Schach

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Hermeneuticus
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Fr 10. Nov 2017, 15:35

Ich spiele auch Schach. Aber weil mein Vater und mein großer Bruder mir immer weit voraus waren (sie spielten zeitweise im Verein), habe ich mich nie angestrengt, um ihnen beizukommen. Vor allem fand ich es immer zu trocken, Theorie zu pauken - z.B. die diversen Eröffnungen und ihre Varianten bis zum 6., 7.... 10. Zug. Was ich an taktischen Regeln drauf habe, habe ich von meinem Bruder gelernt.

In den letzten Jahren, konkret: seit mein Bruder und mein Vater tot sind, spiele ich fast nur noch online. Und zwar Blitz, 5 Minuten. Bei chess.com krebse ich immer so zwischen 1600 und 1700 Punkten herum; hin und wieder knacke ich 1700er Grenze, konnte mich aber bis jetzt dort nie lange dort halten. Es macht schon einen deutlichen Unterschied, gegen jemanden zu spielen, der etwa bei 1800 Punkten rangiert. Die Herrschaften "sehen" einfach mehr Möglichkeiten und "schauen" weiter voraus als unsereiner. Ich habe da eigentlich nur eine Chance, wenn a) ich voll auf der Höhe bin und b) der Gegner mich vielleicht etwas unterschätzt und daher zu unvorsichtig angreift; dann kann ich schon mal als "counter-puncher" reüssieren.

Ich meine aber auch beobachtet zu haben, dass "Psychologie" eine große Rolle spielt. Kommt man mit einem niedrigeren Ranking daher, spielen die Gegner spürbar aggressiver. Bei einem höheren Ranking spielen sie sofort respektvoller.




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Jörn Budesheim
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Hermeneuticus hat geschrieben :
Fr 10. Nov 2017, 15:35
1700
Ich hab mal gelesen mit einer Spielstärke von ca. 1700 hat man eine Gewinnwahrscheinlichkeit von deutlich über 90%, wenn man beliebige Personen auf der Straße zu einer Partie herausfordert :-)




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Jörn Budesheim
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Fr 10. Nov 2017, 17:02

schachkurve.jpg
schachkurve.jpg (48.67 KiB) 12661 mal betrachtet

bullet.jpg
bullet.jpg (34.91 KiB) 12661 mal betrachtet


Da meine Wertungszahlen sehr schwanken, hab ich mal diese Grafiken aus meinem Account kopiert, das ist aussagekräftiger.

Ich spiele fast ausschließlich Blitz 3+0 (oben) und gelegentlich Bullet 1+0 (unten). Erstaunlich finde ich meine hohe "Volatilität", deswegen die Kurve. Beim Blitz bewege ich in einem sehr weiten Bereich von über 600 Punkten! Und das wechselt manchmal schlagartig. Im Bullet bin ich deutlich schwächer, dafür aber konstanter. Ich spiele es in den letzten Wochen verstärkt ... im Prinzip um "Tempo" zu trainieren. Nach so einer Bullet-Phase kommen einem 3 Minuten dann wie eine kleine Ewigkeit vor :-)

Ich hab ab 17 im Verein gespielt, aber ich schätze seit deutlich über 10 Jahren nicht mehr. Theorie gebüffelt hab ich natürlich auch, teilweise auch gerne. Im Grunde erreicht man aber nach 7 -10 Zügen erst so etwas wie die Grundstellung der Varianten.]




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Jörn Budesheim
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Fr 10. Nov 2017, 18:42

Schaust du dir heute Abend 20.00 Uhr den Champions Showdown? Die Show mit J. Shahade, Y. Seirawan, A. Ramirez etc. finde ich unglaublich gut gemacht. Einziger Wermutstropfen sind die gelegentlich zugeschalteten Zuschauer :-) Ansonsten: perfekt!




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Jörn Budesheim
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Fr 10. Nov 2017, 20:07

übertragung.jpg
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Hermeneuticus
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Fr 10. Nov 2017, 23:15

Ich habe Fußball geschaut. Und ab der Halbzeit nebenbei über Kopfhörer Klavier geübt, weil das Spiel dann ziemlich abflaute. Ich habe übrigens noch nie eine Schachübertragung angeschaut; so stark ist mein Interesse nicht.




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Jörn Budesheim
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Sa 11. Nov 2017, 05:07

Ich kann mich meinerseits nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein ganzes Fußballspiel gesehen habe :) bei EM und WM schaue ich gelegentlich, vielleicht wenn wir ins Finale gekommen sind oder sowas...

