Hier sehe ich eine gewisse Spannung. Denn worin unterscheiden sich denn die Idee, dass die Welt vollständig natürlich ist und der Materialismus? Ein Gedicht ist doch nicht etwas vollständig natürliches, oder?Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑Sa 30. Mai 2026, 09:21Ich bin kein Anhänger des Materialismus, weil ich für eine Sichtweise stehe, nach der die Welt zwar vollständig natürlich ist, aber zugleich mehrstufig strukturiert, sodass unterschiedliche Ebenen von Beschreibung und Erklärung erforderlich werden.
Prozess-Ontologie
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Der reduktive Materialismus hat als ontologische Position kein Problem mit unterschiedlichen Ebenen der sprachlichen Repräsentation des Seins/der Wirklichkeit, sondern nur mit unterschiedlichen Ebenen oder Schichten des Seins/der Wirklichkeit im Sinn des ontologischen Emergentismus.Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑Sa 30. Mai 2026, 09:21Ich bin kein Anhänger des Materialismus, weil ich für eine Sichtweise stehe, nach der die Welt zwar vollständig natürlich ist, aber zugleich mehrstufig strukturiert, sodass unterschiedliche Ebenen von Beschreibung und Erklärung erforderlich werden.
Es gibt drei Versionen des ontologischen Materialismus (Physikalismus):
1. eliminativer Materialismus
2. reduktiver/äquativer Materialismus
3. nichtreduktiver/emergentiver Materialismus (= kausativer Materialismus, falls Emergenz = "Aufwärtsverursachung")
3 erkennt im Gegensatz zu 1 & 2 ontisch emergente transphysikalische Attribute (Eigenschaften, Beziehungen) komplexer materieller Objekte an.
Ein Selbstzitat:
Consul hat geschrieben : ↑Sa 4. Mai 2024, 23:36* Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der ontologisch reduktive Materialismus wesensmäßig behauptet, dass sich alle ethischen oder psychologischen/soziologischen Diskurse oder Theorien bzw. alle darin vorkommenden Beschreibungen und Erklärungen in eine der Wissenschaftssprachen der Naturwissenschaften, insbesondere in diejenige der Physik als der fundamentalen Naturwissenschaft, übersetzen lassen.
(Fußnote: Bäume und Sträucher sind Holzgewächse, was Blumen und Kräuter wie der Löwenzahn nicht sind.)"Physicalism may be characterized as a reductionist thesis. However, it is reductionist in an ontological sense, not as a thesis that all statements can be translated into statements about physical particles, and so on."
———
"Der Physikalismus kann als eine reduktionistische These beschrieben werden. Er ist jedoch in einem ontologischen Sinn reduktionistisch, nicht als eine These, dass alle Aussagen in Aussagen über physikalische Teilchen usw. übersetzt werden können."
[© meine Übers.]
(Smart, J. J. C. Our Place in the Universe: A Metaphysical Discussion. Oxford: Blackwell, 1989. p. 81)
"In taking the identity theory (in its various forms) as a species of physicalism, I should say that this is an ontological, not a translational physicalism. It would be absurd to try to translate sentences containing the word ‘brain’ or the word ‘sensation’ into sentences about electrons, protons and so on. Nor can we so translate sentences containing the word ‘tree’. After all ‘tree’ is largely learned ostensively, and is not even part of botanical classification. If we were small enough a dandelion might count as a tree. Nevertheless a physicalist could say that trees are complicated physical mechanisms."
———
"Wenn ich die Identitätstheorie (in ihren verschiedenen Formen) als eine Art von Physikalismus darstelle, sollte ich sagen, dass dies ein ontologischer, kein translatorischer Physikalismus ist. Es wäre absurd zu versuchen, Sätze, die das Wort 'Gehirn' oder das Wort 'Empfindung' enthalten, in Sätze über Elektronen, Protonen usw. zu übersetzen. Wir können so auch nicht das Wort 'Baum' enthaltende Sätze übersetzen. Außerdem wird 'Baum' überwiegend auf ostensive Weise erlernt, und ist nicht einmal Teil der botanischen Klassifikation. Wenn wir klein genug wären, könnte ein Löwenzahn als Baum zählen. Nichtsdestoweniger könnte ein Physikalist sagen, dass Bäume komplizierte physische Mechanismen sind."
