Blitze, Ingeborg Bachmann

Raum für Besprechung von Romanen, Gedichten und Geschichten
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Jörn Budesheim
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Sa 24. Jul 2021, 13:41

Ins Gewitter ist die weitere Umgebung gekommen, die weißen Vögel sind darum fortgeflogen. Aber am See entsteht eine Musik, rasch hingeworfen, rasch dem gewellten Wasser anvertraut, das bald friert, auftaut, verschlammt, wieder friert. Die Angeln, steif, sind eingemauert im Eis, mit den Tönen an den Haken, auch die Musik ist erfroren, während über die Avus das Autorennen geht, der donnernde Lärm von Berlin die ängstliche Stille Berlins ins Gebet nimmt. An Schlaf ist nicht zu denken. Die rote Grütze, die es abends gibt, wird von den Patienten zurückgeschickt, niemand bringt einen Löffel hinunter, niemand will mehr einen Blitz zählen und dazu seinen Löffel voll schlucken. Die Schwestern tragen mißbilligend alle Blumen aus den Zimmern und stellen die Vasen auf den Gang.


https://www.deutscheakademie.de/de/ausz ... n/dankrede



"Nichts ist menschlicher als der Wunsch, kein Mensch zu sein!" (Stanley Cavell)

"Die meisten Menschen würden leichter dahin zu bringen seyn, sich für ein Stück Lava im Monde, als für ein Ich zu halten." (Fichte)

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