phasen. Dementsprechend rücken drei Faktoren in den Vordergrund:
1. Dass ein Prozess ein Komplex ist – eine Einheit aus distinkten Stadien oder Phasen. Bei einem Prozess handelt es sich stets um ein ‚bald dies, bald jenes‘.
2. Dass dieser Komplex eine gewisse zeitliche Kohärenz und Einheit aufweist und dass Prozesse folglich über eine unhintergehbar zeitliche Dimension verfügen.
3. Dass ein Prozess eine Struktur besitzt – ein formales, generisches Format, kraft dessen jeder konkrete Prozess mit einer Gestalt oder Form ausgestattet ist." [übersetzt von Google]

(Nicholas Rescher: https://plato.stanford.edu/archives/sum ... hilosophy/)
"What of states, events, processes, and the like? Think of a state as a substance's possessing a property. There is the billiard ball, a substance, and the ball's redness, a property of the ball. The ball's being red is a state of the ball. Suppose that being angry is a mental property. Then your posessing this property, your being angry, is for to be in a state of anger. If the state of anger turns out to be some neurological state, then this is so because the property of being angry is identical with—is—a certain neurological property.
You could think of events and processes as state transitions. An object's coming to be in a particular state, the object's coming to possess a certain property, would be an event. Finally, a process would be a sequence of events."
————————————
"Wie verhält es sich mit Zuständen, Ereignissen, Prozessen und Ähnlichem? Stellen Sie sich einen Zustand als das Innehaben einer Eigenschaft durch eine Substanz vor. Da ist die Billardkugel – eine Substanz – und die Röte der Kugel – eine Eigenschaft der Kugel. Das Rotsein der Kugel ist ein Zustand der Kugel. Nehmen wir an, Zornigsein sei eine mentale Eigenschaft. Dann ist Ihr Innehaben dieser Eigenschaft – Ihr Zornigsein – gleichbedeutend damit, sich in einem Zustand des Zorns zu befinden. Sollte sich der Zustand des Zorns als ein bestimmter neurologischer Zustand erweisen, so liegt dies daran, dass die Eigenschaft des Zornigseins identisch ist mit einer bestimmten neurologischen Eigenschaft—und diese ist.
Ereignisse und Prozesse könnten Sie sich als Zustandsübergänge vorstellen. Das Eintreten eines Objekts in einen bestimmten Zustand – das Erlangen einer gewissen Eigenschaft durch das Objekt – wäre ein Ereignis. Ein Prozess schließlich wäre eine Abfolge von Ereignissen." [übersetzt von Google]

(Heil, John. Philosophy of Mind: A Contemporary Introduction. 3rd ed. New York: Routledge, 2013. p. 75)
"Process. A sequence of events."
————————————
"Prozess. Eine Abfolge von Ereignissen." [übersetzt von Google]

(Blackburn, Simon. The Oxford Dictionary of Philosophy. 2nd ed. Oxford: Oxford University Press, 2005. p. 294)

"Event. A change or happening."
————————————
"Ereignis. Eine Veränderung [ein Wandel/Wechsel] oder ein Geschehen." [übersetzt von Google]

(Blackburn, Simon. The Oxford Dictionary of Philosophy. 2nd ed. Oxford: Oxford University Press, 2005. p. 123)
"A process is a spatio-temporally continuous series of events."
————————————
"Ein Prozess ist eine raumzeitlich kontinuierliche Abfolge von Ereignissen." [übersetzt von Google]

(Van Fraassen, Bas. "The Pragmatics of Explanation." In Arguing About Science, edited by Alexander Bird and James Ladyman, 366-408. New York: Routledge, 2013. p. 381)
"Events are changes of states of things."
————————————
"Ereignisse sind Zustandswechsel von Dingen." [übersetzt von Consul]

(Swinburne, Richard. Space and Time. London: Palgrave Macmillan, 1968. p. 157)
"It will be useful to introduce distinctions between states, processes and events. I propose these as stipulative definitions only, but they are definitions meant to correspond reasonably closely to an ordinary meaning of each word.
A state endures for a greater or a lesser time, but it exists entire at each instant for which it endures. Heat is a physical state. If a body is hot for a certain time, it is hot at every instant of that time. Anger is a mental state. If a person is angry for a certain time, he is angry at every instant of that time.
The word 'state' can be used more loosely. A man can be said to be in an anxiety-state all week, yet have carefree moments during that time. But in such a case he must be in a state of anxiety, in the strict sense of 'state' just defined, for a good part of that week.
States may be contrasted with processes. A process is not entire at each instant that the process is occurring. A process takes time to complete, and at any instant while the process is going on a certain amount of the process has been completed while a certain amount remains to be completed. Running a race is a physical process. It takes time to complete, and at any instant during that time a certain amount of the race has been completed. 'Calculating in one’s head' is a mental process. It takes time to complete, and at any instant during that time a certain proportion of the calculation has been completed.
Sometimes the word 'event' is used to mean a process. But we shall use 'event' only to mean the coming to be or passing away of a state, or the initiating or terminating of a process. In this sense, winning a race is a physical event. It is the terminating of a physical process. Becoming angry is a mental event. It is the coming to be of a mental state.
In dealing with the various mental concepts we will consider whether they are concepts of states, processes or events. But, unless explicit reference is made to this threefold classification, the use of one of these words, or words like occurrence or happening, is not meant to bear such an exact sense."
————————————
"Es wird sich als nützlich erweisen, Unterscheidungen zwischen Zuständen, Prozessen und Ereignissen einzuführen. Ich schlage diese lediglich als stipulative Definitionen vor; es sind jedoch Definitionen, die darauf ausgelegt sind, der gewöhnlichen Bedeutung des jeweiligen Wortes einigermaßen genau zu entsprechen.
Ein Zustand dauert für eine kürzere oder längere Zeit an, existiert jedoch in jedem Augenblick, in dem er andauert, als Ganzes. Wärme ist ein physikalischer Zustand. Wenn ein Körper für eine bestimmte Zeit heiß ist, so ist er in jedem Augenblick dieser Zeit heiß. Ärger ist ein mentaler Zustand. Wenn eine Person für eine bestimmte Zeit verärgert ist, so ist sie in jedem Augenblick dieser Zeit verärgert.
Das Wort „Zustand“ kann auch in einem weniger strengen Sinne verwendet werden. Man kann von einem Mann sagen, er befinde sich die ganze Woche über in einem „Angstzustand“, obwohl er in dieser Zeit durchaus auch sorgenfreie Momente erlebt. In einem solchen Fall muss er sich jedoch – im hier soeben definierten strengen Sinne des Wortes „Zustand“ – für einen beträchtlichen Teil jener Woche tatsächlich in einem Zustand der Angst befinden.
Zuständen lassen sich Prozesse gegenüberstellen. Ein Prozess liegt nicht in jedem Augenblick seines Ablaufs als Ganzes vor. Ein Prozess benötigt Zeit zu seiner Vollendung; und in jedem Augenblick, während der Prozess im Gange ist, ist bereits ein gewisser Teil des Prozesses abgeschlossen, während ein anderer Teil noch der Vollendung harrt. Ein Rennen zu laufen, ist ein physikalischer Prozess. Seine Vollendung nimmt Zeit in Anspruch, und in jedem Augenblick dieser Zeit ist bereits ein gewisser Teil des Rennens zurückgelegt. „Im Kopf zu rechnen“ ist ein mentaler Prozess. Er benötigt Zeit zu seiner Vollendung, und in jedem Augenblick dieser Zeit ist bereits ein gewisser Anteil der Rechenaufgabe bewältigt.
Mitunter wird das Wort „Ereignis“ verwendet, um einen Prozess zu bezeichnen. Wir werden den Begriff „Ereignis“ jedoch ausschließlich dazu verwenden, das Entstehen oder Vergehen eines Zustands beziehungsweise das Einleiten oder Beenden eines Prozesses zu bezeichnen. In diesem Sinne ist das Gewinnen eines Rennens ein physikalisches Ereignis. Es stellt das Beenden eines physikalischen Prozesses dar. Wütend zu werden, ist ein mentales Ereignis. Es stellt das Entstehen eines mentalen Zustands dar.
Bei der Betrachtung der verschiedenen psychologischen Begriffe werden wir jeweils prüfen, ob es sich dabei um Begriffe für Zustände, Prozesse oder Ereignisse handelt. Sofern jedoch kein ausdrücklicher Bezug auf diese dreigliedrige Klassifikation genommen wird, ist die Verwendung eines dieser Wörter – oder auch Begriffe wie „Vorkommnis“ oder „Geschehen“ – nicht in einem derart exakten Sinne zu verstehen." [übersetzt von Google]