[© meine Übers.]
—J. J. C. Smart: https://plato.stanford.edu/entries/mind-identity/
Es gibt unterschiedliche Arten von Reduktionismus, sodass leicht Missverständnisse entstehen. Wenn von Reduktion die Rede ist, dann stellt sich die Frage, was genau worauf reduziert wird (bzw. werden soll). So besteht ein Unterschied zwischen einem repräsentationalen/semiotischen Reduktionismus und einem existenziellen/ontologischen Reduktionismus.
1. repräsentationaler/semiotischer Reduktionismus:
Hier geht es um die Übersetzung bzw. die semantische (definitorische) Gleichsetzung von Zeichen der Sprache einer "höherstufigen" Wissenschaft (z.B. Psychologie) in/mit andere(n) Zeichen der Sprache einer "niederstufigen" Wissenschaft (z.B. Physik).
Unter Zeichen sind Wörter (Begriffe), Sätze (Aussagen), Texte (Theorien) oder nichtsprachliche Symbole (Formeln) zu verstehen.
2. existenzieller/ontologischer Reduktionismus:
Hier geht es um die ontologische Gleichsetzung "höherstufiger" außersymbolischer Entitäten (die zur Ontologie einer "höherstufigen" Wissenschaft gehören, z.B. zur Ontologie der Psychologie) mit (Komplexen/Systemen von) "niederstufigen" außersymbolischen Entitäten (die zur Ontologie einer "niederstufigen" Wissenschaft gehören, z.B. zur Ontologie der Physik).
Zu den außersymbolischen Entitäten zählen Dinge (Objekte/Substanzen), Eigenschaften, Beziehungen, Sachverhalte, Tatsachen, Zustände, Ereignisse und Vorgänge.
Wichtig ist nun der Punkt, dass man als reduktiver Materialist/Physikalist ohne Selbstwiderspruch 2 annehmen und 1 ablehnen kann. Das heißt, der Glaube an die ontologische Selbigkeit (Identität) aller nichtphysikalischen Entitäten mit (Komplexen von) physikalischen Entitäten erfordert nicht unbedingt den Glauben an die semiotische (linguistische) Übersetzbarkeit aller nichtphysikalischen Wissenschaftssprachen in die Sprache der Physik.
Die frühen reduktiven Physikalisten des 20. Jh.s aus dem logisch-positivistischen Kreis der Wiener Schule wie Rudolf Carnap befürworteten den repräsentationalen Reduktionismus in Bezug auf Begriffe und Aussagen nichtphysikalischer Wissenschaftssprachen, hatten damit jedoch in der Praxis kaum Erfolg. Der Versuch, alle psychologischen oder soziologischen Begriffe (mikro-)physikalisch zu definieren, oder alle psychologischen oder soziologischen Aussagen in (mikro-)physikalische Aussagen (oder gar entsprechende mathematische Formeln) zu übersetzen, erscheint in der Tat aussichtslos.
Daraus haben spätere reduktive Physikalisten wie Jack Smart (& David Armstrong) ihre Lehre gezogen und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der von ihnen vertretene materialistische Reduktionismus "ein ontologischer, kein translatorischer Physikalismus ist". Sie sind also keineswegs Wissenschaftsreduktionisten, die alle nichtphysikalischen Wissenschaften und deren jeweilige Wissenschaftssprachen auf die Physik und deren Wissenschaftssprache reduzieren wollen.
"Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst." – Juliane Werding
Emergenz verstehen – Warum die Welt aus Prozessen besteht
Stell dir vor, die Welt wäre ein Haufen lebloser Steine. Wie entstünde daraus jemals etwas wirklich Neues – wie dein Bewusstsein aus einfachen Gehirnzellen? Das ist das Rätsel der Emergenz: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Die Lösung liegt nicht in den Bausteinen, sondern im Fließen der Prozesse.
Das „Lego-Modell“ (Substanz-Metaphysik) führt in eine Sackgasse. Besteht die Welt nur aus fixen Teilchen, ist echte Neuheit logisch unmöglich. Jaegwon Kim warnt: Wenn alle Kraft nach unten zu den kleinsten Teilchen sinkt (Pre-emption), bleibt das Ganze eine machtlose Kulisse. Mark Bickhard nennt drei Blockaden:
Wir sind keine Statuen, sondern fließende Muster. Dieses Weltbild zeigt: Wir sind keine isolierten Objekte, sondern lebendige „menschliche Prozesse“, die nur durch Interaktion existieren.
Stell dir vor, die Welt wäre ein Haufen lebloser Steine. Wie entstünde daraus jemals etwas wirklich Neues – wie dein Bewusstsein aus einfachen Gehirnzellen? Das ist das Rätsel der Emergenz: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Die Lösung liegt nicht in den Bausteinen, sondern im Fließen der Prozesse.
Das „Lego-Modell“ (Substanz-Metaphysik) führt in eine Sackgasse. Besteht die Welt nur aus fixen Teilchen, ist echte Neuheit logisch unmöglich. Jaegwon Kim warnt: Wenn alle Kraft nach unten zu den kleinsten Teilchen sinkt (Pre-emption), bleibt das Ganze eine machtlose Kulisse. Mark Bickhard nennt drei Blockaden:
- Standard Ruhe: Trägheit ist der Normalzustand; Leben und Wandel werden zum Rätsel.
- Geist-Kluft: Gedanken finden keinen Platz zwischen harten Atomen.
- Emergenz-Verbot: Aus Totem folgt niemals lebendiges Neues.
- Lebenszyklus: Du bist kein Objekt, sondern die Reise von der Zygote zum Erwachsenen.
- Stabilität durch Arbeit: Nicht Wandel, sondern Beständigkeit muss erklärt werden – sie ist das Resultat unpausenloser Interaktion.
Wir sind keine Statuen, sondern fließende Muster. Dieses Weltbild zeigt: Wir sind keine isolierten Objekte, sondern lebendige „menschliche Prozesse“, die nur durch Interaktion existieren.
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Die Welt besteht nicht nur aus Prozessen, sondern aus allen ihren (der Welt) Elementen. Prozesse ohne Materie, auf denen sie aufbauen, machen oft alleine keinen Sinn.
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
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Lieber Burkart, du sprichst damit genau das klassische Verständnis an, das unser Denken seit Jahrhunderten prägt: die Substanzontologie. Aus Sicht der Prozessphilosophie ist deine Beobachtung jedoch kein Widerspruch zum Prozess-Modell, sondern führt zu einer radikalen Neubewertung dessen, was wir „Materie“ nennen.
Hier sind die entscheidenden Punkte, wie man auf diesen Einwand antworten kann:
Hier sind die entscheidenden Punkte, wie man auf diesen Einwand antworten kann:
- Materie als „langsamer Prozess“: Die Prozessphilosophie leugnet nicht die Existenz von Materie oder stabilen Elementen. Sie behauptet jedoch, dass das, was wir als statische „Dinge“ wahrnehmen, in Wahrheit zeitweilige Stabilisierungen innerhalb eines tieferliegenden prozessualen Flusses sind. In diesem Sinne sind Strukturen lediglich relativ langsame Prozesse, während Funktionen schnelle Prozesse darstellen. Ein Gebirge wirkt wie ein Ding, ist aber auf geologischen Zeitskalen ein dynamischer Prozess des Auffaltens und Erodierens.