Die Schach Übertragungen sind für mich deutlich interessanter, weil da die ganze Zeit Action ist, während für mich Fußball über weite Strecken einfach langweilig ist, vermutlich verstehe ich einfach zu wenig davon :)




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Madison
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Di 14. Nov 2017, 18:58

Jörn Budesheim hat geschrieben :
Fr 10. Nov 2017, 16:29
ich hab mal gelesen mit einer Spielstärke von ca. 1700 hat man eine Gewinnwahrscheinlichkeit von deutlich über 90%, wenn man beliebige Personen auf der Straße zu einer Partie herausfordert :-)
Das ist ja nicht verwunderlich; ich bin Ende der 90iger Jahre Stadtmeister mit rd. 1750 geworden. Danach ging es allerdings sukzessive bergab. Mittlerweile bin ich bei 1630 gelandet und aus der 1. Mannschaft meines Vereins geflogen. Um den Negativtrend zu stoppen, müsste ich eröffnungstheoretisch aufrüsten, aber dazu fehlt mir die Geduld. Nachdem ich gehört habe, dass man auch mit Sport dem geistigen Verfall Einhalt gebieten kann, habe ich vor einiger Zeit mit Triathlon / Halbdistanz angefangen. Mal schaun, wie es ausgeht.




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Jörn Budesheim
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Di 14. Nov 2017, 19:26

Ich hatte in der Regel so um die 1900 - aber in irgendeine erste Mannschaft habe ich es damit nie geschafft :-) Und auch Vereinsmeister war ich nie. Da ich nur noch online blitze, dürfte meine Turnier-Spielstärke auch ziemlich im Keller sein. Theorie hab ich natürlich nichts aktuelles drauf. Aber früher hab ich durchaus Bücher gewälzt. Ich hatte sogar eine recht brauchbare Schach-Bibliothek, die ich später als ich mehr oder weniger aufgehört habe, einem Jugendtrainer geschenkt habe. Ich weiß nicht mal, ob schachtheoriemäßig noch Bücher genutzt werden - oder ob das mittlerweile alles digital läuft :-)

Ich finde, dass Schach viel komplizierter geworden ist. Zu meiner Vereinszeit hatte ich manchmal das Gefühl ein wenig von dem zu verstehen, was die Stars so spielen, heute sehen die Stellungen manchmal schon nach 10 Zügen wie gewürfelt aus und ich blicke überhaupt nicht durch :-)




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Madison
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Mi 15. Nov 2017, 19:04

Mit 1900 wärst du in unserem Verein auf jeden Fall in der 1. Mannschaft (Verbandsliga). Mein Problem ist die Beständigkeit. Im letzten Open habe ich gegen einen 2.000´er mit Caro Kann Beton angerührt und locker Remis geschafft, in der 2. Rd. dann gegen einen 1.430´er mit Weiß sang- und klanglos verloren, weil ich die Stellungsbilder nach dem angenommenen Damengambit nicht mehr im Kopf hatte. Hinzu kommt bei mir ein psychisches Problem: wenn ich merke, dass meine Figuren nicht miteinander harmonieren, verkrampfe ich, rechne immer wieder die gleichen Zugfolgen durch und komme in Zeitnot. Ich sollte mal eine Therapie in Ataraxie und Apatheia á la Epikur machen. :)

Interessant finde ich die Kurzkommentierungen von Jan Gustafsson auf YouTube; verstehe ich zwar auch nur zur Hälfte, ist trotzdem spannend kommentiert und man bekommt zumindest eine Ahnung, welche tieferen Motive die Spieler haben.




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Do 16. Nov 2017, 06:11

Madison hat geschrieben :
Mi 15. Nov 2017, 19:04
Interessant finde ich die Kurzkommentierungen von Jan Gustafsson auf YouTube; verstehe ich zwar auch nur zur Hälfte, ist trotzdem spannend kommentiert und man bekommt zumindest eine Ahnung, welche tieferen Motive die Spieler haben.
Ja, die Kommentare von Jan Gustafsson gefallen mir auch außerordentlich gut. Auch seine Live-Kommentare mit wechselnden Co Kommentatoren sind immer extrem unterhaltsam z.b. mit Lawrence Trent und Peter Svidler. Auch die Live-Kommentare aus den USA mit Yasser Seirawan, Mark Ashley und Jennifer Shahade sind großartig! Manchmal verstehen selbst diese Großmeister nicht alles, was die Spitzenspieler aufs Brett bringen, deswegen darf man sich wohl nicht verwundern, wenn Spieler wie wir nur eine Ahnung haben :) wenn überhaupt...




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Jörn Budesheim
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Do 16. Nov 2017, 18:53

http://www.schachbund.de/news/im-titel-fuer-vincent-keymer.html hat geschrieben :
IM-Titel für Vincent Keymer!