(Armstrong, D. M. A Materialist Theory of the Mind. London: Routledge & Kegan Paul, 1968. pp. 130-1)
"I suggest that talk of processes gets replaced by talk of of four-dimensional chunks, and that talk of events gets replaced by talk of boundaries between different temporal chunks: thus the event of my demobilization is four-dimensionally to be thought of as a boundary between an army serving chunk of me and a later non-military chunk of me. Some events may be vaguely defined borders, of course. Thus the event that is my becoming grey haired is the rather vaguely defined boundary between a (now far distant) dark haired chunk of me and a later grey haired chunk of me. There is no more difficulty about vaguely defined temporal boundaries than there is about vaguely defined spatial boundaries, such as the boundary between arid and non-arid regions of a country. Also there is in special relativity a sense of 'event' in which an event is more like a point than a boundary, as when we talk of the space-time interval between two events. Here 'event' could be construed as an arbitrarily small four-dimensional part of a thing, much as in Newtonian mechanics a particle is an arbitrarily small bit of a three-dimensional thing.
Being a materialist, I hold that all processes, even, for example, processes of thought, are four-dimensional, and that all events, even, for example, acts of thought, are boundaries between four-dimensional chunks, or perhaps, alternatively, are arbitrarily small four-dimensional chunks."
————————————
"Ich schlage vor, dass das Reden über Prozesse durch das Reden über vierdimensionale „Blöcke“ ersetzt wird und dass das Reden über Ereignisse durch das Reden über Grenzen zwischen verschiedenen zeitlichen Blöcken abgelöst wird: So ist das Ereignis meiner Entlassung aus der Armee vierdimensional betrachtet als eine Grenze zu denken – und zwar zwischen einem mich als Soldaten umfassenden Block und einem späteren, nicht-militärischen Block meiner selbst. Manche Ereignisse mögen natürlich nur vage definierte Grenzen sein. So stellt das Ereignis meines Grauwerdens die eher vage definierte Grenze dar zwischen einem (inzwischen weit zurückliegenden) Block meiner selbst mit dunklem Haar und einem späteren Block mit grauem Haar. Vage definierte zeitliche Grenzen bereiten dabei nicht mehr Schwierigkeiten als vage definierte räumliche Grenzen – wie etwa die Grenze zwischen trockenen und nicht-trockenen Regionen eines Landes. Zudem gibt es in der Speziellen Relativitätstheorie eine Begriffsverwendung von „Ereignis“, bei der ein Ereignis eher einem Punkt gleicht als einer Grenze – etwa wenn wir vom Raumzeitintervall zwischen zwei Ereignissen sprechen. In diesem Kontext könnte „Ereignis“ als ein beliebig kleiner vierdimensionaler Teil eines Dinges aufgefasst werden – ganz ähnlich, wie in der Newtonschen Mechanik ein Teilchen als ein beliebig kleines Stück eines dreidimensionalen Dinges gilt.
Als Materialist vertrete ich die Auffassung, dass alle Prozesse – selbst beispielsweise Denkprozesse – vierdimensionaler Natur sind und dass alle Ereignisse – selbst beispielsweise Denkakte – Grenzen zwischen vierdimensionalen Blöcken bilden; oder dass sie alternativ dazu womöglich als beliebig kleine vierdimensionale Blöcke zu verstehen sind." [übersetzt von Google]

(Smart, J. J. C. "Space-Time and Individuals." 1972. In Essays Metaphysical and Moral: Selected Philosophical Papers, 61-77. Oxford: Blackwell, 1987. p. 70)
Fußnote:
Für Smart sind Prozesse also vierdimensionale, sowohl räumlich als auch zeitlich ausgedehnte Objekte/Substanzen, Objekte/Substanzen sowohl mit räumlichen Teilen als auch mit zeitlichen Teilen, wodurch die Unterscheidung zwischen Kontinuanten und Okkurrenten verwischt wird:
"Ein Kontinuant ist ein Objekt, das in der Zeit existiert, bei dem es aber keinen Sinn ergibt, von zeitlichen Teilen oder Phasen zu sprechen. Zu jedem Zeitpunkt, an dem es existiert, ist ein Kontinuant vollständig präsent. Typische Kontinuanten entstehen in einem bestimmten Moment, bestehen für eine gewisse Zeit (period) fort, und hören dann auf zu existieren. Physische Körper, einschließlich des Menschen, sind Paradebeispiele für Kontinuanten." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

(Simons, Peter. Parts: A Study in Ontology. Oxford: Oxford University Press, 1987. p. 175)

"Okkurrenten umfassen das, was unterschiedlich als Ereignisse, Vorgänge, Geschehnisse, Vorkommnisse und Zustände bezeichnet wird. Sie sind, wie Kontinuanten, in der Zeit, aber im Gegensatz zu Kontinuanten haben sie zeitliche Teile." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

(Simons, Peter. Parts: A Study in Ontology. Oxford: Oxford University Press, 1987. p. 129)



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Timberlake
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Mi 3. Jun 2026, 01:14

Consul hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 22:39
Ein Selbstzitat:
Consul hat geschrieben :
Mo 11. Mai 2026, 23:29
Dynamis hat geschrieben :
So 10. Mai 2026, 13:47

Das zentrale Problem, das ich mit einer Ontologie reiner Ereignisse/Vorgänge habe, besteht darin, dass mir der Begriff eines Vorganges/Ereignisses, dem jegliches substanzielle Substrat fehlt, völlig widersinnig und unverständlich erscheint.

Ich denke, weil dazu passend, ein Selbstzitat von mir ...
Timberlake hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 20:36

C3PO hat geschrieben :
Do 28. Mai 2026, 11:54

5. Der Beziehungs-Realismus: Warum alles mit allem zusammenhängt

Oft denken wir: Erst kommen die Dinge (wie Billardkugeln) und dann stoßen sie zusammen (die Beziehung). Der Relationale Realismus (nach Epperson und Zafiris) dreht das Ganze radikal um: Die Beziehungen sind das Fundament.

Hier hilft uns der Unterschied zwischen Metrik und Topologie.

* Die Metrik (das LEGO-Denken) fragt: „Wie groß ist das Teil? Wie viel wiegt es? Aus wie viel Stoff besteht es?“
* Die Topologie fragt: „Wie ist es vernetzt? Wo liegt es im Geflecht der Beziehungen?“

Stell dir eine Landkarte vor. Die Metrik misst die Kilometer zwischen Städten. Die Topologie aber schaut auf die Linien des U-Bahn-Netzes. Ohne die Verbindungen ergibt die einzelne Station keinen Sinn.
Stell dir eine Landkarte vor. Die Metrik misst die Kilometer zwischen Städten. Die Topologie schaut auf die Linien des U-Bahn-Netzes. Das Eine ohne das Andere ergibt keinen Sinn.





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Consul
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Mi 3. Jun 2026, 02:49

"ZUSAMMENFASSUNG: Ich vertrete die These, dass Versuche in der Biophilosophie, Organismen als Prozesse und nicht als Substanzen darzustellen, scheitern. Entgegen den Behauptungen von Prozessontologen ist die Substanzenontologie durchaus in der Lage, der dynamischen Natur von Organismen, ihrer ökologischen Abhängigkeit sowie ihren unscharfen Grenzen gerecht zu werden; ihre Kritik richtet sich folglich nicht gegen die Substanzenontologie simpliciter, sondern lediglich gegen spezifische (und womöglich unhaltbare) Charakterisierungen von Substanzen. Abschließend erörtert der vorliegende Beitrag, wie eine prozessuale Biophilosophie beschaffen sein könnte, die in radikalem Widerspruch zu einer Substanzenontologie steht.