- Der Prozess erschafft seine eigenen Bauteile: Besonders in der Biologie zeigt sich, dass Materie nicht die starre Basis ist, auf der Prozesse nur „laufen“. Ein Organismus ist eine autopoietische Organisation, ein Netzwerk von Prozessen, das ständig die materiellen Komponenten (Zellen, Moleküle) produziert, aus denen er besteht. Hier ist die Materie ein Ergebnis der Aktivität: Ohne den Prozess des Stoffwechsels (Metabolismus) würde die materielle Grundlage sofort zerfallen. Das „Sein“ folgt also dem Handeln (esse sequitur operari).
- Physik: Felder statt Bauklötze: Selbst auf der fundamentalsten Ebene der Physik weicht das Bild der festen „Bauklötze“ (Atome) einem prozessualen Modell. Nach der Quantenfeldtheorie sind die Grundbausteine der Welt keine Teilchen, sondern dynamische Quantenfelder. Das, was uns wie ein materielles Teilchen vorkommt, ist lediglich eine lokale Anregung oder Quantisierung dieser wellenartigen Feldprozesse.
- Die Wirbel-Analogie: Ein hilfreiches Bild ist der Wirbel in einem Fluss. Ein Wirbel ist ein erkennbares, stabiles „Element“ der Welt. Er besteht jedoch zu 100 % aus fließendem Wasser. Der Wirbel braucht kein zusätzliches Material, auf dem er aufbaut; er ist die spezifische Form des Fließens. Ohne den Fluss (den Prozess) gäbe es den Wirbel (das Ding) nicht.
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Mich stellt sich die Frage, warum man Materie nicht als solche bezeichnen möchte; ein Stein ist ein Stein (und z.B. für uns so erfassbar) und nicht irgendein Prozess.
Der Mensch als Philosophierender ist Ausgangspunkt aller Philosophie.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Die Philosophie eines Menschen kann durch Andere fahrlässig missverstanden oder gezielt diskreditiert oder gar ganz ignoriert werden, u.a. um eine eigene Meinung durchsetzen zu wollen.
Ich denke, das schließt sich keineswegs aus. Materie ist das, was über die Zeit so stabil ist, dass es als Materie wahrnehmbar ist. Materie ist damit Teil eines Prozesses.
Die Präzisierung ist vor allem sprachlicher Natur. Nehmen wir das Beispiel von Burkart mit der Materie: Materie selber bezeichnet aus meiner Sicht keinen Prozess. Materie entsteht aber aus Prozessen und bleibt auch Teil von Prozessen.
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Rudolf Pirnbacher
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Die Erfahrung zeigt, dass sich Neurowissenschaft und Philosophie gegenseitig sehr bereichern kann. Ein gutes Beispiel dazu ist ein ein längerer Schriftwechsel von Julian Nida-Rümelin und Wolf Singer zum Thema „Erregungsmuster und gute Gründe. Über Bewusstsein und freien Willen.“ Es ist erfrischend zu nachzulesen, wie sich verschiedene Standpunkte annähern können.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 07:29Meines Erachtens ist es ausgeschlossen, dass Naturwissenschaften die Freiheit als Freiheit erforschen können*. Denn Dinge wie Gründe, Verantwortlichkeit, Moral, Rationalität etc. gehören gar nicht zu deren Gegenstandsbereich und lassen sich mit rein naturwissenschaftlichen Methoden überhaupt nicht untersuchen. Und Freiheit leugnen kann die Naturwissenschaft nur unter Selbstwiderspruch, denn Naturwissenschaften sind bereits ein Ausdruck unserer Freiheit.
* Das bedeutet nicht, dass sie nicht versuchen können, herauszufinden, wie Freiheit realisiert wird, welche Korrelate es gibt.
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Aber warum gleich ein metaphysisches "alles"? Warum nicht eine Beschränkung auf die physikalische Welt z.B?