Bild

Hallo Vincent, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, um unsere Fragen zu beantworten! Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum IM-Titel. Du bist mit 12 Jahren, sieben Monaten und 15 Tagen der jüngste Internationale Meister aller Zeiten aus Deutschland. Damit hast Du David Baramidze abgelöst, der den Titel 2002 im Alter von 13 Jahren erhielt.
Neue deutsche Schachhoffung? :-) Ziemlich abgeklärte Antworten für einen kleinen Jung, finde ich ...




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Madison
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Do 16. Nov 2017, 19:39

Ja, der Kleine ist schon erstaunlich, mit 12 habe ich erst die Regeln gelernt. Mal sehen, was aus dem Jünger Caissas mal wird.

Wir machen zurzeit Werbeaktionen in Kindergärten und Grundschulen, da in unserem Verein der Unterbau allmählich ausdünnt. Das Rekrutieren klappt auch ganz gut, nur leider ist dies meist nicht von Dauer. Ab dem Jugendalter steigen die meisten wieder aus, selbst wenn sie bis dahin große Fortschritte gemacht haben. Man sollte Schach als Pflichtfach einführen.




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Jörn Budesheim
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Do 16. Nov 2017, 19:45

Du bist ja richtig aktiv im Verein! Ja, Jugendarbeit ist schwer ... ich kenn' das vom Boulespielen (mein Vereinssport)




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Jörn Budesheim
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Sa 18. Nov 2017, 10:05

Madison hat geschrieben :
Mi 15. Nov 2017, 19:04
Interessant finde ich die Kurzkommentierungen von Jan Gustafsson auf YouTube.
Man sollte aber Daniel King nicht unerwähnt lassen > PowerPlayChess Ich "befürchte" jedoch, dass die Zahl der gute Kommentatoren mittlerweile so groß ist, dass ich keinen guten Überblick mehr habe :-)

Sehr schade finde ich, dass Chess24 den FIDE Grand Prix Turnier in Palma de Mallorca, bei dem es um den Einzug in das Kandidatenturnier geht, nicht übertragen kann. Die offizielle Seite will 10 bzw. 25 $ Eintritt. Das ist mir zu viel. Chess24 ist ja auch nicht umsonst - ich glaube, ich zahle ca. 100 EUR/Jahr und mehr möchte ich nicht ausgeben. Ich hoffe, das ist keine Entwicklung, die sich fortsetzt, denn wenn jede Übertragung extra kostet, wird es unübersichtlich und vermutlich auch zu teuer.




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Stefanie
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Sa 18. Nov 2017, 21:25

Jetzt staune ich. Es gibt für Schach eine Art Bezahlfernsehen? Sky für Schach. Was es nicht alles gibt.



Nur Prinzessinnen richten ihr Krönchen.
Königinnen ziehen ihr Schwert.
(Unbekannt)

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Jörn Budesheim
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Sa 18. Nov 2017, 21:43

Stefanie hat geschrieben :
Sa 18. Nov 2017, 21:25
Bezahlfernsehen?
Wenn man so will: ja. Aber natürlich online.




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Madison
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So 19. Nov 2017, 19:34

Im Schachsport kann man mittlerweile viele Online-Möglichkeiten nutzen, Spiele gegen Programme, gegen andere Spieler, Aufgabenstellungen, Mattsuchen usw. Aber ich glaube, dass hier auch die Gefahr des Verzettelns droht. Das beste Training ist immer noch die reale Begegnung mit einem menschlichen Gegner unter Turnierbedingungen mit anschließend gemeinsamer Analyse.
Schön finde ich auch in Schach Cafés zu spielen, die es allerdings kaum noch gibt. Biergärten sind auch nicht schlecht, die Atmosphäre befördert ungemein die Kreativität, wird allerdings von den Wirten nicht so gerne gesehen.




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Jörn Budesheim
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So 19. Nov 2017, 19:51

Ich hab mich Jahre (oder gar Jahrzehnte?) im Sommer nahezu täglich mit Schachfreunden bei einem Freilandschach getroffen, wo es auch 3 fest installierte Schachtische gab. Aber diese Szene hat sich zu einem großen Teil schon seit langem aufgelöst. Das war schwer zu überbieten vom Flair!




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Madison
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Mo 20. Nov 2017, 19:30

Ja – schönes Stichwort, unser Vereinslokal war früher in der City, Fußgängerzone (Bürgerhaus) und vor dem Eingang befand sich ein Freilandschach mit im Pflaster eingelassenen Schwarz-/Weißflächen. Interessiert blieben Passanten stehen, die wir dann oft animierten mitzuspielen und haben so Werbung gemacht. Leider konnten wir die Miete nicht mehr bezahlen. Jetzt spielen wir abseits in einer Gesamtschule, öde aber mietfrei.




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