SCHLUSSFOLGERUNG: Prozessontologen in der Philosophie der Biologie haben keine stichhaltigen Gründe dafür vorgebracht, eine Ontologie der Substanzen aufzugeben. Es gibt keinen Grund, warum Substanzen nicht zeitlich ausgedehnt, dynamisch und ökologisch abhängig sein sowie über unscharfe Grenzen verfügen können. Dies liegt nicht etwa daran, dass sich Substanzenkonzeptionen nachträglich so modifizieren ließen, dass sie diesen Merkmalen gerecht werden; vielmehr tragen sie diesen Merkmalen bereits von vornherein Rechnung. Zudem vertreten viele Substanzontologen die Auffassung, dass lebende Entitäten diese Merkmale tatsächlich besitzen. Die Einwände der Prozessontologen richten sich lediglich gegen bestimmte Charakterisierungen von Substanzen – solche, die Substanzen als dreidimensional, im Allgemeinen ontologisch unabhängig, kraft eines unveränderlichen Kerns fortbestehend, maschinenartig beschaffen und über präzise Grenzen verfügend ansehen. Diese Merkmale spielen jedoch weder in den gängigen historischen noch in den zeitgenössischen Konzeptionen von Substanz eine Rolle; und viele Substanzontologen würden bestreiten, dass lebende Substanzen über sie verfügen." [übersetzt von Google]

William Morgan: Are Organisms Substances or Processes? (2019)
(Info: Ihr könnt den Aufsatz von Google Website Translate ins Deutsche übersetzen lassen. Einfach dort die originale Webadresse eingeben!)



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Rudolf Pirnbacher
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Mi 3. Jun 2026, 08:23

Prozesse sind nur ein Teilaspekt von Geschehnissen, Teile - Ganzheitsbeziehungen, Supervenienz und Emergenz sind darüberhinausgehende hilfreiche Erklärungsmodelle.
Consul hat geschrieben :
Fr 28. Nov 2025, 06:38
"Die Prioritätsfrage:
Abgesehen von totaler Skepsis scheint es fünf mögliche metaphysische Positionen hinsichtlich Kontinuanten und Okkurrenten sowie der Frage zu geben, welche der beiden Arten grundlegend ist. Hier sind sie, mit einigen neueren Vertretern:

(a) Es gibt nur Kontinuanten: Brentano (1981).
(b) Es gibt nur Okkurrenten und keine Kontinuanten: Lewis (1986), Seibt (2004), Baptiste und Dupré (2013).
(c) Es gibt beides, und Kontinuanten sind vorrangig: Strawson (1959), Lowe (1998).
(d) Es gibt beides, und sie sind gleichermaßen grundlegend: Wiggins (2001).
(e) Es gibt beides, und Okkurrenten sind vorrangig: Whitehead (1978), Rescher (2001), Simons." [Google Translate mit Verbesserungen meinerseits]

(Simons, Peter. "Processes and Precipitates." In Everything Flows: Towards a Processual Philosophy of Biology, edited by Daniel J. Nicholson and John Dupré, 49-60. Oxford: Oxford University Press, 2018. p. 52)
Anmerkung: Ich befürworte (c).
Je nachdem, auf welcher Ebene man sich bewegt, könnte man (c) oder (e) bevorzugen. Aber selbst für einen Stein gilt: er besteht nicht nur aus der Materie, sondern es umgibt ihn zusätzlich noch ein Gravitationsfeld, das substanzlos ist. Insgesamt würde ich daher eher zu (d) neigen.

Bewegt man sich in Richtung Teilchenphysik, so geht die Anschaulichkeit verloren. Jedenfalls scheinen Wellennatur und Teilchennatur von Bedeutung zu sein, so zeigt sich z.B. beim Licht beim Doppelspaltexperiment sowohl die Wellennatur als auch die Teilchennatur. Was auf unterster Ebene passiert haben wir wahrscheinlich noch nicht ganz erfasst, und ich bin mir auch nicht sicher ob es jemals erfassbar sein wird. Aber es stellt sich die Frage, ob es überhaupt für uns von Bedeutung ist, die unterste Ebene vollständig zu erfassen. Die Welt an sich W(r) ist meines Erachtens nicht erfassbar. Es sind nur modellhafte Annäherungen mittels W(p) und W(z) möglich, mit denen wir uns allerdings in der Welt recht gut zurechtfinden.
Zuletzt geändert von Rudolf Pirnbacher am Mi 3. Jun 2026, 08:24, insgesamt 1-mal geändert.




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Jörn P Budesheim
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Mi 3. Jun 2026, 08:24

Rudolf, ich will meine Argumente noch einmal zusammenstellen, weil ich denke, dass es eine innere Spannung in deiner Sicht gibt, die ich vielleicht noch nicht klar genug zum Ausdruck gebracht habe.

1. Wenn die Realität an sich nicht erfassbar ist, woher wissen wir das?

Du schreibst: „Wie die Realität an sich ist, ist nicht erfassbar.“

Wenn diese Aussage wahr ist, dann wissen wir etwas über die Realität an sich: nämlich, dass sie für uns nicht erfassbar ist. Das ist ja sogar schon ein ziemlich ambitionierter Wissensanspruch. Wenn wir die Realität an sich aber nicht erfassen können, wie können wir dann wissen, dass sie nicht erfassbar ist? Hier sehe ich eine gewisse innere Spannung, vorsichtig formuliert. Wer behauptet, die Realität an sich sei unerkennbar, macht bereits eine Aussage über die Realität an sich.

2. Wie können wir wissen, dass unsere Modelle die Realität »ausgezeichnet abbilden«?

Du schreibst: „Wir sind in der Lage ausgezeichnete Modelle zu schaffen, die die Realität immer besser abbilden.“

Wenn wir die Realität an sich nicht erfassen können, wie können wir dann wissen, dass unsere Modelle sie abbilden? Wir können Modelle (gemäß deiner Sicht) nicht mit der Realität an sich vergleichen, da wir diese nicht erfassen können. Außerdem: Auch Modelle, die sehr gut funktionieren, können falsch sein. Die geozentrischen Modelle haben einen sehr, sehr guten Job getan (sie haben Planetenbahnen präzise vorhergesagt), waren aber, wie wir heute wissen, falsch. Das heißt, dein pragmatisches Argument, dass wir in der Wirklichkeit gut zurechtkommen, unterstützt deine These nicht.

Außerdem ist die These, dass unsere Modelle die Wirklichkeit abbilden, eigentlich bereits eher eine realistische These aufgrund des Abbildungscharakters, den du unterstellst.

3. Der Regress ist immer noch nicht vom Tisch

Du schreibst: „In der Praxis arbeiten viele Wissenschaftler mit Modellen und sind damit äußerst erfolgreich. Damit erübrigt sich für mich die Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Modellen.“

Ich argumentiere nicht gegen Modelle. Ich argumentiere dafür, dass deine Sicht inkohärent ist. Wenn wir nie die Wirklichkeit direkt erfassen können, sondern immer nur auf Modelle angewiesen sind, wie erkennen wir dann unsere eigenen Modelle? Hier startet sofort ein Regress, denn wir bräuchten dann ein Modell, um unser Modell zu erkennen – und so weiter:

Wir haben ein Modell M₁.

Wenn M₁ selbst nicht erkennbar ist (weil es real ist und wir Realität an sich nicht erfassen können), brauchen wir ein Modell M₂ von M₁.

Dann ein Modell M₃ von M₂, dann ein Modell M₄ von M₃ – und so weiter.

Damit beginnt ein unendlicher Regress:
  • M₁ wird durch M₂ erkannt.
  • M₂ wird durch M₃ erkannt.
  • M₃ wird durch M₄ erkannt.
  • usw.
Irgendwo muss der Regress also enden. Es muss etwas geben, das nicht erst durch ein weiteres Modell erkannt werden muss. Andernfalls käme Erkenntnis niemals zustande.