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Rudolf Pirnbacher
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Ein Gedicht ist selbstverständlich etwas natürliches! Aber die Schönheit eines Gedichtes kann nicht mit der Sprache des Materialismus gewonnen werden.Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 07:44Hier sehe ich eine gewisse Spannung. Denn worin unterscheiden sich denn die Idee, dass die Welt vollständig natürlich ist und der Materialismus? Ein Gedicht ist doch nicht etwas vollständig natürliches, oder?Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑Sa 30. Mai 2026, 09:21Ich bin kein Anhänger des Materialismus, weil ich für eine Sichtweise stehe, nach der die Welt zwar vollständig natürlich ist, aber zugleich mehrstufig strukturiert, sodass unterschiedliche Ebenen von Beschreibung und Erklärung erforderlich werden.
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Rudolf Pirnbacher
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Ein sehr interessanter Beitrag. Ich war immer schon der Meinung, dass man beim reduktiven Materialismus sehr genau unterscheiden muss, was wirklich damit gemeint ist.Consul hat geschrieben : ↑Sa 4. Mai 2024, 23:36* Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der ontologisch reduktive Materialismus wesensmäßig behauptet, dass sich alle ethischen oder psychologischen/soziologischen Diskurse oder Theorien bzw. alle darin vorkommenden Beschreibungen und Erklärungen in eine der Wissenschaftssprachen der Naturwissenschaften, insbesondere in diejenige der Physik als der fundamentalen Naturwissenschaft, übersetzen lassen.
Dass letztlich alle Konkreta, also alles was konkret in Raum und Zeit verortet ist, von den kleinsten Elementarteilchen abhängig ist, kann zum Beispiel recht gut an systemtheoretischen Modellen dargestellt werden. Da kann man gut von einem reduktiven Materialismus sprechen. Allerdings wie zum Beispiel etwas riecht, etwa der Duft einer Rose, oder wie etwa die Farbe rot erlebt wird, kann nicht reduktiv mit dem Vokabular der Physik allein vermittelt werden, es bedarf dazu dass man es selbst schon gerochen oder erlebt hat. Besonders bei allem Lebendige, oder was einen Bezug zu etwas Lebendigen hat, gilt: je komplexer und vernetzter die Strukturen und Zusammenhänge werden, desto weniger kann man durch kausale Ursachen etwas verständlich machen, man wird in immer höherem Ausmaß auch Zweck und Sinn heranziehen müssen.
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Gedichte wachsen nicht an Bäumen. Sie folgen nicht den Gesetzen der Natur. Sie werden nicht von der Physik erforscht. Sie haben kein Gewicht. Sie sind keine natürliche Art. Was auch immer Gedichte sind, sie sind ganz sicher keine Natur.Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 15:19Ein Gedicht ist selbstverständlich etwas natürliches! Aber die Schönheit eines Gedichtes kann nicht mit der Sprache des Materialismus gewonnen werden.
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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Ich vermute nun mal, wir reden nur aneinander vorbei, wahrscheinlich weil wir aus einer unterschiedlichen Perspektive Aussagen machen. Unser Diskurs hat sich glaube ich aus folgenden Post ergeben:Jörn P Budesheim hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 16:37Gedichte wachsen nicht an Bäumen. Sie folgen nicht den Gesetzen der Natur. Sie werden nicht von der Physik erforscht. Sie haben kein Gewicht. Sie sind keine natürliche Art. Was auch immer Gedichte sind, sie sind ganz sicher keine Natur.Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 15:19Ein Gedicht ist selbstverständlich etwas natürliches! Aber die Schönheit eines Gedichtes kann nicht mit der Sprache des Materialismus gewonnen werden.
