In der Provinz 5, Durs Grünbein

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Jörn Budesheim
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Do 3. Jun 2021, 06:30

Durs Grünbein, In der Provinz 5
(Bei Aquincum)


Wie vom Reisewagen gestreift eines fliehenden Siedlers
Lag auf der Römerstraße die tote Amsel, zerfetzt.

...

Ob Daker und Hunnen, Mongolenpferde und Motorräder –
Schimpfend hatte sie abgelenkt von der Nähe der Nester.


Hier > https://www.lyrikline.org/de/gedichte/der-provinz-5-73



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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Jörn Budesheim
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Do 3. Jun 2021, 06:57

Das gesamte Gedicht bzw sogar die gesamte Gedichtserie findet man natürlich, wenn man den Link folgt. Ich bin zwar in Fragen der Lyrik ziemlich ahnungslos, aber immerhin weiß ich, dass Durs Grünbein einigermaßen bekannt ist und wie mir scheint nicht umsonst. Mir gefällt der Zyklus sehr gut. Ich hatte ihn bereits vor längerer Zeit gelesen, könnte fast schon ein Jahr her sein, und er ist mir wieder in den Sinn gekommen, als hier der Faden zum Thema Verstehen/Hermeneutik eingerichtet wurde. Insbesondere diese Zeile hat es mir angetan:

"Ob Daker und Hunnen, Mongolenpferde und Motorräder –
Schimpfend hatte sie abgelenkt von der Nähe der Nester."



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

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Sa 5. Jun 2021, 07:02

"Mehr war nicht drin." Beim Versuch von der Nähe der Nester abzulenken wurde sie beiseite gefegt, die Amsel. Der Wind, der auch kein geschichtliches Wesen ist, hat mit ihr ein schwarzes Segel gesetzt. Mich hat die einfache Idee, dass es immer dieselbe Amsel ist, die tot auf dem Weg liegt, aber gleichzeitig die Geschichte seit den Darkern "überdauert", beeindruckt.



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