Meditation und ihr philosophischer Gehalt

Aspekte metaphysischer Systementwürfe und der Ontologie als einer Grunddisziplin der theoretischen Philosophie können hier diskutiert werden.
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Jörn Budesheim
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Do 13. Feb 2020, 15:17

Ich meditiere immer noch. :-) Jeden Morgen - meistens so gegen halb sieben. Mittlerweile ist mir alles "wie", "warum", "weshalb" egal geworden, wenn ich ehrlich bin. Ich bin nicht mal sicher, ob man das Meditieren nennen kann: Ich setze mich einfach auf mein Bänkchen und schließe die Augen und dann passiert, was eben passiert. Das mache ich gern. Ob ich dadurch insgesamt entspannter geworden bin, weiß ich nicht. Wäre es so, wäre es okay. Wenn nicht, dann eben nicht.

Diese Phase geht schon seit einer gewissen Zeit - mag sein, dass irgendwann was anders kommt. Oder vielleicht ändere ich auch absichtsvoll etwas ... im Moment ist es gut so wie es ist.



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Alethos
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Do 13. Feb 2020, 23:16

"gut so, wie es ist"

Ich denke, du hast die höchste Stufe der Illumination erreicht, Jörn Buddhasheim.



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Freundlichkeit bildet den Zugang zum Anderen, und er besitzt den Schlüssel zum Verstehen.

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Jörn Budesheim
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Fr 14. Feb 2020, 10:26

:-)

Stimmt, könnte so klingen. Glaub ich aber nicht dran. Ich bin wohl eher sehr pragmatisch eingestellt.



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Jörn Budesheim
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Sa 15. Feb 2020, 08:33

herbert clemens hat geschrieben :
Do 13. Feb 2020, 09:21
https://youtu.be/O8j251NPb4U
fand ich ganz interessant
Ich überlege gerade, wo ich jetzt stehe. Ich habe vor längerer Zeit mal einen Interview mit ABT MUHÔ gelesen. Da hat er mit einer sehr schönen Metapher gearbeitet. Die Gedanken, die durch unseren Geist ziehen, sind in dieser Metapher Schäfchen auf einer Wiese. Zu Beginn seiner meditativen Praxis hat er diese Schäfchen gleichsam von oben betrachtet, wie ein kleiner Adolf Hitler, wie er sich selbst ausgedruckt hat. Er hat dann versucht, von oben (vom Himmel) herab Ordnung in die Sache zu bringen. Unnötig zu sagen, dass dies zu nichts geführt hat. Dann hat er erläutert, dass er die Schäfchen in seiner jahrzehntelangen meditativen Praxis im Grunde nie losgeworden ist. Nur hat er jetzt ein anderes Verhältnis zu ihnen gewonnen. Er blickt jetzt nicht mehr von oben herab, mit dem Ziel alles in den Griff zu bekommen, sondern er empfindet sich selbst gleichsam als die Wiese, auf der die Schafe grasen. Ich meine, er hat davon gesprochen, dass er die Bühne ist, auf der sich das alles abspielt.

Dieses Bild gefällt mir ganz gut. Allerdings kann ich mich nur schwer selbst darauf einordnen. Ziemlich sicher bin ich nicht mehr im Hitler Stadium :) aber auch die Wiese bin ich noch nicht ...



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Jörn Budesheim
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Sa 15. Feb 2020, 09:53

Ich habe die Textstelle mal rausgesucht, damit man die originale Begrifflichkeit hat:

"... Aber in dieser Meditationspraxis, wo man vom Himmel aus auf die Schafe hinabschaut, gibt es immer noch die Trennung von Ich und Bewusstsein. Man erhebt sich und schaut herab auf sein gewöhnliches Alltags-Ich. Deshalb besteht der zweite Schritt der meditativen Praxis im Zazen darin, auf die Wiese zurückzukommen, ohne mit den Schafen eins zu werden. Ich spiele nicht mit den Schafen, lasse die Schafe nicht mit mir spielen und widerstehe der Versuchung, mich zum Schäfer zu machen. Ich bin die Wiese und erlaube den Schafen, auf mir herumzutrampeln und zu grasen. Wenn ich das zulasse, werden die Schafe irgendwann satt und legen sich dann zufrieden auf die Wiese und richten kein Chaos mehr an. Der Punkt dabei ist folgender: Die Schafe werden dann auch wieder von Zeit zu Zeit quirlig, aber man selbst hat es geschafft, sich von den Schafen – egal, was sie machen – nicht mehr nervös machen zu lassen. Ich muss weder den Schäfer spielen, noch muss ich mich in die Position des Himmels flüchten. Ich bin dann der Platz, auf dem sich Bewusstsein abspielt. ..."