4. Der Fortschritt der Naturwissenschaft spricht für das Gegenteil

Du schreibst: „Aber wir haben noch lange nicht alles erkannt, und alles werden wir auch nie erkennen.“

Sicher haben wir noch lange nicht alles erkannt. Aber daraus folgt ja nicht, dass die Realität an sich nicht erfassbar ist. Im Gegenteil: Hier schreibst du ja sogar selbst, dass wir vieles bereits erkannt haben. Die Behauptung, dass wir die Realität so erkennen können, wie sie an sich ist, beinhaltet keineswegs, dass wir schlechterdings alles erkennen werden.

Dass wir Fortschritte in den Naturwissenschaften haben, spricht meines Erachtens eher dafür, dass wir die Wirklichkeit doch erkennen können – nicht dafür, dass wir sie nicht erkennen können. Einschlägig dafür ist das sogenannte Wunder-Argument von Hilary Putnam: Es würde nämlich an ein Wunder grenzen, dass wir derartig gute naturwissenschaftliche Erkenntnisse haben und dass diese so erfolgreich sind, wenn wir doch die Wirklichkeit nicht an sich erkennen könnten. Der erstaunliche Erfolg der Naturwissenschaft wäre dann ein Unding, ein rein zufälliges Phänomen. Das ist aus meiner Sicht ziemlich unplausibel.

5. Woher kommt die Aufteilung W(r), W(i), W(z)?

Du schreibst: „Das hab ich aus einem Essay aus Academia.edu und dem daraus folgenden Schriftverkehr.“

Damit habe ich doch nicht nach der Quelle gefragt. Es ging mir (auch hier!) um die innere Spannung in deinem Argument. Wir sollen einerseits angeblich die Realität an sich nicht erkennen können, andererseits bietest du dieses Schema an: W(r), W(i), W(z). Damit wird ja ein großer Wissensanspruch erhoben. Da sehe ich eine deutliche innere Spannung.



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Rudolf Pirnbacher
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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 08:24

1. Wenn die Realität an sich nicht erfassbar ist, woher wissen wir das?

Du schreibst: „Wie die Realität an sich ist, ist nicht erfassbar.“

Wenn diese Aussage wahr ist, dann wissen wir etwas über die Realität an sich: nämlich, dass sie für uns nicht erfassbar ist.
Vielleicht stimmt ja auch diese Aussage nicht für immer und ewig. ;-)




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Jörn P Budesheim
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Mi 3. Jun 2026, 09:00

Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 08:49
Vielleicht stimmt ja auch diese Aussage nicht für immer und ewig. ;-)
Wenn sie in sich widersprüchlich ist, dann kann sie nicht stimmen, weder für einen Moment noch ewig. :-)



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C3PO
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Mi 3. Jun 2026, 09:07

Die Dynamik des Seins: Eine Antwort auf die Kritik der Prozess-Ontologie

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1. Einleitung: Wertschätzung der ontologischen Präzision

Die gegenwärtige Debatte im Forum DiaLogs über das Fundament unserer Wirklichkeit markiert einen entscheidenden Punkt in der interdisziplinären Ontologie. Dass Consul in seiner Kritik den Rückgriff auf Klassiker wie Leibniz, Locke und Aristoteles sowie moderne Denker wie John Heil und den reistischen Ansatz von Tadeusz Kotarbiński sucht, verleiht der Diskussion eine notwendige begriffliche Schärfe. Diese Präzision ist unerlässlich, um die intuitive Plausibilität der Substanzmetaphysik – die Annahme einer Welt aus beständigen, wenn auch sich wandelnden „Dingen“ – gegen die Herausforderungen einer prozessualen Sichtweise abzuwägen.

Dennoch erzwingen die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft, insbesondere in der Quantenfeldtheorie und der Biologie, eine grundlegende Revision dieser intuitiven Annahmen. Während der Rückgriff auf Kotarbiński oder Heil die logische Konsistenz der Substanzlehre unterstreicht, scheitert dieser Rahmen an der Erklärung der Emergenz. Wie Charles Birch und Ross Stein treffend bemerken: „Nuts and bolts cannot evolve!“ Sie können lediglich neu angeordnet werden. Eine statische Ontologie kann den Übergang von anorganischer Materie zu selbsttranszendierendem Leben (Abiogenese) nicht ohne externe, mechanistische Eingriffe erklären. Daher stellt sich die Frage, ob das Verhältnis von „Arbeiter“ und „Arbeit“ nicht grundlegend neu gedacht werden muss.

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2. Der „Arbeiter“ und seine Tat: Ein prozessualer Perspektivwechsel

Ein zentraler Einwand liegt in der logischen Trennung von „Substanz“ und „Operation“: Ohne Operateur keine Operation. Daraus folgt scheinbar, dass jede Tätigkeit ein Trägerwesen voraussetzt. Doch diese Annahme beruht auf einer zeitlich-logischen Priorisierung der Substanz vor dem Prozess.

Mark Bickhards Interaktivismus sowie Ross Steins prozessuale Biologie verschieben genau diese Hierarchie. Repräsentation und Normativität erscheinen nicht als Eigenschaften einer fertigen Substanz, sondern als stabile Muster innerhalb dynamischer Prozesse.

Kernthese: esse sequitur operari

Das Sein folgt dem Handeln.

In diesem Rahmen gilt:
  • Prozessuale Konstitution: „Dinge“ sind stabile Muster in energetischen Flüssen, keine primären Entitäten.
  • Interaktive Emergenz: Identität entsteht aus relationalen Prozessnetzwerken.
  • Funktionale Einheit: Operateur und Operation sind analytisch, nicht ontologisch trennbar.
Die klassische Trennung von „Träger“ und „Tätigkeit“ verliert damit ihren ontologischen Primat.

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3. Physik jenseits der „Bauklötze“: Felder als fundamentale Realität

Der Einwand, ein Wirbel setze ein Substrat voraus, beruht auf einer intuitiven Korpuskelontologie. Moderne physikalische Interpretationen (Quantenfeldtheorie) verschieben diese Perspektive.

Statt Objekten sind Felder und ihre Stabilitätsmuster fundamental.

Zentrale Punkte:
  • Energie als Grundstruktur: Materie erscheint als kondensierte Form von Energieprozessen.
  • Topologische Stabilität: „Dinge“ sind metastabile Konfigurationen in Feldstrukturen.
  • Relationale Primatstellung: Nicht Objekte erzeugen Relationen, sondern Relationen stabilisieren Objekterscheinungen.
Damit entfällt die Notwendigkeit eines Substrats im klassischen Sinn.

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4. Intuition vs. Revision: Warum uns die Welt „Dinge“ zeigt

Die Unterscheidung zwischen deskriptiver und revisionärer Ontologie ist hier entscheidend.

Vergleich der Modelle:

Intuitive Substanzsicht
  • Diachrone Identität: Dinge bleiben identisch.
  • Substrat zuerst, Handlung sekundär.
  • Welt aus isolierten Einheiten.
  • Separabilität als Grundannahme.
Wissenschaftlich-prozessuale Sicht
  • Identität als dynamische Stabilisierung.
  • Prozess priorisiert gegenüber Substanz.
  • Welt als Netzwerk von Ereignissen.
  • Radikale Relationalität.
Intuition ist ein evolutionäres Werkzeug zur Handlungsorientierung, kein ontologischer Wahrheitsindikator.

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5. Die „kausale Fuge“: Divine Action und energetische Transduktion

Im Rahmen eines prozessualen Panentheismus wird göttliches Wirken nicht als Intervention in Naturgesetze verstanden, sondern als strukturierende Einflussnahme innerhalb der Prozessdynamik.

Kernpunkte:
  • Energieerhaltung bleibt unangetastet.
  • Keine zusätzliche Energiezufuhr in das System.
  • Wirkung erfolgt über Umverteilung und Wahrscheinlichkeitsstrukturierung.
  • Neuheit entsteht durch Prozesslenkung, nicht durch Eingriff von außen.
Göttliche Wirksamkeit wird damit als Immanenzstruktur verstanden, nicht als Bruch kausaler Ordnung.