Ich:
Selbstverständlich wachsen Gedichte nicht aus Bäumen, aber meine Aussage war doch ursprünglich:Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑Do 28. Mai 2026, 13:32Ein wesentliches Plädoyer für unser Selbstverständnis! Jedes tief gehende Beschäftigen mit der Natur und insbesondere mit allem Lebendigen führt unweigerlich zu komplexen Systemen. Entsprechend sind es Philosophen, die sich umfangreich mit der Natur und allem Lebendigen auseinandersetzen. Waren es früher noch Allround Genies wie z.B. Aristoteles, Spinoza, Kant und Schelling, so waren es nach und nach Philosophen die interdisziplinär, meist mit einem bestimmten Fachbereich zusammengearbeitet haben z.B. Stochastik, Biologie, Soziologie. Dazu könnten Bayes, Laplace, Durkheim, Parsons, Luhmann genannt werden.
Alle real existierenden Phänomene haben eine physikalische Grundlage. Die Erklärbarkeit von Phänomenen kann allerdings nicht ausschließlich mit physikalischem Vokabular erfolgen. Bei komplexen Systemen und im Bereich des Lebendigen muss unterschieden werden, ob eine kausale Ursache, oder dessen Zweck von Interesse ist. Eine Unterscheidung in Ursachen einerseits und Zwecken und Gründen andererseits wird dadurch erforderlich. Im Bereich des Lebendigen werden Prozesse, Strukturen Zwecke, Gründe zumeist die besseren Erklärungen liefern, im Bereich des Bewussten sind es beinahe ausschließlich Gründe, die einen Erklärungswert liefern können. Ja, wenn wir uns richtig verstehen wollen, dann sind wir kein fertiges Objekt, wir sind ein Ereignis!
„Alle real existierenden Phänomene haben eine physikalische Grundlage. Die Erklärbarkeit von Phänomenen kann allerdings nicht ausschließlich mit physikalischem Vokabular erfolgen. Bei komplexen Systemen und im Bereich des Lebendigen muss unterschieden werden, ob eine kausale Ursache, oder dessen Zweck von Interesse ist.“
Auch der Dichter, der dieses Gedicht geschrieben hat, besteht letztlich aus Materie, in diesem Fall aus lebendiger Materie. Aber ich hab ja mit Nachdruck gesagt im Bereich des Lebendigen und insbesondere bei einem Dichter ist Zweck und Sinn des Gedichtes relevant. Dass der Dichter aus Materie besteht ist zwar ein Faktum, aber trägt nichts zum Verständnis des Gedichtes bei.
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Timberlake
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Um mich an dieser Stelle einzumischen. So möge man sich die Dichtung eines Dichters vorstellen, der von Geburt an blind und taub ist.
Um an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, dass diese Beziehungen zur Natur, zu anderen Menschen und zur Geschichte des Universums auch wahrgenommen sein müssen, um nicht isoliert zu existieren.C3PO hat geschrieben : ↑Do 28. Mai 2026, 11:54
6. Fazit: Warum das für dich wichtig ist (Der „So-Was?“-Faktor)
Diese Reise von den Bauklötzen zu den Wirbelstürmen verändert radikal, wie du dich selbst in der Welt siehst:
1. Du bist kein Ding: Du bist ein wunderbarer, hochkomplexer Prozess. Dass du heute „du“ bist, liegt nicht an unzerstörbaren Bausteinen, sondern an der täglichen Leistung deines Körpers und Geistes, diesen Prozess stabil zu halten. Stabilität ist kein Geschenk, sondern dein Verdienst.
2. Deine Möglichkeiten sind real: Die Zukunft ist nicht festgeschrieben. Weil du ein Prozess bist, sind die Wege, die vor dir liegen, ein echter Teil deiner Realität. Möglichkeiten sind Einladungen an deine Freiheit.
3. Du bist verwoben: Du existierst nicht isoliert. Du bist ein Knotenpunkt in einem riesigen Netzwerk aus Beziehungen zur Natur, zu anderen Menschen und zur Geschichte des Universums. Wenn du dich veränderst, verändert sich das ganze Netz.