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herbert clemens
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Mo 17. Feb 2020, 14:02

F. hat meine Anwesenheit im Forum als bereichernd wertgeschätzt.
Ich freue mich darüber, und möchte antworten.
Wertschätzung ist erfahrene mitmenschliche Liebe,
Wir alle freuen uns darüber.
Meditation ist der Versuch im Hier und Jetzt die Freiheit zu entwickeln, nicht sorgenvoll auf Rückmeldungen der Liebe zu warten, sondern Gewissheit zu erlangen, dass mensch in seinem Sosein keine weitere Bestätigung braucht.
Es gibt mich als Person und ich bin Mittelpunkt „meiner“ Welt.
Wie andere die Welt erfahren, sie fühlen, über sie nachdenken, ist mir nicht unmittelbar gegeben.
Offensichtlich gibt es je „mich“ und „Welt“ auch als Quelle von Leid und Freud.
Ich mache in mir den Gednken lebendig, dass die Welt Kosmos (ein liebevoller schöner Zusammenhang) ist und die Schönheit durch Spannung (Chaos) gesteigert wird.
Regelmäßige Meditation und/oder Kontemplation können mich stärken, die Spannungen des Lebens erst einmal wahr zu nehmen und ihnen nicht ausgeliefert zu sein.
Krankheit und soziales Leid tauchen immer wieder auf.
Sie können mich bedrücken und ich kann mich ärgern.
Ich bin nicht verpflichtet, in diesem Ärger zu verharren,
sondern kann mich ein Stück weit gegenüber stellen
und auch gegenteilige Erfahrungen mir bewusst machen.




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Friederike
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Mo 17. Feb 2020, 15:04

herbert clemens hat geschrieben :
Mo 17. Feb 2020, 14:02
Meditation ist der Versuch im Hier und Jetzt die Freiheit zu entwickeln, nicht sorgenvoll auf Rückmeldungen der Liebe zu warten, sondern Gewissheit zu erlangen, dass mensch in seinem Sosein keine weitere Bestätigung braucht.
Das ist aber schon der Königsweg ... ich sag's nur, weil es kürzlich jemand zu mir gesagt hat. Also plappere ich eigentlich nur nach. Als Ziel finde ich es nach wie vor erstrebenswert - ich selber neige nur dazu, wenn das Ziel mir in weiter Ferne zu liegen scheint, nicht schnell oder fast gar nicht erreichbar, dann werfe ich "alles" hin. Ich meine damit, ich werfe die kleinen Minischrittchen hin, die vielleicht zum Ziel führen. Entweder "Königsetappe", oder das Fahrrad bleibt gleich im Keller. Ist ein bißchen wuselig @Herbert, aber Du verstehst, ich weiß es. :lol:

Achja, vermißt habe ich "Deine" Freiheit, die Bedeutung, die dieses Wort für Dich hat ... das Wort eigentlich nicht, wie sagt man denn dann? Was das mit dem Wort Gemeinte für eine Bedeutung für Dich hat.




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Jörn Budesheim
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Di 18. Feb 2020, 07:08

Ich nehme dann den Weg der Bettler :)



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Friederike
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Di 18. Feb 2020, 16:09

herbert clemens hat geschrieben :
Mo 17. Feb 2020, 14:02
Ich mache in mir den Gedanken lebendig, dass die Welt Kosmos (ein liebevoller schöner Zusammenhang) ist und die Schönheit durch Spannung (Chaos) gesteigert wird. Regelmäßige Meditation und/oder Kontemplation können mich stärken, die Spannungen des Lebens erst einmal wahr zu nehmen und ihnen nicht ausgeliefert zu sein.
Hm, ich überlege, warum und inwiefern das Chaos, die Spannung (könnte ich auch "Unordnung", "Disharmonie" einsetzen?) die gute, die bejahende und bejahte, die schöne Ordnung steigert? Ich verstehe irgendwie nicht, wie Du das meinst @Herbert. Hast Du ein Bild dafür?




herbert clemens
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Mi 19. Feb 2020, 08:15

(Bevor ich deine neue Frage gelesen habe, habe ich für mich versucht, deine Frage nach der Freiheit zu behandeln. Das kopiere ich jetzt hierhin. Vielleicht ergibt sich später aus diesem Kontext auch eine Antwort. Jetzt drängen verschiedene andere Aufgaben nach vorne.)
Real bin ich auch eher auf dem Weg des Bettlers.
Gestern Nacht habe ich lange wach gelegen, weil ich beim Boule-Spielen erfuhr, dass ich jemand aus Unachtsamkeit persönlich verletzt habe.
(Boulespielen ist eine Lieblingstätigkeit von mir, bei der ich versuche, auch die Erkenntnisse von „Zen und die Kunst des Bogenschießens“ zu berücksichtigen.)
So weit war ich gestern mit meiner Antwort gekommen, dannn verhedderte ich mich in Gedanken, was „Freiheit“ für mich bedeutet.
Freiheit und Mensch-sein gehören für mich zusammen.
Es gibt einen persönlichen Wesenskern, ein göttliches Selbst, der mir in jeder Situation prinzipiell zur Verfügung steht, das ich aber in der Regel ignoriere.
Statt achtsam das Klo zu putzen,
oder meine Rückenübungen zu machen,
dachte ich so dies und das.
Freiheit ist, sich mit Herz und Hand bewusst auf die jeweilige Situation einzulassen.
In meditativen Situationen zu üben,
den Grundrhythmus beseelten Lebens, den Atem, wahr zu nehmen,
die Freude zu spüren, lebendig zu sein,
die glitzernde Regentropfen auf dem Fensterglas.
Weil mir das Meditieren a la Zen zu schwer fällt, habe ich etwa vor eine halben Jahr den VHS-Kurs „Meditation und Kontemplation“ verlassen und „turne“ jetzt im zweiten Yoga-Kurs herum und vermisse die Tiefe der komtenplativen Betrachtungen der Seminarleiterin …
Für mich ist Basis der Freiheit, dass ich mich im „Prinzip“(?) in der göttlichen Liebe geborgen weiß.
Ob die Göttlichkeit katholisch, evangelisch, muslimisch, jüdisch, oder buddhistisch-atheistisch wahrgenommen wird, ist mir sekundär.




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Jörn Budesheim
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Mi 19. Feb 2020, 09:59

Hier noch ein Link von Herbert, den er mir bei Facebook zugesandt hat > https://perspective-daily.de/article/11 ... mMAgF5HjVo



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Friederike
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Mi 19. Feb 2020, 17:24

herbert clemens hat geschrieben :
Mi 19. Feb 2020, 08:15
Für mich ist Basis der Freiheit, dass ich mich im „Prinzip“(?) in der göttlichen Liebe geborgen weiß.
Warum, wieso, weshalb? (Bild) Meinst Du, weil das Wissen um dieser Art Liebe so etwas wie eine Bindung ist, die ein Freiheitsbewußtsein zuläßt, weil man (oder Du) andernfalls wie in einen Abgrund hinabstürzte ... also sich vorkäme oder befürchten würde, ins Leere zu fallen?




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Friederike
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Mi 19. Feb 2020, 17:30

herbert clemens hat geschrieben :
Mi 19. Feb 2020, 08:15
[...] dachte ich so dies und das.
Ja, wenn ich so dies und das denke, klappt es mit dem Yoga-Baum überhaupt nicht. Seltsam, oder nicht? :lol: Der Körper nimmt doch die Haltung ein -




herbert clemens
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Fr 21. Feb 2020, 08:51

Zuerst zu Chaos: ein bildhafter Nebengedanke zum Wetter:
Basis ist die die Freude an der lichtgebenden wärmenden Sonne vor strahlendem Blau...
„Schöner das Chaos“ (?) die Brechungen des Lichtes in den verschiedensten Wolkenformationen,
der erfrischende Regen, …
Die göttliche Liebe ist meine Sonne. Ich weiß, dass sie als (Hinter-)Grund immer da ist.
Das Leben stellt mir wie das Wetter immer wieder spannende Lebensaufgaben zur Verfügung
und ich bin frei, immer wieder neu einen mir angemessenen Weg zu finden.
Mal mit Luther gesprochen: Gottes Gnade ist immer schon da.
Deine (@Friederike) Ausdrucksweise „ also sich vorkäme oder befürchten würde, ins Leere zu fallen“ ist mir fremd.

In unserem individualistischen Zeitalter scheint es mir keinen Königsweg zu geben.
Es ist gut, sich immer wieder meditativ (?) im Hier und Jetzt gewahr zu sein,
ob in der übenden Fokussierung auf den Atem und einer aufrechten Körperhaltung aus der Mitte heraus,
oder im bewussten Kauen oder Tisch abwischen …
Den Gedankenreichtum, der mich dann immer wieder überfällt, möchte ich auch nicht missen.
Ich bin nie die „Wiese“ (das „Sein“ (?)),
sondern ich sehe mich als Person mit einem göttlichen Kern,der sich (mehr oder weniger) frei von
(quälenden) Gedanken, Emotionen, körperlichen Antrieben für meine jeweilige Lebensfreude (schöpferische Freiheit) entscheiden kann und die Liebe in mir lebendig machen kann, meinen nahen und fernen Mitmenschen nahe zu sein.
Abends hilft mir zur Zeit die Kontemplation kurzer Abschnitte aus dem Buch des ZenLehrers Thich Nhat Hanh „Versöhnung mit dem inneren Kind -Von der heilenden Kraft der Achtsamkeit“.




herbert clemens
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Fr 21. Feb 2020, 11:11

https://perspective-daily.de/article/57 ... mo-1nt5vV4
bin gespannt, ob es geklappt hat
besonders interessant die Diskussionsbeiträge in der folge von: Und wie seht ihr die Verwendung von Meditation zur Selbstverbesserung, wie sie von vielen Menschen in der westlichen Kultur genutzt wird?




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Jörn Budesheim
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Fr 21. Feb 2020, 11:47

Ja, das hat geklappt, der Beitrag ist verlinkt!



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