--------

6. Fazit: Für eine pluralistische Realität

Die Alternative zwischen Substanz- und Prozessontologie muss nicht exklusiv verstanden werden. Ein qualifizierter Realismus erlaubt beide Beschreibungsniveaus, ordnet sie jedoch hierarchisch.

Schlussfolgerungen:
  • Prozesse sind ontologisch primär.
  • „Dinge“ sind stabile Abstraktionen innerhalb von Prozessen.
  • Intuition liefert pragmatische, aber keine fundamentalen Ontologien.
Die Welt verliert damit nicht ihre Gegenständlichkeit, sondern gewinnt eine tiefere dynamische Struktur.



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Jörn P Budesheim
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Mi 3. Jun 2026, 10:04

Ist die Alternative Dinge vs. Prozesse nicht etwas kurzgegriffen? Ich plädiere auch hier für Pluralität. Ja, es gibt Dinge, allerdings basierend auf Prozessen. Es gibt also Zeit. Wir müssen als grundlegende Kategorien aber mindestens noch Tatsachen und Strukturen/Relationen in Betracht ziehen, wobei beide jeweils feldrelativ sind. Darüber hinaus gibt es ewige Objekte (Whitehead), wie etwa Zahlen, geometrische Gesetze und Qualitäten (Bewusstsein, Farben als Abstrakta verstanden). Es gibt Werte und Normen. Es gibt Informationen. Es gibt Möglichkeiten. … Wer bietet mehr?



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Timberlake
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Mi 3. Jun 2026, 12:16

C3PO hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 09:07


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3. Physik jenseits der „Bauklötze“: Felder als fundamentale Realität

Der Einwand, ein Wirbel setze ein Substrat voraus, beruht auf einer intuitiven Korpuskelontologie. Moderne physikalische Interpretationen (Quantenfeldtheorie) verschieben diese Perspektive.

Statt Objekten sind Felder und ihre Stabilitätsmuster fundamental.


Und was fangen wir nun damit an? Etwa, weil Felder und ihre Stabilitätsmuster fundamental sind, es Objekte gar nicht gibt?

Übersicht mit KI
Die Quantenfeldtheorie (QFT) ist das modernste Fundament der Physik. Sie vereint die Quantenmechanik mit Einsteins Spezieller Relativitätstheorie. Ihr zentraler Gedanke: Es gibt keine einzelnen, isolierten Teilchen. Stattdessen ist das gesamte Universum von unsichtbaren Feldern durchzogen, und alles, was wir als Materie wahrnehmen, sind lediglich Schwingungen (Anregungen) dieser Felder


Wie sollte es auch "sichtbare" Objekte geben, wo doch alles, was wir als Materie wahrnehmen, lediglich Schwingungen (Anregungen) von "unsichtbaren" Felder sind.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 08:49
Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 08:24

1. Wenn die Realität an sich nicht erfassbar ist, woher wissen wir das?

Du schreibst: „Wie die Realität an sich ist, ist nicht erfassbar.“

Wenn diese Aussage wahr ist, dann wissen wir etwas über die Realität an sich: nämlich, dass sie für uns nicht erfassbar ist.
Vielleicht stimmt ja auch diese Aussage nicht für immer und ewig. ;-)
Was diese sichtbaren Objekte an sich in der Realität wohl auch sind - unsichtbar! Somit die Aussage „Wie die Realität an sich ist, ist nicht erfassbar.“ zumindest diesbezüglich nun mehr möglicherweise tatsächlich nicht mehr stimmt. Gleichwohl sehen wir diese Objekte.
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 15:47


Anbei einige Begriffe, so wie ich sie verwende, und so wie wir sie auch in Zusammenhang mit früheren Diskursen verwendet haben:

W(r) = Welt an sich: eine einzige, einheitliche „noumenale Welt“, auf der alles aufbaut

W(i) = phänomänale Welt: eine „phänomenale Welt“, die wir jeder individuell und unmittelbar durch unsere Wahrnehmung von Phänomenen erfahren

W(z)= kollektive Welt: verschiedene Gruppen, auch wissenschaftliche, wie sie die Welt interpretieren, wie die Menschen innerhalb einer bestimmten „sprachbenutzenden Gruppe“ durch das Erlernen, Verwenden und Anpassen der Sprache dieser Gruppe die Welt erfahren

W(r) ist für uns nicht erkennbar. Ein Bezug zum Höhlengleichnis von Platon wäre möglich. Mit unseren Sinnen erfassen wir W(i). Und W(z) ist die Welt so wie wir sie interpretieren, und dies mit den unterschiedlichsten Methoden. Dazu gehören auch Modelle.
Wir können von W(r) mittels W(i) und vor allem auch mit W(z) hilfreiche und brauchbare Abbilder machen, damit wir uns in W(r) zurechtfinden können.
Weil als solches lediglich "sichtbare" Schatten an der Höhlenwand, ein Bezug zum Höhlengleichnis von Platon nicht nur bloß möglich, sondern gar notwendig wäre. Wie sollte sich auch ansonsten der Widerspruch auflösen lassen, wie das aus etwas Unsichtbares, Sichtbares entstehen kann?

Wenn diese sichtbaren Objekte solche Schatten und deshalb substanzlos sind, so kommen wir allerdings dennoch nicht umhin, sie so zu behandeln, als ob sie aus einer Substanz bestünden :!:

Um von daher mal ein Kompromiss zwischen Substanzontologen und Prozessontologen zu versuchen.




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Timberlake hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 12:16
es Objekte gar nicht gibt?
Es gibt auch in der Prozess-Ontologie Objekte. Darauf wurde doch wiederholt hingewiesen.



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Timberlake
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Mi 3. Jun 2026, 14:20

.. aber doch wohl sicherlich nicht in der Annahme, dass diese Objekte deshalb aus einer Substanz bestünden.


C3PO hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 09:07


Zentrale Punkte:
  • Energie als Grundstruktur: Materie erscheint als kondensierte Form von Energieprozessen.
  • Topologische Stabilität: „Dinge“ sind metastabile Konfigurationen in Feldstrukturen.
  • Relationale Primatstellung: Nicht Objekte erzeugen Relationen, sondern Relationen stabilisieren Objekterscheinungen.
Damit entfällt die Notwendigkeit eines Substrats im klassischen Sinn.
So wie nach Ansicht eines Prozess-Ontologen, die Notwendigkeit eines Substrats im klassischen Sinn entfällt.

Wie sollte es auch Objekte im "klassischen Sinn" geben, wenn sie uns nur als solches erscheinen?

So das ich wiederum denke, dass es eine innere Spannung in deiner Sicht gibt.
Timberlake hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 12:16


Weil als solches lediglich "sichtbare" Schatten an der Höhlenwand, ein Bezug zum Höhlengleichnis von Platon nicht nur bloß möglich, sondern gar notwendig wäre. Wie sollte sich auch ansonsten der Widerspruch auflösen lassen, wie das aus etwas Unsichtbares, Sichtbares entstehen kann?

Wenn diese sichtbaren Objekte solche Schatten und deshalb substanzlos sind, so kommen wir allerdings dennoch nicht umhin, sie so zu behandeln, als ob sie aus einer Substanz bestünden :!:

Um von daher mal ein Kompromiss zwischen Substanzontologen und Prozessontologen zu versuchen.
Eine innere Spannung, die ich übrigens mit diesem Kompromiss, weil grundsätzlich unmöglich, ganz bestimmt nicht zu beseitigen aber zumindest zu reduzieren versucht habe.




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Timberlake hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 14:20
.. aber doch wohl sicherlich nicht in der Annahme, dass diese Objekte deshalb aus einer Substanz bestünden.
Auch in einer Substanz-Ontologie bestehen die Dinge nicht aus Substanz, sie sind eine.

Denn Substanz bedeutet hier nicht, was es bei uns im Alltag in der Regel heute bedeutet, etwa „Stoff“, „Füllmaterial“ oder „Materie“. Vielmehr bezeichnet der Begriff – grob gesagt – das selbstständig Seiende, also das, was z.b. nicht bloß die Eigenschaft von etwas anderem ist. In der klassischen Tradition sind damit vor allem konkrete Einzeldinge gemeint, auch wenn „Substanz“ nicht einfach mit „Ding“ synonym ist.