Zuletzt geändert von Timberlake am So 31. Mai 2026, 18:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Rudolf Pirnbacher
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Verstehe ich nicht ganz. Bitte um nähere Erläuterung.Timberlake hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 18:23Um mich an dieser Stelle einzumischen. So möge man sich die Dichtung eines Dichters vorstellen, der von Geburt an blind und taub ist.
Wie würdest du dir das Gedicht eines Dichters vorstellen, der von Geburt auf blind und taub ist?
Zuletzt geändert von Rudolf Pirnbacher am So 31. Mai 2026, 18:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Timberlake
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Eine "erste Person Sichtweise" kann doch sicherlich nur dadurch zustande kommen, wenn diese Person das, was im Hier und Jetzt stattfindet, auch mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt.
Rudolf Pirnbacher
Seminar: Mentale Kausalität
MENTALE WELT: Ermöglicht handeln oder reagieren; ist nicht in Raum und Zeit
bestimmbar; findet im Hier und Jetzt statt; ist auf die Zukunft bezogen; Inhalte sind
Information, Plan, Zahl, Ganzheit, Gefühl, Zweck; sind Abstrakta; erste Person
Sichtweise; zusätzlich zum Beschreiben kann es ein subjektives Gefühl geben, wie sich
etwas anfühlt. Abstrakta sind Symbole, und können nicht interagieren.
Somit ich übrigens damit darauf hinaus wollte, dass man sich das eben nicht vorstellen kann. Sozusagen aus einer PRAGMATISCHE NULLEBENE heraus ..Timberlake hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 18:23Um mich an dieser Stelle einzumischen. So möge man sich die Dichtung eines Dichters vorstellen, der von Geburt an blind und taub ist.
Insofern ich einmal davon ausgehe, dass bei dir tatsächlich der Erklärungswert verloren gegangen ist. War doch eine Reduktion auf einer Stufe, wonach man sich das auch tatsächlich vorstellt, von mir gar nicht vorgesehen.Rudolf Pirnbacher
Seminar: Mentale Kausalität
PRAGMATISCHE NULLEBENE: Man wählt eine Ebene aus, auf welcher die
Wechselwirkungen stattfinden. Um nicht zu viele Details einzubeziehen, soll die
universale Systemebene so hoch möglich, und um die reduktive Erklärung bestmöglich
zu veranschaulichen, so tief wie notwendig gewählt werden. Bei einer Reduktion über
mehrere Stufen hinab geht der Erklärungswert verloren.
Zuletzt geändert von Timberlake am So 31. Mai 2026, 19:20, insgesamt 4-mal geändert.
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Die Aussage auf die ich mich aber bezogen habe, war diese:Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 17:01Selbstverständlich wachsen Gedichte nicht aus Bäumen, aber meine Aussage war doch ursprünglich: ...
Rudolf Pirnbacher hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 15:19Ein Gedicht ist selbstverständlich etwas natürliches!
Das Thema interessiert dich? Was meinst du dazu? Wir freuen uns auf deine Meinung – melde dich an und diskutiere mit uns.“
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Alles was wir mit den Sinnesorganen wahrnehmen erleben wir bewusst im Hier und Jetzt. Bewusstes Erleben ist ein ständiges Fliesen in Hier und Jetzt, auch Vergangenes kann nur durch Erinnerung in einem bewussten Hier und Jetzt erlebt werden, und Zukünftiges kann auch nur im Hier und Jetzt vorgestellt werden. Unbestritten ist, dass uns die Sinnesorgane besonders bedeutende Eindrücke vermitteln, die aber immer nur im Hier und Jetzt erlebt werden können.Timberlake hat geschrieben : ↑So 31. Mai 2026, 18:56Eine "erste Person Sichtweise" kann doch sicherlich nur dadurch zustande kommen, wenn diese Person das, was im Hier und Jetzt stattfindet, auch mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt.