Thomas Auinger: Gedanken im Kopf? Wittgenstein über die Art und den Ort des Denkens

Gemeinsame Lektüre und Besprechung philosophischer und anderer Literatur.
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Quk
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Fr 19. Apr 2024, 16:40

Da stimme ich Meller zu. Wittgenstein kann nicht gefragt haben wollen, ob wir Menschen Löwisch verstehen, denn das tun wir bekanntlich nicht. Also muss seine Frage sich auf Deutsch oder Latein oder eine sonstige nichtlöwische Sprache beziehen. Unsinnig finde ich, dass er die Sprache nicht spezifiziert. Vermutlich ging er davon aus, dass mit dem Nichtlöwischen nur unsere Sprache gemeint sein kann, weil wir ohnehin wissen, dass wir alle anderen Sprachen nicht verstehen. Eine Frage wie: "Verstehen wir Löwen, wenn sie Klingonisch sprechen?", ergibt ja auch keinen Sinn. Also die Frage erscheint mir hinten und vorne doppelt sinnlos.

Was würde ich denken, wenn ich ein Adler wäre? Ich würde denken wie ein Adler.




Meller

Fr 19. Apr 2024, 18:27

Hallo nochmal.

Ich habe mich einmal schlau gemacht über die Struktur unsere Sprache.
Sie umfasst :

1. Phonologie:

Die Phonologie befasst sich mit den Lauten einer Sprache, d.h. mit den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten, den Phonemen.
Dazu gehören z.B. Vokale und Konsonanten, aber auch Betonung, Intonation und Silbenbildung.
Die Regeln der Phonologie bestimmen, wie Laute miteinander kombiniert werden können und welche Lautabfolgen zulässig sind.

2. Morphologie:

Die Morphologie beschäftigt sich mit der Bildung von Wörtern aus Morphemen, den kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache.
Morpheme können z.B. Stämme, Präfixe und Suffixe sein.
Die Morphologie beschreibt, wie Morpheme miteinander verbunden werden können, um neue Wörter zu bilden.
Sie erklärt auch die Flexion von Wörtern, d.h. die Veränderung der Form eines Wortes in Abhängigkeit von seiner grammatischen Funktion im Satz.

3. Syntax:

Die Syntax befasst sich mit der Anordnung von Wörtern und Wortgruppen zu grammatisch korrekten Sätzen.
Sie definiert die Regeln, nach denen Wörter zu Sätzen verbunden werden können und welche Funktionen sie im Satz einnehmen.
Die Syntax bestimmt z.B. die Wortstellung, den Gebrauch von Kasus und Tempus und die Bildung von Satzgliedern.

4. Semantik:

Die Semantik befasst sich mit der Bedeutung von Wörtern, Sätzen und Texten.
Sie erklärt, wie sprachliche Ausdrücke mit Konzepten und Sachverhalten der realen Welt verknüpft sind.
Die Semantik untersucht auch die Bedeutungsunterschiede zwischen Wörtern und die verschiedenen Arten von Bedeutung, die sprachliche Ausdrücke haben können, z.B. lexikalische Bedeutung, grammatische Bedeutung und pragmatische Bedeutung.

5. Pragmatik:

Die Pragmatik befasst sich mit der Bedeutung von sprachlichen Äußerungen in ihrem Kontext.
Sie erklärt, wie die Bedeutung einer Äußerung durch Faktoren wie den Sprecher, den Hörer, die Situation und die Gesprächsabsicht beeinflusst wird.
Die Pragmatik untersucht z.B. die Verwendung von Höflichkeitsformen, Ironie und Implikaturen.

Also angenommen ein Löwe würde diese Bedingungen erfüllen können, dann wäre er ein Mensch und kein Löwe.

Wäre der Löwe dennoch ein Löwe und würde diese Bedingungen erfüllen, dann würde er eine neue Sprache sprechen, meinetwegen Löwisch.
Aufgrund der Struktur seiner Sprache könnte diese Sprache vermutlich entschlüsselt werden, weil seine Sprache die gleiche Struktur hat wie unsere.

Und das würde dazu führen das ein Mensch den Löwen verstehen könnte.

Das passt hinten und vorne nicht egal wie man es dreht und wendet.

Die Argumentation von Wittgenstein ist unsinnig.

MfG Meller




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Jörn Budesheim
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Fr 19. Apr 2024, 19:02

Meller hat geschrieben :
Fr 19. Apr 2024, 16:00
Freitag 19. April 2024, 16:00
Meller hat geschrieben :
Fr 19. Apr 2024, 18:27
Freitag 19. April 2024, 18:27

Ich habe mich einmal schlau gemacht über die Struktur unsere Sprache.
Das ist rekordverdächtig :)




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Jörn Budesheim
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Mi 8. Mai 2024, 18:36

https://www.tagesschau.de/wissen/forsch ... n-100.html

Hier geht es um die Sprache der Wale, sehr lesenswert.

Vielleicht habe ich den Artikel nicht richtig gelesen, aber ich habe das Gefühl, dass viel zu wenig über die Realität der Wale geschrieben wird, denn worauf soll sich die Sprache beziehen, wenn nicht auf diese Realität?

Eigentlich müsste man nach dem Prinzip der radikalen Übersetzung vorgehen. Und da kann es natürlich sein, dass Wittgenstein Recht hat, dass uns die Wirklichkeit der Wale einfach zu fremd ist.




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