Substanzen in diesem Sinne gibt es meines Erachtens ohnehin nicht. Ich meine, dazu hatten wir auch schon mal einen Faden. Wenn ich mich recht entsinne, definiert Consol den Begriff auch noch mal etwas anders. Ich kenne es pi mal Daumen, so ähnlich, wie ich es oben beschrieben habe, aus dem Seminar.



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Timberlake
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Mi 3. Jun 2026, 23:36

Substanz in diesem Sinne, also das der Begriff Substanz – grob gesagt – das selbstständig Seiende, also das, was z.b. nicht bloß die Eigenschaft von etwas anderem ist, gibt es allerdings nur dann nicht, wenn sich Dinge jeweils unendlich aus Eigenschaften von etwas anders ableiten lassen.

Übersicht mit KI
Als kleinstes unteilbares Teilchen gilt heute das Elementarteilchen. Nach dem Standardmodell der Teilchenphysik sind diese Bausteine nicht weiter aus kleineren Einheiten zusammengesetzt und haben keine räumliche Ausdehnung.

Die fundamentalen Bausteine der Materie
Unsere gesamte bekannte Materie besteht im Wesentlichen aus nur drei dieser unteilbaren Teilchen
  • Quarks: Sie bilden die Bausteine für Protonen und Neutronen im Atomkern. Es gibt sechs verschiedene Arten (unter anderem Up-Quark und Down-Quark)
  • Elektronen: Sie umkreisen den Atomkern und sind maßgeblich für chemische Verbindungen und elektrischen Strom verantwortlich. Sie gehören zur Familie der Leptonen


Was zumindest nach dem derzeitigen Standardmodell der Teilchenphysik, wonach es kleinste unteilbare Teilchen gibt, allerdings ausgeschlossen werden kann. Wie denn auch, wenn diese Teilchen keine räumliche Ausdehnung haben. Womit sich allerdings für mich, der kein Teilchenphysiker ist, die Frage stellt, wie daraus etwas unselbstständig Seiendes werden kann, das eine räumliche Ausdehnung hat.




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Consul
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Do 4. Jun 2026, 00:38

C3PO hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 07:46
Perspektivwechsel: Eine prozessphilosophische Replik auf die Substanzontologie

Consul wendet zu Recht ein, dass namhafte Substanzontologen wie Leibniz die Aktivität bereits in das Wesen der Substanz integriert haben oder dass John Heil den Universums-Atomismus (die Welt als eine einzige Substanz) vertritt. Doch auch hier bleibt die Substanz ein logisches Substrat, dem Eigenschaften lediglich „inhärieren“. Die Prozessmetaphysik geht weiter: Whiteheads „actual entities“ begreifen das Einzelwesen nicht als Träger des Wandels, sondern als den Wandel selbst. Was wir als „einfache Substanz“ (Heil) oder „mereologisches Atom“ wahrnehmen, kann aus prozessphilosophischer Sicht als ein stabiles energetisches Muster verstanden werden, das sich in jedem Moment neu konstituiert.
Der Begriff eines trägerlosen, substrat- oder subjektfreien Wandels oder Wechsels ist schlichtweg unverständlich. Die Rede von einem Fließen ohne Fließendes oder einem Schwimmen ohne Schwimmendes (Schwimmer) ergibt keinen Sinn.
C3PO hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 07:46
4. Physik der Felder: Materie ohne Materialismus

Das klassische „Bauklötzchen-Modell“ erscheint aus Sicht vieler moderner physikalischer Ansätze als unzureichend. Die Physik hat sich in weiten Bereichen von der Vorstellung isolierter Objekte hin zu Beschreibungen bewegt, in denen Felder, Wechselwirkungen und Relationen eine zentrale Rolle spielen. Wie Hans-Peter Dürr prägnant formulierte: „Materie ist nicht aus Materie aufgebaut.“

Die prozessphilosophische Kritik am substanziellen Substrat stützt sich insbesondere auf drei Beobachtungen:

* Welle-Teilchen-Dualismus: Elementarteilchen (selbst komplexe Buckyballs) zeigen Welleneigenschaften und Interferenzmuster. Sie sind nicht einfach als lokal begrenzte Objekte beschreibbar, sondern weisen Eigenschaften auf, die sich nur im Rahmen quantenphysikalischer Wahrscheinlichkeitsstrukturen verstehen lassen.
Wie die Quantenphysik ontologisch zu verstehen sind, darüber herrscht unter den Gelehrten weiterhin Uneinigkeit.
Der Bohmschen Mechanik zufolge besteht der Welle-Teilchen-Dualismus darin, dass es sowohl Teilchen ohne Wellencharakter als auch eine davon verschiedene "Führungswelle" ohne Teilchencharakter gibt, die die Teilchenbewegungen steuert (z.B. beim berühmtem Doppelspalt-Experiment).
C3PO hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 07:46
* Quantenfeldtheorie: In der Quantenfeldtheorie gelten Felder als grundlegende Bestandteile der physikalischen Beschreibung. Materielle Teilchen erscheinen als lokale Anregungen dieser Felder. Für Prozessphilosophen legt dies eine Ontologie nahe, in der Relationen und Dynamiken grundlegender sind als isolierte Dinge.
Wie es Beziehungen ohne aufeinander bezogene Dinge oder Bewegungen, Entwicklungen ohne sich bewegende, entwickelnde Dinge geben könnte, ist mir völlig schleierhaft.

Wie gesagt, Quantenfelder scheinen gar keine realen physischen Entitäten zu sein, weil sie nicht aus im physikalischen Raum verteilten determinierten Quantitäten bestehen. (Determinates and Determinables)

Es gibt übrigens sowohl eine Feldinterpretation als auch eine Teilcheninterpretation der Quantenfeldtheorie (QFT):

SEP: Quantum Field Theory
SEP: Quantenfeldtheorie
"In der QFT [Quantenfeldtheorie] sind die den Raumzeit-Punkten (x, t) zugeordneten „Feldwerte“ φ(x, t) Operatoren. Das bedeutet also, dass die „Feldwerte“ keine definiten messbaren Eigenschaften mehr sein können, wie etwa die elektromagnetische Feldstärke. Um zu bestimmten Größen zu gelangen, die konkret gemessen werden können, müssen die operatorwertigen Quantenfelder auf Zustände wirken. In gleicher Weise braucht man auch in der Quantenmechanik Operatoren und Zustände, um zu Messwerten und zu der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens zu kommen. …Die klassische Feldkonzeption verliert in der QFT aufgrund der Operatorwertigkeit der Quantenfelder jedenfalls ihren Sinn: Die Feldoperatoren können den Raumzeit-Punkten nicht bestimmte physikalische Eigenschaften zuschreiben."

(Friebe, Cord, Meinard Kuhlmann, Holger Lyre, et al. Philosophie der Quantenphysik. 2. Aufl. Berlin: Springer Spektrum, 2018. S. 238-9)

"Feldinterpretation
Wenn die Gegenstände der QFT keine Teilchen sind, dann bleibt aus der Sicht der klassischen Physik nur die Option, anzunehmen, dass die QFT über Felder spricht. Dazu scheint zu passen, dass die Quantenfelder 𝚽(x,t) die Raumzeitmannigfaltigkeit als Argument haben, dass also jedem Raumzeit-Punkt eine Größe zugeordnet wird, wodurch die zentrale Kennzeichnung eines Feldes erfüllt ist. Allerdings ist 𝚽(x,t) ein Operator, so dass den Raumzeit-Punkten, anders als etwa beim elektromagnetischen Feld, zunächst keine definiten physikalischen Eigenschaften zugeordnet sind. Die Feldoperatoren sind für die Dynamik der Zustände wichtig, aber nur mit den Zuständen kann man eine experimentell zugängliche raumzeitliche Interpretation verbinden.

Erst wenn man zu den Feldoperatoren 𝚽(x,t) die Systemzustände |ψ⟩ hinzunimmt, auf die Feldoperatoren bzw. Zusammensetzungen f(𝚽(x,t)) wirken, kann man Raumzeit-Punkten über die Erwartungswerte der Form ⟨ψ|f (𝚽(x,t))|ψ⟩ konkrete Werte physikalischer Größen zuordnen. Dieser Ansatz hat aber eine Reihe von Schwierigkeiten. Die erste ist, dass überhaupt nicht klar ist, was man eigentlich weiß, wenn man die Erwartungswerte ⟨ψ|f (𝚽(x,t))|tψ⟩ kennt. Wenn man die Rolle der Feldoperatoren in der Anwendung analysiert, dann werden durch sie Typen von Wechselwirkungen und mögliche Beobachtungen charakterisiert, nicht aber bestimmte Systeme. Die Feldoperatoren scheinen, wenn man sie für Erklärungen einsetzt, also eher auf der Ebene der Gesetze zu stehen und nicht zu der Ebene der Randbedingungen zu gehören, die wechselnde Eigenschaften des Systems erfassen. In der praktischen Anwendung spielen die oben angegebenen Erwartungswerte nur eine indirekte Rolle. Die Feldoperatoren sind wichtig, wenn man fragt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Feldzustand |ta⟩ in einen anderen Feldzustand |ta⟩ übergeht. Diese Funktion der Feldoperatoren hat aber keinen feldartigen Charakter und ist kein Argument für eine Feldinterpretation der QFT.

Eine ähnliche Schwierigkeit mit der Anwendungspraxis der QFT ergibt sich für eine Interpretation, nach der die Feldoperatoren zu Wahrscheinlichkeiten führen, klassische Feldkonfigurationen vorzufinden. Huggett nennt dies die „Wellenfunktional-Interpretation“: Analog dazu, wie man die Wellenfunktion der Quantenmechanik so verstehen kann, dass sie Orten Antreffwahrscheinlichkeiten zuordnet, werden in der QFT Feldkonfigurationen (die selbst Funktionen sind) Wahrscheinlichkeiten dafür zugeordnet, die betreffenden Feldkonfigurationen zu beobachten (während Funktionen Zahlen auf Zahlen abbilden, bilden Funktionale Funktionen auf Zahlen ab).

Eine Feldinterpretation müsste aber auch klar machen, wie es kommt, dass z.B. die gesamte Ladung und Energie eines ausgebreiteten Elektronenfeldes in einem Detektor „an einem Punkt“ lokalisiert werden. Die Feldoperatoren („Quantenfelder“) scheinen also nicht als physikalische Felder interpretierbar zu sein, aber auch die Zustandsvektoren |tψ⟩ sind keine Felder im klassischen Sinn und kommen auch nicht ohne die Operatoren aus. Es drängen sich auch keine anderen mathematischen Strukturen auf, die problemlos als Felder interpretiert werden können. Baker analysiert weitere Schwierigkeiten einer Feldinterpretation. So scheinen auch die bisherigen Vorschläge, die QFT im Rahmen einer Feldontologie zu interpretieren, nicht zum Erfolg zu führen.

Fazit zur Feldinterpretation
Die gegenwärtig sehr lebendige Diskussion um die richtige Ontologie für die QFT hat bis jetzt noch nicht zu einem von allen akzeptierten Ergebnis geführt. Am wenigsten kontrovers ist die Einschätzung, dass eine Teilcheninterpretation der QFT angesichts einer Vielzahl von Problemen nicht zu halten ist. Etwas anders sieht die Lage bezüglich einer Feldinterpretation aus. Da sich die Diskussion bisher am stärksten auf eine Teilcheninterpretation konzentriert hat und eine Feldinterpretation oft ohne weitere Diskussion als einzig verbleibende Alternative angesehen wurde, gibt es insbesondere zu wenige Überlegungen dazu, was eine Feldtheorie im Bereich der Quantenphysik überhaupt sein soll. Es ist klar, dass man hier keine klassische Feldtheorie erwarten darf. Es muss aber dennoch ausbuchstabiert werden, auf welche Weise es sich in einem physikalischen Sinne um eine Feldtheorie handelt und nicht bloß um die Zuordnung bestimmter mathematischer Ausdrücke zu Raumzeit-Punkten. Des Weiteren ist noch zu wenig untersucht, in wieweit die Argumente gegen eine Teilcheninterpretation auch eine Feldinterpretation treffen.
Insgesamt kann man sagen, dass die erdrückende Beweislast gegen eine Teilcheninterpretation und die nur schwer zu beantwortende Frage, in welchem Sinne die QFT wirklich physikalische Felder beschreibt, es nahe legen, nach ganz anderen Interpretationsvorschlägen Ausschau zu halten, die besser zur QFT passen."

(Friebe, Cord, Meinard Kuhlmann, Holger Lyre, et al. Philosophie der Quantenphysik. 2. Aufl. Berlin: Springer Spektrum, 2018. S. 266-8)
"Neue Wege der Interpretation
Ontischer Strukturenrealismus
Es gibt in der Philosophie eine Konzeption, nach der nicht Dinge wie Elektronen, sondern Strukturen bzw. Relationen die Grundelemente der Welt sind. Dies ist der ontische Strukturenrealismus in seiner stärksten Variante: der sogenannte „eliminative“ Strukturenrealismus (Ladyman). In der heute gängigeren nichteliminativen Variante des ontischen Strukturenrealismus stehen Strukturen bzw. Relationen ontologisch mindestens auf derselben Stufe wie Dinge, in dem Sinne, dass nicht nur Dinge existieren müssen, damit die Relationen realisiert sein können, in denen diese Dinge zueinander stehen, sondern die betreffenden Dinge selbst erst durch bestimmte Strukturen bestimmt sind. Die Behauptung ist also, dass es Strukturen bzw. Relationen gibt, die nicht erst durch Anordnung der vorher bereits existierenden Dinge in die Welt kommen, sondern die konstitutiv für diese Dinge sind."

(Friebe, Cord, Meinard Kuhlmann, Holger Lyre, et al. Philosophie der Quantenphysik. 2. Aufl. Berlin: Springer Spektrum, 2018. S. 268)

"Es gibt allerdings auch viele Einwände gegen den ontischen Strukturenrealismus. Das Hauptargument gegen die starke eliminative Variante des ontischen Strukturenrealismus besteht darin, dass die Annahme von Relationen ohne Relata in sich widersprüchlich sei. Bei der schwächeren nicht-eliminativen Variante des ontischen Strukturenrealismus, die wir gerade dargestellt haben, besteht das Hauptproblem darin, was genau darunter zu verstehen sein soll, dass Objekte strukturell charakterisiert sind. Traditionellere Ontologen leugnen ja weder, dass es Relationen bzw. Strukturen gibt, noch dass diese bei der Theoriebildung eine entscheidende Rolle spielen, insbesondere in der QFT. Die Frage ist aber, ob es sinnvoll ist zu sagen, dass Strukturen ontologisch primär sind oder wenigstens auf der gleichen Stufe stehen wie Objekte. Behauptet der Vertreter des ontischen Strukturenrealismus nur, dass es Strukturen gibt und diese wichtig sind, so wird damit keine neue Ontologie etabliert."

(Friebe, Cord, Meinard Kuhlmann, Holger Lyre, et al. Philosophie der Quantenphysik. 2. Aufl. Berlin: Springer Spektrum, 2018. S. 270)

"Eine tropenontologische Interpretation
Die Grundidee des ontischen Strukturenrealismus besteht darin, den Problemen der traditionellen Interpretationen dadurch zu begegnen, dass Dinge (oder „Substanzen“) wie etwa Elektronen nicht als fundamentale Elemente der Ontologie angenommen werden, sondern etwas anderes als primär eingestuft wird. Diese Charakterisierung trifft auch auf die sogenannte „tropenontologische“ Interpretation der QFT zu. Während der ontische Strukturenrealismus Relationen als basal ansetzt, sind bei der Tropenontologie Eigenschaften die Grundelemente der Ontologie.

Die Tropenontologie ist unabhängig von Erwägungen zur modernen Physik entwickelt worden und wird seit einigen Jahren viel diskutiert. Als „Tropen“ bezeichnet man in der Ontologie die einzelnen Vorkommnisse von Eigenschaften. Unter Rückgriff auf Aristoteles kann man folgende Analogie ziehen: Ein individuelles Vorkommnis von Weiß steht im selben Verhältnis zur universellen Eigenschaft des Weißseins, wie ein einzelner Mensch zur natürlichen Art der Menschen. Die Tropenontologie (in ihrer Standardform) behauptet nun, dass Tropen die fundamentale Kategorie des Seienden bilden, auf die alles andere reduzierbar ist. Die Tropenontologie ist also eine einkategoriale Theorie. So werden Dinge (oder „Substanzen“) wie etwa der Radiergummi, der gerade vor mir auf dem Schreibtisch liegt, als Bündel von Tropen aufgefasst, d. h. als Bündel von dieser Weißtrope, d.h. diesem individuellen Vorkommnis von Weiß, dieser gummiartigen Konsistenz, dieser abgestumpften Quadergestalt usw.

Die Tropen bzw. Eigenschaften eines Bündel dürfen offensichtlich nicht als raum-zeitliche Teile aufgefasst werden, aber insofern doch als Teile, weil Dinge aus ihnen bestehen. Entscheidend ist nun, dass Tropen bzw. Eigenschaften nicht über die Dinge individuiert werden, deren Eigenschaften sie sind, sondern ihre Partikularität (oder „Einzeldinglichkeit“) als primitiv gegeben angesehen wird. Ihre Partikularität ist die Grundlage für die Individualität des Gegenstands, den sie jeweils konstituieren. Daher können die Eigenschaften, auf die Gegenstände in der Tropenontologie reduziert werden, auch keine Universalien sein. Ansonsten könnten auch substantielle Einzeldinge vielfach auftreten, was ein Widerspruch in sich wäre.

Die bislang genannten Beispiele für Tropen sind allerdings nur als Veranschaulichung der Grundidee zulässig. Genau genommen sind die Dinge um uns herum ihrerseits Bündel von Bündeln, da sich ansonsten verschiedene Probleme ergäben. Wirkliche Tropen finden sich erst auf der fundamentalen Ebene, und genau darum ist es auch für die philosophische Tropenontologie so wichtig, was die moderne Physik über die Basiselemente unser materiellen Welt aussagt."

(Friebe, Cord, Meinard Kuhlmann, Holger Lyre, et al. Philosophie der Quantenphysik. 2. Aufl. Berlin: Springer Spektrum, 2018. S. 270-1)
Fußnote:
Tropen sind Partikularien und keine Universalien; aber ob sie am besten als Eigenschaften einzustufen sind, ist umstritten:
Tropes > The Nature of Tropes > Property or Object?
Tropen > Die Natur von Tropen > Eigenschaft oder Objekt?
C3PO hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 07:46
*Energie-Zeit-Äquivalenz: Materie und Energie sind ineinander überführbar. Dürr definiert die Wirklichkeit über das „Wirk“, wobei die physikalische Wirkung der Formel Wirkung = Energie × Zeit folgt. Aus prozessphilosophischer Sicht spricht dies gegen das Bild einer vollständig passiven, trägen Materie.
Das m in E = mc^2 steht nicht für Materie, sondern für Masse, sodass die Gleichsetzung Materie = Energie falsch ist!
C3PO hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 07:46
5. Die Wirbel-Analogie: Substrat oder Struktur?

Consuls Analogie des Wirbels im Wasser – „Ohne Wasser kein Wirbel“ – scheint intuitiv bestechend, erweist sich jedoch bei genauerer Analyse als mehrdeutig. In einer Holoarchy (nach Stein/Wilber) ist das „Wasser“ selbst kein statisches Substrat, sondern ein geschachteltes System von Prozessen (Moleküle, Atome, Quantenfelder). Der Wirbel ist ein Prozess innerhalb eines Prozesses, ein „Holon“ in einem dynamischen Gefüge.
Ich habe mit keinem Wort behauptet, dass Substanzen oder substanzielle Substrate statisch, inaktiv, passiv, "träge" sind, sondern lediglich, dass der Begriff eines Prozesses ohne irgendein (fundamentales) substanzielles Substrat, ohne irgendeinen dinglichen oder stofflichen Kern, woran oder worin sich der Prozess vollzieht, ontologisch unstimmig und unsinnig ist.
C3PO hat geschrieben :
Di 2. Jun 2026, 07:46
6. Synthese: Warum Prozessdenken die Antwort ist

Die Prozessphilosophie beansprucht, eine kohärente Erklärung für Evolution, Geist und Leben bereitzustellen, ohne auf dualistische Hilfskonstrukte zurückgreifen zu müssen. Während die Substanzontologie vielfach von beständigen Trägern ausgeht, interpretiert das Prozessdenken die Welt von vornherein als ein Geflecht aus energetischer Vitalität und relationaler Erfahrung.

Die Replik an Consul lautet daher: Die Stabilität der Welt muss nicht als Eigenschaft unveränderlicher Dinge verstanden werden, sondern kann als Resultat unaufhörlicher, koordinierter Prozesse aufgefasst werden. Die Wirklichkeit erscheint dann weniger als ein Bestand von Seiendem denn als ein fortlaufendes Geschehen.
Ein Geschehen ohne irgendein zugrunde liegendes Seiendes, woran oder worin es sich vollzieht, ist mir vollkommen unbegreiflich.

Ich kann meinen Standpunkt abschließend nur wiederholen:
Sowohl der eliminative/reduktive Relationismus/Strukturalismus als auch der eliminative/reduktive Prozessismus/Eventismus begehen einen ontologischen Kategorienfehler, indem sie Beziehungen bzw. Vorgänge/Ereignisse (als Vorkommnisse dynamischer Eigenschaften) hypostasieren und damit fälschlicherweise zu selbstständigen, trägerunabhängigen Wesen erklären.



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Rudolf Pirnbacher hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 08:23
Bewegt man sich in Richtung Teilchenphysik, so geht die Anschaulichkeit verloren. Jedenfalls scheinen Wellennatur und Teilchennatur von Bedeutung zu sein, so zeigt sich z.B. beim Licht beim Doppelspaltexperiment sowohl die Wellennatur als auch die Teilchennatur. Was auf unterster Ebene passiert haben wir wahrscheinlich noch nicht ganz erfasst, und ich bin mir auch nicht sicher ob es jemals erfassbar sein wird. Aber es stellt sich die Frage, ob es überhaupt für uns von Bedeutung ist, die unterste Ebene vollständig zu erfassen. Die Welt an sich W(r) ist meines Erachtens nicht erfassbar. Es sind nur modellhafte Annäherungen mittels W(p) und W(z) möglich, mit denen wir uns allerdings in der Welt recht gut zurechtfinden.
Für ontologische Materialisten/Physikalisten wie mich ist die Basisontologie der Physik buchstäblich von grundlegender Bedeutung. Leider herrscht diesbezüglich nach wie vor kein Konsens unter den Wissenschaftlern und den Philosophen.



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 14:13
Es gibt auch in der Prozess-Ontologie Objekte. Darauf wurde doch wiederholt hingewiesen.
Ja, aber nur in der reduktiven, nichteliminativen Version.



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Jörn P Budesheim hat geschrieben :
Mi 3. Jun 2026, 16:16
Auch in einer Substanz-Ontologie bestehen die Dinge nicht aus Substanz, sie sind eine.
Denn Substanz bedeutet hier nicht, was es bei uns im Alltag in der Regel heute bedeutet, etwa „Stoff“, „Füllmaterial“ oder „Materie“. Vielmehr bezeichnet der Begriff – grob gesagt – das selbstständig Seiende, also das, was z.b. nicht bloß die Eigenschaft von etwas anderem ist. In der klassischen Tradition sind damit vor allem konkrete Einzeldinge gemeint, auch wenn „Substanz“ nicht einfach mit „Ding“ synonym ist.
Substanzen in diesem Sinne gibt es meines Erachtens ohnehin nicht. Ich meine, dazu hatten wir auch schon mal einen Faden.
Siehe: Ontologie der Substanzen



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